"Bücherjournal" wird eingestellt

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    • "Bücherjournal" wird eingestellt

      Im Zuge umfangreicher Sparmaßnahmen soll beim NDR das "Bücherjournal" eingestellt werden. Es handelt sich dabei um eine der ältesten Literatursendungen im deutschen Fernsehen, deren Vorgänger 1965 unter dem Titel "Die neue Bibliothek" startete, und die aktuell an sechs Montagen im Jahr zu der überaus attraktiven Programmzeit 23.45 Uhr bis 0.30 Uhr ausgestrahlt wird. Dem Protest des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gegen die geplante Einstellung haben sich namhafte Verleger und Autoren sowie der PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann angeschlossen.

      boersenblatt.net/2020-05-13-ar…herjournals_.1863261.html
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Knulp schrieb:

      Ich kenne niemanden, der das jemals geguckt hat,
      Dann kennst du jetzt jemanden. ;)

      Als die Sendung in den 70iger- und 80iger-Jahren noch von Paul Kersten moderiert wurde (noch auf N3), habe ich das Bücherjournal ziemlich regelmäßig geschaut. Es war damals eine verdammt gute Sendung. Irgendwann habe ich es dann aus den Augen verloren und als ich zufälligerweise wohl im letzten Jahr einmal wieder hineinschaute, fiel ich fast vom Glauben ab. Was für ein Niveauverlust. Unter diesem Aspekt wäre es eigentlich nicht schade um die Sendung, wenn es denn genügend Alternativen im Öffentlich-Rechtlichen, oder im NDR gäbe. Sind ja aber leider nicht vorhanden. Von daher ist es v.a. wieder einmal eine Kultursendung mehr, der man den Garaus macht.

      Schade könnte man sagen, wenn dahinter nicht schon fast Methode stecken würde: Kultur in die Nische und dann irgendwann ganz weg.

      :wink: Wolfram
    • Die Einsparungen im NDR, jetzt im Radiobereich, betreffen z.B. auch das 'Zeitzeichen', eine Kooperation mit dem WDR, in dem ausführlich (!) jeden Tag eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Ereignis der letzten Jahrtausende behandelt wird und zudem das 'Mittagsmagazin' und 'Das Echo das Tages', beides Politmagazine, in denen noch einmal Raum für längere Reportagen vorhanden war. Das 'Echo des Tages' gibt es übrigens seit 1946!

      :wink: Wolfram
    • lothar schrieb:

      Meinst du die co-operation mit dem WDR oder eine komplette Einstellung?
      So wie ich das verstanden habe, gilt das nur für den NDR. Vom WDR und diesbezüglicher Streichungen war nicht die Rede.
      'Zeitzeichen' müsse man nun nicht mehr übertragen, weil es das auch als Podcast gäbe. Als wenn das nicht in Richtung einer Selbstabschaffung des Rundfunks gleichkäme.
      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      'Zeitzeichen' müsse man nun nicht mehr übertragen, weil es das auch als Podcast gäbe. Als wenn das nicht in Richtung einer Selbstabschaffung des Rundfunks gleichkäme.
      Nur als Podcast finde ich auch problematisch, weil da - im Moment zumindest noch - die Zufallshörer im Auto usw. wegfallen würden. Einen Podcast muss man gezielt suchen und abspielen (was ich persönlich gleichwohl in letzter Zeit immer häufiger mache, meistens über die "Audiothek"-App). Aber dass Sendungen nicht mehr im früheren Umfang auf verschiedenen Sendern gleichzeitig gesendet werden müssen, leuchtet mir schon ein, weil man heutzutage doch auch regionale Sender überregional empfangen kann, sogar im Auto. Die Zusammenarbeit der Sender muss deshalb nicht mehr unbedingt darin bestehen, dass mehrere zusammen etwas machen, sondern kann auch bedeuten, dass der eine etwas anderes macht als der andere. Und so sehr ich es bedauere, dass z.B. die Eigenproduktionen von Kammermusik in den Sendern in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten radikal reduziert wurden: Ich habe in den 90ern noch regelrechte Mini-Tourneen durch Sendeanstalten gemacht und dabei zum Beispiel einmal dasselbe Stück nacheinander in Berlin, in Köln und in Stuttgart produziert und dann noch zweimal live in Wuppertal und in München aufgenommen. So schön das für mich war: Sowas muss einfach nicht sein.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • ...wenn sie mal auch im WDR die "Zeitzeichen" wegbeamen, dann ist aber hallo Beerdigungs-Stimmung im Hause Walldorff 8o

      >obwohl ich mich ja eigentl. von den öffentl.rechtl. nur noch positiv überraschen lasse - so wie neulich, als sie auf 3sat (SA um 20.15h)
      den akt. "Hamlet" v. Schauspielhaus Bochum brachten: kann eigentl. nur ein Versehen der Redaktion gewesen sein! <

      < = besagte Zeitzeichen sind d i e Anregung f.meine hiesigen Kalenderblätter gewesen: das muß ich hier (der Ehre u. Fairneß halber!!) mal klarstellen :!: :!:
      Durchhängen iss nich !!
      (Udo Lindenberg)
    • ChKöhn schrieb:

      Wolfram schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      Einen Podcast muss man gezielt suchen und abspielen (was ich persönlich gleichwohl in letzter Zeit immer häufiger mache, meistens über die "Audiothek"-App).
      Deswegen werde ich mir aber noch lange kein Smartphone anschaffen. :neenee1:
      Das brauchst Du auch nicht:
      ardaudiothek.de/
      Danke für den Hinweis. Ich frage mich allerdings, was die nun verfügbaren Sendeplätze einnehmen wird. Gut, wir werden es irgendwann erfahren, aber ich habe jetzt schon so ein komisches Gefühl, dass es eine andere Qualität haben wird. ^^

      :wink: Wolfram
    • Ich kanne die Sendung überhaupt nicht (wenn ich überhaupt Radio höre, dann österreichische Sender), aber ich finde die Einstellung einer Literatursendung natürlich sehr schade (Podcasts sind kein gleicherwertiger Ersatz).
      Passt aber auch gut in unsere heutige Zeit, in der leider immer weniger gelesen wird.
    • Wolfram schrieb:

      Ich frage mich allerdings, was die nun verfügbaren Sendeplätze einnehmen wird. Gut, wir werden es irgendwann erfahren, aber ich habe jetzt schon so ein komisches Gefühl, dass es eine andere Qualität haben wird.
      Aller Erfahrung nach: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen... :whistling:
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Wolfram schrieb:

      aber dann natürlich nur die großen, qualitativ anspruchsvollen Produktionen, die der NDR jemals zustande gebracht hat.
      Hat er? .....achja, NDR Talkshow, Inas Nacht, ... ich vergaß.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      Wolfram schrieb:

      aber dann natürlich nur die großen, qualitativ anspruchsvollen Produktionen, die der NDR jemals zustande gebracht hat.
      Hat er? .....achja, NDR Talkshow, Inas Nacht, ... ich vergaß.
      maticus
      Ich sprach von 'jemals'. ;) Das schließt auch N3 ein und da sah das wirklich alles noch ganz anders aus. Alleine die ersten Jahrgänge des Bücherjournals wären absolut wert, einmal wiederholt zu werden. Selbst die NDR Talkshow zu Beginn hatte Niveau, selbst wenn sie nicht mit 3 nach 9 von Radio Bremen (Wocker und Co) mithalten konnte. Heute ist es Wellness-TV und die Streichung des Bücherjournals wäre, von der Qualität dieser Sendung her gesehen, überhaupt kein Thema, wenn es nicht eine allgemeine Richtung weiter deutlich machen würde.
      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Selbst die NDR Talkshow zu Beginn hatte Niveau, selbst wenn sie nicht mit 3 nach 9 von Radio Bremen (Wocker und Co) mithalten konnte.

      Stimmt, das waren früher (häufig) richtig interessante Sendungen. Bei "3 nach 9" gibt es wenigstens hin und wieder nochmal ein interessantes Gespräch (wenn auch selten), aber ansonsten ist die aufgebotene "Schauspieler-promotet-seinen-neuesten-ARD-Fernsehfilm"-Gästeriege einfach unerträglich.

      Bevor zu viel über "Inas Nacht" gelästert wird: das ist wenigstens ein innovatives und sehr eigenes Format, auch wenn es keine Hochkultur bietet. Als wir im letzten Sommer im "Schellfischposten" ein Bier getrunken haben, konnte ich außerdem unseren (ungläubig staunenden) englischen Freunden erzählen, dass knapp einen halben Meter von unserem Tisch entfernt Sting gesungen hat. :D Diese Art von Anarcho-Fernsehen gab es in der Anfangszeit der Privatsender teilweise, danach kaum noch. So gesehen möchte ich "Inas Nacht" nicht missen.

      Ansonsten ist es mit den Öffentlich-Rechtlichen ein ziemliches Trauerspiel. Den sogenannten Bildungsauftrag scheint man dort nur hervorzuholen, wenn die nächste Gebührenerhöhung diskutiert wird, bei der Programmplanung vergisst man das dann ganz schnell wieder...

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • In N3, also dem Vorgänger, gab es in den 70iger Jahren z.B. auch eine recht anspruchsvolle Filmreihe. Da wurde dann z.B. Erich von Stroheim gezeigt, also sämtliche Stummfilme. Dann eine ausgiebige Bogart-Reihe, danach Cagney, als der in Deutschland kaum bekannt war, Film Noir oder auch Klassiker des B-Pictures. Allerdings alles vor Einführung des Privatfernsehens, als man eben noch keine Konkurrenz zu fürchten hatte. Und als man offensichtlich noch Redakteure im Sender hatte, die Ahnung besaßen und das Fernsehen den vor dir zitierten Bildungsauftrag wirklich noch ernst nahm.

      :wink: Wolfram