Janáček - Její pastorkyňa (Jenůfa). Deutsche Oper Berlin, Wiederaufnahme am 12.01.2020

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Informationen zum Capriccio-Verein als Betreiber des Forums finden sich hier.
    • Janáček - Její pastorkyňa (Jenůfa). Deutsche Oper Berlin, Wiederaufnahme am 12.01.2020

      Inszenierung: Christoph Loy
      Bühne: Dirk Becker
      Kostüme: Judith Weihrauch
      Spielleitung: Eva-Maria Abelein

      Die alte Buryja: Renate Behle
      Števa Buryja: Ladislav Elgr
      Laca Klemeň: Robert Watson
      Die Küsterin Buryja: Evelyn Herlitzius
      Jenůfa: Rachel Harnisch
      Altgesell: Philipp Jekal
      Dorfrichter: Stephen Bronk
      Frau des Dorfrichters: Nadine Secunde
      Karolka: Jacquelyn Stucker
      Barena: Karis Tucker
      Jano: Meechot Marrero
      Schäferin: Fionnualla McCarthy

      Orchester der Deutschen Oper Berlin
      Chor der Deutschen Oper Berlin, Einstudierung Jeremy Bines
      Statisterie der Deutschen Oper Berlin
      Musikalische Leitung: Donald Runnicles

      Über diese Aufführung zu schreiben fällt mir schwer. Wenn man so dermaßen von den Socken ist (der Ausdruck ist irgendwie deplatziert, aber ein besserer fällt mir nicht ein), wird das Bemühen um eine halbwegs neutrale Berichterstattung schwierig. Eine Aufführung, wie man sie vielleicht nur alle zehn Jahre mal zu sehen und zu hören kriegt! Die obige statistische Auflistung der Beteiligten ist Folge einer auf allen Ebenen bis in die letzte Ecke gelungenen und besetzten Vorstellung.

      Eine bis in kleinste Details ausgeführte und überlegte Personenregie für ausnahmslos alle Rollen wie den Chor (und die erforderliche Sorgfalt der Wiedereinstudierung! Die Produktion ist acht Jahre alt), kein bißchen zuviel, kein bißchen zu wenig; ein sparsames, aber immer treffendes Bühnenbild; die Verlegung der Handlung in die jüngere Vergangenheit (60er, 70er Jahre?) nur über die Kostüme (andere Accessoires bleiben auf der Ebene des mährischen Dorfes im späten 19. Jh.); eine in allen, wirklich allen Belangen unglaublich gute Sängerriege; ein überlegt abgestuftes Dirigat (meine Güte, wie soll man das denn ausdrücken!). Ich bin im Zweifel, ob ich bei einer so perfekten Produktion jemals zugegen gewesen bin.

      Wenn ich überhaupt etwas besonders herausstellen kann, dann die sängerische und spielerische Darstellung der Küsterin durch Evelyn Herlitzius, der es in dieser Instenierung gelingt, die alten Traumata der Figur, das neue Trauma, das sie sich selbst (und ihrer Pflegetochter) zufügt, den Druck, dem sie ausgesetzt ist und dem sie sich selber aussetzt und das endliche Begreifen dieser Dinge von der ersten bis zur letzten Minute immer gleichzeitig mitzuspielen und zu -singen. Höhepunkt (eher wohl: Tiefpunkt) der Moment, wo sie sich den Spott und die Häme klarmacht, denen sie ausgesetzt sein wird, wenn Jenůfas Niederkunft bekannt wird: mit den Fingern wird man auf sie zeigen, die gestrenge Küsterin, sich dabei mit ausgestrecktem Zeigefinger im Rhythmus des Wortes auf die Brust schlagend: "Kos - tel - nič - ka". Und nein, keinerlei schrille Töne!

      OK, noch ein paar Details! Dass man für dieses Stück zwei jugendliche Tenöre mit völlig müheloser Höhe zu hören kriegt, ist auch nicht gerade selbstverständlich. Bewegt sich schon Ladislav Elgr mit erstaunlicher Sicherheit durch die hohe Tessitura des Števa, gelingt dem jungen Ensemblemitglied Robert Watson, das feine Kunststück, im Schlussakt zu klingen, als sei er um Jahre gealtert. Über Rachel Harnisch kann ich nur sagen, dass sie völlig vergessen machte, dass da eine Sängerin eine Rolle darstellte. Und dann kommt Nadine Secunde als Frau des Dorfrichters im dritten Akt auf die Bühne, guckt einmal auf Jenůfa und einmal auf die Küsterin, und hat, bevor sie auch nur den Mund aufgemacht hat, in zwei, drei Sekunden die Gemeinheit und Bigotterie der (Dorf)gesellschaft dem Zuschauer vor den Latz geknallt.

      Weitere Aufführungen nur noch am 17., 25. und 31. Januar. Wer da nicht hingeht, ist selber schuld.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Peter Jott schrieb:

      Du lässt einem ja keine Wahl
      Hab' ja über einen anderen Kanal ein etwas zurückhaltenderes Feedback bekommen (von jemand, der in derselben Aufführung war). Aber wer schon 20 Jenůfas live gehört hat (ich nur 3), kann eher eine reserviertere Position einnehmen. Unzufrieden schien der Mann allerdings auch nicht gerade ;) (vor allem nicht mit Frau Herlitzius); und er hat mir noch einen Link von einem weiteren Bericht über desselben Abend geschickt.

      Wünsche viel, hm, Vergnügen ist nicht so ganz das richtige Wort...

      Lass' mal hören, wie es Dir gefallen hat.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur