Karl Weigl (1881-1949)

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    • Karl Weigl (1881-1949)

      Es scheint jetzt auch eine kleine Karl Weigl Renaissance zu geben, jedenfalls sind in den letzten Wochen einige CDs mit Neuaufnahmen bisher unbekannter Werke erschienen. Deshalb erscheint es sinnvoll, dem Komponisten einen eigenen thread zu widmen.

      Karl Weigl (1881-1949) war ein weiterer österreichischer Komponist, dessen Karriere durch die politischen Wirren des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst um nicht zu sagen beschädigt wurde. Der Komponist aus dem Umfeld von Mahler und Schönberg, der auch einige Jahre Assistent von Mahler war, musste als sozialistischer Jude 1938 aus dem "angeschlossenen" Österreich fliehen und überlebte in den USA, wo er sich eine bescheidene Existenz als Professor aufbauen konnte, die dann aber durch ein Tumorleiden 1949 beendet wurde.

      Er schrieb u.a. 6 Symphonien, die von Dirigenten wie Furtwängler uraufgeführt wurden sowie 8 Streichquartette.

      Weigl's Tonsprache ist unüberhörbar durch Gustav Mahler geprägt, ohne dass sie deshalb epigonal wirken würde. Trotz seiner Freundschaft zu Arnold Schönberg blieb ihm dessen Weiterentwicklung der Tonsprache fremd; bis zu seinen letzen Werken, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden, blieb er der Tonalität treu.

      Die letzten beiden Symphonien gab es bereits in Einspielungen des schwedisch BIS-Labels, inzwischen hat Capriccio aber offensichtlich eine GA der 6 Symphonien plus weiterer Werke im Portfolio.








      Auch bei den Streichquartetten gibt es Zuwachs zu vermelden, bisher lagen die Quartette 1, 3 und 5 in Aufnahmen des Artis Quartett, eine weitere des 5. mit einem amerikanischen Quartett vor, jetzt beginnt cpo anscheinend (Vol. 1) mit einer Einspielung aller oder zumindest der fehlenden Quartette.


    • Meine Karl-Weigl-Erfahrung beschränkt sich auf den 27. Jänner 2019, als ich im Linzer Brucknerhaus der Europäischen Erstaufführung seiner 5. Symphonie beiwohnte.

      Und was soll ich sagen: Trotz dem imposanten Namen "Apokalypse" ein belangloser Schmarrn, ein paar Minuten nach Konzertende ist mir davon nichts in Erinnerung geblieben. Das Beste ist noch der Anfangsgag, nämlich der Beginn unmittelbar aus dem Einstimmen des Orchesters. Das war's aber wieder, den Rest kann man kübeln.

      Nicht jeder verfolgte Komponist ist auch ein guter Komponist. Obwohl ich mir sagen habe lassen (von jemandem, der es wissen muss), dass Weigls Kammermusik besser als seine Orchesterwerke ist. Vielleicht geb ich dem Weigl also noch irgendwann eine Chance.

      Dafür hab ich am 23. September 2016 ein paar Kammermusikwerke von Weigls Schülerin und späterer Frau Vally Weigl gehört. Kann mich aber nicht mehr erinnern, außer dass die (ebenfalls in diesem Konzert gespielte) Cellosonate von Henriëtte Bosmans wirklich gut war.
    • Wieland schrieb:

      wo er sich eine bescheidene Existenz als Professor aufbauen konnte
      Wenn man mal im Uni-Betrieb gearbeitet hat oder noch arbeitet, hat dieser Halbsatz schon eine gewisse unfreiwillige Komik...
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Wenn man mal im Uni-Betrieb gearbeitet hat oder noch arbeitet, hat dieser Halbsatz schon eine gewisse unfreiwillige Komik...
      Na ich glaube, wir dürfen die Situation eines zwangsemigrierten Hochschullehrers an einer amerikanischen Universität nach Kriegsende nicht mit der heutigen eines deutschen Universitätsprofessors vergleichen.