Ihr als Regisseure - wie Ihr bestimmte Opern inszenieren würdet

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    • Ihr als Regisseure - wie Ihr bestimmte Opern inszenieren würdet

      Liebe Opernfans!
      Die Idee zu diesem Thread hat sich vor ein paar Tagen im Gespräch mit Wolfram entwickelt:

      Sadko schrieb:

      Wir sollten gemeinsam Opern inszenieren oder zumindest - falls es niemand finanzieren möchte, auch der Capriccio-Trägerverein nicht - einen Thread eröffnen: "Wie ich bestimmte Opern inszenieren würde" :D

      Wolfram schrieb:

      Ganz im Ernst, wäre für einen Satirebereich gar nicht mal schlecht. :D

      Sadko schrieb:

      Jaaa, genau daran habe ich gedacht :thumbsup: Vor einem Jahr habe ich übrigens ein ganz ernsthaftes Rusalka-Konzept überlegt, in dem Rusalka eine junge Frau ist, die sozusagen in ein falsches Milieu kommt, der Wassermann ein alkoholsüchtiger Kriegsflüchtling und die Fremde Fürstin eine Undercover-Kriminalagentin. War total ernst gemeint, für mich funktioniert das gut. Aber ich hab den Entwurf meinen Freunden gezeigt, die darüber den Kopf geschüttelt haben und ihn für Mist befunden haben. ;( Also vielleicht doch fürs Satire-Forum :D

      Wolfram schrieb:

      Vielleicht wäre auch ein Thread 'Wie würdet ihr XY inszenieren' gar nicht schlecht.

      Wer sich gerne Opern anschaut, wird sich wohl auch Gedanken machen, was man an einer bestimmten Inszenierung verbessern könnte. Vielleicht macht man sich auch Gedanken, wie generell ein bestimmtes Stück inszeniert werden könnte. Das Schöne am Musiktheater ist ja unter anderem, dass die Vorgaben relativ gering sind und der Regisseur das Publikum mit seiner persönlichen Sicht, die sich nicht mit der üblichen decken muss, überraschen kann. Und selbst bei sehr klassischen Inszenierungen sind untereinander große Abweichungen möglich.

      In diesem Thread sollen persönliche Inszenierungsideen vorgestellt werden. Wer eine Idee hat, wie man ein bestimmtes Stück auf die Bühne bringen kann (vielleicht teilweise von einer selbst gesehenen Inszenierung beeinflusst), ist herzlich eingeladen, seine Ideen hier zu posten und die Texte der anderen zu kommentieren. Es kann sich dabei um ein ganz konkretes Konzept handeln oder nur um eine Idee zu einem Bühnenbild oder einer bestimmten Personenregie, da ist alles möglich. Zudem ist die Auswahl nicht nur auf Opern beschränkt, es können selbstverständlich auch Musicals, szenische Oratorien, Operetten etc. genannt werden. (Der Thread steht übrigens mit Absicht im Forum "Aufführungspraxis" und nicht im Forum für Satire.)

      Lediglich zwei Bitten:
      1. Bitte geht respektvoll mit den Ideen anderer um. Kritik ist sehr willkommen, aber bitte sachlich und nicht persönlich. Optimal wäre es, wenn sich in Diskussionen über eine fiktive Inszenierung gemeinsam ein tieferes Verständnis dieses Werks ergäbe.
      2. Ich bitte, hier von Grundsatzdiskussionen über die Aufführungspraxis abzusehen, denn der Thread soll nicht unübersichtlich werden. Für Grundlegendes bitte auf diesen Thread ausweichen. Danke!


      Ich beginne und stelle das Rusalka-Konzept vor, das ich vor genau einen Jahr spontan aufgeschrieben habe:



      Ort und Zeit: Jahr 2018, in einer Stadt etwa von der Größe Wiener Neustadts

      gestrichen: Ballett, die Szenen mit Heger und Küchenjunge

      Vorgeschichte:
      Der Vater hat im Irakkrieg seine Frau verloren und ist Hals über Kopf mit seinen vier kleinen Töchtern nach Österreich geflüchtet und hat versucht, sich hier ein neues Leben aufzubauen. Die Kriegserlebnisse sind an ihm nicht spurlos vorübergegangen, der gelernte Handwerker ist alkoholabhängig geworden, spricht nur schlecht Deutsch und gilt in seiner Umgebung als Sonderling.

