Was macht ein studierter Musiker, der in seinem Fach keine Stelle findet ?

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    • Was macht ein studierter Musiker, der in seinem Fach keine Stelle findet ?

      .... diese Frage treibt mich zur Zeit um, da ich derzeit - leider erfolglos - einen neuen Oboenlehrer suche .... meine hiesige Musikschule stellt das Fach "Oboe" nach dem jetzigen Weggang meiner Lehrerin ein, da sie keinen Nachfolger finden .... auch das Fach "Querflöte" wäre hier neu zu besetzen; aber die Suche gestaltet sich auch hier sehr schwierig ....

      .... damit gibt es in meinem Landkreis, in dem es 11 städtische Musikschulen gibt, nur noch eine einzige, die das Fach "Oboe" vielleicht weiterführen wird, falls sie denn einen Nachfolger für meine bisherige Lehrerin finden, die auch dort unterrichtet hatte ....

      Die dann am nächsten für erreichbare Musikschule im Nachbarkreis hat mir heute verkündet, dass ihre Oboenlehrerin die Schule (und auch Deutschland überhaupt) zum Jahresende verlassen wird und auch sie mangels Nachfolger das Fach "Oboe" einstellen werden müssen ....

      Und nun frage ich mich verwundert: ich wohne im Großraum FFM, das mit dem Auto problemlos in 20 - 30 Minuten erreichbar ist.
      Und dort gibt es 2 ! Musikhochschulen .... wie verdienen sich denn all die dort hervorgehenden Musiker, die weder eine Solokarriere noch eine Orchesterstelle in Aussicht haben, nach Abschluss ihres Studiums ihren Lebensunterhalt ?
      Ich hätte eigentlich gedacht, dass hier doch der eine oder andere neue Lehrer zu finden sein müsste ... ?(
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Hier in meiner Gegend prügeln sich die Oboenlehrer eher um die Schüler.....

      Wobei es trotzdem auch Grenzen gibt: In einem Außenbezirk der Stadt sind gerade zwei Schüler "frei" geworden, da eine Kollegin ihre dortige Unterrichtstätigkeit aufgibt, aber zu den gebotenen Konditionen (für die halbe Stunde, die jeder Schüler erhält, werden satte 10 Euro geboten) findet sich erst mal kein Nachfolgelehrer. Und das halte ich auch für richtig - ein solcher Dumpingpreis geht gar nicht. Auf dem privaten Unterrichtsmarkt sind 60 Euro, die im Monat durchbezahlt werden, bei einer halbstündigen Unterrichtseinheit mittlerweile hier im Gebiet das absolute Minimum. Viele Kollegen verlangen deutlich mehr - und das gewiss nicht zu Unrecht!

      Und dann stellt sich zudem die Frage der Schülerzahl. Für zwei Schüler lohnt sich eine halbstündige An- und Abreise meistens nicht wirklich, zumal die Fahrt ja auch Geld kostet. Wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Jülich fahren würde, wäre ich jedes Mal über 15 Euro los und insgesamt von Tür zu Tür an die fünf Stunden (bei 30 Kilometern Distanz) unterwegs. Da mich eine Kollegin im Auto mitnimmt, komme ich jetzt mit anderthalb Stunden (hin und zurück von Tür zu Tür) und 10 Euro Spritgeld hin. Aber die Kollegin ist älter als ich, und sobald sie pensioniert wird (in ca. 5 Jahren), werde ich eine andere Mitfahrgelegenheit finden oder eben darüber nachdenken müssen, meine Unterrichtstätigkeit an den Nagel zu hängen.

      Wir haben das Thema vor einiger Zeit schon ausgiebig in einem anderen Thread diskutiert: Die Bedingungen, die Instrumentallehrern an Musikschulen geboten werden, sind leider oft erschreckend lausig. Es gibt fast nur noch Honorarverträge, oft werden lediglich die gegebenen Stunden bezahlt (wenn der Schüler absagt, sitzt der Lehrer in seinem Unterrichtsraum herum und bekommt kein Geld) und die Honorare sind gemessen an dem, was jeder Handwerker als Stundenlohn in Rechnung stellt, meistens ein Witz. Unter diesen Umständen halte ich es für nicht so verwunderlich, dass ein studierter Musiker, der keine Orchesterstelle findet, trotzdem nicht bereit ist, eine Unterrichtstätigkeit an einer Musikschule aufzunehmen. Dieser Musiker versucht dann lieber, zu halbwegs angemessenen Konditionen auf dem privaten Markt Schüler zu finden, anstatt für 20 Euro Endergebnis einen halben Tag unterwegs zu sein.

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Ja - gegen Dumpingpreise bin ich auch .... ich wäre bereit, deutlich mehr zu zahlen als die bisher mir genannten Preise für Privatstunden .... Nur: wo findet man diesen "privaten" Markt - zumindest hier in der Kleinstadt ? Auch den gibt es hier nicht .... alle Kontakte, die meine Lehrerin mir als vielleicht mögliche nannte, sind negativ verlaufen .... X/
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      Ja - gegen Dumpingpreise bin ich auch .... aber: wo findet man dann den "privaten" Markt - zumindest hier in der Kleinstadt ? Auch den gibt es hier nicht .... alle Kontakte, die meine Lehrerin mir als vielleicht mögliche nannte, sind negativ verlaufen ....
      Für dich als potentiellen Schüler ist die Situation natürlich ätzend, keine Frage! Aber dass es sich so verhält, wie es sich verhält, hängt meiner Meinung nach nicht primär mit einer eventuell merkwürdigen Einstellung der Musikhochschulabsolventen zusammen.

      Meine jetzige Musikschulstelle war für meinen Vorgänger noch eine BAT-Stelle. An der Musikschule, an der ich vorher unterrichtet habe, gab es für auswärtige Lehrer in einem gewissen Ausmaß Fahrgeld. Aber das ist alles Geschichte....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Dass die Konditionen an Musikschulen in der Regel nicht gerade attraktiv sind, ist mir schon klar .... dennoch müssen doch auch die Studenten während und nach Ihrem Studium von irgendetwas leben - daher wundere ich mich einfach nur sehr, dass es offensichtlich so schwer ist, Lehrer zu finden, obwohl man im Einzugsbereich von 2 Musikhochschulen lebt .... wozu studiert man mühevoll Musik, wenn man hinterher dann doch irgendetwas anderes macht ? ?(
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      .... dennoch müssen doch auch die Studenten während und nach Ihrem Studium von irgendetwas leben - daher wundere ich mich einfach nur sehr, dass es offensichtlich so schwer ist, Lehrer zu finden, obwohl man im Einzugsbereich von 2 Musikhochschulen lebt .... wozu studiert man mühevoll Musik, wenn man hinterher dann doch irgendetwas anderes macht ?
      Nehmen wir noch mal deinen konkreten Fall: Für zwei (oder einen einzigen?) Schüler reist der Lehrer außerhalb der Ferien viermal monatlich aus (unter Umständen) FFM-City an. Die Fahrtkosten bleiben an ihm hängen, es geht ein Haufen Zeit drauf, möglicherweise lässt sich mit dem Nachmittag sonst nicht mehr viel anfangen, dabei heraus kommt unterm Strich ein zweistelliger Betrag pro Monat.....tja, von irgendwas müssen auch die Studenten während und nach ihrem Studium leben, aber von einer solchen Tätigkeit kann man nun mal kaum leben!

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Blöde Frage: Warum muss das über "Musikschulen" laufen???

      Ist an dieser Branche die Erfindung des Internets komplett vorbeigegangen?

      Brauch ich ein Restaurant: Google, Tripadvisor, Michelin, etc.
      Brauch ich eine Unterkunft: Google, Airbnb, Booking, etc.
      Brauch ich einen Friseur: Google
      Brauch ich einen Arzt: Google
      Brauch ich einen Handwerker: Google
      Brauch ich ein Navi: Google, Amazon, etc.

      Da findet man die Adressen samt User-Bewertungen.

      Warum klappt das bei Oboenlehrern nicht???


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Warum klappt das bei Oboenlehrern nicht???
      Weil es VIEL weniger Oboenlehrer als Gastwirte, Friseure und Ärzte gibt! Die Auswahl an Oboenlehrern ist nicht annähernd so flächendeckend.

      Ecclitico schrieb:

      Blöde Frage: Warum muss das über "Musikschulen" laufen???
      Die Frage finde ich nicht so blöd, denn in der Form, in der ich das Konzept "Musikschule" mittlerweile erlebe, macht es sich selber weitgehend überflüssig....

      ...aber am Ende geht es auch um persönliche Mobilität. Unterricht sonstwo nehmen kann ich relativ problemlos, wenn ich als Autofahrer eher umstandslos nach sonstwo gelange. Das ist aber nun mal nicht jedem so selbstverständlich gegeben, wie es heutzutage gerne angenommen wird.....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Die Frage finde ich nicht so blöd, denn in der Form, in der ich das Konzept "Musikschule" mittlerweile erlebe, macht es sich selber weitgehend überflüssig...
      Theoretisch gibt es auch einen Bedarf für "Musikschulen". Das wäre das Gegenstück zum Reisebüro: Man bietet diverse Gesamtpakete an.

      Solange aber nur 2 Individuen (Schüler+Lehrer) zusammenkommen sollen, braucht es keine Musikschule. Mich wundert wirklich, dass es im Internet keine Plattform gibt, auf der (Musik-)Schüler und Lehrer zusammenfinden. Natürlich wird das nicht flächendeckend sein. Airbnb (Privatunterkünfte) hat auf dem platten Land auch mehr oder weniger große Lücken. Ggf. kommt man dann eben zum Schluss: Entfernung zu groß, und/oder Preis zu hoch. Aber es gibt immerhin etwas.

      Das wäre glatt eine Idee für ein Startup.

      Bevor jetzt jemand sagt: Das fördert Dumping-Preise. Blödsinn. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Wenn auf der Plattform mehr Lehrer als Schüler sind, sinken die Preise. Im umgekehrten Fall (mehr Schüler als Lehrer) steigen die Preise. Davon abgesehen wird das Preisniveau auch massiv von den Musikschulen der Umgebung beeinflusst.

      Allerdings wird der Betreiber einer solchen Plattform nicht viel Geld verdienen. So eine Plattform müsste von einer staatlichen Hochschule ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden.


      Thomas
    • Ich hatte tatsächlich schon erwogen, ob ich die beiden Musikhochschulen nicht mal anschreibe, ob sie gewillt wären, für mich quasi einen Aushang am "schwarzen Brett" vorzunehmen bei meiner Suche nach einem Privatlehrer .... bei Privatunterricht - noch dazu, wenn jemand zu mir nach Hause käme - wäre ich mit dem Entgelt auch alles andere als knauserig ....

      Dennoch steht die Frage noch im Raum, wie denn all die fertigen Musiker ohne Anstellung ihren Lebensunterhalt verdienen, wenn sie eben dann nicht unterrichten wollen ? :/
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Liebe Allegro,

      auf Deine Frage, weiss ich auch keine Antwort. Ich gehe weiterhin davon aus, dass ein grosser Teil der Musiker sich (auch) mit Unterricht über Wasser hält.

      In der Schweiz gibt es übrigens ein Platform, um privaten Unterricht zu finden oder anzubieten.
      privatermusikunterricht.ch/
      Dort finden sich Kontaktdaten zu über zweitausend Lehrpersonen. Die Seite wird vom
      SCHWEIZERISCHER MUSIKPÄDAGOGISCHER VERBAND unterhalten.
    • Wie ist das eigentlich mit Übe-räumen? Ich könnte mir vorstellen, das es nicht immer einfach so möglich ist, rumzutröten. :humor1: Also sind Musikschulen durchaus sinnvoll. Ich hab damals meinen ersten Flötenunterricht als Gruppenunterricht bekommen, die Schüler fuhren und nicht der Lehrer. Die Lehrerzeiten sind knapp und kostbar und sollten nicht durch unsinniges rumgurken mit dem Auto verplempert werden.
    • lothar schrieb:

      Wie ist das eigentlich mit Übe-räumen? Ich könnte mir vorstellen, das es nicht immer einfach so möglich ist, rumzutröten.
      Na ja - ob ich alleine für mich übe (wie eh fast täglich) oder 1 x im Monat zusammen mit einem Lehrer ist ja nun kein soooo großer Unterschied .... ganz im Gegenteil: da bekommen die Nachbarn auch endlich mal die Stücke zweistimmig zu hören und nicht immer nur so eintönig nur eine davon :D

      Klar: wenn man bei sich zu Hause Privatunterricht geben will und da mehrere Schüler hat, muss man natürlich schon schauen, wie man da die "Belastung" für die Nachbarn in akzeptablen Grenzen halten kann ....
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés