Bei welchen Komponisten kann/sollte man mit der ersten Sinfonie anfangen?

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    • Bei welchen Komponisten kann/sollte man mit der ersten Sinfonie anfangen?

      Neulich fragte einer, was gegen Mahlers Neunte spricht. Die Antwort ist einfach: Die ersten acht.

      Bei Beethoven ginge das nicht. Bei Bruckner auch nicht. Am Anfangsbuchstaben des Komponisten kann es nicht liegen: Dvorak geht auch nicht.


      Gibt es außer Mahler überhaupt noch einen Komponisten, bei dem man einem Neuling guten Gewissens raten kann, einfach mit der ersten anzufangen?

      Alternativ gefragt: Habt ihr bei irgendeinem Komponisten tatsächlich mal mit seiner ersten Sinfonie angefangen?


      Bei mir war es in der Tat nur bei Mahler, und ich bereue es nicht. Bei Schumann wäre es wohl auch gegangen. Aber sonst? Brahms vielleicht? Da kenne ich noch nicht alle Sinfonien. Bei Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn Bartholdy, Bruckner, Dvorak ist es jedenfalls wenig ratsam. Andere Meinungen?


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Habt ihr bei irgendeinem Komponisten tatsächlich mal mit seiner ersten Sinfonie angefangen?
      Beethoven. Schubert. Schumann. Franck. Bizet. Brahms. Vaughan Williams. Elgar. Walton. Honegger. Prokofiev. Langgaard. Tubin. Hartmann. Henze. Simpson. Schnittke. Bernstein. Blitzstein.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • Also bei Beethoven, Brahms, Schumann, Tschaikowsky, Sibelius, Mahler, Schostakowitsch hätte ich überhaupt kein Problem, mit der ersten Sinfonie anzufangen. Bei Bruckner wäre es auch keine grobe Verzerrrung. Bei Schubert, Prokofiev oder Mendelssohn macht man auch nichts kaputt, wenn man das macht.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Da die Komponisten selbst es meist vorzogen. mit der ersten SInfonie zu beginnen - Ausnahme: Bruckner ;) - sehe ich kein trfitiges Argument, ihnen darin nicht nachzufolgen ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • So ganz versteh ich die Sinnhaftigkeit der Frage nicht, lieber Thomas!
      Ich habe keine Reihenfolge, in der ich Symphonien "abarbeite", weil ich mich in erster Linie danach richte, was in meiner Nähe live gespielt wird, und in zweiter Linie danach, welche Aufnahmen ich möglichst leicht hören kann. Zu einem kleinen Teil spielen auch persönliche Empfehlungen von Freunden eine Rolle. Letzlich ist doch egal, ob man die IX. Mahler vor der I. Mahler kennenlernt oder umgekehrt... finde ich.
    • Palisander schrieb:

      Das ist doch eigentlich wurscht, wo Du anfängst.
      Finde ich auch. Mir fällt kein Komponist ein, bei dem ich strikt chronologisch vorgegangen bin. Die meisten Sinfonien habe ich sowieso im Konzertsaal erstmals gehört und da habe ich natürlich nicht darauf gewartet, bis endlich einmal Nr. 1 angesetzt wurde. Dann hätte ich Tschaikowsky ja immer noch nicht gehört. ^^

      Im Opernbereich übrigens genauso. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, Die Feen, Guntram oder Oberto zunächst einmal hören zu wollen. Auch da habe ich immer nach dem Motto 'Hinein ins volle Leben' gehandelt. Was erreichbar war, was als LP erschwinglich und vorhanden war, was in der Oper gerade gegeben wurde, das habe ich gehört. Nur bei Beethoven habe ich da eine Ausnahme gemacht. :D

      :wink: Wolfram
    • Kann es sein, dass ihr euch nicht in andere Leute hineinversetzen könnt?

      Natürlich könnt ihr morgen Abend mit Gewinn Beethovens erste anstelle der sechsten hören. Oder Schuberts erste. Kann ich auch. Aber ihr werdet doch nicht allen Ernstes einem Schubert-Einsteiger zu dessen erster raten? In den USA würdet ihr euch dadurch schadenersatzpflichtig machen, nur so als Hinweis.

      Mann kann es natürlich auch wieder wissenschaftlich angehen, d.h. einfach die Daten auswerten:
      Bei den meisten "klassischen" Komponisten werden die späteren Sinfonien öfter gespielt als die früheren. Außer bei Mahler. Evtl. noch Schumann. Und noch bei ein paar anderen, deren erste ich nicht kenne, wie Brahms, Tschaikowski, Sibelius, Schostakowitsch, etc.

      Beethoven und Schubert gehören da aber ganz sicher nicht dazu. Oder hat hier tatsächlich jemand bei Beethoven mit der ersten angefangen? Gesamtaufnahmen zählen da natürlich nicht, logisch dass man da von vorne anfängt.


      Man könnte jetzt fragen, warum eher bei den jüngeren Komponisten schon die erste voll auf der Höhe ist. Weil sie das Vergangene intensiv studiert haben und daher mit großem Respekt an die Sache herangegangen sind?

      Schumann hatte bereits wichtige Klavierstücke geschrieben, als er sich an die erste Sinfonie machte. Mahler war schon mit 20 Kapellmeister, die erste Sinfonie kam erst 8 Jahre später. Haydn dagegen komponierte seine erste Sinfonie zeitgleich mit seiner ersten Anstellung. Mozart fing schon als Kind an. Schubert mit 16, Mendelssohn Bartholdy mit 15. Logisch, dass da noch Besseres nachkommt.


      Meine Erklärung wäre also: Die Ehrfurcht vor den "Alten" wuchs von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Das Wissen über das Bestehende ebenfalls. Daher wurden die Erstlingswerke immer besser. Zumindest in einer "Königsdisziplin" wie der Sinfonie.



      Thomas
    • Kater Murr schrieb:

      Also bei Beethoven, Brahms, Schumann, Tschaikowsky, Sibelius, Mahler, Schostakowitsch hätte ich überhaupt kein Problem, mit der ersten Sinfonie anzufangen.
      Und mit was hast du bei Beethoven angefangen? Nicht mit der ersten. Bei Beethoven nie und nimmer. Das wäre allenfalls denkbar, wenn du schon jahrelang Klassik gehört hättest, aber noch nichts von Beethoven. Und das ist ausgeschlossen.

      Bei den anderen ist es denkbar. Bei Schumann gibt es sogar einen Film, der den Namen seiner ersten Sinfonie trägt. Brahms war 43, als er seine erste Sinfonie schrieb. Opus 68.


      Thomas
    • Mir fällt auf die Schnelle niemand ein, von dem es heißt, seine 1. Sinfonie wäre bedeutender als seine späteren Produkte. Entsprechend selten werden Sinfonien in chronologischer Reihenfolge gespielt. Aber wenn man einem Album der Sorte "Alle Sinfonien von ...." anfängt, würd ich erstmal chronologisch hören.
    • Ecclitico schrieb:

      Meine Erklärung wäre also: Die Ehrfurcht vor den "Alten" wuchs von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Das Wissen über das Bestehende ebenfalls. Daher wurden die Erstlingswerke immer besser. Zumindest in einer "Königsdisziplin" wie der Sinfonie.
      ich denke, da ist schon was dran: die "Skrupulösität" - man denke nur an Brahms - wird eine Weile immer größer, in dem Maße, wie die Einzigartigkeit und überhaupt der Werkbegriff aufgeladen wird.

      Bei Haydn, Motart, Schubert, Mendelssohn, in gewissem Maße auch Brahms (aber da, weil seine erste schon sehr viel WILL), würde ich auch nicht die Nr.1 als Einstieg anraten.

      Bei Schumann, Beethoven, Mahler, auch Bruckner, Sibelius dagegen hätte ich keine Probleme, obwohl es wohl schon fast eine Regel ist, daß die genialsten und zugleich ausgereiftesten Blüten eines Komponisten eher später kommen. also wäre für mich auch die Frage: was rate ich, wenn jemand das (auch qualititiv) Charakteristische eines Komponisten entdecken will und u.U. erstmal nur ein Werk anhört? Da würde ich wohl fast NIE die Nr.1 empfehlen. Außer bei Sibelius vielleicht, und bei Mahler hätte ich auch keine Probleme, aber das hat dann mehr damit zu tun, wie WIRKUNGSVOLL die Erstlinge daherkommen.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ecclitico schrieb:

      Gibt es außer Mahler überhaupt noch einen Komponisten, bei dem man einem Neuling guten Gewissens raten kann, einfach mit der ersten anzufangen?
      Warum nicht?

      Das geht bei Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, ...

      ... und das gute Gewissen? Jo, geh ... woher soll ich wissen, was für den Neuling (mehr bekommen wir von ihm nicht mitgeteilt?) am besten ist? Wenn ich nur "Neuling" weiß, weiß ich doch gar nichts - und jede Empfehlung ist potenziell nur Projektion meiner Annahmen oder meines pädagogischen Triebes oder meines Musikgeschichtsverständnisses auf die Situation.

      Ich würde schon so etwas sagen wie: "Bei Mozart finde ich Nr. 40 spannend, bei Haydn die Nr. 103, bei Schubert die Unvollendete (die C-Dur ist schon arg lang, zumal für einen Neuling - aber das ist schon wieder Projektion), bei Mendelssohn die Italienische, ....", aber was soll es dem Neuling denn schaden, wenn er mit Haydns Nr. 1 beginnt? Dass Haydn sich von Nr. 1 bis Nr. 104 eventuell weiterentwickelt hat, darauf wird er schon selbst kommen ... der is ja vielleicht net ganz so deppert, wie mir uns den denken tun ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • Wirklich mit der Nr. 1 begonnen habe ich nur bei Sibelius und Mahler. Ist sehr lange her, war damals auch keine Absicht, sondern dem aktuellen Angebot im Plattenladen geschuldet. Ansonsten gut geeignet aus meiner Sicht Brahms, Tschaikowsky, Rachmaninow, Walton, Elgar, bestimmt noch manches aus dem 20. Jahrhundert.

      Es gibt dazu übrigens ein passendes altes Ranking