STRAUSS Johann: "Eine Nacht in Venedig" - Irrungen und Wirrungen

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    • STRAUSS Johann: "Eine Nacht in Venedig" - Irrungen und Wirrungen

      Zwar zählt die "Nacht in Venedig" zu den beliebtesten Schöpfungen der Wiener Operette, aber ihre Geschichte ist trotzdem äußerst kompliziert, und wer naiv nach dem Original fragt, findet sich rasch in einem unentwirrbaren Spinnennetz von diversen Fassungen und Bearbeitungen, gegen das die inhaltlichen Verwicklungen beinahe simpel anmuten. Ursprünglich in 1883 Berlin uraufgeführt, wo das Stück aber - nicht zuletzt textlicher Mißgriffe wegen - durchfiel, wurde die kurze Zeit später in Wien auf die Bühne gebrachte und umgearbeitete Fassung zum Erfolg. Dennoch waren weitere Eingriffe nötig, sodaß auch nach dem Tod des Komponisten keine endgültige Version existierte. Seither gab es unzählige Bearbeitungen, und fast jede Aufführung heute muß als individuelles Ergebnis eingestuft werden. Nachhaltige Wirkung hatte jedoch insbesondere die Bearbeitung von Erich Wolfgang Korngold (1923), von der zumindest einige Elemente sich bis in die Gegenwart als fast unverzichtbar erhalten haben.

      Wer sich primär musikalisch mit dem Stück vertraut machen will, ist mit dem großen Querschnitt einer Aufführung der Bregenzer Festspiele unter Anton Paulik (mit Helge Rosvaenge und Esther Réthy) bestens bedient, obwohl die Aufnahme von 1948 stammt, also fast methusalemisch zu nennen ist.



      Es gibt auch noch eine Gesamtaufnahme, die allerdings nur mehr sehr schwer zu bekommen ist.

      Erstaunlich beliebt unter den DVDs ist noch immer die Münchner Unitel-Produktion von 1973 mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Kurt Eichhorn, nicht zuletzt wegen des ausgesprochen hochkarätigen Ensembles und der trotz ihrer Antiquiertheit interessanten und beeindruckenden Regie Vaclav Kasliks.



      Es handelt sich um eine im Studio gedrehte Filmfassung. Das bedingt Kürzungen und ein gewisses Tempo, das zum Schmissigen neigt. Musikalische Feinheiten darf man da nicht erwarten, Optik und Akusti harmonieren aber bestens. Kaslik neigt hier zu einer zwischen Realismus und Vereinfachung oszillierenden Gestaltung mit deutlichen Pop-Elementen, die farblich teilweise pastellartig gebrochen sind. Mehrfach schaltet er auch Op-Art-Effekte ein, unter anderem mittels Zerrspiegeln, wodurch die ironische Stimmung verstärkt wird. Das ist alles andere als Dutzendware und verhältnismäßig anspruchsvoll.

      Unter den Mitwirkenden sind vor allem Silvia Geszty als nicht nur stimmlich stimmlich exzellente Annina und Ljuba Welitsch als köstliche Agricola hervorzuheben. Beinahe möchte ich wieder einmal sagen: das waren noch Zeiten! Aber ich will die Meriten anderer Aufnahmen deswegen nicht schmälern (wiewohl das Niveau von Mörbisch etc. für mich recht unterschiedlich anmutet, da finden sich Perlen und Talmi oft nahe beisammen).

      Nebenbei bemerkt: Es gibt einen alten Schwarzweißfilm von 1942 "Die Nacht in Venedig" mit ganz anderer Handlung, doch dafür mit Harald Paulsen und Lizzy Waldmüller, Heidemarie Hatheyer und Harald Nielsen, ein köstlicher Spaß und blendend zu hören.
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      Homo sum, ergo inscius.