Instrumentenkunde für Anfänger

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Instrumentenkunde für Anfänger

      Liebe Forenmitglieder,

      dieser Thread soll dazu dienen, allgemeine Anfänger-Fragen zur Instrumentenkunde thematisieren zu können.

      Ich würde mich sehr über ernstgemeinte und konstruktive Beiträge freuen. :wink:
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Dann werde ich mal gleich starten:
      nachdem ich mich mit den Unterschieden zwischen Viola (Bratsche) und Violine (Geige) beschäftigt habe, bin ich bei einem Punkt hängen geblieben, der jedoch nichts mehr mit den Unterschieden zu tun hat: bei der Schulterstütze (zwischen Körper und Instrument). Viele berühmte Persönlichkeiten spielen ja mit Schulterstütze, andere ohne; Letzteres ist mir bislang jedoch nur bei Anne-Sophie Mutter aufgefallen.

      Ich frage mich, welche Gründe dafür sprechen, ohne Schulterstütze zu spielen.

      In den meisten Fällen scheint es ja ergonomisch günstiger zu sein, mit Stütze zu spielen.
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker hat bei mir zwei Fragen aufgeworfen:

      - es war ein Drumset im Einsatz, also Bass Drum, Hihat, Snare, diverse Toms, diverse Becken, zu bedienen von einem einzigen Spieler. Gehört das zur Ausbildung als Schlagzeuger an der Hochschule (also klassisch, nicht Jazz) oder können alle klassischen Schlagzeuger "sowieso" ein Drumset bedienen (weil sie z. B. in diversen Jazzkellern herummucken) oder hat man da einen eingekauft?

      - es wurden nur amerikanische Trompeten gespielt mit Pumpventilen anstelle der üblichen deutschen Trompete mit Drehventilen. Was ist da für den Spieler anders? (Ich habe im Hinterkopf, dass die Trompeter laut Tarifvertrag eine Zulage bekommen, wenn sie auf die amerikanische Trompete verpflichtet werden - dafür muss es doch einen Grund geben ...)

      (Und natürlich war Jabba bei den Bratschen (2. Pult) ein Anblick für die Götter, wenn man vorher Star Wars in Endlosschleife gesehen hat ...)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Nur Hexenverbrennung und Lynchmord gibt es bei uns nicht mehr so oft. Das haben wir erfolgreich in soziale Netzwerke ausgelagert." (Axel Weidemann im Artikel "Dorfkinder über #Dorfkinder" in der Online-Version der FAZ)
    • Witzig. Ich habe mir auch ein paar Fragen während des Silvesterkonzertes gestellt, bei paralleler Sicht auf die Webseiten des Orchesters.

      1. Ist der 1. Trompeter Gábor Tarkövi nicht mehr bei den Berliner Philharmonikern? (Hat sich durch Googeln bereits beantwort. Er ist nicht mehr dabei.)

      2. Es waren 3 Saxofone dabei. Auf den Webseiten werden keine solchen genannt. In der Tat kommen Saxofonisten in Klassischer Musik ja recht selten vor. Die Frage: werden solche Leute jeweils von außerhalb rekrutiert? Oder gibt es da einen "festen Bestand"?

      Die Frage, ob Sinfonieorchesterperkussionisten i.d.R. auch "normales" Schlagzeug spielen, habe ich mich auch schonmal gefragt.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • maticus schrieb:

      In der Tat kommen Saxofonisten in Klassischer Musik recht selten vor. Die Frage: werden solche Leute jeweils von außerhalb rekrutiert?
      Ich glaube, das ist nicht allzuselten das Zweitinstrument bei Klarinettisten. Wird in einigen Orchesterwerken halt verlangt.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Nur Hexenverbrennung und Lynchmord gibt es bei uns nicht mehr so oft. Das haben wir erfolgreich in soziale Netzwerke ausgelagert." (Axel Weidemann im Artikel "Dorfkinder über #Dorfkinder" in der Online-Version der FAZ)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ich glaube, das ist nicht allzuselten das Zweitinstrument bei Klarinettisten. Wird in einigen Orchesterwerken halt verlangt.
      Ich glaube, das gilt aber eher in Blasorchestern als in klassischen Sinfonieorchestern. In solchen Spitzenorchestern sind die Leute ja meist hochgradig spezialisiert. Was nicht heißen soll, dass der eine oder andere klassische Klarinettist nicht auch Saxofon spielen kann. Glaube aber nicht, dass es die Regel ist. Davon abgesehen, die Saxofonist*en im Konzert waren mir unbekannter Gesichter; mind. 3 Klarinettisten (1. (Fuchs), Es-Klar., Bass-Kl.) waren ja auch gleichzeitig besetzt. Und Andreas Ottensamer war nicht an einem Saxofon ;)

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • maticus schrieb:

      Und Andreas Ottensamer war nicht an einem Saxofon
      Nee, der spielt natürlich sein Hauptinstrument.

      Ach ja, wennste halt ein Instrument auf extrem hohem Niveau beherrschst, dann kommste auch mit einem ähnlichen Instrument zurecht. Für die paar Saxophon-Partien im "ernsten" Sinfonieorchester hält man sich jedenfalls keine Hauptfach-Saxophonisten, wenns die überhaupt im klassischen Fach gibt. Bizet, Gershwin, Ravel, Berg, ... was noch?

      Pinchas Zukerman hat auch Solopartien für Viola gespielt. Da soll man sich als Klarinettist mal nicht so anstellen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Nur Hexenverbrennung und Lynchmord gibt es bei uns nicht mehr so oft. Das haben wir erfolgreich in soziale Netzwerke ausgelagert." (Axel Weidemann im Artikel "Dorfkinder über #Dorfkinder" in der Online-Version der FAZ)
    • Du meinst also, dass die drei Saxofonist*en im Konzert Klarinettist*en der Berliner Philh. waren? Das glaube ich keinesfalls. Schon allein anzahlsmäßig.

      Was noch? Rachmaninow fällt mir als erster ein. Auch Schostakowitsch in seiner Operette (und evtl. in "Jazz"-Suiten.)
      Nachtrag: ich meine mich zu erinnern, auch in Bartoks Holzgeschnitzten Prinzen ein Saxofon vernommen zu haben.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • maticus schrieb:

      Du meinst also, dass die drei Saxofonist*en im Konzert Klarinettist*en der Berliner Philh. waren? Das glaube ich keinesfalls. Schon allein anzahlsmäßig.
      Aushilfen. Stipendiaten der Stiftung. Was weiß ich.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Nur Hexenverbrennung und Lynchmord gibt es bei uns nicht mehr so oft. Das haben wir erfolgreich in soziale Netzwerke ausgelagert." (Axel Weidemann im Artikel "Dorfkinder über #Dorfkinder" in der Online-Version der FAZ)
    • Mauerblümchen schrieb:

      es war ein Drumset im Einsatz, also Bass Drum, Hihat, Snare, diverse Toms, diverse Becken, zu bedienen von einem einzigen Spieler. Gehört das zur Ausbildung als Schlagzeuger an der Hochschule (also klassisch, nicht Jazz) oder können alle klassischen Schlagzeuger "sowieso" ein Drumset bedienen (weil sie z. B. in diversen Jazzkellern herummucken) oder hat man da einen eingekauft?
      Der Studiengang heißt "Schlagwerker", dazu gehört auch das Drumset, aber auch Instrumente wie Xylophon, Vibraphon und diverse Percussionsinstrumente. Ein Drumset sollte also jeder studierte Schlagwerker problemlos spielen können. Ich kannte einen davon aus dem seit Jahren nicht mehr existenten HR-Unterhaltungsorchester. Er hatte sogar noch beim legendären Kenny Clarke in Berlin studiert, konnte aber auch ausgezeichnet Xylophon (etwa den "Zirkus Renz") oder Kesselpauken spielen.


      Mauerblümchen schrieb:

      - es wurden nur amerikanische Trompeten gespielt mit Pumpventilen anstelle der üblichen deutschen Trompete mit Drehventilen. Was ist da für den Spieler anders? (Ich habe im Hinterkopf, dass die Trompeter laut Tarifvertrag eine Zulage bekommen, wenn sie auf die amerikanische Trompete verpflichtet werden - dafür muss es doch einen Grund geben ...)
      Anders sind die Haltung grundsätzlich, die Ansprache des Instrumentes, aber auch die Tonhöhe. Die Töne werden aber genau so gegriffen wie bei den Drehventil-Trompeten. Diese Trompeten gibt es auch nur in Deutschland und Österreich speziell, hier und da noch in Ungarn, Italien und Tschechien. In allen anderen Ländern werden ausschließlich Trompeten mit Pumpventilen gespielt, etwa in den USA und England, um zwei wichtige Länder zu benennen. Auch sagt man den Drehventil-Trompeten eine weichere, für die Klassik "geschmeidigere" Tongebnung nach, die sich besser zu den Streichern stellen lässt.

      Es gibt aber auch durchaus den ein oder anderen Jazzer, der mit Drehventilen agiert, etwa Claudio Roditi (Der aber auch mit Pumpventilen spielen kann) und teiilweise früher doe Flügelhornisten, etwa Don Rader oder auch mal Warren Vaché.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • maticus schrieb:

      Es waren 3 Saxofone dabei. Auf den Webseiten werden keine solchen genannt. In der Tat kommen Saxofonisten in Klassischer Musik ja recht selten vor. Die Frage: werden solche Leute jeweils von außerhalb rekrutiert? Oder gibt es da einen "festen Bestand"?
      Nein, es gibt sogar den Studiengang "Klassisches Saxophon" als Lernfach.


      maticus schrieb:

      Ich glaube, das gilt aber eher in Blasorchestern als in klassischen Sinfonieorchestern. In solchen Spitzenorchestern sind die Leute ja meist hochgradig spezialisiert. Was nicht heißen soll, dass der eine oder andere klassische Klarinettist nicht auch Saxofon spielen kann. Glaube aber nicht, dass es die Regel ist.
      Äh, es könnte durchaus im Vertrag stehen, dass jemand die Verpflichtung zum Saxophon hat. Man sollte nicht vergessen, dass das Instrument nun auch schon runde 140 Jahre alt ist. Von einem "neuen Instrument" kann man im Jahre 2019 wohl kaum mehr sprechen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Nein, es gibt sogar den Studiengang "Klassisches Saxophon" als Lernfach.
      Was heisst "nein"?

      Maurice schrieb:

      Äh, es könnte durchaus im Vertrag stehen, dass jemand die Verpflichtung zum Saxophon hat.
      Ich glaube nicht, dass z. B. Wenzel Fuchs oder Andreas Ottensamer so etwas im Vertrag stehen haben. Bei einem Bassklarinettisten könnte ich es mir schon eher vorstellen (die ja auch häufiger "3. Klarinette" spielen). Aber das war hier ja nicht der Fall, da Manfred Preis zeitgleich an der Bassklarinette saß.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • Zu den Schlaginstrumenten:
      Nach meinem Kenntnisstand ist die Ausbildung zum SchlagzeugerIn im klassischen Sinfonieorchester sehr universell. Es wird unterschieden in Stabspiele (z. B. Xylophon, Vibraphon, Marimbaphon etc.) und Fellinstrumente (z. B. kleine und große Trommel, Pauken, Tom-Toms etc.). Wenn man regelmäßig Konzerte bzw. Konzertübertragungen (z. B. in der DCH) anschaut sieht man, dass viele der Perkussionisten im Prinzip alle diese Instrumente spielen können. In der DCH sah ich z. B. mal Bernsteins "Prelude, Fuge and Riffs" wo einer der Schlagzeuger ein Drum-Set spielt.

      Zum Thema Trompete im Sinfonieorchester gibt es hier ein Interview mit dem Solo-Trompeter vom BR-Sinfonieorchester, der da u. a. auch auf die Unterschiede zwischen Trompeten mit Dreh- und Pumpventilen eingeht.

      Zum Thema Saxophone:
      Martin Preis, der hauptsächlich die Bassklarinette bei den Berliner Philharmonikern spielt, ist auch ein gefragter Saxophonist. Wenn des weiteren in einem Orchesterwerk Saxophone zum Einsatz kommen wird diese Aufgabe bei den Berliner Philharmonikern von dem Saxophon-Ensemble Clair Obscur übernommen.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Lionel schrieb:

      Zum Thema Saxophone:
      Martin Preis, der hauptsächlich die Bassklarinette bei den Berliner Philharmonikern spielt, ist auch ein gefragter Saxophonist. Wenn des weiteren in einem Orchesterwerk Saxophone zum Einsatz kommen wird diese Aufgabe bei den Berliner Philharmonikern von dem Saxophon-Ensemble Clair Obscur übernommen.
      (Manfred)

      Vielen Dank, lieber Lionel, eine sehr hilfreiche Antwort!

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • maticus schrieb:

      Ich glaube nicht, dass z. B. Wenzel Fuchs oder Andreas Ottensamer so etwas im Vertrag stehen haben.
      Die natürlich nicht, aber es wäre grundsätzlich möglich. In den Bigbands gehen die Verträge auch etwa für Altsax mit der Verpflichtung zu Klarinette, Sopransax und Flöte durch. Der Baritonsax-Spieler hat dort die Verpflichtung zur Klarinette und Bass-Klarinette übrigens.

      Die Frage, wer nun bei den Berliner PO diese Rolle übernimmt, hat sich ja Lionel bereits aufklärend geäußert.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • maticus schrieb:

      Das glaube ich sofort. Ich sprach ja von "Blasorchestern", was Big-Bands zwar nicht sind, aber ich sehe das prinzipiell auf vergleichbarem Level.
      Nicht unbedingt. Das sind zwei völlig verschiedene Musikrichtungen, die auch einen völlig anderen Aufbau haben. Was immer Du unter "Blasorchestern" verstehst, auch hier gibt es diverse Unterschiede. Brass Bands gehören dazu (und da meine ich NICHT die New Orleans Brass Bands), Symphonische Blasmusik (etwa das Musikkorps der Bundeswehr), Traditionelle Blasmusik a la Egerländer Musikanten/Ernst Mosch, und die Blasorchester, die sich aber mehr der modernen Musik des Popbereiches bedienen, aber auch die gute, alte Musik der Posaunenchöre könnten teilweise darunter fallen (nämlich dann, wenn sie auch Literatur der Blaskapellen spielen zusätzlich).

      In der Bigband haben die Einzelstimmen eine bestimmte Funktion (die natürlich bei den Spitzen-Bigbands durchaus verschoben werden können). So sind die ERSTEN Stimmen die "Lead-Stimmen", während der Rest die Satzstimmen aber auch die solistischen Stimmen besetzen. Das ist z.B. in der Klassischen Musik völlig anders, in der Symphonischen Blasmusik schon wieder durchaus anders aufgeteilt, mit aber rund 60 % Überschneidung mit den Klassischen Orchestern.

      Ja, es ist kompliziert......
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)