Wenig bekannte Schweizer Komponisten

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    • Wenig bekannte Schweizer Komponisten

      Hinweis:
      Einige Beiträge stammen urspr. aus dem "Fritz Brun (Schweizer Symphoniker, 1878 - 1959)" und wurden in diesen Thread "Wenig bekannte Schweizer Komponisten", der von User Wieland (#6) erstellt wurde.
      Lionel - Für die Moderation -



      Ich empfehle folgende Aufnahme der Suter-Symphonie:
      jpc.de/jpcng/classic/detail/-/…e-in-d-op-17/hnum/1454225

      Suters Meisterwerk ist seine Kantate "Le Laudi": Die wurde schon zu seinen Lebzeiten überall erfolgreich aufgeführt. Fritz Brun führte sie in Bern auf und in Paris, im "Trocadéro" - vor einem Publikum von 5000! Im gleichen Programm gab es Bruns Variationensatz aus seiner 3. Symphonie und Berliozs Ouvertüre zu "Benvenuto Cellini"
      jpc.de/jpcng/classic/detail/-/…Assisi-op-25/hnum/7322567

      Dieses Kammermusikwerk von Suter ist ebenfalls sehr empfehlenswert:
      jpc.de/jpcng/classic/detail/-/…Assisi-op-25/hnum/7322567

      Die Brun-Symphonien ab der Dritten brauchen alle mehrere - und aufmerksame - Hörgänge, um "reinzukommen". Daher wurden sie schon damals in Abonnements-Konzerten nicht immer wohlwollend aufgenommen.
      Aber als er bereits seine Erste Symphonie komponiert hatte, schrieb er nach deren Uraufführung in Arnheim: "Ich hatte sehr viel Beifall, trotzdem ich überzeugt bin, dass das große Publikum das Stück nicht verstanden, überhaupt beim erstmaligen Anhören nicht verstehen und würdigen kann. Am meisten applaudirte das Orchester, und alle gratulirten mir in ihrem holländischen Kauderwelsch zu meiner großen Direktionskunst (!)".

      Hier was zur Entstehung der Ersten Symphonie:
      adrianomusic.com/resources/Erste-Symphonie.pdf
      (Sie war Bruns Diplomarbeit am Kölner Konservatorium)
      www.adrianomusic.com


    • Bei Hermann Suter hatte ich die damals einzige Einspielung (so weit ich es weiß) von Adriano mir gekauft. Genau wie die von Adriano empfohlene CD mit einem Werk eines weiteren, mir zuvor unbekannten Komponsiten, Hans Jelmoli gepaart.

      Da beide CDs hörenswerte und uns unbekannte Komponisten vereint, wäre vielleicht wirklich sinnvoll beide Einspielungen zu erwerben.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wir könnten bald einen Thread zum Thema "Unbekannte Komponisten der Schweiz" aufmachen. :D
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wenig bekannte Schweizer Komponisten

      Maurice schrieb:

      Wir könnten bald einen Thread zum Thema "Unbekannte Komponisten der Schweiz" aufmachen.


      Da es sich bei der Diskussion im Brun Thread herausgestellt hat, dass es generell bei Schweizer Komponisten große Wissenslücken gibt, greife ich den Vorschlag von Maurice auf und eröffne einen entsprechenden Thread, damit wir im Brun Thread nicht zu weit vom eigentlichen Thema abweichen.
    • Hermann Suter (1870-1926)

      Hermann Suter war ein Schüler von Hans Huber und später von Carl Reinecke in Leipzig. Nach einer Organistenstelle in Zürich (ab 1894) leitete er ab 1902 bis fast zu seinem Tod den Basler Gesangsverein und dirigierte die Sinfoniekonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft. Er leitete für drei Jahre das Basler Konservatorium. das ihm auch einen Ehrendoktorwürde verlieh.

      Als sein bedeutendstes Musikwerk gilt das 1923 entstandene spätromantische Oratorium "Le Laudi die San Francesco d'Assissi", das 1924 zum hundertjährigen Jubiläum des Basler Gesangvereins durch den Komponisten uraufgeführt wurde. Es scheint so als ob in der Schweiz dieses Werk bis heute regelmäßig aufgeführt wird.

      Adriano schrieb:

      Suters Meisterwerk ist seine Kantate "Le Laudi": Die wurde schon zu seinen Lebzeiten überall erfolgreich aufgeführt. Fritz Brun führte sie in Bern auf und in Paris, im "Trocadéro" - vor einem Publikum von 5000!

      Ich habe mir das Werk über idagio gerade angehört und kann den Erfolg gut nachvollziehen. Das ist ein spätromantisches Werk, das sehr eingängig und gefällig ist und jeden, der z.B. Mahlers Chorsinfonien mag, ansprechen müsste. Die Beiträge der vier Solisten dürften auch jedem Verdi-Fan gefallen. Erstaunlich, dass dieses attraktive Werk außerhalb des Heimatlandes so unbekannt ist. Und ein Wahnsinn, was man immer noch an toller Musik entdecken kann, vielen Dank für diesen Tipp. Gerade bestellt.

    • Gerade mal nachgesehen: Allzuviel haben wir hier bislang nicht über Schweizer Komponisten. Ich finde nur das:

      Oben erwähnt:
      Fritz Brun (Schweizer Symphoniker, 1878-1959)
      Außerdem:
      Arthur Honegger - der vergessene Komponist der Schweiz?
      Und zu einzelnen Werken bzw. Werkgruppen:
      SCHOECK, Othmar: Penthesilea - eine Amazone in Troja
      Frank Martin: Die Werke für Soloinstrument und Orchester
      MARTIN, Frank: Messe für Doppelchor
      Frank Martin: GOLGOTHA (1945-48) - Ein Oratorium zur Passion Christi

      Frank Martin ist von den Genannten derjenige Komponist, der mir noch relativ am vertrautesten ist.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Zum Thema Suter & Co.

      Na ja, die Jelmoli-Stücke waren eine Notlösung. Zuerst war meine Streichorchester-Bearbeitung von Suters Sextett für diese CD-Koppelung vorgesehen, doch man hätte es kürzen müssen. Und es ist technisch sehr schwierig.
      Das Violinkonzert von Suter wäre auch zu lange gewesen - sonstiges für Orchester von Suter gibt es nicht, ausser eines patriotischen Festspiels.
      Schoeck hatte Recht: den Wehrli fand er als Komponist wertvoller als Jelmoli.

      Zu den unbekannten Schweizer gehört auch eine ganze Bande aus der französischsprachlichen Region. Konnte nur Sponsorings für Pierre Maurice finden, die waren halt Banquiers (siehe meine Sterling CD). Kämpfe schon lange für einige weiteren, wie z. B. Emile-Robert Blanchet:

      Hört Euch doch dieses schönes Stück mal an:
      youtube.com/watch?v=X4O5ew75mFk

      en.wikipedia.org/wiki/Émile-Robert_Blanchet

      Von ihm gibt es auch eine Ballade für zwei Klaviere, die Ansermet für Klavier und Orchester arrangiert hat (leider keine Aufnahme vorhanden).
      Blanchets Klavierstücke sind sehr schön - und waren früher echt erfolgreich! Wie Brun, kletterte er sehr gerne in den Alpen herum.
      youtube.com/watch?v=zypvsQG7eKw
      youtube.com/watch?v=z2pL5yD_cGQ

      Und kennt Ihr diese CD? Auch einer aus der Suisse Romande.
      jpc.de/jpcng/classic/detail/-/…ns-Tomb-1925/hnum/4684105

      Ich wollte die Musik Denéréaz (die ich gut kenne) schon in den 1980er Jahren aufnehmen; Heymann wollte nicht, also liess ich das Projekt fallen. Dirigent Emmanuel Siffert war dann 2006 glücklich genug, um eine Finanzierung zu erreichen.
      www.adrianomusic.com


    • Ich kann seit vielen Jahren diese CD von Hermann Suter mein Eigen nennen. Dazu noch eine Einspielung mit Hans Jelmolis "Drei Orchesterstücken". Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich sie lange nicht mehr gehört habe.

      Ebenfalls besitze ich die GE der Sinfonien von Hans Huber.

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Hans Hubers Sinfonien kenne ich (noch?) nicht, die Klavierkonzerte 1 und 3 sind reizvoll, wenn auch meines Erachtens nicht sonderlich eigenständig:



      Die beiden wichtigsten Schweizer Komponisten sind für mich Arthur Honegger und Frank Martin. Damit dürfte ich nicht allein stehen. Aber ich finde schon noch deutlich mehr im Schrank, nicht nur neuerdings Fritz Brun. ( ;) )

      Wenig bekannt dürfte Jean Daetwyler sein, dessen Alphornkonzerte wirklich sehr apart klingen - über die Farbe des Soloinstruments hinaus:




      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Wenig bekannt dürfte Jean Daetwyler sein, dessen Alphornkonzerte wirklich sehr apart klingen
      Ich habe die Einspielung zufällig da. Doch auch hier muss ich zugeben, sie schon eine Ewigkeit nicht mehr gehört zu haben. Die nächsten Monate werde ich auch kaum dazu kommen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Beat Furrer, 1954 in Schaffhausen geboren, seit Mitte der 70er Jahre allerdings in Österreich lebend und wirkend, ist vielleicht schon etwas bekannter als andere, seine Werke sind aber wohl auch eher Insidertipps.



      Sein bekanntestes Werk ist wohl die Oper "Die Blinden".



      Sein CD-füllendes Streichquartett Nr. 3 habe ich auf CD, sollte ich endlich mal durchhören. (Dürfte für jemanden der Feldman 2 durch hat nicht so schwierig sein. ;) )



      Vorgemerkt habe ich mir soeben die CD mit den Klavierwerken.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hier mal die kurze Biographie über Hans Huber :

      Geboren am 28.Juni 1852 in Epppenberg-Wörschau, gestorben am 25.Dezember 1921 in Locarrno. Er war nicht nur ein Komponist, sondern auch Pianist und Musikpädagoge. Sein Vater war Lehrer und dann Buchhalter, aber auch ein Amateurmusiker, seine Mutter aus einer Familie, die Musik sehr schätzte.

      Huber wurde zum Sängerknaben ausgebildet, früh wurde dabei seine Begabung als Pianist festgestellt. 1870 begann er sein Studium bei Carl Reinecke in Leipzig, 1877 zog er nach Basel, wo er als Klavierlehrer in der dortigen Musikschule tätig war, deren Leiter er 1896 wurde. 1900 regte er die Gründung des "Schweizer Tonkünstervereins" an (mit Friedrich Hegar zusammen). 1905 gründete er das Baseler Konservatorium, dessen Leitung er bis 1918 hatte.

      Als seine Hauptwerke gelten die Opern "Der Simplicius" und "Die schöne Belinda", das Oratorium "Weissagung und Erfüllung" , 8 Sinfonien, 4 Klavierkonzerte, 2 Violinkonzerte und diverse Kammermusiken, Chorwerke und Lieder.

      Er hatte noch zwei weitere Sinfonien geschrieben, die er aber unvollständig (Es-Dur, 1870-1877) hinterlassen oder zurückgezogen (1889, seine ursprünglich 2.Sinfonie) hatte. Die überlieferten Sinfonien entstanden von 1880 bis 1920. Auch scheint ein Klavierkonzert verloren gegangen zu sein, denn es wird zwar von VIEREN geschrieben, aber nur ZWEI kennt man vom Datum her, die auch auf der Sterling-CD vertreten sind. Vielleicht weiß Adriano mehr dazu.

      Ihm zu Ehren wurde der Kammermusiksaal des Basler Stadtkasinos und eine Straße im Basler Stadtteil Gundeldingen benannt.



      Ich selbst besitze (kenne würde ich jetzt so nicht schreiben wollen) seit vielen Jahren seine Sinfonien, dies mal günstig bei "Zweitausendundeins" gab, als man dort noch auf Läden setzte. Gehört habe ich sie schon hin und wieder, aber das ist lange her. Doch was ich noch in Erinnerung meine zu haben ist, dass sie harmonisch nicht weiter als der Romantik zugehörig gegangen waren. Die Sinfonien hatten eine Länge von 30-45 Minuten in etwa, entsprachen also eher der Länge von Schumann bis Brahms, bzw. der frühen Werke Bruckners.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      andréjo schrieb:

      Wenig bekannt dürfte Jean Daetwyler sein, dessen Alphornkonzerte wirklich sehr apart klingen
      Ich habe die Einspielung zufällig da. Doch auch hier muss ich zugeben, sie schon eine Ewigkeit nicht mehr gehört zu haben. Die nächsten Monate werde ich auch kaum dazu kommen.
      Es sei denn, Du lässt die knapp 20 Minuten des ersten Konzerts (Betruf. Hirtentanz. Pastorale. Totentanz.), das ich bevorzuge, mal wieder einfach so nebenher laufen. Macht gute Laune! ;)

      Doch ach, was gibt es nicht alles, was man wieder mal hören sollte über zwanzig Minuten .... ;(

      :) Wolfgang

      PS: Von Furrer kenne ich nur und finde ich gar nicht schlecht:



      Ein ganz klein wenig avantgarde-affin sollte man sein, aber die Musik klingt nicht sonderlich abstrakt.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Es sei denn, Du lässt die knapp 20 Minuten des ersten Konzerts (Betruf. Hirtentanz. Pastorale. Totentanz.), das ich bevorzuge, mal wieder einfach so nebenher laufen. Macht gute Laune!
      Ich bin zur Zeit mit neuen Stücken für meine Auftritte ziemlich beschäftigt. Da muss ich selbst viel hören, da zum Teil Stücke auf den Programmen stehen, die kaum oder im Grunde nie gespielt werden in der heutigen Zeit. Daher an sich eine gute Idee, aber ab dem Frühjahr bei mir nicht mehr praktikabel. Eher wieder in der ruhigeren Phase in den Sommerferien wieder. Da stehen die Programme fest, und das Repertoire wird mehr oder weniger bis zum Saisonende so gespielt in den Bands.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • AlexanderK schrieb:

      Beat Furrer, 1954 in Schaffhausen geboren, seit Mitte der 70er Jahre allerdings in Österreich lebend und wirkend, ist vielleicht schon etwas bekannter als andere, seine Werke sind aber wohl auch eher Insidertipps.

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      Sein CD-füllendes Streichquartett Nr. 3 habe ich auf CD, sollte ich endlich mal durchhören. (Dürfte für jemanden der Feldman 2 durch hat nicht so schwierig sein. ;) )

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      Unbedingt! Bei mir unter den Top 3 der Streichquartette nach 1950. - Dusapins "Time zones" würde ich noch dazunehmen, dann müsste ich grübeln ...Ferneyhoughs "Sonatas" oder Crumbs "Dark Angels" oder Nonos "Fragmente – Stille. An Diotima" oder so ... muss natürlich nichts heißen, aber Furrers 3. Quartett würde ich dringend zum Hören empfehlen, wenn die CD sowieso schon da ist ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • adriano schrieb:

      Danke, dass Du diesen "Transfer" organisiert hast! Gute Idee, Maurice
      Keine Ursache. Wenn gerade schon die Schweiz populär ist hier, kann man das gleich mal erweitern. Sonst ist der arme Fritz Brun wieder nicht für sich alleine stehend. Damit würden wir ihm Unrecht tun, und das will niemand.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wieland schrieb:

      Ernst Levy (1895-1981) war ein jüdisch-schweizerischer Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler. Er wird heute vor allem als Pianist erinnert, dessen Einspielungen von späten Beethoven-Sonaten und Liszt'schen Werken noch heute Bewunderer finden.

      Hier soll es aber um den fast völlig vergessenen Komponisten Ernst Levy gehen, dessen symphonisches Schaffen mit 15 Werken vom Umfang dem von Schostakowitsch nicht nachsteht zumal viele Symphonien gehörige Ausmaße besitzen. Ich bin Ernst Levys Musik zum ersten Mal vor ca, 30 Jahren begegnet in Form einer Langspielplatte mit seiner letzten 15. Symphonie, die mich an Bruckner erinnerte. Weitere Symphonien (7, 10, 11 und 12) wurden eingespielt, sind aber physisch kaum verfügbar. Allerdings gibt es sie seit geraumer Zeit bei Naxos als Download und bei einigen Streamingdiensten (z.B. Idagio).

      Die von mir soeben gehörte 7. Symphonie ist ein ganz außergewöhnliches Werk, auf das ich hier mit Nachdruck hinweisen möchte. Das 1925/26 (einige Quellen geben 1937 an, aber das scheint falsch zu sein. s.u.) komponierte Werk ist einsätzig und 55 min lang. Fast durchgehend liegt eine brütende und depressive Stimmung über dem Werk, das zwar noch tonal, aber oft sehr dissonant ist. Es wird eine weitgehend hoffnungslose und angsterfüllte Stimmung verbreitet, die erst in der letzten Viertelstunde einer gewissen gelassenen Resignation weicht. Kenner der Symphonik des ausgehenden 20. Jahrhunderts ahnen schon, worauf ich hinaus will. Dies ist ein visionäres Werk, das schon auf verblüffende Weise auf die Werke eines Allan Pettersson und späten Mieczysław Weinberg hinweist. Darüber hinaus kann man das problemlos als vorweggenommenes Requiem für die Opfer der Shoah hören.

      Das habe ich vor einiger Zeit mal geschrieben. Mir fällt auf, dass es da offenkundig Berührungspunkte zwischen der 7. Symphonie von Levy (1925/26) und der 5. Symphonie von Fritz Brun (1929) gibt. Beides düstere und pessimistische Werke, fast um die gleiche Zeit komponiert.

      Weiß einer unserer Schweizer Fachleute, ob es Berührungspunkte zwischen den beiden Komponisten gab? Und wie schätzt Ihr die Qualität des Levy'schen Oeuvres ein, falls Ihr es kennt? Brauchen wir womöglich auch noch eine Ernst-Levy-Box?