ZITATERATEN: Konzert und Oper (ohne Komponisten über Komponisten)

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    • ZITATERATEN: Konzert und Oper (ohne Komponisten über Komponisten)

      Da uns die Quellen im Kompost-Thread (oder wie der heißt) nicht mehr so reichlich fließen (hoffentlich wird der aber dennoch weitergesponnen), mache ich diesen Parallelbereich auf, in dem wir wohl aus einem größeren Zitatenschatz schöpfen können. Die Lust am Raten scheint, wie aus dem bisherigen Echo erhellt, ja ungebrochen. Ich fange mit einem Beispiel an, das hoffentlich keine allzu harte Nuß darstellt:

      A schreibt:
      Die Kunst, mit welcher B die verschiedenen Erinnerungs...motive im Orchester anbringt, verändert, deren zwei oder drei miteinander verwebt, ist ohne Frage bewunderungswürdig. Schade nur, daß diese "dramatische Polyphonie", wie man das...Prinzip...mit einem Worte...bezeichnen könnte, durchweg Produkt der Reflexion ist. Die zauberische Macht des "Unbewußten", welche in der Konzeption jedes Kunstwerkes das erste Wort sprechen soll, weicht vor solchem Verstandes-Absolutismus scheu zurück.
      Die Aufführung...wird jedem Musikfreund ein denkwürdiges Kunsterlebnis bleiben, wenn auch keines von jenen, deren echter Schönheitssegen uns beglückend und läuternd durchs Leben begleitet. Wir erblicken in dieser Oper keine Schöpfung von tiefer Ursprünglichkeit, von bleibender Wahrheit und Schönheit, sondern ein geistreiches Experiment, das durch die zähe Energie seiner Durchführung und die unleugbare Neuheit nicht sowohl des Erfundenen als der Methode des Erfindens frappiert. Die C gehören für uns mit einem Worte zu den interessanten musikalischen Abnormitäten. Als Regel gedacht, würden sie das Ende der Musik bedeuten, während sie als Spezialitäten immerhin bedeutender und nachhaltiger anregen als ein Dutzend Alltagsopern von jenen zahlreichen "korrekten" Opernkomponisten..., denen man um die Hälfte zuviel Ehre erweist, wenn man sie Halbtalente nennt.

      Wer ist A? (Im Arkadenhof der Universität, an welcher er lehrte, ist ihm ein Büstendenkmal gewidmet)
      Wer ist B?
      Wie heißt die Oper C?
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Nun, ich denke, ganz ohne Googelei wird es nicht immer gehen, also wollen wir nicht zu streng sein. Aber probiert es zuerst einmal ohne. (Beim Herzogenberg-Rätsel im anderen Thread dachte ich zunächst an Strauss und Rachmaninow oder so ähnliches, aber dann sagte ich mir, die Wortwahl im Zitat paßt nicht ins 20.Jahrhundert, sondern muß früher passiert sein, und auf Grund Eurer bis dahin getätigten Hinweise gab es eine verfolgbare Spur... - also viribus unitis geht's und macht Spaß).
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Gut, dann probiere ich es mal ohne Google: Irgendwas von Wagner? WEgen der "Erinneruungsmotive". Die Besprechung könnte jedenfalls ins 19. Jahrhundert passen. Aber von Hanslick ist sie wohl nicht; der lehrte doch nicht an der Uni, oder?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Oh, dann also doch Eduard Hanslick? Über die Meistersinger?

      Ich hoffe, ich irre mich. Wäre ja auch schade, wenn das schöne Rätsel so schnell gelöst wäre!

      :/ :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Du irrst Dich aber nicht und solltest mehr Vertrauen in Deine eigene Kennerschaft haben. Gratuliere! :clap: :clap: :clap: Und jetzt bist Du dran! :D

      Das Zitat ist entnommen aus: Eduard Hanslick: Musikkritiken, hg. von Lothar Fahlbusch, Leipzig 1972, und stammt ursprünglich aus dem mehrfach aufgelegten Sammelband "Die moderne Oper". Hanslick schrieb diese Kritik 1874.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Nun, wenn Du mich geradezu nötigst, liebe calisto, dann gebe ich mich geschlagen und werde mal schauen, ob ich Passendes finde. Sollte mir jemand - wer auch immer - zuvorkommen, wäre ich nicht einmal ansatzweise beleidigt.

      :saint:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ein Brief an A über eine Aufführung der Oper B (der Briefverfasser nicht weiter von Relevanz)
      Die Oper enthält überhaupt nichts, was begeistert und elektrisiert,
      wären da nicht die bombatischen Dekorationen, bliebe das Publikum nicht
      bis zum Schluß. Sie wird wahrscheinlich noch einige Male aufgeführt
      werden, und dann in den Archiven verschimmeln.
      Sie werden sich,
      lieber A, sicher mein Bedauern vorstellen können , daß ich für
      diese beiden Vorstellungen 32 Lire ausgegeben habe. Erschwerend kommt
      hinzu, daß ich von meiner Familie finanziell abhängig bin, so werden sie
      verstehen, daß diese
      Summe nun wie ein grauenvolles Gespenst meine Ruhe beeinträchtigt.
      Ich bitte Sie daher herzlichst, mir diese Summe freundlicherweise zurückzuerstatten. Anbei eine Rechnung

      Bahnfahrt.......2.60 Lire
      Rückfahrt.......2,60 Lire
      Theater.........8.00 Lire
      Abendessen...2.00 Lire
      -----------------------------------
      15.90 Lire

      Dieses mal 2 = 31.80

      In der Hoffnung, daß Sie ihn aus dieser Patsche befreien werden
      grüße ich Sie von Ganzem Herzen
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Amüsante Geschichte! A hat dem Briefschreiber tatsächlich die Kosten erstatten lassen (aber die fürs Abendessen abgezogen), allerdings unter der Bedingung, dass jener eine schriftliche Erklärung unterzeichne, in der er sich verpflichtet, nie wieder eine Vorstellung mit einem Stück von A zu besuchen.

      B ist übrigens, wie man sich denken kann, nicht in den Archiven verschimmelt.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Ich hab die Geschichte schon mal gehört, einschließlich der Ergänzungen Quasimodos, komme aber nicht mehr drauf, wer das war ... Boito?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Die Menschen heute sind ziemlich arrogant in der Beurteilung dessen, was gut ist und was nicht. Die Beurteilung der Kunst einer anderen Zeit gehört zum Schwierigsten." - Nikolaus Harnoncourt, Interview vom 22. Juni 2007 (harnoncourt.info/ich-bin-eifoermig/)
    • ChKöhn schrieb:

      Quasimodo schrieb:

      A hat dem Briefschreiber tatsächlich die Kosten erstatten lassen (aber die fürs Abendessen abgezogen)
      Das würde zu Verdi passen. Und die "bombastischen Dekorationen" vielleicht zu Aida.
      In der Tat. Verdi leitete den Brief an Ricordi weiter mit der Bitte, die Rechnung zu bezahlen, aber wie schon erwähnt wurde das "verbrecherisch schlechte" Abendessen auf dem Bahnhof abgezogen - "er hätte auch zuhause essen können". Er schließt: "Im übrigen hat der Mann (der übrigens Prospero Bertani hieß) den Empfang zu quittieren und eine Erklärung zu unterschreiben, daß er nie wieder eine Aufführung eines meiner Werke besuchen wird. Das wird ihn vor bösen Geistern bewahren und mich davor, seine Rechnungen zu bezahlen"
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Neues Rätsel

      Pianist A über Pianist B.
      "Ich entsinne mich, er spielte die vier Chopin-Balladen, die Liszt-Sonate und die Trauermarsch -Sonate von Chopin. Er trug auch die 32 Variationen von Beethoven vor. Oh, ich war von ihm ungeheuer beeindruckt. Ich hatte nur selten derart eruptives Klavierspiel gehört. Ich weiß noch, ich saß mit meiner Mutter in der ersten Reihe (...) und war fassungslos vor Staunen, was er zustande brachte (...). Den ersten Satz der b-moll-Sonate werde ich nie vergessen. Das Seitenthema! Meine Mutter, die sehr musikalisch war und der es keiner recht machen konnte - an diesem Abend war sie hingerissen. Auf dem Heimweg sagte sie: 'Du solltest dich ans Klavier setzen und üben - er spielt besser als du!'"

      Wer ist A, wer ist B?
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Hm, tappe hier noch völlig im dunkeln. Wie wärs mit einem Tip? :/ ;)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • ich tippe mal darauf, daß der Fundort die Memoiren eines russischen Pianisten sind.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Gurnemanz schrieb:

      Wie wärs mit einem Tip?
      Hm, also ich ergänze mal die Auslassungen im Zitat. Vollständig heißt der entsprechende Satz:

      "Ich saß mit meiner Mutter in der ersten Reihe des Beethoven-Saals und war fassungslos vor Staunen, was er zustande brachte, trotz dieser unglaublichen Steifheit der Arme."

      Und am Beginn des Abschnitts schreibt A noch: "Wir waren beide um die Zwanzig".

      zabki schrieb:

      ich tippe mal darauf, daß der Fundort die Memoiren eines russischen Pianisten sind.
      Du meinst wegen der strengen Mutter :D ? Nein, A ist kein russischer Pianist.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)