Bartók: A kékszakállú herceg vára / Weill: Die sieben Todsünden (Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Wiederaufnahme/Premiere am 01.03.2019)

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    • Bartók: A kékszakállú herceg vára / Weill: Die sieben Todsünden (Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Wiederaufnahme/Premiere am 01.03.2019)

      01.03.2019
      Wiesbaden, Hessisches Staatstheater

      Béla Bartók: A kékszakállú herceg vára
      Libretto: Béla Balázs

      Kurt Weill: Die sieben Todsünden
      Libretto: Bertolt Brecht

      Regie: Uwe Eric Laufenberg und Magdalena Weingut
      Johannes Martin Kränzle, Vesselina Kasarova, Nicola Beller Carbone u. a. m.
      Hessisches Staatsorchester, Ltg.: Philipp Pointner

      Letzten Freitag gab es eine Wiederaufnahme und eine Premiere in Wiesbaden. Bartóks Blaubart war eine Wiederaufnahme von 2015. Damals war Gerd Grochowski für den ursprünglich vorgesehenen, aber erkrankten Johannes Martin Kränzle eingesprungen (mit großem Erfolg, wie zu lesen ist); vor zwei Jahren starb Grochowski und diesmal war der wieder genesene Kränzle zu erleben.

      Die Bühne (Matthias Schaller, Susanne Füller) präsentiert ein modern-sachliches Lift-Appartment im 7. Stock eines Hochhauses in irgendeiner der heutigen Metropolen, spärlich-kalt-nüchtern eingerichtet mit Bett, Sofa, zwei Sesseln und einem Beistelltisch mit Alkoholika (Blaubart wird später zweimal den Kognac schwenken). Blaubart, steinreicher Businessmaker, und seine neueste Eroberung Judit, auch sie gekleidet wie in der Geschäftswelt üblich, verlassen den Aufzug und beginnen ihre Affaire. Blaubart fällt gleich über Judit her, die sexuelle Anziehung ist mächtig und gegenseitig. (Blaubart setzt das Mittel der Manipulation durch sexuelle Verführung auch später immer wieder ein, wenn es für ihn kritisch wird.) Doch dann - musikalisch präsent in der wiederkehrenden kleinen Sekund, der schärfsten Dissonanz überhaupt - die Zweifel der Frau: Wer ist dieser Mann, was hat er zu verbergen? Nach und nach zwingt sie ihn, sich zu offenbaren: Auf seinem Laptop findet sie Darstellungen von Folterkammern (vermutlich, der Zuschauer muß das erraten) und einen Haufen Papiere, die von den Rüstungsgeschäften künden, die Blaubart zu einem steinreichen Mann gemacht haben (meine persönliche Auslegung, offen gezeigt wird das so nicht). Eine Schatulle enthält die Schätze, Blaubart legt Judit eine offensichtlich wertvolle Kette um den Hals. Der Zaubergarten wird durch Unmengen von Blumen visualisiert, die über die Bühne verstreut werden. Die Ländereien erscheinen als riesige Projektion im Hintergrund, die merkwürdig leer und karg wirkt. Zuletzt erscheinen dann drei schwarzgekleidete Damen, die Frauen, die Morgen, Mittag und Abend in Blaubarts erotischer Vergangenheit symbolisieren. Sie räumen die Bühne auf, sammeln die Blumen ein und packen die Papiere und den Laptop wieder in Blaubarts Tasche. Judit bleibt die Nacht und Blaubart verschwindet im Aufzug.

      Was hier möglicherweise als ein platter Versuch der Regie (Uwe Eric Laufenberg) angesehen werden könnte, die in einer Burg in märchenhafter Vorzeit angesiedelte Handlung auf die Gegenwart zu übertragen, erweist sich als ideale Vorlage für die psychologische Raffinesse der Konstellation der beiden Personen, gerade weil auf besondere Effekte weitgehend verzichtet wird: Kränzle und Kasarova spielen die abgründigen Facetten atemberaubend aus, beide sängerisch herausragend und darstellerisch in einer Weise überzeugend, wie ich es selten auf der Opernbühne erlebt habe, beide absolut auf "Augenhöhe". Die unheimliche Spannung des Ganzen zeigte sich auch in der souveränen Leitung Philipp Pontners und des hervorragend aufspielenden Hessischen Staatsorchesters. Mir schien, die Regie hat es auch hier weitgehend der Musik überlassen, die phantastischen Bilder, die durch das Öffnen der sieben Türen entstehen und die die Handlung voranbringen (als eine eher innere Handlung in der Psyche der beiden Beteiligten, denn äußerlich ist das Werk bekanntlich recht handlungsarm) hervorzurufen, anstatt schlicht zu "verdoppeln": Das tat der Aufführung insgesamt sehr gut!

      Musikalisch und darstellerisch überzeugend fand ich auch den zweiten Teil des Abends, das "Ballett mit Gesang in sieben Bildern" Die sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht, eine satirische Abrechnung mit der kapitalistischen Doppelmoral, sozusagen eine Fortsetzung von Dreigroschenoper und Mahagonny. Nicola Beller Carbone spielte die Anna, zwei Figuren, Anna I und Anna II, in einer. Auch hier: eine sängerisch wie darstellerisch überzeugende Darbietung, sehr wandlungsfähig und: Diese Anna kann tanzen! Im Hintergrund präsent ist Annas Familie, deren Ansprüchen sie sich immer wieder konfrontiert sieht bei ihrer Karriere als Sängerin und Tänzerin auf ihren sieben Stationen in den USA (den sieben Todsünden). Die Familie besteht aus einem Männerquartett (einschließlich der Mutter), Florian Küppers, Ralf Rachbauer, Julian Habermann und Daniel Carison. Die vier Herren sangen spritzig, akkurat und klar, ein bestens disponiertes Quartett!

      Auch hier eine wenig spektakuläre Regie (Inszenierung: Magdalena Weingut, Bühne: Matthias Schaller, Kostüme: Katarzyna Szukszta), mit geschickter Raumaufteilung: weitgehend leere Bühne, mit beweglichen Wänden, die die Bühne öffnen und schließen, in der Mitte eine Badewanne als einziges "Möbelstück".

      Ich räume ein, daß ich mit diesem Teil des Abends etwas fremdelte, was nicht an den beteiligten Künstlern lag, sondern am Stück selbst: Zu sehr ist es m. E. dem Zeitkolorit der Weimarer Republik verhaftet, melodisch vielfältig mit vielen Bezügen zur Populärmusik der Zeit, toll gemacht, keine Frage. Mein Problem: Ich habe vorab Aufnahmen mit Lotte Lenya und Gisela May gehört, da klingt das alles irgendwie "authentischer", plastischer, "fetziger". Der Versuch, das als Oper heute aufzuführen (und Nicola Beller Carbone ist eine vorzügliche Opernsängerin), wirkte auf mich etwas angestaubt - wobei auch hier Philipp Pointner und das Hessische Staatsorchester bestens disponiert waren.

      Vielleicht ein Beispiel dafür, daß es Kunstwerke gibt, die schneller altern als andere? Oder eben nur meine subjektive Erwartung? Ich lasse das mal offen.

      Alles in allem: Ein eindrucksvoller Opernabend!

      Weitere Vorstellungen: 8.3., 14.3., 23.3., 31.3. Karten gibt es noch reichlich, auch die Vorstellung am 1.3. war längst nicht ausverkauft.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Es freut mich zu hören, das Vesselina Kasarová offenbar stimmlich wieder in Form ist. Just zu der Zeit, als J. M. Kränzle den Blaubart in Köln sang, hatte sie ebenda eine wirklich restlos desolate Carmen auf die Bühne gebracht. Kränzles ungarisch ist übrigens ziemlich gut - meinte jedenfalls seinerzeit der hungarophone Don Fatale (der uns ja leider abhanden gekommen ist). Und Beller Carbone sang damals Poulens Voix humaine als "Vorprogramm" zum Blaubart. War alles zu Laufenbergs Kölner Zeit als Intendant.

      P.S.: Dein ausführlicher und informativer Beitrag hätte durchaus einen eigenen Thread verdient, anstatt alsbald im Operntelegramm zu verschimmeln! Was meint die Moderation?

      Auch der nun hier.
      AlexanderK, Moderation
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Danke für Deinen plastischen Bericht, ich kann mir gut vorstellen, wie Du die Aufführung empfunden hast. Uwe Eric Laufenberg hat in Wien die Elektra inszeniert, da erkenne ich ein paar Ähnlichkeiten (Lift, spärlich-kalt-nüchterne Atmosphäre). Die Elektra ist in Wien - mE völlig zurecht - komplett gefloppt, ich kann mir aber vorstellen, dass das von Dir beschriebene Herzog-Blaubart-Konzept aufgeht.
      Es freut mich, dass Vesselina Kasarova offenbar wieder in Form ist, sie hatte doch vor ein paar Jahren Stimmprobleme? Und jetzt tritt sie nicht mehr viel auf. Aber für die Judith braucht man ja keinen Schöngesang, da könnte das durchaus funktionieren!
      Die sieben Todsünden kenne ich nicht, aber ich würde Deine Vermutung, dass Weill+Brecht nicht mehr so recht aktuell sind, unterschreiben. Den Eindruck habe ich nämlich auch.

      An die Moderation: Könnte vielleicht auch Quasimodos Antwort auf den Bericht und der darauffolgende, sich darauf beziehende, hierher verschoben werden? Nur damit die Antworten nicht so verloren im Operntelegramm-Thread herumkugeln.

      1 erledigt (siehe oben), 2 Verweis nun direkt im Folgeposting verdeutlicht.
      AlexanderK, Moderation
    • Gurnemanz schrieb:

      01.03.2019
      Wiesbaden, Hessisches Staatstheater

      Béla Bartók: A kékszakállú herceg vára
      Libretto: Béla Balázs

      Kurt Weill: Die sieben Todsünden
      Libretto: Bertolt Brecht

      Regie: Uwe Eric Laufenberg und Magdalena Weingut
      Johannes Martin Kränzle, Vesselina Kasarova, Nicola Beller Carbone u. a. m.
      Hessisches Staatsorchester, Ltg.: Philipp Pointner

      Letzten Freitag gab es eine Wiederaufnahme und eine Premiere in Wiesbaden. Bartóks Blaubart war eine Wiederaufnahme von 2015. Damals war Gerd Grochowski für den ursprünglich vorgesehenen, aber erkrankten Johannes Martin Kränzle eingesprungen (mit großem Erfolg, wie zu lesen ist); vor zwei Jahren starb Grochowski und diesmal war der wieder genesene Kränzle zu erleben.

      Die Bühne (Matthias Schaller, Susanne Füller) präsentiert ein modern-sachliches Lift-Appartment im 7. Stock eines Hochhauses in irgendeiner der heutigen Metropolen, spärlich-kalt-nüchtern eingerichtet mit Bett, Sofa, zwei Sesseln und einem Beistelltisch mit Alkoholika (Blaubart wird später zweimal den Kognac schwenken). Blaubart, steinreicher Businessmaker, und seine neueste Eroberung Judit, auch sie gekleidet wie in der Geschäftswelt üblich, verlassen den Aufzug und beginnen ihre Affaire. Blaubart fällt gleich über Judit her, die sexuelle Anziehung ist mächtig und gegenseitig. (Blaubart setzt das Mittel der Manipulation durch sexuelle Verführung auch später immer wieder ein, wenn es für ihn kritisch wird.) Doch dann - musikalisch präsent in der wiederkehrenden kleinen Sekund, der schärfsten Dissonanz überhaupt - die Zweifel der Frau: Wer ist dieser Mann, was hat er zu verbergen? Nach und nach zwingt sie ihn, sich zu offenbaren: Auf seinem Laptop findet sie Darstellungen von Folterkammern (vermutlich, der Zuschauer muß das erraten) und einen Haufen Papiere, die von den Rüstungsgeschäften künden, die Blaubart zu einem steinreichen Mann gemacht haben (meine persönliche Auslegung, offen gezeigt wird das so nicht). Eine Schatulle enthält die Schätze, Blaubart legt Judit eine offensichtlich wertvolle Kette um den Hals. Der Zaubergarten wird durch Unmengen von Blumen visualisiert, die über die Bühne verstreut werden. Die Ländereien erscheinen als riesige Projektion im Hintergrund, die merkwürdig leer und karg wirkt. Zuletzt erscheinen dann drei schwarzgekleidete Damen, die Frauen, die Morgen, Mittag und Abend in Blaubarts erotischer Vergangenheit symbolisieren. Sie räumen die Bühne auf, sammeln die Blumen ein und packen die Papiere und den Laptop wieder in Blaubarts Tasche. Judit bleibt die Nacht und Blaubart verschwindet im Aufzug.

      Was hier möglicherweise als ein platter Versuch der Regie (Uwe Eric Laufenberg) angesehen werden könnte, die in einer Burg in märchenhafter Vorzeit angesiedelte Handlung auf die Gegenwart zu übertragen, erweist sich als ideale Vorlage für die psychologische Raffinesse der Konstellation der beiden Personen, gerade weil auf besondere Effekte weitgehend verzichtet wird: Kränzle und Kasarova spielen die abgründigen Facetten atemberaubend aus, beide sängerisch herausragend und darstellerisch in einer Weise überzeugend, wie ich es selten auf der Opernbühne erlebt habe, beide absolut auf "Augenhöhe". Die unheimliche Spannung des Ganzen zeigte sich auch in der souveränen Leitung Philipp Pontners und des hervorragend aufspielenden Hessischen Staatsorchesters. Mir schien, die Regie hat es auch hier weitgehend der Musik überlassen, die phantastischen Bilder, die durch das Öffnen der sieben Türen entstehen und die die Handlung voranbringen (als eine eher innere Handlung in der Psyche der beiden Beteiligten, denn äußerlich ist das Werk bekanntlich recht handlungsarm) hervorzurufen, anstatt schlicht zu "verdoppeln": Das tat der Aufführung insgesamt sehr gut!

      Musikalisch und darstellerisch überzeugend fand ich auch den zweiten Teil des Abends, das "Ballett mit Gesang in sieben Bildern" Die sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht, eine satirische Abrechnung mit der kapitalistischen Doppelmoral, sozusagen eine Fortsetzung von Dreigroschenoper und Mahagonny. Nicola Beller Carbone spielte die Anna, zwei Figuren, Anna I und Anna II, in einer. Auch hier: eine sängerisch wie darstellerisch überzeugende Darbietung, sehr wandlungsfähig und: Diese Anna kann tanzen! Im Hintergrund präsent ist Annas Familie, deren Ansprüchen sie sich immer wieder konfrontiert sieht bei ihrer Karriere als Sängerin und Tänzerin auf ihren sieben Stationen in den USA (den sieben Todsünden). Die Familie besteht aus einem Männerquartett (einschließlich der Mutter), Florian Küppers, Ralf Rachbauer, Julian Habermann und Daniel Carison. Die vier Herren sangen spritzig, akkurat und klar, ein bestens disponiertes Quartett!

      Auch hier eine wenig spektakuläre Regie (Inszenierung: Magdalena Weingut, Bühne: Matthias Schaller, Kostüme: Katarzyna Szukszta), mit geschickter Raumaufteilung: weitgehend leere Bühne, mit beweglichen Wänden, die die Bühne öffnen und schließen, in der Mitte eine Badewanne als einziges "Möbelstück".

      Ich räume ein, daß ich mit diesem Teil des Abends etwas fremdelte, was nicht an den beteiligten Künstlern lag, sondern am Stück selbst: Zu sehr ist es m. E. dem Zeitkolorit der Weimarer Republik verhaftet, melodisch vielfältig mit vielen Bezügen zur Populärmusik der Zeit, toll gemacht, keine Frage. Mein Problem: Ich habe vorab Aufnahmen mit Lotte Lenya und Gisela May gehört, da klingt das alles irgendwie "authentischer", plastischer, "fetziger". Der Versuch, das als Oper heute aufzuführen (und Nicola Beller Carbone ist eine vorzügliche Opernsängerin), wirkte auf mich etwas angestaubt - wobei auch hier Philipp Pointner und das Hessische Staatsorchester bestens disponiert waren.

      Vielleicht ein Beispiel dafür, daß es Kunstwerke gibt, die schneller altern als andere? Oder eben nur meine subjektive Erwartung? Ich lasse das mal offen.

      Alles in allem: Ein eindrucksvoller Opernabend!

      Weitere Vorstellungen: 8.3., 14.3., 23.3., 31.3. Karten gibt es noch reichlich, auch die Vorstellung am 1.3. war längst nicht ausverkauft.

      :wink:
      Nun war ich gestern auch dort. Und ich kann mich deiner Niederschrift fast vollständig anschließen:

      Herzog Blaubarts Burg war hervorragend in Szene gesetzt. Mir kam sogleich die Assoziation: die Bühne mit dem Fahrstuhl taugte hervorragend auch für eine Inszenierung von Huis Clos von Sartre. Dementsprechend habe ich die Regiearbeit auch sehr stark in dieser Richtung gelesen: es ging hier nicht so sehr um die dunkle Gewalthistorie des Herzogs; hier trafen vielmehr zwei aufeinander, die einander ihre Wünsche nicht erfüllen können (Judit ersehnt Offenheit, Blaubart erwartet lohengrineskes Unterwerfungsvertrauen), und deren Liebe deshalb zwangsläufig in einer Mordtat eskaliert. Die Wiesbadener Judit trägt für ihr tödliches Schicksal mehr Verantwortung als dies in der Geschichte angelegt ist. Und das macht die Inszenierung sehr interessant und fügt eine sehr ausleuchtungswürdige Ebene hinzu. Fast mehr Schmollen als Entstetzen überkommt sie, als sie das Blut an Blaubarts Schmuck und Blumen entdeckt, und dadurch entsteht diese Ebene: die Besudelung der Preziosen mit Blut ist hier nur mehr Chiffre: Die Güter sind nicht gut genug, als dass sie die Bedürfnisse der Judit decken könnten: SIe kann im wahrsten Sinne nicht genug kriegen: Sie verlangt die Öffnung aller Türen. Zwar kommt es auch in Wiesbaden zur Mordtat, doch kann man diese hier auch als Erschöpfungsakt eines Herzogs lesen, der die wissbegierige Habsucht seiner Judit nicht stillen konnte.

      Kränzle und Kasarova sind auf der Höhe der Zeit in Sachen Bühnenspiel, nicht immer ist ihr Gesang dadurch ausreichend gestützt. Stimmlich machen sie das beide deutlich wett (und jede nicht-konzertante Aufführung hat schließlich musikalisch ihren Preis).

      Bei den Sieben Todsünden fühle ich mich nicht recht urteilsfähig, weil mir das Genre nicht vertraut ist. Musikalisch ist hier allerdings alles im Lot. Das Hessische Staatsorchester schaltet nach der Pause mühelos vom spätromantischen Vollklang Bartóks auf die doppelbödige, oszillierend-unheilsschwangere Unterhaltungsmusik Weills um.

      Ein sehr schöner Abend. Würde keine Weltreisen lohnen, aber die 250 km war es wert... :D
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • diskursprodukt schrieb:

      Mir kam sogleich die Assoziation: die Bühne mit dem Fahrstuhl taugte hervorragend auch für eine Inszenierung von Huis Clos von Sartre.
      Jetzt, da Du es schreibst: Genau daran habe auch ich gedacht! Zumal ich das Sartre-Stück vor Jahren mal auf einer kleinen Bühne erlebt habe. "Geschlossene Gesellschaft" in einem fensterlosen Raum mit beklemmender Atmosphäre, das trifft es recht gut, da berühren sich Bartók/Balázs und Sartre durchaus! Vielen Dank für Deinen Bericht, lieber/s diskursprodukt! :)

      Vielleicht ergibt es sich irgendwann, A kékszakállú herceg vára in einer anderen Inszenierung zu erleben. Auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, daß das Niveau, das Kasarova und Kränzle geboten haben, so leicht erreicht werden kann.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann