Das Stegreiforchester - Brahms und Co wirklich modern gespielt

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    • Das Stegreiforchester - Brahms und Co wirklich modern gespielt

      Vorher schon durch ein paar Videos aus der Tube angespitzt, war ich auf der Fusion 2019 wirklich beglückt, daß das Stegreiforchester seine ziemlich abgefahrene Version der 3. von Brahms da auf der relativ neuen "Hauptbühne" zum Besten gibt: anders als meist bei Crossovern üblich neben den Themen die heissesten Partien aus Durchführungen, genial arrangiert und mit Improvisationen einzelner Solisten angereichert...
      Für mich einer der großartigsten Momente: wie sich die Zackigkeit des Finales in einen Salsa verwandelt. Oder wie im Kopfsatz darin enthaltene Klezmertöne herausgekitzelt werden ... Das ist wirklich gekonnte und spielfreudige Anverwandlung, was die jungen Leute da zelebrieren. Seit 3 Tagen ist das Konzert im Netz:
      youtube.com/watch?v=kxesw_UUzYE

      (mir scheint es teilweise gekürzt, vor Allem der Anfang, nach meiner blassen Erinnerung)
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ganz ehrlich: Ich find's grauenvoll. Musikalisch kann ich einfach nichts damit anfangen, was ja nicht weiter schlimm ist und auch nichts weiter bedeutet, aber diese gewollte, angestrengte Lockerheit finde ich zum Fremdschämen. Oder haben die einfach nur irgendwas geraucht?
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Ich muss zugeben, dass es mir damit wie Christian geht - das ist nicht meins. (Auch für mich gilt, dass das nichts heißen muss.)

      Generell kann ich mit irgendwelchen Fusion- oder Crossover-Sachen in der Regel wenig anfangen. Ich finde diese Version von Brahms ebenso öde wie Metallica mit Sinfonieorchester. Lediglich bei Uri Caine geht es mir zum Teil anders, aber das ist in meinem Geschmacksspektrum die Ausnahme von der Regel.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      das ist nicht meins.
      im Grunde total brav. Wie die heutige Jugend eben so ist.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Crossover ist sonst auch nicht meins. Aber diese Spielfreude, das organische Verschmelzen diverser Stile - und überhaupt die Idee, sich was von Brahms vorzunehmen - finde ich sehr erfrischend und auch überzeugend. Wäre ich gern live dabei gewesen. :)

      Lieber Zabki, wieso brav? Häh? Was muß die arme heutige Jugend Dir denn beweisen?

      :wink: Andreas
    • Andreas schrieb:

      Crossover ist sonst auch nicht meins. Aber diese Spielfreude, das organische Verschmelzen diverser Stile - und überhaupt die Idee, sich was von Brahms vorzunehmen - finde ich sehr erfrischend und auch überzeugend.
      Genauso gehts auch mir damit.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Andreas schrieb:

      wieso brav? Häh? Was muß die arme heutige Jugend Dir denn beweisen?
      ach, die heutige Jugend muß mir gar nichts beweisen. Ich finde nur, wenn schon schräg, dann wenigstens so wie diese (auf Capriccio schon bekanntgemachte) Zarathustra-Version:

      youtube.com/watch?v=5umEUBDXfU0
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Andreas schrieb:

      Die Verbindung zwischen diesen beiden Aufnahmen kennst nur Du
      vielleicht, weil diese doch recht simpel ausfällt.

      in beiden Aufnahmen höre ich ein bekanntes tonales Werk (bzw. Fragmente daraus), und zwar "verfremdet" so, daß die Verfredung schon in der Tongebung selbst liegt, Und damit mich das auch nur einigermaßen überzeugt, bedarf es m.E. viel mehr "Biß" als die Brahmsverarbeitung aufweist. >Da sind die Kinder mit ihrem Zarathustra deutlich näher dran, wenn auch ohne Absicht, aber das schadet nichts.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • philmus schrieb:

      Symbol schrieb:

      Das hat irgendwie mehr was von Stadtteilfest als von Rock 'n' Roll...
      Dass es nicht so viel "von Rock´n´Roll hat", sondern mehr von allen möglichen anderen Stilen, finde ich eigentlich ganz angenehm.

      Ich meinte damit eigentlich eher den Habitus der beteiligten Personen. :D

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • zabki schrieb:

      Andreas schrieb:

      Die Verbindung zwischen diesen beiden Aufnahmen kennst nur Du
      vielleicht, weil diese doch recht simpel ausfällt.

      in beiden Aufnahmen höre ich ein bekanntes tonales Werk (bzw. Fragmente daraus), und zwar "verfremdet" so, daß die Verfredung schon in der Tongebung selbst liegt, Und damit mich das auch nur einigermaßen überzeugt, bedarf es m.E. viel mehr "Biß" als die Brahmsverarbeitung aufweist. >Da sind die Kinder mit ihrem Zarathustra deutlich näher dran, wenn auch ohne Absicht, aber das schadet nichts.
      Das Zarathustra-Ding ist fake. Portsmouth Sinfonia. Spielte absichtlich so. Und nu?
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Hmm. Also, die Streicher mit ihrer oft danebenliegenden Intonation gehen mir schon ziemlich auf den Zeiger.

      Hudebux schrieb:

      Ja, weil niemand auf einem Instrument spielte, dass er beherrschte. Und das war Programm.
      Wo jetzt? In dem Video?

      Ich habe nur die ersten paar Minuten gehört (und die Streicher finde ich, wie gesagt, schrecklich). Aber u. a. der Klarinettist ist mir sofort positiv aufgefallen, und ich dachte "den kenn ich doch". Ja, ich bin angenehmerweise vor einigen Jahren schonmal auf ein paar Videos mit dem serbischen Klarinettisten Nikola Djurica gestoßen, die zeigen, dass er einiges drauf hat. Diese etwa:

      youtube.com/watch?v=QgzhErwJcns
      youtube.com/watch?v=nJsadnhn3Qw
      youtube.com/watch?v=3Y2vbEwMkeQ


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • ChKöhn schrieb:

      aber diese gewollte, angestrengte Lockerheit finde ich zum Fremdschämen.
      nun ja, ich könnte mir vorstellen, dass es tatsächlich auch anstrengend IST und neben instrumentalem Können auch ziemliche Konzentration UND Bereitschaft zur Offenheit erfordert, zwischen den klassischen Partien und den improvisierten Teilen mit der nötigen Lockerheit UND Geistesgegenwart zu wechseln. Jeder, der sich mal mit den verschiedenen Anforderungen der klassischen (hier: romantischen) Musizierpraxis und (im populären Sinne) "moderneren" Stilen, die auch "Lockerheit" im Improvisieren bei gleichzeitiger rhythmischer Akkuratesse erfordern, auseinandergesetzt hat, weiß, wie viel da schief gehen kann. Der halbseidene Ruf vieler Crossover-Projekte kommt ja nicht von ungefähr: von modern aufgepepptem Hauptthemen-Runterspielen bis zu hinter Rockbands verschwindenden Orchesterarrangements, von Jazz- oder Klezmermusikern, die sich an Mozartkonzerten versuchen, ganz zu schweigen...
      In diesem Kontext finde ich diese Auseinandersetzung mit einer ganzen Symphonie, die Integration komplett anderer Stile, die dynamische Kraft, die dazwischen eben nicht abgespielte Hauptthemen, sondern komplexe Durchführungspartien entfalten, einfach großartig.

      Symbol schrieb:

      Ich finde diese Version von Brahms ebenso öde wie Metallica mit Sinfonieorchester.
      Krasser Vergleich. Ich wußte garnicht, dass bei Metallica die Orchestermitglieder auch improvisieren?

      Symbol schrieb:

      Ich meinte damit eigentlich eher den Habitus der beteiligten Personen
      Seit wann ist "Habitus" eine musikalische Kategorie?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Harnoncourt-Fan schrieb:

      Das Zarathustra-Ding ist fake. Portsmouth Sinfonia. Spielte absichtlich so. Und nu?
      stimmt, habe das auch schon mal gewußt und war mir entfallen.

      Aber kein "und nu?", denn ich schrieb doch "...wenn auch ohne Absicht, aber das schadet nichts", also so ungefähr " :top: obwohl ohne Absicht". Nun also doch mit Absicht.

      Allerdings, wie

      Hudebux schrieb:

      Ja, weil niemand auf einem Instrument spielte, dass er beherrschte. Und das war Programm.
      und das macht die "Produktionsbedingungen" doch solchen ähnlich, wie wenns Kinder gewesen wären.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • maticus schrieb:

      Hmm. Also, die Streicher mit ihrer oft danebenliegenden Intonation gehen mir schon ziemlich auf den Zeiger.

      Hudebux schrieb:

      Ja, weil niemand auf einem Instrument spielte, dass er beherrschte. Und das war Programm.
      Wo jetzt? In dem Video?
      Video und Musik haben nichts miteinander zutun. Einfach mal Portsmouth Sinfonia googlen. Nach meinem Verständnis war das in den 70ern ein Spass mit Kultstatus. Die Monty Pythons der Orchester Szene.