BBC Music Magazine: Die 50 größten Komponisten

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    • Tichy1988 schrieb:

      Aber der deutschsprachige Raum war doch ebenso Teil der Umfrage? Und wenn Deutschland momentan nur noch eine Hand voll (auch international) bedeutender Komponisten hat, verschiebt sich natürlich die Gewichtung, z.B. Richtung UK oder USA. Keine Ahnung, wen gibt's denn hier noch neben Rihm und Widmann, Haas und Lachenmann?
      Jetzt verstehe ich Dein Posting von oben - mir war gar nicht bewusst, dass man überhaupt auf die Idee kommen könnte, dass England momentan mehr bedeutende Komponisten haben könnte als Deutschland.
      :D
      Das liegt daran, dass Deutschland das Paradies für Neue Musik (oder von mir aus "Avantgarde") ist, und deshalb auch viele Komponisten, die von woanders stammen, sich in Deutschland niederlassen. So hat der Amerikaner Jay Schwartz davon geschwärmt, was in Deutschland möglich ist im Gegensatz zu Amerika, das offenbar wesentlich kommerzorientierter ist und keine so breite Neue-Musik-Szene haben dürfte wie Deutschland. Und in Wien dürfte es mit wien modern überhaupt das umfangreichste Festval für Neue Musik weltweit geben. Kommt man aus diesem Raum, sieht man als wichtige englische Komponisten neben den Alten wie Birtwistle sofort vor allem Saunders - die eben in Deutschland wirkt - und nicht Knussen, den hat man schon etwas vergessen hierzulande, scheint mir.

      Somit ist die Liste also stark die britische Sicht präsentierend, weil man zu viele britische Komponisten gefragt hat. Mich würde die Verteilung interessieren.

      (Zur Liste der besten Filme des 21. Jh. gab es die Angabe, wieviele Briten, wieviele Franzosen etc. abgestimmt haben, zudem war jedes Voting komplett wiedergegeben. Ich habe dann im Ergebnis korrigierend eingegriffen und britische und amerikanische Votings mit dem Faktor 1/5 multipliziert, um eine international weniger verzerrende Streuung zu bekommen. Lynch und Wong Kar Wai blieben trotzdem auf den beiden führenden Plätzen.)
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    • Noch als Antwort auf die Frage nach wichtigen lebenden Komponisten aus dem deutschsprachigen Raum:

      *1926 Friedrich Cerha
      *1935 Helmut Lachenmann
      *1936 Aribert Reimann
      *1939 Heinz Holliger
      *1939 Nicolaus A. Huber
      *1949 Udo Zimmermann
      *1952 Wolfgang Rihm
      *1953 Hans-Jürgen von Bose
      *1954 Beat Furrer
      *1956 Klaus K. Hübler
      *1957 Hans Zimmer (lebt in USA)
      *1957 Bernhard Lang
      *1969 Olga Neuwirth
      *1969 Enno Poppe
      *1971 Matthias Pintscher
      *1973 Jörg Widmann

      und solche, die dort leben:

      *1931 Sofia Gubaidulina (Russin)
      *1935 Arvo Pärt (Este)
      *1953 Adriana Hölszky
      *1953 Violeta Dinescu (Rumänin)
      *1956 Manuel Hidalgo (Andalusier)
      *1961 Unsuk Chin (Koreanerin)
      *1964 Mark André (Franzose)
      *1967 Rebecca Saunders (Britin)

      Kann man natürlich endlos erweitern, wenn einem langweilig ist. (Bose und Hübler scheinen mir im Musikleben keine Stars mehr zu sein, belegen aber viel Platz in - nicht nur deutschen - Lexika.)
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    • Ich weiß, aber der CD-Markt spuckt Werke ca. 1980-90 aus, in Wien habe ich live eine Oper von ca. 1990 gehört, wenn ich das korrekt erinnere, und das ca. 2000. Seither scheint seine Karriere schon stark geknickt zu sein, nicht erst seit diesen Vorwürfen.

      Man könnte freilich in der Liste Bose und Hübler kübeln und andere, heute prominentere nehmen. Jedenfalls gibt es genug Komponisten im deutschsprachigen Raum.
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    • putto schrieb:

      Ich weiß, aber der CD-Markt spuckt Werke ca. 1980-90 aus, in Wien habe ich live eine Oper von ca. 1990 gehört, wenn ich das korrekt erinnere, und das ca. 2000. Seither scheint seine Karriere schon stark geknickt zu sein, nicht erst seit diesen Vorwürfen.

      Er scheint in den 2000er Jahren gesundheitliche Probleme gehabt zu haben - zumindest war er für eine gewisse Zeit Frühpensionär und ist dann offensichtlich an die Musikhochschule zurückgekehrt.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Interessant - der Münchner Hübler hatte nämlich auch nach als sehr wichtig wahrgenommenen Anfängen gesundheitliche Probleme, komponiert zwar wieder und findet sich auch ab und zu auf österreichischen Programmen (also im Ausland), die Karriere scheint aber nicht wieder in Fahrt gekommen zu sein.
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    • Ich sehe gerade: Hübler ist 2018 verstorben.
      Orientiert man sich mehr an aktuelleren Aufführungen, kämen statt Bose und Hübler folgende 2 in Frage:

      *1949 Manfred Trojahn
      *1974 Johannes Maria Staud
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    • Und noch ein Link zu der CD-Reihe des deutschen Musikrats mit 106 aktuellen Komponisten aus Deutschland:
      zeitgenoessische-musik.de/foer…oessische-musik/alle-cds/
      (Ich habe von ca. 1/3 davon schon Werke gehört, manche auch auf CD.)
      Würde man diese Mannschaft befragen, käme sicher ein anderes Ergebnis raus.
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    • Land ohne Musik, das 200 Jahre von Importen wie Händel, Haydn, clementi, Mendelssohn gelebt hat. Und seit Purcell vergeblich auf den nächsten großen Komponisten gewartet hat.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • putto schrieb:

      *1926 Friedrich Cerha
      *1935 Helmut Lachenmann
      *1936 Aribert Reimann
      *1939 Heinz Holliger
      *1939 Nicolaus A. Huber
      *1949 Udo Zimmermann
      *1952 Wolfgang Rihm
      *1953 Hans-Jürgen von Bose
      *1954 Beat Furrer
      *1956 Klaus K. Hübler
      *1957 Hans Zimmer (lebt in USA)
      *1957 Bernhard Lang
      *1969 Olga Neuwirth
      *1969 Enno Poppe
      *1971 Matthias Pintscher
      *1973 Jörg Widmann
      Johannes Kaltzke fehlt mir.
      In der BBC-Liste fehlen mir vor allem Luigi Nono, aber u.a. auch Jean Barraque, Franco Evangelisti, Luigi Dallapiccola, Charles Wuorinen, Emmanuel Nunes, Goffredo Petrassi, Egon Wellesz, Fartein Valen, Ernst Krenek, Alexander Zemlinsky, Friedrich Cerha, ... dafür verzichte ich auf Glass, Britten, Saariaho, Messiaen, R.Strauss, Knussen, Reich.... => mehr als 50....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Kater Murr schrieb:

      Land ohne Musik, das 200 Jahre von Importen wie Händel, Haydn, clementi, Mendelssohn gelebt hat. Und seit Purcell vergeblich auf den nächsten großen Komponisten gewartet hat.
      Händel würde ich den Briten ja gönnen, wenn auch nicht dort geboren, dann doch wohl völlig "eingemeindet" (vgl. Begräbnis in Westminster Abbey)
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Neu

      Tichy schrieb:

      Im Übrigen glaube ich, dass es ohnehin vielleicht so 1000 Leute weltweit gibt, die auch aktiv Spaß daran haben, freiwillig derartigen Komponisten (zudem gewinnbringend) zu lauschen.
      Unsinn, es gibt sicher in Wien schon mehr als 1000 davon.
      Ein gefühltes Drittel davon ist wahrscheinlich Teil dieses Forums, ein anderer Teil gehört zu Musikwissenschaftlern.
      Auch das ist nicht so, es gibt viele "Fans", die Stammgäste der namhaften Ensembles sind, andere mussten sich früher übers Radio ernähren und Aufnahmen kaufen (heute geht es ja wohl einfacher dank Internet).
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    • Neu

      Tichy schrieb:

      Im Übrigen glaube ich, dass es ohnehin vielleicht so 1000 Leute weltweit gibt, die auch aktiv Spaß daran haben, freiwillig derartigen Komponisten (zudem gewinnbringend) zu lauschen.
      zumindest für populärere Werke dieser Art ist das leicht zu widerlegen:

      Steve Reich. Music for 18 musicians

      über 11 000 Likes auf yt:

      youtube.com/watch?v=ZXJWO2FQ16c
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Neu

      zabki schrieb:

      Steve Reich. Music for 18 musicians
      Steve Reich gehört aber eben nicht zur (west-)europäischen Linie.
      „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams
    • Neu

      Kater Murr schrieb:

      Land ohne Musik, das 200 Jahre von Importen wie Händel, Haydn, clementi, Mendelssohn gelebt hat. Und seit Purcell vergeblich auf den nächsten großen Komponisten gewartet hat.

      Dieses "Land ohne Musik" hat nach Purcell durchaus große Komponisten hervorgebracht - die heißen allerdings Lennon, McCartney, Bowie, Marr etc. und sind halt nicht im Bereich der klassischen Musik, sondern der Populärmusik tätig bzw. tätig gewesen.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Neu

      Tichy schrieb:

      Steve Reich gehört aber eben nicht zur (west-)europäischen Linie.
      Selbst für Stockhausens "Oktophonie" zeigt YT über 4000 Likes an.

      Und putto hat bestimmt Recht: Schon in Wien gibt es sicher mehr als 1000 Leute, die sich aktuelle oder etwas ältere "europäische Avantgarde" freiwillig anhören und bereit sind, dafür Eintrittsgelder zu zahlen. Auch in München sind es oft mehr als 1000 Besucher in musica-viva-Konzerten mit Werken von z.B. Enno Poppe oder Olga Neuwirth, dito bei der Ensemble-Modern-Reihe in der Frankfurter Alten Oper mit einem hohen Anteil zeitgenössischer Musik. Und das sind nur einzelne Städte, hochgerechnet kommt man allein in Österreich und Deutschland (zusammen) bestimmt auf eine niedrige fünfstellige Anzahl.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Neu

      Leute, was erwartet Ihr? Befragungen sagen was über die Befragten aus, nicht über den Gegenstand der Befragung. Ist hier im Forum nicht anders. Die Befragten halten halt die "fehlenden" Komponisten für nicht relevant (bzw. für weniger relevant als die genannten) - unabhängig von einer tatsächlich existierenden oder fehlenden Relevanz und deren Ausmaß. Das Sammeln subjektiver Meinungsäußerungen erzeugt keine Objektivität, sondern allenfalls gemittelte Subjektivität. Wenn das anders wäre, würde das mittwöchliche Politbarometer der ARD etwas darüber aussagen, wer objektiv die bessere Politik macht... :grins3:
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)