Operntelegramm Saison 2019/20

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    • Hallo Wolfram! Tut mir leid, aber diesen singspielartigen Biedermeier-Teil finde ich zum Einschlafen. Für mich spannend wird's erst ab dem Auftritt Florestans (ich kenne mehrere, die im Fidelio regelmäßig erst zur Pause erschienen sind, insbesondere dann, wenn Johan Botha der Florestan war). Wobei auch ein paar Stellen vor der Pause, zum Beispiel die große Szene der Leonore ("Abscheulicher,...), schon auch was haben können!
    • Hallo zusammen,

      ich bin am Freitag Abend in charmanter Begleitung im Münchner Nationaltheater gewesen, um auch die (bisher) letzte Neuinszenierung der Staatsoper zu sehen: Judith, ein Bartók-Abend, der der Oper Herzog Blaubarts Burg das Konzert für Orchester voranstellt. Ich konnte mir unter der Regie-Idee der Zusammenführung so unterschiedlicher Stücke lange nichts Rechtes vorstellen.

      Ursache für diese Kopplung ist die Vorstellung der Regisseurin Katie Mitchell, aus der arg symbolistischen Idee der Oper, eine Frau dringe arglos in die Behausung eines offensichtlich gewalttätigen Mannes 'mit Vergangenheit', eine heute plausible Geschichte machen zu müssen. Ich finde das Ergebnis außerordentlich überzeugend, um damit gleich ins Haus zu fallen. Die beiden Stücke werden ohne größere Unterbrechung hintereinander gespielt: so viel Zeit, wie die Dirigentin Oksana Lyniv benötigt, um die eine Partitur auf den Boden zu legen und die andere aufs Dirigentenpult zu legen.

      Das Konzert für Orchester begleitet einen (v.a. in London gedrehten) Film des Regisseur Grant Gee, der in modern-mondänem Ambiente die Vorgeschichte schildert: Judith ist eine Ermittlerin, die einen auf reife Escort-Frauen spezialisierten Verbrecher jagt. Durch das sehr feine, immer eher auf der leisen Seite interpretierte Spiel des Bayerischen Staatsorchesters besteht in meiner Wahrnehmung niemals die Gefahr, dass die Musik zur reinen Filmmusik degradiert wird. Ich hatte erst vor wenigen Wochen das Glück das KfO live vom BR SO zu hören: die Interpretation Lynivs zeichnete sich durch sehr aufmerksame ständige Dämpfung von Klängen nach Crescendi und lauten Stellen aus: ganz faszinierend, sicher auch ungewohnt, aber im Zusammenhang mit der Gesamtdisposition aufmerksamkeitsheischend und sehr überzeugend. Für mich überraschend war außerdem die Tatsache, dass Lyniv die meiste Zeit ohne Dirigentenstab das Orchester modellierte: das Ergebnis kann sich sehr gut hören lassen, wie ich finde.

      Die szenische Fassung der Oper beginnt dann mit dem Eintreffen Judiths in Blaubarts Schloss: die Garage und die Limousine, die man gerade im Film gesehen hat, sind nun Teil des Bühnenbilds: Nina Stemme wird von John Lundgren ins Haus geführt, nun passen alle Dialoge sehr gut zu einer modernen Frauenfigur, die 'mit einer Absicht' sich den Gefahren im Hause Blaubarts aussetzt. Die Bühne wird vom Zuschauerraum gesehen immer weiter nach links gerollt und nach rechts erweitert. Im letzten Raum finden sich dann drei noch lebendige Vorgängeropfer Blaubarts, die von Judith befreit werden.

      Sängerisch und schauspielerisch war ich mit beiden Protagonisten überaus zufrieden, mein Ungarisch ist nicht vorhanden, so dass ich etwaige Defizite nicht erkennen konnte. Musikalisch hat mich die Darstellung des Bayerischen Staatsorchesters unter Oksana Lyniv noch mehr überzeugt als beim Konzert für Orchester: toll war, wie weit die Disposition der Klänge durchs ganze Stück durchgeplant war, erst die allerletzten Ausbrüche in der Oper hatten die Kraft und Aggressivität, die diese Stellen benötigen. Ganz famos!

      In München gibt es noch für alle Aufführungen im Februar und während der Festspiele Karten. Für denjenigen, der nicht anreisen mag, hier kann man sich eine eigene Meinung bilden: operlive.de/
      Ich finde, das kann man sehr gut ansehen .....

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Sadko schrieb:

      Tut mir leid, aber diesen singspielartigen Biedermeier-Teil finde ich zum Einschlafen.
      Lieber Sadko, aber das gehört doch mit zu dieser großartigen Anlage der Oper (trotz aller Kritik empfinde ich das so), diese spießige 'oberirdische' Welt auch entsprechend musikalisch dargestellt wird und es dann langsam und immer stärker in ein Existenzielles hineingleitet.

      Unabhängig davon möchte ich auf nichts in der Welt auf 'Mir ist so wunderbar' verzichten.

      :wink: Wolfram
    • Ich habe mir in Lille eine meiner absoluten Lieblingsopern angeschaut: Bizets Perlenfischer.

      Les Pêcheurs de perles
      Opéra de Georges Bizet (1838-1875)
      Livret de Michel Carré et Eugène Cormon
      Direction musicale Guillaume Tourniaire
      Mise en scène, décor et lumières FC Bergman : Stef Aerts, Marie Vinck, Thomas Verstraeten, Joé Agemans
      Costumes Judith Van Herck
      Assistant mise en scène Tom Goossens
      Chef de chant Benjamin Laurent
      Chef de chœur Yves Parmentier
      Avec

      Leïla Gabrielle Philiponet
      Nadir Marc Laho
      Zurga André Heyboer
      Nourabad Rafal Pawnuk
      Chœur de l’Opéra de Lille Orchestre de Picardie
      Orchestre national en région Hauts-de-France

      Diese Oper, ganz dem exotischen Geschmack des 19h entsprechend, ist heute sicherlich schwierig auf die Bühne zu bringen. Ganz abgesehen von den vokalen Ansprüchen (Tenöre die den Nadir singen können, gibt es nicht überall) sind Dekor und Handlung nicht leicht zu vermitteln.
      Was nun hier daraus gemacht wurde, kann man entweder radikal ablehnen oder besonders gelungen Vielleicht kennen einige von euch den Film über das Altersheim für Sänger in Mailand- Casa Verdi? Man glaubt sich erst einmal in dieser Szenerie, wenn auch deutlich kruder und realistischer. Die Dreh-Bühne zeigt ein Altenheim mit verschiedenen Räumen, Speisesaal, Pflegestation, Leichenhalle (Aufbahrungsraum und Kühlhaus mit den Fächern für die Toten). Ich war zuerstmal geschockt und not amused, diese geliebte Oper, die so selten gespielt wird, derart unästhetisch entstellt zu sehen . Die Sänger sind auf alt und gebrechlich geschminkt und gekleidet und bewegen sich auch entsprechend (tolle schauspielerische Leistungen!) Zurga und Nadir begegnen sich in diesem Altenheim und wollen alte Erinnerungen versöhnen. Leila taucht auch dort auf und wird wie eine alte Opern-Diva von Allen verehrt, während sie im Rollstuhl ihre Arie "O Dieu Brahma" singt. Das ist sehr berührend-siehe Casa Verdi.
      Die eigentliche Opernhandlung spielt sich in der Erinnerung der Protagonisten ab und dazu gibt es einen weiteren Bühnenteil: einen Strand und eine riesige Woge-Welle auf der man die jungen Versionen von Zurga, Nadir und Leila(Schauspieler und später auch die entschminkten und verjüngten Sänger sieht). Die Gebrechlichkeit des Alters (nebst Tod) und die Schönheit, Wagemut und Leidenschaft der Jugend werden anfangs in aller Klarheit als Antipoden gezeigt. Ein reizendes junges Paar tanzt nackt auf der Welle, während der alte Nadir und die alte Leila sich sehr mühsam und detailgetreu in einer Duettszene entkleiden. Ich dachte mir zuerst: nein, das will ich nicht sehen, wie da zwei von oder Maske präparierte Greisenkörper blossgestellt werden. Aber dann kam sofort die Frage: warum will das Publikum nur junge und schöne Paare sehen und die Alten haben sich gefälligst zu enthalten oder zu verstecken?
      Und genau während dieses inneren Konflikts und angesichts ihrer alten jungen Liebe, werden aus den präparierten Alten die echten Sänger- eine relativ junge Leila und ein mittelalter Nadir......angenehm anzuschauen und zu hören.
      Mir hat dieser Ansatz der Regie am Ende in seiner Konsequenz sehr imponiert und die Oper hat es vertragen und hat damit funktioniert. Die Musik war genauso schön, nur noch wehmütiger angesichts der überdeutlichen Vanitas und Vergänglichkeit des Fleisches.
      Es war sehr viel junges Publikum in der ausverkauften Aufführung, U.A. ganze Schulklassen. Diese Inszenierung war natürlich auch ein Kontrapunkt zur Social Media Hochglanz Welt und ich habe mich gefreut, dass so viele junge Frauen und Männer sich das angeschaut haben. und begeistert applaudiert haben
      Zu den Sängern will ich nicht viel sagen. Die Rollen sind äusserst anspruchsvoll und Alle haben sich tapfer geschlagen, wenngleich es keine Weltklasse war. Wir sind ja hier nicht in Wien oder Berlin oder München und (ausser im Barock mit Emmanuelle Haïm) eher Mittelklasse. Mich haben besonders die darstellerischen Leistungen überzeugt und natürlich Bizets wundervolle Musik. Auf Youtube gibt es vielleicht Ausschnitte zu sehen, ich weiss nicht mehr wie das hier mit links etc funktioniert :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Auch ich liebe die "Perlenfischer" (und im Gärtnerplatztheater in München hat es eine sehr gute halbszenische Produktion mit Jennifer O´Loughlin als grandiose Leila gegeben; ich bin aus Wien dafür für zwei Aufführungen nach München gefahren).
      Lille - eine (nicht nur nebenbei) sehenswerte Stadt - ist leider/zum Glück (zum Glück für die Brieftasche) von Wien weit entfernt und daher blicke ich nicht auf den Spielplan. Ganz offensichtlich ist das ein Fehler, den ich für die nächste Saison korrigieren sollte oder auch muss.
    • Wolfram schrieb:

      Lieber Sadko, aber das gehört doch mit zu dieser großartigen Anlage der Oper (trotz aller Kritik empfinde ich das so), diese spießige 'oberirdische' Welt auch entsprechend musikalisch dargestellt wird und es dann langsam und immer stärker in ein Existenzielles hineingleitet.
      Lieber Wolfram! Das ist mir vollkommen klar! Aber ich höre trotzdem lieber nur Musik, die mir gut gefällt - auch wenn die Musik der "spießigen" Welt natürlich einen Kontrast darstellen soll (wie ja auch im Fliegenden Holländer: Senta im Gegensatz zu den anderen spinnenden Mädchen). Aber ich verstehe Deine Meinung gut! (weil auch ich bis vor kurzem genauso argumentiert habe!)

      Für Mitleser: Ab hier hat sich im Fidelio-Thread zu genau dieser Fidelio-Produktion eine Diskussion entwickelt.
    • brunello schrieb:

      Auch ich liebe die "Perlenfischer" (und im Gärtnerplatztheater in München hat es eine sehr gute halbszenische Produktion mit Jennifer O´Loughlin als grandiose Leila gegeben; ich bin aus Wien dafür für zwei Aufführungen nach München gefahren).
      Lille - eine (nicht nur nebenbei) sehenswerte Stadt - ist leider/zum Glück (zum Glück für die Brieftasche) von Wien weit entfernt und daher blicke ich nicht auf den Spielplan. Ganz offensichtlich ist das ein Fehler, den ich für die nächste Saison korrigieren sollte oder auch muss.
      Lieber Brunello, in der Tat lohnt es sich besonders für Liebhaber des Barock, aber nicht nur das: gestern Abend gab es ein sehr beeindruckendes Tanztheater "A quiet evening of dance" von William Forsythe. Im ersten Teil wurden alle Gelenke und Partien des Körpers in verschiedenen Konstellationen (Solo, Duett, Trio und Truppe) mit Vogelgesang oder ganz ohne Musik be-wegt, im zweiten Teil wurde zu Rameau getanzt- eine Mischung aus klassischem Ballett und Breakdance- fantastique! Aber Wien oder München haben allein was die Anzahl und allgemeine Qualität betrifft einfach ein anderes Kaliber zu bieten. Bei uns ist es klein und ab und zu richtig fein, aber oft eben auch nur mässig. Besonders was die grossen Repertoire-Renner angeht. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Do., 20. Feber 2020: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Antonín Dvořák, Rusalka

      Bratislava – das war bis zum Jahr 2018 opernmäßig ein Geheimtipp und fast immer einer Fahrt wert. Von Wien mit dem Zug oder Bus super zu erreichen, sehr billige Opernkarten, spannendes Programm, interessante Produktionen, gute Sänger, gute Nachtverbindung nach Wien, einfach perfekt. Gerne erinnere ich mich an Janáčeks Sache Makropulos, Wolf-Ferraris Schmuck der Madonna, Ravels Spanische Stunde, Puccinis Trittico, Halévys Jüdin, Puccinis Bohème, Szymanowskis König Roger, Suchoňs Krútňava, Cavalleria/Bajazzo etc etc. 2018 gab es allerdings finanzielle Zores und Posten-Umbesetzungen, seitdem ist das Programm dort mit einem Wort ÖDE, ÖDE, ÖDE. Wer eine spannende Spielplangestaltung außerhalb Wiens schätzt, muss derzeit auf Brünn/Brno ausweichen, denn in Bratislava ist das Programm eine halbe Katastrophe. Wurden früher hervorragende Regisseure wie Konwitschny (schon lange kein Provokateur mehr) beschäftigt, fühle ich mich jetzt dort in die szenische Einfallslosigkeit zurückversetzt: Der Tiefpunkt war der Don Carlo, aber die Neuproduktion der Rusalka, deren erste Premiere ich heute miterlebt habe (die zweite Premiere in anderer Besetzung folgt übermorgen), ist keine Trendumkehr.

      Doch das Wichtige sind natürlich die Sänger, und da war ich überwiegend sehr zufrieden: Eva Hornyáková war in der Titelrolle aufgeboten und hinterließ einen guten Eindruck. Es ist ihr überhaupt nichts vorzuwerfen, aber einen „sehr guten“ Eindruck hätte sie dann hinterlassen, wenn ihr Timbre klangvoller, schmalziger wäre: So hat sie alles richtig gemacht und konnte durch innige Gestaltung auch berühren, aber ihr Timbre ist einfach nicht optimal für die Rusalka... nicht ihre Schuld. Positiv überrascht war ich von Peter Berger, um den ich generell einen großen Bogen mache, der sich aber heute deutlich verbessert zeigte: Die Stimme ist eigentlich prachtvoll, ein „kerniger“ Tenor, der attackieren kann, aber mit einigen Unarten (Herausdrücken der hohen Töne aus dem Brustkorb), die sich heute allerdings deutlich weniger ausgeprägt zeigten als bisher. Freilich: Einen Ton in der Schlussszene im Falsett zu singen ist ziemlich peinlich. Hervorragend besetzt war der Wassermann mit Peter Mikuláš, der übrigens bei den Schlussvorhängen eine stärkere Zustimmung als die übrigen Sänger für sich verbuchen durfte: Für den Wassermann passt er optimal: Was für ein toller Sänger! Heute zeigte die herrliche Stimme des seit den 1970er-Jahren an der Oper Bratislava beschäftigten Sängers fast keinerlei Abnützungserscheinungen, und ihr Besitzer bot mit hervorragendem Material und ausgezeichneter Gesangskultur (Pianofähigkeit und super Technik) eine sehr erfreuliche Leistung. So gut wie heute habe ich ihn nur selten gehört, er sollte unbedingt an der Wiener Staatsoper singen. Sein Wassermann ist eindeutig gutmütig, es tut ihm wirklich leid um Rusalka, seine Verfluchungen und Warnungen kommen mehr bemitleidend als zornentbrannt. Eine Luxusbesetzung war Jolana Fogašová, die zeigte, dass man die Fremde Fürstin gleichzeitig schön und bedrohlich singen kann (endlich einmal eine richtige Sängerin in dieser Rolle und keine halb-ausrangierte dramatische [Mezzo-]Sopranistin!). Denisa Hamarová war eine rollendeckende Ježibaba mit eher trockener Stimme (gerne würde ich übermorgen die Alternativbesetzung Jitka Sapara-Fischerová hören, aber nur wegen einer Ježibaba fahr ich nicht nach Bratislava; na gut, Adriana Kohútková als Fremde Fürstin kann man sich auch guten Gewissens anhören). Katarína Flórová als Küchenjunge und Daniel Čapkovič als Heger waren sehr gute Besetzungen, wobei letzterer als auch als Jäger besetzt war und in dieser sehr kurzen Rolle die Stilistik komplett verfehlte, da er sie eher im Stil eines Verdibaritons anlegte. Sehr gut gefallen haben mir die drei Elfen: Lenka Máčiková, Adriana Banásová und Alena Kropáčková. Das Orchester leistete sich nur wenige Patzer (jedenfalls viel weniger als Ende Jänner das Wiener-Staatsopernorchester in der Rusalka) und gefiel mir ziemlich gut (von zwei Hornpatzern abgesehen, aber dass sich zeitweise die Querflöten zu sehr in den Mittelpunkt drängten, könnte auch auf dem Mist des Dirigenten gewachsen sein). Der noch recht junge Dirigent Ondrej Olos ist noch kein Meister seines Faches, dazu sind seine Tempovorstellungen zu ungleichmäßig: zeitweise (insbesondere am Ende des zweiten Aktes) deutlich zu langsam, dann wieder Vollgas bei den Humptata-Stellen... das geht nicht.

      Tja, und zur Inszenierung von Martin Kákoš (Bühnenbild von Milan Ferenčík, Kostüme von Ľudmila Várossová): Soo übel ist sie nicht. Es handelt sich um eine vollkommen „klassische“ Produktion im Disney-Otto-Schenk-Stil, das kann man mögen, muss man aber nicht. Eine psychologische Ausdeutung ist nicht einmal ansatzweise vorhanden, dafür ist das Bühnenbild recht gelungen, von den Holzstäben (wir sagen dazu „Stempfel“, ich kenne den schriftdeutschen Begriff nicht) am Steg des ersten und dritten Aktes abgesehen, an denen der Wassermann öfter als einmal hängen blieb. Der zweite Akt ist eher im 50er-Jahre-Opernregiestil, und das Ende des dritten Aktes ist so kitschig, als es nicht kitschiger sein könnte, aber na ja, man weiß, was man bekommt. Eher ärgerlich sind die Kostüme: Der Wassermann mit wallendem Umhang, Perücke und aufgeklebtem Rauschebart wie eine Mischung aus Dumbledore und Merlin, der Prinz im zweiten Akt wie eine Mischung aus Priester und Matrose, ein extravagantes Kostüm der Ježibaba und sehr ulkige Gewänder der drei Elfen, aber man gewöhnt sich daran. Die Personenführung ist weder einfallsreich, noch störend, zeitweise ist die Bühne zu voll mit Tänzern. Insgesamt trifft die Produktion nicht meinen persönlichen Geschmack, sie ist mir aber lieber als eine missglückte „moderne“.

      Ende um genau 22:22, der 22:38-Zug nach Wien geht sich also nicht aus (aber es gibt noch einen um 23:15, mit dem man am Hauptbahnhof die letzte U1 ohne Rennen kriegt). Tschechische Sprache, deutsche Übertitel. Stark besuchtes Haus.