Emil Nikolaus von Reznicek - Die Streichquartette

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    • Emil Nikolaus von Reznicek - Die Streichquartette

      Das Streichquartettschaffen von E.N. von Reznicek ist ziemlich chaotisch und unübersichtlich. Das geht schon mit der Anzahl der Quartette los, der Gruhle listet 4, die neue Doppel-CD von cpo zählt 6. Das hängt damit zusammen, dass Reznicek diverse Quartette in mehreren Anläufen komponiert hat, teils komplett überarbeitet, teils Sätze ausgetauscht oder aus älteren Entwürfen übernommen usw. usf. Bei wikipedia liest sich das auszugsweise dann so:

      • Streichquartett c-Moll (1882) [Altmann Nummer 1] cpo 1
      • Streichquartett cis-Moll (1905) cpo 2
      • Streichquartett-Fragment cis-Moll (?; nur Satz 1.-3 erhalten)
      • Streichquartett cis-Moll (1921) [Altmann Nr. 2] cpo 3
      • Streichquartett d-Moll (1922) [1.+2. Satz Bearbeitung von cis-Moll-Quartett 1905; 3. und 4. Satz neu] [Altmann Nr. 3] cpo 4
      • Allegro alla polacca für Streichquartett (1922; ursprünglicher neuer Schlusssatz für das d-Moll-Quartett)
      • Streichquartett e-Moll (1. Fassung vor 1928; 1928 alternativer Schlusssatz; 20. Mai 1930 Revision des neuen Schlusssatzes) cpo 5
      • Streichquartett B-Dur (1932) [2.+3. Satz aus Quartett e-Moll übernommen] [Altmann Nr. 4] Cpo 6
      • 2 Sätze für Streichquartett (?; Fragmente)
      Ein ähnliches Durcheinander findet sich auch im Streichquartettschaffen von Rued Langgaard. Dort hat man seinerzeit mit dem Nightingale SQ alle Varianten eingespielt.
      Diesen Weg ist cpo leider nicht gegangen, sondern bietet nur die Quartette 1 und 3-6, und 2 und die Fragmente gar nicht. Das ist natürlich schade, dass noch eine CD nachgereicht wird, wage ich zu bezweifeln. Auch nicht ganz glücklich macht mich die Entscheidung, die Quartette 5 und 6, die sich den zweiten und dritten Satz teilen, so anzuordnen, dass man 5 nur komplett hören kann, wenn man seinen Spieler entsprechend programmiert, sodass er die Tracks in der Reihenfolge 4-7-8-5 abspielt. Ich höre meine CDs immer unprogrammiert und müsste mich erst einmal einarbeiten wie das geht (bei drei unterschiedlichen Geräten). Da die 2. CD nur eine Spielzeit von 51 min hat, wäre hier auch eine andere Lösung möglich gewesen nämlich beide Quartette komplett zu bieten.

      Soviel vorab zur ansonsten natürlich erfreulichen, da konkurrenzlosen Einspielung von zumindest vier Reznicek-Quartetten durch das renommierte Minguet Quartett. Das bei cpo als 3. geführte wurde bereits vor Jahren vom Franz Schubert Quartett als Nr. 1 eingespielt.

    • Braccio schrieb:

      Klingt ja ungewöhnlich. Weißt Du, ob beide Quartette als eigenständige Werke von Reznicek beabsichtigt waren, oder hat er die Nr. 5 dann verworfen?

      "Eine offene Frage ist, ob Reznicek nach der Verwendung der Mittelsätze des 5. Quartetts im 6. Quartett diese durch eine Neukomposition ersetzt hat. In den Memoiren von 1940 schreibt er nämlich, dass ein bislang unveröffentlichtes Quartett in e-moll fertig in der Schublade liege. Da Rezniceks Manuskripte 1943 requiriert und nach dem Kriege nicht vollständig restituiert wurden, kann diese Frage derzeit nicht geklärt werden." (Michael Wittmann, Booklet, cpo 555 002-2)
    • Ich habe mir als Reznicek-Fan die jpo-CD bestellt und bin gerade mit dem 1. StrQ fertig, hörenderweise.
      Den ersten Satz finde ich wirklich gut gemacht. Zwei gegensätzliche Themen (sogar memorierbar!!), die iegendwie verarbeitet werden. Ob das ein sauberer Sonaten-Hauptsatz ist, kann ich nach dem ersten Gang nicht beurteilen, aber mein Bauch sagt: Ja.
      Zweiter Satz.. für mich etwas konturlos, schlicht, trotz schöner Harmonik.
      Den dritten Satz fand ich prima. Hat mich etwas an Brahms erinnert, wie die eher elaborierten Stellen sich mit den volkstümlichen (wenn man diesen Begriff überhaupt noch verwenden will im Jahre 1890 (ungefähr)) abwechseln und ergänzen.
      Schade, dass Reznicek kein Scherzo komponiert hat! Eigentlich wäre das genau sein Ding...
      Bin sehr gespannt auf die anderen 5 Quartette!
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Inzwischen habe ich die beiden CDs durchgehört, einiges sogar zweimal. Insgesamt kann man sagen, dass Reznicek auf diesem Gebiete kein Neuerer war und praktisch auch keinerlei Anregungen der 2. Wiener Schule oder von Bartok, den Franzosen oder Janacek in seine Werke aufgenommen hat. Da war Korngold progressiver. Aber mal abgesehen davon, kann man die Quartette gut hören und sie haben einiges zu bieten.

      Heute das letzte Quartett Nr. 6 wieder gehört, das ist das, welches sich die Mittelsätze aus dem 5. "ausgeborgt" hat. Das ist in dieser viersätzigen Form wohl das interessanteste und gelungenste Werk der Reihe und könnte m.E. repertoiretauglich werden. Wenn man die Ecksätze von Nr. 5 und Nr. 6 vergleicht, würde zumindest ich sagen, dass die von Nr. 6 interessanter sind. Die von Nr. 5 sind aber nicht schlecht und vielleicht muss das 5. jetzt bei mir als zweisätziges Werk ohne Mittelsätze überleben.

      Alberich schrieb:

      Schade, dass Reznicek kein Scherzo komponiert hat! Eigentlich wäre das genau sein Ding...

      Der dritte Satz des 6. Quartetts ist übrigens ein Scherzo!