Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur, op. 105

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    • Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 7 C-Dur, op. 105

      Jean Sibelius komponierte das Werk zwischen 1918 und 1924. Die Uraufführung fand am 24. März 1924 in Stockholm mit dem Philharmonischen Orchester unter der Leitung des Komponisten statt.

      Orchesterbesetzung:
      2 Flöten / 2 Oboen / 2 Klarinetten / 2 Fagotte / 4 Hörner / 3 Trompeten / 3 Posaunen / Streicher / Pauken

      Entstehung:
      Sibelius hatte sich schon seit einiger Zeit mit der Komposition dieses Werks beschöftigt. 1918 notierte er in seinem Entwurfsbuch das adagio-artige Thema, das die Basis der Sinfonie darstellt. Dazu notierte er: "Symphonie Nr. 7. Lebenslust und Lebenskraft, zwischendurch appassionato. Drei Sätze - als letzter ein hellenisches Rondo."

      Als Sibelius das Werk in den Jahren von 1923 bis 1924 konkret zu Papier brachte machten sich gesundheitliche Probleme bemerkbar: Ein Zittern in den Händen behinderten Sibelius und er versuchte, dies mit Alkohol in den Griff zu bekommen. Das führte dazu, dass Sibelius vor einem Konzert, das er dirigierte, etwas Alkohol trank, um sein Lampenfieber und das Zittern der Hände unter Kontrolle zu bekommen. In der Folge brach er das Konzert ab, weil er glaubte, dass es sich um eine Probe handelt. Zwar verlief das Konzert danach problemlos weiter aber Sibelius' Frau Aino, die im Publikum saß, war fassungslos und hielt in späteren Erinnerungen fest: "In meinen Ohren klang alles wie ein fürchterliches Chaos, ich war wie in Todesangst."

      Anfang der 1920er Jahre hatte Sibelius die ursprünglich geplante mehrsätzige Form verworfen und die Sinfonie einsätzig konzipiert. In seinem Kopf war die Sinfonie so gut wie fertig. Jetzt musste er sie nur noch zu Papier bringen aber da war das Zittern der Hände und er trank vermehrt Alkohol, um dies zu unterbinden. Aino schrieb ihm einen Zettel: "Auch wenn du irgendeine Komposition fertig bekommst, ist sie nicht so viel wert wie sie es sein könnte."

      Schliesslich war die Arbeit im März 1924 vollendet und Sibelius dirigierte die Uraufführung in Stockholm, ohne Aino, die ihn nicht mehr zu seinen Konzerten begleitete. Die Proben verliefen schwierig aber das Konzert selbst war gut. Sibelius schrieb an seine Frau: "Der Klang und die Farbe sind stark."

      Anfangs war das Werk noch "Symphonische Fantasie (Fantasia sinfonica)" genannt aber Sibelius nannte es schließlich in Symphonie Nr. 7 um. Die Kritiken waren überwiegend positiv aber Sibelius meinte: "Wie wenig alle diese Leute ahnen können, was ich in meinem neuen Werk gegeben habe."

      Die Musik / Das Werk:
      Eingeleitet wird das Werk von einem Adagio, dessen Höhepunkt ein feierliches Posaunen-Thema ist. Das Tempo wird danach allmählich beschleunigt mit gleichzeitiger Steigerung der Dynamik und mündet in einen mit Vivacissimo überschriebenen Abschnitt, der scherzoartig wirkt. Die Streicherfiguren bekommen einen tänzerischen Charakter und das Posaunenthema kehrt nun in Moll zurück.

      Es scheint, als wenn zwei Tempi gleichzeitig gespielt werden. Das Adagio geht in ein Allegro molto moderato über - gefolgt von einer Pause. Die Musik nimmt danach an Fahrt auf und es folgt ein langes Presto crescendo mit pulsierenden Streichern. Es erklingt wieder das Posaunenthema in C-Dur, das von einem Aufschrei der Hörner markiert wird. Die Streicher bringen die Musik langsam zur Ruhe und das Tempo mündet wieder in ein Adagio.

      Ein langsam sich steigerndes mächtiges Crescendo schließt sich an eine Rückschau des Posaunenthemas an und bildet den eindrucksvollen Schluss in dem die Streicher die Auflösung nach C-Dur bilden.

      Ich verweise hier auf die sehr detaillierte Analyse bei Wikipedia, siehe hier.

      Schlussbemerkungen:
      Die Sinfonie Nr. 7 bildet den Schlusspunkt von Sibelius' Sinfonien, obwohl Sibelius das selbst nicht so geplant hatte. Jahrzehntelang arbeitete und mühte er sich an seiner Sinfonie Nr. 8 ab, die wahrscheinlich letztlich im Kaminfeuer von Ainola ihr Ende fand. Möglicherweise hatte Sibelius den Eindruck, dass er in seiner Sinfonie Nr. 7 alles Wesentliche gesagt hat.

      Immherhin folgten noch mit der Bühnenmusik zu "Der Sturm", op. 109 (1925/26) und mit der sinfonischen Dichtung "Tapiola", op. 112 (1926) zwei bedeutende Werke. Danach zog sich Sibelius in die Stille von Ainola zurück.

      Aufnahmen:
      Es gibt zahlreiche Aufnahmen von Sibelius' Sinfonie Nr. 7. Von historischen Tondokumenten bis hin zu relativ aktuellen Einspielungen in hochauflösenden Formaten. Die meisten Aufnahmen entstanden im Rahmen von Gesamtaufnahmen der Sinfonien aber es gibt auch einige Einzelaufnahmen. Die Bandbreite ist sehr groß.

      Es finden sich fast alle Dirigenten, die sich mit Sibelius beschäftigten auch in der Diskographie der Sinfonie Nr. 7:
      Abravanel, Ashkenazy, Barbirolli, Beecham, Berglund, Bernstein, Blomstedt, Collins, Davis, DePreist, Elder, Gibson, Inkinen, Järvi (Neeme & Paavo), Kamu, Karajan, Koussevitzky, Maazel, Mägi, Oramo, Ormandy, Rattle, Sakari, Sanderling, Saraste, Segerstam, Sondergard, Spano, Stokowski, Storgards, Tintner, Vänskä und möglicherweise noch einige mehr.

      Darunter sind einige Dirigenten "Wiederholungstäter", die das Werk mehrfach - z. T. bis zu dreimal, aufgenommen haben. Einige dieser Aufnahmen liegen mir vor und richtig schlecht oder enttäuschend finde ich keine davon.

      Besonders positiv habe ich die Aufnahmen von Berglund (Bournemouth & COE), Blomstedt, Segerstam (Ondine) und Vänskä (Minnesota) in Erinnerung.

      Weitere Anmerkungen zum Werk, Aufnahmen etc. sind erwünscht und willkommen.

      Quellen:
      - Sibelius.fi
      - Wikipedia
      - diverse Booklet-Texte
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Über diese Eröffnung freue ich mich ganz besonders, denn Sibelius' letzte Symphonie gehört für mich zu den eindrucksvollsten und schönsten Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts! Zu dieser Einschätzung komme ich allerdings erst in den letzten Wochen, nachdem ich mir mehrere Aufnahmen der Sibelius-Symphonien besorgt und intensiv durchgehört habe.

      Demnächst gern mehr. Vorerst herzlichen Dank an Lionel für die schöne Einführung!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich schließe mich dem Dank an!

      An der Siebten, die ich sehr, sehr oft gehört habe, und zwar schon vor vielleicht 45 Jahren, die auch oft im Rundfunk gesendet wurde, hat mich immer ein eigenwilliges Unendlichkeitsmoment fasziniert. Ein solches mag primär emotionaler Natur sein, es mag sogar sehr oberflächlich sein, denn natürlich ist das Werk klar konturiert und strukturiert und einer Analyse bestens zugänglich. Aber es stellt sich bei mir jener Eindruck riesiger Weite ein, der zum Skandinavien-Klischee zu gehören scheint. Verbunden damit ist das Geheimnisvolle, das Ungreifbare - eben beinahe Unendliche. Die Sinfonie ist ja verhältnismäßig kurz, sie wirkt für mich länger, nicht im Sinne von etwas Langatmigem, nicht in einem negativen Sinne. Ein solcher Eindruck stellt sich bei den anderen Sinfonien des Meisters für mich nicht in dieser Weise ein, nicht einmal bei der rätselhaften Vierten, die ich allerdings längst nicht so lange kenne.

      Vielleicht liegt der Eindruck daran, dass diese Musik in ihrer Langsamkeit, die ja erkennbar quantitativ zumindest überwiegt, so oft auf dem tonalen Leitton stehenzubleiben scheint - vielleicht wirklich stehenbleibt. Ich lasse mich hier gerne besser aufklären. Denn leider gehört diese Sinfonie nicht zu den Werken, mit denen ich mich bei aller Hörhäufigkeit sonderlich genau beschäftigt hätte. Auch die Partitur oder einen Klavierauszug habe ich mir noch nie angesehen. Eigentlich sollte sich das ändern.

      Aufnahmen im Regal oder noch auf Band finde ich mit Sicherheit deutlich über fünf. Darunter befinden sich außer der von Vänska alle zuletzt von Lionel hervorgehobenen, was mich freut. Ich glaube, dass ich mir Blomstedt, den ich von etlichen Live-Erlebnissen kenne und schätze, bald mal wieder anhöre - möglichst konzentriert!

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Die Sinfonie ist ja verhältnismäßig kurz, sie wirkt für mich länger, nicht im Sinne von etwas Langatmigem, nicht in einem negativen Sinne.
      Naja, die Sinfonie besteht ja auch nur aus einem Satz. Ein langer Satz, eine kurze Sinfonie.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      andréjo schrieb:

      Die Sinfonie ist ja verhältnismäßig kurz, sie wirkt für mich länger, nicht im Sinne von etwas Langatmigem, nicht in einem negativen Sinne.
      Naja, die Sinfonie besteht ja auch nur aus einem Satz. Ein langer Satz, eine kurze Sinfonie.

      maticus
      Naja ;) ... der ist aber entsprechend untergliedert und enthält auch schnelle Passagen ... nur sind mir die bislang quasi gar nicht so aufgefallen ... ;) :)

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich höre wenig Sibelius,
      die 2. unter Szell,
      die 4.unter Sanderling,
      die 5. mit Hvk
      und manchmal andere: Berglund, Vänskä, Inkinien,....

      Aber bei der 7. kommen mir inzwischen nur noch 2 "in die Tüte".
      Sanderling in Berlin
      und
      Mravinsky 1965 in Moskau.

      Es gibt von Mravinsky vollständig erhalten und nicht rekonstruiert nur diese eine Aufnahme einer Sinfonie von Sibelius, Live aus Moskau vom 23.2.1965
      Sie ist schnell, etwas über 20 Minuten, glasklar und bietet Drama und fantastisches Orchesterspiel.
      Eine Offenbarung, die alle anderen Aufnahmen für mich in den Schatten stellt.
      Man findet sie hier.

      Der Rest des Schubers ist auch reizvoll.
      Gruß aus Kiel

      PS. Es tut mir leid, ein Portrait eines Menschen beim Rauchen abzubilden, es wird wieder vorkommen.
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Vielen Dank auch von mir für die Threaderöffnung! Für mich ein verblüffender Zufall, denn ich habe die letzten Wochen nacheinander die Symphonien 1 bis 6 gehört und wollte gestern ohnedies die Siebente hören, da kommt der Thread wie gerufen. :top:

      Mein Eindruck:

      Mit dem Aufstieg des Beginns betritt man eine traumhafte Welt, durch die man nun gleitet, fliegt, träumt, im Strom der Musik, fließende Musik mit sanft-dramatischer Intensivierung, fantasieanregend, ein magischer, suggestiver Sog, in den man fasziniert mitgerissen wird.

      Ich habe das Werk erstmals live gehört, nicht von Tonträgern, in einem unvergesslichen Konzert der Wiener Symphoniker im Wiener Musikverein am 7.3.1987, bei dem Christoph von Dohnányi nach dieser Symphonie die Drei Bruchstücke aus Alban Bergs „Wozzeck“ mit der Solistin Anja Silja und die Sinfonietta von Leoš Janáček dirigiert hat.

      Nun also gestern und heute, mein persönlicher Höreindruck::



      Leonard Bernstein hat das Werk in seiner Zeit als Chefdirigent des New York Philharmonic zweimal in Konzertserien angeboten, am 24., 25., 26. und 27.3.1960 in der Carnegie Hall sowie am 7., 8., 9. und 11.10.1965 in der Philharmonic Hall. Geht man von der Bernstein Century Sony CD SMK 89576 aus, wurde für die 22:49 Minuten lange Einspielung jeweils danach aufgenommen, am 28.3.1960 bzw. am 12.10.1965, beide Male in der Philharmonic Hall. Die Sony Symphony CD-Box „Version“ dauert auch 22:49 Minuten und gibt für die Aufnahme das Manhattan Center 1960 an. Und die vom Orchester selbst veröffentlichte New York Philharmonic Bernstein Box, die in ihrem Begleitmaterial sehr genau alle Konzerte und Aufnahmen aufzählt, nennt explizit und ausschließlich den 12.10.1965 in der Philharmonic Hall. Für mich ist diese Aufnahme, ob 1960 oder 1965 oder beides, jedenfalls der optimale Einstieg – ich finde sie großartig klangsatt und suggestiv.



      Danach habe ich die Aufnahme aus dem Lorin Maazel Decca Zyklus mit den Wiener Philharmonikern aus dem Wiener Sofiensaal vom März 1966 gehört (Spieldauer 21:08 Minuten) – sie wirkt auf mich vom Klangbild wie von der Interpretation her etwas distanzierter, strenger, auch irgendwie linearer, dann aber (bei Passagen, wo es „passt“) auch wienerischer, auf eigene Art verklärend zwischendurch. Insgesamt festigt sich mein Eindruck, Leonard Bernstein ist auch bei Sibelius einer, der ganz und gar in die Musik eintaucht, während sie Maazel lieber kontrolliert steuert. Mit Bernstein bin ich ganz in der Musik drin, mit Maazel beobachte ich fasziniert ihren Fortlauf.



      Noch unmittelbarer spürbar wird für mich Bernsteins Hingabe und die des Orchesters für seine gewünschte Intensität mit Bernsteins zweiter Aufnahme des Werks, entstanden am 1. und 2.10.1988 live im Wiener Musikverein mit den Wiener Philharmonikern (Spieldauer 24:54 Minuten) für Tonträger (DGG CD 427 647-2) und fürs Fernsehen (2 DVDs Cmajor702208).
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Danke auch von mir für Einführung und Impuls. Habe die letzten Tage so endlich einmal wieder ein paar Aufnahmen des Werkes gehört. Wunderbare Musik.

      Weiß jemand der Sibelius-Aficionados Näheres zur Bedeutung des Valse-triste-Zitats kurz vor Ende der Symphonie?
    • DieSiebte mit Mrawinsky, Roshdestwensky, P.Järvi und Segerstam

      Wie tief Leonard Bernstein in die wunderbaren Klangwelten der Sinfonie Nr.7 eintaucht ist ohnehin unerreicht. Da kann ich mich den begeisternden Höreindrücken von AlexanderK uneingeschränkt anschliessen.
      Ich habe beide Aufnahmen: New Yorker PH (SONY, 1965) und Wiener PH (DG, 1988) auf CD und DVD = :spock1:


      Hans (DocStänker) hatte im Beitrag davor von Mrawinsky (Melodiya, 1965) berichtet. Die entsprechende Melodiya-Einzel-CD werde ich mir irgendwann an Land ziehen, denn der Inhalt des abgebildeten Schubers befindet sich weitgehend in meinen Mrawinsky-CD-Boxen und als Einzel-CD´s.

      "Was Mrawinsky hin bekommt, sollte auch Roshdestwensky / Moskau RSO können.", dachte ich mir heute und habe mir die Sinfonie Nr.7 mit Roshdestwensky angehört.
      Ebenfalls zügige Spieldauer: 20:51. Er lässt die Emotionen ganz schön überkochen und breitet das Drama am Schluss großartig aus. Nur die Klangqualität lässt leider deutlich zu wünschen übrig. Details sind nicht gerade deutlich; im Fortissimo fast verzerrt.


