STREAMING ALLGEMEIN - Mit dem Strom hören

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    • STREAMING ALLGEMEIN - Mit dem Strom hören

      Wir haben, als Auslotung unserer persönlichen Gewohnheiten, den Thread "Der Klassikliebhaber und sein Medium".

      Anlass hier sind eher die Zeichen der Zeit und wie sie gedeutet werden können.

      Der neue Nielsen Entertainment & Billboard's sagt aus:

      Physische digitale Tonträger rückläufig.
      Physische analoge Tonträger im Aufwind.
      Downloads im Minus.
      Streaming im Kommen.


      Album-Verkäufe im ersten Halbjahr um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt gesunken (CDs, Kassetten, LP, digitale Downloads, hier komplette Alben bei - 11,6 %).
      Allein Vinyl verzeichnet ein Plus von 40,4 %.
      On-Demand-Streamingdienste listen einen Zugewinn von 42 Prozent, reine Audio-Streams sogar von 50,2 Prozent.


      Hört man in zehn Jahren nur noch bei Bedarf, und das Einzige, was man besitzt, ist die gute, alten Schallplatte?
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Streaming-Dienste

      Ich habe auf meinem Sonos-System gerade testweise zwei Streaming-Dienste installiert (jeweils für 30 Tage kostenlos), nämlich Napster und Spotify. Beide sind - natürlich - erkennbar nicht für Klassik-Hörer gemacht, das zeigt sich vor allem an der Suchfunktion: Man findet z.B. ständig CDs (Entschuldigung, das heißt natürlich "Alben" ;+) ), bei denen Interpret und Komponist munter miteinander verwechselt werden, bei Napster fehlen in den Track-Listen sehr oft die Werkangaben, so dass man z.B. aus den Satzbezeichnungen erschließen muss, welche Beethoven-Sonate sich wohl dahinter verbirgt usw.. Bei Napster nervt auch die an jede Suche anschließende Unterscheidung zwischen "Hauptveröffentlichungen", "Top-Alben", "Top-Titel", "Weitere Veröffentlichungen" usw., die einfach nur Unübersicht stiftet. Bei Spotify ist das etwas besser, dafür fehlt die Gliederung nach Gattungen, so dass man z.B. nicht mal in der Kategorie "Jazz" stöbern kann, sondern schon genau wissen muss, was man sucht. Die Klangqualität habe ich bei einer Handvoll Stücken verglichen, mit jeweils deutlichem Vorteil für Spotify, womit Napster bei mir endgültig rausfällt. Vorteil bei beiden Diensten ist natürlich das prinzipiell riesige Angebot, was es erlaubt, auch mal Aufnahmen zu hören, die man nicht gleich selbst besitzen will. 10 Euro pro Monat finde ich dafür im Prinzip ok., außerdem kann man monatlich kündigen. Hat jemand von Euch Erfahrungen mit diesen oder anderen Diensten? Mit Sonos kompatibel wären u.a. 7digital, 8tracks, AUPEO!, Deezer, Juke und simfy. Ist davon irgendetwas besser für Klassikhörer geeignet?

      Christian
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Das hätten die gerne, dass sie keine Vertriebswege für digitale Tonträger mehr bräuchten.
      In dem Blättchen Rondo (3/2014) (ich weiß nicht, ob dieses Blatt eher unabhängig ist oder eher ein Sprachrohr der Musikindustrie) wird auch in gleich mehreren Artikeln auf die schöne neue Welt des Konsums per Internet hingewiesen. Grundton jeweils: das wird immer alles noch besser (Bessere Betitelung der Download-Dateien, bessere Auflösung, bessere Internetportale wie das der Berliner Philharmoniker und der Wiener Staatsoper, etc.) mit Download und Streaming, wer jetzt noch CDs sammelt, ist ein bemitleidenswerter Idiot. Warum dann trotzdem immer mehr Schallplatten gepresst werden, konnten die nicht erklären oder ich habe es überlesen.
      Ich Idiot bleibe aus verschiedenen bekannten Gründen beim Medium CD bzw. hybrid SACD.
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Streaming ist ja die Variante zum Hören, nicht zum Erwerben (eines physischen Tonträgers), vergleichbar mit dem Radio. Einen Download erwirbt man wie eine LP/CD/DVD/SACD/BD nur einmal. Allein deshalb sehe ich da die Zahlen eher nüchterner: wenn man ein Streaming-Abo hat, braucht man kaum mehr auf eigene Tonträger bzw. Download zurückgreifen.

      Aber was bleibt für uns Tonträger-Sammler übrig? Zurückgreifen auf die Milliarden von Gebraucht-CDs, die bereits im Umlauf sind; und letztendlich mehr Geld für Neuware ausgeben, die ja später Nische sein würde. Aber die Zahlen belegen, daß in den USA im 1. Halbjahr 2014 immerhin noch 180 Millionen Alben als physische Tonträger verkauft wurden. Das ist immer noch so viel, daß man sich das Geschäft nicht durch die Lappen gehen lassen kann. Der RubelDollar muß rollen...

      Und in Deutschland ist die Situation auch etwas "rückständiger" (im positiven Sinne gemeint). Sicherlich wird sich die Situation bis 2024 weiter verändern (in Richtung Online-Möglichkeiten), aber ich denke, wer wirklich noch mit LPs/CDs hantieren möchte, der wird dann auch noch Einiges erwerben können. Vermutlich werden dann aber die meisten Sammler zusätzlich Download/Streaming nutzen, falls Aufnahmen nicht anders zu kriegen sind.


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Pro Streaming

      Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. So empfinde ich Streaming nicht als Konkurrenz für Jäger und Sammler, sondern als Ergänzung.
      Ich bin von Qobuz recht begeistert, weil ich dort fast alles finde was ich suche.
      Ich habe mehrere Streamingdienste (Spotify, Wimp, Tidal, ClassicsOnline etc.) ausprobiert und bin seit einem halben Jahr bei Qobuz geblieben. Der Besitz von CDs bedeutet mir wenig.

      In jeder Playlist sehe ich die CD-Covers der gesammelten Musik. Von dort aus starte ich die Musik. Das geht meines Wissens so nur in Qobuz. In den anderen Streamingdiensten erhält man nur eine lange Trackliste der gesammelten CDs.
      Meine Sammlung wird immer größer und ich kann wunderbare Vergleiche anstellen.
      Qobuz kostet in der HiFi Version (Lossless-FLAC-16bits-44,1 kHz) 200€ im Jahr. Ein Betrag, den ich gern für diese unglaubliche Auswahl bezahle. Außerdem besteht die Möglichkeit CDs für das Download zu kaufen.
      Im Internet finde ich auf folgenden Musikseiten die aktuellsten Kritiken: ClassicsToday - Sinfini - Rondo - Pizzicato - Klassi.com - etc.
      Die meisten der besprochenen CDs gibt es in Qobuz (ca. 80%) und ich kann sie gleich über meine Anlage hören. Sehr empfehlenswert!
    • Hallo zusammen!

      wiwal schrieb:

      Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. So empfinde ich Streaming nicht als Konkurrenz für Jäger und Sammler, sondern als Ergänzung.
      Ich bin von Qobuz recht begeistert, weil ich dort fast alles finde was ich suche.


      Sehe ich persönlich genauso. Ich hatte einige Monate Qobuz abonniert und war ebenfalls von der Auswahl begeistert. Das einzige Problem für mich: sobald ich ein Abo habe, bin ich meistens auf der Suche nach Neuem und vernachlässige die guten "alten" Aufnahmen. Aber das ist letztlich ein persönliches Problem.

      Für mich ist es allerdings nach wie vor wichtig, einen Tonträger zu besitzen - im Moment zumindest ;+)
    • Durch den Hinweis von Hudebux in der "Presseschau"vom 14. August (#672) bin ich auf den neuen Streaming-Dienst "Idagio" aufmerksam geworden.

      Die App ist schnell heruntergeladen und es funktioniert. Man weiß zwar nicht, in welcher Auflösung hier gestreamt wird, aber vielleicht ist das auch nicht sooo entscheidend. Bisher ist es kostenlos - allerdings ist bereits jetzt erkennbar, dass es einen "Premium Dienst" mit Abonnement geben soll, der dann sicherlich auch etwas kostet.

      Schaut man sich allerdings das bisher verfügbare Repertoire an, stellt man fest, dass es sich ganz überwiegend um ältere Aufnahmen handelt, die mehr als 50 Jahre alt sind und deshalb keiner - geregelten - Urheberrechtsbindung mehr unterliegen. Angaben zu Aufnahmedaten, Labels usw. gibt es nicht, geschweige denn Cover, Booklets oder sonstige Hinweise zu Werken und/oder Interpreten. Bei lebenden Interpreten, geschweige denn bei zeitgenössischen Komponisten ist weitestgehend Fehlanzeige zu vermelden.

      Das Ganze bewegt sich - jedenfalls bisher - auf dem Niveau von irgendwelchen Billiganbietern auf dem CD-Markt, die mehr oder weniger legal für mehr oder weniger niedrige Preise irgendetwas verramschen.

      Zu Frau Bühnings Lobeshymnen in der FAZ hat Hudebux im oben genannten Beitrag schon das Notwendige gesagt. Nach dem gegenwärtigen Angebot ist ganz und gar ausgeschlossen, dass da irgendein ausübender Musiker oder gar Komponist irgendetwas dran verdienen kann - selbst wenn es denn kostenpflichtig wird.

      Im NMZ-Blog "http://blogs.nmz.de/wm2014/2015/08/13/adagio-idagio-uuuhh" wird zwar nicht ganz so merkbefreit gejubelt. Aber ärgerlich finde ich es schon, wenn auch dort ein derartiges - bisher allenfalls halbseriöses - Angebot als Novität und Fortschritt dargestellt werden soll.

      Man muss ja Qobuz nicht unbedingt bewerben. Die sind sicherlich nicht auf Klassik spezialisiert, nicht ganz billig, und auch dort finden sich dubiose Angebote (z.B. "BNF" wo massenweise archivierte Schallplatten digital überspielt und ohne diskografischen Hintergrund als "hochauflösend" herausgeschmissen werden). Aber hier gibt es auch ein breites Angebot sowohl von neuen Aufnahmen wie von älteren, die als CD von den Labels gestrichen sind. Das Repertoire ist insgesamt nicht kleiner als der übliche CD-Markt. Bei neuen Aufnahmen gibt es zunehmend - auch beim Streaming - die vollständigen Booklets als PDF. Es kann sein, dass die Interpreten/Komponisten hieran unzureichend finanziell partizipieren - ich kann das nicht beurteilen. Das wäre ein Thema für die Musikfeuilletons, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen würden. Das Bejubeln oder auch nur Anpreisen von solchen Errungenschaften wie "Idagio" halte ich - nach dem was bisher erkennbar ist - dagegen für Kundentäuschung.
    • Da ich keine Handy-App verwenden kann, konnte ich bisher das Angebot nicht prüfen; eine Netz-Version soll aber noch folgen. Doch hast du mir schon die Frage beantwortet, wie Idagio überhaupt für lau einen Katalog anbieten kann. Leider keine Überraschung... ;(

      Naja, immerhin könnte ich vielleicht bald die BNF-Sachen hören - bei amazon muß man dafür gepflegt blechen. Die BNF hat sehr viele alte Aufnahmen der Archiv Produktion herausgebracht. Wenn Idagio die hat, fände ich das sehr reizvoll...

      Aber um den Anspruch gerecht zu werden, wird man wohl das Premium-Angebot nutzen müssen. Idagio wird sich dann dort einreihen, wo die anderen Anbieter schon sind.


      jd :|
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Das englische Magazin Sinfini Music (lt. Wikipedia von Universal betrieben, aber redaktionell unabhängig davon) hat eine Übersicht von klassikgeeigneten Streaming-Diensten zusammengestellt:
      "http://www.sinfinimusic.com/uk/features/whats-on/what-to-buy/review-the-best-digital-streaming-services-for-classical-music-in-2015"
      Mir sind nicht alle Dienste bislang bekannt gewesen und es scheint sich gerade in Bezug auf Klassik und Streaming etwas zu tun.
    • Spotify und Naxos

      Vielen Dank, alephO, für den Hinweis auf Sinfini; ein instruktiver Vergleich!

      Ich nutze seit ein paar Monaten Spotify Premium und bin mit der Auswahl in meinem Gebiet, der Alten Musik, sehr zufrieden. Allerdings gibt es praktisch kaum Informationen (oder bin ich zu blöd die zu finden?) zu dem, was man hört: nur winzige Cover-Bilder, höchst rudimentäre Informationen zu den einzelnen Titeln und ab und zu Fehler (falscher Komponist, Titel beginnt mittendrin oder bricht vorzeitig ab).

      Bei Sinfini kommt Naxos recht gut weg, das deckt sich mit meinen Erfahrungen: sorgfältig eingepflegte Titel, immer grosse Cover, oft auch Rückseiten und nicht selten komplette Booklets als Pdf.
      Und das beste: Nutzer von öffentlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum

      (hier das Beispiel zu A:
      Aabenraa (DK), Verband Deutscher Büchereien Nordschleswig
      Aachen, Stadtbibliothek
      Aalen, Stadtbibliothek im Torhaus
      Achern, Stadtbücherei
      Ahaus, Stadtbücherei
      Ahlen, Stadtbücherei
      Albstadt, Stadtbücherei
      Alzenau, Stadtbibliothek
      Amberg, Stadtbibliothek
      Arnstein, Stadtbibliothek
      Arosa (CH), Gemeinde- und Schulbibliothek
      Aschaffenburg, Stadtbibliothek
      Asperg, Stadtbücherei
      Augsburg, Stadtbücherei)


      haben umsonst Zugang – auch zu Hause! Dazu gehören auch Naxos Jazz und Munzinger Archiv usw. usw. vgl. „http://www.munzinger.de/search/login-portal.jsp“. Ich find´s attraktiv, auch wenn Spotify mehr Titel aufbietet.

      Freundliche Grüße
      J.C.
    • Keine Spotify-Playlistenordner mehr in SONOS

      Just for the record:

      Nach dem neuesten Sonos-Update werden die Playlisten-Ordner aus Spotify nicht mehr angezeigt. Stattdessen werden alle Playlisten in einer Ebene präsentiert. Grund ist, daß Spotify diese Funktionalität aus der API entfernt hat, mit der Sonos (wie andere Anbieter) den Streaming-Dienst in das System integriert. Mit der älteren Sonos-Version hat das bis gestern funktioniert, aber jetzt hat Spotify die entsprechenden Server abgeschaltet (Auskunft vom Sonos-Support).

      Damit ist Spotify via Sonos (für mich) praktisch unbenutzbar geworden. es bleibt noch die Möglichkeit, einen Spotify-Player als Line-In ins Sonos-System einzuspeisen; Damit ist man aber auf dessen Funktionalität angewiesen; die Ordner gibt es da zwar (noch?), aber die Abspielfunktion ist äußerst mühsam und extrem störanfällig (eigentlich ist das für meine Zwecke völlig unbrauchbar).
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • ChKöhn schrieb:

      ...Hat jemand von Euch Erfahrungen mit diesen oder anderen Diensten? Mit Sonos kompatibel wären u.a. 7digital, 8tracks, AUPEO!, Deezer, Juke und simfy. Ist davon irgendetwas besser für Klassikhörer geeignet?


      Ich höre seit gut einem Jahr mit Spotify zu Hause über den NAD M50 unterwegs mit einem Smartphone.

      Für aktuelle Klassikaufnahmen finde ich es gut geeignet. Man kann sich darüber einen guten Eindruck verschaffen und entscheiden, ob man die Aufnahme nun wirklich haben muss oder ob sie eher verzichtbar ist. Die Klangqualität reicht meir völlig aus. Ich bin nicht so der Klangfetischist. Wichtiger ist mir der Komfort - schnelle Suchefunktion, keine Unterbrechungen bei der Widergabe etc. - und die Interpretation des Stückes; und da ist das Streaming-Portal wieder egal. Ich bin immer wieder über die große Auswahl an klassischen Musikstücken überrascht und erfreut.

      Allerdings ist das kein Ersatz für meine Sammlung an älteren Aufnahmen, die ich dann doch besser über das NAS verwalten und abhören kann. Ich sehe es als sinnvolle Ergänzung und der Preis geht völlig ok. Den habe ich schon lange wieder heraus, weil ich mir die Anschaffung von Aufnahmen erspart habe, die ich sonst gekauft hätte und deren Anschaffung sich als verzichtbar herausgestellt hätte.

      VG Bernd
    • Das Argument der Haptik fand ich in Bezug auf CDs immer besonders amüsant:

      Haptisch gibt es keinen Unterschied zwischen der grandiosen Einspielung eines Jahrtausendwerks und der Datensammlung über Steuerentzieher, die aus der Schweiz irgendwie bei einem Steuerfahnder landet.

      Bei LPs lag die Haptik in der Aufforderung, bloß nicht auf die Rillen zu fassen, in denen sich angeblich die Musik befindet.

      Beim Streaming - wie beim guten alten Radio - find ich die Assoziation zur Sphärenmusik dagegen viel naheliegender.