Totgenudelte Werke - Welche sind es und warum?

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    • Wenn man sich Kinder und ihre Hörgewohnheiten anschaut: da gibt es sowas wie" totgenudelt" überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, sie wollen gefühlte 100000mal immer wieder dasselbe Stück hören. Offenbar müssen sie sich das ganz und gar einverleiben und einen dauerhaften inneren Abdruck schaffen. Und können ihre Eltern damit leicht in den Wahnsinn treiben......
      Wann und warum verliert sich dieses Bedürfnis nach unendlicher Wiederholung? Mir geht es wie Waldi: wenn ich eine Musik mag, erwacht meine Kinderseele, wenn nicht, ist sie schon beim zweiten Mal totgenudelt, eigentlich schon beim 1. Mal.....
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ja, als ich vor einigen Jahren zum Vorlesen meines damals 2-4jährigen Neffen herangezogen wurde, fiel mir diese Operettenzeile "Noch amol, noch amol, noch amol..." ein. Denn "nochmal!" war oft die Reaktion des Kindes auch nach schon mehrfacher Wiederholung. Repetitio delectat.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Das gehört unabdingbar zum Lernverhalten von Kleinkindern: Wiederholung ad infinitum. Meine Enkelin konnte mit eineinhalb Jahren auch eine Stunde lang den Autos an der Ampel zusehen, ob auch tatsächlich kein Regelverstoß zu beobachten war und vielleicht doch eines bei grün anhält oder bei rot fährt. Und ob sich alle aus der Querstraße entsprechend antizyklisch verhielten. Und alle Kinder in der Familie haben beim Vorlesen jegliche Abweichung im Text unerbittlich angemahnt - auch im Kindergarten. Da war nix mit Abkürzen....
      Damit sind wir beim Überdruß. Der kommt meiner Überzeugung nach nicht von der Wiederholung per se, sondern von der Wiederholung "nebenbei", wenn ich im Fall des Musikhörens also nicht bewußt und absichtsvoll höre (vielleicht sogar mit der Partitur, um Details zu analysieren?), sondern mir die Töne nebenher ins Ohr sickern lasse. Ist wie beim Essen: Solange ich das mit Genuss mache, wird mir eine bestimmte Speise auch nicht über. Wenn ich sie weiteresse, obwohl ich keinen Genuss mehr dabei habe, Weil ich's halt so gewohnt bin, wird's irgendwann zum Überdruß.
      OK, erster Versuch sich dem Thema zu nähern...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)