Bedřich Smetana: Trio für Klavier, Violine und Violoncello g-Moll op. 15 (1855)

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    • Da habe ich auch Zweifel. Wenn ich Discogs richtig verstehe ist die verbreitete Aufnahme mit Panenka, Suk, Chuchro von 1968? Ich habe sogar eine Supraphon/Eurodisc LP davon, aber da steht kein Jahr drauf. Es kann gut sein, dass es eine ältere Aufnahme gibt und diese Diapason-Reihe hat normalerweise Sachen vor 1960.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Khampan schrieb:

      Spaß beiseite, weißt du zufällig auch, ob das Trio die "moderne" Aufnahme war? Kann ich mir kaum vorstellen, wo das restliche Programm aus den 1950ern stammt.
      Trio 1968 , Rest 50er .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
      My mask is my master - K. Ayers (It begins with a blessing but it ends with a curse)


    • Gestern auf freundliche Empfehlung eines Co-Forianers gehört. Aufgenommen 1991.

      Statt organischer Bedachtsamkeit hier musikantische Spielfreude. Die starken Tempokontraste im zweiten Satz wirken dann doch adäquater auf mich als die im Vergleich vorsichtige Herangehensweise etwa des Trio Copenhagen.

      Starke Aufnahme!
    • ich hab mich in den letzten Tagen durch die bei Spotify verfügbaren Aufnahmen gehört, dabei konnte ich mich zunächst einmal überzeugen was für ein starkes und mitreißendes Werk das ist.
      Mein Hörprotokoll plane ich hier nach und nach einzustellen. Weil gerade hier erwähnt. als erstes:

      Guarneri Trio (Prague)



      Aufnahme 1991, Erstveröffentlichung 1992 zusammen mit Dvorak Dumky-Trio, später wurde daraus eine Smetana-CD (1999) und ein Dvorak-Set.
      Spielzeiten 10:44 / 8:15 / 7:56
      Wie die Spielzeiten suggerieren, geht es sehr zügig zur Sache, im 3. Satz bis zur Grenze des sinnvoll machbaren, und das gut gemeistert.

      Spieltechnisch (z.B. Vibratoeinsatz, Intonation) ist es für meinen Geschmack zu sehr alte Schule, professionell gespielt, kalkuliert theatralisch statt von innen empfunden. Keine Ruhephasen, Dynamik nach unten wird nicht ausreichend genutzt.

      Braccio schrieb:

      Statt organischer Bedachtsamkeit hier musikantische Spielfreude
      musikantisch ja, aber Spielfreude teilt sich zumindest mir nicht mit. Weiß nicht genau warum, vielleicht fehlt mir Flexibilität und Eleganz.
      Klang nicht berauschend, ein bisschen nach Plastik (Zeitalter der DAT-Recorder).
      Die Füllstücke (für Violine und Klavier) machen die CD nicht attraktiver.

      Kurzfassung:
      Musik 9
      Klang 8
      :wink: Khampan
    • eigentlich wollte ich alphabetisch vorgehen. Als Kontrastprogramm passt es hier rein:

      Trio Animae



      unbedingt abzuraten.
      Der 1. Satz ist noch ganz gut gespielt. Der 2. Satz kommt nicht in die Gänge, im 3. Satz sind z.B. die Akzente zu zäh, wer das Gegenteil von musikantisch hören will, hat hier die Gelegenheit.
      Klang: unangenehm schalltot, die Töne der Violine wirken wie abgewürgt. Einmal durchs Hallprogramm jagen würde Wunder wirken.

      Musik 5
      Klang 4
      <X Khampan
    • Trio Atanassov



      +Dvorak op 65
      Spielzeiten 10:21 / 7:28 / 8:50

      Gut gespielt und disponiert, manches etwas vorsichtig (z.B. der Schluss), Gestaltung könnte noch freier sein. Viele wunderbare Details, Entwicklungen aber nicht immer organisch, besonders im Finale ...ein typisches Problem, nicht wirklich störend.
      Die beiden Streicher klingen wunderbar, die Balance ist auch gut, aber mit dem Klang des Klaviers werde ich nicht warm. Auf meinen Lautsprechern klingt es zu fett - nicht zu laut, gibt aber einen unangenehmem Druck auf die Ohren.
      Aufnahme 2012 Festeburgkirche Frankfurt

      Empfehlenswert, nicht zuletzt wegen der seltenen Kopplung mit Dvorak op 65
      Musik 9
      Klang 8
      :wink: Khampan
    • Trio con Brio Copenhagen



      +Tschaikowsky op. 50
      Spielzeit 11:56 / 8:47 / 9:01

      große spieltechnische Bandbreite zwischen Spielfreude und Zurückhaltung; atemberaubende Klänge durch perfekte Intonation, variablen Vibratoeinsatz und tolle Aufnahmetechnik. Stellenweise wirken die bedächtigen Phasen zu sehr übertrieben, bleiben dennoch organisch eingebunden.
      2. Satz Allegro-Teil relativ langsam aber gut akzentuiert; Andante steht etwas auf der Stelle, bzw. das Fragende wird überbetont. Ähnlich das Maestoso mit zahlreichen Kunstpausen.
      3. Satz zerfällt in die Episoden, es fehlt eine stringende Entwicklung zum Schluss. Gleichwohl tolle klangliche Effekte, die durch die astreine Intonation möglich werden (z.B. im Grave-Abschnitt kurz vor Schluss spielt die Violine das taktelange d' auf zwei Saiten, ein Gänsehautklang).

      Klang: Hallig, sollte laut gehört werden, dann ist der Klang ausgezeichnet, und die Konzertsaalatmosphäre macht manche interpretatorische Ungereimtheit wieder wett.

      Sehr empfehlenswert auch wegen Tschaikowsky, der noch überzeugender gespielt ist.
      Musik 8
      Klang 10 (für Lauthörer)
      :clap: Khampan
    • Dank Dir, lieber Khampan, für Deine Besprechungen! Ich lese da gern mit, da ich noch keine Aufnahme des Smetana-Trios habe und das Werk noch nicht kenne. Könnte sich ja mal ändern...

      Also: Gern weiter so!

      :)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Khampan schrieb:

      Spaß beiseite, weißt du zufällig auch, ob das Trio die "moderne" Aufnahme war? Kann ich mir kaum vorstellen, wo das restliche Programm aus den 1950ern stammt.
      Discogs

      Übrigens:
      Knappe 82 Minuten sollten heutzutage kein Problem mehr darstellen, wiedergegeben zu werden. Außerdem ist diese von Sony DADC gepreßt worden. Von denen habe ich bisher keinen Murks bekommen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Dvorak Trio



      Spielzeiten 11:08 / 8:26 / 9:02
      + Dvorak Dumky-Trio, 3 slawische Tänze
      Veröffentlichung 2013

      Spieltechnisch tadellos, idiomatisch, gut akzentuiert, aufnahmetechnisch exzellent.
      Trotzdem berührt es mich nicht. Das Spiel ist fast immer metronomisch, über-korrekt. Das persönliche Drama, das Smetana in dem Werk verarbeitet, scheint für die Musiker keine Rolle zu spielen.
      Insgesamt eine "gültige", wenn nicht sehr gute Interpretation, die aber den Zuhörer nicht anspricht. Hilfreich wären mehr Flexibilität in Tempo und Ausdruck, sowie mehr Entwicklung zwischen den einzelnen Abschnitten. Am besten ist der 3. Satz gelungen, bei dem die Übergänge quasi einkomponiert sind - die Abschnitte sind durch vorgeschriebene ritardandi und accelerandi stärker miteinander verbunden.

      Musik 9
      Klang 9
    • Joachim Trio



      Spielzeiten 11:38 / 9:06 / 9:02
      + Suk Trio op 2, Novak Trio op 23
      Aufnahme 1995 St. Martin's Church, Hampshire

      nur ausschnittweise gehört. Nicht schlecht, einige Details sogar hervorragend, aber insgesamt zu sehr buchstabiert, unflexibel, nicht immer organisch; da das Ensemble eigentlich sehr engagiert wirkt, bin ich geneigt, diese Kritikpunkte mindestens teilweise einem unsensiblen Editing zuzuschreiben. Einige Schnitte stolpern geradezu (eine Krux bei Naxos: die Tontechniker werden finanziell so kurz gehalten, dass sie keinen Anlass sehen, übermäßig Sorgfalt zu investieren).

      Spieltechnik und Klang tadellos. Positiv fiel mir insbesondere auf:
      im 3. Satz spielt der Geiger ab 7:08 das d' auf der G- und der D-Saite, ein schöner Effekt (der hier allerdings nicht so deutlich herauskommt wie beim Trio con Brio Copenhagen).
      Den Aufschwung am Beginn des schnellen Schluss-Abschnitts habe ich nie so stringent und perfekt gehört, wow.
      Kurz vor Schluss spielt das Klavier in einem G-Dur-Arpeggio einmal e-Moll, nun ja, hätte man beim Schnitt korrigieren können...

      Musik 7 (oder Musik 9, Schnitt 6)
      Klang 9
    • Oistrakh Trio

      DG
      Urania
      Aufnahme 1950
      Spielzeiten 12:14 / 8:25 / 8:35
      Unterschiedliche Kompilation auf jeweils 2 CDs

      Urania verwendet eine bessere Quelle als die DG, die weniger Rauschen und keine Vor- und Nach-Echos aufweist. Allerdings sehr höhenlastiger Klang, der die Geige noch mehr in den Vordergrund stellt, was man bei der Wiedergabe durch eine Bassanhebung + Höhenabsenkung ausgleichen kann und sollte.
      DG: bessere klangliche Balance, aber stärkeres Rauschen und störende Vor- und Nachechos.
      Urania und DG haben die gleiche (plausible) Stimmtonhöhe 439-440 Hz.
      Bei Spotify steht eine weitere Ausgabe zur Wahl mit einem für meine Ohren unerträglichen Pseudo-Stereo.

      Die Aufnahmequalität ist dem Alter entsprechend gut.
      Oistrakh spielt wie immer geradezu "modern", mit perfekter Intonation und flexiblem Vibrato. Und er kann sich zurücknehmen, soweit es die Tontechnik erlaubt, die ihn leider etwas in den Vordergrund stellt.
      Natürlich greift der Pianist ab und zu daneben, der Cellist geht öfter im Getümmel unter, sogar der Geiger ist mal (am Anfang des 3. Satzes) nicht mit den anderen zusammen, aber so etwas ist wohl mit verantwortlich für den Reiz einer historischen Aufnahme. Man kann sozusagen wie im Konzert mitfiebern ob alles gut geht.
      Konzertmäßig mitreißend ist auch der organische, bisweilen ungestüme Zug nach vorn. Auch Oistrakh spielt im 3. Satz das d' auf zwei Saiten. Eventuell geht diese Tradition auf ihn zurück.

      Trotz allem, für mich persönlich gibt es keinen entscheidenden Vorteil gegenüber neueren Aufnahmen.
      Interessenten empfehle ich die Urania-Version und eigenhändige klangliche Optimierung nach Geschmack.
      Eine Punktzahl wird diesmal nicht vergeben.

      :) Khampan
    • Sitkovetsky Trio



      Spielzeiten 10:43 / 7:33 / 8:23
      + Dvorak op 65, Suk Elegie op 23
      Aufnahme 2013 Potton Hall, Suffolk, GB

      Als ich vor ein paar Tagen nach kurzem Reinhören schrieb:

      Khampan schrieb:

      Die Pianistin beschränkt sich für meinen Geschmack zu sehr aufs Begleiten
      ahnte ich kaum das ganze Ausmaß.
      1. Satz: z.B. die Steigerung vor dem ersten Forte bis 2:55 - der polonaisenartige Rhythmus gehört viel stärker akzentuiert, so knackig wie möglich (das ist u.a. gemeint wenn ich von "idiomatisch" spreche).
      Im Forte ab 2:56 wartet die Pianistin mit ihren Akkorden artig auf den Geiger, der für seine gebrochenen Akkorde mehr Zeit beansprucht. Für ein Violinen-Showstück wäre diese Art rücksichtsvolle Begleitung wunderbar. Bei einem lebendigen Ensemblespiel sollte wenigstens hin und wieder auch mal ein Impuls vom Klavier ausgehen, zum Beispiel wenn es die Hauptstimme hat und die Streicher nur begleiten...
      2. Satz: optimale zügige Tempi, dennoch auch hier wieder: im Klavier nichts außer richtig gespielt.
      3. Satz: sehr schneller Presto-Teil. Gut gespielt und mit viel Ausdruck, trotz des wahnwitzigen Tempos präzise zusammen und jede kleinste Bewegung gut hörbar, bravo. Einige Stellen wirken etwas kalkuliert oder künstlich zusammengesetzt. Symptomatisch z.B. der abgesetzte, nicht organische Schlusstakt (ob durch Schnitt oder so gespielt). Das ist aber alles im Rahmen des üblichen.
      Wenn nicht wieder eine aktive Beteiligung des Klaviers komplette Fehlanzeige wäre. Z.B. ab 0:45 - Klavier hat das Thema, Geige und Cello begleiten, aber selbst das Cello ist lauter als das Klavier. Ähnlich der Beginn des Presto-Schlussabschnitts.
      ...Nun lang doch mal rein, möchte man der Pianistin zurufen.
      Schade, über Geige und Cello könnte man nur positives berichten.

      Klang: sehr gut, außer: auch von der Aufnahmetechnik ist das Klavier etwas in den Hintergrund gestellt. Das mag dem Selbstverständnis der Interpreten entsprechen, nicht aber dem Stück.

      Musik 8
      Klang 9

      Khampan (heute sehr großzügig :saint: )
    • Smetana Trio

      Die Spatzen pfoffen es von den Dächern: jetzt kommen die Referenzaufnahmen, und zwar gleich drei, mit einer Überraschung.

      Smetana Trio I, II und III


      Aufnahme I

      Spielzeiten 10:55 / 7:47 / 8:39
      + Dvorak Dumky Trio
      Aufnahme 2000 Domovina Studio Prag

      Referenz I
      Mit aller Energie und Leidenschaft, die das Stück braucht. Flexible Tempi wo nötig, akzentuierte Rhythmen, dabei immer perfektes Zusammenspiel. Bemerkenswert reife Leistung des noch jungen Ensembles, die es selbst später nicht mehr getoppt hat.
      Hier gibt es keine künstlich zusammengestöpselten Abschnitte, alles wirkt organisch bis zum Ende.
      Der Klang ist ebenfalls sehr gut. Wenn ich ganz streng bin, vermisse ich das letzte Quentchen audiophile Faszination, die mir das Trio con Brio Copenhagen bietet. Daher "nur" 9 Punkte.

      Musik 10
      Klang 9

      ----------------------------------------------------------------------------------

      Aufnahme II

      Spielzeiten 10:22 / 7:47 / 8:28
      + Suk op 2, Novak op 27
      Aufnahme 2004 Prag

      Referenz II
      Eine ebenfalls exzellente Aufnahme, gleichwohl keine neuen Erkenntnisse. Einige ganz leichte Ungenauigkeiten der ersten Aufnahme sind hier ausgebügelt, dafür geht etwas an Frische und Unbekümmertheit ab. Im Zweifelsfall würde ich die erste Aufnahme vorziehen, sowohl musikalisch als auch klanglich. Aber auf jeden Fall hat auch die zweite Aufnahme eine dicke Empfehlung verdient.

      Musik 10
      Klang 9

      ----------------------------------------------------------------------------------

      Aufnahme III

      Spielzeiten 11:01 / 8:21 / 8:44
      + Reicha op 47, Mendelssohn op 49
      Live-Aufnahme vom 1.3.2016 Hans-Huber-Saal, Basel

      Im ersten Satz kehrt das Ensemble wieder zur Tempodramaturgie der ersten Aufnahme zurück, schau an. Die längere Spielzeit im zweiten Satz geht v.a. auf das Konto des deutlich langsameren zweiten Abschnitts 'Andante', ansonsten gibt es kaum Unterschiede zu den Aufnahmen I und II.

      Pech dass die Messlatte, die I und II setzen, so unüberwindlich hoch liegt. Nummer III fällt dagegen in jeder Beziehung ab. Leichte Schwächen in Intonation und Zusammenspiel, kleine Ausrutscher im Klavier, was eben im Konzert so passiert, kann man noch ignorieren. Aber auch klanglich ist III deutlich weniger reizvoll. Beim Konzert hat man nicht die Möglichkeit, die Musiker für die Mikrofonierung optimal aufzustellen. Die hier gewählte Lösung, die Instrumte sehr direkt abzunehmen, führt zu einem fehlenden Raumklang, wodurch diese Liveaufnahme paradoxerweise am wenigsten von allen dreien nach Konzertsaal klingt. Wäre auch zu schön gewesen.

      Musik 8
      Klang 7
      :cincinsekt: Khampan
    • Trio di Torino



      bzw Download ASIN: B0030N0SXS

      Spielzeiten 11:07 / 7:51 / 8:32
      + Rubinstein op 15/2
      Aufnahme 2000 Congress Igls, Innsbruck

      Referenz III
      Hervorragende Aufnahme, spritzig, ausdrucksstark, manchmal übertrieben rabiat bzw. schauspielerisch, wie man es von vielen italienischen Aufnahmen kennt, aber dem Gesamteindruck tut das keinen Abbruch. Man spürt das professionell zusammengewachsene Ensemble, von allen Spielern gehen die Impulse gleichermaßen aus; insbesondere das Cello ist hier aktiver als in allen mir bekannten Aufnahmen, faszinierend. Und das Ende geht so überbordend ab wie es sein soll.
      Die Tempi entsprechen fast haargenau denen vom Smetana Trio I.
      Obwohl Kleinigkeiten zu kritisieren wären (im 3. Satz Anfang Akzente nicht scharf genug und die ersten Unisono-Triolen sind auseinander; vereinzelt leichte Intonationsprobleme), gibt es für die insgesamt mitreißende Performance volle Punkzahl. Bravo.

      Den Klang ist finde ich etwas zu trocken/direkt; der Raum ist hörbar kein guter Konzertsaal; das Klavier steht leicht im Hintergrund; der Geige fehlt wegen der direkten Mikrofonierung etwas an Glanz und Luftigkeit; nur das Cello lässt glücklicherweise auch klanglich keine Wünsche offen. ...alles auf hohem Niveau und nach persönlichem Geschmack kritisiert. Man kann sich an den Klang gut gewöhnen bzw. diese Klangphilosophie gerade gut finden.

      Musik 10
      Klang 8
      :sofa1: Khampan

      Damit ist das Projekt des Durchhörens bei Spotify am Ende angelangt. Glückwunsch an Braccio, der die Turiner Aufnahme auf meinen Tip schon bestellt hat.
      Einige weitere exotische Aufnahmen bei Spotify fand ich so schauderhaft wenig empfehlenswert, dass ich nicht sicher bin ob es sich überhaupt lohnt, meine Eindrücke hier aufzuschreiben.
      Eher würden mich die mir unbekannten Aufnahmen von bekannten Ensembles wie Abegg Trio, Trio Parnassus usw. interessieren. Das Wiener Klaviertrio habe ich wieder von meiner Interessenliste gestrichen.
    • Trio Wanderer



      Spielzeiten 11:14 / 7:45 / 8:19
      + Liszt Elegien und Transkriptionen
      Aufnahme 2009 Teldex Studio, Berlin

      Mit dem renommierten Trio Wanderer habe ich, ich gesteh's, meine Probleme. Wohl deswegen habe ich um diese Aufnahme unbewusst einen Bogen gemacht, also nicht nur als alphabetischen Gründen kommt diese Besprechung quasi als Nachzügler.
      Die spieltechnischen Qualitäten und auch die Homogenität als Ensemble ist unbestritten, jedoch schienen sie mir immer mehr zu schauspielern, als sich ernsthaft emotional und analytisch mit der Musik auseinandersetzen, die sie gerade spielen.

      Leider muss ich auch hier feststellen: Auf hohem spieltechnischen Niveau Thema verfehlt. In dieser Aufnahme wird nicht die Trauer über den Verlust eines Kindes verarbeitet, sondern der böhmische Musikant selbst wird ermordet zu Grabe getragen. Mit allem Trara was dazugehört.
      Symptomatisch ein falscher Violinton ziemlich am Anfang des 1. Satzes, Takt 80 (Spielzeit 3:12), auf dem ersten großen Höhepunkt: f'' statt g'' in einem Fortissimo-Es-Dur-Akkord. Hallo, es ist das zentrale zweite Thema, das hier kaputt geht.
      Im Klavier werden die für eine idiomatische Aufführung so entscheidenden Rhythmen immer wieder durch das Pedal eingeebnet. Ansonsten wird expressiv und ja, souverän und dramatisch... hm... drauflos musiziert, ohne einen Sinn für das Ganze im Blick zu haben.

      Ein Leserrezent schreibt in seiner Lobeshymne nach dem Verweis auf die biographischen Parallelen zum ersten Streichquartett: "Allerdings erreicht das Werk die emotionalen Dimension des Streichquartetts nicht", und bringt damit ungewollt auf den Punkt, was dieser Aufnahme fehlt.
      Sicherlich gibt es Liebhaber gerade dieser vorgeblich (= so empfinde ich es) hyperexpressiven Herangehensweise. Ohne den fatalen falschen Geigenton würde ich der Interpretation, um fair zu bleiben, gerade noch 9 Punkte zugestehen, auch wenn sie meinem Empfinden zuwider läuft. In gewisser Weise ist die Kombination mit Werken von Liszt statt mit anderen slawischen Komponisten, wie sonst üblich, nur konsequent. Diese Aufnahme ist anti-musikantisch, und das vielleicht gewollt.

      Der Klang ist hervorragend, optimale Balance der Instrumente untereinander und mit dem Raumklang.

      Nach Punktzahl ergibt sich die gleiche Bewertung wie beim Trio con Brio Copenhagen. Meine Sympathie gehört ganz entschieden letzterem.
      Musik 8
      Klang 10

      :thumbdown: Khampan

      Nachtrag: es existiert noch eine frühe Aufnahme des Trio Wanderer, veröffentlicht 1996 bei Sony, mit Dvorak op 90. Zu dieser finde ich keine Hörbeispiele.
    • Abegg Trio



      Spielzeiten 11:38 / 9:07 / 9:32
      + Janacek, Rekonstruktion aus dem 1. Streichquartett "Kreuzersonate"
      Aufnahme 1994 Festeburgkirche Frankfurt

      (Disclaimer: hätte ich das frühe Aufnahmedatum von Anfang an gebührend beachtet, wäre manche Formulierung etwas verbindlicher ausgefallen. Sorry...)

      Durchweg sehr geradeaus gespielt, manches klingt eher nach einer Probe als nach Aufführung.
      Fast immer metronomisch stabiles Tempo, wenig Phrasierung, keine Eleganz, Spritzigkeit, Fantasie. Wollte das Ensemble beweisen, dass man das Werk streng "nach deutscher Art" interpretieren kann?
      Das geht hier noch mehr schief als beim Trio Wanderer. Bei letzterem gibt es wenigstens noch ein durchgehendes Espressivo als Ersatz für eine (für mich nicht erkennbare) stimmige Interpretation.

      Jedenfalls, das Abegg Trio spielt streng nach Noten. Das zwar durchaus engagiert (man könnte auch sagen: gnadenlos), aber letztlich ohne für mich erkennbaren Sinn, ohne Emotionalität und Tiefe auf der einen, ohne Spielfreude und Musikantentum auf der anderen Seite. Der Booklettext spricht fast ausschließlich von der Trauer und Trostlosigkeit, die Smetana ausdrücken wollte. Trostlos wirkt die Aufnahme auf jeden Fall. Aber sogar die beiden Maestoso-Abschnitte im 2. und 3. Satz, die sicherlich als Trauermusik verstanden werden wollen, entwickeln mit ihrem unerbittlichen Festhalten am (sehr langsamen) Tempo keine Ausdruckstiefe. In beiden Fällen ist auch die nachfolgende Entwicklung unorganisch (ritardando im 2. Satz völlig übertrieben, geradezu pedantisch; accelerando im 3. Satz startet zu spät und kommt zu keinem Ziel).
      Irritierend manch abrupter Tempowechsel, selbst da wo das Notenbild einen fließenden Übergang unmittelbar nahelegt; zumindest für mich eindeutig z.B. 3. Satz, Übergang zu Tempo I in Takt 215.
      Im 3. Satz zudem noch Probleme mit dem Zusammenspiel, trotz des gemäßigten Tempos. Beim Fortissimo Takt 255-269 kommen fast alle Violinakkorde zu spät, hinter den (gleichzeitigen) Klavierakkorden.

      Von dieser Aufnahme kann ich nur abraten, zum Kennenlernen der Emotionalität und Schönheit des Werks ist sie nicht geeignet. Als Entschuldigung v.a. für die bei jpc zitierte Rezension kann man gelten lassen, dass es zum Zeitpunkt der Aufnahme kaum Konkurrenz gab.

      Klanglich ohne Beanstandung, aber auch ohne besonderen Reiz.

      Musik 7
      Klang 8

      (Ebenfalls in der Festeburgkirche Frankfurt entstand die Aufnahme des Atanassov Trio, dem ich seinerzeit für den Klang ebenfalls 8 Punkte gegeben habe, was ich im Vergleich zu den anderen Aufnahmen inzwischen bedaure. Das Atanassov Trio hätte auch für den Klang 9 Punkte verdient, und eine Empfehlung sowieso.)
    • Hiermit ist mein Hörmarathon geschlossen.
      Im Folgenden ein zusammenfassender Überblick. Die Reihenfolge entspricht in etwa meiner persönlichen Wertung.

      Vorbehaltlos zu empfehlen:
      - Smetana Trio I (2000) und II (2004): zwei gleichwertige Referenzaufnahmen
      - Trio di Torino: Referenzaufnahme mit klanglichen Abstrichen
      - Trio con Brio Copenhagen: spritzig, elegant, klangschön, teilweise etwas bedächtig; bester Klang im Testfeld (Konzertsaalatmosphäre), optimale Kombination mit Tschaikowsky
      - Trio Atanassov: wunderbare Details, sehr gute Aufnahme ohne Schwächen

      Mit Einschränkungen zu empfehlen, wenn man mit den genannten Kritikpunkten klarkommt:
      - Guarneri Trio
      - Oistrakh Trio
      - Dvorak Trio
      - Trio Wanderer

      passabel, aber angesichts der Konkurrenz nicht empfehlenswert:
      - Joachim Trio
      - Sitkovetsky Trio
      - Smetana Trio III (2016)
      - Trio Raffaello

      abzuraten:
      - Abegg Trio
      - Trio Fontane
      - Kubelik Trio
      - Trio Animae
      - Ensembl'Arenski

      Ein Kandidat auf einen vorderen Platz wäre eventuell das Suk Trio. Die Aufnahme ist aber schwer zu finden.
      Vom Wiener Klaviertrio gibt es zu Tschaikowsky ausreichende Hörbeispiele, die nicht sehr ermutigen. Gleiche Tendenz wie Abegg Trio.

      Ich finde die Ausbeute recht ergiebig und hoffe dass ich einigen bei der Entscheidung helfen konnte.
      :cincinbier: Khampan