ZITATERATEN: Konzert und Oper (ohne Komponisten über Komponisten)

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    • Wer wagt, gewinnt! :clap: :clap:

      Jetzt muß eigentlich nur noch A exakt benannt werden, dessen Identität ja schon mehr als deutlich angedeutet wurde. Denn daß zzz "Die lustige Witwe" ist, dürfte jedem sonnenklar sein.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Hier also das etwas erweiterte Zitat mit allen Namen:

      Noch viele Jahre später hat er wieder mit Johann Strauss zusammengearbeitet u. zw. die Operette "Wienerblut", die jedoch nur mehr von Adolf Müller zu Ende gearbeitet werden konnte. Ueber die Entdeckung Franz Lehars durch ihn, respektive seine Tochter Lizzy, meine verstorbene erste Gattin, wurde bereits des öftern geschrieben. Leon wurde durch Lizzy auf einen eleganten, feschen Militärkapellmeister aufmerksam gemacht, der täglich am Eislaufplatz konzertierte. Er liess sich den jungen Musiker kommen, liess sich einige seiner Kompositionen vorspielen, an denen er Gefallen fand, dass er ihm ein Buch, an dem er eben arbeitete, anvertraute. Es war der "Rastelbinder". Dies sollte die erste Operette des nun entdeckten Franz Lehar sein und im Carltheater uraufgeführt werden. Sie wurde es nicht. ... Leon war begreiflicherweise wütend, dies hinderte ihn jedoch nicht, mit dem inzwischen ... bereits populär gewordenen Komponisten, ein neues Werk: "Der Göttergatte" zu vollenden. In dieser Operette war nun ein Lied der Sängerin Mizzi Günther zugedacht, das bei den Proben so wenig Anklang fand, dass es einfach gestrichen wurde. Bei der gemeinsamen Arbeit zur "Lustigen Witwe" wurde es nun wieder aus der Schreibtischlade hervorgeholt und feierte mit dem Text "Vilja, oh Vilja, du Waldmägdelein" glorreiche Auferstehung!

      Dieser Auszug stammt aus einem Brief, den Hubert Marischka am 15.Juli 1946 an Max Schönherr richtete. Der Brief befand sich im Besitz Anton Dermotas, der nicht nur ein berühmter Tenor, sondern auch ein leidenschaftlicher und geschätzter Kunstsammler war. In dem 1987 erschienenen Buch "Autographen aus drei Jahrhunderten" wurde der einschlägige Bestand dieser Kollektion ausführlich dokumentiert, wobei der bekannte Literaturwissenschaftler (und studierte Sänger) Herbert Zeman (in zweiter Ehe verheiratet mit der Sopranistin Ildiko Raimondi) die Sparten Literatur, Theater und Wissenschaft bearbeitete, ein gewisser Walter Krause den Bereich Bildende Kunst, was ihm als Geschenk Dermotas dessen Memoirenband mit eigenhändiger Widmung eintrug (löst, wie Ihr seht, noch immer pfauenhaftes Gespreize aus).

      Der gefeierte Operettentenor, Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor, Librettist, Frauenschwarm und Bonvivant Hubert Marischka (1882-1959) entstammte einer Künstlerdynastie, die noch heute blüht und gedeiht. Er hatte Felicitas "Lizzy" Léon, die Tochter des Librettisten und Regisseurs Victor Léon (eigentlich Victor Hirschfeld, 1858-1940) geheiratet (aus dieser Ehe stammte der Schauspieler und Regisseur Franz "Zwetschi" Marischka, 1918-2009) und nach deren Tod Lillan "Lilli" Karczag, die Tochter Wilhelm Karczags, Das war jener Theaterdirektor, der Léon den jungen Franz Lehár weggeschnappt hatte (Lehár selbst: Ich bin sozusagen ganz ahnungslos und blindlings in die Wiener Operette hineingeraten, ohne eine nähere Kenntnis des Genres zu haben). Aus der zweiten Ehe entsprang der Schauspieler und Regisseur Georg Marischka (1922-1999). Huberts Bruder war der Regisseur und Drehbuchautor Ernst Marischka (1893-1963), der Filmgeschichte schrieb (beileibe nicht nur mit der "Sissi"-Trilogie).
      "Der Rastelbinder" wurde zwar im Carltheater uraufgeführt (1902), aber erst einige Wochen nach der von Karczag initiierten Lehár-Operette "Wiener Frauen". cpo hat eine Aufnahme des "Rastelbinders"" im Programm, die vor allem wegen des phänomenalen Fritz Muliar hochempfehlenswert ist.




