Doris Day

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    • Haben wir eigentlich schon die Kandidatin Doris Mary Ann Kappelhoff behandelt? Also ihr könnt sagen was ihr wollt, die Alte hat schon was.

      Bin gerade diesen Film am sehen (wie der Westfale sagt, wobei ich kein Westfale bin): dailymotion.com/video/x5yl1r9

      The Thrill of It All (Was diese Frau so alles treibt)

      Ich lach mich das jedes mal tot. Liegt natürlich auch am Regisseur (Norman Jewison) und an den anderen Schauspielern.

      Interessant ist auch die Darstellung des damaligen Zeitgeistes, inkl. der ironischen Übertreibung. Und immer noch witzig.

      Für mich ist Doris Day eine Große. Singen konnte sie auch.

      Was ich nicht so ganz verstehe, ist ihr nachlassender Erfolg nach 1965. War sie wirklich so unflexibel? Kann eigentlich nicht sein. Vielleicht hatte sie einfach keine Lust mehr. Oder nicht die Kraft, die passenden Produzenten zu finden. Es muss halt passen. Und wenn man es nicht mehr nötig hat, wird man wählerischer. Oder ist sie doch überschätzt?

      Ich habe jedenfalls einige Filme von ihr gesehen, und sie war immer klasse.


      Thomas
    • Yukon schrieb:

      Ecclitico schrieb:

      und sie war immer klasse.
      Nein, allerdings wieß ich ich netürlich nicht welche Filme Du mit ihr gesehen hast.
      Doch! ^^

      Ich liebe sie auch, ob in allen Filmen weiß ich nicht, da ich die nicht kenne. Aber gerade in den klassischen Komödien ist sie toll (auch in 'Der Mann der zu viel wusste' und in 'Mitternachtsspitzen'). Sie war eine exzellente Komödiantin, die die Pointe genau platzieren konnte. Und das ist nicht selbstverständlich. Gut, sie hat sich gerade dort auch oft wiederholt (da ist natürlich der Regisseur gefragt), aber das stört mich nicht. Eben die klassischen Komödien mit ihr, die man so kennt, finde ich extrem witzig. Da ist natürlich nichts Subversives wie bei Wilder, das ist schlichtweg gute Unterhaltung. Gutgemachte Unterhaltung! Klar, sie vertritt da sehr das Frauen- und Familienideal der 50iger Jahre der USA, aber sie konnte auch schlüpfrigere Sachen so rüberbringen, dass die Zensur das durchgehen ließ. Eine Frau Saubermann, sorry, Sauberfrau, die aber nicht so bieder ist, wie sie zunächst scheint.

      :wink: Wolfram
    • Ecclitico schrieb:

      Was ich nicht so ganz verstehe, ist ihr nachlassender Erfolg nach 1965.
      Das hatte wohl v.a. damit zu tun, dass ihre Art der Komödie spätestens ab 1965 nicht mehr gefragt war und sie zu einem Rollenwechsel ('Reifeprüfung' lehnte sie wohl aus diesen Gründen ab) nicht mehr gewillt war. Ich glaube gar nicht einmal, dass das eine Frage von fehlender Flexibilität war. Ich könnte mir eher vorstellen, dass sie das nicht war und dass auch ihr Interessensschwerpunkt (Tierschutz) sich langsam verschob.

      :wink: Wolfram
    • Ich finde auch, daß sie in ihrer Art großartig war. Besonders natürlich im Trio mit Rock Hudson und Tony Randall, aber beileibe nicht nur. Ja, sie konnte singen, obwohl das oft keine Ohrwürmer waren. In ihrer Art war sie eine Art Symbol für ein Amerika, das nicht hollywoodmäßig und glamourös geprägt war, sondern das - wenn man so will biedere (aber nur scheinbar spießbürgerliche) - Ideal verkörperte, mit dem sich die Leute gut identifizieren konnten. Viel hintergründiger, als es schien.
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    • Waldi schrieb:

      In ihrer Art war sie eine Art Symbol für ein Amerika, das nicht hollywoodmäßig und glamourös geprägt war,
      Zwischen dem 'biederen' Amerika der Eisenhower-Ära und Hollywood gibt es aber eine interessante Wechselwirkung. Beide Seiten haben sich gegenseitig sehr 'befruchtet', verstärkt und sie ist dafür schon ein Symbol. Zu der Eisenhower-Ära kamen natürlich verstärkend der Production-Code und McCarthy hinzu. Aber auch in den 50igern gab es im sexuell-erotischen Bereich wesentlich wagemutigere Produktionen. Aber das war nicht ihr Ding. Sie ist totaler Mainstream gewesen, allerdings mit Zwischentönen, die nur sie mit ihrem Image so präsentieren konnte.

      :wink: Wolfram
    • Doris Day - eine sehr gute Schauspielerin, die auch im dramatischen Fach bestehen konnte (ich verweise da an Mitternachtsspitzen, an Der Mann, der zuviel wußte, aber auch an Tyrannische Liebe, wo sie sich neben James Cagney behaupten mußte). Ihre Komödien waren im schlechtesten Fall nett, aber gut gemacht; im besten Fall aber von betörender Kurzweiligkeit - Bettgeflüster hat immer noch seinen Charme, und das nach so langer Zeit... :D

      Ja, singen konnte sie auch - sehr gut sogar. Immerhin hat sie damit ihr erstes Geld verdient.

      Aber ihr Image...

      Ich muß zugeben, daß mich ihre Komödien irgendwann kaum mehr interessiert haben, nachdem ich sie als Kind soweit alle gesehen hatte. Die gut fünfzehn Lustspiele zwischen 1959 und 1968, als sie ihre Karriere beendete, sind ohne Frage gepflegte Unterhaltung mit gelegentlichen Spitzen gegen den guten Geschmack, aber manchmal auch erstaunlich zahnlos (vor allem die späteren Werke). Es kam mir altbacken und überholt vor, und ich finde auch, daß dieses Art von Sauberfrau-Image sich sehr schnell abnutzte. Jedenfalls erging es mir so.

      Später habe ich nochmals Einiges wieder neu sehen können, und ich habe mich etwas mehr mit ihr versöhnt - aber da ich dazwischen andere Filmemacher kennengelernt hatte, die so viel Reales und Abgründiges in ihren Werken unterbringen konnten, da wirken viele Doris-Day-Komödien erstaunlich weltfremd und austauschbar. Ein nette Unterhaltung mit Anspruch, aber eben nicht mehr. Da gibt es keine kritische Tiefe, keine komplexe Weltsicht, keine zweite Ebene, an der man sich reiben kann. Da ist nur Vordergründigkeit. Selbst die gewagteren Details sind gekoppelt an einer klinischen Empörung, die wenig aufrichtig wirkt.

      Und dann dieser neue gesellschaftliche Aufbruch in den 1960er Jahren in den USA - sie war nie Teil davon, konnte es nicht sein. Einerseits Spion in Spitzenhöschen - und andererseits Bonnie und Clyde oder Bewegliche Ziele. Einen größeren Unterschied in Weltsicht, Anspruch und Stil hat es in Hollywood nie gegeben.
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Und dann dieser neue gesellschaftliche Aufbruch in den 1960er Jahren in den USA - sie war nie Teil davon, konnte es nicht sein. Einerseits Spion in Spitzenhöschen - und andererseits Bonnie und Clyde oder Bewegliche Ziele. Einen größeren Unterschied in Weltsicht, Anspruch und Stil hat es in Hollywood nie gegeben.
      Deswegen wird sie auch ihre Karriere aufgegeben haben. Sie wird gespürt haben (auch an der Kinokasse), dass sie halt altbacken war. Wenn man sich dann noch ändern kann, finde ich das toll. Wenn nicht, dann ist der Rückzug wenigstens konsequent.

      In einem ihrer Filme mit Rock Hudson (ich vergesse immer in welchem, was vielleicht auch ein Zeichen ist) gibt es ja diesen geteilten Bildschirm, wo sie beide in der Badewanne liegen und dann jeweils ein Bein heben, so dass sie sich an der Schnittgrenze berühren. Das war sicherlich für Doris Day sehr gewagt (und für Millionen von Amerikanern auch). Aber eine vergleichbare Szene in 'Das verflixte siebte Jahr', als dem Klempner die Zange in die Badewanne fällt und er danach greift, während die Monroe sich darin befindet, ist natürlich viel, viel gewagter. Die wurde aber eben auch zensiert, während Doris Day mit ihren Sachen durchkam.

      Das 'Gewagte' bei Doris Day ist sehr harmlos, nie gesellschaftlich verstörend oder gegen Normen angehend, war aber wohl das, was die amerikanische Gesellschaft damals gerade noch akzeptieren konnte (und v.a. die Zensur). Aber bis zu dieser Grenze ist sie immerhin gegangen bzw. hat das mitgetragen. Was natürlich auch bedeutet, dass ihre Komödien schon dem Zahn der Zeit unterliegen. Klammert man den allerdings aus, ist es einfach gut gemachte Unterhaltung. Und, ich weiß schon wieder nicht in welchem Film, Thelma Ritter als versoffene Haushälterin zu erleben, ist einfach ein Hochgenuss. ^^

      :wink: Wolfram
    • Waldi schrieb:

      Ja, sie konnte singen, obwohl das oft keine Ohrwürmer waren. In ihrer Art war sie eine Art Symbol für ein Amerika, das nicht hollywoodmäßig und glamourös geprägt war, sondern das - wenn man so will biedere (aber nur scheinbar spießbürgerliche) - Ideal verkörperte,
      Doris Mary Ann Kappelhoff, so ihr eigentlicher Name, wurde vom amerikanischen Bigband-Leader Les Brown (der viele Jahre einer der besten Bigbands leitete, dazu überaus beliebt bei Musikern und Fans war) entdeckt. Das war 1944 gewesen. Mit dessen Band hatte sie mit dem Titel "Sentimental Journey" einen absoluten Welthit, der heute noch gespielt wird. Und es war definitiv ein Ohrwurm gewesen.

      1947 ging sie nach Hollywood, war also schon früh wieder weg von der Musikszene, auch wenn sie später immer mal wieder aufgetreten ist (in der Regel wieder mit Les Brown, der über viele viele Jahre die Bob Hope-Show musikalisch begleitete).

      Der "Glamour" bestand sicher in allererster Linie an ihrer extrem hohen Bekanntheit, gerade beim "normalen" Fußvolk , und hier nicht nur in den USA, sondern auch bei uns in Deutschland. Sie war vielleicht eine Art "Vorgängerin einer Verena Pooth, die hier auch beim Fußvolk eine gewisse Popularität erreicht hat. Beide gelten als intelligent, spielen/spielten ihre "Rollen" vor und hinter Bühne irgendwie auf ihre Art "perfekt", sind aber doch mit beiden Beinen auf dem Boden haften geblieben.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Sie war vielleicht eine Art "Vorgängerin einer Verena Pooth, die hier auch beim Fußvolk eine gewisse Popularität erreicht hat. Beide gelten als intelligent, spielen/spielten ihre "Rollen" vor und hinter Bühne irgendwie auf ihre Art "perfekt", sind aber doch mit beiden Beinen auf dem Boden haften geblieben.
      Du meinst Verona Pooth? Der Vergleich wäre mir wahrlich nicht eingefallen.


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      Du meinst Verona Pooth? Der Vergleich wäre mir wahrlich nicht eingefallen.
      So ist es. Das war mir klar.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Lieber Wolfram,

      Ich glaube, Doris Day hat ausgezeichnet den Unterschied zwischen bloßem Sex (der so oft primitiv wirkt und nur von wenigen gemeistert wird) und amüsant-distinguierter Erotik demonstriert. In ihren Rollen blieb sie stets eine Lady. Die Kunst, auf diese Weise Spannung aufzubauen, ist nicht jeder gegeben. Ich würde auch die Bezeichnung "harmlos" eher vermeiden, denn unterschwellig kommt in den Komödien oft eine Ironie durch, die der von Billy Wilder gar nicht so fern steht. Die Prüderie der US-Gesellschaft wird da subtilst auf die Schaufel genommen.
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