Bedřich Smetana: Trio für Klavier, Violine und Violoncello g-Moll op. 15 (1855)

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    • Bedřich Smetana: Trio für Klavier, Violine und Violoncello g-Moll op. 15 (1855)



      Bedřich Smetana komponierte 1855 sein g-Moll-Klaviertrio entsprechend eigenen Anmerkungen in seinem Werkverzeichnis in „Erinnerung an mein erstes Kind Bedřiška (Friederike), welche durch ihr außerordentliches Musiktalent uns entzückt hat, jedoch uns durch den unerbittlichen Tod im Alter von 4½ Jahren entrissen wurde”. Das Kind erlag einer aus heutiger Sicht banalen Scharlachinfektion.

      Das Trio wurde nach der Uraufführung mit dem Komponisten selbst am Klavier von der Kritik zunächst zurückhaltend aufgenommen. Man bescheinigte ihm “Größe”, vermisste aber “Nachdenklichkeit” und “Formsinn”. Smetana überarbeitete das Werk mehrfach, konnte zunächst aber keinen Verleger für die Veröffentlichung finden. Erst 1880 begeisterte sich der Hamburger Verleger Hugo Pohle für das Stück und veröffentlichte es mit der von Smetana nachträglich zugeteilten Opuszahl 15.

      Das Werk hat drei Sätze, einen Kopfsatz in Sonatenform (Moderato assai), ein Scherzo mit zwei Trioabschnitten (Allegro, ma non agitato - Alternativo I. Andante - Alternativo II. Maestoso) und ein Final-Rondo (Presto).

      Das Fehlen eines langsamen Satzes wird gewissermaßen durch die langsamen Abschnitte im Scherzo und im Rondo - hier bildet ein Trauermarsch einen der emotionalen Höhepunkte - “kompensiert”. Zudem hat der Kopfsatz über weite Strecken einen eher getragenen Charakter.

      Eine für meine Begriffe sehr schöne Zusammenfassung des Aufbaus steht auf earsense.org, wo man auch eine gut anhörbare Aufnahme des Werkes findet. In der Beschreibung wird meines Erachtens auch sehr angemessen auf die starken Kontraste zwischen Klage, Trauer und Verzweiflung auf der einen, glücklicher Erinnerung auf der anderen Seite eingegangen, eine Deutung der musikalischen Inhalte, die angesichts der eigenen Anmerkung Smetanas zum Impuls für das Werk nahe liegt.

      Auffällig für ein Kammermusikwerk sind im g-Moll-Trio häufige solistische Passagen, z. B. gleich zu Beginn in der Violine, und ein oft orchestral anmutendes Klangbild, bspw. in der Durchführung des ersten Satzes, aber auch im Finale. Viele zumal der gesanglichen Themen haben Ohrwurmpotential.

      Das Stück hat sich mittlerweile sicher gut etabliert. Die Klaviertrio-Besetzung scheint für die slawische kammermusikalische Trauerverarbeitung wohl prädestiniert. Tschaikowskys a-Moll-Trio (1881/2, dem Andenken von Nikolai Rubinstein gewidmet), Dvořáks Trio in f-Moll (1883, entstanden zumindest in zeitlichem Zusammenhang mit dem Tod seiner Mutter), Rachmaninows zweites Klaviertrio in d-Moll (1893, als Reaktion auf den Tod Tschaikowskys) und vielleicht auch Schostakowitschs zweites Trio (gewidmet dem kurz zuvor verstorbenen Iwan Sollertinski) sind weitere Beispiele.

      Das g-Moll-Trio sei allen Freunden der großen Gesten und Emotionen in der Kammermusik empfohlen. Aufnahmen gibt es viele gute. Auf Eure Eindrücke bin ich gespannt.

      Partitur
      Vorwort zur Henle-Ausgabe


    • Heute mit großem Vergnügen gehört. Für mein Empfinden sehr gelungen insbesondere auch in der Balance. Das Stück kann ja ziemlich laut und undurchsichtig werden, nicht so hier. Auch der Trauermarsch im Finale wird emotional nicht bis an die Grenzen ausgekostet und verliert dabei doch nichts an Intensität.


      Jene 2000er Aufnahme mit dem Smetana Trio ist übrigens nicht identisch mit dieser von 2005:

    • Beim heutigen Wiederhören machte das Stück auf mich einen bemerkenswert "ausgereiften" Eindruck, zumal wenn ich an die kurz zuvor entstandene Triumph-Sinfonie denke, die mir bei den wenigen Hörgelegenheiten bislang immer ziemlich dröge vorkam.

      Mag ja auch an den mehrfachen Überarbeitungen liegen; keine Ahnung, wie weit die Endfassung von der ursprünglichen Komposition entfernt ist.

      Die Sätze 2 und 3 gefallen mir noch besser als der erste. Tolle Übergänge zwischen den Abschnitten. Wie schon allein die Trauermarschepisode im Rondo eingeleitet wird!
    • Danke an Braccio für diesen Thread.

      Ich kenne das Klaviertrio von Smetana noch gar nicht so lange und es scheint mir vergleichsweise wenig bekannt. Wenn Braccio sagt, es habe sich gut etabliert, so dürfte er trotzdem Recht haben.

      Es ist ein so markantes wie bedeutendes Werk in der romantischen Kammermusik. Inwieweit es für mich stilistisch wiedererkannbar ist - d.h. als Werk des Meisters -, sollte ich mal wieder überprüfen. Öfters als vielleicht dreimal habe ich es sicher noch nicht gehört.



      Diese Einspielung besitze ich auf jeden Fall; eine weitere wahrscheinlich. Abegg ist nun auch eine Hausnummer.

      NB: Das Janacek-Trio ist die Erstfassung des ersten Streichquartetts. Auch das war mir als großem Janacek-Liebhaber lange nicht bekannt.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • ich kenne und liebe das Werk, besitze allerdings keine Einspielung.
      Das Smetana Trio hat es sogar noch ein drittes Mal aufgenommen, live aus Basel 2016:


      Ein kurzer Vergleich bei Spotify legt für mich eine leicht fallende Tendenz über die 16 Jahre nahe, sowohl spielerisch als auch aufnahmetechnisch :huh:

      Eine Versuchung wäre noch die Kombination mit dem größten Klaviertrioschinken, dem von Tschaikowsky, in der Aufnahme des Wiener Klaviertrio bei MDG:



      Kurz zu Janacek -

      andréjo schrieb:

      NB: Das Janacek-Trio ist die Erstfassung des ersten Streichquartetts. Auch das war mir als großem Janacek-Liebhaber lange nicht bekannt.
      Nach meinem Kenntnisstand ist die Klaviertriofassung verschollen bzw vernichtet, also hier wohl aus dem Streichquartet rekonstruiert worden, mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten. Wenn du dazu genaueres weißt, wäre dafür Platz im entsprechenden Thread...
      :wink: Khampan
    • Aus fernen Zeiten kann ich das Oistrak-Trio ( Knushevitsky/Oborin/Oistrakh) empfehlen . 1950 . ich sollte noch eine live-Aufnahme mit dem originalen Beaux Arts Trio von 1960 haben , ich meine zu erinnern , daß es das 3.Werk aus Schwetzingen war ( Brahms & Mendelssohn wurden veröffentlicht) , und mir besser gefiel als ihre Philips-Aufnahme . Aber ich finde es nicht . Aber Oistrakh hat auch was .

      und andere Ausgaben . youtube.com/watch?v=wBF_3AEi8uE
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
    • Beim Verbier-Festival 2016 war das formidable Trio Daniil Trifonov / Gautier Capucon / Leonidas Kovakos (<= interessante Reihenfolge, aber warum auch nicht :) ) damit zu hören... 3Sat hat das Konzert seinerzeit aufgenommen (meine Aufzeichnung stammt - eben nachgesehen - vom 12.08.2018); in der dortigen Mediathek scheint es nicht mehr vorhanden, und auch auf yT gibt's wohl lediglich diesen kleinen Ausschnitt youtube.com/watch?v=nAJ1SZcw0UE

      wollt' ich mal d'rauf hingewiesen haben ... eine andere Interpretation kenne ich nicht - und bisher (jedenfalls) brauche ich keine zweite...

      :wink:
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)
    • Khampan schrieb:

      andréjo schrieb:

      NB: Das Janacek-Trio ist die Erstfassung des ersten Streichquartetts. Auch das war mir als großem Janacek-Liebhaber lange nicht bekannt.
      Nach meinem Kenntnisstand ist die Klaviertriofassung verschollen bzw vernichtet, also hier wohl aus dem Streichquartet rekonstruiert worden, mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten. Wenn du dazu genaueres weißt, wäre dafür Platz im entsprechenden Thread...
      :wink: Khampan
      Da war ich zugegebenermaßen ungenau, Obiges sollte auch nur eine ergänzende Kurz-Anmerkung bezüglich der schönen CD mit dem Abegg-Trio sein. Das Booklet ist auf jeden Fall sehr anschaulich und zitatreich - primär, was den Hintergrund von Beethoven und Tolstoi anbelangt. Die Rekonstruktion kann sich darauf stützen, dass zwei der vier Sätze sehr wahrscheinlich wirklich den späteren Text auf ein Klaviertrio übertragen haben. Bei den anderen beiden bleibt wohl ein (großer) Rest Spekulation vulgo Hochrechung oder so...

      Vielleicht bei Gelegenheit mehr im anderen Thread. Bislang ist es auch nach der Lektüre des Booklet-Textes mit dem genaueren Wissen noch nicht so weit her. Es wird bestenfalls Deinen Kenntnissen entsprechen, fürchte ich ... ;) :)

      :wink: Wolfgang
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    • Sitkovetsky Trio

      Braccio schrieb:

      mir hat vor einger Zeit (muss nochmal nachhören) diese hier sehr gut gefallen:


      hab nur kurz in den 1. Satz reingehört. Die Pianistin beschränkt sich für meinen Geschmack zu sehr aufs Begleiten, jedenfalls habe ich sofort Sehnsucht nach dem Smetana Trio bekommen, umgeschaltet und glücklich geworden. Tschech(inn)en haben eben doch einen Heimvorteil.
      Schlecht ist die BIS-Aufnahme sicherlich nicht, und klanglich superb.
      Ohnehin alles Luxus-Probleme. Es spricht nichts dagegen, sich eine Aufnahme nach dem "Beifang" auszuwählen.

      Über die stilistische Wiedererkennbarkeit habe ich mir übrigens die gleichen Gedanken gemacht. Angesichts des nicht so reichlichen Kammermusikschaffens ist mir auch nur das 1. Streichquartett eingefallen, mit dem mir eine Ähnlichkeit erkennbar scheint. Wenn ich das Klaviertrio zum ersten Mal hören würde und tippen müsste, wäre ich wohl ziemlich ratlos.
    • andréjo schrieb:

      Braccio schrieb:

      andréjo schrieb:

      Inwieweit es für mich stilistisch wiedererkannbar ist
      Finde schon. Gerade mti dem 1. Streichquartett bestehen durchaus Ähnlichkeiten.
      Jo, danke. Mal hintereinander hören. :)
      Das habe ich jetzt gerne getan. Und natürlich gibt es Ähnlichkeiten - das hat mich auch gar nicht überrascht. Die Frage, ob man, also ich, das Werk, zum ersten Mal gehört, als Smetana erkannt hätte, ist ja nun nicht mehr sinnvoll zu beantworten.

      Das Trio stammt aus dem Jahr 1855 - abgesehen von der Versions-Problematik, das - sicher nicht zu Unrecht bekanntere - Quartett aus der Zeit über zwanzig Jahre später. Autobiographische Bezüge sind ja in beiden Werken gegeben. Das Trio erscheint mir unbekümmerter, hat aber ebenso dunkle Züge, ein harmonisches Pathos, das man wohl als stiltypisch bezeichnen kann, in allgemeinerer Hinsicht und konkret musikalisch, auch wenn ich das auf die Schnelle nicht funktional beschreiben kann. Beide Schlusssätze besitzen etwas Ungezügeltes, wobei das Finale des Quartetts gegen Ende jenen berühmten Aufschrei des Tinnitus-Geplagten enthält und dann milder verklingt als im früheren Werk. Das thematische Material des Quartetts erscheint mir noch griffiger, gefühlt einheitlicher, zum Teil Dvorak und vor allem der Folklore näher stehend.

      Ich gebe aber gerne zu, dass das Trio eine reife Leistung per se darstellt. Ich habe heute beide Werke wiederentdeckt, denn lang ist die letzte Erfahrung mit dem Quartett her, obwohl der Wiedererkennungseffekt naturgemäß größer war.

      :cincinbier: Wolfgang
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    • Khampan schrieb:

      inspiriert durch Threads der letzten Tage, hier das Klaviertrio von Smetana. Eine der besten nicht-tschechischen Aufnahmen bietet das Trio Copenhagen



      Trotz vergleichsweise bedächtiger Tempi überzeugt die organische Gestaltung, besonders im 1. Satz. Der 2. und 3. Satz drohen etwas in die einzelnen Episoden zu zerfallen, doch das ist ein häufiges Problem. Über das Smetana Trio (das Ensemble) geht eben nichts.
      Nichtsdestoweniger eine empfehlenswerte Aufnahme, klanglich superb, will allerdings laut gehört werden, vermittelt dann eine sehr gute Konzertsaalatmosphäre (wobei man optimal in der 1. Reihe sitzt).

      Der Hammer ist aber das Tschaikowsky Trio. Kann ich leider erst morgen zu Ende hören.
      :wink: Khampan
      Dieser Hörempfehlung bin ich heute morgen gefolgt. Ich schließe mich Khampans Einschätzung an. Sehr schöne, intensive Aufnahme. Am besten hat mir das Finale gefallen. Tatsächlich kam ich unabhängig von Khampans Beitrag auch auf die Attribute "bedächtig" und "organisch". Muss also was dran sein. ;)
    • Ein Klassiker (den ich allerdings selbst nicht kenne) ist anscheinend nur noch als Download ASIN: B07MZXHD2P zu haben, oder als 30 Jahre alte Supraphon-CD gebraucht, das Trio um den Geiger Josef Suk:

      ()

      Soweit ich sehe (d.h. evtl. was in Boxen übersehen), habe ich nur eine Aufnahme des Werks, mit der ich aber soweit zufrieden war:

      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Khampan schrieb:

      eventuell muss man hier aufpassen. Bei Spotify findet sich diese CD mit dem gleichen Cover, nur ohne das Trio (52 Minuten Spielzeit)!
      Es gibt zwei Cover : eines mit und eines ohne Trio . Die Original-CD mit dem Trio war mit 81:56 "überbrannt" und spielte nicht auf jedem Player . Welche Ausgabe man erwischt , hängt von der Akribie des Anbieters ab .
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    • b-major schrieb:

      Es gibt zwei Cover : eines mit und eines ohne Trio . Die Original-CD mit dem Trio war mit 81:56 "überbrannt" und spielte nicht auf jedem Player . Welche Ausgabe man erwischt , hängt von der Akribie des Anbieters ab .
      aha. Dann hätten sie doch einfach die Moldau weglassen können :versteck1:
      und wären nicht bei so einer unterdurchschnittlichen Spielzeit gelandet...

      Spaß beiseite, weißt du zufällig auch, ob das Trio die "moderne" Aufnahme war? Kann ich mir kaum vorstellen, wo das restliche Programm aus den 1950ern stammt.