Franz Grundheber

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    • Franz Grundheber

      Heute möchte ich einen Thread über meinen Lieblingssänger Franz Grundheber eröffnen. Grundheber wurde - siehe Suchfunktion - schon öfters hier lobend erwähnt, hat aber noch keinen eigenen Thread bekommen.

      Zunächst etwas über seine Biographie und seinen musikalischen Werdegang:

      Franz Grundheber wurde am 27. September 1937 geboren und stammt - wie er gerne betont - aus Biewer, das heute ein Teil von Trier ist. Die Situation im Krieg war für alle schwierig. Er besuchte gegen den Willen seines Vaters (aber nach dem Willen seiner Mutter) das dortige Gymnasium und plagte sich im Fach Deutsch, weswegen er auch eine Klasse wiederholen musste. Sein Deutschlehrer riet ihm, so viel Literatur wie möglich zu lesen, was Grundheber tat und wovon er sehr profitierte; er arbeitete auch in der Pfarrbücherei, um möglichst viele Bücher mit nach Hause zu nehmen. Vor allem hatte der Lehrer empfohlen, ins Theater zu gehen, und Grundheber besuchte das Stadttheater tatsächlich 1-2mal pro Woche und war davon begeistert. Musikalisch hatte er zunächst keine Ambitionen (abgesehen vom Singen im Kirchenchor und vom Singen und Akkordeonspielen in Jugendgruppen), und von zu Hause hatte er keine Anstöße zu Klassischer Musik.

      Mit 18 Jahren bekam er eine Freikarte für die Zauberflöte in Trier, seine erste Oper. Die Ouvertüre gefiel ihm zwar noch recht gut, aber als die Sänger auftraten, verstand er - im Gegensatz zum Sprechtheater - den Text kaum, war davon absolut irritiert (insbesondere von den gleichzeitig singenden Drei Damen), gelangweilt und beschloss, dass Oper nichts für ihn sei. Bis zur Sprecherszene, die ihn zu interessieren begann, denn ihm wurde klar, dass Sprache gemeinsam mit Musik mehr aussagen kann, als es jemals ein Schauspieler mit dem reinen Text vermag. Der Auftritt des Sarastro (gesungen von Peter Roth-Ehrang, wie er oft hervorhebt) hat ihn dann (u.a. aufgrund des Volumens der Stimme) vollkommen fasziniert und beschloss, Opernsänger zu werden. Die Opernsendungen im Radio hörte er fortan mit großem Interesse und besuchte die Opernaufführungen des Trierer Stadttheaters.

      Seine Eltern standen dem Berufswunsch skeptisch gegenüber, aber sie ließen ihn zunächst gewähren. Zu Hause versuchte er, den Klang des Sarastro nachzumachen und war überrascht, welch große Stimme er eigentlich besaß - bis sein Vater in der Nacht Ruhe einforderte. Gleich am nächsten Tag übte er mit dem befreundeten Sohn des Bäckers heimlich u. a. in der Kirche. Der Aufmerksamkeit des Mesners (Küsters) war zu verdanken, dass Grundheber dem obenerwähnten Peter Roth-Ehrang vorsang, der sein Talent entdeckte und ihn und Grundhebers Eltern ermutigte, seinen Berufswunsch weiterhin zu verfolgen. Er nahm erste Gesangsstunden, die er sich teils durch Hilfsarbeit bei einem Dachdecker finanzierte, teils durch finanzielle Hilfe einer Bekannten. Seine Eltern wiesen ihn an, zuerst seine Schulausbildung mit dem Abitur abzuschließen, was er auch tat. Insofern wurde die Gesangsausbildung vorerst unterbrochen.

      Nach Abschluss der Schule 1959 kam die dreijährige Bundeswehr-Zeit. Er verpflichtete sich bei der Luftwaffe, besuchte die Offiziersschule in München und war in der Nähe von Hamburg stationiert. Um sich eine Ausbildung zum Sänger finanzieren zu können, hätte er sich auf sechs Jahre verpflichten müssen. Durch einen Zufall kam Peter Roth-Ehrang an die Hamburgische Staatsoper, er und Grundheber waren in gutem Kontakt. Roth-Ehrang redete ihm zu: "Du musst dem Ganzen eine Chance geben, sonst wirst Du es Dein ganzes Leben lang bereuen!". Grundheber stieg nach Überlegungen aus der Offiziersausbildung aus, kassierte die Abfindung und arbeitete in einem anderen Beruf, um sich die Gesangsausbildung zu finanzieren.

      Nach zwei Jahren wollte er aufgrund von Schwiergkeiten mit dem damaligen Lehrer aufgeben, aber es kam ein letztes Vorsingen vor einer Kommission zustande, die ein Stipendium zu vergeben hatte. In dieser Kommission saß der damalige Verwaltungsdirektor der Hamburgischen Staatsoper, der mit einem Professor für Regie an der Indiana University in Bloomington (USA) befreundet war. In den vorhergehenden Jahren hatte er amerikanische Studenten an die Hamburgische Staatsoper geschickt, daher bot er jetzt an, zwei Gesangsstudenten nach Amerika an die dortige Universität zu schicken. Grundheber war von dem Angebot begeistert und sagte freudig zu. Sodann studierte er zwei Jahre bei Margaret Harshaw Gesang, und drei Monate in Kalifornien an der Music Academy of the West in Santa Barbara.

      1966 kam er ausgebildet nach Europa zurück; er wollte einen Termin zum Vorsingen bei Rolf Liebermann bekommen, der zunächst nicht zustandekommen wollte. Nur das Argument "Ich möchte hier keinen Vertrag! Aber wenn Sie mich zwei Jahre nach Amerika schicken, dann hören Sie sich bitte an, was ich gelernt habe. Nur das will ich Ihnen zeigen, ich will hier keinen Vertrag!" wurde akzeptiert, es kam zu einem Vorsingen beim Verwaltungsdirektor. Er und zwei anwesende Kollegen waren von der Darbietung so angetan, dass sie ein Vorsingen bei Liebermann ermöglichten. Zwei Wochen später (am 13. Oktober 1966 um 13 Uhr) kam es dazu, danach sagte Liebermann "Ich kann Ihnen leider keinen Ein-Jahresvertrag anbieten..." - Grundheber war extrem enttäuscht - "... aber einen Zwei-Jahresvertrag". Sein Debüt fand am 27. Oktober 1966 als einer der sechs flandrischen Deputierten in Don Carlo statt - von 1966 bis 1988 blieb Grundheber fest im Ensemble und sang zahlreiche kleine, mittelkleine, mittlere, mittelgroße und große Rollen. In dieser Zeit waren es 1900 Vorstellungen in 123 verschiedenen Rollen inkl. 10 Uraufführungen. Auch nach 1988 blieb er der Hamburgischen Staatsoper eng verbunden, bis zum Antritt (2015) der aktuellen Direktion, die glaubt(e), auf ihr Ehrenmitglied verzichten zu können. Bislang trat er dort zuletzt am 27. Dez. 2017 auf.

      Der Name "Grundheber" ist typisch für die Gegend um Trier; man nimmt an, dass alle Grundhebers vom Ort "Grundhof" im Nordosten von Luxemburg abstammen. Grundheber ist trotz Karriere an allen großen Opernbühnen der Welt und Zusammenarbeit mit erstklassigen Dirigenten seinen Wurzeln treu geblieben, er gibt regelmäßig Konzerte mit Chören der Trierer Umgebung und tritt/trat regelmäßig in Trier auf. 2007 inszenierte er dort seine erste Oper, nämlich Wozzeck von Alban Berg.
      Im Alter von 62 Jahren gab er sein Debüt an der New Yorker MET als Rigoletto - als erster Deutscher, der diese Partie an der MET gestaltete. 2015 war er an der Met als Schigolch zu hören.
      2002 sang er bei den Salzburger Festspielen die seit der Uraufführung stets um einen Halbton hinuntertransponierte Rolle des Jupiter in Die Liebe der Danae als erster Bariton in der hohen Originaltonart.
      Am 1. Februar 2012 trat Grundheber zum 2000. Mal an der Hamburgischen Staatsoper auf, und anlässlich seines 50jährigen Bühnenjubiläums wurde ihm die dortige Vorstellung von Hänsel und Gretel am 26. Dezember 2016 gewidmet.
      An der Wiener Staatsoper debütierte er am 11. Dezember 1976 als Figaro in Le nozze di Figaro. Nach einer Vorstellung von Moses und Aron am 16. März 2010 wurde Grundheber zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt, an der er bis Dezember 2017 als Sänger tätig war. Sein Wiendebüt fand aber im Jänner 1975 an der Wiener Volksoper in "Carmen" statt, dort trat er auch im April 1975 auf. Am Theater an der Wien sang er im Dezember 2012 den Riedinger in Mathis der Mahler.



      (wird im folgenden Beitrag fortgesetzt, weil leider nur 10000 Zeichen pro Beitrag erlaubt sind)
    • Wieso ich ihn so schätze:

      Franz Grundheber ist deshalb mein Lieblingssänger, weil ich ihm unvergessliche Vorstellungen zu verdanken habe, er mich wie kaum ein anderer Sänger berührt, er technisch super singt, ich seine hart timbrierte Stimme sehr gerne habe, und weil er sich noch im sehr hohen Alter eine vollkommen intakte Stimme erhalten hat.
      Sein Timbre klingt für mich immer etwas nach dem Fliegenden Holländer - nichtsdestoweniger kann die Stimme unglaublich schön klingen. Nichts klingt beiläufig, man merkt, dass jede Phrase intelligent gestaltet wird und auch schauspielerisch wohlüberlegt untermalt. Die Stimme ist für einen Bariton eher hell und liegt hoch (vielleicht hätte er auch Heldentenor werden können? - aber eher nicht), kommt aber auch zur erforderlichen Tiefe hinunter.
      Übrigens ist er der einzige Sänger, von dem ich ein Autogramm besitzte (nach seinem Schigolch in Wien am 15. Dez. 2017).

      Sein Kollege Mathieu Ahlersmeyer riet ihm zu Beginn der Karriere, das schwere deutsche und italienische Fach nicht vor dem Alter von 40-45 Jahren zu singen. Daran hielt sich Grundheber. Er ist ein bemerkenswert selbstkritischer und reflektierter Sänger. Er analysiert regelmäßig den Gesang von Kollegen, um daraus zu lernen, und gibt mittlerweile dieses Wissen an junge Kollegen weiter. Schon seit 50 Jahren hat er keinen Gesangslehrer, sondern nimmt dafür jeden seiner Auftritte auf, um ihn sich nachher kritisch anzuhören und zu analysieren. Er betont, dass ihm niemand die Wahrheit sagen würde, sondern er sie nur durch selbstkritisches Nachhören erfährt.
      Wort und Sprache sind ihm wichtige Anliegen; Grundheber singt nur in Sprachen, die er auch selbst spricht, um den Worten die richtige Bedeutung mitgeben zu können (daher kam die geplante Zusammenarbeit mit Claudio Abbado bei Janáčeks Totenhaus nicht zustande). Grundheber hat sich überwiegend das deutsche und italienische Baritonfach erarbeitet.

      Seine drei Lieblingsrollen sind Barak in "Die Frau ohne Schatten", Wozzeck und Simon Boccanegra. Ich selbst habe ihn 2017 dreimal als Barak in der Oper Leipzig gehört und war fasziniert: Diese noch im hohen Alter so perfekt erhaltene Stimme, diese klug gestalteten Bögen, diese Ausdruckskraft und Wortdeutlichkeit. Ein weiterer Höhepunkt der letzten Zeit war ein Fliegender Holländer am 17. September 2017 im Theater Trier - 10 Tage vor seinem 80. Geburtstag.
      Den Simon Boccanegra singt er seit 2011 nicht mehr und schlug entsprechende Angebote aus, denn er glaubte, diese Rolle nicht mehr den eigenen Erwartungen entsprechend bewältigen zu können. Er wählte seine Rollen immer mit Bedacht und sang nichts, das seiner Stimme Schaden zufügen hätte können - so kam es nie zu einem Wotan, und auch den Hans Sachs hat er nur eimmal konzertant im dritten Akt gesungen.

      Grundhebers Opernkarriere ist mittlerweile mehr oder minder "zwangsbeendet", weil sich Intendanten kaum für ihn interessieren. Sein bislang letzter Opernauftritt fand am 28. Juni 2018 als Sprecher in der Zauberflöte im Theater Trier statt. Ich war dabei und war fasziniert von seiner fabelhaften Gestaltung dieser kleinen, aber wichtigen Partie. Im aktuellen Jahr wirkte er in zwei Konzerten mit (Sprecher in der Genesis-Suite im Linzer Brucknerhaus im Jänner + Gurrelieder-Sprecher in Japan im April). Für die Zukunft sind noch einige Konzerttermine geplant - unter anderem der Gurrelieder-Sprecher bei den Salzburger Osterfestspielen 2020.
      Sein bisher letzter Auftritt an seiner musikalischen Heimat, der Hamburgischen Staatsoper, fand am 27. Dezember 2017 als Vater in Hänsel und Gretel statt. für September 2019 waren dortige Auftritte als Iwan Jakowlewitsch/Leiter der Redaktion/Arzt in Schostakowitschs Nase angekündigt, die aber mittlerweile aus der Saisonvorschau verschwunden sind.

      Grundheber ist ein Sänger, der seine lange Karriere abseits des Rampenlichtes gemacht hat. Er wurde nie vermarktet und ist nicht besonders vielen Musikinteressierten bekannt. Es gibt nur recht wenige Aufnahmen, die seine Rollengestaltungen dokumentieren (zum Beispiel wurde sein obenerwähnter Salzburger Jupiter nicht aufgezeichnet, weil der Regisseur Günter Krämer meinte, Mikrophone würden seine Inszenierung stören - ich bin nach wie vor fassungslos, dass ihm niemand drübergefahren ist), erst 2008 erschien seine erste und einzige Solo-CD ("Lieder einer Reise"):


      Das soll aber kein Lob- und Hudelthread werden. Kritische Anmerkungen sind ebenso gerne gesehen wie Lob und die Einstellung seiner Aufnahmen und alles andere, das Euch zum Thema einfällt
    • Schön, dass es nun einen Grundheber-Thread gibt. Vielen Dank, lieber Sadko! :thumbup: Eine wirklich sehr interessante Biographie.

      Ich hatte ja in einem anderen Thread bereits gepostet, dass ich mir neulich diese DVD angeschafft habe:



      Fand ihn als Wozzeck einfach großartig!! :verbeugung1: :verbeugung1: In jeder Hinsicht perfekt, wie ich finde.

      Vor einiger Zeit wurde er kurz mal im Wozzeck-Thread thematisiert und man hatte mir die Sendung (aus den 80er Jahren) "Musik-Kontakte" empfohlen, in der es um diese Oper ging. Da fand ich ihn schon äußerst überzeugend und zudem auch sehr sympathisch.

      Dass künftig noch einige Konzerttermine geplant sind, liest sich gut. Respekt! 8) Sollte er in meiner Nähe auftreten, wäre ich garantiert dabei. Schade, dass es so wenige Aufzeichnungen von ihm gibt.
      "Wer Werte verteidigen will, hat sie schon aufgegeben. Man kann Werte nur leben, sodass sie manifest werden und Strahlkraft erlangen." (Hagen Rether)
    • Hi :) Danke für Deine Antwort! Ja, ich finde seine Biographie auch sehr interessant. Ein Beispiel eines Mannes, der zunächst gar nicht unterstützt wurde und viel Mühe in harte Arbeit investiert hatte, um seinen Traum zu verwirklichen.

      Wie schon gesagt, es freut moch sehr, dass Dir diese Wozzeck-DVD so gut gefällt! Ja, er ist auch ein sehr sympathischer Mensch ohne jede Starallüren.

      Leider ist seine Präsenz auf Tonträgern gelinde gesagt sehr überschaubar. Auch auf Youtube findet man nicht sonderlich viel, aber dennoch einiges: Zum Beispiel längere Ausschnitte aus Il tabarro, aus Otello und aus Macbeth, außerdem Gesamtaufnahmen von Parsifal, Tristan und Holländer und Mörder Hoffnung der Frauen ( = eine Hindemith-Rarität).

      Unter anderem folgende Aufnahmen können derzeit erworben werden - leider nur Aufnahmen in deutscher Sprache, dadurch könnte der falsche Eindruck entstehen, Grundheber hätte keine italienischen Rollen gesungen. Ganz im Gegenteil, siehe:

      SWR: "Trierer Opernsänger Franz Grundheber im Sommergespräch" (2018) schrieb:

      Mit 80 Jahren steht er immer noch auf der Bühne: Franz Grundheber, ein Opernstar, der als Bariton auf allen Bühnen der Welt gesungen hat, und den es doch immer wieder in seinen kleinen Heimatort Trier-Biewer zieht.
      Ein Mann, der es geschafft hat, seine gewaltige Stimme so zu dosieren, dass sie noch in hohem Alter in vollem Vibrato erklingen kann. Das ist Franz Grundheber. Einer, der keine Publicity braucht, um immer noch auf die Weltbühnen gerufen zu werden.
      [...]
      Zu sakraler Musik hat der Kammersänger einen besonderen Zugang, und zu den italienischen Opern – "das ist der Römer in mir", sagt der Trierer.







    • Don Giovanni

      Hallo,
      ich besitze eine deutschsprachige Aufnahme des Don Giovanni mit Franz Grundheber in der Titelrolle. Die ist sehr gelungen, mit vielen Sängern, die noch Karriere gemacht haben (nach 1977). Inga Nielsen z. b. sang die Zerlina.
      Schöne Grüße
      wegan
    • Sadko schrieb:

      Unter anderem folgende Aufnahmen können derzeit erworben werden - leider nur Aufnahmen in deutscher Sprache, dadurch könnte der falsche Eindruck entstehen, Grundheber hätte keine italienischen Rollen gesungen.
      Ich habe das schon häufiger in Interviews mit Sängerinnen und Sängern dieser Generation gehört und gelesen, die sich darüber beklagten: Deutsche Sänger werden/wurden für Aufnahmen italienischer Opern offenbar einfach nicht engagiert. Wie Grundheber gibt es in seiner Generation viele andere deutsche Sänger, die auf der Bühne großen Erfolg mit italienischen Rollen hatten (ich finde, der Amonasro ist eine seiner Glanzrollen), ins Aufnahmestudio wurden sie dafür aber nicht geholt, da stand ihnen einfach der deutsche Nachname im Weg.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Ja Franz Grundheber gehört auch zu meinen sehr geliebten Bartönern....

      .....hier noch ein paar Ergänzungen.....

      The Girl's Brother, A Soldier; A Natural Scientist; Asmodus – Franz Grundheber (selbst erlebt!)
      Don Pantalone
      Herr von Faninal auch in dieser Rolle gehört
      auch in dieser Rolle gehört




      Ein grandioser Boccanegra, sowie Barak, ebenso sein Mandryka, auch der Don Giovanni war gut, sein Musiklehrer in der Ariadne war die letzte Rolle in der ich ihn erlebt habe, (s.o.Aufnahme)!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Die Schönbergsche Moses-Partie hatte Franz Grundheber glücklicherweise des Öfteren am Wickel. Neben Günther Reichs Gestaltung, die mich besonders in der Gielen-Studio-Konserve anmacht, kommt auch Franz Grundheber darin höchst beeindruckend rüber. Jüngster Mitschnitt vom 28.01.17 unter Metzmacher aus HSV-Town.

      Höchst fetzig gleichfalls seine höchst differenzierte und ausdrucksstarke Gestaltung des Borromeo (Pfitzners Palestrina) in einem Oe1(?) -Mitschnitt aus Wien vom 07.06.99 aus Wien. Supergeil gerät seine Pfitznerei im Monolog vom 1. Akt: „..Es drohet nicht von eitlen Dilettanten, Von frechen Schülern dem wohl nicht Gefahr..“ => im Kader meiner Borromeo-Favoriten an Seite von Dietrich Fischer-Dieskau (Studio-Konserve) und Paul Schöffler (01.08.55)…
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Ich freue mich über Eure Antworten! Schön, dass er hier so geschätzt wird - aber, wie gesagt, kritische Anmerkungen sind auch höchst willkommen.

      Ein Freund von mir, der seit 1997 in die Oper geht (v.a. in Wien) und Grundheber in sehr, sehr vielen Rollen gehört hat, ist nach wie vor der Meinung, dass Grundheber in jeder Rolle, in der er ihn gehört hat, der beste Interpret war - und das ist ja schon mal ein außergewöhnliches Kompliment.


      wegan schrieb:

      ich besitze eine deutschsprachige Aufnahme des Don Giovanni mit Franz Grundheber in der Titelrolle. Die ist sehr gelungen, mit vielen Sängern, die noch Karriere gemacht haben (nach 1977). Inga Nielsen z. b. sang die Zerlina.
      Diese Aufnahme habe ich nicht, aber in einer Radiosendung, die ich mitgeschnitten habe, wurde die von Grundheber in deutscher Sprache gesungene "Champangerarie" gespielt - ich denke, sie wird wohl von dieser Aufnahme stammen! Wie gefallen Dir die anderen Sänger dieser Aufnahme?

      Cherubino schrieb:

      Ich habe das schon häufiger in Interviews mit Sängerinnen und Sängern dieser Generation gehört und gelesen, die sich darüber beklagten: Deutsche Sänger werden/wurden für Aufnahmen italienischer Opern offenbar einfach nicht engagiert. Wie Grundheber gibt es in seiner Generation viele andere deutsche Sänger, die auf der Bühne großen Erfolg mit italienischen Rollen hatten (ich finde, der Amonasro ist eine seiner Glanzrollen), ins Aufnahmestudio wurden sie dafür aber nicht geholt, da stand ihnen einfach der deutsche Nachname im Weg.
      Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Es ist sehr ärgerlich, aber ein "Leo Nucci" (um ein Beispiel zu nennen) lässt sich halt für italienische Opern leichter vermarkten als ein "Franz Grundheber" - leider! Dabei sagt der Name in Wahrheit nichts darüber aus, wie gut jemand eine Sprache spricht (eine Freundin mit japanischen Wurzeln und japanischem Wurzeln beherrscht Deutsch besser als so mancher hier Geborene) bzw. wie gut jemand eine Opernpartie in einer jeweiligen Sprache gestalten kann.
      Kurz off topic: Dass hingegen in Wien slavische Opernrollen nur selten mit slavischen Sängern besetzt werden, wundert mich sehr - da hat man lieber "bekannte" Namen, die ein fürchterliches Tschechisch produzieren, während es in der Nähe (Slovakei, Tschechien) zahlreiche Sänger gäbe, die das besser drauf hätten und gewiss billiger wären. Grundheber singt, wie schon erwähnt, nur in Sprachen, derer er auch mächtig ist.

      palestrina schrieb:

      Ein grandioser Boccanegra, sowie Barak, ebenso sein Mandryka, auch der Don Giovanni war gut, sein Musiklehrer in der Ariadne war die letzte Rolle in der ich ihn erlebt habe
      Lieber Palestrina! Es freut mich, dass Du ihn in diesen Rollen erlebt hast! Ich hätte ihn als Boccanegra, Scarpia und Moses live erleben können und war damals (mein erstes Opernjahr) zu blöd hinzugehen...
      Nach dem Ariadne-Musiklehrer hat er übrigens noch in Paris den Ariadne-Haushofmeister gemacht! Und ich denke, der Musiklehrer wäre eine Rolle, die er jetzt noch machen würde, wenn man sie ihm anböte. Er ist ja ein sehr selbstkritischer Sänger, der nur solche Rollen singt, die er perfekt schafft. Vor seinen bislang letzten Baraks 2017 war er sehr skeptisch, ob er - kurz vor seinem 80. Geburtstag - diese Rolle noch schaffen würde, zumal er davor längere Zeit keine großen Opernpartien mehr gesungen hatte. Doch ich kann versichern, das Ergebnis war ausgezeichnet (und das sage ich als jemand, der keinesfalls alles gut findet, was meine Lieblingssänger so produzieren). In dieser Produktion musste am Ende des ersten Aktes übrigens auf eine Leiter steigen, und wir alle haben gezittert, ob er das auch problemlos schafft. Aber in allen drei Vorstellungen alles reibungslos.

      Amfortas09 schrieb:

      Die Schönbergsche Moses-Partie hatte Franz Grundheber glücklicherweise des Öfteren am Wickel. Neben Günther Reichs Gestaltung, die mich besonders in der Gielen-Studio-Konserve anmacht, kommt auch Franz Grundheber darin höchst beeindruckend rüber. Jüngster Mitschnitt vom 28.01.17 unter Metzmacher aus HSV-Town.

      Höchst fetzig gleichfalls seine höchst differenzierte und ausdrucksstarke Gestaltung des Borromeo (Pfitzners Palestrina) in einem Oe1(?) -Mitschnitt aus Wien vom 07.06.99 aus Wien. Supergeil gerät seine Pfitznerei im Monolog vom 1. Akt: „..Es drohet nicht von eitlen Dilettanten, Von frechen Schülern dem wohl nicht Gefahr..“ => im Kader meiner Borromeo-Favoriten an Seite von Dietrich Fischer-Dieskau (Studio-Konserve) und Paul Schöffler (01.08.55)…
      Ja, es gibt mehrere Moses-Aufnahmen mit ihm. Eine blöde Frage: Ist die 2017-Aufnahme eine offizielle? Auf die Schnelle habe ich nichts im Internet gefunden.
      Seinen Borromeo kenne ich leider noch gar nicht.

      Diesen Beitrag von Dir, den Du heute anderswo geschrieben hast, möchte ich gerne hierher kopieren: :)

      Amfortas09 schrieb:

      Newbie69 schrieb:

      Mit Franz Grundheber als Wozzeck und Heinz Zednik als Tambourmajor. War eh gerade günstig, daher zugeschlagen. Franz Grundheber ist hier wirklich ein großartiger Wozzeck!!! Ich frage mich ernsthaft, ob er überhaupt noch zu toppen ist. Ich freue mich ja schon auf Peter Mattei (MET-Kino, Januar 2020) als Wozzeck und denke, dass er ebenfalls sehr gut sein wird, aber Grundheber ist schon verdammt ... "perfekt".
      Bisher meine Lieblings-Wozzeck-Aufnahme. Nicht nur Franz Grundhebers, sondern auch den Instrumentenquälern unter Claudio Abbado wegen.

      Freut mich riesig, dass sie dir gefällt. :thumbup: :thumbup:

      Für alle Wozzeck-Mucken-Neugierige und Grundheber-Nerds String und Text:

      brilliantclassics.com/media/44…k-Sung-Texts-Download.pdf
      youtube.com/watch?v=jVmWimEX1gw
    • Zunächst einmal danke für diesen Thread über einen der wirklich bedeutenden Sänger der letzten Jahrzehnte, der unverdientermaßen und viel zu wenig im internationalen Rampenlicht gestanden hat.

      Da er lange, lange Jahre Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper war, habe ich ihn in diesen Jahren viel und häufig in unterschiedlichsten Rollen erleben dürfen. Und immer freute man sich, wenn er angekündigt war und eigentlich hat er uns nie enttäuscht.

      Was ich allerdings schon ab etwa den 90iger Jahren bemerkt habe (genauer gesagt seit seinem Barak unter Gert Albrecht), war, dass er sich doch gewissen Manierismen im Schauspielerischen hingab. Wohlgemerkt, sein Barak war überwältigend und innerhalb dieser Serie das für mich beeindruckendste Rollenporträt. Aber hier fiel mir etwas auf, was sich in den nächsten Jahren immer mehr verfestigte. Grundheber fing an (vielleicht auch schon früher, nur fiel mir das nie auf),, sich auf eine bestimmte und immer gleiche Art auf der Bühne zu bewegen, den leidenden Menschen zu verkörpern. Das mag bei manchen Neuproduktionen an anderen Häusern anders gewesen sein. In Hamburg, auch in seinem 'Simone' fiel es aber und für mich auch durchaus störend immer wieder auf.

      Vielleicht ist das aber allgemein etwas, was man bei alten, jahrzehntelang agierenden Schauspielern beobachten kann. Eben den Hang zum Manierismus, zum Verlassen auf das einmal als richtig erkannte Agieren. Ich weiß es nicht. Ich kenne Schauspieler, die trotzdem jeder Rolle auch im Alter neue Ausdrucksmöglichkeiten hinzugewannen. Das galt für Grundheber nicht. Er war eigentlich immer gleich, stagnierte in dem Bereich geradezu. Wir wussten schon vorher, wie er diese Rolle schauspielerisch anlegen würde. Und das bei einem Sänger, der auch immer sehr präsent als Darsteller auf der Bühne war.

      Das schmälert übrigens nicht meine Bewunderung für seine vokale Rollengestaltung. Die war immer und gerade auch je älter er wurde, ein reiner Genuss. :clap:

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!

      Danke für Deine Antwort! Beim Schreiben des Threads habe ich an Dich gedacht, da ich ja weiß, dass Du Grundheber sehr oft gehört hast, außerdem haben wir uns hier schon mal kurz über ihn unterhalten. Umso mehr freue ich mich jetzt über Deine Antwort!

      Ehrlich gesagt stört mich Dein Kritikpunkt gar nicht, denn in der Oper zählt für mich die Musik viel mehr als die schauspielerische Leistung, und ich finde gar nichts Schlechts dabei, wenn sich ein Sänger ein bestimmtes Rollenportrait zurechtgelegt hat und das dann abliefert. Aber ich kann verstehen, wenn das auf die Dauer langweilig wird, und ich finde es überaus interessant und wichtig, hier auch einen Kritikpunkt zu lesen! Ich möchte ja nicht, dass der Eindruck entsteht, Grundheber sei ein Übermensch und der beste Opernsänger seit Menschengedenken.

      Es ist zwar ein bisschen off-topic, aber wer sind die Schauspieler, die in jedem Alter neue Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt haben? Würde mich interessieren!
    • Sadko schrieb:

      wenn sich ein Sänger ein bestimmtes Rollenportrait zurechtgelegt hat und das dann abliefert. Aber ich kann verstehen, wenn das auf die Dauer langweilig wird,
      Lieber Sadko,
      es ging nicht um ein einziges Rollenporträt, sondern um seine grundsätzliche Herangehensweise an alle Partien. Ich würde auch nicht sagen, dass es langweilig wurde. Es war nur erwartbar und von daher schade. Andererseits, wie du schon sagtest, sind es auch keine Schauspieler, sondern Sänger. Grundheber war allerdings nie der typische Rampensänger, sondern die darstellerische Seite war ihm schon wichtig.

      Sadko schrieb:

      Es ist zwar ein bisschen off-topic, aber wer sind die Schauspieler, die in jedem Alter neue Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt haben? Würde mich interessieren!
      Der Vergleich hinkt natürlich, weil Schauspieler ja wesentlich stärker vom Spiel leben.

      Zunächst ist es natürlich so, dass sie immer in ihrem Stil grundsätzlich erkennbar sind und bleiben. Aber trotzdem gab es immer wieder welche, die ich entweder von vorhergehenden Aufführungen oder vom Film her kannte und bei denen ich fasziniert beobachtet habe, wie sie doch zu anderen Ausdrucksformen für die jeweilige Partie, meistens verfeinert, gekommen sind. Quadflieg, fällt mir da ein, auch Hoppe oder Elisabeth Bergner. Oder Maggie Smith, Jeanne Moreau oder Michel Piccoli. Um jetzt mal nur einige zu nennen, die eine lange Karriere hinlegten und teilweise noch aktiv sind.
      Lawrence Olivier dagegen ist für mich ein Schauspieler (so sehr ich ihn liebe /live gesehen habe ich ihn leider nie), der im Alter immer stärker seinen Manierismen sich hingab, wo also dieses Verhältnis zwischen den jahrzehntelang eintrainierten Formen und den Anforderungen einer neuen Partie eher in Richtung der eigenen Tradition kippte.

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!

      Alles klar, vielleicht habe ich Dich vorhin leicht falsch verstanden. Wie gesagt, ich finde es interessant, Deine Einschätzung zu lesen, auch wenn ich sie nicht teile. Eigentlich ist sie mir nicht wichtig, und außerdem habe ich Grundheber in ein- und derselben Rolle nicht oft erlebt (am öftesten fünfmal als Faninal), da hast Du mir sicher viel voraus.

      Ich frage mich aber jetzt, wie sehr man von einem Künstler erwarten kann, seine Arbeit mit jeweils neuen Aspekten anzureichern. Film und Sprechtheater ist generell nicht so meine Ecke (auch wenn ich heute in einem Buster-Keaton-Stummfilm mit Live-Klaiverbegleitung im ältesten Kino der Welt war, ein tolles Erlebnis!!), aber ein guter Liedsänger überlegt sich ja ganz genau, wie er jede einzelne Passage gestaltet. Also ob beispielsweise in der Winterreise bei "Das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh'" der erste Teil des Satzes mit Wehmut und trotzdem einem glücklichen Retrospektiv-Gefühl gesungen wird und der zweite Teil vielleicht sogar spöttisch, nicht nur verzweifelt, oder ob man es ganz anders macht. Ich bin ja kein Sänger, aber wenn ich mir einmal eine für mich richtige Interpretation überlegt habe, würde ich wohl auch dabeibleiben. Außer an der für mich richtigen Interpretation ändert sich etwas, weil ich ja auch älter werde und sich meine Weltanschauung ziemlich sicher verändert und ich dann ein Kunstwerk anders beurteile.

      Bei Grundheber schätze ich es generell, dass er spürbar mit viel Hirn an die Rollen herangegangen ist und sie für mich optimal gestaltet hat, ohne zu übertreiben. In das "Es ist lang her, dass wir uns kennen" als Schigolch hat er viel Lebensweisheit und Erfahrung hineingelegt, zwei Tage später habe ich ihn als verschmitzten und etwas polternden, aber nicht unsympathischen Peter Besenbinder in Hänsel und Gretel erlebt. Ich habe den Eindruck, dass er sich genau überlegt (hat), wie er diese oder jene Rolle gestaltet und nie auf vordergründige Show bedacht ist. Er ist auf jeden Fall keiner, der sich immer selbst spielt, egal welche Rolle.

      Die von Dir genannten Schauspieler kenne ich übrigens leider alle gar nicht - außer Will Quadflieg. Von ihm habe ich als Kind eine Hörbuch-CD von "Der kleine Prinz" besessen! Aber mehr kenne ich von ihm auch nicht..
    • Sadko schrieb:

      Ich bin ja kein Sänger, aber wenn ich mir einmal eine für mich richtige Interpretation überlegt habe, würde ich wohl auch dabeibleiben. Außer an der für mich richtigen Interpretation ändert sich etwas, weil ich ja auch älter werde und sich meine Weltanschauung ziemlich sicher verändert und ich dann ein Kunstwerk anders beurteile.
      Lieber Sadko!

      Ich glaube, ein wirklicher Künstler, eben jemand, der nicht nur Sänger ist, bleibt nicht stehen, sondern sucht immer wieder neue Ausdrucksnuancen. Genauso wie ein Dirigent immer wieder die 55. Beethoven neu studiert, um auch Dinge zu entdecken, die er vorher übersehen, nicht verstanden, anders empfunden hat etc. Außerdem glaube ich auch, dass es einen Künstler tierisch langweilen muss, '27' Jahre immer die selbe Winterreise zu geben. Von daher zeichnet es einen wirklich Künstler wohl aus, dass er sich gerade wandelt und Neues, Neuentdecktes dem Publikum präsentiert.

      Damit will ich nicht sagen, dass ich Grundheber nicht für einen Künstler halte. Ich denke, er hat sich nur auf dem Gebiet, dass er möglicherweise als zweitrangig ansieht, eben dem Darstellerischen, zu sehr auf einmal Erreichtes verlassen. Vokal hat er natürlich schon Rolle für Rolle anders angelegt. Obwohl sein Faninal schon über all die lange Jahre ziemlich gleich blieb. ^^

      Sadko schrieb:

      Die von Dir genannten Schauspieler kenne ich übrigens leider alle gar nicht - außer Will Quadflieg. Von ihm habe ich als Kind eine Hörbuch-CD von "Der kleine Prinz" besessen! Aber mehr kenne ich von ihm auch nicht..
      Na, das ist doch wohl nicht wahr. ;) Die Lücken, auch hinsichtlich der anderen, musst du aber dringendst schließen. :D

      Marianne Hoppe als Rezitatorin, Brigitte Fassbaender als Sängerin und Aribert Reimann als Pianist haben übrigens mal Schönbergs 'Buch der hängenden Gärten' aufgenommen. Lief mal im Radio, muss also existieren. Vielleicht kommst du irgendwann an diese wirklich fantastische Aufnahme heran. Dann lernst du wenigstens Marianne Hoppe im Bereich der klassischen Musik kennen. ;)

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!

      Generell stimme ich Dir ja zu. Essentiell für die Kunst ja, dass sie neue Wege sucht und "frei" ist. Selbstverständlich, das zweifle ich gar nicht an.
      Das Problem ist nur, dass nicht "anders um jeden Preis" sein soll. Ich halte es für - hart ausgedrückt - Missbrauch am Werk, wenn einfach nur etwas anderes gemacht wird, ohne Sinn dahinter, einfach nur, um sich von den Kollegen abzuheben. Davon halte ich gar nichts (vornehmlich habe ich jetzt an zwei bestimmte, derzeit aktive Dirigenten gedacht, man könnte aber auch an schlechte Inszenierungen denken).
      Das heißt, wenn ich als Künstler eine für mich perfekte Interpreation gefunden hätte, dann behielte ich sie solange bei, bis mir eine andere besser erscheint. Ich interpretierete nicht zwangweise jedesmal etwas anderes. Die Interpretation verändert sich ja ohnehin über die Jahre, weil sich auch die Stimme ändert, man andere Stimmfarben gewinnt oder einfach älter geworden ist.

      Das ist aber nur meine persönliche Sicht, die nicht sonderlich fundiert ist, da ich mich fast gar nicht mit Schauspiel oder Film beschäftige und keine Opern-DVDs anschaue. Also denke ich, dass Du das viel besser beurteilen kannst.

      Vielleicht liegt es wirklich daran, dass mir die schauspielerische Gestaltung ziemlich egal ist (daher mochte ich auch Johan Botha sehr gern!). Von mir aus können Opernsänger gern mindestens 90% ihrer Aufmersamkeit ins Stimmliche legen. Man kann das natürlich auch anders sehen. Aber ich finde, es hat auch seine Vorteile, wenn man weiß, dass man was Solides bekommt. :D

      Und danke für den Tipp! Wenn ich mich nicht komplett täusche, gibt es diese Aufnahme derzeit auf "recordsale" zu erwerben. (gemeinsam mit Schumanns Dichterliebe) In den nächsten Tagen werde ich auf Youtube den Zyklus von anderen Interpreten anhören und dann entscheiden, ob ich mir von Dir erwähnte Aufnahme kaufe!

      Aus diesem Anlass wieder der Bogen zurück zu Grundheber: Ich bedaure sehr, dass er so selten als Liedsänger aufgetreten ist bzw. davon kaum offizielle Aufnahmen existieren!
    • palestrina schrieb:

      da ist nichts von Marianne Hoppe, auch nicht auf der Original CD ??
      Hat Wolfram auch nicht behauptet . Er schrieb auch im Reimann thread Beitrag No.12 :"Es schlummert allerdings irgendwo noch eine Radio-Aufnahme (Schwetzingen?) bei der zusätzlich Marianne Hoppe als Rezitatorin der nicht vertonten Gedichte auftritt." .Es geht hier offensichtlich um Rundfunkaufnahmen . Da wäre wichtig , die Sendeanstalt zu kennen . Der SWF z.B.verkauft so ziemlich alle Mitschnitte .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
    • b-major schrieb:

      Hat Wolfram auch nicht behauptet . Er schrieb auch im Reimann thread Beitrag No.12 :"Es schlummert allerdings irgendwo noch eine Radio-Aufnahme (Schwetzingen?) bei der zusätzlich Marianne Hoppe als Rezitatorin der nicht vertonten Gedichte auftritt." .Es geht hier offensichtlich um Rundfunkaufnahmen . Da wäre wichtig , die Sendeanstalt zu kennen . Der SWF z.B.verkauft so ziemlich alle Mitschnitte .
      Palestrina hat offensichtlich seinen Beitrag gelöscht, so dass ich darauf nicht antworten kann.

      Vollkommen richtig, b-Major, es handelt sich um einen Radiomitschnitt, den ich vor Jahrzehnten noch auf MC mitgeschnitten habe. Möglicherweise vegetiert er bei mir im Keller noch dahin. Vielleicht schaffe ich es die Tage, einmal die Reste meiner MC-Sammlung durchzusehen. Falls er noch existiert, habe ich da die Sendeanstalt auf jeden Fall vermerkt.

      Hoppe und Fassbaender sind mit dem Programm übrigens auch häufiger aufgetreten. Ich habe beide noch beim SHMF erlebt, allerdings nicht mit Reimann am Klavier. Von diesen Konzerten werden auch Mitschnitte vorliegen. Wie man daran kommt - keine Ahnung.

      :wink: Wolfram
    • Sadko schrieb:

      wenn einfach nur etwas anderes gemacht wird, ohne Sinn dahinter, einfach nur, um sich von den Kollegen abzuheben.
      Lieber Sadko, wenn so etwas auftritt, ist es natürlich indiskutabel, weil mit dem Werk selber nichts zu tun.

      Sadko schrieb:

      Das heißt, wenn ich als Künstler eine für mich perfekte Interpreation gefunden hätte, dann behielte ich sie solange bei, bis mir eine andere besser erscheint.
      Finden Künstler jemals eine für sie perfekte Interpretation? ;)

      :wink: Wolfram
    • Lieber Wolfram!

      Gute Frage :D Ich denke eher nicht. Ich bin aber auch kein Künstler.
      Ich kann mir zwar schon vorstellen, dass man eine für sich perfekte Interpretation findet (und Grundheber schätze ich als einen ein, der sich genau Gedanken macht). Aber ich denke auch, dass sich diese Interpretation mit den Jahren ändern kann. Das heißt, heute gilt für mich vielleicht eine andere Interpretation als perfekt als in 10 Jahren.

      Wie gesagt, da Du Grundheber deutlich öfter als ich erlebt hast, kann ich Deinem Kritikpunkt nichts entgegensetzen, ich kann nur sagen, dass er für mich kaum von Bedeutung ist. Aber was seine stimmlichen Leistungen betrifft, sind wir ja einer Meinung. :)

      Sein Gurrelieder-Sprecher 2020 scheint ja so gut wie fix zu sein. Ursprünglich hat es geheißen, im Okt./Nov. würde er bei einem Brahms-Requiem in Trier mitwirken, davon habe ich aber schon länger nichts mehr gehört. Naja, ich hoffe mal, dass das auch zustande kommt. Wenn ja, werde ich nach Möglichkeit hinfahren. Trier ist auch eine sehr schöne Stadt! (die leider von mir sehr umständlich zu erreichen ist)