Bernard Haitink stellt nach 65 Jahren als Dirigent seine Tätigkeit ein

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    • Bernard Haitink stellt nach 65 Jahren als Dirigent seine Tätigkeit ein

      Hallo zusammen,

      irgendwie fand ich es ein schwaches Bild, dass wir keinen Haitink-Faden haben, insofern habe ich das pragmatisch geändert. Und bin dann leider nicht berufen genug, viel über ihn zu schreiben. Ich wollte eigentlich vor allem hierauf hinweisen:
      Sein Abschiedskonzert mit den Wiener Philharmonikern im KKL ist hier noch einige Tage nachzuhören:
      Beethoven op. 58 mit Emmanuel Ax
      Bruckner VII

      https://www.nporadio4.nl/concerten/9239-afscheidsconcert-bernard-haitink.

      Und: es gibt ein Buch, in dem Haitink von seiner Auffassung seiner Tätigkeit spricht:
      Peter Hagmann, Erich Singer: Bernard Haitink. «Dirigieren ist ein Rätsel». Gespräche und Essays. Verlag Bärenreiter/Henschel, Kassel/Leipzig 2019. 183 S.


      Gruß Benno
    • Na, immerhin ist Haitink schon über 90, da darf man sich schon mal zur Ruhe setzen. :alter1:

      Ich habe ihn in den 70ern über seine Mahler-Einspielungen kennengelernt, ich glaube, die Dritte hatte ich seinerzeit vom Rundfunk mitgeschnitten und oft gehört.

      Und vor ca. 20 Jahren habe ich ihn sogar live erlebt, mit Wagners Siegfried und Götterdämmerung in London.

      Aber so richtig "Fan" geworden bin ich nie, warum, kann ich auch nicht so recht sagen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Das Buch ist sehr lesenswert...und kurzweilig ...



      Klappentext:
      Der weltberühmte Dirigent Bernard Haitink feiert 2019 seinen 90. Geburtstag und wird sich nach seinem Haitinks Abschiedskonzert (6.9.2019 in Luzern) ab September "eine unbefristete Auszeit" gönnen - Anlass genug, die Aufmerksamkeit auf ihn zu richten, der das Rampenlicht nie gesucht hat: Sein Tun war kompromisslos auf die Musik fokussiert.
      Im Zentrum des Buches stehen Gespräche, die die beiden prominenten Autoren von 2007 bis 2019 mit Bernard Haitink geführt haben. Sie beleuchten das Leben und Schaffen Haitinks gleichermaßen: von den Jugendjahren des gebürtigen Amsterdamers in den von den Deutschen besetzten Niederlanden, seiner Ausbildung zum Geiger bis zur Dirigentenlaufbahn. Vertieft wird dies in thematischen Blöcken zu Haitinks Musizieren, seinen Interpretationsansätzen und seinen pädagogischen Tätigkeiten.
      Zwei große Essays runden das Buch ab: eine biografische Darstellung der über sechzig Jahre lang dauernden Dirigentenkarriere; und ein Beitrag, der Haitinks Musikauffassung und deren Konkretisierung in Opernaufführungen, Konzerten und zahllosen Aufnahmen schildert. Dabei werden deren Veränderungen über ein sehr langes aktives Leben hinweg erkennbar und im historischen Umfeld verortet.
      Eine Reihe von exklusiven Fotografien - zum Teil aus dem Privatarchiv des Dirigenten - illustrieren den Band.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Bernard Haitink ... schwierig ... mir fällt keine Aufnahme aus der Kategorie "die muss man haben" ein ... am ehesten die Beethoven-Klavierkonzerte mit Alfred Brendel.

      Viel Gediegenes:

      Bruckner 3 mit den Wienern, wenn's mal nicht Celi sein soll.
      Mahler 3 (die erste Aufnahme), Mahler 5 (dito) - gut, hörenswert, tadellos, aber nicht mitreißend, begeisternd, staunen machend ...
      Alpensinfonie (LSO live)

      Aber andere haben gute Ideen:

      classical-music.com/article/ni…ecordings-bernard-haitink

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Keine CDs aber Lieblingsmitschnitte mit Bernard Haitink, die ich niemals missen möchte:

      Berg: 3 O.-Stücke op. 6 aus NYC vom 16.03.02 mit Wienern (funzt neben San Francisco Symphony Orchestra unter MTT vom 21.01.15 bisher als einzige mir sinnvolle Aufnahme von Bergs op. 6)

      Brahms: Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 aus Amsterdam vom 03.10.76 mit Concertgebouw Orchestra

      Bruckner Sinfonie Nr. 8 c-Moll aus Amsterdam vom 22.08.89 mit European Youth Orchestra (kompilierte Version)

      Debussy: Pelleas + Melisande aus Paris von 2007 (DVD-Mitschnitt von arte)

      Mahler: Sinf. Nr. 06 a-Moll aus Brexit-Town vom 08.09.08 mit Chicago-Boys
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Ich habe nicht viel von ihm. Aber darunter sind so einige Schätze.

      Sehr schöne Ravel-CDs. Die erste gehört sogar zu meinen Lieblings-CDs.



      Ich finde auch die Schostakowitsch-GA von ihm sehr gut. Und historisch bedeutsam, als die (?) erste solche GA im Westen.



      Auch neuere DSCH Einspielungen von ihm werden oft hoch geschätzt. Ich selbst habe nur die Vierte mit dem CSO, die sehr gut ist. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich auf yt mal eine sehr gute Fünfzehnte mit ihm gehört.

      Wenn auch schon lange nicht mehr gehört, denke ich, dass der folgende Rachmaninow mit Ashkenazy auch recht gut ist:



      Mehr fällt mir im momentan nicht ein.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Von den Aufnahmen, die ich mit Bernard Haitinks kenne, halte ich vor allem die Ring-GA mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (EMI/Warner) sowie die Sinfonien-GA + einiger weiterer Werke von Vaughan Williams (EMI/Warner) für insgesamt sehr gelungen.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Und ich liebe diese Faust Interpretation....



      La Damnation de Faust

      Charlotte Margiono, Vinson Cole, Thomas Quasthoff, Jaco Huijpen,Netherlands Radio Philharmonic Orchestra, Bernard Haitink

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Die bereits genannten Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Vaughan Williams und Schostakowitsch gehören bei mir auch zum Kernbestand.

      Bemerkenswert fand ich seinen Beethovenzyklus mit dem LSO, dirigiert mit Mitte/Ende 70



      Kantig, frisch, wenig Vibrato, antiphonische Violinen. Erinnert mich etwas an Blomstedts späten Gewandhauszyklus.

      An eine richtige Enttäuschung kann ich mich bei Haitink gerade nicht erinnern.
    • Gurnemanz schrieb:

      Aber so richtig "Fan" geworden bin ich nie, warum, kann ich auch nicht so recht sagen.
      Ich glaube, die Antwort auf diese "Warum"-Frage ist hier im Thread sehr schnell gefunden:

      palestrina schrieb:

      Anlass genug, die Aufmerksamkeit auf ihn zu richten, der das Rampenlicht nie gesucht hat: Sein Tun war kompromisslos auf die Musik fokussiert.

      Mauerblümchen schrieb:

      Bernard Haitink ... schwierig ... mir fällt keine Aufnahme aus der Kategorie "die muss man haben" ein ... am ehesten die Beethoven-Klavierkonzerte mit Alfred Brendel.

      Viel Gediegenes:

      Mauerblümchen schrieb:

      gut, hörenswert, tadellos, aber nicht mitreißend, begeisternd, staunen machend ...
      Haitink ist so unauffällig, so abseits von jedem Dirigentenkult und Starwesen, dass man schwerlich ein "Fan von ihm werden kann. Er hat so viele Aufnahmen gemacht wie kein anderer Dirigent überhaupt, habe ich jetzt im Zusammenhang mit seinem Abschied gelesen. Er hat wirklich alles dirigiert, immer verlässlich, immer solide, über Haitink kann wirklich niemand etwas schelchtes sagen, aber es hat sich wahrscheinlich auch selten jemand eine Aufnahme gerade wegen ihm gekauft. Bei der Kategorie "die muss man haben" fallen immer andere Namen, gerade weil Haitink nur ganz selten mitreißend ist, einen als Hörer erschrecken lässt oder staunend macht.
      Stattdessen habe ich bei seinen Interpretationen häufig ein Gefühl der Selbstverständlichkeit; da wird man nicht vom Hocker gerissen, sondern da denkt man, nur so und nicht anders kann das eben klingen, im Wortsinne tadel-los. Dazu passt auch, dass Haitink mit seiner langen Karriere und seinen vielen Aufnahmen immer schon da war, ohne Aufs und Abs, ohne Sensationen, einfach immer da.

      Braccio schrieb:

      An eine richtige Enttäuschung kann ich mich bei Haitink gerade nicht erinnern.
      Und das ist doch schon wirklich viel wert, gerade wenn man bedenkt, dass er eben so viele Aufnahmen gemacht hat wie kein anderer Dirigent. An eine richtige Enttäuschung kann auch ich mich bei Haitink gerade nicht erinnern, dafür aber an ein paar absolute Sternstunden.
      Die Rachmaninoff-Klavierkonzerte mit Ashkenazy sind gezeigt worden, die sind für mich auch Referenz, nie sonst habe in auch gerade den Orchesterpart so stimmig, so "einfach richtig" gehört. Sein "Ring" mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Ende der 1980er ist orchestral vielleicht der beeindruckendste, den es gibt, wundervoller, warmer Klang, die Tempi, die Steigerungen, alles wieder mit diesem Gefühl: So und nicht anders.

      Ich habe den Eindruck, jetzt durch seinen Abschied kommt Haitink auch als Person ein Bisschen mehr ins Bewusstsein, liest man mehr über ihn, denkt darüber nach, was man eigentlich an ihm hat. Und in seinen letzten Jahren hat er auch nochmal eine bewundernswerte Alterskarriere gemacht, da war dann auch immer wieder zu lesen, welch ein großes Charisma der kluge, betagte Herr auf Musiker wie Publikum als beeindruckende Persönlichkeit entwickelt habe.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Ich habe hier durchaus eine handvoll Haitink-Aufnahmen, die ich nicht nur solide, sondern überragend finde (neben den Rach-Konzerten mit Ashkenazy):

      - Debussy: Jeux", (Amsterdam) - die ganz besonders <3
      - Schostakowitsch 15. (London)
      - Mahler 3. (Chicago)
      - Mahler 9. (BR München)
      - Webern "Im Sommerwind" (Chicago)
      - Berlioz "Benvenuto Cellini Ouvertüre" (Amsterdam)

      Da gibt es viele namhafte Dirigenten, bei denen mir weit weniger unentbehrliche Aufnahmen einfielen...

      Cheers,
      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Vor wenigen Monaten fand ich in einem second hand Laden für einen Euro Brahms' "Ein Deutsches Requiem" mit Haitink, den Wiener Philharmonikern und Janowitz & Tom Krause (1980). Das ist vielleicht die beste Aufnahme dieses Werks, die ich je gehört habe (und ich habe viele gehört). Da ich dies keineswegs erwartet habe, ist mir auch aufgefallen, wie oft man Haitink unterschätzt, und das hat viele Jahre auch für mich gegolten. Besonders beeindruckt haben mich auch DVD - Mitschnitte der Dritten Mahlersinfonie, die er wohl recht oft aufgeführt hat. Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, ihn in Wien mit dem Chicago SO Mozarts Jupiter und Schostakowitschs Letzte (15) spielen zu hören. Auch das natürlich unvergessen. Vielleicht ist es gerade die Makellosigkeit seiner Aufnahmen, die dazu beiträgt, dass man ihn gerne unterschätzt.
    • Braccio schrieb:

      Bemerkenswert fand ich seinen Beethovenzyklus mit dem LSO, dirigiert mit Mitte/Ende 70


      Das ist der Zyklus von 2005-2006 - den du meinst, ist hier drauf:

      rec. 1974-1976

      Und es ist das LPO... :wink:

      -----

      Mein erste Haitink-CD war Schostakowitsch 6 & 11 (Decca 1985) - und die 11 ist immer noch meine liebste Einspielung dieser Symphonie.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • In Zürich und in Luzern habe ich ihn in den letzten Jahren einige Male erlebt. Vor allem mit Bruckner und Mahler. Es waren immer fantastische Konzerte. Ich werde ihn vermissen.
      Ein Freund von mir hatte noch versucht eine Karte fürs letzte Konzert zu ergattern. Aber es war vergebens.
    • Oh, ja!
      Ich hatte ja das große Glück, ihn in Berlin am 9.Mai in der Philharmonie noch einmal mit Bruckner 7 erleben zu dürfen, wo das Orchester für ihn gespielt hat, so beseelt waren die.
      Aber wenn die Kräfte nachlassen sollte man der Zeit Tribut zollen. Insofern macht er alles richtig.
      Ich erfreue mich derweil an Mahler 9 mit dem London Philharmonic Orchestra Live vom Juli 2009.
      Mit Leichtigkeit bringt Haitink die Musik zum Strahlen und ich hörte wie benommen zu. Unglaublich.
      Er macht keine Mätzchen, er läßt die Musik (in seiner Art) sprechen. Nix exaltieres, einfach fließend.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Ich hatte im München- Konzertfaden meinen Eindruck von Mahler III in 2016 geschildert und kann auch nur sagen: ganz selbstverständlich und ganz großartig vom BR-SO unter Haitink dargeboten. Und zum Glück auch auf CD erhältlich:



      Natürlich kann man Mahler auch druckvoller, noch ausdifferenzierter oder leidenschaftlicher spielen. Aber besser kaum.

      Gruß Benno
    • Hmmm ... damit komme ich auf viermal Mahler 3 mit Haitink ... Concertgebouw, Berliner Philharmoniker, Chicago SO, SO des Bayerischen Rundfunks ...





      ... die erste Aufnahme (Concertgebouw) habe ich neulich mal wieder gehört und fand sie ausgezeichnet. Ok, kein Excitement wie bei Bernstein oder Iván Fischer, aber schon sehr, sehr gut ... mit einer "so und nicht anders"-Wirkung.

      Wer bietet mehr?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)