Offenbach - Barkouf. Oper Köln, Premiere am 12.10.2019

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Offenbach - Barkouf. Oper Köln, Premiere am 12.10.2019

      Seit Beginn seine Komponistenkarriere in Paris war dem ehemaligen Cellisten der Opéra-comique daran gelegen, ebenda mit einem eigenen Werk angenommen zu werden. Nach dem Riesenerfolg von Orphée aux enfers in seinem eigenen Theater, den Bouffes-Parisiennes, dem u.a. die Verleihung der französischen Staatbürgerschaft und die Aufnahme in die Légion d’honneur folgten, beauftragte ihn der neue Direktor der Opéra-comique, wohl in einschlägiger Berechnung auf großen Erfolg, mit einem abendfüllenden Stück für das renommierte Haus, die Nummer Zwei unter den französischen Musiktheatern, und vermittelte der Produktion auch gleich den berühmtesten Librettisten der Zeit, Eugène Scribe. Ausgewählt wurde ein bereits für den Komponisten Louis Clapisson bereitgestelltes, aber nicht vertontes Libretto, das Scribe und sein Mitarbeiter Henri Boisseaux nun für Offenbach (und für den zu der Zeit angesagtesten Star der Opéra-comique, die Sopranistin Delphine Ugalde) neu aufbereiten: Barkouf ou Un chien au pouvoir (Barkouf oder Ein Hund an der Macht).

      Das Sujet - ein Hund wird zum Staatschef - stieß allerdings auf diverse Widerstände: das Thema wird als anstößig empfunden, die Sänger, allen voran Ugalde, begehren auf, schließlich schaltet sich die staatliche Zensur ein ("[das Stück zieht] die souveränen Staatsorgane aller Zeiten und aller Länder immerfort ins Lächerliche" - wo sie recht hat, da hat sie recht, die Zensur!), Proben ziehen sich in die Länge, Madame Ugalde wird passenderweise schwanger, auch andere Sängerumbesetzungen werden nötig, Scribe ist mit Offenbachs Änderungen unzufrieden und muss außerdem den Anforderungen der Zensur gehorchen ... Statt im Herbst 1860 kann die Premiere erst am Heiligabend desselben Jahres stattfinden, das Publikum ist überwiegend angetan (für drei Nummern wird ein encore erklatscht), aber nun setzt seitens der Presse eine regelrechte Mobbingkampagne gegen Offenbach ein: "Schweinerei in drei Akten", "grimassierende Rhythmen und exzentrische Harmonien", "größtmögliche Albernheit und Extravaganz", "etwas Gestörtes im Hirn, [...] ein Wind, der durch Deutschland weht" (Hector Berlioz), usw. usf. Folgeaufführungen werden durch weitere Umbesetzungen wegen Sängererkrankungen verkompliziert - nach acht Aufführungen ist Mitte Januar 1861 bereits Schluss! Interessante Gleichzeitigkeit: Offenbach debütiert, wenige Tage zuvor, auch an der Opéra mit seinem Ballett Papillons - und das mit großem Erfolg; und die Aufregung um Barkouf an der Opéra-comique hat sich noch kaum gelegt, als Le chanson de Fortunio an den Bouffes-Parisiennes einen erneuten Triumph Offenbachs zur Folge hat - beide Werke werden von Publikum bestens angenommen und von der Kritik gelobt!

      Mit Ausnahme einiger separater Nummern und einer Quadrille (Querschnitt) für kleines Orchester wird die Musik niemals verlegt; die Orchesterstimmen und Regieanweisungen verbrennen 1887 beim Großbrand der Salle Favart (Opéra-comique).

      Erst vor einigen Jahren wurde der Großteil der handschriftlichen Partitur in den Archiven der Familie Offenbach gefunden; der Rest fand sich, fälschlicherweise unter dem Titel einer anderen Offenbach-Operette (Vert-vert) archiviert, in einer amerikanischen Bibliothek - zu verdanken ist das dem Offenbach-Fan Jean-Christophe Keck, der auch eine kritische Ausgabe der Werke Offenbachs bei Boosey & Hawkes begonnen hat, wo Barkouf 2016 veröffentlicht werden konnte.

      Die Opéra National du Rhin (Strasbourg - Mulhouse - Colmar) hat das Stück, fast 160 Jahre nach seiner Uraufführung, in Koproduktion mit der Oper der Stadt Köln, wo Offenbach vor gut 200 Jahren geboren wurde) im Dezember 2018 auf die Bühne gebracht; die Kölner Erstaufführung fand im Rahmen des Offenbach-Jahrs gestern statt.

