"Das ist doch Mist! "- Wie reagieren auf schlechte Darbietungen?

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    • Waldi schrieb:

      Ich bin überzeugt, daß auch ohne Stars sehr gute Qualität geboten werden kann.
      Natürlich, ohne Frage. Mir ging es nur darum zu zeigen, dass 'Stars' eben eine ganz andere Erwartungshaltung wecken (wurscht, ob zu Recht oder zu Unrecht) und das Publikum von daher schon in einer anderen und möglicherweise engagierteren Stimmung ist.

      Waldi schrieb:

      Was ich leider zu wenig beurteilen kann, ist, inwieweit Inszenierungen im Repertoirebetrieb allmählich verkommen oder nicht.
      Ich finde, der Berghaus-Tristan hat z.B. gelitten, der Wieland-Wagner-Holländer über Jahrzehnte eher nicht (wobei ich die Premiere und nachfolgende Aufführungen nicht erlebt), der noch in den 80igern eine unglaubliche Kraft ausströmte. Ich glaube, dass Inszenierungen, in denen eine ausgeklügelte Personenregie stattfindet, altern eher ebenso wie solche, in denen zeitpolitische Umstände thematisiert werden. Die Aida von John Dew mit Anspielungen auf den Kosovo-Krieg hatte sich eben ganz schnell überholt.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Waldi schrieb:

      Solange man in Wien seine ohnehin kleine Portion Florez, Netrebko oder Garanca bekommt, hält sich allfälliger Unmut in für die Politik in leicht auszuhaltenden Grenzen. Selbst wenn jemand von diesen nicht mehr in Wien aufträte, würde das keinen Weltuntergang auslösen - solange sich nicht die Medien mangels anderer Sensationen dahinterklemmen und eine Affäre daraus machen.
      Ja, das gilt für Hamburg auch ähnlich. Die drei Genannten sind, so weit ich weiß, hier noch nie im Opernhaus aufgetreten. Bartoli, glaube ich, letztmalig 1987 (so roundabout). Und die ganzen 'Stars' zeitlich dazwischen (ob sie nun gut waren oder nicht spielt hier keine Rolle) auch nicht oder kaum. D.h. Hamburg ist seit Jahrzehnten quasi von der Top-Entwicklung des Marktes abgeschnitten worden. (Fleming, Terfel, Dessay, di Donato usw. Die Liste ist endlos.) Das bedeutet aber auch, dass das Hamburger Opernpublikum die Sänger, die sie von CD oder DVD kannten in HH nicht mehr live erleben konnten und von daher das 'Starpotential', die Wirkung (oder eben auch nicht) dieser Sänger von der Bühne her nicht mehr am eigenen Leib erleben konnten. Aber gerade dies und die hochgeschraubten Erwartungen im Vorfeld fördern wohl schon eine entsprechend lautstarke Reaktion. Von daher sind Dispute über Sänger in HH sehr zurückgegangen.

      :wink: Wolfram
      Ich werde Ende Mai in Hamburg "Don Carlos" besuchen - nicht wegen irgendwelcher so genannter oder hochgeschriebener Stars, sondern weil wir den fünfaktigen "Don Carlos" mit der in der letzten Saison in Lyon gesehenen Produktion vergleichen möchten. Und auch bei den nächsten für Hamburg angedachten Ausflügen gibt es keine Starbesetzungen. Warum auch, eine eingespielte Besetzung bringt ein Werk häufig besser über die Rampe als ein Star, der nach einer Probe weder die PartnerInnen noch die Feinheiten des Hauses wirklich kennt.
      PS: Den in Hamburg neuen Levente Pall habe ich mehrfach in München im Gärtnerplatztheater gehört und kann den Hanseaten zu diesem Engagement nur gratulieren.
    • brunello schrieb:

      Warum auch, eine eingespielte Besetzung bringt ein Werk häufig besser über die Rampe als ein Star, der nach einer Probe weder die PartnerInnen noch die Feinheiten des Hauses wirklich kennt.
      Ich habe hier dem 'Startheater' auch nicht gehuldigt was eine vermeintliche Qualität angeht. Mir ging es um einen anderen Punkt. Allerdings gibt es in Hamburg auch nicht die eingespielte Besetzung. Die Zeiten sind lange vorbei. Hier gibt es eher weder - noch. Und ich befürchte, damit ist im Großen und Ganzen niemand geholfen, weil nämlich oftmals Sänger, die dem Anspruch der Rolle nicht genügen und gleichzeitig als Teil eines Ensembles die Erarbeitung der Partie mit dem Regisseur nicht mitgemacht haben.

      :wink: Wolfram
    • Interessante Beiträge, lese ich gern. Einige Gedanken dazu:

      Bei der Bewertung von Operninhalten im weitesten Sinne könnte es eine größere Rolle spielen, als weithin angenommen, wo oder wie die sich jeweils äußernde Person Oper rezipiert. Wie Wieland bin ich früher sehr, sehr oft in die Staatsoper Hamburg gegangen, heute aber kaum noch. Geprägt und für die Oper begeistert wurde ich von dem meiner Meinung nach Dreamteam Konwitschny/Metzmacher. Was die beiden auf die Bühne gebracht haben, war immer interessant, bisweilen sogar aufregend. Auch damals schon gab es in Hamburg, um Wolframs richtige Beschreibung aufzugreifen, weder Starsänger noch ein Ensemble im klassischen Sinne (natürlich immer wieder sehr hörenswerte Einzelsänger, da will ich niemandem zu nahe treten), es gab aber hinter dem Weder-noch ein Aber: Regietheater at it's best. Dann kam die, meine Bewertung, unsägliche Simone Young. Kluges Theater fand kaum mehr statt, anstelle dessen wurden abgehalfterte Ex-Stars auf die Bühne gebracht. Ich ging nach wirklich vielen gutwilligen Versuchen nicht mehr hin. Was ich mit dieser Beschreibung sagen möchte: Jeder Opernbesucher besucht typischerweise die Opernhäuser seiner Region. Davon ist er geprägt. Da gibt es aber eben riesige Unterschiede zwischen Hamburg, München oder Wien. Ein Dritter geht womöglich gar nicht in die Oper, sondern sieht DVDs. Wieder ein anderer Eindruck (für mich höchstens ein Zehntel des Live-Erlebnisses; aber manchmal geht es anders nicht).

      Zu Thread-Thema lautet: Vor wenigen Wochen war ich in der Staatsoper Hamburg und habe ich Le nozze gehört. Das musikalisch Gebotene war durchschnittlich. Schon bei der Ouvertüre wurde klar, dass das heute über eine mittelmäßige Repertoire-Vorstellung nicht hinausgeht. Fehlende Lebendigkeit, keine Spritzigkeit, dafür abgenudeltes Runterspielen. Die Sänger von unterschiedlicher Qualität, genug, um sich zu erfreuen. Aber die Regie! Stefan Herheim beherrscht sein Handwerk. Visuelle Effekte, Unterhaltung, Videotechnik, Bespielung der ganzen Bühne, alles da. Das Werk wurde jedoch dargeboten als inhaltslose Posse mit ein wenig Commedia dell'arte. Es war schlichtweg dumm. Der hat nicht verstanden, worum es geht, könnte man meinen. Oder will er kein anstrengendes Theater mehr? Soll Theater nur noch unterhalten? Die Staatsoper als Cirque du soleil? Meine Reaktion: Ich bin in der Pause gegangen. War mir zu blöd, um es bis zum Ende anzugucken. Wie reagieren auf schlechte Darbietungen, heißt die Frage. Ich habe in solchen Fällen kein Bedürfnis, meine Kritik zu äußern, sondern bleibe weg.

      Nebenbei bemerkt: Das Hamburger Schauspielhaus vermeidet unter Beier inzwischen auch den inhaltlichen Diskurs. Man behauptet zwar, sich engagieren zu wollen, aber die ernsten Themen werden immer nur angetippt, um sie dann lächelnd ins Boulevardeske zu überführen. Soll ja ein schöner Abend sein.

      Zum Falschverstehen von Kritik: Bevor ich regelmäßig die Oper besuchte, besuchte ich regelmäßig die Heimspiele des HSV. Da schon erlebte ich das Phänomen, dass ein bestimmter Spieler ausgewechselt wird, weil er grottenschlecht gespielt hat - ich pfiff mit, so laut ich konnte. In der Sportschau hörte ich den Bericht und der Kommentator bemerkte zur selben Szene: Das Publikum ist mit der Entscheidung des Trainers, den Spieler auszuwechseln, nicht einverstanden und pfeift den Trainer gnadenlos aus.

      So ist das mit den Buhs oder Pfiffen. Sie sind nicht in ihrer Zielrichtung indifferent. Zurück zur Oper: Das Stück ist aus, z. B. ein Figaro neulich in Hamburg, die Sänger kommen auf die Bühne. Ich buhe und meine die Regie. Woher sollen die Sänger wissen, was ich meine?

      Stars? Jonas Kaufmann ist ein Star und ich frage mich, warum? Inzwischen lese ich immer wieder kritische Beiträge zu seinem Gesang. Ich höre ihn nicht gern, fühle mich sogar unwohl, wenn sein Gesang mich bedrängt. Das liegt an der speziellen Tonproduktion, die ihm eigen ist und auf mich unnatürlich gaumig und und unfrei wirkt. Wie kann solch ein Sänger ein Star werden, frage ich mich (und wie kann er sich trauen, eine Winterreise zu singen? Vollkatastrophe). Antwort: Er sieht gut aus, ist deutsch und das Geschäft konnte einen Star gut gebrauchen. Nur, ich kann das gar nicht wirklich beurteilen. Live gehört habe ich ihn noch nie. Eine einzige DVD habe ich gesehen. Ab und zu mal etwas im Fernsehen, ansonsten Audio-Konserve. Also kann ich ihn gar nicht fair beurteilen, zumal Oper in ganz besonderem Maße vom Live-Erlebnis lebt. Da mag er gut sein und faszinieren (so dass man eher über die stimmlichen Mängel, meine Bewertung bzw. mein Geschmack, hinwegzusehen bereit ist).
    • Wie reagieren auf schlechte Darbietungen?
      In meinen Augen ganz einfach: nicht mehr hingehen!
      In den Jahren meiner aktiven musikalischen Präsenz hab ich gemerkt, das Kritikeräußerungen oft mehr über die Beziehung Kritiker-Künstler aussagen als über die Kunst, zumindest hier in der Provinz, und damit eigentlich kaum Wirkung zeigen. Buhs gehören für manche Zuhörer zur Aufführung (mit eigenen Ohren als Begründung vernommen) wie klatschen, trampeln oder pfeifen.
      Schlecht meint für mich allerdings nicht wenn man z.B. erkältet singt, das kann man ja auch vorher ankündigen, oder wenn man für einen anderen einspringen muß oder sowas, nobody is perfect,
      aber ein Chor sollte in derselben Tonart ankommen, in der er gestartet ist, und möglichst alle Sänger gleichzeitig, der Dirigent sollte irgendwie einen gestalterischen Zugriff vermuten lassen und so weiter und so fort.
      Das Leben in der Provinz ist hart.
    • Knulp schrieb:

      Aber die Regie! Stefan Herheim beherrscht sein Handwerk. Visuelle Effekte, Unterhaltung, Videotechnik, Bespielung der ganzen Bühne, alles da. Das Werk wurde jedoch dargeboten als inhaltslose Posse mit ein wenig Commedia dell'arte. Es war schlichtweg dumm. Der hat nicht verstanden, worum es geht, könnte man meinen. Oder will er kein anstrengendes Theater mehr? Soll Theater nur noch unterhalten?
      OT bemerkt: Hört sich an, als hättest Du seinen Berliner Offenbach-"Blaubart" (Komische Oper) gesehen. (Leider war da auch die musikalische Seite, trotz Stefan Soltesz, im roten Bereich).
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Knulp schrieb:

      Geprägt und für die Oper begeistert wurde ich von dem meiner Meinung nach Dreamteam Konwitschny/Metzmacher. Was die beiden auf die Bühne gebracht haben, war immer interessant, bisweilen sogar aufregend.

      Knulp schrieb:

      es gab aber hinter dem Weder-noch ein Aber: Regietheater at it's best.
      Das habe ich leider anders erlebt. RT at it's best fand ich eher vorher unter Ruzicka mit dem Wilson-Parsifal, dem Kupfer-Tannhäuser oder bei Liebermann in der einzigen Saison, die er selbstverantwortlich gestalten konnte mit dem Berghaus-Tristan oder mit Cosmopolitan Greetings. Aber das ist letztlich auch persönliche Sicht und könnte höchstens an einem anderen Ort diskutiert werden.

      Knulp schrieb:

      Dann kam die, meine Bewertung, unsägliche Simone Young.
      Na, da sind wir uns aber so was von einig. :D Das Hausbackene hielt Einzug.

      Knulp schrieb:

      Ich ging nach wirklich vielen gutwilligen Versuchen nicht mehr hin.
      Genauso erging es mir auch. Immer häufiger verließ ich das Opernhaus in der Pause oder schlich mich vorher schon raus. Und habe dann natürlich auf jede Kritikäußerung, wie auch immer verzichtet.

      Knulp schrieb:

      Vor wenigen Wochen war ich in der Staatsoper Hamburg und habe ich Le nozze gehört. Das musikalisch Gebotene war durchschnittlich. Schon bei der Ouvertüre wurde klar, dass das heute über eine mittelmäßige Repertoire-Vorstellung nicht hinausgeht. Fehlende Lebendigkeit, keine Spritzigkeit, dafür abgenudeltes Runterspielen. Die Sänger von unterschiedlicher Qualität, genug, um sich zu erfreuen. Aber die Regie! Stefan Herheim beherrscht sein Handwerk. Visuelle Effekte, Unterhaltung, Videotechnik, Bespielung der ganzen Bühne, alles da. Das Werk wurde jedoch dargeboten als inhaltslose Posse mit ein wenig Commedia dell'arte.
      Das ist eben das Problem, wenn ein Ensemble, mit dem das Stück über Wochen erarbeitet wurde, nicht mehr zur Verfügung steht. Im Stagione-Theater kann man das auch bei Neuaufnahmen umgehen, wenn man das Stück mit dem neuen Ensemble nochmal neu erarbeitet. Oder aber mit einem festen Ensemble, was Liebermann damals ja nochmal versucht hat. Aber dafür ist die Zeit an einem großen Opernhaus wohl vorbei. Also wird man mit diesem Problem weiter leben müssen. Was ich allerdings nicht beurteilen kann, ist inwieweit die Abendregisseure überhaupt noch die Zeit und Fähigkeiten besitzen, die neuen Sänger vorzubereiten und einzuarbeiten.

      Knulp schrieb:

      Meine Reaktion: Ich bin in der Pause gegangen. War mir zu blöd, um es bis zum Ende anzugucken. Wie reagieren auf schlechte Darbietungen, heißt die Frage. Ich habe in solchen Fällen kein Bedürfnis, meine Kritik zu äußern, sondern bleibe weg.
      In dem Fall kann man nicht reagieren, höchsten es der Garderobiere mitzuteilen. Aber das bringt ja auch nichts. ^^

      Knulp schrieb:

      Zurück zur Oper: Das Stück ist aus, z. B. ein Figaro neulich in Hamburg, die Sänger kommen auf die Bühne. Ich buhe und meine die Regie. Woher sollen die Sänger wissen, was ich meine?
      Nach der A-Premiere kann man Unmut über die Regie eigentlich nicht mehr äußern. Es sei denn, man macht es wie jemand in, ich glaube, der dritten Vorstellung des Tristan und schreit: 'Man sollte Frau Berghaus erschießen.' Das geschah allerdings noch bevor die Sänger auf die Bühne kamen. Damit war die Zielrichtung klar, aber welcher normale Mensch will sich so äußern?

      :wink: Wolfram
    • lothar schrieb:

      Wie reagieren auf schlechte Darbietungen?
      In meinen Augen ganz einfach: nicht mehr hingehen!
      Womit man sich ja eigentlich nur selber schädigt und das Opernhaus es gleichzeitig noch nicht einmal bemerkt.

      Wohlgemerkt, ich mache es ja genauso, allerdings wohl wissend, dass ich damit eher in Richtung 'Schweigende Mehrheit' rücke, für dessen Meinung sich eh niemand interessiert.

      Übrigens ist wohl kaum noch eine Opernveranstaltung der Hamburgischen Staatsoper ausverkauft. Was aber nicht unbedingt zu einem Umdenken, in welche Richtung auch immer, der Verantwortlichen führt. Sie machen einfach so weiter. Also, leises Davonschleichen (ich mache es ja auch) kann irgendwie auch nicht die Lösung sein.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Nach der A-Premiere kann man Unmut über die Regie eigentlich nicht mehr äußern. Es sei denn, man macht es wie jemand in, ich glaube, der dritten Vorstellung des Tristan und schreit: 'Man sollte Frau Berghaus erschießen.' Das geschah allerdings noch bevor die Sänger auf die Bühne kamen. Damit war die Zielrichtung klar, aber welcher normale Mensch will sich so äußern?
      Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, 2006 im Lohengrin an der Wiener Staatsoper passiert (in der umstrittenen, aber mE guten Barrie-Kosky-Inszenierung): Im 2. Akt beim Zug zum Münster ruft ein Herr (schon seit Jahrzehnten Opernfan) von der Galerie laut: "Kosky buh", nachdem es von ein paar anderen Besuchern ein paar leisere Äußerungen gegeben hat, danach aber wieder normaler Ablauf der Vorstellung.
      Irgendwer muss ihn aber verpfiffen haben, denn in der darauffolgenden Pause wurde dieser Besucher von der Polizei empfangen, Ausweisleistung, Ermahnung und Hausverbot! Hausverbote gelten zwar nicht für alle Ewigkeit, aber trotzdem.
      Ich weiß nicht, was genau passiert ist (ich war nicht dabei) und um wen es sich überhaupt handelt, aber diese Reaktion seitens der Oper finde ich extrem übertrieben, auch wenn Buhrufe während der Vorstellung nicht Schule machen sollten. Von einer Morddrohung war das jedenfalls ganz weit entfernt.
    • Sadko schrieb:

      aber trotzdem.
      Ich weiß nicht, was genau passiert ist (ich war nicht dabei) und um wen es sich überhaupt handelt, aber diese Reaktion seitens der Oper finde ich extrem übertrieben, auch wenn Buhrufe während der Vorstellung nicht Schule machen sollten.
      Vollkommen richtig. Diese Reaktion seitens des Hauses geht gar nicht. Wobei 'Kosky buh' ja noch relativ harmlos ist. Aber auch diese Geschmacklosigkeit aus Hamburg dürfte man nicht mit einem Hausverbot belegen. Das sind freie Meinungsäußerungen so sehr sie auch daneben sind. (Also jedenfalls im Hamburger Fall.)

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Es sei denn, man macht es wie jemand in, ich glaube, der dritten Vorstellung des Tristan und schreit: 'Man sollte Frau Berghaus erschießen.' Das geschah allerdings noch bevor die Sänger auf die Bühne kamen. Damit war die Zielrichtung klar, aber welcher normale Mensch will sich so äußern?

      Sadko schrieb:

      Im 2. Akt beim Zug zum Münster ruft ein Herr (schon seit Jahrzehnten Opernfan) von der Galerie laut: "Kosky buh", nachdem es von ein paar anderen Besuchern ein paar leisere Äußerungen gegeben hat, danach aber wieder normaler Ablauf der Vorstellung.
      Ich finde, solche Leute wie die hier Geschilderten verhalten sich extrem rücksichtslos gegenüber den Künstlern und gegenüber dem Publikum und werden vollkommen zurecht mit Hausverbot belegt; sie haben im Opernhaus nichts verloren. Der Mensch, der dazu aufrief, Frau Berghaus zu erschießen, dürfte sich sogar strafbar gemacht haben.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Es sei denn, man macht es wie jemand in, ich glaube, der dritten Vorstellung des Tristan und schreit: 'Man sollte Frau Berghaus erschießen.' Das geschah allerdings noch bevor die Sänger auf die Bühne kamen. Damit war die Zielrichtung klar, aber welcher normale Mensch will sich so äußern?

      Sadko schrieb:

      Im 2. Akt beim Zug zum Münster ruft ein Herr (schon seit Jahrzehnten Opernfan) von der Galerie laut: "Kosky buh", nachdem es von ein paar anderen Besuchern ein paar leisere Äußerungen gegeben hat, danach aber wieder normaler Ablauf der Vorstellung.
      Ich finde, solche Leute wie die hier Geschilderten verhalten sich extrem rücksichtslos gegenüber den Künstlern und gegenüber dem Publikum und werden vollkommen zurecht mit Hausverbot belegt; sie haben im Opernhaus nichts verloren. Der Mensch, der dazu aufrief, Frau Berghaus zu erschießen, dürfte sich sogar strafbar gemacht haben.

      :wink:
      Danke für diesen Kommentar !
    • Wolfram schrieb:

      Sadko schrieb:

      aber trotzdem.
      Ich weiß nicht, was genau passiert ist (ich war nicht dabei) und um wen es sich überhaupt handelt, aber diese Reaktion seitens der Oper finde ich extrem übertrieben, auch wenn Buhrufe während der Vorstellung nicht Schule machen sollten.
      Vollkommen richtig. Diese Reaktion seitens des Hauses geht gar nicht. Wobei 'Kosky buh' ja noch relativ harmlos ist. Aber auch diese Geschmacklosigkeit aus Hamburg dürfte man nicht mit einem Hausverbot belegen. Das sind freie Meinungsäußerungen so sehr sie auch daneben sind. (Also jedenfalls im Hamburger Fall.)
      Das seh ich auch so. Ich als Operndirektor hätte denjenigen, der die Berghaus-Äußerung getätigt hat, aber zu einem ernsten Gespräch eingeladen und ihm dort klargemacht, dass er sich zusammenreißen soll und das Recht zur freien Meinungsäußerung Aufrufe zum Erschießen einschließt, auch wenn sie wohl nicht ernstgemeint sind und im spontanen Ärger passiert sind.

      Gurnemanz schrieb:

      Sadko schrieb:

      Im 2. Akt beim Zug zum Münster ruft ein Herr (schon seit Jahrzehnten Opernfan) von der Galerie laut: "Kosky buh", nachdem es von ein paar anderen Besuchern ein paar leisere Äußerungen gegeben hat, danach aber wieder normaler Ablauf der Vorstellung.
      Ich finde, solche Leute wie die hier Geschilderten verhalten sich extrem rücksichtslos gegenüber den Künstlern und gegenüber dem Publikum und werden vollkommen zurecht mit Hausverbot belegt; sie haben im Opernhaus nichts verloren.
      Nein, das seh ich überhaupt nicht so. Hausverbote bewirken das Gegenteil, die mit Hausverbot Belegten sehen sich natürlich im Unrecht und machen dann gegen die in ihren Augen diktatorische Oper mobil, und das kann man nicht brauchen. Ich schrei nichts während der Vorstellung durch den Raum, aber ein kurzes "Kosky buh" finde ich gar nicht schlimm. Erstens denkt sich ein Großteil des Publikums (ich nicht!) ähnliches, und zweitens haben an diesem Abend solche Sänger die Hauptrollen gesungen, die sich gegen "moderne" Inszenierungen ausgesprochen haben und auch mal gesagt haben, dass das Publikum ruhig stärker protestieren soll. Was man wirklich ahnden sollte, sind die Massen an undiszplinierten Besuchern, was alle Altersklassen und Herkunftsländer betrifft. Trinken während der Vorstellung, tratschen, mit Blitz fotografieren, lautes Husten etc - das stört, aber nicht das präzise "Kosky buh". So sehe ich das zumindest.
    • Sadko schrieb:

      Das seh ich auch so. Ich als Operndirektor hätte denjenigen, der die Berghaus-Äußerung getätigt hat, aber zu einem ernsten Gespräch eingeladen und ihm dort klargemacht, dass er sich zusammenreißen soll und das Recht zur freien Meinungsäußerung Aufrufe zum Erschießen einschließt, auch wenn sie wohl nicht ernstgemeint sind und im spontanen Ärger passiert sind.
      Ich glaube nicht, dass die Person identifizierbar war. Von daher hat es keine weiteren Ahndungen gegeben, jedenfalls soweit ich weiß. Hausverbote bekamen unter späteren Intendanten (der Tristan-Zwischenfall passierte ja noch unter Liebermann), wie ich hörte, eher Journalisten, die sich allzu kritisch geäußert haben. ?(

      Übrigens, selbst wenn die Äußerung im spontanen Ärger passierte, geht sie überhaupt nicht und ist durch nichts zu entschuldigen. So weit muss sich jeder Mensch unter Kontrolle haben!

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Ich glaube nicht, dass die Person identifizierbar war. Von daher hat es keine weiteren Ahndungen gegeben, jedenfalls soweit ich weiß. Hausverbote bekamen unter späteren Intendanten (der Tristan-Zwischenfall passierte ja noch unter Liebermann), wie ich hörte, eher Journalisten, die sich allzu kritisch geäußert haben. ?(
      Übrigens, selbst wenn die Äußerung im spontanen Ärger passierte, geht sie überhaupt nicht und ist durch nichts zu entschuldigen. So weit muss sich jeder Mensch unter Kontrolle haben!
      Es kommt halt drauf an, ob der Rufer von anderen Zuschauern identifiziert wurde oder nicht, offenbar nicht. Aber selbst wenn, kann er ja noch immer alles abstreiten, man kann ihm das kaum nachweisen. (was die Sache mit dem Hausverbot wieder schwieriger macht)

      Um eventuelle Missverständnisse auszuräumen: Ich bin auch der Meinung, dass diese Äußerung gar nicht geht. Aber durch Hausverbote ändert man so etwas nicht. Da wäre ein klärendes Gespräch mit dem Operndirektor und - wenn leicht möglich - mit der Regisseurin sinnvoller. Vielleicht ist das eine win-win-Situation.
    • Sadko schrieb:

      Es kommt halt drauf an, ob der Rufer von anderen Zuschauern identifiziert wurde oder nicht, offenbar nicht. Aber selbst wenn, kann er ja noch immer alles abstreiten, man kann ihm das kaum nachweisen. (was die Sache mit dem Hausverbot wieder schwieriger macht)
      Stimmt. Menschlich sind solche Dinge immer sehr leicht zu entscheiden, juristisch wird es dann problematisch.

      Sadko schrieb:

      Da wäre ein klärendes Gespräch mit dem Operndirektor und - wenn leicht möglich - mit der Regisseurin sinnvoller. Vielleicht ist das eine win-win-Situation.
      Liebermann war ja bekanntlich jeden Abend in der Oper und hat das von daher auch gehört. Berghaus war mit Sicherheit längs wider in Ost-Berlin. Keine Ahnung, was Liebermann gedacht (ich kann es mir allerdings denken) bzw. gemacht hat. Er hat wohl nur den Kopf geschüttelt und sich mit Grausen abgewandt.

      :wink: Wolfram
    • Wenn ich der einzige bin, der geht, weil die Veranstaltung nicht meinen Erwartungen entspricht, dann hat meine Meinung keinerlei Bedeutung für den Veranstaltungsablauf. Ist halt so bei allen Statistiken mit n=1 :D .
      Wenn sich meiner Meinung viele andere anschließen, merkt man das sowohl in der Presse wie auch in der Veranstaltungsorganisation. Heißt natürlich nicht, das die folgenden Veränderungen in meinem Sinne sind...
    • Ein Aufruf zum Erschießen, mag er auch nicht ernst gemeint, sondern eine zugespitze Meinungsäußerung sein, geht gar nicht, da scheinen wir uns einig zu sein.

      Im Fall des Hausverbots sehe ich das vollkommen anders. Da bin ich überrascht, dass das Hausverbot hier im Forum von einigen für richtig gehalten wird. Für mich handelt es sich um ein völlig überzogene, maßlose Sanktionierung eines Verhaltens, das ich nicht einmal für sanktionierungsbedürftig halte. Vielmehr fand ich diese Äußerung von Kritik an der Regie sehr gelungen. Die Grenze ist für mich eine erhebliche Störung der Aufführung. Davon ist solch ein nur sekundenlanger Zwischenruf meilenweit entfernt. Tatsächlich ist die bonbonraschelnde Oma neben mir, die wohl jeder kennt, weitaus störender. Die sollte man dann auch rausschmeißen, oder? Sie handelt auch vorsätzlich, weil sie genau weiß, dass ihr Rascheln stört, dennosch raschelt und die Störung billigend in Kauf nimmt. Und in der Elbphilharmonie, wo man alles hört? Der Saal wäre halb leer. Anlass für die Strafe ist folglich gar nicht eine Störung der Aufführung, sondern die unerwünschte Äußerung von Kritik. Das verstehe ich erst recht nicht. Kulturschaffende sollten wissen, dass Meinungsäußerungsfreiheit und Kunstfreiheit eng verknüpft sind. Entsprechend seltsam finde ich es, wenn hier Toleranz gegenüber der Regie geübt wird, aber nicht an der kaum störenden Kritik. Der alte Spruch fällt mir ein: "Klar bin ich tolerant, aber nur, soweit es sich mit meiner Meinung deckt."
    • Knulp schrieb:

      Die Grenze ist für mich eine erhebliche Störung der Aufführung. Davon ist solch ein nur sekundenlanger Zwischenruf meilenweit entfernt.
      Ich gebe dir grundsätzlich völlig recht.

      Allerdings geht das bei einer erheblichen Störung der Aufführung auch nicht unbedingt. Ich erinnere mich an minutenlange Unterbrechungen bei einer 'Forza'-Premiere, als große Teile des Publikums überhaupt nicht mehr zur Ruhe kamen. Da kann man als Verantwortliche nur noch abwarten, bis es sich beruhigt hat.

      Bei einzelnen Störungen kann man natürlich eingreifen, wenn sie massiv werden, was ich so aber noch nicht erlebt habe.

      Während der 2. Aufführung einer Luisa Miller an der Scala patrouillierten Carabinieri in den oberen Rängen. Die sollten allerdings keine Zwischenrufer entfernen, sondern nur bei Handgreiflichkeiten der Zuschauer untereinander eingreifen. Alles andere wäre auch Unterdrückung von Meinungsfreiheit gewesen.

      Übrigens gibt es ja durchaus sehr berechtigte Zwischenrufe, die trotzdem die Aufführung stören. In den Hamburger Kammerspielen (ein sehr kleiner Zuschauerraum) rief während einer Vorstellung Ulrich Tukur aus der Mitte des Parketts zu: 'Lauter!'. Und er hatte recht, man konnte Tukur wirklich nicht verstehen. Der regte sich aber fürchterlich darüber auf, kommentierte den Zwischenruf ausgiebig und störte dabei selber den Ablauf. Nur, was hätte der Zuschauer machen sollen? Wie gesagt, man verstand Tukur wirklich nicht, was ich bei ihm durchaus häufiger erlebt habe.

      :wink: Wolfram
    • Knulp schrieb:

      Da bin ich überrascht, dass das Hausverbot hier im Forum von einigen für richtig gehalten wird. Für mich handelt es sich um ein völlig überzogene, maßlose Sanktionierung eines Verhaltens, das ich nicht einmal für sanktionierungsbedürftig halte. Vielmehr fand ich diese Äußerung von Kritik an der Regie sehr gelungen. Die Grenze ist für mich eine erhebliche Störung der Aufführung. Davon ist solch ein nur sekundenlanger Zwischenruf meilenweit entfernt. Tatsächlich ist die bonbonraschelnde Oma neben mir, die wohl jeder kennt, weitaus störender. Die sollte man dann auch rausschmeißen, oder? Sie handelt auch vorsätzlich, weil sie genau weiß, dass ihr Rascheln stört, dennosch raschelt und die Störung billigend in Kauf nimmt. Und in der Elbphilharmonie, wo man alles hört? Der Saal wäre halb leer. Anlass für die Strafe ist folglich gar nicht eine Störung der Aufführung, sondern die unerwünschte Äußerung von Kritik. Das verstehe ich erst recht nicht. Kulturschaffende sollten wissen, dass Meinungsäußerungsfreiheit und Kunstfreiheit eng verknüpft sind. Entsprechend seltsam finde ich es, wenn hier Toleranz gegenüber der Regie geübt wird, aber nicht an der kaum störenden Kritik. Der alte Spruch fällt mir ein: "Klar bin ich tolerant, aber nur, soweit es sich mit meiner Meinung deckt."
      Genauso sehe ich es auch! Die wirklichen Störer sind diejenigen, die tratschen, trinken, das Handy benützen, herumzappeln, stinken etc. - diese sollte man "bestrafen", nur ist das halt nicht so leicht wie sich jemanden herauszupicken, der einen Zwischenruf getätigt hat. Auch mir ist es vollkommen unbegreiflich, wieso man diese Kritikäußerung für unangemessen bzw. gar einer Sanktionierung würdig befinden kann. Der Betreffende hat ja nicht in jede Vorstellung etwas hineingerufen, sondern einmal bei einer Inszenierung, durch die er sich provoziert gefühlt hat. Also für meine Begriffe alles paletti und nicht einmal ein Grund für eine Ermahnung geschweige denn für ein Hausverbot. Aber wenn die Oper ihr Publikum vergraulen möchte...