Kolumbien

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    • Als Land hat Kolumbien schon mehr zu bieten als Kuba. Das liegt zum einen an der Größe, zum anderen am fehlenden Sozialismus. Dennoch sollte man Kuba eher besuchen. Weil es sich schneller ändert.

      Unabhängig davon hat Kuba musikalisch die Nase vorn. In Kolumbien, also vor Ort, müsste man schon gezielt suchen, mit viel Recherche vorab. Da ich das nicht tat, kann ich nach 3 Wochen Urlaub und durchaus großem Aktionsradius auf kein einziges musikalisches Erlebnis zurückblicken (in Kuba hatte ich in der gleichen Zeit 7-8 an der Zahl). Natürlich hört man viel Musik hier und da im Hintergrund. Shakira war auch mal dabei. Aber das meiste sind irgendwelche kitschige Schlager.

      Wie kommt man also zu einem musikalischen Andenken? Schwierig. Shakira ist natürlich die Nummer eins, aber von der hab ich eh schon 3 Alben. Juanes ist ok, von dem hab ich eins. CD-Läden vor Ort sind, wie überall, am Aussterben. Immerhin fragte ich ein bisschen herum. Ihr kennt das: Frage 5 Leute, und du bekommst 6 Meinungen. In der Tat gab es kaum Überschneidungen. Am Ende nahm ich folgende Liste mit nach Hause (ich fragte nach Tipps, ohne Shakira und Juanes):

      Silvestre Dangond
      Yeison Jiménez
      Darío Gómez (andere Meinung: "geht gar nicht")
      Andrés Cepeda
      Totó la Momposina ("die beste von allen")
      J Balvin
      Maluma
      Fonseca

      Laut eigener Recherche müsste man mindestens noch Carlos Vives dazunehmen.

      Nach Reinhören in diverse Songs würde ich sagen:

      Silvestre Dangond, Andrés Cepeda: ok
      Yeison Jiménez, Darío Gómez: nicht mein Fall
      Totó la Momposina: in der Tat sehr interessant, wenn auch nicht unbedingt typisch
      J Balvin, Fonseca: gut
      Maluma, Carlos Vives: gut, liegen mir ein Tick besser als die beiden davor genannten

      Wobei ich zugeben muss, dass ich bei den beiden letztgenannten positiv voreingenommen bin, weil sie schon mit Shakira zusammengeabeitet haben. Das ist, als ob ich Shakira direkt gefragt hätte:
      La bicicleta
      Chantaje

      Maluma hat dann noch zwei Vorteile: Erstens ist er jünger, daher moderner, und man hat nicht so die Qual der Wahl (weniger Alben). Zweitens kommt er aus meiner Lieblingsstadt Medellín.

      Jetzt muss ich bloß noch entscheiden: Nehme ich das aktuelle Album (11:11, erschienen 2019) oder das vorletzte (F.A.M.E., erschienen 2018). Amazon warnt bei beiden Alben vor "expliziter Sprache". Das ist schon mal gut. Wobei 11:11 drei "explizite" Titel hat, F.A.M.E. nur zwei. Also nehme ich 11:11.


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      Thomas
    • jedenfalls gibts in Kolumbien anscheinend auch eine "klassische" (im weiten Sinn) Musikszene.

      ein bisschen youtuben brachte schnell eine Auff. des Sacre mit einem Jugendorchester (Ltg. Andres Orozco-Estrada) in einem eigenartigen Aufführungs"format", das man als "für Orchester mit integriertem Ballett" bezeichnen könnte.

      Hier ab 3:50 (vorher ist was anderes):

      youtube.com/watch?v=joer2oBpsjs

      edit
      (ich nenne absichtlich ein Jugendorchester - andere gibts natürlich auch - weil doch immer mal wieder die zunehmnde Alterung des Klassik-Publikums beklagt wird. Jedenfalls meinem Eindruck nach altert die klassische Musikproduktion weltweit keineswegs).
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      jedenfalls gibts in Kolumbien anscheinend auch eine "klassische" (im weiten Sinn) Musikszene.
      Richtig, wie auch in Kuba. Und in Bogotá stand das Opernhaus nicht einfach so rum (wie häufig in Italien), sondern es gab auch Vorstellungen während meiner Anwesenheit. Allerdings keine Opern. Aber ich fahre ja nicht nach Kolumbien, um Verdi zu sehen.

      Wobei, jetzt, wo du es sagst: In Medellín war ziemlich tote Hose. In der Hinsicht war in Bogotá tatsächlich mehr los. Während das Theater in Cartagena nicht mal eine eigene Homepage hat...



      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Aber ich fahre ja nicht nach Kolumbien, um Verdi zu sehen.
      hinfahren kommt für mich sowieso nicht in Frage, und persönlich angewiesen bin ich auf exotische Klassik auch nicht, aber ich finde an yt toll, daß man besser als jemals mitkriegen kann, was sich in der Welt hinsichtlich klass. Musik tut. Das "Niveau" ist da nichtmal so entscheidend.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      exotische Klassik
      Was soll daran "exotisch" sein? Kolumbien ist ein ganz normales Land. Wie Spanien, bloß weiter weg. Ok, der Flug kostet stark 600 Euro (hin und zurück), dafür gibt man pro Tag ca. halb so viel aus wie in Europa. Je nach Urlaubstyp ist der teurere Flug nach 10-15 Tagen durch die geringeren Kosten vor Ort kompensiert. Gilt natürlich auch für Kuba. 3 Wochen Nordsee im Hotel sind definitiv umweltschädlicher als 3 Wochen Kolumbien mit Airbnb.


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Was soll daran "exotisch" sein?
      klar doch, ich hätte "" nutzen sollen.

      War einfach die Perspektive aus meiner Jugendzeit.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Ecclitico schrieb:

      Was soll daran "exotisch" sein?
      Abgesehen von der geographischen Lage rund um Breitengrad 0, dem dadurch bedingten äquatorialen-tropischen Klima, der endemischen Flora und Fauna, den bei uns nicht so geläufigen Biotopen wie Regenwald und Savanne, dem Relief (Bogotà liegt 2600 m über NN), fast gar nichts.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Ich glaub' es ging um "exotische Klassik", nicht um exotische Länder... :D
      εξωτικός - auswärtig...
      Also, wenn eine Hamburgerin (meine ehemalige Nachbarin) auf dem Dorf in der baierischen Provinz lebt, dann gilt sie dort als "Auswärtige" (wenn nicht gar als "Fremde"!): mit anderen Worten: als exotisch...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:

      Ich glaub' es ging um "exotische Klassik", nicht um exotische Länder
      Eben. Die "Klassik" klingt dort nicht anders als bei uns. Und die Leute sind wirklich nicht "exotisch". Das Wetter ist ganz normal. Über's Jahr gesehen natürlich anders. Aber an einem einzelnen Tag ist es exakt wie hier. Cartagena heiß, Medellín warm. Bogotá kühl. Die Pflanzen sind grün, wie überall. Exotische Tiere mag's geben, aber üblicherweise laufen die einem nicht einfach so über die Straße. 100 km Busfahrt nimmst du also kaum anders wahr als z.B. die gleiche Strecke in Spanien oder in den Alpen. Ok, es gibt diverse Biotope. Aber da wird keine "Klassik" gespielt. Die gibt's nur in den Städten. Natürlich in deutlich geringerem Umfang als bei uns. BIP pro Kopf unter 7.000 Dollar/Monat. Griechenland 20.000, Italien 34.000, wir knapp 48.000.


      Thomas
    • da frag' ich mich jetzt, wieso man dorthin fliegen muß, wenn's dort eh' so ist wie hier..?
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:

      da frag' ich mich jetzt, wieso man dorthin fliegen muß, wenn's dort eh' so ist wie hier..?
      Man pustet etwas mehr CO2 in die Luft als wenn man mit dem Fahrrad nach Buxtehude fährt. Wahrscheinlich ist das Wetter in Kolumbien aber besser.

      Aber. Kennt jemand Werke eines der hier genannten Komponisten? ich nicht.
      de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Komponist_(Kolumbien)
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
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      maticus
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    • motiaan schrieb:

      Kennt jemand Werke eines der hier genannten Komponisten?
      José Cascante ist mir schon mal über den Weg gelaufen:
      Musique a La Cathédrale Santa Fé De Bogotá


      Südamerikanische Barockmusik (Südamerikanische klassische Musik überhaupt und sowieso) ist hierzulande terra incognita. Spanische und portugisische eigentlich auch... :(

      Nachtrag: gerade gesehen: ASIN funktioniert nicht auf Amazon.com....
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
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    • bustopher schrieb:

      da frag' ich mich jetzt, wieso man dorthin fliegen muß, wenn's dort eh' so ist wie hier..?
      Versuch einer Provokation. Natürlich kennst du die Antwort. Aber für den Rest:

      Wegen Klassik fliegt man nicht nach Südamerika. Aber wegen der Kultur. Dieser anderen Kultur, Alltagskultur. Spanisch, katholisch, kolonial, Geschichte, Konflikte, Gewalt, Essen, Musik, Tanz, etc.

      Aber warum Kolumbien, und nicht Chile oder Peru?

      Kolumbien ist ein Land im Wandel. Mehr als alle anderen Länder des Kontinents. Es wird in 10 Jahren deutlich anders aussehen als heute. Von diesem Wandel eine Momentaufnahme mitzunehmen, hat seinen Reiz. Es war einer meiner intensivsten Urlaube. Und ich habe schon einige hinter mir.

      Das kannst du nachvollziehen, oder du kannst es bleiben lassen. Ist nicht mein Problem.

      Nächstes Ziele wäre Myanmar, aus demselben Grund: Nix Klassik, aber ein Land im Wandel.


      Thomas