ZITATERATEN: Konzert und Oper (ohne Komponisten über Komponisten)

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    • Mauerblümchen schrieb:

      Das ist ja schon einmal ein terminus post quem oder wie das heißt ...

      :jaja1:

      Ich hol das Rätsel (einschl. der ersten richtigen Lösung) mal auf die aktuelle Seite des Threads:

      Der Schriftsteller und Musiker A aus der Stadt X begleitet den Schriftsteller und Musiker B bei einigen Konzert- und Probenbesuchen in der Stadt Y. Es werden die Werke v und w des Komponisten C aufgeführt, u.a. von den Dirigenten E und F sowie den Orchestern G und H. Nebenbei wird auch noch Komponist D [= Max Reger] erwähnt.

      A berichtet:

      B war mir auf eine mich berauschende Weise zugewandt [...] - zugewandt, ja, wenn nicht plötzlich eine Frau dazu trat. Das geschah allerdings so häufig, daß ich manchmal dachte, er kenne wenigstens die Hälfte der Bevölkerung von Y, und ich gestehe, daß es mich verdroß, wie mühelos sich das Gesprächs-Niveau dann senkte und ich "stehen gelassen" wurde - trotz des permanenten "Darf ich Sie der Gräfin Soundso vorstellen?" [...]

      Wir gingen von einer Probe in die andere, und mir fiel die Aufgabe zu, für offene Türen zu sorgen. Als erstes Werk stand das v an, [...] unter E. Die G waren mit dem Zuhörenlassen heikel; aber E, von dem ich's für ihn, B, einfach verlangte und der den großen Namen blitzschnell in seiner Krone unterbrachte, befürwortete es [...], und so konnten wir, gegen alle Erwartung verdutzt, die ganz uneitle, hochprofessionelle Probentechnik des sonst so antipodischen Maestro beobachten [...]. Sein schnelles Ausschlagen der Viertel im [ersten Satz von] v war für mich irritierend, weiß ich noch, zumal es gegen C's Vorschrift ging; trotzdem kam ein Schwingen der Ganzen Takte zustande, wie es nur selten gelingt und auch E selber in der Schallplattenaufnahme nicht wieder gelungen ist; natürlich war das auch den G zu danken [...]. Ein paar Sätze über die Bedeutung von C's "Pesante", die ich mir hinterher herausnahm, wurden von E so nichtssagend beantwortet, daß ich mich schnell dankend verabschiedete und B hinterherlief, der gar nicht mit E hatte sprechen wollen. Die Aufführung, eine Matinée, blieb jedenfalls hochkultiviert zu nennen und von der Klangverwirklichung ohne Makel [...].

      [Nach einem Rückblick auf vorbildliche Aufführungen von w in der Vergangenheit]: Die Aufführung unter F nun konnte nach solchen Vorbilds-Beschwörungen natürlich nicht standhalten; wir gingen zur Generalprobe [...] mit schlimmen Ahnungen. F, den ich von X her kannte (und der sich ein bißchen an der Vorstellung gütlich tat, ich sei extra seinetwegen als Verehrer nach Y gereist) erzählte nachher aufgeräumt, wie er sich das Werk während der ganzen Herfahrt im Zug angeeignet habe, und es sei ja nun gar nicht so schlimm wie gedacht: "sowas Ähnliches wie Regers 100. Psalm...". Vielleicht machten B solche Eröffnungen sprachlos; er beteiligte sich auch hier nicht am Gespräch und ließ mich reden, und ich führte mich [...] wohl ganz besonders unhöflich auf, sagte F ins Gesicht, daß eine Bahnfahrt eben nicht ausreiche, um die - von ihm verpatzten - Taktwechsel nach /23/ hinzukriegen [...] (ich habe mich später in X dafür entschuldigt, und er ließ meine C-Unbedingtheit, die er nicht teilte, gemütlich als Ursache gelten). Es waren nun nicht die G, die [...] zu spielen hatten, sondern die H, ein Unterschied wie Tag und Dämmerung, die glanzlosen Bläser vor allem machten den enormen Formkörper korpulent und das Impetuoso zäh und klobig, besonders nachdem wir vom Vormittag her noch das herrliche Blech der G im Ohr hatten. Die Aufführung war dann korrekt und ungenial, "jämmerlich prachtvoll", habe ich in meinen Kalender geschrieben; sie ließ mich kalt, und ich war kreuzunglücklich darüber. Seltsamerweise aber wirkte B beeindruckt und nachdenklich. Wir gingen noch [...] ein bißchen hin und her; ich krittelte an den Mängeln der Aufführung herum, aber er war anderswo und sagte plötzlich: "Trotzdem - es ist doch sehr viel, was übrig bleibt...".

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • UA des 100. Psalms von Max Reger: 23. Februar 1910.

      Ich denke, so viel Google ist erlaubt ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mit Blick darauf, dass w "so etwas Ähnliches wie Regers Psalm 100" sein soll, mit Blick auf den genius diei und nach Blick in die Partitur von Mahlers Sinfonie Nr. 8, die nach Ziffer 23 (erster Teil) tatsächlich mehrere Taktwechsel vorschreibt:

      w = Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 8?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      nach Blick in die Partitur von Mahlers Sinfonie Nr. 8, die nach Ziffer 23 (erster Teil) tatsächlich mehrere Taktwechsel vorschreibt
      Blick in die Partitur - so habe ich mir den Weg zur Lösung vorgestellt! :thumbup:

      Mauerblümchen schrieb:

      w = Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 8?
      :verbeugung1: So ist es! Womit Komponist C natürlich als Gustav Mahler identifiziert wäre.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Blick in die Partitur - so habe ich mir den Weg zur Lösung vorgestellt! :thumbup:
      Sowas finde ich unfair! :boese1: Ich lese die schöne Geschichte grad, aber Mauerblümchen löst ja alles ganz allein... ;(

      Da mir nix sonst einfällt, lehne ich mich zurück und genieße. ^^

      :D
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Hmmm ... dann bliebe unter den frühen Mahler-Jüngern (in späteren Zeiten hätte man Mahlers Achte kaum mit Regers Psalm 100 verglichen?) nur noch

      E = Otto Klemperer? ("Antipodisch")

      G = Wiener Philharmoniker ("Frau Gräfin")
      H = Wiener Symphoniker?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      E = Otto Klemperer? ("Antipodisch")
      Antipodisch zu wem ist die Frage... Nein, nicht Klemperer.

      Mauerblümchen schrieb:

      G = Wiener Philharmoniker ("Frau Gräfin")
      H = Wiener Symphoniker?
      Zwei Volltreffer! :D


      Nochmal das Rätsel - eingearbeitet sind die bisher (ausschließlich von MB) erbrachten Lösungen:

      Der Schriftsteller und Musiker A aus der Stadt X begleitet den Schriftsteller und Musiker B bei einigen Konzert- und Probenbesuchen in der Stadt Y (= Wien). Es werden die Werke v ( = Lied von der Erde) und w (= Achte Sinfonie) des Komponisten C (= Gustav Mahler) aufgeführt, u.a. von den Dirigenten E und F sowie den Orchestern G (= Wiener Philharmoniker) und H (= Wiener Symphoniker). Nebenbei wird auch noch Komponist D (= Max Reger) erwähnt.

      A berichtet:

      B war mir auf eine mich berauschende Weise zugewandt [...] - zugewandt, ja, wenn nicht plötzlich eine Frau dazu trat. Das geschah allerdings so häufig, daß ich manchmal dachte, er kenne wenigstens die Hälfte der Wiener Bevölkerung, und ich gestehe, daß es mich verdroß, wie mühelos sich das Gesprächs-Niveau dann senkte und ich "stehen gelassen" wurde - trotz des permanenten "Darf ich Sie der Gräfin Soundso vorstellen?" [...]

      Wir gingen von einer Probe in die andere, und mir fiel die Aufgabe zu, für offene Türen zu sorgen. Als erstes Werk stand das Lied von der Erde an, in der Staatsoper, unter E. Die Philharmoniker waren mit dem Zuhörenlassen heikel; aber E, von dem ich's für ihn, B, einfach verlangte und der den großen Namen blitzschnell in seiner Krone unterbrachte, befürwortete es beim Orchester, und so konnten wir, gegen alle Erwartung verdutzt, die ganz uneitle, hochprofessionelle Probentechnik des sonst so antipodischen Maestro beobachten [...]. Sein schnelles Ausschlagen der Viertel im "Trinklied" war für mich irritierend, weiß ich noch, zumal es gegen Mahlers Vorschrift ging; trotzdem kam ein Schwingen der Ganzen Takte zustande, wie es nur selten gelingt und auch E selber in der Schallplattenaufnahme nicht wieder gelungen ist; natürlich war das auch den Philharmonikern zu danken [...]. Ein paar Sätze über die Bedeutung von Mahlers "Pesante", die ich mir hinterher herausnahm, wurden von E so nichtssagend beantwortet, daß ich mich schnell dankend verabschiedete und B hinterherlief, der gar nicht mit E hatte sprechen wollen. Die Aufführung, eine Matinée, blieb jedenfalls hochkultiviert zu nennen und von der Klangverwirklichung ohne Makel [...].

      [Nach einem Rückblick auf vorbildliche Aufführungen von Mahlers Achter in der Vergangenheit]: Die Aufführung unter F nun konnte nach solchen Vorbilds-Beschwörungen natürlich nicht standhalten; wir gingen zur Generalprobe [...] mit schlimmen Ahnungen. F, den ich von X her kannte (und der sich ein bißchen an der Vorstellung gütlich tat, ich sei extra seinetwegen als Verehrer nach Wien gereist) erzählte nachher aufgeräumt, wie er sich das Werk während der ganzen Herfahrt im Zug angeeignet habe, und es sei ja nun gar nicht so schlimm wie gedacht: "sowas Ähnliches wie Regers 100. Psalm...". Vielleicht machten B solche Eröffnungen sprachlos; er beteiligte sich auch hier nicht am Gespräch und ließ mich reden, und ich führte mich [...] wohl ganz besonders unhöflich auf, sagte F ins Gesicht, daß eine Bahnfahrt eben nicht ausreiche, um die - von ihm verpatzten - Taktwechsel nach /23/ hinzukriegen [...] (ich habe mich später in X dafür entschuldigt, und er ließ meine Mahler-Unbedingtheit, die er nicht teilte, gemütlich als Ursache gelten). Es waren nun nicht die Philharmoniker, die Sonnen und Planeten zu spielen hatten, sondern die Symphoniker, ein Unterschied wie Tag und Dämmerung, die glanzlosen Bläser vor allem machten den enormen Formkörper korpulent und das Impetuoso zäh und klobig, besonders nachdem wir vom Vormittag her noch das herrliche philharmonische Blech im Ohr hatten. Die Aufführung war dann korrekt und ungenial, "jämmerlich prachtvoll", habe ich in meinen Kalender geschrieben; sie ließ mich kalt, und ich war kreuzunglücklich darüber. Seltsamerweise aber wirkte B beeindruckt und nachdenklich. Wir gingen noch [...] ein bißchen hin und her; ich krittelte an den Mängeln der Aufführung herum, aber er war anderswo und sagte plötzlich: "Trotzdem - es ist doch sehr viel, was übrig bleibt...".

      :wink:
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    • Zwei Tips:

      "Schriftsteller und Musiker" ist eine freie und unvollständige Beschreibung der Tätigkeiten von A und besonders von B.

      Und:

      Mauerblümchen schrieb:

      unter den frühen Mahler-Jüngern (in späteren Zeiten hätte man Mahlers Achte kaum mit Regers Psalm 100 verglichen)
      Das ist sicher nicht falsch, führt hier aber doch auf die falsche Spur.

      :wink:
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    • Tip von einem, der verzweifelt aufgegeben und gegoogelt hat:
      Der Abschnitt über Dirigent E hat mich spontan an einen Dirigenten denken lassen, den ich an dieser Stelle der Rezeptionsgeschichte überhaupt nicht erwartet hätte, der aber richtig gewesen wäre.
      Ärgerlich für mich.
      Khampan
    • Zwielicht schrieb:

      "Schriftsteller und Musiker" ist eine freie und unvollständige Beschreibung der Tätigkeiten von A und besonders von B.

      Da habe ich eine Zeitlang an Adorno gedacht, der einige Zeit in Wien verbrachte und den Damen der Stadt alles andere als abgeneigt war.

      Er verkehrte (oh, falsches Wort in diesem Kontext) unter anderem mit Alban Berg, aber Schriftsteller war Letzterer eher nicht ...

      Zwielicht schrieb:

      Das ist sicher nicht falsch, führt hier aber doch auf die falsche Spur.

      Also spätere Dirigenten, die aber doch eine Aufnahme des LvdE gemacht haben? Kletzki und Schuricht haben frühe Aufnahmen gemacht.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Jaaa! Der Gräfinnen zugeneigte Smalltalker B ist Adorno, der "uneitel" probende Dirigent E ist Karajan. Zwei Herren, die in unserem Forum des öfteren erwähnt werden. Gerne hätte man einem Gespräch zwischen beiden gelauscht...

      Bleiben noch Erzähler A und Dirigent F, die damals beide in derselben Stadt X wirkten. A erzählt übrigens aus großer zeitlicher Distanz von dem Geschehenen.

      :wink:
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    • Zwielicht schrieb:

      Bleiben noch Erzähler A
      ist bzw. war das nicht ein bekannter Karl May Fan ?
      (Falls mein Brägen Rätsel richtig checkt )
      Falls es sich bei A. um besagten Karl-May-Nerd handelt, dann war er so totalst tierlieb, dass er einen seiner Essay-Titel vom Teddybären entlehnte..

      Zwielicht schrieb:

      und Dirigent F
      Müsste sich dann um Joseph Keilberth handeln..
      .
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Braccio schrieb:

      Keilberth war damals Chef im schönen Bambärch.
      Bambärch = X. Dort schütteten wir zum 1. x Rauchbier uns rein.

      Mauerblümchen schrieb:

      Hat nicht Scherchen mit den Symphonikern zusammen gearbeitet? Gerade in Sachen Mahler?
      Jascha Horenstein hatte damals mit denen Mahler 9 am Wickel. Und die zückten gegen M9-Mucke ganz fies die Arschkarte. Er + Teddielein witterten dabei Antisemitismus. M9-Wiedergabe funzte dennoch. Aber F = nicht Horenstein.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann