PUCCINI: Turandot - welches Finale?

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    • PUCCINI: Turandot - welches Finale?

      Welches Finale von "Turandot" ist euer Favorit? 6

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      Liebe Capricciosi!

      In letzter Zeit hab ich mich wieder etwas mehr mit Puccinis letzter, in vieler Hinsicht sehr faszinierender Oper beschäftigt. Und da ist natürlich eine ganz zentrale Frage das Problem des unvollendeten Finales. Puccini hat dazu ja nur zwei wirklich umfangreiche Skizzen hinterlassen (der Beginn von Calafs "Principessa di morte" bis "No, il bacio tuo mi da l'eternità!" und dann Calafs "Mio fiore mattutino" mit dem Offstage-Frauenchor, der mich immer an Zandonais "Francesca da Rimini" erinnert). Der Rest des Skizzenmaterials sind relativ kleine, teilweise durchaus motivisch substantielle Fragmente, bei denen zum Großteil gar nicht klar ist, in welchen Zusammenhang sie gehören. Für die Uraufführung erging der Kompositionsauftrag bekanntlich an Franco Alfano, obwohl Puccini selbst Riccardo Zandonai für die Vollendung des Finalduetts vorgesehen hatte - meiner Meinung nach mit gutem Grund, der dritte Akt von "Francesca da Rimini" prädestiniert zweifellos für eine solche Aufgabe.

      Alfano wurde sein Job nicht gerade leicht gemacht, da Ricordi ihm bis fast zuletzt den Rest der Oper vorenthielt und er nur mit Puccinis Skizzen arbeiten konnte. Seine erste Fassung (Alfano I) enthält daher sehr viel eigenes Material und wurde von Ricordi und Toscanini als unzureichend abgelehnt. Er sollte ein zweites, nahtloser an Puccini anschließendes Finale komponieren, was er dann in Eile (der Uraufführungstermin war schon lange festgesetzt) und offenbar mit relativ wenig Lust auch tat. Toscanini kürzte diese zweite Fassung (Alfano II) dann noch weiter zusammen, was zur Groteske führt, dass Calaf und Turandot für den alles entscheidenden Kuss nur noch einen Takt Zeit haben (gegenüber drei Takten in Alfano II und acht Takten in Alfano I). Toscanini selbst war mit dem Ergebnis seiner eigenen Kürzungen so unzufrieden, dass er die Oper nur ohne Finale aufführte und die Uraufführungsserie dann abgab, weltweit setzte sich Alfano II/Toscanini trotz mancher Schwächen allerdings durch. Lediglich im deutschen Sprachraum wurde anfangs anscheinend Alfano I gespielt, da die Übersetzung und Einstudierung für Dresden bereits begonnen hatte, bevor Alfano II angefertigt worden war.

      Toscanini war aber nicht der einzige, der das Finale der "Turandot" als ungelöstes Problem betrachtete. Kritik an Alfano II wurde und wird regelmäßig laut und führte seit den 1970er Jahren zu weiteren Finallösungen: Zum einen wurde Alfano I wiederentdeckt und gelegentlich auch aufgeführt und eingespielt. 1976-1988 konstruierte die amerikanische Komponistin Janet Maguire ein neues Finale aus Puccinis Skizzen, das aber nie aufgeführt oder aufgenommen wurde. Schließlich wurde 2002 das neue Finale von Luciano Berio uraufgeführt, das ebenfalls von einer größeren Anzahl von Puccinis Skizzen Gebrauch macht als Alfano, allerdings vielleicht nicht immer Puccinis Tonfall trifft.

      Da wir zur "Turandot" nur einen Diskographie-Thread haben, soll dieser Faden dazu dienen, über die verschiedenen Finallösungen zu diskutieren. Ich hänge auch eine Umfrage an, die auf den ersten Blick sichtbar machen kann, wo die Vorlieben der Capricciosi liegen. Es wäre freilich schön, wenn neben dem bloßen Abstimmen auch möglichst viele Begründungen und Meinungen zu den verschiedenen Vervollständigungen gepostet würden. Ich habe natürlich auch eine Meinung, die zwischen den Zeilen vielleicht auch schon durchgeschimmert ist, aber fürs erste wäre ich einmal an den euren interessiert. ;)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Habe spontan für Variante 1, also gar kein Finale, gevotet und versuche gerade herauszufinden, warum ich das getan habe... Obwohl Turandot zeitweise meine Lieblingsoper war und immer noch zum erweiterten Kreis meiner Favoriten gehört, ist mir das Finale immer sehr fremd geblieben, sowohl musikalisch als auch emotional/inhaltlich. Ich konnte mich da nie einhören oder gar einfühlen. Alles, was mich an dieser Oper begeistert, passiert praktisch davor.

      Ein großes Dankeschön, lieber Areios, für die erhellende Zusammenstellung! Vielleicht könnte ich meine Meinung ändern, wenn ich die diversen Varianten mal aufmerksam vergleichen würde. Momentan kann ich die nämlich gar nicht sicher unterscheiden, vermutlich sind mir sowieso nur eine oder diverse Alfanos untergekommen.
    • Liebe Amaryllis,

      das Alfano II/Toscanini-Finale kann man natürlich landläufig überall hören, die beiden anderen Finali (Alfano I und Berio) sind aber auch relativ einfach auf Youtube zu finden.

      Die erste Aufnahme von Alfano I war meines Wissens diejenige von Josephine Barstow 1990 mit Lando Bartolini als Calaf und John Mauceri als Dirigent; ich weiß gar nicht, ob es mittlerweile weitere gibt:



      Das Finale von Luciano Berio wurde von Riccardo Chailly 2004 aufgenommen, mit Eva Urbanová als Turandot und Dario Volonté als Calaf:



      Davon gibts jedenfalls auch eine DVD aus Salzburg:



      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Gar kein Finale ist für mich ein Torso, da liebe ich die Alfano Fassung II. auch wenn Riccordi ihn drängte. Jede Neu-Komposition als Finale ist für mich schlecht und gar kein Finale ist die halbe Oper.

      Ich bin wahrscheinlich diese Fassung gewohnt und mag keine Andere. Ohne Ende ist es , wie in München, enttäuschend.

      Liebe Grüße von Eurem Streiferl aus Wien. :wink:
    • Ich habe für "andere Lösung" gestimmt. Warum?

      Das Grundproblem des Finales ist natürlich, wie allbekannt, ein psychologisches, das Puccini und seine Librettisten nicht zu lösen imstande waren, weil sie das Trauma der Prinzessin zwar selbst geschrieben und in Musik gesetzt haben, aber nicht verstehen konnten. Der überlieferte Text und die Skizzen spiegeln noch die Macho-Idee wider, dass Calaf die hysterische Prinzessin ja zur Vernunft ficken könnte. Das klang zwar in den 1920er Jahren weit weniger abstrus als heutzutage, aber es hat ganz offenbar nicht einmal für Puccini wirklich funktioniert, sonst hätte er nicht fünf Versionen des Finaltextes angefordert und wäre mit der Komposition schneller vorangekommen.

      Dabei ist die Grundidee, dass sich Turandot durch die Liebe Calafs (und Liùs) von einer eiskalten Despotin in eine liebende Frau verwandeln könnte, gar nicht schlecht (eine gewisse Märchenhaftigkeit muss man bei diesem Stoff ja sowieso in Kauf nehmen). Das Problem ist, dass Puccini seiner eigenen Biographie nach zu schließen unter "Liebe" anscheinend in erster Linie mal sexuelle Anziehung und Triebbefriedigung verstand, und das hat ihn wohl veranlasst, den Moment der Verwandlung vor allem im übergriffigen Kuss zu sehen. Dabei glaube ich, dass das Finale viel mehr Sinn ergibt (und das steckt eigentlich auch in der Dramaturgie und im Text, nur ist es zumindest in der letzten Version unzureichend hervorgehoben), wenn man den Moment der Verwandlung in der Namensnennung durch Calaf erkennt. Turandot hat doch panische Angst vor Verletzung und Verletzlichkeit. Sie wird durch den Kuss nicht verwandelt, sondern verletzt. Aber erst als Calaf sich selbst im Moment des Triumphes absichtlich verletzlich macht, kann sie erkennen, dass Verletzlichkeit gegeneinander und Vertrauen zueinander die notwendige Basis einer intimen Beziehung, ja von Liebe sind. Und gleichzeitig legt Calaf die Entscheidung noch einmal in ihre Hand, was ihr überhaupt erst ermöglicht, selbstbestimmt zu ihm ja zu sagen. Der Kuss, der ja eine Nötigung ist, ist eine Vorbereitung für die Verwandlung, aber nicht die Verwandlung selbst.

      Das ist ein wesentlicher Grund, weswegen mich die bisher existierenden Finallösungen alle nicht besonders befriedigen, der zweite Grund ist, dass die Partie der Turandot in allen Versionen eine ziemlich unmelodische Stimmführung hat - da sang sie doch als eisige Megäre schöner! -, und der dritte Grund ist, dass alle drei Finali stilistisch zu herb mit der vorausgehenden Musik, aber auch mit den Puccini-Skizzen innerhalb der Finali brechen. Alfano "kann" Puccini in meinen Ohren überhaupt nicht, Berio ist da interessanterweise in einigen Passagen deutlich stilsicherer und schreibt gerade auch in den letzten Takten eine Art transzendierten Puccini, den ich hinreißend finde. Aber zwischendurch klingt es bei ihm leider auch immer wieder mal nach Richard Strauss oder Berio. Das definitive Finale gibt es für mich also noch nicht; ein revidiertes Berio-Finale (mit gekürzter Kussmusik, puccineskerer Perkussionsbehandlung, melodischerer Musik für Turandot und einigen weiteren Retuschen) könnte aber meinem Ideal zumindest näher kommen. Das wird aber wohl erst möglich sein, wenn der Urheberrechtsschutz für Berio ausläuft.

      Schön wäre auch einmal eine musikwissenschaftliche Rekonstruktion oder eine Aufnahme der bloßen Puccini-Skizzen, wie es das für die Fragmente des Mozart-Requiems ja schon gibt. Das wäre dann natürlich keine aufführungstaugliche Finalfassung.

      Und eine weitere Lösung, die ich mir - als eine Alternative, nicht als Standardlösung - vorstellen könnte, ist tatsächlich, die Oper ohne Finale und ohne erste Szene des zweiten Akts als ca. 80minütiges Drama mit dem "Tabarro" zu einem Opernabend zu kombinieren.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Eine, für mich, ganz besondere "Turandot" habe ich auf DVD.

      Es ist die Alfano Fassung II und da zeigt Turandot, gesungen von Dame Gwyneth Jones, das gerade die "Prinzessin aus Eis", gar nicht diese kalte Person ist, wie sie oft gezeigt wird. Schon bei der 1. Begegnung mit Calaf, weiß sie der Mann ist ihr Schicksal und man sieht es ihren Augen an. Franco Bonisolli ist eigentlich wie Dame Gwyneth Jones stimmlich schon etwas der Partie entwachsen - aber wie sie Beide es machen ist großartig. Selbst der Suizid der Liú kam für Turandot überraschend und auch ungewollt.

      Hier glaube ich alles, bis zum Schluss und gehe kaum auf das Privatleben von Puccini ein denn das spielt für mich gerade bei der "Turandot" keine Rolle.

      Ich weiß, wie schon betont, das ich die ungestrichene Fassung lieber habe, aber ich kann da, leider, nicht aus meiner Turandot - Liebe heraus.

      :wink:
    • Lieber Areios, hochinteressanter Thread und Dank für die Eröffnung. Mir geht es allerdings wie Amaryllis. Ich kenne schlichtweg die verschiedenen Fassungen nicht und kann mich von daher nicht entscheiden. Wie ist es übrigens mit den jeweiligen Texten? Unterscheiden die sich oder stand der von vornherein fest und wurde nur jeweils anders vertont?

      Areios schrieb:

      Und gleichzeitig legt Calaf die Entscheidung noch einmal in ihre Hand, was ihr überhaupt erst ermöglicht, selbstbestimmt zu ihm ja zu sagen.
      Oder ist das nicht vielleicht auch ein Ausdruck männlicher Überheblichkeit nach dem Motto: Ich krieg dich schon, du kannst gar nicht anders, bzw. ich setze alles auf eine Karte, weil ich als Mann...

      oper337 schrieb:

      Es ist die Alfano Fassung II und da zeigt Turandot, gesungen von Dame Gwyneth Jones, das gerade die "Prinzessin aus Eis", gar nicht diese kalte Person ist, wie sie oft gezeigt wird.
      Ist das die Fassung aus London? Wenn ja, habe ich die auch gesehen und war übrigens sehr fasziniert davon. Aber letztlich war sie natürlich so aufgrund des Finales, das man damals wählte, vorgezeichnet.

      Was mich immer bei der Turandot irritiert hat, war, dass diese eiskalte, verletzte Frau so plötzlich 'umschwenkt' und sich dem erstbesten 'Macho' hingibt. Bonisolli hin oder her. :D Von daher fand ich diese Produktion, wenn wir von der selben sprechen, nur verständlich, weil das Produktionsteam wusste, dass sich Turandot im Finale doch recht schnell ergibt.

      Übrigens ist diese Oper für mich ohne Finale auch nicht denkbar. Allerdings finde ich durchaus die Berio-Version überzeugend, (erstmals gehört) weil sie für mich deutlich macht, dass sich da ein auch zeitlich sehr entlegener Komponist diesem Problem angenommen hat und gleichzeitig, dass Turandot ein Fragment ist, dem man nicht durch eine 'Pseudo-Nähe' nahekommen will.

      Letztlich ist der Bruch bei den Alfano-Fassungen auch immer zu hören. Warum also nicht gleich richtig und deutlich? Natürlich bin ich auch durch Alfano geprägt, aber empfinde diesen Schluss auch immer als etwas zu sehr als 'wir tun mal so als ob'. Berio hat übrigens auch den Vorteil einer moderneren Musiksprache, die der Modernität Puccinis in der Turandot entspricht.

      Insgesamt bin ich also sehr von dieser Version angetan, ohne das jetzt im Einzelnen 'kritisieren' zu können. Dafür fehlt mir wohl v.a. ein Libretto-Vergleich.

      :wink: Wolfram
    • Ich muss zu meiner Schande gestehen das ich die Berio - Fassung nicht kenne und jetzt die Frage eines ganz Naiven wie mich wo gibt es die? Strauss oder Berio aber nicht etwas wo ich heraushöre das es kein Puccini ist, den es ja damals nimmer gab.

      Zur Frage ob es sich um die ROH Fassung mit Dame Gwineth Jones und Bonisolli aus 1995 handelt ja kann ich nur JA sagen.

      Als Turandot vorbei getragen wird und sich zum Prinzen umwendet, weiß ich sofort wie das Ende wird, sie wünscht sich sofort das dieser Prinz sie besiegt. So eine Prinzessin Turandot ist mir in den nahezu 63 Jahren, bis heute, nicht mehr untergekommen und deshalb schätze ich sie auch. Hier ist sie eine ganz normale Frau, die wünscht geliebt zu werden.

      Liebe Grüße von Eurem Streiferl.
    • Lieber Peter,

      das Berio-Finale kann man hier nachhören: youtube.com/watch?v=iPblqEspFEw Ich hoffe, dass du es trotz deiner langjährigen Alfano-Prägung genießen kannst. Mir hat es damals 2002 bei der Übertragung aus Salzburg nicht auf Anhieb gefallen, aber ich finde mittlerweile, es gewinnt bei mehrmaligem Hören sehr.

      Ich möchte zum Berio-Finale bei Gelegenheit noch mal ausführlicher schreiben, jetzt nur als Antwort auf Wolframs Fragen: Sowohl Alfano als auch Berio (und übrigens auch bereits Puccini in seinen Skizzen) haben das vorhandene Libretto durch Kürzungen, Wiederholungen, Umdichtungen und Neutextierungen verändert, wobei Berio den Text viel stärker kürzt, aber sonst viel weniger verändert als Alfano. Beide Komponisten haben natürlich von Puccini schon vertonten Text (= fast alles bis zu "Del primo pianto") behalten, wobei Berio Puccinis Skizzen genauer folgt, wo solche vorhanden sind.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ich habe für "Kein Finale" gestimmt.

      Denn was soll es überhaupt, Werke zu vollenden, die nicht vollendet wurden? Man kann und soll (!) experimentieren, aber ich finde, dass Alfanos Turandot-Schluss wie die Faust aufs Aug passt: Bis dahin gibts ziemlich gute Musik - und dann auf einmal ab Principessa di morte schlagartig nur mehr Langweile, Sopran und Tenor schreien einander an, die Hits der Oper werden im Orchester wiederholt, und dann klingt das musikalisch spannende Werk einfach total unter seiner Würde aus - denke ich zumindest ich. Einige Vollendungen aus anderer Hand stammen halt noch aus einer Zeit, in der es undenkbar war, ein Werk ungewöhnlich enden zu lassen.
      Den Berio-Schluss mag ich auch nicht (danke trotzdem für den Youtube-Link), und wie gesagt bin ich dafür, nur das zu spielen, was auch von Puccini stammt. Das hätte schon was: Nach Liùs Selbstmord und Timurs Klage hat Calaf kein Interesse mehr an Turandot, zeigt ihr eine Geste, dass er auf sie verzichtet, geht mit seinem Vater Timur ab, Turandot bleibt allein zurück, und die Oper ist aus, ohne ein klassisches Opernende. Das fände ich richtig interessant, passend für ein in seiner Zeit modernes Werk wie Turandot und gar nicht amputiert. Beim Alfano-Schluss frag ich mich schon, wie sinnvoll ein Happy End nach Liùs tragischem Tod ist, und der Calaf muss ein ziemlicher Depp sein (oder Turandot wirklich, wirklich fesch), wenn er die Turandot nach der Liù-Tragödie immer noch will.

      Areios schrieb:

      Und eine weitere Lösung, die ich mir - als eine Alternative, nicht als Standardlösung - vorstellen könnte, ist tatsächlich, die Oper ohne Finale und ohne erste Szene des zweiten Akts als ca. 80minütiges Drama mit dem "Tabarro" zu einem Opernabend zu kombinieren.

      Das klingt sehr reizvoll! Die ewig lange Ministerszene interessiert mich sowieso nicht. Anderseits braucht sie der Tenor vielleicht zur Erholung.
      Allerdings halte ich die Suor Angelica, die leider zu oft in den Hintergrund gestellt wird, für die beste der Trittico-Opern. Das Trittico ist ja eine bewusste Einheit, daher würde ich es großteils geschlossen aufführen. Aber die von Dir erwähnte Kombination klingt wirklich reizvoll. Der Tabarro sollte aber vor der Turandot gespielt werden, oder?