Eben gehört

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    • garcia schrieb:

      Endlich mal ein unbekannter Komponost, den ich auch als lohnend empfinde (ist oft nicht so) :





      Klingt wie außerordentlich gelungene Filmmusik zu einem Film Noir der 40er, mit effektvollen tiefen Streichern und einer nur untergründig gedämpften Dramatik, dann auch noch die perlende Harfe immer wenn spannende Wendungen angesagt sind. Effektmusik galore! Der Hit ist aber dann der ätherische (textlose?) Gesang wie aus Höllenschluchten oder Himmelshöhen (das ist hier ziemlich dasselbe), der dem Ganzen etwas expressionistisch-unheimliches mitgibt.


      Dies ist hemmungslose Musik, die sich um garnichts schert. Irgendwie schon groß. Oder doch extrem Anteilnahme einfordernd, und die geb ich ihr gern.


      :)
      Die kenne ich möglicherweise noch gar nicht, obwohl ich die Gesamtausgabe der Sinfonien von Alfvén besitze. Spannende Schilderung eines äußerlich auf jeden Fall gewichtigen Werks!

      Wird jetzt aufgelegt. :thumbup:



      Schönen Gruß,

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Da bin ich auf deine Meinung aber mal gespannt! Ich hatte ständig alte Schwarzweißfilme vor Augen, und dieser merkwürdige Gesang dabei... Nicht der neue Mahler, was ja auch garnicht sein muß, aber höchst wirkungsvoll.

      Viel Freude!


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • nochmals @ Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 4, 1908/ 1920 (erste Skizzen/ Uraufführung)

      Diese Sinfonie höre ich doch nicht zum ersten Mal - aber öfter als das zweite Mal kann es wohl auch nicht sein.

      Denn die Vokalisen für Sopran und für Tenor sind mir gleich bekannt vorgekommen, sie sind unverwechselbar und bewirken in der Tat eine merkwürdige Stimmung - die faszinierend bedrohliche Landschaft der schwedischen Schären vereint sich mit einer offenbar tragischen Liebesbeziehung, Außenwelt und Innenwelt erscheinen als Spiegelbilder. Dennoch habe ich die für mich nicht wirklich strukturell greifbare Musik - einen einzigen dreiviertelstündigen Satz - bei aller Vielfalt als bemerkenswert einheitlich empfunden und als so spannend, dass ich überrascht war am Ende bezüglich der als kürzer empfundenen Ausdehnung. Ja, es ist ein quasi filmisches Epos voller Pathetik, auch wenn die Sprache spätromantisch bleibt und nicht die Modernität etwa eines Debussy erreicht.

      Im Booklet der BIS-Einspielung habe ich gelesen, man habe das Werk zum Teil als pornographisch empfunden. Vielleicht liegt das an den Vokalisen - hierzu macht das Booklet keine Angaben -, nachvollziehen wird man dies heute nicht mehr können und Alfvén hat solche Assoziationen mit der Bemerkung von sich gewiesen, er habe die Sinfonie seiner 14jährigen Tochter gewidmet.

      Dank an garcia für die Anregung!

      Anschließend habe ich mir aus der Box dann noch Alfvéns mit Abstand berühmtestes Werk wieder einmal angehört - ich kannte vor dem Erwerb der Box nur diese Komposition, nämlich die Schwedische Rhapsodie, Nr. 1, die Mittsommerwache von 1903/ 1904. Schwedische Volksmusik erscheint hier in dezenter Stilisierung und dunkle Töne werden nicht ausgeklammert. Aber die Musik ist natürlich viel schlichter und eingängiger als seine vierte Sinfonie.

      Als echter Ohrwurm erweist sich dabei das Thema, das an erster Stelle steht. Empfehlung, falls noch nicht bekannt!

      :) Wolfgang
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    • Neu

      komisch, ich hatte gerade die ganze järvi-5-cd-alfvén-box durchgehört und an filmmusik oder nordische landschaft habe ich dabei nie denken müssen. gerade die 4. ist doch stilistisch eher deutsch als nordisch.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • Neu

      An "nordisch" dachte ich auch nicht, an (expressionistische?) Schwarzweißfilmdramatik durchaus - ein Genre, zu dem die Deutschen ja Entscheidendes beigetragen haben...

      Wie immer, dunkel gehts auch heute hier weiter. Solcherlei Sachen ziehen mich gerade sehr an.


      Pettersson, 2.Violinkonzert.

      Ich habe das, was ich aus der cpo-Gesamtaufnahme der Sinfonien noch nicht hatte, mal nachbestellt (2,3,5,6,15). Einzeln gibt es sie nicht mehr, nur die Gesamtbox (die sich für mich nicht lohnt da ich 60% schon habe), aber auf dem Gebrauchtmarkt war das noch greifbar. Als ich Pettersson vor Jahren kennenlernte war das eine große Faszination, die schwand dann irgendwann etwas und taucht nun wieder auf.

      Das 2.Violinkonzert ähnelt den späteren Sinfonien sehr, die über allem schwebende Geige setzt kleine Lichtfunken, die den drohend wogenden Orchesterpart noch dunkler wirken läßt. Nix für oft, aber wenn die Stimmung stimmt, dann fasziniert (mich) das sehr.


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
    • Neu

      Die Schären gehören halt zu Schweden und stellen das explizite Programm dieser Sinfonie dar. Wüsste man das nicht, man würde es wohl nicht hören, hätte aber vermutlich schnell die Assoziation einer zerklüfteten Landschaft.

      Und was Pettersson und sein zweites Violinkonzert anbelangt, muss ich gestehen, dass hier die stilistische Unverwechselbarkeit und für mich zumindest die Intensität der Musik schon noch einmal deutlich größer sind.

      Hier wird das Violinkonzert mehrmals thematisiert.

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Neu

      Geht mir ebenso, lieber andrejo, das Pettersson-Konzert ist nochmal eine ganz andere Liga. Aber einen Alfvén entdecken ist trotzdem ein Grund zur Freude, nicht?


      :)
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      (Shunryu Suzuki)
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      mögt ihr auch rangström?
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    • Neu

      putto schrieb:

      mögt ihr auch rangström?
      Ja.


      garcia schrieb:

      Kenne ich nicht. Hast du einen Einsteigertip?


      Höre mal rein, 4 Sinfonien plus was Extra für einmal was Anderes als Brahms zu 19,99 €. Du machst nix falsch. Es sind gut eingespielte Werke.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Neu

      rangström ist eigenwilliger aber etwas weniger "professionell" als alfvén, liebt die große geste, den satten orchesterklang, den "primitiven" umgang mit kurzen themen, überwältigungsästhetik, oder so.

      ich dachte mir anhand eurer statements, dass der passen könnte ... ich war mal recht süchtig danach, schon länger nicht gehört.
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      putto schrieb:

      rangström ist eigenwilliger aber etwas weniger "professionell" als alfvén, liebt die große geste, den satten orchesterklang, den "primitiven" umgang mit kurzen themen, überwältigungsästhetik, oder so.
      Diese Charakterisierung paßt gut mit meinen (nicht mehr ganz frischen) Eindrücken. Ja, recht eigenwillig. Habe die CPO-Einspielung auch aufnahmetechnisch in bester Erinnerung.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      putto schrieb:

      rangström ist eigenwilliger aber etwas weniger "professionell" als alfvén, liebt die große geste, den satten orchesterklang, den "primitiven" umgang mit kurzen themen, überwältigungsästhetik, oder so.
      Er war weitgehend Autodidakt gewesen, wenn man von ca. einem Jahr Unterricht bei Pfitzner absieht. Das mag etwas merkwürdig klingen, weil er auch vier Mal ein Komponistenstipendium bekommen hatte. Daher vielleicht die nicht ganz so "professionelle" Umsetzung der Themen. Er war vor allem Musikkritiker und auch Dirigent gewesen, komponiert hat er eher so "nebenbei".


      Gurnemanz schrieb:

      Habe die CPO-Einspielung auch aufnahmetechnisch in bester Erinnerung.
      Sind die Einspielungen auch.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Neu

      Sicherlich ein guter Tip für die Zukunft! Aber für die Fernere.


      Aber, was mich angeht, erstmal geht es hier um Hindemith, und um Pettersson, und um Hartmann (seine beiden Streichquartette haben mich zum Kauf seiner Sinfonien verleitet). Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es, wenn ich zuviel auf einmal will, nur zu einem Friedhof nicht gehörter Boxen führt... Auch deswegen lasse ich von den cpo-Hindemith Gesamtboxen erstmal die Finger. Meine Aufnahmekapazität ist endlich.

      Heut kam



      b-majors schöner Rat der Bläsersonaten von Hindemith, und ich konnte natürlich nicht anders als mit der Sonate für Baßtuba und Klavier zu beginnen. Entzückende Musik, strengster Humor :)

      Und so will ich Stückchen für Stückchen weiterkrabbeln. Aber alles was mir da vor die Linse kommt auch wirklich wertschätzen lernen. Ich brauche es eben langsam.


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Neu

      garcia schrieb:

      b-majors schöner Rat der Bläsersonaten von Hindemith
      Erstens gebe ich nie schönen Rat , und zweitens habe ich das nie geschrieben ,und überhaupt verbitte ich es mir , mit music lover verwechselt zu werden ! Du wirst von meiner Rechtsabteilung hören , weiter äußere ich mich nicht zu diesem laufenden Verfahren wegen ehrabschneidender Unterstellungen .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Neu

      b-major schrieb:

      garcia schrieb:

      b-majors schöner Rat der Bläsersonaten von Hindemith
      Erstens gebe ich nie schönen Rat , und zweitens habe ich das nie geschrieben ,und überhaupt verbitte ich es mir , mit music lover verwechselt zu werden ! Du wirst von meiner Rechtsabteilung hören , weiter äußere ich mich nicht zu diesem laufenden Verfahren wegen ehrabschneidender Unterstellungen .
      Ou, der Major hatte irgendwo ein Waterlou, ou ou.

      Indem dass ich aber noch was Intelligentes beitragen will, höre ich jetzt gleich was völlig anderes:

      Raffiniert-avantgaristische, vielfach zeitgeschichtlich relevante, provokante Miniaturen und das trostlose DSch-Zentralquartett des Meisters. Allenthalben berechtigter Tenor dieser typischen Kronos-Produktion: Weg mit Krieg und Faschismus! (Eigentlich ein Fall für den Streichquartett-Faden, in zumindest einem Fall weiß ich aber bislang nicht recht, wo sich das Streichquartett befindet, kann es nur vermuten ... :versteck1: )



      Trotzdem faszinierend!

      Hier Näheres zur titelgebenden Partitur:

      George Crumb - Geheimnis, Nacht und Numerologie

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.