Muß es die Premiere sein...? Oder lieber abwarten?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Muß es die Premiere sein...? Oder lieber abwarten?

      Liebe Opernfreundinnen und -freunde,

      die neue Saison beginnt demnächst und einige Opernhäuser verkaufen bereits Karten für kommende Produktionen. Ich bin dabei, mir zu überlegen, welche mich näher interessieren könnten und was für welchen Besuch ich mich vielleicht schon jetzt entscheiden möchte.

      Terminlich bin ich ziemlich flexibel und da überlege ich auch, ob ich eine Premiere besuchen sollte oder ob sich eher eine der folgenden Aufführungen anbietet.

      Premieren haben den Vorteil, daß sich die Beteiligten da (möglicherweise!) besonders anstrengen, sich besonders konzentrieren - schließlich hängen die Kritiken im allgemeinen an dem, was dort geboten wird, weniger oder gar nicht an dem, was die Folgeveranstaltungen bieten. Mißlingt die Premiere, kann das möglicherweise auch danach nicht mehr "repariert" werden. Das wissen natürlich auch die Beteiligten. Die Spannung könnte danach abnehmen.

      Und: Begeistert mich die Premiere so sehr, daß ich die Aufführung ein weiteres Mal erleben möchte, habe ich mehrere Termine zur Verfügung. Ein Vorteil besonders dann, wenn es nur wenige Termine gibt.

      Vorteilhaft finde ich auch, daß es noch keine Kritiken gibt, die mich beeinflussen könnten. Aber die muß ich ja nicht lesen, bis ich selbst drin war.

      Andererseits: Manches spielt sich vielleicht erst im Lauf mehrerer Aufführungen richtig ein, die Qualität könnte sogar zunehmen.

      Nicht zuletzt: Premierenkarten sind teurer als die Karten der weiteren Aufführungen.

      Welche Erfahrungen habt Ihr damit: Bevorzugt Ihr Premieren oder wartet Ihr lieber eine der Folgeaufführungen ab?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Premieren haben den Vorteil, dass man sie (relativ) unvoreingenommen besuchen kann, weil es ja noch keine Kritiken gibt.
      Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass die dritte Vorstellung häufig die beste ist - der Premierenstress ist vorbei und ebenso das Loch, in das SängerInnen oftmals am zweiten Abend fallen.
    • Ein Thema wie geschaffen für mich als „Operntante“!
      Ich bevorzuge eindeutig Premieren. Allein die besondere Atmosphäre, die sich unter anderem durch einen festlicheren Kleidungsstil und eine entsprechende Einstellung der Besucher äußert, macht den besonderen Reiz dieser Veranstaltungen aus. Zumindest im Chemnitzer Opernhaus habe ich diesbezüglich deutliche Unterschiede zu „normalen“ Aufführungen beobachtet. Sehen und gesehen werden – das gehört für mich zu einem gelungenen Opernabend einfach dazu.
      Wenn ich es mir einrichten kann, besuche ich im Vorfeld die Einführungsmatinee und bin dann zur Premiere gleich in der richtigen Stimmung. Schließlich bietet die anschließende Premierenfeier die Möglichkeit, sich mit den Mitwirkenden zu unterhalten. Informationen aus „erster Hand“ und das besondere Flair dieser Veranstaltungen runden für mich einen gelungenen Opernabend ab und machen ihn meist unvergessenen.
      In Chemnitz, dem Opernhaus „vor meiner Haustür“, habe ich in den vergangenen zwei Jahren ausschließlich Premieren besucht. Im etwas größeren Umfeld ist das aus terminlichen Gründen leider nur in wenigen Fällen möglich.
      Viele Grüße aus Sachsen
      Andrea
    • brunello schrieb:

      Premieren haben den Vorteil, dass man sie (relativ) unvoreingenommen besuchen kann, weil es ja noch keine Kritiken gibt.
      Es sei denn, man kennt Leute, die in der Generalprobe waren. :D

      Eigentlich würde ich auch sagen, dass man die wirkliche künstlerische Qualität erst ab einer späteren Aufführung erleben kann. Die Nervosität ist von allen Beteiligten dann abgefallen und jeder kann eher abschätzen, wie seine Leistung beim Publikum ankommt.

      Andererseits hat eine Premiere natürlich wirklich eine ganz andere Atmosphäre. Jeder, Beteiligte wie Publikum, ist sozusagen auf seinen Zehenspitzen und man erlebt etwas, was noch niemand in dieser Form gesehen hat. (Generalproben sind da wirklich ein ganz anderes Ding.) Nur kann nicht jeder damit umgehen. Sänger z.B. klingen dabei häufig doch relativ unfrei und angespannt. Andererseits erlebt man das Regieteam und die direkte, spontane Reaktion des Publikums darauf. Premieren sind natürlich auch immer gesellschaftliche Ereignisse und der künstlerische Wert steht nicht ganz so im Mittelpunkt. Aber auch das hat seinen Reiz. Sehen und gesehen werden und so. Irgendwie zelebrierte man eine Premiere doch ganz anders als eine Repertoirevorstellung.

      Aber letztlich weiß ich nicht, was besser ist. Das hängt wirklich davon ab, was man sich von einer Opernvorstellung erwartet. Will man das (womöglich) große Ereignis mit allen Vor- und Nachteilen, dann ist man bei einer Premiere besser aufgehoben. Will man eher (rein puristisch) die Kunst, dann sollte man in eine spätere Aufführung gehen. Aber vielleicht sollte man das eine tun und das andere nicht lassen, denn eigentlich habe ich es früher immer so gehalten, dass ich mir die Premiere angesehen habe und danach noch weitere Vorstellungen (also mindestens eine), es sei denn schon die erste Aufführung hat mich völlig abgetörnt. :)

      :wink: Wolfram
    • bei "echt schrägem" Zeugs (wie in den letzten Monaten Ari Reimanns Medea in Essen und Wolferl Rihms Jacob Lenz bei den Clubberern, wie demnä. Paule Hindemiths Cardillac in Hagen) versuch ich's, zur Premiere zu schaffen - bei Folgevorstellungen riskier ich da einfach 'nen kapitalen Deprischub (bin diesbzgl. die letzten Jahre eindeutig empfindlicher geworden!): da vorne legen sie sich ins Zeug, als sei's das entscheidende Spiel gegen den Abstieg :P und bei uns im Zuschauerraum gähnend leere Stuhlreihen + mattes Höflichkeitsgeklatsche => nixxx für mich!!

      von obigem abgesehen warte ich dann doch die Premierenkritiken ab - einmal um mich anschließend endgültig für od. gegen diesen od. jenen Besuch zu entscheiden (ich bin ja eben so wie an Operngeschreie auch an Sinfonie- und Kammerkonzerten, an Jazz, an literarischen Veranstaltungen, an Sprechtheater, an Kino interessiert und kann mir unmöglich alles ansehen, was mich da prinzipiell interessieren würde!), zum anderen, da ich mir drastisch ausgespielten Inszenierungskram (Bietos Berliner "Entführung" u. ä.) nicht ansehen will resp. es mir psychisch u. nervlich nicht zuträglich wäre, wenn da mittig in Sprechtheater-Inszenierungen (wie z. B. beim letzten Weimarer Faust) lauter Pop/Rock aus den Lautsprechern quillt . . .

      die Frage, ob ich sehen und gesehen werden - adornitisch korrekt - ablehne oder doch ganz reizvoll finde, ist gar nicht so unspannend, nur dass ich in aller Regel zu sehr mit mir selbst und dem Verarbeiten der diversen ästhetischen Eindrücke beschäftigt bin, um für Ersteres noch Luft und Energie zu haben.....

      <= richtig: Einführungsmatineen resp. -vorträge gibbet och noch … erstere besuche ich fast gar nicht mehr: irgendwann will der Mensch auch mal sparen, u. in aller Regel möchte ich für die Matineen - die Zeiten, wo ich irgend'n Opern- oder Schauspielhaus quasi vor der Haustür hatte, sind bei mir lange vorbei - nicht extra Fahrgeld verprassen. Die Vorträge direkt vor den Vorstellungen meide ich inzwischen gleichfalls ziemlich konsequent, da (i) ich das Stündchen davor eher das Bedürfnis habe, möglichst leer im Kopf zu werden (ii) ich mich zu häufig über diese habe ärgern müssen, da der Überzeugung, dass ich - in Sachen Vorträge-halten selber nicht so ganz unerfahren - es besser gemacht hätte...….

      :wink:
      Alexa: Was ist ein gerechter Lohn? - Das weiß ich leider nicht!
      Peter Kessen "Disruptor Amazon"

      Hollywood ist ein Witz - nicht hassenswert...
      Aki Kaurismäki
    • Herzlichen Dank für Eure informativen Antworten! Daß die Frage unterschiedlich beantwortet wird, überrascht mich nicht, da ja jede/r eigene Kriterien hat.

      Besonders diese Beobachtung eines, wie ich weiß, erfahrenen und gut informierten Opernbesuchers finde ich aufschlußreich.

      brunello schrieb:

      Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass die dritte Vorstellung häufig die beste ist - der Premierenstress ist vorbei und ebenso das Loch, in das SängerInnen oftmals am zweiten Abend fallen.
      Die Oper Frankfurt bietet 2019/20 mehrere Neuproduktionen an, die mich sehr interessieren. Karten gibt es bereits. Jetzt schaue ich mal nach den jeweils dritten Aufführungsterminen. ;)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Das ist wirklich auch ein sehr interessanter Faden. Danke für die Frage, Gurnemanz!

      Wie oft sehr ihr euch eine Produktion denn im Schnitt an, liebe Capricciosi?

      Ich möchte eigentlich immer alles nur einmal pro Saison sehen und dann lieber viel Neues bzw. mir Unbekanntes. Und ein paar Jahre später schaue ich mir dann manchmal eine Wiederaufnahme an. Aber mehrmals dasselbe in einer Saison habe ich erst wenige Male gemacht (den Essener Freischütz und Rheingold und Siegfried an der DOaR). Premieren meide ich eher - wegen des Preises, und weil ich es auch da oft ein wenig schnickselig finde und ich meist weder Lust habe mich zu verkleiden noch aus dem Rahmen zu fallen.
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • Hallo in die Runde,

      Premieren haben so einige Tücken: aufgeregte Dirigenten, die durch die Partitur hetzen, weil der Grundpuls höher als normal ist und damit alle Temporelationen nicht stimmen. Ich vermeide Premieren ebenfalls, auch weil mir das schön fürs Theater Anziehen nicht sooo wichtig ist.

      Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viele gute Erfahrungen mit zweiten Aufführungen oder mit der ersten Aufführung der Wiederaufnahme gemacht.

      Gruß Benno
    • diskursprodukt schrieb:

      Danke für die Frage, Gurnemanz!
      :cincinbier:

      Ja, das bestärkt mich nun doch, weitere Aufführungen zu bevorzugen. Meine einzigen Bedenken wären, daß ich da mit minderer Qualität zu rechnen hätte - was anzunehmen aber offensichtlich nicht berechtigt wäre.

      Sehen und gesehen werden ist mir nicht wichtig, auch das Festliche bei Opernaufführungen ist mir eher fremd. Karten für Folgevorstellungen sind günstiger und einfacher zu bekommen. Das sind Aspekte, die ich wichtig finde.

      Auch wenn ich durchaus verstehe, wenn Premieren manchen Opernfreun/innen ein besonderes Prickeln bieten.

      Heute abend übrigens werde ich in Mannheim Debussys Pelléas et Mélisande erleben, die letzte Vorstellung der Serie in dieser Saison; Premiere war im Mai. Ich hoffe, daß das trotz der großen Hitze (nahe 40°!) für alle Beteiligten gut ausgeht - wobei mein Mitgefühl den Musikern im Orchestergraben gilt. Hoffentlich ist es da einigermaßen gut belüftet...

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • diskursprodukt schrieb:

      Wie oft sehr ihr euch eine Produktion denn im Schnitt an, liebe Capricciosi?
      kommt drauf an.
      Am häufigsten hatten wir uns selbige Produktion reingezogen von Nonos Al gran sole und Nonos Intolleranza. Beide jeweils 4 x, weils mega-fetzige Mucke und zu wenige Gelegenheiten für diese Chosen vorhanden.

      Letzte Saison hatten wir uns Aida-Premiere gegönnt (Repusic, Voges), weil ich Skandal vermutete. Kay Voges wegen. Leider tote Hose :( . Während der Wiedergabe und Pr-Feier gabs kein Zoff.

      Was generell Premieren-Besuche betrifft: Wenn Impuls dazu, dann geht der meistens von einen meiner Begleit-Leutchen aus, weil denen Special-Feeling davon besonders cool rüberkommt. Ja, okay, okay, kostet etwas mehr € pro Nase, aber man gönnt sich ja sonst nichts.....

      Diese Saison bestanden unsere Premierenbesuche aus Götterhämmerung in Minden (2018), Wagners Tristan und Schrekerei in Hannover. Alles sehr geil, trotz schmerzlicher Cuts im Tristan und Gezeichneten.
      Offenbachs König Karotte zogen wir uns lediglich als Folgevorstellung rein. Das war auch mega-super. Davon hätte ich mir im Nachhinein gleichfalls Premiere gerne eingeschmissen. Schade. :(
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • diskursprodukt schrieb:

      Wie oft sehr ihr euch eine Produktion denn im Schnitt an, liebe Capricciosi?
      Ich bin ja nun seit einigen Jahren kein regelmäßiger Operngänger mehr. Aber in meinen 'Glanzzeiten' habe ich Produktionen oftmals dutzendfach gesehen. Das hing vom Spielplan ab, von der jeweiligen Produktion oder auch von der Oper, die ich gerne erneut hören wollte. Aber v.a. von der jeweiligen Sängerbesetzung, mit denen wir damals in Hamburg durchaus verwöhnt wurden.

      Meine allererste Oper war die Traviata mit Kiri te Kanawa. Die kam in der Rolle allerdings nie wieder, dafür aber quasi sämtliche Violettas der Zeit von Aliberti bis Varady. Natürlich ging man da immer hin. Und wenn die Aliberti (leider) mal wieder auf dem Spielplan stand, diesmal allerdings mit Domingo war man natürlich auch dabei. So kam im Laufe der Jahre natürlich einiges zusammen. Gleiches gilt für Bohème, Tosca, Holländer, Lohengrin, Fidelio, Troubador, Rigoletto, Otello, Rosenkavalier, Ariadne, Barbier, Zauberflöte, Entführung etc.

      Wie man erkennen kann, v.a. die 'Mainstream-Opern'. Die waren halt am häufigsten auf dem Spielplan vertreten. Bei seltener gespielten Werken, aus welchen Gründen auch immer, nutzte ich jede Gelegenheit, wenn die Oper bzw. die Inszenierung mir zusagte. Tristan in der wirklich genialen Inszenierung der Berghaus war jedes Mal ein Muss. Die stand nun relativ selten auf dem Spielplan, dann auch nur in wenigen Aufführungen und mit eben nicht wechselnden Besetzungen. Von daher habe ich damals eigentlich nur jeweils eine Aufführung pro Serie besucht. Gleiches gilt für den Parsifal, die Meistersinger, Falstaff etc.

      Und dann gab es natürlich die Opern, die, da entweder UA oder Raritäten, nur (noch) einmal in einer Serie auftauchten. Da habe ich dann mindesten einmal die Vorstellung besucht. Manchmal ärgerte ich mich, dass ich von vornherein die letzte Aufführung ausgesucht hatte und von daher keine Chance mehr zum erneuten Sehen hatte. Manchmal allerdings auch nicht. ;)

      Allgemein gesagt, ist und war mir aber eigentlich die Produktion am Unwichtigsten. (Mit ganz wenigen Ausnahmen: Tristan-Berghaus, Tannhäuser-Kupfer, Don Carlo-Ponelle, Così-Marelli etc.) Vorrangig waren für mich interessante Sängerbesetzungen und interessante Werke. Dann war ich immer zu allem bereit. ^^

      :wink: Wolfram
    • Für mich gibt es folgende Gründe, die Premiere zu besuchen:
      1. Wenn es mir gefallen hat, kann ich noch weitere Termine einplanen. Ich habe mich schon mehr als einmal ein bisschen geärgert, dass ich erst die letzten beiden Aufführungen angepeilt habe, eine dritte oder vierte hätte es schon noch vertragen. Für manche Werke braucht man einfach ein bisschen Zeit.
      2. Selten, aber nicht nie werden bei Raritäten die letzten Folgeaufführungen abgesagt. Wenn man genau dafür eine Karte hat und sich auf die Produktion gefreut hat, ist das natürlich sehr ärgerlich.
      3. Der Stehplatzandrang in Wien ist bei Premieren gar nicht mal so heftig. Einige (mir eher suspekte - siehe Punkt 5) Leute warten lieber die Kritiken ab und entschließen sich dann erst zu einem Besuch. Faustregel: Bei Premieren mittlerer Andrang; ab der 3. Folgeaufführung bei guten Kritiken viel los, bei schlechten Kritiken wenig los. (wobei es "wenig los" in den letzten Jahren fast nicht mehr gibt - ab Herbst wird aber ohnehin viel anders mit dem neuen Stehplatzsystem).
      4. Wenn mir die Inszenierung besonders gut oder besonders schlecht gefallen hat, kann ich beim Schlussapplaus meine Zustimmung oder mein Missfallen kommunizieren.
      5. Ich bin nicht auf das angewiesen, was andere erzählen, sondern habe mir schon meine eigene Meinung gebildet.
      Davon ist mir Punkt 1 am wichtigsten. Sehen und Gesehen-Werden ist mir komplett egal. Und den Preisunterschied bei Premieren gibt es in Wien am Stehplatz nicht.

      Generell ist mein Kultur-Terminkalender aber übervoll, und zB interessante Konzerte etc. haben auf jeden Fall Vorrang vor Opernpremieren. Und ich richte mein Leben nicht nach dem Opernspielplan aus, also muss ich oft einfach die Termine nehmen, die sich ausgehen. Und wenn sich keiner ausgeht, auch kein Weltuntergang.

      diskursprodukt schrieb:

      Wie oft sehr ihr euch eine Produktion denn im Schnitt an, liebe Capricciosi?
      Das ist für mich schwierig zu beantworten, denn wir müssen zwischen Repertoire und Stagione unterscheiden. Im Repertoire habe ich die gleichen Produktionen schon öfter über 20mal gesehen, in der Stagione natürlich nicht. Im Schnitt vielleicht 2mal? Wenn es mir gefällt, auch 4mal. Aber wirklich schwierig, das so pauschal zu sagen.
    • Gurnemanz schrieb:

      Die Oper Frankfurt bietet 2019/20 mehrere Neuproduktionen an, die mich sehr interessieren.


      Ja, für Frankfurt habe ich mir auch einiges vorgenommen. Nun wäre das hier aber nicht die richtige Stelle, um über geplante Opernbesuche zu schreiben. Das werde ich nach wie vor unter „Wo wir so hingehen …“ tun.
      Doch das Programm von Frankfurt erinnert mich an ein anderes Kriterium, welches bei der Auswahl einer Aufführung für mich gelegentlich eine Rolle spielt. Von Rossinis „Otello“ werde ich mir die 6. Vorstellung ansehen. Nicht weil ich diese besser finde als die 3. oder weil mir der Termin besser passt, sondern weil an diesen Tag im Anschluss an die Vorstellung unter dem Titel „Oper lieben“ eine Diskussionsrunde mit Mitwirkenden der Inszenierung stattfindet.
      Ähnliche Veranstaltungen habe ich anderorts schon mehrfach besucht. Stets waren es interessante Gespräche, die, als ideale Ergänzung zur eigentlichen Aufführung, diese enorm aufwerteten.
      Deshalb werde ich, wenn nichts dazwischen kommt, mir am 12. Oktober in Frankfurt die Aufführung von Rossinis „Otello“ ansehen und auch bei der anschließenden Gesprächsrunde zugegen sein.
      Viele Grüße aus Sachsen
      Andrea
    • Andrea R. schrieb:

      Ähnliche Veranstaltungen habe ich anderorts schon mehrfach besucht.
      Sicher auch letztes Jahr in Hagen bei "Il turco in Italia", oder? Das Theater Hagen macht das auch so.

      Ich habe diese Veranstaltungen bisher aus Vorurteil stets gemieden, weil mich dünkte, dass dort sicher nur pensionierte Oberstaatsanwälte bildungsbeflissen-investigative Fragen an das Regieteam stellen würden. Aber das ist sicher ganz und gar verblendet gedacht von mir... :evil:
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • Sadko schrieb:

      Öffentliche Diskussionsrunden mit den Mitwirkenden klingen interessant! (ich war bisher aber noch bei keiner)
      Werkeinführungen meide ich mittlerweile aber.
      Sorry, dass ich etwas Off-Topic bin, aber mir geht's auch so - jedenfalls bei Wiederaufnahmen, seitdem ich bei einer Werkeinführung parallel bei dem dazugehörigen Wikipedia-Eintrag mitlesen konnte (übrigens auch Oper Frankfurt).
    • diskursprodukt schrieb:

      Ich habe diese Veranstaltungen bisher aus Vorurteil stets gemieden, weil mich dünkte, dass dort sicher nur pensionierte Oberstaatsanwälte bildungsbeflissen-investigative Fragen an das Regieteam stellen würden. Aber das ist sicher ganz und gar verblendet gedacht von mir... :evil:
      ... sofern es die Möglichkeit gibt, Beschwerden à la "Das steht aber nicht so im Libretto!!!1!1!!11!1!!" selbst entgegentreten zu können und den Sich-Beschwerenden die Meinung sagen zu können, klingt es doch ziemlich gut :evil: :D

      figure humaine schrieb:

      Sadko schrieb:

      Öffentliche Diskussionsrunden mit den Mitwirkenden klingen interessant! (ich war bisher aber noch bei keiner)
      Werkeinführungen meide ich mittlerweile aber.
      Sorry, dass ich etwas Off-Topic bin, aber mir geht's auch so - jedenfalls bei Wiederaufnahmen, seitdem ich bei einer Werkeinführung parallel bei dem dazugehörigen Wikipedia-Eintrag mitlesen konnte (übrigens auch Oper Frankfurt).
      Eben, das ist es. Viel zu oft wird in Werkeinführungen viel zu viel unnötiger Blödsinn erzählt. Mittlerweile spare ich mir die Zeit lieber.
    • diskursprodukt schrieb:

      Sicher auch letztes Jahr in Hagen bei "Il turco in Italia", oder?
      Genau, bei dieser Gesprächsrunde war ich auch dabei, allerdings hielt sich hier die Beteiligung mit gerade mal 6 oder 7 Besuchern in Grenzen. Sehr gut fand ich dagegen die Veranstaltungen nach „Les Huguenots“ 2014 in Nürnberg und nach „I Masnadieri“ 2015 in Weimar.

      diskursprodukt schrieb:

      Ich habe diese Veranstaltungen bisher aus Vorurteil stets gemieden, weil mich dünkte, dass dort sicher nur pensionierte Oberstaatsanwälte bildungsbeflissen-investigative Fragen an das Regieteam stellen würden.
      Das ist in der Tat ein Vorurteil. Ich habe bei diesen Veranstaltungen bisher nur ganz normale operninteressierte Menschen getroffen.
      Und um eine andere Frage gleich mit zu beantworten:

      diskursprodukt schrieb:

      Wie oft sehr ihr euch eine Produktion denn im Schnitt an, liebe Capricciosi?
      Bisher stets nur einmal! Mehr würde mein Zeitbudget derzeit nicht hergeben.
      Viele Grüße aus Sachsen
      Andrea
    • Andrea R. schrieb:

      diskursprodukt schrieb:

      Sicher auch letztes Jahr in Hagen bei "Il turco in Italia", oder?
      Genau, bei dieser Gesprächsrunde war ich auch dabei, allerdings hielt sich hier die Beteiligung mit gerade mal 6 oder 7 Besuchern in Grenzen. Sehr gut fand ich dagegen die Veranstaltungen nach „Les Huguenots“ 2014 in Nürnberg und nach „I Masnadieri“ 2015 in Weimar.
      Interessant. Wie gut besucht waren die Gespräche denn in Nürnberg und in Weimar?
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • diskursprodukt schrieb:

      Wie gut besucht waren die Gespräche denn in Nürnberg und in Weimar?
      In Nürnberg hatte ich etwa 30 Besucher geschätzt. Interessanterweise waren darunter laut einer Zwischenfrage des Moderators nur zwei Nürnberger. Alle anderen hatten für das selten aufgeführte Werk zum Teil weite Anreisen auf sich genommen – echte Opernliebhaber eben.
      Zu dem politisch sehr brisanten Nachgespräch in Weimar waren wohl etwa 20 Leute gekommen.
      Viele Grüße aus Sachsen
      Andrea