      Das kann man klanglich ungleich besser haben.
      Und so habe ich zur relativ frischen Einspielung mit Paavo Järvi / Orchestre de Paris (RCA, 2014) gegriffen.
      Die Sinfonie Nr.7 wiederum wirkt mir bei aller Detailliebe, dann doch wieder zu kontrolliert und zu nüchtern.
      Die Grösse, die Ormandy (SONY), Karajan (DG) und diese fabelhaft umwerfende Emotionalität, die Barbirolli (EMI) und Bernstein (SONY und DG) dem Werk zukommen lassen, fehlt mir.
      Es ist mMn die schwächste Sinfonienaufnahme in Paavo Järvis neuem Sibelius-Zyklus.


      Noch eine ganz grosse Aufnahme der Siebten möchte ich ins Spiel bringen:
      Leif Segerstam / Helsinki PO (ONDINE, 2002)
      Noch besser als in seiner dänischen Aufnahmen auf Brillant; alte Chandos, kann sich sein emotionaler Zugriff mit meinen Favoriten (Bernstein, Barbrolli, Ormandy, Berglund I) durchaus messen. Grosser Atem, packende Spannungsbögen. Hinzu kommt eine sehr gute detailreiche Klangqualität, die dem Hörspass bei mir keine Grenzen setzt.



      *** Hier die CD-Abb zu den Aufnahmen:


      Melodiya, 1965 in Moskau


      Melodiya, 1965


      RCA, 2014


      ONDINE, 2002
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Braccio schrieb:

      [...]
      Weiß jemand der Sibelius-Aficionados Näheres zur Bedeutung des Valse-triste-Zitats kurz vor Ende der Symphonie?
      Näheres weiß ich nicht. Direkte Äußerungen von Sibelius dazu sind mir nicht bekannt und habe auch keine gefunden. Erklären kann ich mir das Zitat in etwa so, dass es eine Art Abschiedsgeste (von der Gattung Sinfonie?) darstellen könnte. Die Stimmung kurz vor dem Ende der Sinfonie empfinde ich als wehmütiges Innehalten und möglicherweise war Sibelius beim Komponieren in dem Moment in einer entsprechenden Stimmung und da kam ihm der Valse triste in seinem Wechselspiel aus Todesangst und süßen Erinnerungen in den Sinn, so dass zu diesem Zitat kam.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ich habe mal nachgesehen. Weder Brügge noch Layton noch Hurwitz erwähnen in Ihren Besprechungen der Siebten das Zitat aus dem „Valse triste“. Tawaststjerna gibt einen kurzen Hinweis auf das Zitat und schlägt so eine ähnliche Deutung vor wie Lionel (nostalgischer Rückblick).
      In Nils-Eric Ringboms kleiner Biografie findet sich schließlich die folgende Bemerkung:

      „Nach einigen stark variierten Wiederholungen der im Expositionsteil eingeführten Motive, erst in kraftvoller Steigerung, dann in gedämpfter Stille, werden nach einer verhaltenen Folge von Harmonien, welche - der Meister versichert, ganz ungewollt - an den ‚Valse triste‘ erinnern, die klaren und bestimmten Schlußtakte des Werkes formuliert.“ (Ringbom, Nils-Eric: Jean Sibelius. Ein Meister und sein Werk. Olten 1950. S. 191.)

      Damit ist die Sinnsuche natürlich nicht abgeschlossen.

      :wink: Agravain
    • Schade, dass es keine Angaben von Sibelius dazu gibt. Wenn einer an prominenter Stelle seiner letzten Symphonie (allerdings hat er ja dann doch noch an einer weiteren gearbeitet) deutlich erkennbar aus einem seiner bekanntesten Werke zitiert, das ursprünglich aus der Schauspielmusik zu einem Stück mit dem Titel "Tod" stammt, kann das die Phantasie durchaus anregen. Aber so bleibt's Spekulation.