Zu viel Abwechslung, um ein Werk kennenzulernen

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    • Friese schrieb:

      Ich vermute ja mal, dass 95% aller Capricciosis schon als Jugendliche angefangen haben klassiche Musik zu hören und dementsprechend langsam vorgegangen sind. Mittlerweile aber so viel allgemeine Hörerfahrung haben (vielleicht auch über das eigene Hörverhalten, Denkverhalten im Bezug auf Musik) dass sie Zusammenhänge, Melodien und was es da noch so alles gibt, problemlos auch bei einer Erstbegegnung heraus hören.
      Ich meine schon zu verstehen, was du meinst. Und dazu kurz mein Erleben: in meiner Kindheit und Jugend (die auch schon ein paar Jahre zurückliegen...) habe ich Musik einfach ganz anders erlebt, z.B. die schaurige Wolfsschluchtszene aus dem Freischütz, die mir als Kind wirklich Angst machte - daran erinnere ich mich noch, als wäre es gestern. Oder die königlichen Fanfaren in aus dem Weihnachtsoratorium im Choral mit dem sanften Krippelein. Das sind Erinnerungen, die sich wahrlich festgebrannt haben und auch, wenn ich mir die Schreier-Aufnahme vom WO heute nicht mehr so oft anhöre, steht sie noch in meinem Regal und irgendwie sind genau DIESER Orgeleinsatz zum "Jauchzet" und der Choral in DIESER Interpretation für mich zu DEM Weihnachtsoratorium geworden. (Das hört sich jetzt etwas flacher an, als es eigentlich in Wirklichkeit ist - es gibt bedeutend mehr, was mir an diesem Werk wichtig ist ;) ).

      In meiner Jugend haben mich viele Werke geprägt die ich selbst oder zusammen mit anderen musiziert habe. Einige Partituren sind mir vom Üben und vom "Binge"-Hören (endlich kann ich diesen Ausdruck mal verwenden ;) ) so vertraut geworden, wie das wahrscheinlich jetzt so einfach nicht mehr der Fall sein wird. Und wie das so ist: wenn man jünger ist, ist man auch einfach noch rascher im Auffassen.

      Was will ich damit sagen? Jedenfalls mir geht es so, dass ich auch heute noch viel von dem Repertoire beim Hören zehre, das ich mir bis ca. Mitte 20 mit damals relativ wenig Mühe erarbeitet habe. Einiges, was darüberhinaus ging ließ sich auch später noch leicht "erhören", aber viele Bereiche, zu denen ich damals nicht viel Bezug hatte kenne ich heute immer noch nicht so gut, wie ich das gerne würde, oder habe ich mir wirklich einen um den anderen imaginären Centimeter erarbeitet - das gelang mir früher wesentlich einfacher und diese Erlebnisse sitzen wesentlich tiefer.
    • putto schrieb:

      Wenn man sich vertiefen will, würde ich empfehlen: Musizieren, Bücher lesen - nicht über Komponisten sondern über Theorie und Geschichte. Aufnahmenvergleich halte ich für weniger vertiefend, das hat nur den Vorteil, dass man nichts können muss, dafür versteht man aber auch nicht wirklich mehr, behaupte ich mal.
      Ja, spontan würde ich dir uneingeschränkt zustimmen. Ich habe in den letzten Monaten ein paar Bücher über Komponisten gelesen, aber dass hat mich nicht sooo sehr begeistert. Meistens langweilen sie mich nach der Hälfte. Ich bin halt nicht geschichtlich interessiert. Und über lebende Komponisten gibt es ja noch keine Bücher. X/

      Aber ich habe diese Woche angefangen mich mit der Sonatensatzform zu beschäftigen (Soweit das als Nichtmusiker und nicht Notenleser möglich ist), und auch wenn ich da noch sehr weit am Anfang stehe und es teilweise auch ganz schön mühselig ist, ist es gleichzeitig auch spannend und begeistert mich. Da gibt es noch viel zu entdecken für mich. Und es hilft mir beim hören. :) Manchmal habe ich den Eindruck, selbst beim Hören von Musik die nun gar nichts mit der Sonatenform zu tun hat.

      Und vielleicht hilft es mir auch irgendwann das Buch über Schubert "Schubert hören" von Michael Wersin besser zu verstehen. Das ist nämlich bisher noch ganz schön schwere Kost für mich. Ich hatte mir das im letzten Herbst gekauft. Und eigentlich finde ich es wirklich ganz toll... Aber.... puh

      Josquin Dufay schrieb:

      2-4 Jahre für Erwachsene...ganz ehrlich: ich habe von Anfang an 15 Jahre für mich veranschlagt, um dann als so etwas wie ein Veteranenstatus zu erreichen. Und ich liege gut im Rahmen...
      15 Jahr =O ... aber wahrscheinlich hast du Recht und ich weiß, ich neige zum Ungeduldig sein. Vielleicht nimmt das ein bisschen den Druck raus. Veteranenstatus wäre aber wohl nicht, dass Wort das mir eingefallen wäre. Das Ziel liegt im Bereich Genussmaximierung. Vielleicht lag es daran, dass die erste Begeisterung weg war, der Lack war ein bisschen ab. Und ich hatte das Gefühl, dass da doch irgendwie noch mehr gehen muss. Schließlich ist das Musik! ;)

      figure humaine schrieb:

      und vom "Binge"-Hören (endlich kann ich diesen Ausdruck mal verwenden ) so vertraut geworden, wie das wahrscheinlich jetzt so einfach nicht mehr der Fall sein wird
      Binge-Hören... ist ein wirklich schöner Ausdruck, denn ich noch nie verwendet habe, aber ich gemacht habe ich das früher auch. Vom Aufstehen bis zm Schlafengehen... :clap: :clap: Allerdings nicht immer zur Begeisterung meiner Familie. ape3
      Viele Grüße, Michael
    • Lieber Friese,
      Mal so von Nichtnotenleser zu Nichtnotenleser: mit der Sonatensatzform beschäftigen, wie genau machst du das? Lesend? Wenn ja was? Nur hören? Wenn ja wie?

      Wenn du da einen Weg gefunden hast nach dem ich immer (vergeblich) gesucht habe - - - das fänd ich schön. Mir selbst entgeht nämlich auch so vieles weil ich Klassik im Grunde höre wie Jazz oder Rock, nämlich rein emotional. Was ja schön und gut ist aber mich doch immer weniger befriedigt.

      Bevor ich noch mehr OT werd :versteck1: sag ich vielen Dank im Voraus...


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Bei der Gelegenheit, mir hat dieses Buch viel geholfen:

      Rudolf Kloiber, Handbuch der klassischen und romantischen Symphonie

      Gibt's derzeit bei Amzon ab 2 Euro (gebraucht).

      Dort ist gut nachvollziehbar der Aufbau der einzelnen Sätze dargestellt. Notenlesen ist da natürlich hilfreich. Theoretisch geht auch ohne, da muss man erstes und zweites Thema halt erahnen.


      Thomas
    • Es gibt evlt. online, in podcasts oder in neueren Büchern exemplarische Analysen/Einführungen mit Tonbeispielen oder mit exakten Zeitangaben. Ansonsten gibt es auch Einführungen zum Notenlesen und Partiturverfolgen, wie das von Dickreiter.

      ältere Ausgabe: ISBN 978-3442330829
      In dieser Goldmann-Schott-Reihe gab es etliche Beethovensinfonien, alle von Brahms, einige von Schubert, Schumann, Tschaikowsky, Haydn und Mozart und noch eine Reihe weiterer Werke als Partitur mit Kommentar.



      Auf einer kleingliedrigeren Ebene (als typische einführende Kommentare zu zB Sonatensätzen) hilft es, wenn man ein bißchen ein Instrument spielen kann, zB die Stimmen einer der zweistimmigen Inventionen Bachs selber zu spielen. Natürlich ist das nacheinander auf einem Melodieinstrument nur die halbe Miete, aber man sieht ja die andere Stimme bzw. kann man zu der hinwechseln. Da hat man sehr viele "Techniken" wie Sequenzen, Aufteilung auf Stimmen, Abspaltung von Motiven etc. auf engstem Raum versammelt.

      Wenn man irgendein Melodieinstrument halbwegs erkennbar spielen kann, kann man auch die Singstimmen von Schubertliedern sich vorspielen, Hauptthemen aus bekannten Sinfonien etc. Ist ja privat, halbwegs erkennbar reicht :versteck1:
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • garcia schrieb:

      Lieber Friese,
      Mal so von Nichtnotenleser zu Nichtnotenleser: mit der Sonatensatzform beschäftigen, wie genau machst du das? Lesend? Wenn ja was? Nur hören? Wenn ja wie?

      Wenn du da einen Weg gefunden hast nach dem ich immer (vergeblich) gesucht habe - - - das fänd ich schön. Mir selbst entgeht nämlich auch so vieles weil ich Klassik im Grunde höre wie Jazz oder Rock, nämlich rein emotional. Was ja schön und gut ist aber mich doch immer weniger befriedigt.

      Bevor ich noch mehr OT werd :versteck1: sag ich vielen Dank im Voraus...


      :)
      Diese Sonatensatzform ist mir beim lesen in den diversen Büchern begegnet. Jetzt zuletzt in dem Buch "Keine Angst vor neuen Tönen" von Ingo Metzmacher. Da hat er das Prinzip noch mal ganz kurz auf einer dreiviertel Seite in ganz einfacher Sprache umrissen. Und das hat mich dazu gebracht, mich damit zu beschäftigen.

      Es gibt von Stefan Schaub CDs zur Musiktheorie. Und da gibt es auch eine, die sich mit der Sonatensatzform beschäftigt. Da hast du kurze theoretische Infos und eben die einzelnen Teile der Sonatensatzform werden an konkreten Beispielen von Mozart und Beethoven auch gespielt. Du hast also konkrete Hörbeispiele.

      Ecclitico schrieb:

      Theoretisch geht auch ohne, da muss man erstes und zweites Thema halt erahnen.
      Das ist das schöne daran, du hast das konkrete Beispiel, dass du eben nicht erahnen musst. Ich habe mir die CD diese Woche auch schon mehrfach angehört, um das ganze durch Wiederholung zu vertiefen. Ich werde mir die Aufnahme auch sicherlich noch einige Duzende male anhören. Und gleichzeitig versuche ich das bei anderen Sinfonien zu hören. Also z.B. finde ich die beiden Themen? Oder wo könnte die Durchführung genau beginnen. Es wird natürlich nicht immer klappen und manchmal denkt man halt nur man hat es erkannt. Was ja nicht stimmen muss, aber das finde ich im Moment nicht tragisch. Es gibt mir trotzdem einiges.

      Ich will einfach mal gucken, ob man sich Stück für Stück durchhangeln kann. Und wie weit man auf diese Weise lernen kann, solche Dinge zu hören, ohne zu wissen, in was für einer Tonlage das da gerade gespielt wird, oder eben überhaupt Notenlesen zu können.

      Ich kann dir leider auch noch nicht sagen, wie das weitergehen kann, aber ich finde das so wirklich gerade sehr spannend. Es gibt von dem Stefan Schaub auch noch andere CDs, das geht aber zeitlich glaube ich, nur bis zu Shosta. Ich würde ja irgendwann auch gerne in die Moderne kommen... aber das wird sich finden, wie ich in diesem Thread gelernt habe. Und 15 Jahre... da habe ich ja noch Zeit. ;-))

      Das macht mir ja, wie gesagt, richtig Spaß, aber es ist für mich nicht leicht und ich höre mir dann abends lieber modernere Stücke an, bei denen es eh keine Sonatensatzform gibt und ich nichts suchen muss. ;-))
      Viele Grüße, Michael
    • Hallo Friese,

      ich kann komplett nachvollziehen, was Du schreibst.

      Mir geht / ging es sehr ähnlich.

      Ich bin auch schier erschlagen von den Möglichkeiten und habe zu schnell gesammelt. Dadurch habe ich das Gefühl bekommen, ich müsste das alles irgendwie möglichst schnell durchhören, erfassen, etc. - recht irrational, eher eine Art Ungeduld, schon fast eine "Verpflichtung" bzw. Aufgabe, oder ein Drang, das irgendwie zu durchdringen und zu erfassen.

      Mein Ziel war es dann
      a) auszusortieren
      b) Überblick über den Rest behalten
      c) ganz entspannt, unsystematisch, und nach Lust und Laune Werk für Werk vornehmen und soweit zu durchdringen, wie es mir zu der Zeit dann auch Spaß macht

      Gerade heute bin ich mit a+b fertig geworden.

      Ergebnis:
      a) ca. 60% aussortiert, so dass nun ca. 40 Komponisten mit genug Musik übriggeblieben sind
      b) Überblick verschafft durch eine Schreibkladde, die nun halb voll geschrieben ist, mit je einen Abschnitt pro Komponist und Gattung (z. B.. Violinkonzerte von Bartók, Sinfonien von Beethoven) wobei pro Abschnitt pro Werk nur eine kleine Notiz vermerkt ist (Opus, Werkverzeichnis, Kurzname, Tonart, o.ä.) und ein Status (zu besorgen, habe ich, gefällt mir (im Moment) nicht)

      => das wäre für die meisten hier wohl nichts, und klingt eher nach Briefmarkensammlung, aber mir hilft eine solche Systematik

      Dadurch habe ich nun wirklich einen super Überblick über die mir bekannten und vorliegenden Werke, bin wieder entspannt, und sehe das nicht mehr als "TODO", sondern kann nun sozusagen "Top-Down" immer mal wieder das eine oder andere Werk gezielt rauspicken und mich tiefergehend beschäftigen, eine vergessene Gattung, einen neuen Komponisten hinzunehmen, usw. - also alles was viele wohl ohne a+b sowieso machen - nun ist mit c) wieder der Hörgenuss im Vordergrund.

      Rückblickend kann ich sagen, dass ich ein für mich passendes "System" gefunden habe, der schieren Unzahl toller Musik einigermaßen Herr zu werden :)

      Und ebenso rückblickend würde ich besser aufpassen
      1) nicht wirklich in einen Sammelrausch zu verfallen
      2) mir pro Werk erstmal nur eine Interpretation zuzulegen

      Ich hatte mir von manchen Gattungen eine Handvoll GAs gekauft, obwohl ich nur 1-2 Werke davon kannte. Das würde ich so nicht noch einmal machen :pfeif:
    • @garcia @ Friese

      Da ich auch Laie bin, hier eine Anmerkung - sozusagen von Laie zu Laie - zur Formanalyse: ich finde das Heraushören bei Sinfonien oft schwieriger als bei Musikstücken mit weniger Instrumenten
      Ganz gute Erfahrung bzw. auch Erfolgserlebnisse habe ich z. B. bei Klaviersonaten von Haydn oder Mozart, oder bei Violinsonaten von Mozart - nach 2-3 Mal intensiv anhören waren mir die Stücke recht vertraut und ich habe den Wechsel zwischen Exposition, Durchführung und Reprise deutlich gehört, sowie auch einzelne Themen. Wo ich dann meist noch ein wenig unsicher bin ist die Zuordnung von Phrasen zu Themen, wenn die Kontraste nicht so doll sind, d. h. Fragen wie: ist das nun ein 3. Thema oder gehört das noch zum zweiten
      Die Durchführung ist für mich meist wirklich ein richtiger Genuss, wenn ich die Themen im Grundsatz erstmal erfasst habe. Ich empfand es bisher immer als absoluten Zugewinn ein Werk mehr und mehr kennenzulernen.

      Ganz schön fand ich auch die Ritornell-Form bei barocken Konzerten, z. B. bei Violinkonzerten von Vivaldi. Da sind die Abschnitte schön in Tutti und Solo (+ Generalbass) eingeteilt. DIe Tonart der Ritornelle = Tutti ist dabei verschieden, die Soloabschnitte dazwischen modulieren dann von einer Tonart zur nächsten. Das zu erfassen fand ich nicht zu schwer, aber dies hat mich bei der Gehörbildung gut weitergebracht. Bei der Sonatenform ist die Überleitung von einem Thema zum nächsten recht ähnlich: sie besteht aus kurzen Motiven und Schnörkeln, die die Tonart überführen, und sie fällt dann in der Reprise ja meist weg bzw. sehr kurz aus.
      (HIer ist wie gesagt meine Schwierigkeit noch, dass ich manchmal Überleitung und Thema nicht 100% auseinanderhalten kann. Aber teilweise nehme ich mir dann die Partitur (imslp is your friend) dazu und schaue mir die Notenabfolgen- und -muster an. Was ich nicht durch die Töne höre, kann ich oft durch die Partitur ergänzen.)
    • Hallo Romantikklassik,

      dir auch vielen Dank für deinen langen Beitrag. Schön, dass es doch einige hier gibt, die das nachvollziehen können. Ich bin auch bisher dabei geblieben, dass ich den großteil meiner Aufnahmen in den Ordner "nicht so toll" verschoben habe. Mir erleichtert dass die Sache ungemein. Ich gehe das ganze nicht so analytisch an wie du, aber wie bei dir steht bei mir jetzt wieder der Hörgenuss ganz deutlich im Vordergrund und ich suche mir immer mal wieder spontan und manchmal auch gezielt ein Werk raus, um mich damit tiefergehend zu beschäftigen. Und das geht viel leicht, weil die Auswahl an Komponisten beschränkt ist. Ich also die Werke häufiger höre, wenn ich nicht nichts hören will. ;-))

      In den letzten Wochen habe ich viel gelernt über meine Art Musik zu hören. Nur das mit der Sonatensatzform hat sich anders entwickelt als gedacht. Ich fand das total spannend hörend in das Thema einzutauchen. Es ist etwas mühsam, aber sehr lohnend, wie ich finde. Das einzige was mich dabei gestört hat, war dass ich plötzlich so viel Mozart, Haydn etc. gehört habe.

      Und das ist eigentlich die zweite Quintessenz aus der Aussortiererei. Was dem einen sein Bach, Brahms, Beethoven ist. Ist dem andern sein Hartmann, Henze und Hindemith. Das höre ich mit Spaß. Zu dieser Musik finde ich einen ganz anderen, spontaneren Zugang als zu Schubert oder Brahms, die ich beide trotzdem sehr schätze. Aber das ist so andere Musik, das passt für mich nicht übereinander. Aber zu dieser Erkenntnis musste ich erst einmal kommen. Genauso wie mir erst einmal klar werden musste, dass mein Zugang kein analytischer sondern ein emotionaler ist. Was aber natürlich für die Unterhaltung über Musik in Foren eher hinderlich ist.

      CDs werden nur noch einzelnen gekauft und was ich nur einmal hören möchte, wird quasi direkt wieder aussortiert.
      Viele Grüße, Michael
    • Friese schrieb:

      Das einzige was mich dabei gestört hat, war dass ich plötzlich so viel Mozart, Haydn etc. gehört habe.
      Das ist gar nicht schlimm .. ;) ... Bruckner ist übrigens auch wunderbar für das Sonatensatzhören geeignet.

      Friese schrieb:

      Was dem einen sein Bach, Brahms, Beethoven ist. Ist dem andern sein Hartmann, Henze und Hindemith.
      Dazwischen gäbe es ja noch so aufregende Musik wie bspw. Mahler.

      Friese schrieb:

      Genauso wie mir erst einmal klar werden musste, dass mein Zugang kein analytischer sondern ein emotionaler ist.
      Ich glaube, das ist nie schwarz-weiß, sondern eher 80:20, 70:30 oder sowas ... und die eine Komponente profitiert von der anderen.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Dazwischen gäbe es ja noch so aufregende Musik wie bspw. Mahler.
      Das stimmt, und in den letzten Monaten habe ich die ersten zwei Sinfonien von Mahler auch sehr schätzen gelernt. Was ich vor einem halben Jahr noch nicht gedacht hätte. Mahler ist für mich Zugangstechnisch ganz haarscharf auf der Grenze.

      Mauerblümchen schrieb:

      Ich glaube, das ist nie schwarz-weiß, sondern eher 80:20, 70:30 oder sowas ... und die eine Komponente profitiert von der anderen.
      Da stimme ich auch zu. ;) Tatsächlich habe ich das Buch mit den Werkeinführungen zu K.A. Hartmanns Werken mit Gewinn gelesen, auch wenn ich erst einmal nur einen kleineren Teil davon verstanden habe. Trotz der Werkeinführungen würde ich aber bei mir auf sicherlich 80:20 tippen. Die analytischen 20% unterfüttern ein bisschen die emotionalen 80%. Aber die 80% sind bei mir das wichtige und ausschlaggebende. Und im Grunde genommen, habe ich das jetzt ein gutes Jahr lang gesucht. :-))
      Viele Grüße, Michael
    • Nachdem ich jetzt ein bisschen drüber nachgedacht habe, würde ich das doch deutlich anders formulieren. Ich würde sagen, das emotionale hat einen deutlich höheren Stellenwert bei mir. Eher so 98:2.

      Auch das Buch mit den Werkeinführungen hat mir ja hautsächlich den Menschen Hartmann näher gebracht. Die Musik hatte schon vorher für sich gesprochen.
      Viele Grüße, Michael
    • Das was dir heute gefällt kann dir in 5 Jahren zu den Ohren raus hängen und in 15 Jahren Objekt einer Neuentdeckung sein. Monteverdi hab ich eigentlich erst entdeckt, als ich ihn selber gesungen habe. Gesualdo erst darüber kennen gelernt. Also sortiere weniger und höre mehr. :)
    • lothar schrieb:

      Das was dir heute gefällt kann dir in 5 Jahren zu den Ohren raus hängen und in 15 Jahren Objekt einer Neuentdeckung sein.
      Das stimmt unbedingt, sagt ein älterer Knopf. :jaja1:
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Rückblickend war das für mich die beste Entscheidung in den letzten fünf Jahren als Klassikhörer. Naturgemäß höre ich die einzelnen Komponisten jetzt viel häufiger, weil ich ja nur noch eine kleine Auswahl habe, aber gleichzeitig schärfe ich meinen musikalischen Geschmack. Z.B. ist mir jetzt klar, dass ich zwar mit den Sinfonien von Mendelssohn nichts anfangen kann. Obwohl ich da die meisten Aufnahmen von besitze. Aber von den Kammersinfonien höre ich einige immer wieder gerne und auch seine Klavierkonzerte mag ich. Im Gegensatz dazu mag ich die Klavierkonzerte von Prokofjew überhaupt nicht. Und auch da hatte ich vier oder fünf Varianten.

      Ich habe in den letzten 6 Monaten die Musik, von den von mir ausgewählten Komponisten, viel intensiver gehört als vorher. Außerdem glaube ich, dass ich mich viel besser in den musikalischen Kosmus der von mir ausgewählten Komponisten eingehört habe und einhöre. Ich bin ja noch dabei und habe zwar die eine oder andere CD dazu gekauft, aber eben keinen neuen Komponisten dazu genommen.

      Ich bin froh, dass ich das durchgezogen habe. Mir macht das Musik hören so viel mehr Freude als vorher. Das nur mal hier, als abschließendes Resultat des Experiments.
      Viele Grüße, Michael
    • Friese schrieb:

      Rückblickend war das für mich die beste Entscheidung in den letzten fünf Jahren als Klassikhörer. Naturgemäß höre ich die einzelnen Komponisten jetzt viel häufiger, weil ich ja nur noch eine kleine Auswahl habe, aber gleichzeitig schärfe ich meinen musikalischen Geschmack.
      Darf ich Dich fragen, wer denn nun in dem Kreis der von Dir vertieft gehörten Komponisten drin ist? Und wieviel andere Musik hörst Du "trotzdem"?
      :wink:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • Meine Liste sieht jetzt immer noch fast so aus wie im März: Beethoven, Brahms, Fagerlund, Hartmmann, Hindemith, Henze, Ligeti, Mahler, Mendelssohn, Prokofjew, Schubert, Rihm, Vasks. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich nicht einen vergessen habe, da muss ich später zu Hause noch mal gucken.

      Richard Strauss ist schon recht früh raus geflogen und dafür ist Rihm reingekommen, weil ich "Nähe fern" von ihm gerne höre und schon gedacht hatte, dass da vielleicht noch Sachen dazu kommen von ihm, die ich gerne hören werde. Was ja mit den ersten Streichquartetten jetzt auch so gekommen ist. Urpsrünglich hatte ich Prokofjew auch rausgenommen und durch Henze ersetzt, aber nach einiger Zeit ist Prokofjew dann halt doch wieder zurück gekommen und Henze geblieben. Da war es dann halt einer mehr.

      Weil du fragst, wieviel andere Musik ich trotzdem höre. Viel weniger als ich gedacht hätte. Seit gestern höre ich über YT eine bisschen Rott und stelle fest, dass der mir ganz gut gefällt. Hatte ich vorher noch nie etwas von ihm gehört. In den Sommerferien habe ich auch mal in Pendereki reingehört, aber auch nur über YT und nur ein zwei Tage.
      Jetzt überlege ich, was ich von den Sachen gehört habe, die ich noch auf der Festplatte in dem Ordner "nicht so toll" abgelegt habe. Dazu bräuchte ich aber die Gedankenstütze meiner Festplatte, dass kann ich erst später. Aber wenn es nur um die Häufigkeit geht. Wirklich viel weniger als Gedacht.
      Viele Grüße, Michael
    • Ah, also chronologisch:

      Beethoven
      Schubert
      Mendelssohn
      Brahms
      Mahler
      Prokofjew
      Hindemith
      Hartmann
      Ligeti
      Henze
      Vasks
      Rihm
      Fagerlund

      ... ich hatte das als exzentrischer in Erinnerung, vielleicht verwechsle ich was - das ist eh weitgehend "deutsche Musik am Kanon entlang". Lässt Du Opern weg oder sind die auch mit dabei?
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    • Nein, besonders exentrisch ist es nicht. Ich habe noch Britten und P.H. Nordgren vergessen. Es ist eine schöne Mischung für mich. So dass ich immer wieder in den Jahrhunderten hin uund her wechseln kann. ;-))

      Und nein, Opern sind nicht meins.
      Viele Grüße, Michael
    • Neu

      Friese schrieb:

      Und nein, Opern sind nicht meins.
      Schade.

      Auch auf die Gefahr hin, dass ich bei einigen Capricci in Ungnade falle.
      Ist es wirklich immer so wichtig ein Werk in und auswendig zu kennen? Ich liebe die Brahms Sinfonien, aber muss ich sie deswegen Note für Note im Kopf haben? Ein Werk kennenlernen heißt für mich: Was mir gefällt höre ich öfter und erkenne es dann natürlich auch wieder. Ok, einzelne ganz besondere Pasagen kann ich auch mitsummen. :) Für mich ist Vergleichshören ein interessantes Herangehen um ein Werk näher kennen zu lernen. Allerdings will auch das Vergleichshören erst gelernt sein.

      Letztendlich ist deine eigene momentane Stimmung wichtig. Ob dir nach Beethoven oder nach Hindemith ist, ist eigentlich egal. Genieße die Musik, dann kommst du ihr auch nahe.

      Liebe Grüße
      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter