Ein Tag ohne Beethoven ist möglich...

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    • Ein Tag ohne Beethoven ist möglich...

      ... aber sinnlos. So jedenfalls geht der 'Mops-Satz' von Loriot weiter. Auf Beethoven mag das nicht zutreffen, aber trotzdem möchte ich hier in Anlehnung an die Klavier- und Streichquartett-Threads einen ähnlichen für den Jubilar eröffnen.

      Wer hört was und warum gerade? Bei der Fülle der Mitglieder sollte sich doch eigentlich immer irgendjemand finden, der Beethoven dudeln lässt. Bin gespannt.

      :wink: Wolfram
    • Bei mir gerade die fulminante, geradezu existenzielle Leonoren III - Ouvertüre aus dem Kriegsjahr 1944. Hier enthalten:



      youtube.com/watch?v=SegyB2nlKG8

      Eine der typischen Kriegsaufnahmen Furtwängler, in dem es immer irgendwie um alles ging. Und so kommt dann auch diese Ouvertüre rüber. Aufgeladen mit Emotionen vom ersten Ton an als würde hier jemand um's Leben spielen. Was ja auch zutrifft. Aber dieses Entweder-Oder kommt dem Stück zugute, passt dazu. Natürlich kann man es auch anders spielen, aber solch ein Übermaß an Gefühl trägt es auch und entfaltet, für mich jedenfalls, dann eine durchaus auch pathetische, aber immer auch menschliche, humanistische Wucht sondergleichen. Leonoren III als Schrei nach Menschlichkeit, nach Freiheit, nach dem, was den Menschen ausmacht.

      Meine Güte - Worte voller Pathos, aber, wie ich finde, passend zu einer Musik voller Pathos. Hier geht es um alles.

      :wink: Wolfram
    • Ein bißchen habe ich schon angefangen, hatte einige Klaviersonaten bereits aufgelegt; allerdings werde ich mich nicht unter Druck setzen und es auflegen, wenn mir danach ist. Ich kann auch mal einen Tag ohne Beethoven verbringen - und ohne Möpse schaffe ich sogar ein ganzes Leben... :D
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Bei mir wurde das Beethovenjahr eröffnet mit:

      Klavierkonzert Nr. 1
      Glenn Gould
      Columbia SO
      Golschmann

      Als junger Heißsporn fegt Glenn Gould hier durch die Ecksätze, spielt dazu eigene wilde Kadenzen. Golschmann und das Columbia SO folgen willig. So muss früher Beethoven klingen.

    • Oho - ein neuer "Eben gehört"-Thread?! Dann fange ich mal vorne an (unter Auslassung von WoO, Hess usw.). Vielleicht komme ich bis zum 31. Dezember ja durch ...

      Ludwig van Beethoven: Klaviertrio Es-Dur op. 1 Nr. 1

      Beaux Arts Trio



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • Ich hab mir ja die Klaviersonaten für dies Jahr vorgenommen. Das hat aber (komischerweise?) gar nichts mit dem 250er Jubiläum zu tun, sondern damit daß ich - hörerfahrungsmäßig - im Felde der Soloklaviermusik Nachholbedarf habe, und wo soll ich besser ansetzen als bei diesem 32er Gebirgsmassiv? Eben :D

      Mein "Problem" (besser: meine Aufgabe) ist es, eine Mitte zu finden zwischen 'In die Breite' gehen und 'In die Tiefe' gehen.

      Ich könnte einerseits natürlich erstmal summarisch alle Sonaten durchhören. Aber dann kenne ich garnichts, das strömte dann eben alles mal an mir vorbei und ich hätte wenig behalten.

      Oder, andererseits: mich auf ein, zwei, drei beschränken und das dann vertiefen. Aber dann quälte mich die Neugier auf all das andre.... Schwer durchzuhalten!

      Ich versuche also einen Mittelweg:das was ich bereits etwas kenne (die späten, v.a. Op. 111,als Thomas Mann Verehrer :D ) durch neue Interpretationen allmählich vertiefen, aber dabei nach und nach auch Neues kennenzulernen, aber eben auch akzeptieren daß es da so viel gibt was ich eben noch liegen lassen muß. Für den Sommer vielleicht... Sonst überfordert das schlicht mein Aufnahmevermögen, und das ist bei Klavier solo eben weit weniger trainiert als bei Orchestermusik.

      Dazu: Selbst ein Beethoven hat nicht voraussetzungslos komponiert. Daher gehört auch eine Beschäftigung mit Mozarts und vor allem Haydns Sonaten zum Programm, quasi um die Hintergründe auszuleuchten, und das macht viel Freude. Ich liebe das Klavieroevre beider Komponisten sehr und finde es auch unterschätzt (werde nun aber bedrohlich OT, hier also nur als Background zum Beethoven zu verstehen)...

      Im Gegenzug lasse ich von Chopin, Schubert etc erstmal die Finger.

      All das klappt bislang ganz gut.

      Aber nochmal: um Beethoven selbst, Jubiläum hin oder her, geht es mir nicht so sehr sondern um einen breiteren Zugang zu Klaviermusik (war bei mir immer sehr jazzgeprägt was an sich schade ist und was ich erweitern möchte). Ginge es mir um Beethoven und sein Jubiläum würde ich mir eine gute Biographie zulegen, aber das steht nicht an. Ich da ein bissl jubiläumsresistent. Was mir wichtig ist kommt auch auf mich zu, das sind innere Strömungen keine kalendarischen... Dies Jahr fällt das beides aber aufs glücklichste zusammen :cincinbier:


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Ich will sicher niemanden von der angemessenen Würdigung der Sonaten Haydns und Mozarts abhalten, aber ich sehe bei den Klaviersonaten eigentlich die schnellste "Emanzipation" Beethovens von den Vorgängern. Oder allgemeiner: Bei allem mit Klavier ist er sehr schnell sehr eigenständig (und bei den Streichtrios op.9, die wie ein Ausweichen in eine wenig beackerte Gattung scheinen).
      Ungeachtet der Widmung sind die ersten drei publizierten Sonaten (die Trios op.1 auch) schon "weiter weg" von Haydn und Mozart als die viel später komponierte 1. Sinfonie oder auch noch einzelne Stücke in op.18. Ganz äußerlich erkennbar in der durchgehenden Viersätzigkeit und dem außerordentlich konzertanten Stil der C-Dur-Sonate op.2, Nr. 3.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Finde ich ebenso, lieber Kater, finde ich ebenso. Trotzdessen bilden die Haydenschen und Morzartschen ja eine gewisse Ausgangsbasis, und die auch näher kennenzulernen ist mir wichtig eben weil ich mit Klavier wenig Erfahrung hab (aber auch weil ich sie toll finde...)


      Eben bestellt übrigens, und da sind wir wieder bei der Vertiefung, diese:



      Eine Spielzeit von knapp 28 Minuten bei der "Arietta" macht mich neugierig, und die kleinen Sachen als Zugabe sind halt hochwillkommen und wunderhübsch...


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Weiter mit LvB.

      Ludwig van Beethoven: Klaviertrio G-Dur op. 1 Nr. 2

      Beaux Arts Trio



      Musik, deren häufigeres Hören meinerseits lohnen würde ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • Nun mal zu den Streichquartetten. Nr. 13, op. 130 und die Große Fuge.



      Ich habe ja nun wahrlich wenig Ahnung von Streichquartetten, von Kammermusik allgemein, aber die Hagener mit dieser Aufnahmen haben mir immer gefallen. Für mich sehr schön das Zusammenspiel, der energische, klare Zugriff bei gleichzeitiger hoher Empfindsamkeit im Spiel.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Eine der typischen Kriegsaufnahmen Furtwängler, in dem es immer irgendwie um alles ging. [...] Hier geht es um alles.
      Wie im Kriege selbst. ;( Und wenn WKII dazu beigetragen haben sollte, dass WF der Nachwelt tolle (Beethoven-)Interpretationen hinterlassen hat - so what? Dann sind die zahllosen Opfer ja vielleicht doch nicht ganz sinnlos umsonst gewesen, oder?

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Ich vermute ja lange schon, dass der Nimbus der Kriegsaufnahmen auch deshalb entstanden ist, weil die Aufnahme selbst dumpfer, grimmiger klingen als die moderne Stereokonkurrenz. Spaßeshalber kann man ja mal eine andere Kriegsaufnahme zum Vergleich hören: 20./.21. März 1944: Furtwängler und die Berliner spielen Ravels Daphnis et Chloé. Da geht es hörbar um alles!
    • Algabal schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Eine der typischen Kriegsaufnahmen Furtwängler, in dem es immer irgendwie um alles ging. [...] Hier geht es um alles.
      Wie im Kriege selbst. ;( Und wenn WKII dazu beigetragen haben sollte, dass WF der Nachwelt tolle (Beethoven-)Interpretationen hinterlassen hat - so what? Dann sind die zahllosen Opfer ja vielleicht doch nicht ganz sinnlos umsonst gewesen, oder?
      Adieu
      Algabal
      Na, da fehlt doch wohl ein ganz schwarzer Ironie-Button, oder?

      :wink: Wolfram
    • Knulp schrieb:

      Ich vermute ja lange schon, dass der Nimbus der Kriegsaufnahmen auch deshalb entstanden ist, weil die Aufnahme selbst dumpfer, grimmiger klingen als die moderne Stereokonkurrenz. Spaßeshalber kann man ja mal eine andere Kriegsaufnahme zum Vergleich hören: 20./.21. März 1944: Furtwängler und die Berliner spielen Ravels Daphnis et Chloé. Da geht es hörbar um alles!
      Das ist jetzt OT, aber Furtwängler mit seinem Anspruch die deutsche Kultur vor (Nazi-) Barbarei und Untergang zu bewahren, (jetzt sehr verkürzt) war wohl in einer solch angespannten Situation, dass er nur so dirigieren konnte. Hört man spätere Aufnahmen der selben Werke klingen sie schon anders.

      :wink: Wolfram
    • wie im Thread Musikalische Vorhaben 2020 angekündigt, vertiefe ich mich spielerisch in Beethoven.
      Heute die Sonaten op 2/1, op 7 (I-III) und op 10/2 (wer die Nummern braucht: Sonaten 1, 4, 6).

      Wieder einmal fällt mir auf, wie orchestral Beethoven von Anfang für Klavier schreibt. Das hat rein gar nichts mehr mit Mozart und Haydn zu tun und ist eine ganz klare Ankündigung, dass da noch was in der Richtung kommen sollte. Zum Beispiel der Beginn von op 2/3* ist rein vierstimmig, er könnte auch von einem Streichquartett gespielt werden. Dass ausgerechnet in diesem Satz in der Durchführung die "banalsten" Klavierfiguren aller frühen Sonaten auftauchen, hat schon wieder etwas ironisches.
      Höhepunkt der konsequenten Vierstimmigkeit in den Klaviersonaten ist übrigens op 28 I.
      Es wundert mich nachgerade, dass noch kein Streichquartett auf die Idee gekommen ist.

      op 10/2 ist eine der unterschätzten Perlen. Freilich am besten man spielt sie selbst. Mit beiden Wiederholungen im Kopfsatz und im Finale.
      Das Trio im 2. Satz könnte ebenso von Schubert sein. Damit habe ich schon einige Musikkenner hereingelegt.

      :wink: Khampan

      *[edit: Nummer berichtigt]
    • Eben Op. 110 mit Emil Gilels. Ich finde auch, dass gerade die Klaviersonaten Beethovens überragende musikalische Persönlichkeit repräsentiert haben. Dazu noch einige der Sinfonien, etwa Eroica und Neunte. Weniger die Klavierkonzerte, bei denen auch Mozart ein herausragendes Niveau erreicht hat. (Auch die letzten Sinfonien Mozarts müssen sich natürlich nicht gegenüber Beethovens verstecken.) Die späten Streichquartette sind in dieser Hinsicht sicherlich auch nicht zu verachten.

      Wenn man eine "Gesamt"einspielung der Klaviersonaten sucht, würde ich Gilels empfehlen, auch wenn sie nicht ganz ist (gerade Op. 111 fehlt schmerzhaft). Aber auch mit der Pollini-GA kann man m. E. nichts falsch machen, und die ist wirklich komplett.

      Als Klassik-Anfänger habe ich mich damals an den Sonaten mit Namen orientiert. Mondschein, Appassionata, Waldstein, ... Später Hammerklavier, fand ich zunächst schwierig, und dann die letzten drei, die haben mich allerdings sofort gepackt. Das Label "die letzten drei" ist sozusagen auch ein Name. Die Sonaten waren für mch schon ganz früh neben Sinfonien und Konzerten das zweite (gleichwertige) Standbein.

      maticus



      (Die Pollini-GA ist ja gerade unglaublich preiswert.) Die hohen Bewertungen beim Fluss, Gilels 4.8/5 (55) und Pollini 4.6/5 (96), sprechen eine ziemlich deutliche Sprache.
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten