Ein Tag ohne Beethoven ist möglich...

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    • b-major schrieb:

      Auf you tube ist noch einen bearbeitete Aufnahme - 'restored sound' , was wohl auf Rauschunterdrückung hinausläuft - eingestellt . youtube.com/watch?v=g-4E4WASx0k .
      In dieser YT-Version ist allerdings alles Lug und Trug: mono (!), von LP abgespielt (hörbare Gleichlaufschwankungen, Knistern), nix restored sound, läuft etwas zu schnell.
      Kurzum scheußliche Klangqualität. Einen größeren Kontrast zu youtube.com/watch?v=1hDjqoQsQkg kann man sich kaum vorstellen.
      Merkwürdig das alles.
    • b-major schrieb:

      Der von mir erstgenannte link ist offiziell von Warner . Aber es gibt die Aufnahme doch auch als stream , oder ?
      richtig, bei Spotify ist die gleiche gute Qualität wie das Kyrie bei YT zu hören. Also hat das schon seine Richtigkeit. Hab ja nichts gegen positive Überraschungen einzuwenden, bin nur bei YT generell vorsichtig.
      Toller Tip!
      :) Khampan
    • Die Aufnahme trägt so sehr die Handschrift Beechams . Hier und da hat er seine "Duftmarken" gesetzt , getreu seiner Devise : " I think that might help this passage along" , und das schätze ich sehr . Macht wohl den Unterschied . Und das dir mal nicht die Ohren pfeifen , freut mich .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Heute vor 71 Jahren starben Ginette Neveu und ihr Bruder Jean bei einem Flugzeugabsturz. Deshalb sie mit dem VKK unter Hans Rosbaud.



      Die Aufnahme stammt aus einem Konzert einen Monat vor ihrem tragischen Tod. Sie besticht für mich durch ihre fast sanfte Wehmut und v.a. auch durch ihren fein-sensiblen Ton. Eine Aufnahme, die ich immer wieder hören kann.

      :wink: Wolfram
    • Die 'Große Fuge' op. 133 in der Orchesterfassung unter Paul Hindemith, Rom 1962.

      youtube.com/watch?v=WXc2gHlNU-A

      Ein extremes Werk und in der Interpretation von Paul Hindemith umso mehr. Das ist für mich fast keine Wiedergabe des Werks mehr, sondern eher eine Art Meditation darüber und das aus der Sicht des XX. Jhrdts. Sehr faszinierend, sehr eigen, auch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber für meine Ohren funktioniert es, Beethoven trägt es.
      Ich weiß nicht, ob es eine von Hindemith selber erstellte Orchesterfassung ist. Das würde vielleicht Manches erklären.

      :wink: Wolfram
    • Nach längerer Zeit habe ich mal wieder eine Klaviersonate vergleichsgehört, diesmal die kleine op. 54 (Nr. 22 F-Dur):




      Evgenia Rubinova kann mich hier nicht überzeugen: ein starr wirkender Zugriff, dynamisch wenig ausdifferenziert, das Instrument klingt leicht scheppernd. Pollini dagegen mit größerer dynamischer Spannweite, wunderbar flüssiges Spiel im zweiten Satz, alles wirkt großbogiger angelegt. Nur der Schluss könnte etwas schroffer sein. Bei Pogorelich wirkt der erste Satz etwas manieriert, mit starkem Rubato, vor allem in der stark verlangsamten Schlusspassage. Der zweite Satz überzeugt mehr, auch wenn mit den Sforzatoangaben recht frei umgegangen wird. Jumppanen spielt alles etwas weicher, mit weniger schroffen dynamischen Wechseln, erst ganz zum Schluss des zweiten Satzes "dreht er auf". Insgesamt erfreulich sparsamer Einsatz des Pedals (wie ich das von ihm schon bei den früheren Sonaten erinnere). Lugansky überzeugt mich hier so wenig wie Rubinova. Sein Spiel wirkt ebenfalls eher starr, oft etwas verhalten, er "unterspielt" das Stück etwas. Goode (den ich offen gesagt kaum kenne) überzeugt mich hier sehr: Der erste Satz beginnt fast musterschülerhaft brav, er bleibt dann auch weiter sehr textgenau und doch hat man das Gefühl einer Entwicklung, noch stärker im zweiten Satz, den er – gerade durch die peinlich genaue Beachtung der dynamischen und anderen Vortragsangaben – wunderbar unter Spannung hält. Dagegen fällt auch Gulda etwas ab. Das Stück gehört für mich nicht zu den Höhepunkten seiner (von mir sehr geschätzten) Gesamtaufnahme. Auch wenn seine ansatzlosen Sfortzati zwischendurch begeistern können, wirkt das Ganze etwas routiniert und wie (auf sehr hohem Niveau natürlich) vom Blatt gespielt. Meine Favoriten für op.54 sind Pollini (Tendenz: dramatisch) und Goode (Tendenz: feinsinnig).
    • Neu

      Im Beethovenjahr 2020 möchte ich doch noch einmal (besser gesagt dreimal) durch die neun Symphonien, diesmal mit schriftlichen Impulsen von Christian Thielemann, formuliert für das 2020 bei Beck (München) veröffentlichte Buch „Meine Reise zu Beethoven“, sowie mit dem 2013 erschienenen Münchner Mariss-Jansons-CD-Zyklus (6 CD-Box BR-Klassik 900119) und mit dem zum Beethovenjahr aus Amsterdam beigesteuerten dirigentenhistorischen Concertgebouw-CD-Zyklus…



      Thielemann, der meinem Leseeindruck nach vielfach „kapellmeisterlich locker“ formuliert, macht auf die gegenüber Haydn dunklere Instrumentierung der Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21 aufmerksam. Den 2. Satz charakterisiert er als „ein merkwürdig überbetontes, stilisiertes Menuett“, und dem 3. Satz fehlt „ein rechtes Thema“. Thielemanns Fazit: „Beethovens Erste stellt Fragen.“

      Mariss Jansons und das Symphonieorchester das Bayerischen Rundfunks gaben in ihrem Konzert am 27.11.2012 in der Suntory Hall in Tokyo, bei dem die Symphonien 1, 2 und 5 aufgeführt wurden, für das japanische Publikum und für den Livemitschnitt mit (meinem Hörempfinden nach) großartig offenem Raumklang bereits mit dieser 1. Symphonie eine passende Antwort: die Zügel fest gespannt, musizieren sie dieses Werk gleich mit so viel Herz und Seele und mit ihrer prachtvollen Klangkultur, dass man sofort Feuer und Flamme ist – das ist 25 Minuten lang schon mal ein richtiges Beethoven-Fest!

      2020 veröffentlichte das Concertgebouw Orkest in seiner Edition auch einen „Beethoven live“ Zyklus (5 CDs RCO 19005) – allerdings mit neun verschiedenen Dirigenten. Die Aufnahme der Symphonie Nr. 1 von Beethoven dirigierte am 9.6.2010 David Zinman. Sofort fällt (mir) bei etwas dumpferem Klangbild als bei der Münchner Aufnahme aus Tokyo der spezifische Klang des Amsterdamer Orchesters auf, „holz“-intensiver. Zinman geht es meinem Höreindruck nach rustikaler an als Jansons, anders frisch drauflos, erdig lebendig.

      Fazit für mich nach der 1. Symphonie: Die Amsterdamer Aufnahme ist OK, ein schönes Livedokument. Der Jansons-Zyklus deutet aber schon hier für mich Suchtpotential an.

      Mit Spannung freue ich mich dieser Tage auf die "Zweite", Bernstein in Amsterdam und dann wieder nach Tokyo...
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Neu

      Ein Tag ohne 2. Satz der Klaviersonate op 111 ist immer noch nicht möglich.
      Heute abend war Schnabel dran



      Ist mir nicht semplice genug. In der 3. Variation wird das Tempo zu sehr hin und her gerückt. Ist mir zu schlampig. Zu fett romantisch an vielen Stellen, sogar bei leisen Stellen, durch die aufdringlichen, zu wenig semplice genommenen Rubati.

      Levit bleibt hier immer noch mein Favorit, trotz etwas zu halliger Aufnahmeklangqualität. Er spielt das Thema molto semplice, die 3. Variation sehr prägnant und rhythmisch perfekt und dadurch ziemlich aufregend, und in der 2. Variation macht er ein paar für mich bezaubernd unscheinbare Rubati, auf die ich mich immer schon vorher freue.
      Könnte ich noch viel Positives darüber sagen.
    • Neu

      Heute morgen wachte ich mit dem 2.Satz der opus 111 als Ohrwurm auf.

      Nun höre ich gerade zum 2. mal Barenboim hier



      Meine neuen Lautsprecher sind unbarmherzige Genelec für near- field listening, aber diese Barenboim Aufnahme ist wunderbar und hält ihnen stand. Mir ist das Thema immer noch nicht 100% semplice genug, aber im weiteren Verlauf finde ich den Satz für mich sehr gelungen. Levit schafft es aber, mich wirklich zu berühren, Gründe dafür im vorherigen Beitrag.
      Ich habe Barenboim vor vielen Jahren hier in London mit seinem Beethoven Zyklus gehört. Ich glaube es war 2008. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis.
    • Neu

      Es ging weiter mit Barenboims neuer Video GA der Beethoven Sonaten, welche man auf Medici geniessen kann.

      Ich habe mir eben den 2.Satz der Opus 111 angehört.

      Ich werde dazu nichts weiter sagen, als dass ich nach 5 Takten angefangen habe zu weinen und nicht aufgehört.
      Da gibt es keine Worte dafür. Sein ganzes Leben steckt darin. Und unsere Situation heute.
    • Neu

      Rosamunde schrieb:

      Es ging weiter mit Barenboims neuer Video GA der Beethoven Sonaten, welche man auf Medici geniessen kann.

      Ich habe mir eben den 2.Satz der Opus 111 angehört.
      falls sich doch jemand fragt:

      Er spielt technisch perfekt. Eine unglaubliche Leistung. Man vergisst das Technik ein Problem sein könnte. Alles ist vorhanden um es in den Dienst dieser Musik zu stellen. Um Welten besser in dieser Hinsicht als viel andere mit grossem Namen.
      Die leisen Stellen sind so unglaublich leise und dennoch ganz fein musikalisch geformt. Die hohe Stelle ganz am Ende besonders.
      Die 3. Variation ist herrlich.

      EDIT: Übrigens hat er mE das Problem des berüchtigten Auftakts und der Betonung bzw Nicht-Betonung dessen meisterhaft gelöst. Was für eine pianistische und musikalische Leistung das ist.....
    • Neu

      Diese neue Video GA, von der du sprichst, sind das dieselben Aufnahmen die 2020 für die DG eingespielt wurden (ich glaube im Boulez Saal in Berlin)? Manches auf der neuen DG Integrale habe ich auf spotify gehört und ich spüre eine grosse Versuchung die Box zu kaufen, obwohl ich schon zwei komplette Beethoven Zyklen mit Barenboim habe (seine erste Aufnahme, jetzt bei Warner und eine Box mit EMI DVDs, die in der Staatsoper live aufgenommen wurden. Die 2020-er Aufnahmen sind oft sehr kontemplativ, würde ich sagen, und das ist als Kompliment gemeint.
    • Neu

      Abendroth schrieb:

      Diese neue Video GA, von der du sprichst, sind das dieselben Aufnahmen die 2020 für die DG eingespielt wurden (ich glaube im Boulez Saal in Berlin)?
      ja, das ist sie. Hab sie auf spotify gar nicht gesehen.....oder Tomaten auf den Augen gehabt.

      Ich habe nur den einen Satz gehört - aber werde morgen weiter hören.

      Kontemplativ ist eine gute Bezeichnung - aber passt natürlich auch gerade auf den 2. Satz der 111.

      Ob der 1. Satz auch so ist.... darf ja wohl nicht durchwegs sein. Mal sehen - ich bin gespannt.
    • Neu

      Abendroth schrieb:

      Diese neue Video GA, von der du sprichst, sind das dieselben Aufnahmen die 2020 für die DG eingespielt wurden (ich glaube im Boulez Saal in Berlin)?
      Nachtrag - ja es ist diese hier, aber mit Video.

      deutschegrammophon.com/en/cata…ariations-barenboim-12091

      Jetzt wäre interessant zu wissen, ob die Aufnahmen der einzelnen Sätze deshalb nicht geschnitten wurden.
      Im Video spielt er ja alles von vorn bis hinten in einem durch.

      Übrigens, ich muss mich berichtigen: auf Medici tv kann man die Videos nur bis Ende Dez dieses Jahres anhören.
    • Neu

      Rosamunde schrieb:

      Er spielt technisch perfekt.
      Im 1. Satz der opus 111, meine ich, fehlt ihm, um b-major zu paraphrasieren, doch an 2-3 Stellen die Beethoven-Pranke. Es wirkt sich auf das Tempo aus. Ich meine er muss Konzessionen machen (sagt man das im Deutschen?) .
      Ich habe deshalb eben die Hammerklavier angestellt.....auch ziemlich etwas gemächlich.

      Ich vermute nach meinem zugegeben wenigen Hören bisher deshalb, dass ich diese GA anstelle, wenn ich die kontemplative Seite von Beethoven geniessen möchte.
    • Neu

      Ich habe in einige Sonaten hineingehört und Abstand genommen. Einerseits hat Barenboim mich beeindruckt, weil er es immer noch sehr gut hinbekommt, bei langsamem Tempo, andererseits fand ich ihn von der Aufnahmen-Weltklasse dann doch recht deutlich entfernt. Hörenswert ist das sicherlich, aber kaufenswert m. E. nicht.