Sängerschicksale

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    • Ich fand interessant, was Bernd Löbe in dieser Sendung über offensichtliche Ausbildungsdefizite von SängerInnen aus Deutschland sprach (ich glaube, ich zitiere nicht ganz falsch: "von 20 amerikanischen oder asiatischen SängerInnen eines Vorsingens, könnte ich 19 engagieren; von 20 vorsingenden deutschen SängerInnen höchstens eine/n").
      Der Aussage von Brigitte Fassbaender über Agenten ("verstehen immer weniger, aber achten immer mehr auf die Prozente" - so nicht wörtlich, aber sinngemäß von ihr gesagt) kann man nichts hinzufügen. Und auch nicht zu ihrer Erfahrung, dass heute die Optik wichtiger ist als Stimme. In einem Interview mit dem Direktor eines nicht unbedeutenden Hauses im deutschsprachigen Raum für das Magazin der Freunde dieses Hauses (nein, ich werde das Haus nicht nennen und auch nicht den Namen des Direktors) gab dieser mir gegenüber offen zu, dass er im Hinblick auf die Optik einen Pavarotti oder eine Caballe nie engagieren würde (es war eine fiktive Frage; beide haben zum Zeitpunkt des Interviews nicht mehr gelebt bzw. nicht mehr gesungen). Und auf die Frage, warum die Sängerin XY nicht im Werk ABC singen würde, sagte mir ein anderer Direktor ebenso offen, dass XY zu dick sei (auch in diesem Fall werde ich keine Namen nennen).
      Zu denken geben sollten auch die Erfahrungen der jungen in Berlin engagieren Sängerin (ich habe mir den Namen nicht gemerkt), die aus Angst um den Job zu Angeboten Ja sagt, obwohl sie das Werk kaum kennt und/oder Vorbereitungszeiten zu kurz sind.
    • Vielen Dank für den Link aus diese interessante Dokumentation. Die Sängerin aus Berlin heißt Elsa Dreisig. Und ich fand die Offenheit, mit der sie, aber auch Asmik Grigorian und die anderen Sänger über die Probleme mit den Anforderungen an diesen Beruf geredet haben, sehr mutig. Ein wichtiger Einblick! Traurig machen die Aussagen von Löbe und Brigitte Fassbaender über den Ausbildungsstand in D und die Praktiken von Agenten und Veranstaltern, die dazu führen, dass große Talente zu früh verheizt werden. Vielleicht sollte man als Publikum ein wenig auf die Bremse treten, bevor man negative Urteile fällt oder Künstler verreißt.
      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • brunello schrieb:

      In einem Interview mit dem Direktor eines nicht unbedeutenden Hauses im deutschsprachigen Raum für das Magazin der Freunde dieses Hauses (nein, ich werde das Haus nicht nennen und auch nicht den Namen des Direktors) gab dieser mir gegenüber offen zu, dass er im Hinblick auf die Optik einen Pavarotti oder eine Caballe nie engagieren würde
      Wieso denn nicht? Wenn das schwarz auf weiß in einer Zeitschrift steht, gibt es überhaupt keinen Grund zur Geheimhaltung. Und selbst wenn diese Passage nicht abgedruckt wurde (wenn ja: wieso??), wäre es wissenswert zu erfahren, wer sich so dermaßen fehlbesetzt und inkompetent geäußert hat.

      Ich äußere die Vermutung, dass es sich um Dominique Meyer und die Wiener Staatsoper handelt. Weshalb: Erstens besitzen dort fast alle Sängerinnen eine entsprechende Optik, und zweitens hat er ja zu Beginn verkündet: "Botha raus, Lippert rein". Tja.

      Talestri schrieb:

      Vielleicht sollte man als Publikum ein wenig auf die Bremse treten, bevor man negative Urteile fällt oder Künstler verreißt.
      Das ist meiner Meinung nach die komplett falsche Schlussfolgerung. Es gibt derzeit zu viele Sänger, aber zu wenige gute. Also wäre es im Sinne ALLER, wenn man streng ist und Nicht-Können als Nicht-Können bezeichnet, dann haben die (wenigen) wirklich guten Sänger auch eine realistische Chance auf Engagements und auf relativen Erfolg in ihrem Beruf.
    • Ich weiß, Sadko gibt gern den Haudrauf. Aber führt das wirklich weiter?
      Ich hatte ja die Namen von zwei der Sängerinnen genannt, die in der Doku zu Wort kamen. Es handelt sich keineswegs um „Nichtkönnerinnen“.

      Asmik Grigorian, die Salome der Salzburger Festspiele.
      „Keine singt derzeit so ergreifend schön wie die litauische Sopranistin Asmik Grigorian.“ (Zeit)
      „Seit der Premiere von „Salome“ in Salzburg kann sich die litauische Sopranistin Asmik Grigorian vor Anfragen kaum mehr retten. Zu verdanken hat sie diese Begeisterung allein ihrer eigenen, harten Arbeit.“ (FAZ)
      Elsa Dreisig, die Manon aus Zürich.
      „Von einem Rollendebüt ist zu berichten, das man für einmal nicht bloss mit der üblichen Floskel als "gelungen" bezeichnen darf: Die Manon der noch nicht einmal 30 jährigen Elsa Dreisig war geradezu sensationell, überragend, souverän, zum Niederknien.“ (Oper-aktuell)
      „Elsa Dreisig ist der neue Stern am Opernhimmel“ (tagblatt)

      Einfach mal in den Film reinschauen und dann urteilen.
      :wink: Talestri
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    • Ich weiß eigentlich nicht, inwiefern sich Deine Antwort auf meine Antwort bezieht.
      Du hast geschrieben/gemeint: Das Publikum sollte rücksichtsvoller gegenüber den Sängerleistungen sein und Künstler eher nicht verreißen, weil der Beruf anstrengend ist.
      Ich habe geschrieben/gemeint: Da es derzeit im deutschsprachigen Gebiet einen großen Sängerüberschuss gibt und viele ausgebildete Sänger kein Engagement bekommen (nicht einmal in einem Chor), bringt es gar nichts, toleranter zu sein. Ganz im Gegenteil. Man muss Sängern, die keine ausreichenden Leistungen erbringen, klar und ehrlich kommunizieren, dass sie sich einen anderen Beruf suchen sollen. Das ist für alle besser, denn wenn es 100 Leute mit einer abgeschlossenen Gesangsausbildung gibt und nur 50 freie Stellen, muss man natürlich die bessere Hälfte auswählen, und der Rest muss sich halt einen anderen Beruf suchen. So ist das, und das ist auf jeden Fall gerechter, als wenn bei der Vergabe der 50 freien Stellen der Zufall oder andere Faktoren, die nicht "Können" heißen, eine Rolle spielen.

      Wie Du darauf kommst, dass ich die beiden erwähnten Damen als Nicht-Könnerinnen bezeichnet hätte, weiß ich nicht, letztere kenne ich gar nicht. Allerdings interessieren mich Zeitungskritiken überhaupt gar nicht ("Keine singt derzeit so ergreifend schön wie..." ist ja rein sachlich falsch), und naja: Wenn jemand erst nach dieser Salzburger Salome so gehypt wird, ist doch was faul. Ich bilde mir ein, irgendwo gelesen zu haben, dass sie bereits die ELEKTRA angeboten bekommen hat. Ja spinnen denn die Agenten?!
    • Sadko schrieb:

      Da es derzeit im deutschsprachigen Gebiet einen großen Sängerüberschuss gibt und viele ausgebildete Sänger kein Engagement bekommen (nicht einmal in einem Chor), bringt es gar nichts, toleranter zu sein. Ganz im Gegenteil. Man muss Sängern, die keine ausreichenden Leistungen erbringen, klar und ehrlich kommunizieren, dass sie sich einen anderen Beruf suchen sollen. Das ist für alle besser, denn wenn es 100 Leute mit einer abgeschlossenen Gesangsausbildung gibt und nur 50 freie Stellen, muss man natürlich die bessere Hälfte auswählen, und der Rest muss sich halt einen anderen Beruf suchen.
      Stimmt, völlig klar. Und auch wenn mir grundsätzlich das blinde Vertrauen in den Markt, der es mit seinen Mechanismen schon richten wird, grundsuspekt ist, glaube ich, dass es hier funktioniert. Es gibt ein solches Überangebot an jungen, motivierten Musikern, dass nur die allerallerbesten durchkommen. Sänger, "die keine ausreichenden Leistungen erbringen", haben auf diesem Markt keine Chance und kriegen das auch immer wieder gesagt. Ich habe schon Sängerinnen und Sänger gehört, die mich mehr oder weniger beeindruckt haben, aber in all den Jahren meiner Opernleidenschaft auch hier in den kleinen Häusern der Provinz so gut wie nie wirklich objektiv schlechte, unfähige.

      Sadko schrieb:

      Ich bilde mir ein, irgendwo gelesen zu haben, dass sie bereits die ELEKTRA angeboten bekommen hat. Ja spinnen denn die Agenten?!
      Ja, genau! Genau das wird ja in den letzten Beiträgen beklagt, dass die Agenten und die Operndirektoren vollkommen spinnen und unverantwortlich mit dem fast unbegrenzt verfügbaren Rohstoff Sängernachwuchs umgehen. Da sind wir uns offenbar doch alle einig. Spannend ist jetzt, wie die Sängerin damit umgeht: Geht sie auf solche Angebote ein oder nicht? Mit welchen Argumenten jeweils? Wie viel persönliche Wahlfreiheit hat sie?
      Was ich nun allerdings überhaupt nicht beurteilen kann, ist, inwiefern das ein neues Phänomen ist und Agenten und Direktoren vor ein oder zwei Generationen wirklich noch verantwortlicher mit ihren Sängerinnen und Sängern umgegangen sind. Wie viel Realität steckt in diesem "Früher war das noch anständig" und wie viel Nostalgie? Wie gesagt: Ich weiß es nicht.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Was ich nun allerdings überhaupt nicht beurteilen kann, ist, inwiefern das ein neues Phänomen ist und Argenten und Direktoren vor ein oder zwei Generationen wirklich noch verantwortlicher mit ihren Sängerinnen und Sängern umgegangen ist. Wie viel Realität steckt in diesem "Früher war das noch anständig" und wie viel Nostalgie?
      Spontan fällt mir Christa Ludwig ein - Karl Böhm, HvK und Leonard Bernstein haben ihr die Isolde angeboten. Letzterem hat sie auf dem Weg zum ersten Vorsingen von einer Telefonzelle aus abgesagt.

