Alun Hoddinott - walisischer Modernist

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    • Alun Hoddinott - walisischer Modernist

      Alun Hoddinott (1929-2008) war ein walisischer Komponist, der die meiste Zeit seines Lebens in Wales verbrachte und dort als Professor auch unterrichtete. Karl Jenkins war einer seiner Schüler. Wie die meisten seiner britischen Kollegen hatte Hoddinott eine spezielle Affinität zur Sinfonik, die er mit nicht weniger als 10 Beiträgen bedachte. Die vorliegende Lyrita CD präsentiert davon die Sinfonien 2 (1962), 3 (1968) und 5 (1972), die den Weg des Komponisten von einer Art Neo-Klassizismus zu einer resttonalen, aber doch stark von Dodekaphonie/Serialismus geprägten Tonsprache dokumentieren. Kein gefällige Musik zum nebenbei hören also. aber IMO hörenswert. Die Aufnahmen entstanden 1972 und 1973 für EMI bzw Decca im Studio mit renommierten Orchestern und Dirigenten.

    • Kürzlich an anderem Ort positioniert:

      Dank an Wieland, denn die Sinfonien kenne ich nicht. Dienen kann ich aber mit den folgenden, durchaus reizvollen Einspielungen:





      Die Cellokonzerte von Milhaud und Honegger sind sehr charmant, das von Hoddinott gewiss auch nicht anstrengend.


      bzw. bei mir im Rahmen der folgenden Kompilation, die aber kein Booklet enthält: (Mittlerweile ist das Booklet allerdings arg, arg teuer geworden .......)


      Das erste Klavierkonzert kenne ich ebenfalls:


      oder einzeln, was wegen der anderen Kompositionen für mich auch noch die Anschaffung wert wäre:

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Wieland schrieb:

      Gestern abend noch per stream gehört:

      Alun Hoddinott
      6.Symphonie
      BBC NOoW
      Bryden Thomson

      amazon.de/Symphony-6-by-Hoddin…-classical&sr=1-2-catcorr

      Ganz starkes Stück! Leider ist die CD vergriffen, habe aber noch ein Exemplar über discogs bestellen können.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ich hatte als Suchbegriffe "Hoddinott Thomson" eingegeben und dann erscheint diese Version der Aufnahme als erstes Suchergebniss.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Wieland schrieb:

      Wie hast Du denn die gefunden, ich habe zig-mal gesucht?
      Ich brauchte nur den Komponisten-Nachnamen einzutippen, dann war sie auch als erstes da... :)

      Dein Link ist übrigens nicht der normale Link zu dieser Hoddinott-CD; den hat Lionel in der Tat gefunden: EAN 095115876220.

      Hätte mich auch sehr gewundert, wenn eine Chandos-CD gar nicht mehr verfügbar wäre.
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    • Danke für die Infos, eine gibt es ja noch am Sekundärmarkt sehr günstig. Da würde ich zuschlagen, wenn auch das interessiert.

      Es gibt somit Einspielungen der Symphonien 2, 3, 5 und 6. Will man seinen Horizont da erweitern, gibt es noch youtube. Dort gerade gehört die Symphony Nr. 4.
      Auch sehr interessant.


      Alun Hoddinott
      Symphony No. 4 (1970)
      Halle Orchestra
      Maurice Handford


    • Mittlerweile habe ich diese drei Sinfonien kennengelernt. Ich möchte kurz berichten und beziehe mich dabei gerne auf das Booklet - manches erkennt man als interessierter und erfahrener Laie sofort, für anderes genügt wohl das erste Hören nicht ohne Hilfestellung, vielleicht auch nicht das dritte.

      Die Sinfonien sind 1962, 1968 bzw. 1972 entstanden und jede von ihnen genießt Eigenleben, ohne doch den Personalstil ihres Schöpfers zu verleugnen. Hoddinodd zeigt sich als interessante Figur eines Neo-Expressionismus - wenn ich denn diesen vagen Begriff verwenden darf. Es ist eine kraftvolle Orchestermusik bedingt traditionalistischer Struktur. Sie orientiert sich weniger an Beethoven'schen oder romantischen Modellen, sondern an barocken Formen wie dem Ritornell oder an Variationsprinzipien. Der walisische Komponist ist von den Stoffen seiner Heimat durchaus geprägt, dies zeigt sich aber keineswegs in Gestalt von Folklorismen oder in der Manier englischer respektive irischer Tondichtungen (Bax, Vaughan Williams ...). Dazu erscheint die Musik zu abstrakt. Entscheidend ist ihre dunkle, schwerblütige Lyrik, eine Präferenz für nächtliche Stimmungen. Auch wenn es heftige, grelle, drängende Entwicklungen durchaus gibt, liegt der Schwerpunkt bei Hoddinott erkennbar nicht im Rhythmischen, Tänzerischen, Ostinaten, Repetitiven. Und auch eine raffinierte Harmonik scheint mir zugunsten der horizontalen Ausrichtung seiner Musik nicht primär.

      Wieland hat ja weiter oben schon auf die erweiterte Tonalität hin zur Dodekaphonie hingewiesen. Vielfach erkennt man tonale Zentren, nur wechseln diese ständig oder fluktuieren. Das Booklet beschreibt manches Detail - wie wesentlich solches für die Hörerfahrung sein mag, sei dahingestellt. Es ist ein packender Sound aufgrund griffiger Linien, wodurch die stark erweiterte Tonalität das Hören meines Erachtens keineswegs erschwert.

      Wenn ich - nicht ohne Verzweiflung :P - versuche, Hoddinotts interessante Sinfonien in einen Einflusskontext zu stellen, dann fallen mir schon einige Namen ein. Ich nenne gerne derer drei und belasse es dabei, möchte auch betonen, dass es sich um Momenteindrücke handelt und um Ersterfahrungen und dass ich jegliche Kritik von außen an solchen Parallelen gerne an mich heranlasse ... oder andere Vorschläge. Von Verwechselbarkeit kann wirklich keine Rede sein. Aber es macht halt Spaß: Da sind Elemente einer kaum greifbaren Schwermut wie bei Allan Pettersson, Bela Bartoks orchestrales Spätwerk wird weitergedacht. Die Verwendung des Schlagzeugs, für die sich Hoddinott vielfältig und farbenreich erwärmt, hat er insofern mit seinem (ungefähren) Landsmann Malcom Arnold gemeinsam - ansonsten ist sein Stil bei aller expressiven Direktheit dann doch viel komplexer und mittelbarer in der Wirkung.

      Bleibt zu sagen, dass die technische und interpretatorische Qualität der Einspielungen durch britische Orchester und Orchesterleiter mich uneingeschränkt überzeugt.

      Danke an dieser Stelle an Wieland, der mich animiert hat. ;) :)

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Es freut mich, dass Dir die Musik von Alun Hoddinott gefällt. :cincinsekt: Von seinen Orchesterwerken ist auf CD ja leider nicht allzuviel verfügbar. Allerdings bietet YouTube da einiges. Heute morgen z.b. gehört:

      Sein letztes Orchesterwerk Taliesin, eine 25-minütige symphonische Dichtung. Taliesin war ein sagenumwobener walisischer Barde aus 5./6. Jahrhundert, dessen Gedichte in einem Book of Taliesin zusammengefasst sind. Eine LP mit diesem Titel von den frühen Deep Purple war meine erste selbstgekaufte Schallplatte. Das Orchesterwerk von AH ist atmosphärisch dicht und spricht mich ziemlich an.
    • Inzwischen eingetroffen und gehört:



      Die fünf Kompositionen sind zwischen 1966 und 1970 entstanden und wurden ursprünglich für Decca bzw EMI eingespielt. Nach dem ersten Hördurchgang finde ich alle Werke hörenswert, die letzte Komposition The Sun, the great luminary of the universe fand ich besonders ansprechend. Zwei weitere Hoddinott CDs wurden geordert.