      1. Akt:
      Die schüchterne 16jährige Rusalka interessiert sich im Gegensatz zu ihren drei Schwestern nicht für Mode und Fashion, sondern liest gern und schreibt selbst Geschichten. Sie fühlt sich in ihrer Umgebung mit den oberflächlichen Schwestern und dem alkoholkranken Vater unwohl und will dringend weg, weiß aber nicht, wie und wohin. Am Bahnhof hat sie eine Clique älterer Jugendlicher beobachtet mit einem Gruppenanführer, dessen Äußeres und dessen Anerkennung in seiner Gruppe sie sofort begeistern. Sie wird jedoch von ihm nicht beachtet, außerdem passt sie mit ihren schönen langen Haaren gar nicht zu ihm und seiner Umgebung. Sie erzählt dem Vater davon, er will sie nicht gehen lassen, denn in sie setzt er seine Hoffnungen: Sie soll studieren und erreichen, was er nicht geschafft hat und wozu ihre Schwestern zu dumm sind (er möchte, dass sie so wird wie seine im Krieg ermordete Frau). Dennoch kann er sie nicht zurückhalten.
      Um ihr Äußeres zu verändern, sucht sie eine Friseurin auf, die ihr einen Kurzhaarschnitt verpasst. Diese Friseurin arbeitet aber auch als Bordellbesitzerin und ist immer auf der Suche nach neuen jungen Frauen. In Rusalka findet sie eine passende und stellt sie gleich nebenbei einem Kunden für eine Nacht zur Verfügung. Von diesem Erlebnis an ist Rusalka traumatisiert und kann nicht mehr sprechen.
      In ihrem neuen Erscheinungsbild begibt sie sich in die Nähe des Bahnhofes und zieht sofort die Aufmerksamkeit besagter Clique auf sich. Der Gruppenleader bedeutet den anderen, sich zu entfernen, denn er möchte mit dem stummen Mädchen, das ihn sofort begeistert hat, allein sein. Die beiden gehen in den benachbarten Park und Rusalka erlebt ihr "zweites Mal", diesmal wirklich toll. Die Warnrufe des Vaters "Verloren bist du, Rusalka!" hören die beiden nicht oder wollen sie nicht hören.

      2. Akt:
      Die beiden kennen sich jetzt eine Woche und sind glücklich. Er ist zwar etwas irritiert von ihrem Trauma, das ihre Stimmlosigkeit auslöst, aber es ist kein großes Problem, bis eine neue Frau auftaucht, die den Burschen sofort sehr offensiv umschwärmt. Dieser ist hin- und hergerissen.
      Rusalkas Vater hat sich auf den Weg zum Bahnhof gemacht und ist entsetzt, seine so belesene und kluge Tochter in einer Clique, die den ganzen Tag am Bahnhof herumlungert, zu sehen. Erst der Anblick des Vaters lässt sie ihre Stimme wiederfinden, sie klagt ihm, dass ihr Freund sie von Tag zu Tag weniger anschaue und sich der geheimnisvollen Fremden zugewendet habe.
      Die beiden beobachten, dass der Freund gemeinsam mit der Fremden von einem Bahnhofsklo zurückkommt. Rusalka wirft ihm zu Recht Untreue vor, er stößt sie von sich. Rusalka möchte sich in die Arme des Vaters flüchten, dieser prügelt im Alkoholrausch auf sie ein und beschimpft auch den Burschen, seine Tochter verführt zu haben. Er nimmt sie mit sich.
      Der Bursche wendet sich verzweifelt an die Fremde, die sich aber sofort von ihm abwendet. Ihre Liebe war nur vorgetäuscht, denn sie ist in Wahrheit Polizistin, die undercover versucht hat, einen angeblichen Drogenboss auszuforschen. Der Bursche ist aber nicht der Gesuchte, daher ist er für sie uninteressant. Er bleibt allein zurück und verzweifelt, denn seine "Freunde" gibt es auch nicht mehr.

      3. Akt:
      Rusalka ist wieder zu Hause, fühlt sich aber noch unwohler als früher. Ihre Schwestern interessieren sich nicht für sie, sie denkt ununterbrochen an den Burschen und sucht heimlich - denn der Vater hat es verboten - die Friseurin/Bordellbesitzerin auf, diese möchte ihr aber auch nicht helfen. Nur die Ermordung des geliebten Burschen würde sie dazu bringen, der kranken Rusalka Geld für notwendige medizinische Versorgung zu geben. Für Rusalka kommt das nicht in Frage.
      Den verzweifelten Burschen treibt es wieder in jenen Park nahe des Bahnhofes, in dem er Rusalka kennengelernt hat und zum einzigen Mal in seinem Leben wirklich glücklich war. Dort treffen sich die beiden und erinnern sich an früher (was ja auch durch in der Musik ausgedrückt wird). Alles würde er geben, um der Geliebten ein letztesmal nah sein zu dürfen. Sie warnt ihn vor ihrer unbehandelten Krankkeit, die dem anderen bei Körperkontakt den Tod bringt.
      Ihm ist das egal, er möchte nichts anderes mehr. Die beiden küssen sich ein letztesmal, er stirbt. Für Rusalka ist das Leben sinnlos geworden, sie stürzt sich vor den nächstbesten einfahrenden Zug.
      Ihr Vater hat das Geschehen aus der Ferne beobachtet und brüllt "Du bist verloren, Rusalka!".



      Was sagt Ihr dazu? Kritik ist sehr willkommen. Ich sage nicht, dass man diese Oper so inszenieren muss, aber vor einem Jahr ist mir mein Konzept sehr angemessen vorgekommen. Heute sehe ich manches anders, ich finde meine damalige Idee nur teilweise gut.

      Auf interessante Diskussionen und spannende Ideen :D
      Sadko
    • Dank dir, lieber Sadko, dass du diesen Thread eröffnet hast.

      Nun muss ich gestehen, dass unter all den Opern, die ich bislang gesehen habe, nie die Rusalka war, ich auch keine Aufnahme kenne, nicht einmal irgendwelche Ausschnitte. Und von daher auch nicht die Handlung.

      Das liegt einerseits daran, dass sie wohl nie in meiner näheren Umgebung angeboten wurde und andererseits, dass mich Dvorak bislang nie zu richtig interessierte. Das hat sich allerdings in der allerletzten Zeit ein wenig geändert.

      Da ich mich von daher nie mit dieser Oper beschäftigt habe, kenne ich mich auch nicht mit der Handlung aus und kann deinen Interpretationsentwurf eigentlich gar nicht beurteilen. Interessant als Geschichte klang er schon, ob er die Handlung als solches trifft, kann ich aber für mich nicht sagen.

      Sadko schrieb:

      Der Vater hat im Irakkrieg seine Frau verloren und ist Hals über Kopf mit seinen vier kleinen Töchtern nach Österreich geflüchtet
      Wenn ich das aber als einen Interpretationsansatz lese, bin ich eigentlich schon raus. ;) Soviel ich über Rusalka weiß, handelt es sich doch eher um eine Märchenoper, bzw. eine, die mit Volksmythen spielt. Und warum es dabei nicht belassen? Wie man das nun darstellt, ist natürlich eine ganz andere Sache. Aber warum die Interpretationsbreite eines Märchens oder eines Mythos so auf ein tagespolitisches Ereignis verengen? Warum nicht die Allgemeingültigkeit darstellen, dem Zuschauer/Zuhörer die Assoziationsvielfalt selber überlassen, sondern ihm stattdessen ein solch enges 'Korsett' verordnen? Würde es nicht auch reichen, wenn man ihn durch Andeutungen vielfältigster Art all diese Aktualitäten unterbreiten würde?

      Ich will das gar nicht allgemeingültig verstanden wissen. Das ist eher mein persönliches Problem. Aber dieses Nacherzählen in aktualisierter Form, wie es ja so häufig anzutreffen ist, finde ich persönlich eher langweilig, weil es dem Werk so viele Facetten raubt. Aber, wie gesagt, dass ist eher mein persönliches Ding.

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!
      Danke für Deine Antwort!

      Kein Problem, dass Du die Rusalka nicht kennst. Ich hätte natürlich optimalerweise für den Start dieses Threads eine Oper wählen sollen, die hier jedem bekannt ist. Aber da ich mir zur Rusalka schon etwas Konkretes überlegt hatte und den Text nur kopieren brauchte, habe ich damit begonnen.

      Als ich letztes Jahr diese Gedanken niedergeschrieben habe, wollte ich verdeutlichen, dass Rusalka eine extrem grausame Geschichte ist, die im Tarnmantel einer harmlosen Märchenoper daherkommt. Wer nur Rusalkas wunderschönes "Lied an den Mond" hört und den Kontext nicht beachtet, könnte ja wirklich denken, dass es sich um ein harmloses Märchen handelt. Aber meiner Meinung nach ist die Rusalka die psychisch grausamste Oper - denn Rusalka rennt sehenden Auges ins Verderben und hat dann überhaupt keinen Ausweg mehr, egal was sie tut. Es gibt hier einfach keine Lösung, alles ist Hoffnungslosigkeit. Genau das macht meiner Meinung nach die Tragik dieses Stücks aus. Und um zu verdeutlichen, dass hier eine äußerst grausame Geschichte erzählt wird, habe ich mir überlegt, wie ich das möglichst drastisch zeigen kann.

      In der Münchner Inszenierung von Martin Kušej wird der Wassermann (Rusalkas Vater) als Fritzl (Kinderschänder, Vergewaltiger seiner Tochter) gezeigt. Ich habe diese Produktion leider nicht gesehen, aber ich denke mir, dass man den Wassermann nicht so auf diese Art zeigen muss (aber kann!). Ja, Rusalka ist von ihm sehr abhängig, aber im Grunde tut der Wassermann nichts Böses, er kann sie ja nicht aufhalten. Im wesentlichen ist der Wassermann machtlos und kann seiner Tochter nicht helfen, obwohl er gerne würde. Daher bin ich auf die Idee mit dem Alkoholiker gekommen.
      Vergessen sollte man nicht, dass der Wassermann in den slavischen Märchen generell eine sehr unsympathische Figur ist. Dvořák hatte nur wenige Jahre vor der Rusalka die - sehr hörenswerte - symphonische Dichtung Vodník ("Wassermann") geschrieben, in der ein Wassermann das Kind einer (von ihm vergewaltigten) jungen Frau tötet und ihr den Leichnam vor die Haustür schmeißt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dvořák bei der Arbeit an der Rusalka nicht an seine kurz zuvor geschriebene symphonische Dichtung gedacht hat. Ich schließe aus, dass der Wassermann der Oper ganz anders ist als der Wassermann der symphonischen Dichtung. Insofern halte ich es für falsch, den Opern-Wassermann als gütige Vaterfigur darzustellen. Der hat auch eine dunkle, bedrohliche Seite.

      Ich denke, man kann diese Oper verstehen als die Tragödie einer jungen Frau, die den falschen Weg einschlägt und daran zugrundegeht (und der Prinz auch).
      Die Musik Rusalkas hebt sich ab von der Quasi-Volksmusik ihrer Schwestern, daher passt für mich, dass Rusalka einen ganz anderen Charakter hat (belesen und schüchtern vs. modebewusst und oberflächlich).

      Wie gesagt, ich habe volles Verständnis, wenn man mit meinem Vorschlag nicht einverstanden ist - aber gerade zum Diskutieren und Austauschen unterschiedlicher Sichtweisen ist dieser Thread ja gedacht. :D
      Wir können aber gerne über eine andere Oper reden, die Dir gut bekannt ist. Oder auch andere Opernfans möchten sich beteiligen. :)
    • Sadko schrieb:

      Wie gesagt, ich habe volles Verständnis, wenn man mit meinem Vorschlag nicht einverstanden ist -
      Ich kann deine Sichtweise ja gut nachvollziehen, gerade auch, weil Märchen ja wirklich nicht die netten harmlosen Kindergeschichten sind, als die sie gerne gesehen werden (und als die ich sie als Kind auch wahrgenommen habe, aber das ist ein anderes Thema).

      Mir geht es auch nicht darum, die verschiedenen Schichten einer Geschichte dem Publikum zu präsentieren, ihnen schon gar nicht die Abgründe vorzuenthalten. Was mich einfach nur stört, aber das ist mein persönliches Ding und ich will das überhaupt nicht verallgemeinern, ist die Konkretisierung, weil sie für mich eine Verarmung des Stoffes darstellt. Gerade das empfinde ich als einen Grundzug des heutigen Theaters. Entweder den oder die Banalisierung des Stoffes in Form von Verkleinerungen der Konflikte ins (da schließt sich wieder der Kreis) Alltägliche.

      Wie stellst du dir eigentlich da Bühnenbild vor (oder habe ich das überlesen)? Soll es konkret sein, was sich bei deiner Interpretation ja anbieten würde oder lässt du dort einen Spielraum? Was ich so allerdings nicht verstehen würde.

      :wink: Wolfram
    • Ich finde den Thread-Titel ein bisschen so wie die Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?" Könnte es sein, dass zum Inszenieren von Opern Handwerk und Theatererfahrung gehören, die man sich erst mühsam aneignen muss? Von Talent ganz zu schweigen...
    • Sandra schrieb:

      Ich finde den Thread-Titel ein bisschen so wie die Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?"
      Eher "Wie hättet Ihr das Finale von Beethoven 9. dirigiert", mit der Einschränkung, dass der dichte Notentext vergleichsweise geringere Spielräume ermöglicht, als Szenenanweisungen im Libretto.
      Aber selbst diese Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?" ist okay. Es existiert - generell - kein plausibler Grund, gegen die Überlegung, Beethovens Finale seiner 9-Mucke neu zu komponieren.

      Sandra schrieb:

      Könnte es sein, dass zum Inszenieren von Opern Handwerk und Theatererfahrung gehören, die man sich erst mühsam aneignen muss?
      Das ist lediglich rhetorische Frage.

      Sandra schrieb:

      Von Talent ganz zu schweigen...
      Es gibt ferner keinen Grund eigene Vorstellungen über eine Inszenierung sich abzuklemmen, nur weil man selbst nicht als praktizierender Regisseur oder Dramaturg funzt.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Sandra schrieb:

      Ich finde den Thread-Titel ein bisschen so wie die Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?" Könnte es sein, dass zum Inszenieren von Opern Handwerk und Theatererfahrung gehören, die man sich erst mühsam aneignen muss? Von Talent ganz zu schweigen...
      icch find die fadenfragestellung auch durchaus ok und ggf. reizvoll. es wird hier ja nicht eine Bewerbung für eine Inszenierung erbeten.

      Amfortas09 schrieb:

      Es existiert - generell - kein plausibler Grund, gegen die Überlegung, Beethovens Finale seiner 9-Mucke neu zu komponieren.
      z.B. schon die Antwort "ich würde gar kein Vokal- sondern ein reines Instrumentalfinale machen" wäre ok., auch wenn man selbst keinen Takt eines solchen hinkriegte. könnte jedenfalls spezialdispute anregen.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      z.B. schon die Antwort "ich würde gar kein Vokal- sondern ein reines Instrumentalfinale machen" wäre ok.,
      Da fällt meinem Brägen ein, dass sowas (wenn auch nicht bloß instrumental) zum Ende hin im Doktor Faustus fabriziert wird:

      »Ich habe gefunden«, sagte er, »es soll nicht sein.«
      »Was, Adrian, soll nicht sein?«
      »Das Gute und Edle«, antwortete er mir, »was man das Menschliche nennt, obwohl es gut ist und edel. Um was die Menschen gekämpft, wofür sie Zwingburgen gestürmt, und was die Erfüllten jubelnd verkündigt haben, das soll nicht sein.
      Es wird zurückgenommen. Ich will es zurücknehmen.«
      »Ich verstehe dich, Lieber, nicht ganz. Was willst du zurücknehmen?«
      »Die Neunte Symphonie«, erwiderte er. Und dann kam nichts mehr, wie ich auch wartete ....
      ........
      .... Die Instrumentation dieses Schreckenstanzes besteht nur aus Bläsern und einem beharrenden Begleitsystem, das, zusammengesetzt aus zwei Harfen, Cembalo, Klavier, Celesta, Glockenspiel und Schlagzeug, als eine Art von >Continuo< immer wieder auftretend das Werk durchzieht. Einzelne Chorstücke sind nur davon begleitet. Bei anderen sind ihm Bläser, bei wieder anderen Streicher hinzugefügt; abermals andere haben volle Orchester-Begleitung.
      Rein orchestral ist der Schluß: ein symphonischer Adagiosatz, in welchen der nach dem Höllengalopp mächtig einsetzende Klage-Chor allmählich übergeht, — es ist gleichsam der umgekehrte Weg des >Liedes an die Freude<, das kongeniale Negativ jenes Überganges der Symphonie in den Vokal-Jubel, es ist die Zurücknahme ....."
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Sandra schrieb:

      Ich finde den Thread-Titel ein bisschen so wie die Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?"
      Diese Frage finde ich berechtigt. Da sie hier nicht so recht paßt - schließlich ist Beethovens Neunte keine Oper -, habe ich sie und die darauf folgenden Beiträge dort aufgenommen: Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-Moll – Nur noch ein Festtagsbraten im Konzertleben?.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Ich stelle mir gerade vor, wie ein 11 jähriges Mädchen, dem abends noch von seinen Eltern aus Andersens Märchen vorgelesen wird, in Sadkos Inszenierung der Rusalka geht (der 1. Opernbesuch im Leben) und danach nie wieder eine Oper besuchen wird....denn leider helfen auch die Texte der Übertitelung nicht weiter, zu verstehen, was da gerade auf der Bühne abgeht..... :neenee1:
      Je niedriger der Betroffenheitsgrad, desto höher der Unterhaltungswert!
    • Wolfram schrieb:

      Sadko schrieb:

      Wie gesagt, ich habe volles Verständnis, wenn man mit meinem Vorschlag nicht einverstanden ist -
      Ich kann deine Sichtweise ja gut nachvollziehen, gerade auch, weil Märchen ja wirklich nicht die netten harmlosen Kindergeschichten sind, als die sie gerne gesehen werden (und als die ich sie als Kind auch wahrgenommen habe, aber das ist ein anderes Thema).

      Mir geht es auch nicht darum, die verschiedenen Schichten einer Geschichte dem Publikum zu präsentieren, ihnen schon gar nicht die Abgründe vorzuenthalten. Was mich einfach nur stört, aber das ist mein persönliches Ding und ich will das überhaupt nicht verallgemeinern, ist die Konkretisierung, weil sie für mich eine Verarmung des Stoffes darstellt. Gerade das empfinde ich als einen Grundzug des heutigen Theaters. Entweder den oder die Banalisierung des Stoffes in Form von Verkleinerungen der Konflikte ins (da schließt sich wieder der Kreis) Alltägliche.

      Wie stellst du dir eigentlich da Bühnenbild vor (oder habe ich das überlesen)? Soll es konkret sein, was sich bei deiner Interpretation ja anbieten würde oder lässt du dort einen Spielraum? Was ich so allerdings nicht verstehen würde.

      :wink: Wolfram
      Märchen sind ein ganz interessantes Thema. Ich finde es schön, dass sie mehrere "Ebenen" haben, also ein Kind vielleicht die Geschichte ganz anders mitbekommt als ein Erwachsener, bzw. kann da sicherlich nicht so stark zwischen "Kindersicht" und "Erwachsenensicht" trennen.

      Ich kann Deinen Kritikpunkt nachvollziehen, ich finde meine Idee vom Vorjahr ja auch nicht gelungen. Aber bei der Erstellung des Threads hatte ich nicht im Sinn, die beste Inszenierung entwickeln, sondern es ist ja auch mehr als Spielwiese gedacht. Vielleicht nach dem Motto "Welche Ideen habe ich, ein Stück auf die Bühne zu bringen, und was sagen die anderen hier dazu". Oder so. Eben weil es ja nicht ganz ernstgemeint ist, hätte ich nichts dagegen, wenn wir in diesem Thread auch gar nicht ernstgemeinte Ideen schreiben (statt, wie ursprünglich gedacht, in einem weiteren Thread). Man weiß ja nie, wie sich eine Diskussion entwickelt ^^

      Vielleicht noch dazu, was mir an meinem Inszenierungsentwurf nicht gefällt: Meine Kritikpunkte sind ähnlich wie Deine. Ich halte meinen Entwurf für eine Banalisierung der Oper. In meinem Entwurf hätte die Rusalka immer noch irgendeinen Ausweg, auch wenn sie den im Moment vielleicht nicht sieht. Der 3. Akt ist dann unglaubwürdig, weil die Geschichte irgendwie auf ein tragisches Ende hingebogen wird. Und naja, der Prinz als Möchtegern-Badboy funktioniert ja auch nicht. (Eigentlich ist er verträumt und naiv und trifft ein paar falsche Entscheidungen, die er mit dem Leben bezahlt).
      Der wesentliche Unterschied ist: Eigentlich hat die Rusalka eben keinen Ausweg. In meiner Version könnte man immer noch irgendeine Lösung finden, was dem Stück die Tragik nimmt. Und überhaupt wäre das dann eine ganz langweilige 0-8-15-Inszenierung, wie man sie viel zu oft sehen kann. Ich denke, um eine wirklich geniale Rusalka-Inszenierung zu schaffen, muss man mehr Hirn, mehr musikalisches Verständnis und viel mehr Praxis haben als ich. Aber wie gesagt, darum gehts ja nicht, das ist eine Spielwiese ^^ :D

      Das Bühnenbild wäre eigentlich ganz konkret, also realistisch, und würde das abbilden, was ich beschrieben habe (Bahnhof, Bordell etc.). Dass das dann eine "unschöne" Inszenierung wird, ist mir klar. Aber es wäre mir wichtig gewesen, die wunderschöne Stelle am Ende des ersten Aktes auch wunderschön zu gestalten, zum Beispiel mit Lichteffekten oder etwas in die Richtung.

      An alle: Kennt jemand Amélie Niermeyer? Sie wird im September 2019 im Theater an der Wien Rusalka inszenieren, und das Theater an der Wien ist ja nicht gerade für langweilige Produktionen bekannt. Also ich bin schon gespannt!

      Sandra schrieb:

      Ich finde den Thread-Titel ein bisschen so wie die Frage "Wie hättet Ihr das Finale von Beethovens Neunter komponiert?" Könnte es sein, dass zum Inszenieren von Opern Handwerk und Theatererfahrung gehören, die man sich erst mühsam aneignen muss? Von Talent ganz zu schweigen...
      Natürlich gehört zum Inszenieren von Opern Handwerk und Theatererfahrung und noch vieles mehr, über das ich nicht verfüge (und wohl die meisten anderen Forumsmitglieder auch nicht). Wir alle wissen, dass ein guter Regisseur nicht Konzepte in der Theorie entwickelt und diese dann den Sängern aufzwingt, sondern sich viel erst in der gemeinsamen Arbeit entwickelt.
      Aber darum geht es nicht. Wir befinden uns hier ja weder im Theater noch in einem wissenschaftlichen Diskurs noch in der Schule, sondern in einem ganz normalen Kultur-Internetforum - also können wir doch unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen und uns vorstellen, wie wir gerne eine bestimmte Oper szenisch erleben würden. Das ist ja eine unrealistische Spielwiese und kein Bewerbungsverfahren für eine tatsächliche Musiktheater-Realisierung. Insofern vielen Dank an alle anderen für die konstruktiven Beiträge, und besonderen Dank an Gurnemanz, dass er gleich Deine wohl nicht ganz ernstgemeinte Frage ernsthaft in einem anderen Thread aufgegriffen hat (wo ich Deine Reaktion dort so gar nicht nachvollziehen kann). Wenn Du diesen Thread nicht sinnvoll findest, ist das ja auch vollkommen okay, aber es zwingt Dich ja keiner, Dich hier zu beteiligen.

      boccanegra schrieb:

      Ich stelle mir gerade vor, wie ein 11 jähriges Mädchen, dem abends noch von seinen Eltern aus Andersens Märchen vorgelesen wird, in Sadkos Inszenierung der Rusalka geht (der 1. Opernbesuch im Leben) und danach nie wieder eine Oper besuchen wird....denn leider helfen auch die Texte der Übertitelung nicht weiter, zu verstehen, was da gerade auf der Bühne abgeht..... :neenee1:
      Bist Du wirklich sicher? Ich denke, dass die 11jährigen mehr aushalten, als Du ihnen offenbar zutraust. Die Kinder werden ja oft mit der Realität konfrontiert, durch Nachrichten, durch (Gratis-)Zeitungen etc. Ich denke, es gibt im Leben von 11jährigen Mädchen und Buben, wenn sie nicht Gewalt ohnehin selbst erleben, mehr Grausamkeit als man glauben könnte. Und weil Du Märchen angesprochen hast: Märchen sind ja geradezu eine Sammlung von brutalen Erzählungen, und Kinder halten das auch aus. (und wie man gelegentlich in der Zeitung kann, gibt es Drogentote, die 15 oder jünger sind, das ist einfach ein reales, tragisches, Problem, das man lösen muss, aber ich weiß nicht wie)
      Ich denke übrigens, man bringt mehr Leute zur Oper, wenn man ihnen versucht zu zeigen, dass auf der Bühne und in der Musik spannende Sachen gebracht werden, die etwas mit ihrem Leben zu tun hat. Langweilige, pseudo-mäßige Handlungen locken doch recht wenig Leute hinter dem Ofen hervor, vermute ich.
    • Nein, es geht um Erwartungshaltungen. Es wird nicht die Geschichte der "Rusalka" auf der Bühne gegeben. Nach Deinem Konzept sind die Grundzüge der Geschichte der Märchenerzählung nicht einmal im Ansatz erkennbar.
      Ich mag moderne Inszenierungen, die die Geschichte im Grundsatz wiedergeben. Ich war ganz begeistert von Robert Carsens Sichtweise in Paris im Februar.
      Je niedriger der Betroffenheitsgrad, desto höher der Unterhaltungswert!
    • Dass eine mögliche Erwartungshaltung enttäuscht wird, ist mir natürlich bewusst, aber das war ja sogar auch geplant, denn ich wollte damals eine radikale Sicht, denn ich hatte damals die Nase voll von Rusalka-Inszenierungen, die "schön" und "romantisch" erzählen. Außerdem finde ich nicht, dass Inszenierungen immer einer Erwartungshaltung entsprechen müssen.
      Ich denke außerdem nicht, dass mein Entwurf die Grundzüge verunkenntlicht, denn die Grundzüge (junge Frau verlässt wegen ihrer Sehnsucht nach einem Mann ihre Umgebung, verändert sich und kann dann nicht mehr zurück) finde ich doch erhalten. Dass die Idee trotzdem nicht so wirklich funktioniert, ist aber auch mein Eindruck.

      Es wäre hier off-topic, aber da ich Carsen sehr schätze und sogar kurz erwogen habe, zu dieser Produktion nach Paris zu fahren, würde mich interessieren, wie er dieses Stück auf die Bühne gebracht hat. Magst Du dazu vielleicht etwas sagen, vielleicht in einem anderen Thread?
    • Egal welche Oper, ich würde entweder eine möglichst frühe Inszenierung weitgehend rekonstruieren oder eine neue auf Basis des Wissens über die Inszenierungen der Enstehungszeit machen möglichst in der Art, wie es damals üblich war. Das bedeutet für ältere Opern auch, dass die Sänger recht viel selbst entscheiden, und kein "Regisseur" im heutigen Sinne nötig ist, eher Forschung und Schulung der Ausführenden. Allerdings wäre ich eher als Intendant geeignet, denn sonst müsste ich erstmal ein paar Jahre zu dem Thema forschen - da lade ich lieber Fachleute ein, die das dann realisieren können. Außerdem wäre natürlich ein möglichst passendes Gebäude für die Aufführung nett.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Dies hat es längst gegeben, z.B. in den Göttinger Händel-Festspielen, wo ich Agrippina, Ottone, Radamisto, Giustino, Ariodante, Serse in Aufführungen gesehen habe, die ziemlich genau dem entsprechen, was Du propagierst. Außer daß man keine kleinen Knaben kastriert hat und sich mit Mezzosopranistinnen (wie Händel es selbst tat) oder mit Kontratenören (die er nie in Opern eingesetzt hat) beholfen hat.
      Das Deutsche Theater in Göttingen ist keine Kopie eines Theaters aus der Barock-Zeit, ist aber keine schlechte Ersatzleistung.
      Leider hat man für die Beleuchtung Elektrizität eingesetzt, was man zu Händels Zeiten nicht tat, aber aus Gründen des Brandschutzes konnte man es nicht anders.

      Im Schloßtheater Český Krumlov , wo auch historische Dekors, Requisiten, Kostüme usw ... bewahrt werden, gibt es jedes Jahr eine handvoll Aufführungen im historischen Stil. Heuer wirst Du dort im September Hasses Demoofonte erleben können:
      ckrumlov.info/docs/de/atr755.xml
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Dies hat es längst gegeben, z.B. in den Göttinger Händel-Festspielen, wo ich Agrippina, Ottone, Radamisto, Giustino, Ariodante, Serse in Aufführungen gesehen habe, die ziemlich genau dem entsprechen, was Du propagierst.
      Wenn Du "längst" schreibst - welchen Zeitraum meinst Du? Ich habe in den letzten Jahren auch ein paar solcher Aufführungen gesehen, bspw. in Drottningholm, wo das eine längere(?) Tradition hat. Allerdings waren das immer Werke des 18. Jahrhunderts, das 17. und 19. ist mir leider noch nicht begegnet, obwohl ich weiß, dass es das mit Ponchielli(?) auch schon gab an einer deutschen Opernbühne.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • putto schrieb:

      Egal welche Oper, ich würde entweder eine möglichst frühe Inszenierung weitgehend rekonstruieren oder eine neue auf Basis des Wissens über die Inszenierungen der Enstehungszeit machen möglichst in der Art, wie es damals üblich war. Das bedeutet für ältere Opern auch, dass die Sänger recht viel selbst entscheiden, und kein "Regisseur" im heutigen Sinne nötig ist, eher Forschung und Schulung der Ausführenden. Allerdings wäre ich eher als Intendant geeignet, denn sonst müsste ich erstmal ein paar Jahre zu dem Thema forschen - da lade ich lieber Fachleute ein, die das dann realisieren können. Außerdem wäre natürlich ein möglichst passendes Gebäude für die Aufführung nett.
      Ich bin in den meisten Dingen ganz anderer Ansicht, aber das ist ja gar kein Problem. Ich gehe aber erstmal auf Deinen Beitrag nicht näher ein, weil wir damit diesen Thread mit einer theoretischen Diskussion füllen würden, für die ich den Thread eigentlich nicht gedacht habe. Theoretisches/Grundsätzlich können wir gerne hier besprechen: Was ist, was soll, was darf Opernregie? Und was nicht?

      Sandra schrieb:

      bustopher schrieb:

      Und Busoni hat Bach verbessert... Bach!!
      Busoni!! Und nicht irgendein Internetforist, der Beethoven verbessern oder Opern inszenieren zu können glaubt. Aber es soll ja auch Leute geben, die auf die Frage "Können Sie Geige spielen?" antworten "Das weiß ich nicht, ich habe es noch nie probiert." Vielleicht tummeln sich hier also lauter versteckte Genies: Ich gebe zu, dass das nicht unmöglich ist.
      Ich habe es Dir schon gestern erklärt, aber offenbar nicht deutlich genug. Also: Wir glauben nicht, Beethoven zu verbessern oder Opern inszenieren zu können. Aber wir dürfen uns Gedanken machen, wie man dieses oder jenes "verbessern" oder inszenieren könnte. Das ist letzlich eine Auseinandersetzung mit dem Werk.
      Wenn Dich das nicht interessiert, auch gut, dann melde Dich einfach hier nicht zu Wort, aber in Gespräche anderer mit "Das ist sinnlos" hineinzuplatzen, zeugt von Arroganz. Und ich finde, dass Deine sehr oberlehrerhaften Kommentare das hier trotz - glücklicherweise vorhandenen - unterschiedlichen Ansichten bestehende angenehme Klima stören. Das musste mal gesagt werden.
    • Sadko schrieb:

      putto schrieb:

      Egal welche Oper, ich würde entweder eine möglichst frühe Inszenierung weitgehend rekonstruieren oder eine neue auf Basis des Wissens über die Inszenierungen der Enstehungszeit machen möglichst in der Art, wie es damals üblich war. Das bedeutet für ältere Opern auch, dass die Sänger recht viel selbst entscheiden, und kein "Regisseur" im heutigen Sinne nötig ist, eher Forschung und Schulung der Ausführenden. Allerdings wäre ich eher als Intendant geeignet, denn sonst müsste ich erstmal ein paar Jahre zu dem Thema forschen - da lade ich lieber Fachleute ein, die das dann realisieren können. Außerdem wäre natürlich ein möglichst passendes Gebäude für die Aufführung nett.
      Ich bin in den meisten Dingen ganz anderer Ansicht, aber das ist ja gar kein Problem. Ich gehe aber erstmal auf Deinen Beitrag nicht näher ein, weil wir damit diesen Thread mit einer theoretischen Diskussion füllen würden, für die ich den Thread eigentlich nicht gedacht habe.
      Öm, die Frage war: "Wie würdet Ihr inszenieren" und ich habe geantwortet. Wie kann man da "anderer Ansicht" sein? Du bist nicht der Ansicht, dass ich das so machen wollen würde?
      :D
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)