Ludwig van - ein bunter Strauss zum 250igsten

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    • Ludwig van - ein bunter Strauss zum 250igsten

      Schwach kann ich mich noch an den 200. Geburtstag Ludwig van Beethovens erinnern. Da war ich 11 und mein Interesse an klassischer Musik relativ begrenzt. Nun ist er sozusagen 50 Jahre älter geworden (ich leider auch) und das erneute 'Beethoven-Jahr' wurde bereits eingeläutet.

      Da wird ja wohl ordentlich was auf uns zu kommen. Was mich nun interessiert, ist, wie gedenkt ihr es denn mit diesem Jubiläumsjahr zu halten? Habt ihr irgendwelche besonderen Vorhaben, sei es im Konzert, in der Oper, auf dem Plattenteller? Oder ist es euch vielleicht auch völlig egal? Was haltet ihr allgemein von solchen Gedenkjahren? Macht das Sinn, um einen Künstler noch einmal wieder ins Bewusstsein zu bringen oder ist das alles nur gehypter Mist und man sollte Beethoven immer feiern oder gar nicht oder immer dann, wenn man Lust hat.

      Ich habe eigentlich schon vor, mich intensiver mit ihm zu beschäftigen und eine meiner ersten Taten wird wohl die 'Biographie' von Martin Geck sein.



      Aber auch CD-mäßig habe ich noch Einiges zu entdecken, v.a. seine Kammermusik.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Was haltet ihr allgemein von solchen Gedenkjahren?
      Lieber Wolfram!
      Mein Verhältnis zu Beethoven ist eine Mischung aus neutral und positiv. Manches (zum Beispiel der Zyklus "An die ferne Geliebte") gefällt mir sehr gut, manches andere reizt mich nicht unbedingt. Aber ich erkenne an, dass Beethoven ein ausgezeichneter Komponist in seiner Zeit war.

      Um Deine zitierte Frage zu beantworten: Ich bin da ambivalent eingestellt. Generell halte ich Gedenkjahre für einen willkommenen Anlass, um bestimmte Komponisten stärker in Erinnerung zu rufen - anderseits wird Beethoven sowieso häufig gespielt, also wozu ein Extra-Beethoven-Jahr? Aus meiner Sicht nicht notwendig. Das Joseph-Marx-Jahr 2014 beispielsweise wurde meines Wissens nicht zelebriert, obwohl es da viel lohnender gewesen wäre, um einen selten gespielten Komponisten zu präsentieren.
    • Sadko schrieb:

      Aber ich erkenne an, dass Beethoven ein ausgezeichneter Komponist in seiner Zeit war.
      Der Ritterschlag durch den Klassikpapst. Da wird sich Beethoven aber freuen! (Oder lese ich doch noch eine indirekte Kritik heraus? Himmel, die 250 Jahr-Feier droht zu platzen...) :ironie1:

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • Sadko schrieb:

      Aber ich erkenne an, dass Beethoven ein ausgezeichneter Komponist in seiner Zeit war.
      Lieber Sadko, nur in seiner Zeit? Hat er uns nicht immer noch etwas zu sagen? Und vielleicht sogar mehr als man meint.

      Sadko schrieb:

      anderseits wird Beethoven sowieso häufig gespielt, also wozu ein Extra-Beethoven-Jahr? Aus meiner Sicht nicht notwendig.
      Vielleicht kann man aber über den Namen Beethoven, der ja nun wirklich allgemein bekannt ist, ganz andere Hörerkreise für die klassische Musik in diesem Jahr gewinnen.

      :wink: Wolfram
    • Mit "ein ausgezeichneter Komponist in seiner Zeit" meinte ich, dass ich zwar lieber Musik des 20. und 21. Jahrhundert höre, die mir viel mehr gibt. Nichtsdestoweniger sehe ich, dass Beethoven in seiner Zeit ausgezeichnet war (was ich zB über Mozart nicht sagen würde).

      Neue Hörerkreise? Hmmm, ich denke nicht. Aber wenn es gelingt: Dann freut es mich!
    • Sadko schrieb:

      Nichtsdestoweniger sehe ich, dass Beethoven in seiner Zeit ausgezeichnet war (was ich zB über Mozart nicht sagen würde).
      Ja, verstehe. Als "Papst" muss man hohe und strenge Kriterien und Maßstäbe anwenden. Wenn man, wie wir Normalsterblichen, jeden Stümper und Blender durchgehen lassen würde, wäre das ja die reinste Inflation. Wir Ahnungslosen müssen noch so viel lernen....danke, Meister. :verbeugung1:

      maticus
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    • Sadko schrieb:

      Nichtsdestoweniger sehe ich, dass Beethoven in seiner Zeit ausgezeichnet war (was ich zB über Mozart nicht sagen würde).
      Sorry, lieber Sadko, aber damit wiederholst du nur deinen Einwurf und schiebst jetzt auch noch Mozart nach. Oder lese ich das falsch? Bezieht sich der Mozart nicht auf 'in seiner Zeit', sondern meint, dass er noch schlimmer war?

