Solaris

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Informationen zum Capriccio-Verein als Betreiber des Forums finden sich hier.
    • Hinweis:
      Die Diskussion zum Film "Solaris" wurde aus "Eben geglotzt" in diesen neuen Thread verschoben.
      Lionel - Für die Moderation




      Na hier ist ja richtig noch was los um diese Zeit.

      Eben Solaris Tarkovsky angesehen.



      Ich weiss nicht......hätte ich den "Roman" von Lem nicht vorher gelesen, hätte ich wahrscheinlich nicht viel davon gehabt.
      Nun habe ich ihn aber gelesen und hatte auch nicht viel davon... :/ .
      Das, von dem Lem erzählt hat, nämlich die interessante philosophische Angelegenheit der Grenze der menschlichen Erkenntnisfähigkeit, kam hier gar nicht so richtig zum Zuge.
      Tarkovsky hat was überwiegend Psychologisches daraus gemacht. Es wird dadurch eigentlich etwas ganz anderes.

      Ich weiss nicht, ob ich das empfehlen kann. Mal drüber schlafen.
      Hab den Film übrigens auf Amazon Prime gesehen :versteck1: , sehr gute Bild- und Tonqualität.
    • Solaris

      Rosamunde schrieb:

      Ich weiss nicht......hätte ich den "Roman" von Lem nicht vorher gelesen, hätte ich wahrscheinlich nicht viel davon gehabt.
      Nun habe ich ihn aber gelesen und hatte auch nicht viel davon... .
      Ja, das ist beides richtig. Dieser Film ist keine Lem-Verfilmung - er ist ein Tarkowski-Film.

      Was ich damit sagen will: Tarkowski macht etwas Eigenes draus, verwendet seine eigene Ideen zu dem Plot, den der Roman vorgibt. Der Mann hat auch nie anders funktioniert, er konnte nur mit seinen Gedanken das Thema bearbeiten/bewältigen. Die Vorlage zu Stalker erkennt man auch nicht mehr wieder.

      Allerdings habe ich immer empfunden, daß Tarkowski den Geist der Vorlage irgendwie passend getroffen hat - eben weil er einen anderen Weg geht.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Rosamunde schrieb:

      Tarkovsky hat was überwiegend Psychologisches daraus gemacht. Es wird dadurch eigentlich etwas ganz anderes.
      Der zweite Satz ist zweifellos richtig. Tarkowski hat einige Motive aus Lems Roman (wieso setzt Du die Genrebezeichnung in Anführungsstriche?) genommen und etwas ganz anderes daraus gemacht. Das ist bei »Picknick am Wegesrand« auch so, da vielleicht sogar noch stärker.

      Der erste Satz ist ganz falsch. Der Film betont das psychologische Moment nicht stärker als das Buch, zumal das Innere aller Figuren ganz und gar undurchsichtig bleibt. Er nimmt das epistemologische Problem, das das Buch durchzieht, und behandelt es auf eine Weise, die es zu einem grundlegend religiösen werden lässt (genauso verfährt er mit der Vorlage der Strugazkis, deren Meinung zu »Stalker« mir allerdings nicht bekannt ist), während der religiöse Aspekt bei Lem eher als Möglichkeit auftaucht, aber nicht durchgeführt wird. Es war wohl dieser Punkt, der Lems missfallen verursacht hat.

      (Was ihn an der zweiten Verfilmung geärgert hat, ist sehr viel leichter zu erkennen. Welcher Schriftsteller kann es schon mögen, wenn einer seiner anspruchsvollsten Romane in einen schlechten Hollywood-Schinken verwandelt wird?)
    • Argonaut schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      Tarkovsky hat was überwiegend Psychologisches daraus gemacht. Es wird dadurch eigentlich etwas ganz anderes.
      Der zweite Satz ist zweifellos richtig. Tarkowski hat einige Motive aus Lems Roman (wieso setzt Du die Genrebezeichnung in Anführungsstriche?) genommen und etwas ganz anderes daraus gemacht. Das ist bei »Picknick am Wegesrand« auch so, da vielleicht sogar noch stärker.

      Der erste Satz ist ganz falsch. Der Film betont das psychologische Moment nicht stärker als das Buch, zumal das Innere aller Figuren ganz und gar undurchsichtig bleibt. Er nimmt das epistemologische Problem, das das Buch durchzieht, und behandelt es auf eine Weise, die es zu einem grundlegend religiösen werden lässt (genauso verfährt er mit der Vorlage der Strugazkis, deren Meinung zu »Stalker« mir allerdings nicht bekannt ist), während der religiöse Aspekt bei Lem eher als Möglichkeit auftaucht, aber nicht durchgeführt wird. Es war wohl dieser Punkt, der Lems missfallen verursacht hat.

      (Was ihn an der zweiten Verfilmung geärgert hat, ist sehr viel leichter zu erkennen. Welcher Schriftsteller kann es schon mögen, wenn einer seiner anspruchsvollsten Romane in einen schlechten Hollywood-Schinken verwandelt wird?)
      Mein erster Satz ist nicht falsch. Der Film betont das Psychologische sehr viel stärker, und soweit ich das empfunden habe, geht es hauptsächlich darum, dass der Mensch Menschen sucht. allerdings solche mit denen er eine bedeutsame, tiefe Beziehung haben kann. Es geht um Liebe im weiteren Sinn. Menschlichkeit im Umgang kommt da auch vor, etwas oberflächlich angegangen anhand des Gegensatzes von Mensch und künstlichem Mensch. Ich fand überhaupt, dass einiges "angesprochen" wird, aber nicht genügend ausgearbeitet. Aber vielleicht sollte ich es mir ein 2.mal ansehen.

      Es wurde auch gerade im Film viel mehr betont, dass jeder Mensch anders reagiert. Man kam dann deshalb eher zu dem Schluss, dass der Protagonist individuelle psychologische Probleme hat, die seine seltsame Reaktion begründen. Im Buch sind die Probleme, die dem Protagonisten entstehen, eher allgemeingültige philosophische Probleme. Es wir von ihm auf alle Mennschen projeziert, was im Film wirklich nicht so ist.

      Lem wollte auch gerade das Zusammanspiel von Philosophie und Wissenschaft in seinen Büchern besprechen. Das kommt in dem Film ganz zu kurz.

      Es kann sein, dass dieser Liebesaspekt (und nicht etwas religiöses) von Lem als unpassend empfunden wurde, denn in einem der Interviews, die ich gepostet hatte, sagte er, dass er Liebe als Thema für sein Werk nicht als Schwerpunkt in Betracht zieht (aber in seinem eigenen Leben sehr wichtig ist).

      Die Figuren bleiben im Film auch nicht "ganz und gar undurchsichtig", wie Du behauptest. Als nur ein Beispiel : Genau hier befindet sich ein weiterer Burch mit dem Originalstoff, denn die künstliche Frau äussert sich eigentlich tiefgehender und ganz anders als im Buch. Sie kommuniziert auch mit den anderen , nicht nur mit dem Protagonisten.

      Ein guter Film vermittelt ausserdem das Innenleben der Figuren auch durch die doch sehr wichtigen nicht-gesprochenen Aspekte, und das ist ja eigentlich ein wesentlicher Anteil der Film-Kunst. Oder soll es sein. Dadurch bekommt man natürlich einen Einblick in ihr Innenleben. Also ich kann dem, was Du da sagts eigentlich überhaupt nicht zustimmen, tut mir leid.
      Ich nehme an, die Undurchsichtigkeit kommt bei Dir daher, dass Du etwas absolut felsenfest beweisfähiges zu dem Innenleben der Figuren in der Hand haben möchtest, aber da bist Du bei Kunst eher auf dem falschen Pfad.

      Aber jeder sieht natürlich in dem Film etwas anderes, innerhalb gewisser Möglichkeiten, wie das eben bei Kunst so ist.
    • Rosamunde schrieb:

      Mein erster Satz ist nicht falsch. Der Film betont das Psychologische sehr viel stärker, und soweit ich das empfunden habe, geht es hauptsächlich darum, dass der Mensch Menschen sucht. allerdings solche mit denen er eine bedeutsame, tiefe Beziehung haben kann.
      Dieser Satz ist noch falscher als der erste. Oder genauer: Ob der Satz falsch oder richtig ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht wissen kann, was Du empfunden ist. Die Behauptung, dass es in diesem Film um die beschriebene Frage geht, hat allerdings im Film keine Basis. Es wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wenn der ganze Aufwand mit Raumschiffen, Planeten, Kontaktaufnahme mit außerirdischen Wesen usw. getrieben würde, um solch einen vergleichsweise banalen Gedanken zum Thema zu machen. Was im Film geschieht und was man sieht (überdeutlich am Schluss) weist doch ausreichend deutlich darauf hin, dass dies nicht die Frage ist, um die es sich dreht. Übrigens ist auch die Musik in diesem Punkt so deutlich, dass es manchen Kritikern schon zu aufdringlich ist.
    • Argonaut schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      Mein erster Satz ist nicht falsch. Der Film betont das Psychologische sehr viel stärker, und soweit ich das empfunden habe, geht es hauptsächlich darum, dass der Mensch Menschen sucht. allerdings solche mit denen er eine bedeutsame, tiefe Beziehung haben kann.
      Dieser Satz ist noch falscher als der erste. Oder genauer: Ob der Satz falsch oder richtig ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht wissen kann, was Du empfunden ist. Die Behauptung, dass es in diesem Film um die beschriebene Frage geht, hat allerdings im Film keine Basis. Es wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wenn der ganze Aufwand mit Raumschiffen, Planeten, Kontaktaufnahme mit außerirdischen Wesen usw. getrieben würde, um solch einen vergleichsweise banalen Gedanken zum Thema zu machen. Was im Film geschieht und was man sieht (überdeutlich am Schluss) weist doch ausreichend deutlich darauf hin, dass dies nicht die Frage ist, um die es sich dreht. Übrigens ist auch die Musik in diesem Punkt so deutlich, dass es manchen Kritikern schon zu aufdringlich ist.
      Wie nett.
      Aber tut mir leid, der Satz "der Mensch sucht Menschen" wird fast wörtlich 2 mal gesprochen und zwar an wichtigen Stellen.
      Die Schlussszene beweist, wie ich sagte, dass der Film die individuellen Probleme des Protagonisten besprechen möchte. Die anderen Wissenschaftler haben nämlich, seit die künstlichen Menschen verschwunden sind, keine mehr.

      Der Protagonist leidet an der Unfähigkeit zu lieben, bzw tiefgehende Beziehungen einzugehen, die auf Liebe basieren. Das ist erstmal eher Tiefenspychologie als Religion, obwohl man es auf Religion ausweiten kann. Das ist klar. Wurde aber nicht getan. Und das sieht man in der Schlussszene.

      Dass das banal ist, wollte ich ja nicht selber sagen, aber ich erwäge in der Tat, ob der Film banal ist. Angestrengt bedeutungsschwanger noch dazu.
    • Solaris

      Rosamunde schrieb:

      Menschlichkeit im Umgang kommt da auch vor, etwas oberflächlich angegangen anhand des Gegensatzes von Mensch und künstlichem Mensch.
      Komisch - oberflächlich erscheint mir da nichts. Tarkowski interessiert der rein wissenschaftliche Aspekt des Plots eigentlich überhaupt nicht, sondern es geht um den Mensch als Solches. Um seine Erinnerungen, Erfahrungen, Ängste, Sorgen. Der Planet materialisiert etwas, was Kelvin sich am Meisten wünscht, und nachher stellt sich heraus, daß er als Mann genau die gleichen Probleme hat mit der neuen Hari wie mit der alten. Egal, wo man als Mensch ist, er schleppt immer seine Vergangenheit mit sich. Insofern halte ich das Finale auch für sehr konsequent.

      Rosamunde schrieb:

      Das das banal ist, wollte ich ja nicht selber sagen, aber ich erwäge in der Tat, ob der Film banal ist. Angestrengt bedeutungsschwanger noch dazu.
      Ich sehe da nichts Banales, sondern etwas grundlegend Menschliches. Man muß es auch nicht überladen, da hat Tarkowski sich bewußt zurückgehalten. Der Gegensatz zu seinen Kollegen deutet an, wie unterschiedlich man mit diesen Konfrontationen seitens Solaris' Materialisationen umgehen kann, und es bleibt sogar bewußt offen, ob Solaris ein "Bewußtsein" hat oder nur eine Projektionsfläche für andere Wesen ist. Für Kelvin ist am Ende nur noch wichtig, daß die Projektion funktioniert.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Rosamunde schrieb:

      Das das banal ist, wollte ich ja nicht selber sagen, aber ich erwäge in der Tat, ob der Film banal ist. Angestrengt bedeutungsschwanger noch dazu.
      Ich verstehe nach wie vor nicht, wie diese banal psychologische Deutung zu der starken religiösen Dimension passen soll, die durch die Musik (die ja einen Text hat, der nicht einmal übersetzt werden muss) doch wohl kraftvoll genug betont wird, dass man sie nicht übersehen kann. (Nicht durch die Musik, sondern durch zahlreiche Bilder und Vorgänge, durch die Musik aber so, dass gar kein Zweifel möglich ist.)

      Aber es scheint da eine gewisse Kontinuität zu geben: »Fidelio« wird ideologisch überladen und dann beklagt, das Stück sei zu ideologisch, und dieser Film wird banalisiert und dann als banal bezeichnet. Das Verfahren erkenne ich. Ich verstehe nur nicht, welchen Sinn es haben soll. Was kommt dabei heraus, wenn man zeigt, dass in der Kiste ist, was man selbst gerade eben hineingelegt hat?
    • Josquin Dufay schrieb:

      Ich sehe da nichts Banales, sondern etwas grundlegend Menschliches.
      Ja, klar, ich wollte auch nicht die menschlichen Probleme als banal abtun. Entschuldigung, falls es so rüberkam.
      Ich meinte eher, dass mir der ganze Aufwand (mit einem Ozeanwesen, spacestation, Raumfahrtskommission) sehr grosse Erwartungen aufbaut, die dann aber mit einer tiefenpsychologischen, leider allzu oft schon auf der Erde vorkommenden Dramatik, zur Seite gedrängt werden. Banal also eher im Sinne von „schon tausendmal woanders abgehandelt“ . Wofür dann die eigentlich für mich viel interessantere Kulisse?

      Josquin Dufay schrieb:

      Der Planet materialisiert etwas, was Kelvin sich am Meisten wünscht,
      Ist es wirklich in dem Film so klar, dass der Planet das tut? Im Buch kommt das viel mehr zur Sprache. Und ausserdem ist hier ein weiterer Unterschied: es ist der Ozean, nicht der Planet, und er materialisiert eine Person, weil der Protagonist ihr gegenüber tiefe Schuldgefühle hegt. Was das bezwecken soll, weiss aber keiner. Es wird viel spekuliert darüber, auch teils religiös, aber es werden keine Schlüsse gezogen, nur dass es so ist. Man weiss nicht warum. Dies spiegelt den philosophischen Aspekt der Grenze des menschlich Erkennbaren wieder, die der Ozean präsentiert.

      Das alles fehlt im Film. Man geht nach hause und sagt sich: der arme Mann kann nicht lieben. Weil ihm seine Mutter gefehlt hat. Er ist dann Psychologe geworden und hat aber tragischerweise selber die tiefsten Probleme, an denen ein Mensch leiden kann. Das ist nicht banal, sondern traurig, hat aber mit einem Ozean, der angeblich nicht kommuniziert, nicht viel zu tun. Eigentlich kommuniziert dieser ja sogar im Film, in dem er dem Mann etwas gibt, was dieser sich ersehnt.

      So meine Gedanken. Aber ich wollte niemandem auf den Schlips treten.
    • Rosamunde schrieb:

      Ja, klar, ich wollte auch nicht die menschlichen Probleme als banal abtun. Entschuldigung, falls es so rüberkam.Ich meinte eher, dass mir der ganze Aufwand (mit einem Ozeanwesen, spacestation, Raumfahrtskommission) sehr grosse Erwartungen aufbaut, die dann aber mit einer tiefenpsychologischen, leider allzu oft schon auf der Erde vorkommenden Dramatik, zur Seite gedrängt werden. Banal also eher im Sinne von „schon tausendmal woanders abgehandelt“
      Du führst Dein Verfahren sehr schön exemplarisch vor: Du gibst dem Film eine ausgesprochen banale Deutung, für die der Aufwand, der betrieben wird, tatsächlich erheblich zu groß wäre, und belagert dann, dass der Film ausgesprochen banal ist und einen viel zu großen Aufwand im Verhältnis zur Banalität der von Dir hineingelegten »Botschaft« treibt. Verbirgt sich dahinter eine tiefere Absicht, oder ist Dir einfach nicht eingefallen, dass diese Diskrepanz dadurch entstehen könnte, dass ein dem Aufwand durchaus entsprechender Gedanke dahinter steht, den Du nur noch nicht gefunden hast? Wenn ersteres, wüsste ich zu gern, was das bringen soll; wenn letzteres erfahre, dass es ein wichtiges Verfahren bei der Deutung eines Textes oder Kunstwerks ist, dass man eine Kongruenz zwischen dem Gedeuteten und der Deutung herstellt, statt das man eine Deutung aus der Luft greift, und dann beklagt, dass sie nicht zu dem passt, was man deuten sollte aber nicht berührt hat.
    • Rosamunde schrieb:

      es ist der Ozean, nicht der Planet
      Stimmt, das war mir entfallen - der Ozean materialisiert.

      Rosamunde schrieb:

      er materialisiert eine Person, weil der Protagonist ihr gegenüber tiefe Schuldgefühle hegt. Was das bezwecken soll, weiss aber keiner. Es wird viel spekuliert darüber, auch teils religiös, aber es werden keine Schlüsse gezogen, nur dass es so ist. Man weiss nicht warum. Dies spiegelt den philosophischen Aspekt der Grenze des menschlich Erkennbaren wieder, die der Ozean präsentiert.

      Das alles fehlt im Film.
      Jetzt bin ich aber baff. Ich kenne nur den Film, nicht das Buch, aber genau das Obige, was du beschreibst, ist doch drin im Film! Reden wir wirklich über das gleiche Werk? Nicht das du etwa George Clooney in der Hauptrolle übersehen hast? ?(
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Rosamunde schrieb:

      Das alles fehlt im Film.
      Das ist definitiv falsch. Gerade die epistemologischen Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Und aus diesen abgeleitet entsteht die religiöse Dimension, die im Buch eigentlich nur gestreift wird, weil sie ein Thema unter vielen ist, die Lem interessierten. Takowski Interessierte sich dafür sehr stark und hat ein religiöses Kunstwerk geschaffen. Deshalb auch das Choralvorspiel, das den ganzen Film durchzieht und inhaltlich zusammenhält.

      Ich wundere mich ein wenig. Der Film ist sicher keine leichte Kost, aber so kompliziert nun auch wieder nicht. Und die Zeichen, die er setzt, sind doch eher zu vordergründig, wie z. B. dieses Choralvorspiel. Wie kann man die übersehen und überhören?

      Nur ein Beispiel: was soll der Schluss, wenn es um die Geschichte eines Mannes geht, der nicht lieben kann? Und was soll das Choralvorspiel an dieser Stelle? Ist das so schwer zu erfassen? Ich meine, wenn man hinsieht, nicht.

      Wenn der Film schon unlösbare Rätsel stellt, wie soll es dann erst mit »Stalker« gehen? Der kriegt dann wohl eine ganz und gar vernichtende Kritik?
    • Josquin Dufay schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      er materialisiert eine Person, weil der Protagonist ihr gegenüber tiefe Schuldgefühle hegt. Was das bezwecken soll, weiss aber keiner. Es wird viel spekuliert darüber, auch teils religiös, aber es werden keine Schlüsse gezogen, nur dass es so ist. Man weiss nicht warum. Dies spiegelt den philosophischen Aspekt der Grenze des menschlich Erkennbaren wieder, die der Ozean präsentiert.

      Das alles fehlt im Film.
      Jetzt bin ich aber baff. Ich kenne nur den Film, nicht das Buch, aber genau das Obige, was du beschreibst, ist doch drin im Film! Reden wir wirklich über das gleiche Werk? Nicht das du etwa George Clooney in der Hauptrolle übersehen hast? ?(
      sorry, hab ich gerade erst gesehen ....
      Ich sprach vom Tarkovsky Film. Nicht dem Clooney Job. Siehe Beitrag 2822. :)

      Ja , der Selbstmord wird in Tarkovsky erwähnt, aber der Schwerpunkt in Tarkovsky für die Rückkehr ist für mich eindeutig die Bedürfnis nach einer tiefen Beziehung , nicht die Schuldgefühle.
    • Dass die Schuldgefühle eine zentrale Rolle spielen, ist ja sicher unstrittig. Woraus kann man entnehmen, dass sie Ursache ist? Woraus kann man überhaupt entnehmen, was die Ursache ist? Und woraus, dass diese Frage überhaupt von Bedeutung ist?
    • Argonaut schrieb:

      Woraus kann man entnehmen, dass sie Ursache ist? Woraus kann man überhaupt entnehmen, was die Ursache ist? Und woraus, dass diese Frage überhaupt von Bedeutung ist?
      Die Frage war nur für mich persönlich von Bedeutung, als ich den Tarkovsy Solaris mit dem Lem Buch verglichen habe. Ich habe mich gefragt, warum ich den Film unbefriedigend fand. Zum Teil liegt es an der Verlegung des Schwerpunkts von Philosophie auf Psychologie. Das hatte ich alles erklärt.

      Es gibt weiterhin einen Unterschied zwischen Ursache, Grund und Zweck. Ich bin mir nicht sicher, ob Du wirklich Ursache meinst.

      Es ist mE in Buch sowie Film klar, dass die Ursache der Verkörperung von Reya-Hari die Bestrahlung des Ozeans durch die Wissenschaftler ist. Unstrittig.

      Die Gründe, warum nun gerade Reya/Hari wiederkehrt, sind in Buch und Film schwerpunktsmässig verschieden. Im Buch wird mE vom Protagonisten selber postuliert, dass sie kam und niemand anders, weil er selber so grosse Schuldgefühle ihr gegenüber habe. Das kann man nachlesen. Kann natürlich sein, dass ich das falsch verstanden habe oder dieser Sache eine Bedeutung gegeben habe, die andere nicht erkennen.

      Im Film wird dem Zuschauer suggeriert sie komme wieder, weil der Protagonist sich nach Liebe sehnt und ein tiefenpsychologisches Problem hat bedeutungsvolle zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Die gesamte Eingansszene mit dem Vater usw und später die Szenen mit der Mutter sind aus diesem Grunde einfach dazu erfunden. Nichts dergleichen über Mutter und Vater kommt im Buch vor. Man weiss im Buch nichts über die Kindheit oder Familie und nur sehr wenig über die Beziehung zu Reya. Fast nur seine Schuldgefühle ihr gegenüber werden herausgekehrt.

      Allerdings findet jeweils die andere "Story" im anderen Medium auch Erwähnung, aber der Schwerpunkt ist sehr verschoben. So wird im Film kurz gesagt, dass Hari Selbstmord begangen hatte, und im Buch wird nebenbei suggeriert, dass der Protagonist Beziehungsprobleme mit Reya hatte, aber man kann nicht davon ausgehen, dass er mit anderen auch Beziehungsprobleme hatte.

      Wenn man das "bewiesen" haben möchte, dann schlage ich vor, das Buch zu lesen und den Film nochmals daraufhin anzusehen.

      Der Zweck ist nun aber, wo es für mich wirklich interessant wird, dh warum der Ozean überhaupt jemanden erscheinen lässt; nicht wen er erscheinen lässt, sondern was er damit bezweckt.

      Im Buch wird ganz klar von den Wissenschaftlern festgestellt, dass sie nicht wissen, was der Ozean bezweckt. Und das ist der ganze Sinn des Buchs, nämlich die Grenze der Erkenntnisfähigkeit nicht überschreiten zu können.
      Im Fim wird aber genau das aus dem Fenster geschmissen und durch die sehr durchschaubare tiefenpsychologische Abhandlung wird dem Zuschauer suggeriert, dass es einen Zweck geben könnte, nämlich die eigenen Probleme aufzuarbeiten.

      Diese beiden Positionen sind nicht vereinbar. Entweder der Ozean verkörpert die Grenze menschlicher Erkenntnisfähigkeit, oder er ermöglicht einem Menschen, sich selbst zu erkennen. Wat denn nu?
    • Solaris

      Rosamunde schrieb:

      Im Fim wird aber genau das aus dem Fenster geschmissen und durch die sehr durchschaubare tiefenpsychologische Abhandlung wird dem Zuschauer suggeriert, dass es einen Zweck geben könnte, nämlich die eigenen Probleme aufzuarbeiten.
      Tja, wenn das so ist, dann hüte dich davor, Tarkowskis Der Spiegel (1975) anzusehen; der ist nichts für dich... C:::S

      Ich bin auch ziemlich entsetzt, wie sehr man Tarkowskis Ambitionen in Bezug auf Solaris so dermaßen mißverstehen kann - es ist doch mehr als offensichtlich, daß er Lems Roman als Ausgangsbasis für seine eigene Interpretation jener Fragen genommen hat, die darin angesprochen werden. Argonaut hat ohnehin schon einen wichtigen Schlüssel genannt - Bachs BWV 639. Wie groß muß der Zaunpfahl, mit dem man winkt, denn noch sein, bis man begreift, worum es in diesem Film geht?
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Rosamunde schrieb:

      Die Frage war nur für mich persönlich von Bedeutung, als ich den Tarkovsy Solaris mit dem Lem Buch verglichen habe. Ich habe mich gefragt, warum ich den Film unbefriedigend fand. Zum Teil liegt es an der Verlegung des Schwerpunkts von Philosophie auf Psychologie. Das hatte ich alles erklärt.
      Ganz abgesehen von der durchaus nicht geklärten Frage, ob von einer solchen »Verlegung« die Rede sein kann, ist es wohl bei jedem Kunstwerk, dem man begegnet, sinnvoll, es als das zu nehmen, was es ist, und ihm nicht vorzuschreiben, dass es so zu sein habe, wie man es sich wünscht. Darum ist es auch nicht sinnvoll, dem Kunstwerk zu verübeln, wenn es nicht so ist, wie man es sich wünscht. Und schließlich ist es nicht sinnvoll, dem Kunstwerk etwas zu unterstellen, was man dann als Mangel entdecken kann. Tarkowski war nicht verpflichtet und hat nicht versprochen, eine getreuliche Umsetzung des Romans in das Medium des Films zu liefern. Das ist bei Lem nicht anders als bei den Strugazkis. Die Erkenntnis, dass der Film sich sehr erheblich vom Roman unterscheidet, ist also keine Neuigkeit und natürlich auch kein Einwand. Da findet keine Verlegung statt. Der Roman ist der Roman, und der Film ist der Film. Das ist alles. Wenn ich in dem einen finden will, was nur im anderen vorhanden ist und sein kann, werde ich nicht weit kommen.

      Es passiert jedem immer wieder mal, dass einem Werk, das anscheinend als sehr bedeutend gilt, nichts abgewinnen kann. Nicht alles passt zu allen. Das macht auch gar nichts. Ungeschickt wird es nur, wenn man das eigene Unverständnis dem Werk anlastet und nicht einmal merkt, dass man da etwas nicht versteht. Da kann es natürlich auch passieren, dass man nicht sieht, was überdeutlich vor einem steht. Aber ich meine, wenn in der Interpretation, die dazu führt, dass man das Kunstwerk ablehnt, ein so offensichtlich zentrales Element wie dieses Choralvorspiel, auf das Josquin Dufay eben noch einmal hingewiesen hat, einfach fehlt (das passt nämlich nicht zu der banal psychologischen Deutung), sollte einem auffallen, dass man etwas nicht versteht. Und was man nicht versteht, sollte man nicht beurteilen,
    • Früher gab es ein Sprichwort: »Selber essen macht fett.« Man sagte das, wenn jemand fragte, ob er von dem, was man aß, auch etwas bekommen kann, und man ihm nichts geben wollte. Heute würde man es eher umgekehrt verwenden. Aber die Variante »Selber denken macht klug« wird ihre Gültigkeit sicherlich bewahren.