Mozart: Divertimento Es-Dur für Violine, Viola und Violoncello, KV 563

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    • Mozart: Divertimento Es-Dur für Violine, Viola und Violoncello, KV 563

      Zu diesem Divertimento habe ich im Jahre 2012 über einen Beitrag aus der Reihe „Meisterwerke der Musik“ des BR gefunden, den es noch immer als Podcast zu hören gibt (br.de/mediathek/podcast/das-st…to-fuer-streichtrio/59527).

      Ein großartiges Werk, das jeden Hörer verdient und auch für Mozarts Verhältnisse eine besondere Tiefe bzw. eine einsame Höhe erreicht (wobei sich gerade von Mozart unfassbar viele Werke in dieser Höhe tummeln).

      Den allergrößten Erfolg im Sinne eines populären Werkes hat dieses Streichtrio aber wohl dennoch nicht gefunden, vielmehr scheint es mir in erster Linie ein Werk für Kenner und Liebhaber geblieben zu sein. Liegt das an der Gattung Kammermusik? Oder daran, dass es Divertimento genannt wurde und daher sozusagen eine seriöses Werk in falschem Gewand ist? Oder daran, dass das Werk zu viele Sätze hat und mit knapp 50 Minuten unfassbar lang ist?

      Wenn man das Werk anhört, werden die Antworten auf diese Fragen unwichtig. Es handelt sich um einen Gipfel der Kammermusik. Es ist unterhaltsam, aber trotzdem reich, gut anzuhören, aber auch komplex und vielgestaltig. Beethoveneskes tiefes Grübeln steht neben munterem Tanz.

      Spieltechnisch, darauf weist der Geiger Benjamin Schmid im o. g. Podcast hin, ist das Werk diffizil und mag man darüber staunen, dass die Musiker aus Mozarts Zeit das Stück bewältigt haben.

      Näheres zu dem Werk kann diversen Internet-Beiträgen entnommen werden, z. B. dem Kammermusikführer (kammermusikfuehrer.de/werke/1265)

      Weil das Werk noch viel mehr Hörer verdienst hat, schreibe ich diesen kleinen Beitrag. Mich interessiert natürlich auch, ob ihr das Divertimento ebenso schätzt wie ich und welche Aufnahmen ihr empfehlt.
    • Es ist ein großartiges Stück, aber die Sonderstellung ist m.E. hauptsächlich durch die ungewöhnliche Besetzung und Form bedingt. Die großen Quartette und Quintette weisen diese Besonderheiten eben nicht auf, sind daher nicht so "einzigartig". Wenn ich irgendwie gezwungen würde, nur drei oder fünf Kammermusikwerke Mozarts auszuwählen, wäre es ziemlich sicher nicht dabei, sondern eher die Quintett g-moll und D-Dur, Quartette wie KV 387 oder 464, das Klarinettenquintett... die finde ich alle, selbst wenn KV 563 sicher die Divertimentogattung weit übersteigt, im Ausdruck auch stärker und vielfältiger. Und wenn ich nach ganz persönlichen Vorlieben gehen würde, ziehe ich sogar ein eher "kleines" (aber genauso einzigartiges) Werk wie das Kegelstatttrio vor.

      Kremer et al. ist mehrmals? neu aufgelegt worden, ggf. nach einer anderen Ausgabe suchen.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Knulp schrieb:

      Mich interessiert natürlich auch, ob ihr das Divertimento ebenso schätzt wie ich und welche Aufnahmen ihr empfehlt.
      Unbedingt, es ist eines der Gipfelwerke der Musikgeschichte. Unfassbar inspiriert und perfekt, dabei scheinbar so selbstverständlich und mühelos wie ein Naturereignis. Welche Kunststücke auch immer gerade stattfinden, Doppel-Variationen, kanonische oder fugierte Einschübe, ungerade Phrasen oder was auch immer, alles klingt so, als könne es gar nicht anders sein. Es kann keine "bessere" Musik geben, weil diese schlechterdings perfekt ist. Gerade deshalb kann ich sie auch nur in wohldosierten Abständen hören, weil mich das jedesmal irgendwie "fertig macht". Wenn ich sie höre, dann am liebsten in der alten Aufnahme mit dem Grumiaux-Trio oder der neueren mit dem Trio Zimmermann (mit allen Wiederholungen).
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Kater Murr schrieb:

      Kremer et al. ist mehrmals? neu aufgelegt worden, ggf. nach einer anderen Ausgabe suchen.
      Z. B.:


      Ein wunderbares Werk. Keine Ahnung, ob es ein Nischendasein führt (wieder einmal die Nische in der Nische). Auch als Hobbymusiker stößt man unweigerlich darauf, wenn im Quartett mal eine Geige ausfällt. Zunächst wirkt das Stück ja auch leidlich spielbar, aber wehe, wenn man es dann wirklich versucht ... :D

      Meine Favoriten derzeit auch Kremer and friends und Trio Zimmermann
    • Kater Murr schrieb:

      Es ist ein großartiges Stück, aber die Sonderstellung ist m.E. hauptsächlich durch die ungewöhnliche Besetzung und Form bedingt.
      Ich denk nicht, dass das Format Streichtrio außergewöhnlich genug ist, um die Sonderstellung von KV 563 zu begründen. Steichtrios wurden in der Klassik durchaus häufig komponiert. Nein, für mich ist es diese vollendete und unaufgeregte Meisterschaft, die auch die Preussischen Quartette prägt, aber hier umfangreicher und noch tiefergehend. Schon dieser langsame Satz! Wie eine Mischung aus Haydn und Schuberts Streichquintett. Zudem ist es für mich Mozarts Chiaroscuro in seiner reinsten Form. Ein unfassbares Meisterwerk!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • ChKöhn schrieb:

      Unbedingt, es ist eines der Gipfelwerke der Musikgeschichte. Unfassbar inspiriert und perfekt, dabei scheinbar so selbstverständlich und mühelos wie ein Naturereignis. Welche Kunststücke auch immer gerade stattfinden, Doppel-Variationen, kanonische oder fugierte Einschübe, ungerade Phrasen oder was auch immer, alles klingt so, als könne es gar nicht anders sein. Es kann keine "bessere" Musik geben, weil diese schlechterdings perfekt ist.
      Auch ich bin ein - seltener - Bewunderer dieses Stücks, zu dem ich Christians Worte einfach nur wiederholen mag.

      Neben den schon genannten Aufnahmen Kremer et al. und Zimmermann et al. kann ich auch noch eine immens gut ausgehörte Interpretation aus dem Jahre 2016 auf youtube empfehlen:

      youtube.com/watch?v=E8c83bpOVXo

      Veronika Eberle, Violin
      Amihai Grosz, Viola
      Sol Gabetta, Cello

      Die kann man mit viel Gewinn anhören ...

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Ich kann ja nachvollziehen, dass man das Stück toll findet, aber nicht, dass es irgendwie besser sein soll (wenn man eben von den Besonderheiten der Besetzung und Vielsätzigkeit absieht) als zB die drei großen Quintette, die Haydn-Quartette etc. Nicht kompositorisch und noch weniger im Ausdruck, der für mich insgesamt, etwas zu einseitig in Richtung protoschubertsche Gemütlichkeit Melancholie geht, wozu auch die Länge und breite Anlage beiträgt.
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    • Kater Murr schrieb:

      Ich kann ja nachvollziehen, dass man das Stück toll findet, aber nicht, dass es irgendwie besser sein soll (wenn man eben von den Besonderheiten der Besetzung und Vielsätzigkeit absieht) als zB die drei großen Quintette, die Haydn-Quartette etc. Nicht kompositorisch und noch weniger im Ausdruck, der für mich insgesamt, etwas zu einseitig in Richtung protoschubertsche Gemütlichkeit Melancholie geht, wozu auch die Länge und breite Anlage beiträgt.
      Auf einer linearen Skala vom "Schlechteren" zum "Besseren" bis zum "Besten" kann man solche Meisterwerke sowieso niemals angemessen einordnen, sondern es kann immer nur darum gehen, jedes Stück in seinen ganz eigenen Qualitäten zu betrachten. Deshalb kann man hier auch nicht einfach von der Besetzung "absehen", weil es natürlich zum Kern der Sache gehört, dass Mozart mit ganzen drei Stimmen auskommt (von denen er im Thema des vierten Satzes auch noch zwei im Unisono führt), ohne dass irgendwo etwas "fehlt". Aber natürlich heißt das nicht, dass umgekehrt die Quintette "schlechter" wären, weil er da fünf Stimmen verwendet. Bei der angeblichen "Einseitigkeit" des Ausdrucks muss ich Dir energisch widersprechen: Den einzigartigen langsamen Satz hat Felix Meritis schon genannt (hör Dir nur mal die chromatischen Gänge in der Durchführung an, was soll daran "gemütlich" sein?), aber alle anderen Sätze könnte man genauso hervorheben. Der vierte Satz, der mit dem Kunstgriff der Doppelvariationen immer einen Schritt nach vorn geht und dann sozusagen wieder zurückblickt: Ich kenne wirklich nichts Vergleichbares. Die beiden überraschenden Trios im fünften Satz, der vor lauter Inspiration immer noch weiter zu gehen scheint. Und dann das Finale: Diese absolut perfekte Harmonie der Stimmen und Stimmungen, die Leichtigkeit und pure Schönheit der Melodie, in die sich dann wie von allein virtuose Passagen und spielerische polyphone Abschnitte einfügen, bis zum wirklich sensationellen Schluss mit den eng geführten Perkussions-Rhythmen und dem metrisch unregelmäßigen Abgesang. Das Stück ist für mich ein Fest der Harmonie, aber dabei alles andere als "einseitig". Ich kann nicht fassen, dass es möglich ist, solche Musik zu komponieren, und ich kenne nichts Größeres.
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      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • ChKöhn schrieb:

      Der vierte Satz, der mit dem Kunstgriff der Doppelvariationen immer einen Schritt nach vorn geht und dann sozusagen wieder zurückblickt: Ich kenne wirklich nichts Vergleichbares.
      Ja, diesen Variationensatz finde auch ich ganz besonders beeindruckend - wie auch das Werk insgesamt, das ich übrigens erst vor einem Jahr kennengelernt habe. Eine derart gekonnte Leichtigkeit, das ist schon sehr berührend.

      Ich habe die zwei genannten Aufnahmen mit Kremer, Kashkashian, Ma und Zimmermann, Tamestit, Poltéra und habe sie eben wieder mal eingelegt und in Ruhe gehört. Kremer&Co. empfinde ich als leichter, feiner, eleganter, Zimmermann&Co. als zupackender, plastischer, spannungsreicher - zugespitzt gesagt, denn so groß sind die Unterschiede nicht (und beim nächsten Mal höre ich das vielleicht anders). Beide Aufnahmen schätze ich sehr!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Die Aufnahme mit dem Grumiaux-Trio ist anscheinend nicht mehr auf CD erhältlich, aber es gibt sie bei Youtube. Sie entspricht vielleicht nicht mehr dem Zeitgeschmack, aber ich finde sie nach wie vor großartig.
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    • Ja, die ist es. Grumiaux war ein wunderbarer Musiker, mit einer ähnlichen Natürlichkeit wie sie unter den Pianisten z.B. Radu Lupu auszeichnete. Und obwohl alles bei ihm immer so entspannt natürlich klingt, war er berühmt-berüchtigt für seine Angstattacken vor praktisch jedem Konzert.
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    • Hier noch gesammelte Empfehlungen b-majors:

      b-major schrieb:

      Eines meiner meistgehörten Werke von Mozart , das Divertimento K 563 . Es gibt gar nicht so viele Aufnahmen dieses Werks wie man denken sollte . Eine davon war quasi 'immer da ' , und ich höre sie auch heute noch sehr gern . 3 italienische Virtuosen bildeten das Trio Italiano D'Archi - Franco Gulli, Violine / Bruno Giuranna , Viola / Giacinto Caramia , Cello , der zum Zeitpunkt der Aufnahme ( 14/12/1965 ) bereits seit 3 Jahren für den zum (Piano) Trio Di Trieste gewechselten Gründungs-Cellisten , Amedeo Baldovino , spielte . Klanglich von der DG in den Berliner Ufa-Studios grandios aufgezeichnet .
      Eigentlich sollte es in irgendeiner DG Reihe inzwischen eine CD-Veröffentlichung geben , vor allem vor dem Hintergrund ständiger Wiederveröffentlichungen qualitativ doch nicht allzu überzeugender Produkte , doch nein , dazu reicht die Einfalt denn doch nicht . Ich höre einen Transfer vom geschlossenen Bearac Label , und da es mit Beendigung des Betriebs auch keine Bilder mehr gibt, begnüge ich mich mit dem altvertrauten Cover der LP .

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      b-major schrieb:

      Nochmals das Divertimento K 563 , das entgegen meiner früheren Aussage doch häufiger eingespielt wurde , als mir bewußt war . Was nichts an meiner Auswahl ändert . Heute mit Jean Pougnet , Frederick Riddle und Anthony Pini , dem - wie Jonathan Woolf schrieb - besten Britischen Streichtrio . Aufgenommen für Westminster im September 1952 in Wien , bisher aber noch nicht als CD zu erhalten . Ich hörte einen privaten Transfer , der besser ist als der bei youtube .

      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51x55s1wrML._AC_US318_.jpg] youtube.com/watch?v=euFktv49L4g

      b-major schrieb:

      Ich hörte nochmals das Divertimento K 563 von Mozart . Lange Jahre war die Aufnahme mit dem Grumiaux-Trio die Bezugsaufnahme . Nun trat das Grumiaux-Trio ( Arthur Grumiaux, Violine / Eva Czako, Cello / Georges Janzer ,Viola ) eine Zeitlang durchaus auch als Trio auf . Aber der Schwerpunkt war für Grumiaux immer seine Solistenkarriere , und für Janzer das Vegh-Quartet . Mir kam es immer so vor wie 'Arthur Grumiaux und ein befreundetes Ehepaar spielen auf ' . Und so habe ich in aller Subjektivität auch das Divertimento gehört . Der Virtuose , der Geiger , immer ein ganz wenig dominierend . Und das alles betont klassisch . Fast noch deutlicher wurde es mir bei der Live-Aufnahme des Mozart-Trios , die Hänssler von einem Festival 1966 vor einiger Zeit herausbrachte . "Grumiaux"-Trio . Eben .
      Anders höre ich es bei der Aufnahme. die gerade lief . Und so eigentlich überhaupt außer Konkurrenz läuft . Zum Zeitpunkt der Aufnahme - 1941 - waren die Protagonisten wohl Weltspitze : Jascha Heifetz,Violine/ William Primrose, Viola /Emanuel Feuerman , Cello . Es spielen drei Virtuosen - aber es musizieren auch 3 Freunde , und zwar miteinander . So klingt das Divertimento wieder ganz anders . Ich möchte nicht ohne diese - für mich - Sternstunde sein . Da komme ich doch richtig ins schwelgen . Ist aber auch etwas Besonderes .


      b-major schrieb:

      In den letzten Tagen habe ich meine Lieblingsaufnahmen des Divertimentos für Streichtrio K 563 von Mozart gehört , als da waren Trio Italiano d'Archi, Kremer/Kashkashian/Ma , Heifetz/Primrose/Feuerman und Pougnet/Riddle/Pini . Heute hörte ich " die Spezialität des Hauses" , nämlich das Trio Pasquier . Die drei Brüder - Jean, Violine; Pierre, Viola; Etienne, Cello - spielten von 1927 bis 1974 zusammen . ( 2 der Brüder waren an der Uraufführung bzw. Erstaufnahme des Quatuor pour la fin du temps beteiligt) . Es ist davon auszugehen , daß kein Streichtrio das Divertimento so oft gespielt hat . Es gibt entsprechend auch Tondokumente . Am 26./27. Juni 1935 nahmen sie das Werk für Columbia auf . Da spielten sie gerade mal 8 Jahre zusammen . Nachzuhören auf Forgotten Records .

      [Blockierte Grafik: https://forgottenrecords.com/data/covers/thumbs/mozart-quatuor-k-493-divertimento-k-563-monath-pasquier-front.jpg]

      b-major schrieb:

      Mozart , Divertimento K 563 , Trio Pasquier , die Zweite .
      Nachdem die Brüder 1935 die Erstaufnahme des Trios eingespielt hatten , machten sie sich nach dem Krieg im Jahr 1951 für Les Discophiles Francais erneut ans Werk . Schon das Klangbild ist viel harscher . Aber auch die Interpretation ist hörbar verändert und neu gedacht . Ob die Inzwischen erschienene Aufnahme von Heifetz/Primrose/Feuerman da einen Anstoß gegeben hat ? Jonathan Woolfe läßt das offen , nennt aber als Unterscheidungsmerkmal die 1935er Aufnahme Beecham-ähnlich , wohingegen die '51er ihn an Szell erinnert . Gemütlich versus strikt , würde ich es vereinfachen . Dem Werk bekommt beides .


      b-major schrieb:

      Mozart , Divertimento K 563 , Trio Pasquier . Mit voller Berechtigung kann man hier sagen : Aller guten Dinge sind drei . Denn tatsächlich hat das Trio Pasquier im April 1964 noch einmal das Divertimento eingespielt , für Erato und in Stereo . Und erneut werden Veränderungen in der Auffassung hörbar .Wenn ich die Koordinaten Beecham/Szell für die früheren Aufnahmen übernehme , würde ich diese bei Walter verorten . Aber das sind nur Krücken , die einen ganz groben Eindruck beschreiben helfen . Vielleicht zeigen die Zeitangaben , was sich wie anders darstellt bzw. anhört .

      - - - --- 1935 - 1951 - 1964
      Allegro - 6:12 - 5:42 - 6:09

      Adagio - 9:07 - 9:56 - 10:03

      Menuetto - 4:01 - 3:58 - 4:12

      Andante - 7:25 - 7:23 - 7:53

      Menuetto - 4:05 - 3:52 - 4:49

      Allegro - 5:55 - 5:48 - 6:24

      Über Jahrzehnte hinweg kann man so die Werkauffassung eines echten Streichtrios im Gegensatz zu ad hoc Ensembles verfolgen, zugegeben eines besonderen Trios . Einmal in Hinblick auf die Konstanz , und dann sollte man die brüderlichen Bande im Miteinander der Musizierenden nicht unterschätzen . Die Hauptrolle aber spielt immer dieses besondere Werk .


      b-major schrieb:

      Ich legte gerade eine Generalpause ein , die ich mit einem meiner Lieblingswerke , dem Divertimento K 563 von Mozart , verbrachte . In einer - wie ich finde - überaus gelungenen , aber viel zu wenig bekannten Einspielung aus 1990 mit Augustin Dumay , Gerard Causse und Gary Hoffman . Superb .
      youtube.com/watch?v=wU7tmvggdts
      2x kein Bild .
      amazon.de/%E3%83%A2%E3%83%BC%E…1585649067&s=music&sr=1-1
      amazon.de/Divertimento-KV-563-…8347&s=music&sr=1-1-fkmr0

      b-major schrieb:

      Ursprünglich schon aus 2006 , aber wenig bekannt : Jonathan Crow , Douglas McNabny , Matt Haimovitz mit dem Divertimento K 563 . Dazu noch Mozart/Bach K 404 a . Ich höre die CD gerade , und es ist schon toll , erst die Bach-Preludien und Fugen zu hören und dann in das Divertimento überzugehen .


    • Dass das Stück wg. der Besetzung und daraus folgenden satztechnischen Kunstfertigkeit besonders hervorgehoben wird, habe ich ja selber geschrieben, dem hatte Felix Meritis meinem Verständnis nach widersprochen. Ich habe es gestern abend extra nochmal angehört (Dumay/Caussé/Hofman). Ich höre das Stück auch seit über 20 Jahren und habe ca. 6 Aufnahmen (wenn auch einige als Beifang: Heifetz, Dumay, Kremer, Coll. Aureum, Archibudelli, Tetzlaff) und es liegt mir ferne, es abwerten zu wollen. Der herausragende Satz ist für mich das Adagio, aber eben auch nur dieser. Den Variationensatz mag ich auch sehr und der Rest ist natürlich erstklassiger Mozart, was aber für mindestens ein dutzend weiterer reifer Kammermusikwerke gilt, wenn nicht doppelt so viele. Und als nächstes hätte ich, ebenfalls wie Christian, das 2. Menuett mit den beiden Trios herausgestellt.
      Aber ich sehe nicht ganz, warum man den Variationensatz ggü. dem in KV 464 besonders hervorheben sollte usw. Dass in der Rezeption ein Einzelwerk mehr auffällt, ist nachvollziehbar, aber ich habe eben noch nie über z.B. KV 387 oder 464 oder das D-Dur-Quintett "unfassbares Wunderwerk" gelesen (über g-moll-Quintett oder Klarinettenquintett vielleicht eher). Und bei denen finde ich nicht nur zwei Sätze, sondern alle überragend. (D.h. wenn ich die Sätze des Trio-Divertimentos mit den genannten oder anderen Werken vergleiche, dann "gewinnt" meistens nicht das Divertimento.) Das ist natürlich auch persönliche Vorliebe, aber das Finale des Trios ist ggü. den drei vorher genannten Werken für mich doch ziemlich "leicht", divertimentohaft.
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      (B. Pascal)
    • Kater Murr schrieb:

      ich sehe nicht ganz, warum man den Variationensatz ggü. dem in KV 464 besonders hervorheben sollte
      Das finde ich sehr leicht ersichtlich: wegen der weit komplexeren Form. Der dritte Satz in KV 464 ist bei aller großartigen Kunstfertigkeit formal ein ganz normaler Variationssatz mit einem Thema aus zwei wiederholten Teilen und sechs (wenn ich mich richtig erinnere) Variationen. Im Divertimento ist schon das Thema viel komplexer: Der erste Thementeil endet nach acht Takten ungewöhnlicherweise auf der Tonika und ist somit in sich abgeschlossen, was (wie man gleich sehen wird) im weiteren Verlauf Folgen haben wird. Der zweite Thementeil öffnet sich zunächst über acht Takte harmonisch, wird dabei chromatisch verdichtet und schließt dann mit denselben vier Takten wie der erste Teil. Hier wäre das Thema eigentlich natürlicherweise zu Ende. Statt dessen folgt überraschenderweise noch eine weitere viertaktige Gruppe, die sich zum melodischen Höhepunkt aufschwingt. Das Ganze ist in Bezug auf den Aufbau und die Vielfalt der inneren Bezüge erheblich anspruchsvoller als das Thema in KV 464. Und diese Komplexität erreicht Mozart auch noch bei gleichzeitig extrem reduzierter Satztechnik: Violine und Viola werden durchgehend in Oktaven geführt, das Thema ist also nicht einmal drei- sondern zweistimmig!
      Den harmonisch abgeschlossenen ersten Teil nutzt Mozart nun zu einer ganz und gar ungewöhnlichen Variationstechnik: Ein zweiteiliges Thema wird normalerweie (z.B. in KV 464) in der Form A-A-B-B, A1-A1-B1-B1, A2-A2-B2-B2 usw. variiert. Hier folgt hingegen auf den ersten Teil A keine Wiederholung sondern gleich die erste Variation A1. Dann kehrt Mozart zum unvariierten Duktus zurück und lässt den Teil B (also einschließlich der vier Takte aus Teil A) folgen, der dann ebenfalls als B1 variiert wird. Und so weiter: Die Folge ist also A-A1-B-B1-A2-A3-B2-B3- A4-A5-B4-B5 usw. Das führt dazu, dass der Duktus der Musik nach Fortschritten (z.B. von A2 nach A3) immer auch wieder zurückkehrt (z.B. von A3 nach B2 oder von A5 nach B4). Es handelt sich aber auch nicht um "normale" Doppelvariationen mit zwei voneinander unabhängigen Themen, die abwechselnd variiert werden (was es z.B. bei Haydn gibt), weil wie gesagt beide Thementeile durch eine gemeinsame Viertaktgruppe miteinander in Verbindung stehen. Man könnte sogar sagen, dass das Thema selbst in seinem zweiten Teil gleichzeitig Variation ist, indem es so etwas wie einen Kommentar zum variierten ersten Teil abgibt. Insgesamt ist das alles ein kunst- und ausdrucksvolles Geflecht aus Vor- und Rückbezügen, bei dem kein einziger Formteil wiederholt wird.
      Ich will mit alldem in keiner Weise den Satz aus KV 464 schlecht reden. Ihm liegt eine ganz andere, aber doch eindeutig konventionellere Idee zugrunde. Welchen Sinn es haben soll, hier "Gewinner" und "Verlierer" auszurufen, erschließt sich mir nicht.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
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