      Das meinst du doch nicht wirklich, oder? ;)

      :wink: Wolfram
    • Also ich stehe für das Beethovenjahr in den Startlöchern und ich habe mir dazu den Musikalender „Beethoven und Ich“ angeschafft, in dem im Wochentakt Musiker(z.B. Arturo Benedetti Michelangeli) und Komponisten(z. B. Brahms) zitiert werden, die sich zu Beethoven äussern.


      Ausserdem verspüre ich Lust die hervorragende Biographie von Jan Caeyers ein zweites Mal zu lesen.


      Hudebux
    • Ich - als Wahl-Bonner - muss ja zu meiner Schande gestehen, dass mir der ganze Hype um das Beethoven-Jahr schon jetzt einigermaßen "auf den Sack" geht… :versteck1:
      Über Jahre kümmert man sich nur peripher um den größten Sohn der Stadt (IMHO den bedeutendsten Komponisten überhaupt!), bekommt es nicht einmal auf die Kette, die schwachsinniger Weise unter Denkmalschutz gestellte Beethovenhalle frist- und festgerecht zu sanieren und nun "plötzlich" Beethoven überall. Da sollte sich Bonn mal ein Beispiel an Salzburg nehmen, was dort dauerhaft und nachhaltig aus Mozart "gemacht" wurde und wird. ape2
      Meine Geringschätzung dieses Boheis mag allerdings auch darin begründet sein, dass Beethoven seit Anbeginn meiner Befassung mit klassischer Musik einen festen Platz auf meiner ständigen Agenda hat.
      Insofern ändert sich nix. Allenfalls werde ich das ein oder andere Konzert im Rahmen des Festjahres besuchen.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Wolfram schrieb:

      Was haltet ihr allgemein von solchen Gedenkjahren? Macht das Sinn, um einen Künstler noch einmal wieder ins Bewusstsein zu bringen oder ist das alles nur gehypter Mist und man sollte Beethoven immer feiern oder gar nicht oder immer dann, wenn man Lust hat.
      Im Falle Paul Dessaus kam des Gedenkjahrs wegen zu mindestens sein bisher kaum bekannter Lanzelot als Mitschnitt rüber; leider ansonsten Dessau-Mager-Kost. :( Hätte mir noch viel mehr gewünscht. Z.B. ein neuer Zyklus seiner fetzigen Quartett-Mucke. Es muss ja nicht nur Leipziger Streichquartett Studio Konserve sein.

      Wenn fetzige Aufführungen bzw. geile Mitschnitte oder spannende Talksendungen (Gülke, Frank Schneider, Mahnkopf & Co) zu Beethovens Mucke Resultate derartiger Gedenkjahre bilden, dann haben Beethoven-Nerds jede Menge was davon. Fest an Seite Bachs, Mahlers, Schönbergs, von Cagerei und Nonos gehört Beethoven sowieso zum Kader der Lieblingsnotenquäler meiner Lauscherchen.

      Sadko schrieb:

      Generell halte ich Gedenkjahre für einen willkommenen Anlass, um bestimmte Komponisten stärker in Erinnerung zu rufen
      bzw. im Falle Beethovens wäre es Fokus auf vergleichsweise weniger häufig aufgeführte Mucke zu richten ... oder z.B. seine Quartett-Mucke mal komplett in HIP-Version (falls es sowas nicht bereits gibt)..

      Und einen lohnender Grund für Beethoven-Gedenk-Hype kommt bereits in deinem Posting rüber:

      Wolfram schrieb:

      Ich habe eigentlich schon vor, mich intensiver mit ihm zu beschäftigen
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Hudebux schrieb:

      Also mal ist es Dir zu wenig, was die Stadt macht, und dann aber gleich zu viel?
      Ja. Meiner Ansicht nach gibt es da eine erhebliche Unwucht zwischen jahrelanger (vergleichsweiser) Gleichgültigkeit und dem nun passierenden "Überangebot".
      Anderes Beispiel: man schaue sich an, was Weimar über Jahre hinweg in Sachen Goethe und Schiller kultiviert.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
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    • Also ich brauche sicher kein Beethoven Jahr, um seine Bedeutung für mich wieder zu entdecken. Er ist einer der meistgehörten Komponisten in meinem Haus. Wobei Beethoven für mich vor allem eins ist: 16 Streichquartette, für mich der einsame Höhepunkt der Gattung. Mit den Symphonien habe ich es nicht mehr so, viele habe ich zum Überdruss gehört, gerade 3, 6 und 9 (3. Satz) mag ich noch gelegentlich. Klavierkonzerte 1 und 4, Violinkonzert, alle 5 Jahre einen Fidelio und gelegentlich Klaviersonaten bevorzugt die letzten drei. Violin- und Cellosonaten, Klaviertrios höre ich kaum, meist wenn sie im Radio gerade gespielt werden.

      Also für mich gilt Beethoven = Streichquartette

      Beste Grüße Wieland
    • Also für mich ist das Beethoven Jahr und Beethoven selber nicht sooo wichtig. Natürlich kenne ich seine Bedeutung für die Musikwelt, aber bei mir zu Hause, wird er ehr selten gespielt. Zwischendurch höre ich mal das eine oder andere Klavierkonzerte oder auch mal das Violinkonzert (wobei ich die Version mit Kopatchinskaja bevorzuge) aber die Sinfonien nur ganz ganz selten und wenn, dann am ehesten im Auto.

      Das einzige Positive ist aus meiner Sicht, dass die klassiche Musik über das Vehikel Beethoven mal wieder in den Blickpunkt gerückt wird. Und das geht mit Beethoven wahrscheinlich besser als mit jedem anderen Komponisten, allein der Mediale Hype ist für die Klassikbranche ja schon riesig. Was ich auch sehr cool finde, sind die ganzen Wohnzimmerkonzerte die stattfinden werden. Und ich werde auch sicher immer mal wieder bei WDR3 in das Beethoven Jahr hineinhören, aber eigentlich ist mir Schubert näher als Beethoven. 8o
      Viele Grüße, Michael
    • Ich mag keine Geburtstage, Jahrestage, Jubiläen und Weihnachten könnte man auch abschaffen. Sachlich unbegründete Sonderbehandlungen sind das. Entsprechend seltsam finde ich es, einen Geburtstag vor sehr langer Zeit als Anlass für eine Beschäftigung mit einem Thema zu nehmen. Seltsam ist es allerdings nicht, wenn die Industrie einschließlich der Kulturindustrie diesen als umsatzsteigerndes Vehikel nutzt. Liegt also in etwa auf einer Ebene mit dem Valentinstag. Schmarrn.

      Beethoven ist unbestritten einer der Allergrößten und wird es bleiben. Das muss man nicht begründen. Eine Buchempfehlung gebe ich auch: Indorfs Buch über die Streichquartette ist hervorragend und auch für Nicht-Fachleute sehr gewinnbringend:

    • Das Beethovenjahr bringt halt recht wenig, da die Beschäftigung mit ihm, sei es literarisch oder musikalisch, ja ohnehin höchst intensiv ist. Bei Haydn, Mendelssohn, Schumann mag das anders sein. Da gibt es weniger beleuchtete Stellen. Aber Bach, Mozart, Beethoven...?
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Da Beethoven ja deshalb nicht in die Pop-Charts kommt und somit neue Hörerschichten erobern könnte, kann man sich ein Beethoven-Jahr tatsächlich sparen.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Beethoven war zu lang zu zentral in meinem Musikhören, dass sich das groß etwas ändern könnte. Ich höre zwar de facto in den letzten Jahren viel weniger Beethoven, obwohl ich ihn nach wie vor als Lieblingskomponisten sehe, und werde sicher demnächst wieder mehr hören (und diese Biographie endlich weiterlesen...). Das wird aber teilweise, wie in dem Sammlungsthread angedeutet, oft auch das Ziel haben, auch CDs auszusortieren, weil sich bei Beethoven mehr als sonstwo teils absurde Mengen angesammelt haben.

      Inwiefern solche Jubiläen hauptsächlich dem Kommerz oder der Selbstbestätigung des Kulturbetriebs dienen, oder ob sie in der Lage sind, mehr Menschen (gar nachhaltig?) auf Beethovens Musik aufmerksam zu machen, sei mal dahingestellt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Inwiefern solche Jubiläen hauptsächlich dem Kommerz oder der Selbstbestätigung des Kulturbetriebs dienen, oder ob sie in der Lage sind, mehr Menschen (gar nachhaltig?) auf Beethovens Musik aufmerksam zu machen, sei mal dahingestellt.
      Ob es mehr Menschen sein werden, weiss ich nicht. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es eine heranwachsende Generation gibt, die die alte ablöst. Und die jungen Leute sind vielleicht noch nicht so satt an Beethoven, wie so mancher Foren-Schreiber hier zu sein scheint.