      Karajans Schallplatten-Besetzungen, die man höflichst als "Understatement-Strategie" bezeichnen könne, wurden eh und je diskutiert. Régine Crespin als Walküre, Katia Ricciarelli als Tosca und Turandot, ...

      Das ist nun schon ein paar Jahrzehnte her.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Cherubino schrieb:

      Was ich nun allerdings überhaupt nicht beurteilen kann, ist, inwiefern das ein neues Phänomen ist und Argenten und Direktoren vor ein oder zwei Generationen wirklich noch verantwortlicher mit ihren Sängerinnen und Sängern umgegangen is
      Schon Lisa della Casa sagte: "Man nimmt die Zitrone, preßt sie aus und wirft sie weg"
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Ich habe mir die kommenden Engagements von Elsa Dreisig angesehen - es gibt ja genügend offizielle Quellen (operabase, Agentur, Homepage, …). Ich habe sie noch nie gehört und kenne ihre Stimme nicht. Bei einer noch nicht 30jährigen Sängerin scheint mir das Programm der nächsten Monate aber schon SEHR heftig. Da wünsche ich ihr, dass ihre Stimmbänder robust genug sind, solch ein Pensum auf Dauer durchhalten zu können.
    • Cherubino schrieb:

      Und auch wenn mir grundsätzlich das blinde Vertrauen in den Markt, der es mit seinen Mechanismen schon richten wird, grundsuspekt ist, glaube ich, dass es hier funktioniert. Es gibt ein solches Überangebot an jungen, motivierten Musikern, dass nur die allerallerbesten durchkommen. Sänger, "die keine ausreichenden Leistungen erbringen", haben auf diesem Markt keine Chance und kriegen das auch immer wieder gesagt.
      Die anderen Fragen deines Beitrags finde ich sehr interessant (ich kann nicht beurteilen, inwiefern es früher anders war; ich nehme stark an, dass es immer schon in dieser Richtung war, aber es sich immer mehr verstärkt), aber den zitierten Punkt möchte ich stark bezweifeln.

      Vier (sehr unterschiedliche) Beispiele:
      1) Wieso hat Matthias Goerne letztes Jahr in Salzburg den Sarastro gesungen, obwohl er kein Bass ist?
      2) Wieso hat niemand Bryn Terfel (der ein ganz toller Sänger ist!) gesagt, dass das Verschleifen und Verfärben von Tönen keine tolle Gestaltung ist, sondern einfach nur fehl am Platze?
      3) Wieso bekommt Valentina Naforniță, die meiner Einschätzung komplett untalentiert ist und mit einer absolut katastrophalen Technik singt (bei Interesse auf Youtube nachhören), an der Wiener Staatsoper alle großen Rollen, zum Beispiel die Pamina?
      4) Wieso singt Rolando Villazón immer noch, obwohl er es gar nicht mehr kann (falls er es jemals konnte)? (zumindest wird er dafür angesetzt)
      Etc etc

      Ich bleib dabei, es läuft viel falsch in der Opernwelt, und es sind nicht die besten, die Karriere machen.

      Dass eine 26jährige Sängerin ihre Karriere beenden muss, finde ich sehr tragisch. Da wurden offenbar viele Dinge verpfuscht. Leider bin ich derzeit unterwegs und schreibe vom Handy aus, kann sie mir also momentan nicht auf Youtube anhören, aber das hole ich nach!
    • Sadko schrieb:

      Die anderen Fragen deines Beitrags finde ich sehr interessant (ich kann nicht beurteilen, inwiefern es früher anders war; ich nehme stark an, dass es immer schon in dieser Richtung war, aber es sich immer mehr verstärkt)
      Ich denke auch, das ist ziemlich plausibel. Die zitierten Beispiele aus früheren Jahrzehnten zeigen ja auch genau in diese Richtung.
      Der Konkurrenzdruck wird natürlich auch dadurch stärker,

      Ich weiß jetzt nicht, ob es diskussionstechnisch so klug ist, auf deine Beispiele einzugehen, aber ich habe gerade Lust dazu, und über konkrete Sängerpersönlichkeiten zu reden ist ja immer noch am interessantesten:

      Sadko schrieb:

      Vier (sehr unterschiedliche) Beispiele:
      1) Wieso hat Matthias Goerne letztes Jahr in Salzburg den Sarastro gesungen, obwohl er kein Bass ist?
      Weil er einer der international renommiertesten Bass-Baritone der Klassikwelt ist, international in allen Musikzentren auftritt und das Besetzungsbüro der Salzburger Festspiele offenbar der Meinung war, dass ein Sänger, der vor allem als Konzert- und Liedersänger bekannt geworden ist, aber auch in großen Häusern den König Marke gesungen hat, auch ein guter Sarastro sein könnte. Die Rolle ist ja eher statisch und verträgt die feine Differenzierung in der Gestaltung sehr gut, die ein Liedersänger gewohnt ist.
      Ich gebe aber zu, dass ich mich über die Besetzung auch ein Bisschen gewundert habe, als ich sie gelesen habe. Wie ist Goerne denn letztlich mit der Rolle klar gekommen?

      Sadko schrieb:

      2) Wieso hat niemand Bryn Terfel (der ein ganz toller Sänger ist!) gesagt, dass das Verschleifen und Verfärben von Tönen keine tolle Gestaltung ist, sondern einfach nur fehl am Platze?
      Weil Bryn Terfel (der ein ganz toller Sänger ist), ein gut ausgebildeter Vollprofi mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung ist, der selbst dafür verantwortlich, wie er singt und gestaltet. Vielleicht hat er ja nach wie vor einen Gesangslehrer, der ihn kontrolliert, vielleicht unterrichtet er selbst auch schon Schüler, kompetent wäre er sicherlich.

      Sadko schrieb:

      3) Wieso bekommt Valentina Naforniță, die meiner Einschätzung komplett untalentiert ist und mit einer absolut katastrophalen Technik singt (bei Interesse auf Youtube nachhören), an der Wiener Staatsoper alle großen Rollen, zum Beispiel die Pamina?
      Weil Valentina Naforniță eine sehr talentierte Sängerin ist, noch sehr jung, mit einer wunderschönen Stimme und perfekter, scheinbar müheloser Technik, leider noch etwas unpersönlich in der Gestaltung.

      Sadko schrieb:

      4) Wieso singt Rolando Villazón immer noch, obwohl er es gar nicht mehr kann (falls er es jemals konnte)? (zumindest wird er dafür angesetzt)
      Etc etc
      Singt Rolando Villazón überhaupt immer noch, oder sagt er nur noch ab?
      Und mit der Frage, ob Villazon seine Prachtstimmer durch Überlastung ruiniert hat, sind wir wieder mitten im Thema der letzten Beiträge.

      Sadko schrieb:

      Dass eine 26jährige Sängerin ihre Karriere beenden muss, finde ich sehr tragisch. Da wurden offenbar viele Dinge verpfuscht.
      Ich finde das auch tragisch, historisch scheint es aber eher fast der Normalfall zu sein. Wenn man sich ein Bisschen mit der Opernwelt des 19. Jahrhunderts beschäftigt, findet man Sängerinnen, die noch bevor sie volljährig sind in den großen Primadonnenpartien durchstarten und dann noch vor ihrem dreißigsten Geburtstag wieder abtreten.
      Willkürliches Beispiel: Giulia Grisi debütierte mit 17 in Rossinis "Zelmira", war mit 20 die Adalgisa in der Uraufführung von "Norma", mit 24 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den starglänzenden Pariser Uraufführungen von "I Puritani" und "Marino Faliero", ihre letzte Große Uraufführung war Donizettis "Don Pasquale" - da war sie 31. Wilhelmine Schröder-Devrient war mit 16 Pamina, mit 17 Leonore - heute undenkbar!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Sadko schrieb:

      3) Wieso bekommt Valentina Naforniță, die meiner Einschätzung komplett untalentiert ist und mit einer absolut katastrophalen Technik singt (bei Interesse auf Youtube nachhören), an der Wiener Staatsoper alle großen Rollen, zum Beispiel die Pamina?

      Von Valentina Nafornita habe ich bisher unterschiedliche Eindrücke gewonnen, sie schien mir teilweise beachtliches Talent zu besitzen. Bei der großen Staatsoperngala kam sie mir in einem Duett fehlbesetzt vor, aber ihre Rusalka-Arie war wunderschön gesungen und eine der besten Leistungen des Abends. Vielleicht ist sie nicht optimal gemanagt?
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Cherubino schrieb:

      über konkrete Sängerpersönlichkeiten zu reden ist ja immer noch am interessantesten:
      Das finde ich auch! Über konkrete Namen zu diskutieren ist spannender als nur mit allgemeinen Aussagen um sich zu werfen! :top:

      Cherubino schrieb:

      Weil er einer der international renommiertesten Bass-Baritone der Klassikwelt ist, international in allen Musikzentren auftritt und das Besetzungsbüro der Salzburger Festspiele offenbar der Meinung war, dass ein Sänger, der vor allem als Konzert- und Liedersänger bekannt geworden ist, aber auch in großen Häusern den König Marke gesungen hat, auch ein guter Sarastro sein könnte. Die Rolle ist ja eher statisch und verträgt die feine Differenzierung in der Gestaltung sehr gut, die ein Liedersänger gewohnt ist.
      Ich gebe aber zu, dass ich mich über die Besetzung auch ein Bisschen gewundert habe, als ich sie gelesen habe. Wie ist Goerne denn letztlich mit der Rolle klar gekommen?
      Ich habe keine Ahnung, wieso in Salzburg (nicht gerade ein unbekanntes Festival mit nicht gerade geringen Preisen - aber die muss man ja nicht zahlen, man muss ja nicht hinfahren) ein Bariton für den Sarastro verpflichtet wurde. Der Sarastro ist ja keine Rolle, die auch ein hoher Bass singen kann (zB der Ochs im Rosenkavalier), der ist zweifellos ein Bass. Ich habe Goerne in Wien als Kurwenal Marke gehört, und das habe ich ganz furchtbar gefunden (abgesehen davon, dass ihm die Wiener Staatsoper zu groß ist). (EDIT: Ich habe Goerne nicht als Marke gehört, sondern als Kurwenal! Bitte um Entschuldigung für den Fehler und herzlichen Dank nochmals an denjenigen, der mich per PN über den Irrtum informiert hat! Vielleicht sollte ich spät in der Nacht keine Beiträge mehr schreiben...)
      Und genau das ist ja der Fehler der Besetzungsbüros. Es zählt, wer welchen Namen hat, wer an bedeutenden Bühnen aufgetreten ist, wer gute Agenten hat, wer gut ausschaut, wer sich gut vermarkten lässt - aber die Fähigkeit, das was man kann, zählt kaum. Es gibt derzeit einige Sänger, die einen mindestens guten Sarastro abgeben würde (zum Beispiel: Stefan Cerny, Peter Mikuláš, Georg Zeppenfeld) - wieso singen die nicht den Sarastro in Salzburg? Die wären wirklich gute Besetzung, aber sind halt nicht ausreichend bekannt. Und das ärgert mich.
      Wie Goerne letzlich mit dem Sarastro zurechtgekommen ist, weiß ich nicht, weil ich nicht dort war und auch keine Übertragung gehört habe (bzw. nur nebenbei beim Kochen ein paar Ausschnitte der Radioübertragung). Aber wenn man überall liest und hört, dass ein Bariton in der Tiefe einer Bassrolle zu wenig hatte, schenke ich dem Glauben, ganz abgesehen davon, dass ich ihn auch in Baritonrollen nicht hören will. Da gibt es viel bessere Kollegen (zB Christian Gerhaher - der ist wirklich super!).

      Cherubino schrieb:

      Weil Bryn Terfel (der ein ganz toller Sänger ist), ein gut ausgebildeter Vollprofi mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung ist, der selbst dafür verantwortlich, wie er singt und gestaltet. Vielleicht hat er ja nach wie vor einen Gesangslehrer, der ihn kontrolliert, vielleicht unterrichtet er selbst auch schon Schüler, kompetent wäre er sicherlich.
      Ich hoffe, dass Terfel einen Gesangslehrer hat, wie ihn jeder professionelle Sänger haben sollte. Aber genau das ist ja das Problem; sobald man einen gewissen Status erreicht hat (nicht nur bei Terfel, sondern generell), traut sich keiner mehr zu sagen: "Heast, das war jetzt wirklich schlecht. Ändere diese Sachen: ...".
      (Und generell sind die besten Solisten nicht unbedingt die besten Lehrer und umgekehrt.)

      Cherubino schrieb:

      Weil Valentina Naforniță eine sehr talentierte Sängerin ist, noch sehr jung, mit einer wunderschönen Stimme und perfekter, scheinbar müheloser Technik, leider noch etwas unpersönlich in der Gestaltung.
      Wie bitte??? Ich habe hier noch keinen Satz gelesen, der falscher bzw. weiter von der Realität entfernt war als dieser!!!
      "Sehr jung" ist man mit 32 Jahren nicht mehr, und der Rest ist so falsch, dass es nicht mehr falscher geht. Dass ihre Technik genau das Gegenteil von "perfekt" ist, ist keine Meinung, sondern eine Tatsache. (Begründung unter dem nächsten Zitat)

      Waldi schrieb:

      Von Valentina Nafornita habe ich bis her unterschiedliche Eindrücke gewonnen, sie schien mir teilweise beachtliches Talent zu besitzen. Bei der großen Staatsoperngala kam sie mir in einem Duett fehlbesetzt vor, aber ihre Rusalka-Arie war wunderschön gesungen und eine der besten Leistungen des Abends. Vielleicht ist sie nicht optimal gemanagt?
      Ich habe die Staatsoperngala natürlich nicht gesehen, weil mich solche Events nicht die Bohne interessieren (einzelne Musikstücke - wie zum Beispiel das Rusalka-LIED (keine Arie!!!) - aus ihrem Kontext zu reißen, mag ich nicht), aber ich habe soeben auf Youtube genau diese Aufnahme des Rusalka-Liedes gefunden. Kann man hier abrufen.
      Und was soll ich sagen? SCHAUDERHAFT! Nach 10 Sekunden musste ich abbrechen, das hätte ich nicht länger ausgehalten. Die Stimme scheppert schlimmer als bei einer ausgesungenen 60jährigen. Naforniță macht fast alles falsch, was man nur falsch machen kann. Ich höre, dass sie mit Überdruck singt, die Stimme ist komplett farblos, bar jeder Gestaltung, die Stimme hat keinen Sitz, sondern tremoliert sich halt so irgendwie durch die Noten. Was soll das?! Diese unfähige Sängerin (und das schreibe ich, obwohl ich weiß, dass es wieder einen Aufstand geben wird, ist mir aber egal) als neuen Star zu verkaufen, ist wohl das Perfideste, das mir seit langem im Kulturbetrieb untergekommen ist. Ja hört denn keiner, dass sie überhaupt nicht singen kann??

      Zum Vergleich eine andere, bei uns komplett unbekannte Sängerin der Gegenwart, die aber regelmäßig u.a. am Slovakischen Nationaltheater auftritt (nächste Saison leider als Fremde Fürstin, nicht mehr als Rusalka): Adriana Kohútková mit dem Rusalka-Lied. Natürlich ist Frau Kohútková nicht das Maß aller Dinge (mit dem eingestellten Link bin ich nicht zu 100% zufrieden), aber nur zum Vergleich: eine unfähige gepushte Sängerin verglichen mit einer ausgezeichneten Ensemblesängerin in Bratislava, die erstere locker an die Wand singt. (außerdem ist das Naforniță-Beispiel aus einer Gala, das Kohútková-Beispiel aus einer ganzen Aufführung, wo sie auch noch einiges andere zu singen hatte und daher nicht alles in dieser einen Passage geben konnte). Aber Frau Naforniță ist der große Star, und Frau Kohútková kennt hierzulande fast niemand. Das ist himmelschreiend ungerecht. Hier ein älteres Hörbeispiel von ihr (Verdi)

      Auch Jana Šrejma Kačírková ist eine wunderbare (tschechische) Sängerin (hier mit Verdi zu hören, hier mit Mozart), die dringend in Wien eine Chance bekommen sollte (sie ist jetzt 37). Und so könnte ich noch einige Beispiele nennen für hervorragende Sänger, die nicht die Karriere machen, die sie machen könnten - während gleichzeitig Leute ohne Gesangstechnik oder mit mangelhafter Gesangstechnik die großen Rollen an großen Häusern bekommen.

      Und "nicht optimal gemanagt" ist ein schöner Euphemismus für "überhaupt nicht gemanagt". Bei einem Wettbewerb wurde sie von Dominique Meyer (Direktor der Wiener Staatsoper) entdeckt, und ihr Operndebüt (!!!) hatte sie 2011 an der Wiener Staatsoper. Also bitte, eine Probebühne für junge - eventuell - Talente ist die Staatsoper sicher nicht. Und dann hat sie bald alle großen Rollen ihres Fachs bekommen, tritt daher auch an anderen Häusern auf. Und die Leute lassen sich einreden, dass sie eine gute Sängerin ist.

      Cherubino schrieb:

      Singt Rolando Villazón überhaupt immer noch, oder sagt er nur noch ab?
      Und mit der Frage, ob Villazon seine Prachtstimmer durch Überlastung ruiniert hat, sind wir wieder mitten im Thema der letzten Beiträge.
      Keine Ahnung... ich bekomme nur mit, dass er nach wie vor regelmäßig angesetzt wird.

      Cherubino schrieb:

      Ich finde das auch tragisch, historisch scheint es aber eher fast der Normalfall zu sein. Wenn man sich ein Bisschen mit der Opernwelt des 19. Jahrhunderts beschäftigt, findet man Sängerinnen, die noch bevor sie volljährig sind in den großen Primadonnenpartien durchstarten und dann noch vor ihrem dreißigsten Geburtstag wieder abtreten.
      Willkürliches Beispiel: Giulia Grisi debütierte mit 17 in Rossinis "Zelmira", war mit 20 die Adalgisa in der Uraufführung von "Norma", mit 24 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den starglänzenden Pariser Uraufführungen von "I Puritani" und "Marino Faliero", ihre letzte Große Uraufführung war Donizettis "Don Pasquale" - da war sie 31. Wilhelmine Schröder-Devrient war mit 16 Pamina, mit 17 Leonore - heute undenkbar!
      Ja das stimmt schon, auch der Tristan der Uraufführung lebte bekanntlich nicht lange. Aber solche Zustände wollen wir doch nicht. Ich hätte gern eine Opernwelt, in der Sänger langsam heranwachsen, in ihren Rollen reifen und nachhaltig mit ihrer Stimme umgehen. Natürlich ist das in der Gänze unrealistisch, aber in die Richtung wäre es doch erstrebenswert.
      Ein Ausnahmebeispiel ist natürlich Anja Silja, die früh angefangen hat und sich sehr lang gehalten hat.

      Amaryllis schrieb:

      Hallo allerseits, habe mich gerade an diesen thematisch etwas verwandten Thread erinnert, mit weiteren Beispielen bzw. Schicksalen aus Vergangenheit und Gegenwart: Sänger mit verbrauchter Stimme.
      Danke für den Link zum Thread, aber wenn ich ehrlich bin, kommt mir der verlinkte Thread ziemlich seltsam vor. Was wollte der Threadstarter, der sich nur für diesen Thread angemeldet hat, eigentlich? Ich finde es recht merkwürdig, ausgesungene Sänger in einem Thread zu sammeln. Es geht mir nicht um ein An-den-Pranger-Stellen, sondern auch um positive Beispiele. Aus diesem und anderen Gründen möchte ich mich nicht an einem Thread beteiligen, der "Sänger mit verbrauchter Stimme" heißt, genausowenig wie ich mich an einem Thread beteiligen würde, der hieße: "Ganz besonders schlechte Sänger". Das ist mE respektlos. Allerdings halte ich es für überhaupt nicht respektlos, schlechte Leistungen in "normalen" Threads schlecht zu nennen.
    • Lieber Sadko,

      Das Lied an den Mond habe ich jetzt bei Youtube aufgerufen und muß sagen, daß die Tonqualität dort ziemlich mies ist. An jenem Abend und auf meiner Festplatte klang/klingt es anders! Aber davon abgesehen scheinen Cherubino und ich eben andere Ohren zu haben als Du. Das ist nun einmal so, und gegensätzliche Meinungen können ja auch ganz interessant sein. Auch erinnere ich mich, in meiner Jugend ein paar Mal ähnlich dezidierte Meinungen über Sänger gehabt zu haben, nur um diese Auffassung sehr viel später dann zu revidieren (nicht in allen Fällen, aber in manchen). Ich will Dich also keineswegs von Deiner Überzeugung abbringen. Vielleicht können wir eher darin übereinstimmen, daß Meyer (im Gegensatz zu seinem nicht so freundlichen Vorgänger) kein großer Stimmenexperte ist. Ich konzediere ihm aber, daß er sich offenbar bemüht hat, so etwas wie ein - rudimentäres - Ensemble zu schaffen und daß er auch lernfähig ist. Man wird ja sehen, was er in Mailand erreichen wird. In Wien finde ich die Ergebnisse recht unterschiedlich. Das Problem in meinen Augen ist nicht immer die fehlende Qualität der Künstler, sondern daß sie nicht immer richtig eingesetzt werden. Das trägt weder zu der individuellen Entwicklung einer Persönlichkeit bei noch zum Renommee des Hauses. Aber Potential gibt es doch. Und ja, man sollte viel mehr auf die "unbekannten" Stimmen z.B. aus den östlicheren Ländern achten. Doch es ist eine ewige Crux, nicht erst jetzt, daß bedeutende Stimmen häufig viel zu wenig beachtet werden, während bestimmte Namen hemmungs- und oft rücksichtslos in der Vermarktungsmaschinerie landen.

      :wink: Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich beziehe mich auf das Rusalka-Lied mit Valentina Nafornita.

      [NACHTRAG: Und zwar in dieser Aufnahme: youtube.com/watch?v=GH5ZV3wX0pU

      Der Link dazu war vor Kurzem mMn noch in Sadkos Beitrag enthalten, jetzt - 5. Juli 2019, 16:03 MESZ - finde ich ihn nicht mehr.]


      Die diesbzgl. Behauptungen von Sadko grenzen in meiner Wahrnehmung an üble Verleumdung, welche auch durch offensichtliche Inkompetenz ihres Autors aus meiner Sicht nicht zu entschuldigen sind.

      Ich bin sicher kein Experte für slawischen Operngesang, aber die nachfolgenden Zeilen schreibe ich trotzdem.

      Sadko schrieb:

      Nach 10 Sekunden musste ich abbrechen, das hätte ich nicht länger ausgehalten.
      Seltsam. Wie haben das die Zuhörer im Saal und die gewiss doch einigermaßen (zumindest hörend) gesangserfahrenen Orchestermusiker samt Dirigent ausgehalten? Bist Du wirklich sicher, dass es nicht an Dir liegt? (Das erinnert an den Witz mit dem Autofahrer, der im Radio eine Warnung bzgl. eines Geisterfahrers auf seiner Strecke hört und verwundert kommentiert: "Einer? Hunderte!")

      Sadko schrieb:

      Die Stimme scheppert schlimmer als bei einer ausgesungenen 60jährigen.
      Das kann ich überhaupt nicht bestätigen.

      Sadko schrieb:

      Ich höre, dass sie mit Überdruck singt,
      Auch das nicht. Ich fand das Singen dem Lied eines Naturwesens sehr angemessen.

      Sadko schrieb:

      die Stimme ist komplett farblos
      Das beurteilst Du aufgrund eines einzigen Liedes, welches zumal vom Mond mit seinem bleichen Licht handelt? Seltsam.

      Sadko schrieb:

      die Stimme hat keinen Sitz
      Das ist nun definitiv falsch. Natürlich sitzt die Stimme - sonst würde sie weder den Saal füllen noch über das Orchester tragen. Wie definierst Du Stimmsitz? Klar ist der Stimmsitz, die Kopplung und Abmischung der verschiedenen Kopf- und Körperresonanzen bei diesem Lied eines Naturwesens anders als bei einer hochdramatischen Partie. Ich fand den Stimmsitz für diese Partie geradezu ideal, völlig unaufdringlich und anmutig.

      Sadko schrieb:

      tremoliert sich halt so irgendwie durch die Noten
      Den Unterschied zwischen Tremolo und Vibrato kennst Du aber schon? Da ich kein Tremolo gehört habe, schreibe ich nur, dass ich ihren Vibratoeinsatz, gemessen an der Partie, dem Lied eines Naturwesens, sehr geschmackvoll fand.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Also, ich bin ganz sicher kein Fachmann für irgendwas :) , aber auf meinem Rechner (miserable Quäker als Boxen) klingt die Nafornita Aufnahme sehr klar und fast optimal aufgenommen, während der live Mitschnitt ziemlich verhallt rüberkommt. Dort höre ich fast nichts von der Musik. ( Ja es ist Dvorak :D ). Für mich das alte Problem, das man von einer Aufnahme nicht auf den richtigen Stimmklang schließen kann, dazu muß man Sänger live, ohne den technischen Schnickschnak hören, und dann wissen, ob evt. indisponiert oder so. Also vielleicht können das in einem gewissen Umfang Gesangslehrer oder vergleichbare Fachleute, aber meines Wissens werden Besetzungsfragen immer durch Vorsingen geklärt, das könnte seinen Grund haben. 8)
      Ansonsten klingt Frau Nafornita in etwa so wie mein musikalisches Gedächtnis es erwarten würde, nicht mehr aber auch nicht weniger.
    • Ich hab' mir das jetzt auch mal angehört (beziehe mich auf diesen yt-Mitschnitt).

      Erstens: Einen "Saal" gibt es da ja nun mal nicht; und sie singt von einem Balkon verstärkt per Microport, das Orchester sitzt darunter. Das mag Eigenheiten der Stimme herausheben, die man sonst nicht so hören würde. Außerdem klingt es etwas hallig; eine grundsätzlich schlechte Tonqualität kann ich aber nicht feststellen. Ich finde die Stimme unausgeglichen, nicht vibrant, sondern tatsächlich tremulös, darüberhinaus kurzatmig, ein Legato kommt nicht recht zustande. Das kann mE durchaus daran liegen, dass mit zu viel Druck gesungen wird.

      Dann fand ich noch diese Aufnahme (Konzertsaal, kein Mikro). Hier ist das Tremolo sehr viel schwächer zu hören, aber ebenfalls vorhanden. Auch hier wird in den musikalischen Fluss hineingeatmet, Phrasen zerschnitten (OK, ich verstehe kein tschechisch!). Dynamich gibt es nur forte und piano, nix dazwischen. Diese Rusalka möchte ich im Opernhaus nicht hören.

      Dann habe ich noch in diese Aufnahme hineingehört (Norina-Arie aus Don Pasquale). Da braucht sie in einer Matinee, nur vom Klavier begleitet, einen Microport, warum? Der Arie bleibt sie praktisch alles schuldig, unsaubere Intonation, fehlende Agilität (Koloraturen werden verschleift), das Tremolo auch hier unüberhörbar und dem Singen von schnellen Skalen massiv im Wege.

      Zum Schluss noch gefunden: nochmal das Lied an den Mond, diese Aufnahme ist aber 10 Jahre alt. Das ist nicht sonderlich gut dirigiert, es wird gehetzt, nicht auf die Sängerin eingegangen (ein rumänisches Jugendorchester). Aber: was für ein Unterschied im Gesang! Die Stimme klingt freier, die Phrasen sind ausgedehnter. (Das Problem mit der Dynamik, also: entweder laut oder leise, nix dazwischen, ist auch hier erkennbar).

      Also, das Urteil "frühzeitig abgesungen" finde ich soo aus der Luft gegriffen nicht!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur