Stummfilme mit Live-Musik

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    • Weitere "Metropolis"-Vorführungen in 2010, diesmal unter Mitwirkung des (gleichfalls in Sachen Stummfilm-Begleitung nicht gänzlich unerfahrenen) Essener Dirigenten HELMUT IMIG:

      22.09. Essen, Lichtburg / 01.10. Recklinghausen, Festspielhaus (Es spielt jeweils die Neue Philharmonie Westfalen) / 05.u.06.11. Bielefeld, Oetker-Halle / 14.11. Braunschweig, Staatstheater (Es spielt jeweils das städt. SO)

      Der VVK für den 22. läuft schon geraume Zeit - zu lange würde ich da besser nicht warten: Vor etlichen Jahren habe ich dort (wohl gleichfalls dirigiert von Imig) den "Ben Hur"-Stummfilm gesehen ... dürfte seinerzeit (fast?) ausverkauft gewesen sein...

      BTW - Ich bin Anfg.Juli einige Tage in Essen und kann da gerne einige Kärtchen besorgen.....................



      DA WÄRE NOCH (in der BAMBERGER Philharmonie, diesmal wieder geleitet vom StrobelsFrank) R.Strauss`"Rosenkavalier"Musik zum gleichn. Stummfilm von ROBERT WIENE - am 28. u. 29.01. (Kinders schon wieder Januar :P )

      Lt. HP der "Bamberger" war es lange "...nahezu vergessen..., dass (R.Strauss) auch eine Partitur für den gleichnamigen Stummfilm von Robert Wiene anfertigte. 2006 brachte Frank Strobel die gross besetzte Filmmusik wieder mit dem vollständig rekonstruierten Bildmaterial zusammen"

      Aus DIESEM Anlaß werden wir ja wohl das "1.Oberfränkische Capriccio.Treffen :thumbup:" zusammenbekommen...............



      gez. serge mstislav
      Alexa: Was ist ein gerechter Lohn? - Das weiß ich leider nicht!
      Peter Kessen "Disruptor Amazon"

      Hollywood ist ein Witz - nicht hassenswert...
      Aki Kaurismäki
    • Charles Chaplin: Lichter der Großstadt in Heidelberg (01.08.2010)

      Wie oben angekündigt, war ich letzten Sonntag Zeuge einer Aufführung von Lichter der Großstadt (City Lights) in der Stadthalle Heidelberg: Das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg musizierte unter seinem GMD Cornelius Meister.

      Über den Chaplin-Film muß ich wohl nicht viel sagen: Die Geschichte des armen, charmanten Tramp, der sich in eine blinde Blumenverkäuferin verliebt, ihr den Hof macht, wobei sie ihn für einen Millionär hält. Einen solchen lernt der Tramp tatsächlich kennen, dessen Freund er ist, solange dieser betrunken ist. Am Ende verhilft er der Geliebten zu einer Augenoperation, die gelingt; sie erkennt ihn schließlich - mit einem Happy End, das vielleicht keines ist.

      Mich hat die Aufführung ergriffen, ich mußte viel lachen und schämte mich auch meiner Tränen nicht - obgleich der Film mir nicht neu war. Diese Rührung war möglich durch das musikalische Erlebnis, das ich als solches gar nicht einmal richtig bewußt erlebte, da ich mich auf die Bilder konzentrierte. Die Musik nahm ich so nebenher und dennoch intensiv auf (vielleicht so, wie sich Richard Wagner den idealen Rezipienten vorstellt...?).

      Wie schon Nosferatu vor einem Jahr (s. o.) war es ein großes Erlebnis: Musik (rekonstruiert von Timothy Brock 2004) und Film harmonierten prächtig!

      Die Musik komponierte Charles Chaplin selbst, d. h., er, der keine Noten lesen konnte, sang sie seinem Arrangeur Arthur Johnston vor, der die Themen aufschrieb und instrumentierte. Chaplin:
      Ich habe versucht, meine Komödien mit stilvoller und romantischer Musik zu rahmen, weil stilvolle Musik ihnen emotionale Tiefe verleiht. Viele arrangeure haben das nicht kapiert. Sie wollten, dass auch die Musik lustig ist. Aber ich will da keinen wettstreit, sondern dass die Musik durch ihre ernsthaftigkeit und ihren Charme einen Kontrast bildet, Empfindungen ausdrückt, ohne die jedes Kunstwerk unvollständig ist.
      (Quelle: Programmheft)

      Es gab übrigens einen viertelstündigen Vorfilm: Schüler einer Heidelberger Hauptschule hatten in einem Projekt in einem rekonstruierten Western-Dorf einen Stummfilm gedreht und auch Musik dazu komponiert, die acht Mitglieder des Philharmonischen Orchesters aufführten. Sehr schön war das!

      In den 1920ern wurden übrigens in Heidelberg mehrere Western gedreht (war mir neu); man knüpfte also an eine alte Tradition an. ;+)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich möchte an dieser Stelle gerne auf die "http://www.stummfilmmusiktage.de/" StummFilmMusikTage Erlangen hinweisen, die seit 1997 jährlich Ende Januar stattfinden. Für die 15. Auflage des Festival 2011 wurde ein Kompositionsauftrag verteilt, der dem Anti-Kriegsfilmklassiker "Im Westen nichts Neues" (1930) gewidmet ist.

      DiO :beatnik:
      "Wer Europa in seiner komplizierten Verschränkung von Gemeinsamkeit und Eigenart verstehen will, tut gut daran, die Oper zu studieren." - Ralph Bollmann, Walküre in Detmold
    • Ich habe mit dem Thema vor kurzem eine eher schlechte Erfahrung gemacht.
      Es handelte sich um eine Vorführung einiger Filme von Georges Méliès, zu der es elektronische Live-Musik gab. Eine Idee, die durchaus gutgehen und sehr stimmungsvoll hätte sein können, wenn die Begleitmusik tatsächlich Begleitmusik gewesen wäre, die Filme unter- und nicht übermalt hätte. Dafür war sie ganz einfach viel zu laut. Viel viel viel zu laut. An die Musik selbst kann ich mich kaum noch erinnern (ist immerhin schon fast einen Monat her) aber in der Lautstärke hat sie sich zu sehr in den Vordergrund gedrängt, gestört und abgelenkt. Da hätte ich die Filme lieber ganz im Stillen gesehen.

      Zumindest wurden so aber die unzähligen raschelnden Chipspackungen übertönt, die klugerweise vor der Vorstellung verteilt wurden.
      ?
    • vé-nus schrieb:

      Zumindest wurden so aber die unzähligen raschelnden Chipspackungen übertönt, die klugerweise vor der Vorstellung verteilt wurden.

      Waren die vielleicht mikrofoniert?
      :D
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Eben bin ich über die Ankündigung der "http://www.salzburgbiennale.at" Salzburg Biennale 2011 gestolpert, bei der unter der Überschrift "Lichtspielmusik" eine Reihe von Stummfilmen mit neu komponierter Musik aufgeführt werden, gespielt unter anderem vom Ensemble Modern:

      • 4.3. Kurzfilme von Charlie Chaplin, mit Musik von Benedict Mason (Ensemble Modern, Leitung Franck Ollu)
      • 5.3. Fritz Lang Metropolis in der rekonstruierten Fassung von 2010, Musik von Martin Matalón (Ensemble Modern, Leitung François Xavier Roth)
      • 10.3. Experimentelle und surrealistische Stummfilme der 20er Jahre, u.a. Walter Ruttmann, Hans Richter, Luis Buñuel und René Clair, mit Musik von Oliver Frick, Friedrich Schenker [UA], Ludger Brümmer, Clemens Gadenstätter [UA], Sven-Ingo Koch,Carola Bauckholt, Caspar Johannes Walter, Iris ter Schiphorst,Georg Katzer und Erik Satie (ensemble ascolta, Leitung Vicente Larrañaga)
      • 12.3. Die Abenteuer des Prinzen Achmed, ein Silhouettenfilm von Lotte Reininge, Musik von Wolfgang Zeller in der Bearbeitung von Jens Schubbe (oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik, Leitung Andrea Pestalozza)
      • 20.3. Murnau Nosferatu, Musik von José Maria Sanchez-Verdú (oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik, Leitung José Maria Sánchez-Verdú)
      und noch einige andere

      Könnte schon interessant sein, finde ich.

      Michel :wink:
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Morgen in Mannheim:

      Nathan der Weise

      Stummfilm (nach dem Schauspiel von G. E. Lessing, Regie: Manfred Noa, 1922)
      mit Orgelimprovisation

      Eine Veranstaltung der "http://www.ekma.de/feudenheim/index.php?seite=24&id=26734&back=1" Evangelischen Gemeinde Feudenheim in Kooperation mit Cinema Quadrat:

      Freitag, 04.11.2011, 19.30 Uhr
      Epiphaniaskirche, Andreas-Hofer-Str.39
      Orgel: Christiane Michel-Ostertun

      Der Stummfilm von 1922 war lange verschollen. Der "http://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_der_Weise_%281922%29" Wikipedia-Artikel beschreibt den vermutlich nicht nur zeitgeschichtlich interessanten Film und macht mich neugierig.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Helmut Lachenmann
    • Wir proben gerade für eine Aufführung im Cineplex am Montag, 25.3.2013 in Münster..........

      So schnell kann das gehen, eben erst wiedererstellt (und ich habe mich riesig gefreut, endlich die Orginalmusik von Huppertz hören zu können) und nun spiele ich das.

      Mir gefällt die Musik nach wie vor sehr gut, aber da gibt es ein Problem, über welches ich noch nie nachgedacht habe:

      Das ist irre anstrengend, rein physisch..........

      Das sind 2 1/2 Stunden NONSTOP- Musik..........
      also, ich habe ja schon einiges gespielt inkl. dem Ring........ ;+)

      Aber DAS haut hier alle reihenweise um, das ist derartig anstrengend, ich kenne sowas aus fast keiner Sinfonie oder Oper.

      Es hat nichts mit der Qualität der Musik zu tun, Huppertz(1887-1937) -über den ich kaum etwas finde im Internet- hat schon beachtlich qualitätsvolle Musik geschrieben, welche mir sehr gefällt.

      Das Problem ist nur, daß man hier wirklich den Bogen in die Hand nimmt bei Takt1 und erst ganz zum Schluß, nach 2 1/2 Stunden Dauerspielen, wieder ablegt.

      Wie versuchen jetzt, eine Pause zwischen den Filmrollen zu bekommen.
      Immerhin haben wir keinerlei besondere Ruhemöglichkeiten an den Tagen davor, da laufen die normalen Opern........

      Das irre ist, wir haben alle den Ring gespielt, und die Götterdämmerung ist natürlich das anstrengendste überhaupt, aber diese Stummfilmmusik von Huppertz kommt ziemlich nahe dran, was die körperliche Beanspruchung angeht.

      Hätte ich nicht gedacht, hat hier keiner gedacht...........
      Da sind halt keine Sänger, da es ein Stummfilm ist, und das Orchester begleitet JEDE kleinste Nuance ..........nonstop.
      Und Huppertz haut hier voll auf fast jeder Seite im Strauss, Wagner, Schreker, Korngold-Stil rein.

      Interessante Erfahrung, die körperlich weh tut, leider.

      :wink:
    • Die restaurierte Fassung hat eine Intermission-Anzeige, nach vielleicht 80-90 Minuten. Da sollte eigentlich die Möglichkeit für eine Pause gegeben sein. In Bonn hatte es auch eine gegeben.

      Finde ich klasse, daß ihr den Metropolis mit Orchester aufführt, lieber Michael. Habt ihr eigentlich die Möglichkeit, etwas vom Film mitzubekommen?


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Die restaurierte Fassung hat eine Intermission-Anzeige, nach
      vielleicht 80-90 Minuten. Da sollte eigentlich die Möglichkeit für eine
      Pause gegeben sein. In Bonn hatte es auch eine gegeben.



      Finde ich klasse, daß ihr den Metropolis mit Orchester aufführt, lieber Michael. Habt ihr eigentlich die Möglichkeit, etwas vom Film mitzubekommen?

      Genau, in Bonn(wußte ich nicht) und Gelsenkirchen gab es eine Pause zur Hälfte........

      Wir sind hier fast Amok gelaufen, denn die GP, also ein kompletter Durchlauf sollte am Montag um 11:00 sein und dann abends die Aufführung.

      Das ist nicht zu machen, das hält fast keiner durch...am Abend vorher Tosca, davor Musical und eine weitere Tosca, und dazwischen dann Hauptproben für Metropolis.........Nee, geht einfach nicht.

      Es ist immer wieder interessant, daß es Menschen gibt, die denken, wir spielen den ganzen Tag nonstop.
      Als wenn das kein Problem wäre.
      Diese Menschen sollen von mir aus dann den ganzen Tag Marathon laufen, 7 Tage in der Woche.

      Und diese Menschen gehen jeden Tag von Mo-Fr. um 17 :00 nach Hause, die hätten nämlich ein Problem, wenn es anders wäre..................Am Wochenende sieht man die nie hier.............

      Na ja, ich habe natürlich nichts gesagt. ;+)

      Ich bin mal gespannt, wir werden natürlich etwas vom Film mitbekommen, aber ich kann mir nicht erlauben, da groß hinzuschauen..........dazu ist die Partitur zu kompliziert.

      Aber ich kenne den Film und weiß in etwa, was gerade passiert.

      Du meine Güte, was hatten die festangestellten Kino-Orchester in den 20ern da für einen Job?
      Ich hoffe, das war damals wenigstens sehr gut bezahlt.............aber ich bezweifel das.
    • Heute war die GP vormittags.........sauanstrengend in jedem Fall.
      Und abends dann noch 'ne Tosca hintendrauf.
      Grenzwertig........

      Aber:
      Ich muß wirklich sagen, daß ich fast am heulen bin, was Gottfried Huppertz damals komponiert hat.

      Was war das für ein begnadeter Komponist!

      Tolle Themen, Leitmotive,alles auf den Punkt komponiert ohne "Click-Track".

      Wie gesagt, ein begnadeter Komponist, der 1937 völlig unbekannt nur 50jährig verstarb.

      Diese Musik hat Suchtcharakter für mich, hatte sie schon vorher, ich muß jetzt erst noch den Balast abschütteln, diesen ungeheuren Kraftaufwand, DAS zu spielen.
      Es lohnt sich, mir ist der Kraftaufwand mittlerweile egal, denn das ist ein Meisterwerk!

      Der Film und VOR ALLEM- viel zu wenig beachtet- die Musik.

      Gottfried Huppertz 1887-1937
      "http://www.fimumu.com/huppertz/"

      Es ist mir eine Ehre, diese Musik spielen zu dürfen!

      Am Montag abend ist die Aufführung, und ich werde jeden Takt geniessen. Ja , auch wenn es weh tut und es sehr anstrengend ist.

      Denn es ist es wert!
    • Da könnte ich mir vorstellen dabeizusein:

      Freitag, 10.05.2013, 20:00 Uhr
      Hessischer Rundfunk, hr-Sendesaal

      Musik und Film


      Alice Comedies von Walt Disney (1926)
      Alice and the Firefighter / Alice Helps the Romance
      Alice in the Wooly West
      Originale Begleitmusik von Paul Dessau

      Arnold Fanck:
      Im Kampf mit dem Berge (1921)

      Originale Begleitmusik von Paul Hindemith

      hr-Sinfonieorchester
      Ltg.: Frank Strobel

      Näheres: "http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp?rubrik=75561&key=standard_document_45411385"

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Helmut Lachenmann
    • Ich verweise an dieser Stelle auf meinen Beitrag im Wagner Thread:

      "http://www.capriccio-kulturforum.de/musik-erfahren/4965-wagner-200-geburtstag-in-3sat/#post228659"


      Eine Wagner Filmbiographie mit live Musik

      Es spielt die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Frank Strobel.
    • Bereits jetzt hat die Berlinale die Aufführung der restaurierten Fassung des Stummfilms Das Cabinet des Dr. Caligari von 1920 angekündigt. Der US-amerikanische Jazzmusiker und Komponist John Zorn wird eine neu geschriebene Filmmusik live an der Karl-Schuke-Orgel der Berliner Philharmonie einspielen. Das Stummfilmkonzert wird am 09.02.2014 im großen Saal der Berliner Philharmonie stattfinden. Wir werden gespannt sein...

      Hier ist die Pressemitteilung:
      "http://www.berlinale.de/media/pdf_word/pm_1/63_berlinale/72_PM_Caligari_09_04_2013.pdf"
    • Gurnemanz schrieb:

      Da könnte ich mir vorstellen dabeizusein: [...]
      ... und ich war gestern dabei, hab's nicht bereut.

      Überrascht war ich bei den frühen Disney-Filmen, wie hier das Absurde auf die Spitze getrieben wurde: etwa bei der Feuersbrunst (Alice and the Firefighter), wenn eine Leiter aus Noten ausgefahren wird, damit eine Figur aus oberem Stockwerk sich retten kann: Paul Dessau läßt dazu das Klavier eine Tonleiter aufwärts spielen. Die Musik: spritzig und frech - sehr unterhaltsam!

      Dann die gut siebzigminütige Dokumentation einer Bergtour in einem hervorragend restaurierten Film, mit phantastischen Landschaftsbildern. Im Kampf mit dem Berge trägt als Untertitel "Alpensymphonie" und löst damit Assoziationen aus, die Paul Hindemith, der die Musik in nur 2 Wochen 1921 (also wenige Jahre nach R. Strauss) komponierte, nur teilweise einlöst: Zwar ebenfalls viel Pathos und Dramatik, aber anders - schwer zu beschreiben. Wäre mir die Musik ohne nähere Information im Radio begegnet, hätte ich an Musik aus einem Hollywoodfilm der 1950er gedacht und wäre nie auf Hindemith gekommen. Eine Stelle erinnerte mich übrigens an ein zentrales Thema aus Der ferne Klang (Franz Schreker), zumindest harmonisch scheint Hindemith dort anzuknüpfen.

      Ich war nicht der einzige Capriccioso im Sendesaal des HR - vielleicht gibt es noch weitere Eindrücke?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Überrascht war ich bei den frühen Disney-Filmen, wie hier das Absurde auf die Spitze getrieben wurde: etwa bei der Feuersbrunst (Alice and the Firefighter), wenn eine Leiter aus Noten ausgefahren wird, damit eine Figur aus oberem Stockwerk sich retten kann: Paul Dessau läßt dazu das Klavier eine Tonleiter aufwärts spielen.

      Es ist diese besondere Absurdität - daß Dinge plötzlich eine andere Bedeutungsebene erlangen, wenn die Protagonisten sie für den notwendigen Zweck entfremden, um sie für etwas anderes einzusetzen - die den frühen Cartoon ausmachen, nicht nur bei Disney. Da denkt ein Charakter an ein Lollipop, es öffnet sich die Gedankenblase mit dem Lolli, der Charakter greift danach, leckt daran und geht fröhlich von dannen.

      Bei Alice Comedies - Disneys erste Animations-Serie - hat er das immer wieder eingesetzt, auch später bei Mickey Mouse.


      PS:
      Hier eine kleine Googlesuche - da gibt es einige der Cartoons auf youtube zu sehen:

      "https://www.google.de/search?q=disney+alice+cartoonland&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a"


      jd :wink:
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      Jean Paul
    • Um nicht einen neuen Faden aufzumachen, also hier...

      Ich komme immer wieder zurück auf diese (Doppel-) CD



      Natürlich ist die DVD



      nicht zu ersetzen, weil sie ja auch den Film enthält und zudem eine sehr gute, frische Musikeinspielung unter Frank Strobel bietet. Aber Mark Fitz-Gerald setzt mit der basel sinfonietta auf das sehr gute noch eins drauf. Ich könnte diese Musik mit ihrem fantastischen Klang nahezu immer hören. Die kleine Besetzung macht die Musik außerordentlich transparent, bietet all ihre Schärfen und Grellheit auf das äußerste. Herrlicher Blechklang. Hier konnte sich der junge Schostakowitsch noch völlig ohne Rücksicht austoben. Die Musik bietet endlos viele groteske, absurde Stellen, in geradezu comic- oder cartoonhafter Weise, wie sie in vielen seiner späteren Werken nur noch andeutungsweise durchdringen. Mir bedeutet dieser groteske...ja...Nihilismus in der Musik sehr viel, könnte mich da "rein legen", so dass ich wohl niemals lange darauf verzichten wollte oder könnte.

      Ganz klar: eine meiner absoluten Lieblings-CDs, seitdem ich sie habe.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Selbst in den späteren Symphonien tritt dieses Comicartige stellenweise auf, und deshalb kann ich mir gut vorstellen, daß es in dem Film funktioniert. Die Russen hatten damals so manche absurde Komödie gedreht (z.B. Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki, 1924), und für diese Art von Film wäre seine Musik wirklich sehr passend. Müßte eigentlich den Babylon-Film selber mal sehen... :rolleyes:

      Link:
      "https://de.wikipedia.org/wiki/Die_seltsamen_Abenteuer_des_Mr._West_im_Lande_der_Bolschewiki"


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