      Léon und Lehár arbeiteten, wie bekannt, noch oft und eng zusammen, Léon kooperierte aber auch mit Leo Fall, Franz von Suppè, Johann Strauß und Emmerich (Imre) Kálmán.


      Max Schönherr (1903-1984) ist in Wien vor allem als langjähriger Leiter des Großen Orchesters des Österreichischen Rundfunks ein Begriff, dann natürlich als Operettenforscher (besonders über Carl Michael Ziehrer). Als Komponist gerät er eher in Vergessenheit. Hubert Marischka hatte ihn schon in den 1920ern als Kapellmeister engagiert.

      "Der Göttergatte" behandelte die Amphitryon-Geschichte, wurde 1904 mit Mizzi Günther als Alkmene uraufgeführt, konnte aber keine besondere Resonanz auslösen, wurde daher später umgearbeitet und unter dem Titel "Die ideale Gattin" 1913 erneut auf die Bühne gebracht, verschwand aber auch wieder in der Versenkung. Nur die im "Göttergatten" eliminierte Melodie der als "Vilja-Lied" in der "Lustigen Witwe" reanimierten Arie brachte es zum unsterblichen Ohrwurm.

      Mizzi Günther (1879-1961) war eine gefeierte Operettendiva, die in etlichen Uraufführungen Hauptrollen sang, nicht nur im "Rastelbinder" und im "Göttergatten", sondern auch in der "Lustigen Witwe", in der "Dollarprinzessin" (von Leo Fall), in "Eva" und "Schön ist die Welt" von Lehár, in der "Csárdásfürstin" von Kálmán usw. usw. Sie war zuletzt mit dem Burgmimen und Autor Fred Hennings verheiratet, der eigentlich Franz von Pawlowski hieß und aus altem polnischen Adel stammte. Bedauerlicherweise war er auch ein Nazi, bekehrte sich aber später wieder. Mizzi Günther ruht als Maria Pawlowski in der Familiengruft auf dem Zentralfriedhof in Wien.

      Hubert Marischka und die Léons wurden auf dem Hietzinger Friedhof beerdigt (wo auch z.B. Gustav Klimt und Egon Schiele begraben wurden).


      Quasimodo hat den größten bzw. frühesten Anteil an der Lösung des Rätsels, hat sich aber nobel zurückgenommen. Er soll sich mit Cherubino und Maggie ausmachen, wer die nächste Aufgabe stellt.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Vielen Dank, lieber Waldi, für diese ausührliche, anschauliche und lehrreiche Erläuterung! Ich habe sie mit großem Vergnügen gelesen!

      Waldi schrieb:

      Der Brief befand sich im Besitz Anton Dermotas, der nicht nur ein berühmter Tenor, sondern auch ein leidenschaftlicher und geschätzter Kunstsammler war.
      Heißt Kunstsammler hier konkret Autographensammler, oder sammelte Dermota verschiedene Arten von Kunst? Und was ich mich dabei gefragt habe: Ist ein Brief Hubert Marischkas von 1946 für einen Autographensammler wirklich schon interessant genug? Marischka und Schönherr lebten zur gleichen Zeit wie Dermota in der gleichen Stadt, vielleicht haben sie sich alle drei sogar gekannt - warum nimmt man soetwas in die Sammlung auf? Wegen des Inhalts des Briefes (den Dermota dann ja vermutlich direkt von Schönherr bekommen haben wird)?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Lieber Cherubino,

      Bekannt und berühmt, nicht nur in Fachkreisen, war in erster Linie Dermotas Gemäldesammlung, deren Schwerpunkte Werke aus dem 19 und frühen 20.Jahrhundert bildeten. Einige davon wurden dem Autographen-Band auch als Farbabbildungen beigegeben. Dermota hat aus dem Bestand auch oft bereitwillig Leihgaben für Ausstellungen beigesteuert.

      Ich bin kein Autographensammler, obwohl ich einige wenige besitze (so zum Beispiel klecksographische Unterschriften von Leo und Elsa Slezak, ein köstliches Kuriosum), aber das Alter der Objekte spielt für mich keine Rolle. Bekäme ich etwa, sagen wir, ein Autograph von der Garanca oder von Polenzani geschenkt, würde ich es ebenso dankbar und sorgfältig bewahren wie ein Dokument von Caruso oder Hermann Winkelmann.

      Natürlich gab es in der Sammlung Dermota einige hochinteressante und für die Forschung bedeutsame Schriftstücke, daneben aber auch ganz Beiläufiges. Er scheint nicht nach einem gewissen starren Prinzip gesammelt zu haben. Auch im Gespräch hat er damals nichts dergleichen erwähnt. Sicher hat er manches eher zufällig erworben.
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      Homo sum, ergo inscius.