      ***

      (wird fortgesetzt)
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Die Handlung spielt im fernen, exotischen Indien, in der Stadt Lahore (mit anderen Worten: hier und jetzt).

      Das unzufriedene Volk hat zum wiederholten Mal den vom Großmogul eingesetzten Gouverneur aus dem Fenster geworfen. Bababeck, dessen Großwesir, hat es mit Erpressung geschafft, seine schwer zu vermittelnde Tochter Périzade "an den Mann zu bringen": der Vater des Bräutigams steht auf der Liste der Staatsgegner, die beweisenden Dokumente erhält der junge Mann, Saëb mit Namen, nur, wenn er Périzade ehelicht. Bababeck macht sich außerdem Hoffnungen auf den Posten des Gouverneurs, aber der Großmogul setzt, um das Volk zu bestrafen, einen Hund auf den Posten und ordnet an, dass dessen Wünsche alle zu erfüllen seien. Unterdessen hat die Blumenverkäuferin Maïma ihrer Freundin, der Obstverkäuferin Balkis, von ihren verschwundenen Liebsten berichtet: dem jungen Bauern, mit dem sie oft zusammen war und dem Hund, mit dem sie aufgewachsen war und der von Soldaten des Großmoguls entführt wurde. Balkis wiederum hat das Problem, dass ihr Liebster Xaïloum zu den Aufständischen gehört und ebenfalls "auf der Liste" steht, also von Verfolgung und Tod bedroht ist. Tatsächlich wird dieser bald darauf verhaftet. Als der Festzug des neuen Gouverneurs vorbeizieht, erkennt Maïma im Anführer von dessen Leibwache ihren Geliebten Saëb und im neuen Gouverneur ihren geliebten Hund Barkouf.

      Damit Périzade Saëb heiraten kann, ist die Genehmigung des Gouverneurs notwendig - den erforderlichen Pfotenabdruck zu bekommen erweist sich als schwierig, da der neue Herrscher einen recht bissigen Charakter hat. Bababeck, dem Biss soeben noch entgangen, schickt seinen Obereunuchen Kaliboul, der aber wird von dem wilden Tier beinahe zerrissen. Da trifft es sich gut, dass die auftauchende Maïma offenbar problemlos mit dem Hund umgehen kann: Bababeck ernennt sie zur Sekretärin des Gouverneurs und erhält problemlos jenen Pfotenabdruck, mit dem die Ehe zwischen Saëb und Périzade geschlossen wird. Dann trägt er Maïma auf, das Hundegebell in seinem, Bababecks Sinne zu übersetzen und eröffnet dem Volk eine Audienz beim Herrscher. Er hat aber die Rechnung aber ohne die gewitzte Maïma gemacht: statt die vom Volk gewünschten Steuererleichterungen abzulehnen, lässt sie Barkouf die Steuern um die Hälfte senken; statt die Todesstrafe über Xaïloum zu verhängen, lässt sie Barkouf alle Aufständischen begnadigen. Und als sie erkennt, wer da verheiratet werden soll, lässt sie Barkouf die erforderliche Genehmigung verweigern, mit der Périzade bei ihrem Vater ausziehen und zu ihrem Ehemann ziehen darf.

      Bababeck will den neuen Gouverneur so schnell wie möglich wieder loswerden und bereitet mit sechs anderen Männern und seiner Tochter eine Verschwörung vor; Xaïloum wird heimlicher Zeuge des Verschwörungsplans, nach dem feindliche Tataren in die Stadt eingelassen werden sollen und bei einem Gastmahl des Gouverneurs diesem vergifteter Wein serviert werden soll. Saëb kann unterdessen die aufgebrachte Maïma über die Umstände seiner Zwangsheirat aufklären. Beim Festmahl lässt sie Barkouf befehlen, dass Bababeck und die anderen Verschwörer den köstlichen Wein mit ihm teilen mögen, so dass sie gezwungen sind, sich selbst zu entlarven. Als die Tataren angreifen, zieht Barkouf an der Spitze des Volkes in den Kampf. Périzade muss, um den Kopf ihres Vaters zu retten, auf die Hochzeit verzichten. Der Großmogul taucht wieder auf, erstaunt, dass das Volk den neuen Gouverneur über alle Maßen verehrt; da kommt die Meldung, dass Barkouf im heldenhaften Kampf gegen die Tataren gefallen ist. Der Großmogul ernennt Saëb zum neuen Gouverneur, dem schließlich alle zujubeln.

      1 Die Zensur hatte verboten, dass da ein "König" agiere; in Folge verwendet das Libretto umstandslos verschiedene Bezeichnungen: Gouverneur, Kaimakan, Vizekönig.

      Soweit, so konfus. Nicht das geringste Problem des Librettos ist, dass große Teile der Handlung als "Mauerschau" stattfinden, also jenseits der Bühne stattfindet und von den dort befindlichen Protagonisten nur berichtet wird. Und auch der Hund tritt nicht in Erscheinung. Regisseurin Mariame Clément löst das Problem im ersten Akt noch etwas halbherzig, indem sie Maïma und Balkis fernsehen und die dort berichteten Geschehnisse kommentieren lässt. (Die Dialoge wurden für die Straßburger/Mülhausener und die Kölner Aufführungen jeweils neu gefasst; in Köln wird deutsch gesprochen und französisch gesungen.) In Akt zwei und drei steht Barkouf allerdings im Zentrum der Bühne, nur, dass er seine Hundehütte nicht verlässt - ein gut funktionierender Einfall. Spielen lässt Clément das Ganze in einer namenlosen Diktatur mit Einheitsklamotten, bunten Fähnchen etc., also irgendwie doch nicht "hier und jetzt" - das beraubt das Stück erheblich seines subversiven Charakters; passend dazu stülpen sich die Verschwörer Masken bekannter Diktatoren oder "Populisten" über (ich habe Trump, Putin, Xi, Johnson, Erdoğan und Assad erkannt), alles Staatsmänner, über deren schlechten Ruf sich die öffentliche Meinung hierzulande (wie in Frankreich) weitgehend einig ist. Das war billig zu haben - im Offenbach'schen Sinne hätten da ja wohl eher deutsche Spitzenpolitiker hingehört! (im Elsass war das wohl auch der Fall, zumindest Macron war dabei). In dieser Hinsicht bleibt die Regie weit hinter den Möglichkeiten des Stückes zurück.

      Ansonsten aber funktioniert die Inszenierung prima, ist, vor allem ab dem zweiten Akt temporeich und witzig. Da hilft das Bühnenbild von Julia Hansen (auch Kostüme): im ersten Akt die Enge des autoritären Regimes zwischen Holzwänden abbildend, mit dem Bild des Obermoguls in der Mitte (bei dessen Auftritt verwandelt es sich übergangslos in ein Pariser Cabaret - gelungener Gag!); in Akt zwei und drei sind die umgebenden Holzwände durch bühnenhohe, überfüllte Aktenregale (die "Listen"!) eingetauscht - je mehr Barkouf dem Volkswillen entspricht, desto mehr fliegen die Akten aus den überbordenden Regalen, was einen netten running gag abgibt, wenn Bababeck und Kaliboul vergeblich versuch, sie wieder an ihren Platz zu stopfen. Die niedliche Hundehütte des zweiten Aktes wächst im dritten zum beherrschenden Bühneninventar an; sie ziert überdies der Wahlspruch "Liberté, Égalité, Leckerlí". Und gegen Ende betritt Barkouf dann doch noch leibhaftig die Bühne, irgendwie jedenfalls ...

      Am Ende stehen Saëb und Maïma im Kostüm des französischen Kaiserpaares des Jahres 1860 in der Mitte - da konnte sich Clément wohl nicht von der Zeitverhaftung des Stückes lösen. Ein nettes und witziges Schlussbild immerhin.

      ***

      Das interessanteste an dieser Ausgrabung ist aber zweifelsohne Offenbachs Musik!

      (wird fortgesetzt)
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Der Hund kam aber doch

      Hallo,
      ich fand die Premiere auch sehr gelungen, war extra aus dem weit entfernten Hannover angereist. Sehr lustig fand ich es, dass Barkouf am Ende doch noch kam und nicht mehr von der Bühne wollte. Großes Lob auch für die Sängerinnen und Sänger. Dieser Barkouf sollte keine Eintagsfliege bleiben!!!!
      Schöne Grüße
      wegan
    • Offenbachs Musik für Barkouf ist vielseitiger und abwechslungsreicher als für irgendein anderes Stück, das ich von ihm kenne (die Contes d'Hoffmann allenfalls ausgenommen). Zwar kommt sein Stil der Opéra-bouffe (die "Offenbachiade") immer wieder zum Vorschein, aber kaum einmal für eine ganze Nummer, immer nur abschnittsweise. Häufig schlägt die Musik einen "ernsteren" Ton an, auch wenn sie den immer wieder konterkariert - man schreibt ja für die Opéra-comique! Die verdient 1860 ihren Namen zwar kaum noch (worüber Offenbach sich öffentlich beklagt: "Die Opéra-comique ist zu einem Bastard-Genre geworden, einer falsch verstandenen Großen Oper"), laufen hier doch Werke von Auber oder Boieldieu, oder zuletzt Meyerbeers "Étoile du Nord", aber auf den Stil will Offenbach offenbar Rücksicht nehmen; dabei schießt der Verfechter "einfacher Harmonien" gelegentlich übers Ziel hinaus, indem es ganz ungewöhnliche harmonische Wendungen gibt, bis hin zu einer Art Polytonalität. Noch einmal Hector Berlioz: "Was soll das, hat der Komponist den Verstand verloren? [...] Von welchem Messias ist der Komponist von Barkouf der Johannes der Täufer? [...] Was sind das für Harmonien, die nicht zum Gesang passen? [...] Was soll dieses wildgewordene Pedal, das die mit der Mollsexte verzierte Dominante gibt und die Molltonart anzeigt, während der Rest des Orchesters in Dur spielt?" Die letzte Bemerkung spielt wohl auf das Entr'acte zum dritten Akt an, wo unter einem walzer in E-dur im Bass eine Art Bordun auf "h" zu hören ist (so kommt Berlioz wohl auf "Dominante"), die aber immer wieder zum "c" hochpendelt ("Mollsexte") - ein eher grotesker als komischer Effekt, der bald darauf während des dritten Aktes wiederkehrt (leider habe ich mir die Stelle nicht merken können - die Verschwörerszene?). (Was hat Berlioz eigentlich ein paar Monate später zu Wagners Venusbergmusik gesagt?) Darüberhinaus sind die Ensembles - für Offenbach - zum Teil ungewöhnlich lang, so etwa das zweite Finale, das fast die Hälfte des Aktes ausmacht, oder die Verschwörer-Szene.

      Und es sind einfach großartige Sachen dabei! Das Zwischenspiel zum dritten Akt wurde schon genannt; herausragend komisch das Quartett zu Beginn des zweiten Aktes: Bababeck und Périzade versuchen, den schon ziemlich zerzausten Kaliboul wieder zum Gouverneur zu schicken, der wehrt sich nach Kräften, derweil Saëb über die erzwingene Heirat klagt - aber irgendwie doch sehr anders komisch als vergleichbare Nummern etwa aus Orphée aux enfers. Ein Belcanto-Wunder das Duett Maïma/Balkis im ersten Akt, wo die beiden Frauenstimmen in Englage miteinander verschmelzen, wie das auch ein Bellini nicht besser gekonnt hätte. Alles in allem: ein musikalisch abwechslungsreiches, oft höchst originelles Stück, das keinen Moment langweilig oder gar eintönig wird (Spieldauer in Köln: drei Stunden inkl. einer Pause).

      Und mit der musikalischen Ausführung kann man auch sehr zufrieden sein! Stefan Soltesz dirigiert das gut aufgelegte Gürzenich-Orchester mit großer Genauigkeit, wenn er es auch hie und da etwas an Biss und Verve fehlen lässt (kein Vergleich zu seiner Ruinierung von Offenbachs "Blaubart" vor einem Jahr an der Komischen Oper Berlin). Auch der viel geforderte Chor der Oper Köln bestens aufgelegt, dazu acht spielfreudige und wunderbar singende Solisten: Matthias Klink als Bababeck kommt als irgendwas zwischen Louis de Funès und René Goscinnys hinterhältigem Comic-Großwesir Isnogud, ohne das Rad dauernd zu überdrehen (köstlich, wie er unter Maïmas Gesang an Barkouf selber hündisch zu werden beginnt) und singt die zum Teil frickelige Partie ohne Fehl und Tadel. Susanne Elmark bewältigt perfekt die teilweise höllische Partie der Maïma (zur Erinnerung: ursprünglich für den Star der Opéra-comique geschrieben). Bestleitungen auch von Martin Koch (Kaliboul), Judith Thielsen (Balkis), Bjarni Thor Kristinsson (Großmogul) und Kathrin Zukowski (Périzade). Wenn die beiden ténors légers ein wenig abfallen, dann nur in Bezug auf das Stimmvolumen, das für das Staatenhaus soeben noch ausreicht. Singt schon Sunnyboy Dladla (Xaïloum) sehr klangschön, so bricht erst recht Patrick Kabongo (Saëb) die Herzen aller Melomanen mit völlig mühelosen Kantilenen auf langen Atem bis in die höchsten Register (ich habe kein absolutes Gehör, glaube aber, das die Partie über das c" hinausgeht). Kabongo sieht übrigens im Schlussbild mit Kostüm und Frisur von Napoleon III. so was von sch***e aus - das ist schon wieder klasse! Standing ovations mit Fußgetrampel.

      Ach ja: wie der Darsteller des Barkouf heißt, verrät der Besetzungszettel nicht - aber er sorgte (s.o.) für die größten Lacher (nicht zuletzt bei Matthias Klink und Martin Koch, die kaum weitersingen konnten) ...

      Aufführungen noch bis 3. November. Allen Offenbach-Fans wärmstens ans Herz zu legen. Die anderen könnten hier welche werden!

      Quellen:
      - Programmheft der Oper Köln (u.a. Beiträge von J.-C. Keck und M. Clément)
      - Webseite der Offenbach Edition Keck
      - Rezension der Straßburger Premiere von Dieter David Scholz
      - weitere Rezensionen zur Straßburger Premiere
      - Wikipedia-Artikel (.de und .fr) zu Offenbach und Barkouf
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Quasimodo schrieb:

      Ach ja: wie der Darsteller des Barkouf heißt, verrät der Besetzungszettel nicht [...].
      Ja, das hätte auch mich sehr interessiert! :D

      Falls es bei weiteren Aufführungen zu Besetzungsproblemen kommen sollte, könnte mein Bilbo evt. aushelfen. Gouverneur kann er sicher gut und Theatererfahrung hat er auch.

      Vielen Dank für die höchst informativen Ausführungen zu einer mir bislang noch gänzlich unbekannten Oper! :)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Quasimodo schrieb:

      Bind' ihm mal ein Krönchen auf den Kopf und guck, wie er damit zurecht kommt!
      Mach ich. ^^

      Vielleicht kommt die Oper ja auch mal in meine Nähe (Region Rhein-Neckar), dann frage ich an der Kasse: "Haben Sie auch Opern mit Hunden?" Vielleicht ist das Ding ja auch an kleineren Bühnen (Heidelberg?) realisierbar? Zu lohnen scheint es sich ja ganz offensichtlich nach dem, was Du berichtest?!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Heute nochmal gesehen (die gleiche Besetzung); alles in allem wieder sehr erfreulich.

      Die Produktion kommt schleppend in Gang: die Eingangsnummer ist schon Offenbach einfach zu konventionell geraten, und der Regie gelingt es nicht, das auszugleichen; danach das "Mauerschau"-Problem. Im zweiten Akt geht es dann richtig los, gelingt heute abend auch dem Dirigenten besser!

      Die Ensembles sind durch die Bank großartig komponiert. (Berlioz hat auf seinen Ohren gesessen oder war einfach nur gelb vor Neid.) Die oben erwähnte skurill-komische Musik des Entr'acte vor dem 3. Akt kommt im Verlauf des 3. Aktes in der Bankettszene wieder, steht also wohl für Barkouf als skurrilen Herrscher.

      Im 3. Akt hat sich das Volk der uniformierten Kleidung entledigt, kommt in Alltagsklamotten auf die Bühne und hat die Macht selbst in die Hand genommen (Maima als seine Vertreterin ist ja Barkoufs "Dolmetscherin"); es zieht auch selbst in den Krieg, und - wie konnte mir das bei der Premiere entgehen: kurz vor dem Schlußbild stellt es Delacroix' berühmtes Revolutionsbild nach! Nur dass die Flagge keine Tricolore, sondern weiß ist, und ihre Trägerin züchtig ihren Busen verhüllt hat (sonst hätt' ich's bestimmt schon vorher erkannt ...). Und dann lacht sich dieses Volk zum Lohn den zweiten Kaiser samt Kaiserin an. - Dürfte für ein deutsches Publikum nicht so ohne weiteres verständlich sein.

      So oder so: die Regie bleibt im Großen wie im Detail zu zahm; ich würde ihr zugute halten, dass es ja quasi eine Erstaufführung war.

      Barkoufs Auftritt diesmal ohne Fehl und Tadel!

      Letzte Vorstellung am 3. November. Wer weiß, wann das mal wieder zu hören sein wird!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur