'Film noir' oder 'Die Welt ist schlecht'

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    • Heute gab es bei mir einen vielgerühmten, hochgelobten Klassiker des Film Noir.



      Film Noir - nun ja. Darunter läuft er in der Regel, aber den finde ich in Ansätzen höchstens in der ersten Hälfte des Films. Mit der 'Wiederauferstehung' wandelt er sich eigentlich zu einem romantischen Krimi.

      So wie der Film zunächst an die Handlung herangeht, wie er das Personal charakterisiert, kommt er in FN-Nähe. Aber in der zweiten Hälfte fehlt dann eigentlich alles, was einen 'richtigen' FN ausmacht. Gene Tierney wandelt sich leider nicht zur Femme Fatale, Dana Andrews ist wirklich ein netter Polizist, die soziale und politische Realität (immerhin wurde er 1944 gedreht) spielt ebenso wenig eine Rolle wie Stadt als Schauplatz und Ursache moralischer Deformationen. Im Gegenteil, mit der Auflösung übernimmt der Film schon fast gängige Hollywood-Klischees. Natürlich ist der Schwule ein Kunstliebhaber, ist ein arroganter Snob und folglich auch der Mörder.

      Das wird die Lösung der Vorlage sein, die Preminger hier übernimmt. Und trotzdem hätte er da Zwischentöne einbauen können, müssen. So ist es zu sehr Klischee, ebenso wie das Happy-End der beiden Stars. Inwieweit Zanuck ihn gerade dabei noch unter Druck gesetzt hat, weiß ich nicht.

      Aber es ist schon ein großartig inszenierter Film, ohne Frage. Die Kameraarbeit ist hervorragend, besonders die langen Fahrten. Ebenso die Ausstattung (für einen romantischen Krimi, weniger für einen FN), der Schnitt, die Dialoge (!), die Licht-Schatten-Effekte, die Schauspielerei (v.a. Clifton Webb). Ja, und natürlich auch die vielgerühmte Musik. Trotzdem schwand mein Interesse im Verlauf des Films, weil er trotz einiger dramaturgischer Wendungen zum Schluss hin immer vorhersehbarer wurde.

      Vielleicht war ich auch durch das Etikett 'FN' zu sehr eingestimmt, erwartete halt einen ganz anderen Film. Mag sein. Vielleicht hat mich 'Kiss Me Deadly' auch verdorben ^^ , kann auch sein. Ich habe ihn gerne gesehen, aber die Offenbarung war es für mich nun nicht.

      :wink: Wolfram
    • Bei mir drehte sich heute ein moderner Film Noir aus dem Jahr 2010.



      Oder eher eine Hommage an diesen, der aber sehr geschickt und gekonnt mit den Ingredienzien des FN spielt und sie gleichzeitig wunderbar variiert.

      Das urbane Milieu ist dem Leben in einer Kleinstadt 1949 gewichen. Die Welt als negativer Ort, in dem soziale Aufstiegschancen nicht mehr bestehen, sondern dagegen perspektivlose Eintönigkeit vorherrscht, wird nur noch von wenigen der handelnden Personen so gesehen oder formuliert. Aber quasi jede Einstellung, das fast quälend langsame Erzähltempo, die Rituale, die Typencharakterisierungen machen deutlich, was ein Existieren in diesem 'Nest' bedeutet. Nur einmal kommt ein wenig 'Leben in die Bude', wenn der Strafverteidiger aus Sacramento kommt und ein ganz anderes Tempo in die Kleinstadt und in den Film hineinbringt.

      Der 'American Way of Life' ist nicht wie in einem klassischen 'alten' FN gescheitert oder wird radikal in Frage gestellt. Im Gegenteil. Hier hat er sich vollendet und der Film zeigt uns nun permanent das Ergebnis. Drückende Langeweile.

      Die 'Femme Fatale' ist zur Hausfrau geworden, für die der 'Held' zwar noch alles tut, aber nicht mehr aus sexuellem Verlangen, sondern weil er sonst gar nichts mehr hätte.

      Der 'Held' ist äußerst schweigsam, aber nicht, weil er besonders 'cool' wäre, sondern, weil er nicht kommunizieren kann. Sein Inneres, das zeigt seine Stimme aus dem Off, ist dagegen schon reicher und macht auch eine gewisse Entwicklung mit. Und natürlich wird er wegen der Erpressung schuldig, aber ansonsten gerät er in einen Strudel der Ereignisse, für den er eigentlich nichts kann. Er verhält sich danach durchaus aktiv, aber, wie er selber später erkennt, ist das wie die Aktivität in einem Labyrinth. Egal, was man macht, der nächste Irrweg ist schon da. Das ist dann durchaus klassische FN-Tradition.

      Die Ordnungshüter sind nicht korrupt und damit Teil des desolaten gesellschaftlichen Zustands, sondern halt nur ein wenig einfältig, denn bei beiden Morden erwischen sie die Falschen.

      Natürlich musste der Film, als Hommage, in Schwarzweiß gedreht werden. Und die Fotografie ist wirklich hervorragend. Einerseits gibt es die Einstellungen, die direkt auf die 40iger und 50iger Jahre verweisen und andererseits (z.B. bei den Beobachtungen von Passanten) geht sie auch darüber hinaus, genauso wie der Film im Spiel mit den typischen Merkmalen.

      Zu Beginn herrscht noch eine recht starke Ironie vor, die sich im Verlaufe dann langsam immer mehr verliert, was vielleicht schade ist, denn es macht den Film durchaus ein wenig uneinheitlich. Trotzdem ist er bemerkenswert wegen der durchgehend großartigen schauspielerischen Leistungen, wegen der bedrückenden und einengenden Kleinstadtatmosphäre, die er heraufbeschwört und wegen dieser Mischung aus Hommage und Weiterentwicklung.

      Wer den FN liebt, hat damit auch an diesem Film bestimmt große Freude.

      :wink: Wolfram
    • Heute ein FN aus der klassischen Epoche:

      (1948)

      Ein Mann, ein Krimineller schlüpft in die Rolle seines körperlichen Doppelgängers, den er zuvor ermordet hat, um den auf ihn angesetzten Killern zu entgehen.

      Ein guter FN muss nicht logisch sein. :D Auch dieser hier ist es mitnichten. Aber vielleicht ist es auch noch nicht einmal ein guter, weil er viel zu häufig FN-Elemente benutzt, ohne dass sie aus der Dramaturgie entstehen oder die Psychologie der Personen besonders deutlich machen würden. Aber er ist durchaus spannend erzählt, bietet mit der Figur, die Joan Bennett darstellt, ansatzweise eine sehr vielschichtige Person und hat zudem dieses FN-typische Doppelgängermotiv, die Variante von Jekyll and Hyde.

      Und überhaupt sind es eher die einzelnen FN-Momente, die den Film ausmachen. Die Annäherung zwischen Held und Heldin, die völlige Amoralität des Helden, der natürlich ein typischer Anti-Held ist, die immer wieder an Gefängniszellen erinnernden Schattenspiele (Was wäre eigentlich der FN ohne die Erfindung der Jalousie? :D ), die Treppen und die Schatten, die die Geländer werfen, die bedrückenden Zimmerdecken, die Kritik an der Arbeitswelt, das sich immer wieder erneuernde Gangstersystem usw. Es wimmelt von Versatzstücken, aber sie bleiben auch häufig solche. Denn die eigentliche Systemkritik, die Zustandsbeschreibung der Gegenwart bleibt aus. Polizei ist nicht präsent und von daher eben auch nicht korrupt. Staatliche Behörden erledigen das (erste) Verbrechersyndikat und arbeiten eben nicht mit ihm zusammen. Der Kriminelle als Gegner staatlicher Ordnung, nicht als deren Bestandteil. Die Heldin wandelt sich, aber die Wandlung besteht nur darin, dass sie nun eigentlich eine bürgerliche Beziehung anstrebt. Selbiges gilt für den Helden, dem das aber versagt bleibt, weil er, Verbrechen dürfen nicht ungesühnt bleiben, vorher bestraft wird.

      So also eher ein 'bürgerlicher' FN. Aber gelangweilt habe ich mich trotzdem nicht. ^^

      :wink: Wolfram


    • Eine Regiearbeit (1950) von Rudolph Maté, dem bedeutenden Kameramann. Eigentlich ein wirklicher B-Picture ist er aber gleichzeitig einer der schwärzesten der 'Schwarzen Serie'.

      Wieder einmal muss man die Logik der Story nicht verstehen, aber es sind die Typen, die Stadt als Dschungel, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit, das Tempo, das den Film wirklich bemerkenswert macht.

      Der Kleinbürger, der in der Großstadt, die er besucht, um sich zu amüsieren, in ein tödliches Verhängnis gerät. Er wird aus wenig einleuchtenden Motiven mit einem tödlichen, leuchtenden Gift verseucht. So weit, so unklar. Aber was sich dann entwickelt, ist wirklich bester FN. Er rennt durch die Großstadt, um seinen Mörder in der ihm verbleibenden Zeit noch zu finden. Er rennt eigentlich völlig sinnlos dahin, aber er muss es eben, weil man sich in einer hektischen Großstadt nur so bewegen kann, weil man eben immer auf der Suche ist, nach einem Rest von Leben, nach Antworten, nach Menschen, denen man noch trauen kann.

      Aber man kann niemanden trauen, höchstens noch der ewig verkannten Liebe daheim. Alle anderen sind Verbrecher, Psychopathen, Opfer ihrer Leidenschaften. Die Stadt, die moderne Gesellschaft ist eine Krake, die einen überall erwischen kann, selbst in einer Kleinstadt am Rande der Wüste. Den Abgründen der Zeit kann man nicht entkommen und am Ende (bzw. hier zu Beginn) kann man nur der Polizei gegenüber noch offenbaren: 'Ich will einen Mord melden.' - 'Wer wurde ermordet?' - 'Ich.'

      Der Tod erreicht jeden, aber nicht unbedingt der natürliche. Die Gegenwart tötet, erreicht jeden mit ihrer zerstörerischen Kraft. Der Held stirbt an den Zuständen, an einer aus den Fugen geratenen Welt.

      Wohl selten wurde die Gegenwart der Stadt so andauernd und so hautnah in einen Film hineingeholt. Maté drehte fast ausschließlich an Originalschauplätzen in San Francisco und Los Angeles, was zu bemerkenswerten Shots führte. (Kamera Ernest Laszlo, der auch 'Kiss me Deadly' fotografierte!) Aber nicht nur die beeindruckende Kameraarbeit macht diesen Film zu einem wirklichen FN. Die 'Femme Fatale' ist hier zwar zunächst einmal nicht auszumachen, denn Maté splittet sie auf. Es treten eine ganze Reihe von Frauenfiguren auf, die aber dann in der Zusammenführung zu solch einer werden, abgesetzt von der 'Treuliebenden', die aber vielleicht auch ein Teil dieser sehr emanzipierten Frau ist. Dann kommt der Fatalismus der gesamten Story hinzu, ebenso wie Atmosphäre der Nacht, auch wenn es Tag ist.

      Wäre da nicht der verquere Plot, es wäre einer der großen Film Noirs. Aber trotzdem macht der Film wirklich Laune, bringt er Spaß, ihn zu sehen.

      :wink: Wolfram
    • Pessimistische Weltsicht, Verbrechen, Korruption, Misstrauen, Verrat usw. - all das macht den Film Noir, wobei sich 'Noir' ja nicht unbedingt auf Schwarzweiß-Fotografie bezieht. Aber natürlich passt das am besten dazu, wobei es auch in Farbe funktioniert.



      'Chinatown', eines der Meisterwerke von Roman Polanski (1974) ist ein typischer oder fast typischer Film Noir, aber halt in Farbe. Der einsam kämpfende Detektiv im Großstadtdschungel, die allgemeine Atmosphäre von Unsicherheit und Misstrauen, die Polizei, die nicht mehr Freund und Helfer ist, die korrupten Politiker, das kriminelle Geflecht, das sich über eine ganze Gesellschaft legt. 'Chinatown' hat es alles und dazu die obligatorische 'Femme Fatale', die sich hier aber ganz anders entpuppt. Geschickt spielen Regisseur und Drehbuchautor mit unseren Erwartungen, wodurch wir das, was Jack Nicholson in seinem Verhältnis zu ihr widerfährt, ganz besonders gut verstehen können. Nur leider ist das alles nicht so. Faye Dunaway verkörpert fast die einzig wirklich selbstlos handelnde Person in diesem Film und stirbt trotzdem am Ende.

      Der Film gönnt sich über weite Strecken ein unendlich ruhiges Tempo. Kleine Szenen am Rande werden genüsslich ausgespielt und nur ab und an kommt eine weitere Wendung, die den Fall in einem neuen Licht erscheinen lässt. Zum Ende hin verdichtet sich das allerdings alles, Polanski zieht an und es kommt dann zu dem Höhepunkt in Chinatown. Das ist schon verdammt gut inszeniert, weil trotzdem nie Langeweile aufkommt, was allerdings auch dem wirklich hervorragenden Drehbuch von Robert Towne zuzuschreiben ist. Towne versteht es, die Dramatik ganz ruhig und langsam zu entwickeln (und zudem kann er hervorragende Dialoge schreiben). Und Polanski folgt ihm da total. Das heißt jetzt nicht, dass beide mit der ausführlichen Beschreibung von manchen Nebenlinien eine nostalgische Quasi-Idylle zeichnen, in der hin und wieder mal Kriminalität hineinbricht. Ganz im Gegenteil. Jede Szene atmet Bedrohung, Verrat, Gefahr, nur wirkt das alles, vorgeführt fast in einer Art Zeitlupentempo, viel bedrohlicher, als hätte sich der Film in einer Abfolge von Action-Szenen ausgetobt.

      Nicht vergessen darf man natürlich das Trio der hervorragend spielenden Hauptfiguren. Zu Jack Nicholsen und Faye Dunaway gesellt sich dabei noch John Huston, sozusagen der Vater des FN, der hier den Bösewicht spielt und das auf eine so charmant-freundlichen Art, die dann umso gruseliger wirkt.

      'Chinatown' ist mit Recht ein legendärer Film des New-Hollywood, ein wunderbarer Vertreter des FN, ein wirklich grandios inszenierter, spannungsgeladener Film, den ich einfach immer wieder sehen kann und muss. Bis auf die Szene mit der Nase. :versteck1:

      :wink: Wolfram
    • Heute ein Klassiker des FN.



      Jedenfalls wird er von vielen als das gesehen, was auch der Grund ist, warum ich ihn mir bestellt habe. Während er noch zu mir unterwegs war, hörte ich ein Interview mit Bogdanovich, mit irgendeinem französischen Regisseur oder mit sonst wem, ich weiß es nicht mehr. Es war aber schon jemand, bei dem klar war, dass er wusste, worüber er urteilte. Und das ließ mich dann doch ein wenig zusammenzucken. Er meinte, 'Im Netz der Leidenschaften' (The Postman Always Rings Twice' 1946) wäre ein typisches MGM-Produkt voller schönen Scheins und hätte mit dem richtigen FN nichts zu tun.

      Von daher war ich heute sehr gespannt. MGM war ja zu der Zeit keinesfalls Studio mit irgendeiner nennenswerten Krimi- oder Gangsterfilmtradition. Glamour und die 'tausend Stars am Firmament', Unterhaltung für die ganze Familie und eher 'heile Welt' war ihr Programm. Allerdings hatte Billy Wilder mit 'Double Indemnity' vom selben Autor für Paramount ja einen überraschenden Erfolg hingelegt, so dass Louis B. Mayer sich zu diesem Film überreden ließ. Das Ergebnis hat er dann gehasst und den Film am liebsten nicht in die Kinos gebracht.

      Wilders Film und auch der von Garnett sind eigentlich ganz gut vergleichbar, weil sie eine ähnliche Thematik haben. Mann und Frau verfallen einander und beschließen, ihren Ehemann um die Ecke zu bringen. Aber wo Wilder die ganze Szenerie eiskalt serviert und auch das ganze Programm des FN mit einfließen lässt, ist es bei Garnett alles aufgeweicht und die visuellen Komponenten des FN wie auch die gesellschaftskritischen tauchen überhaupt nicht auf.

      Die Femme Fatale wird eigentlich erst durch ihren Lover auf die Idee eines Mordes gebracht und auch dieser sagt das nur mal eben so nebenbei. Staatsanwalt und Anwalt sind zynisch-skrupellose Typen, aber das System von Justiz und Polizei wird nicht in Frage gestellt. Die im Roman vorkommende Einwanderer- und Arbeitslosenproblematik ist vollkommen gestrichen. Aber auch visuell fehlt quasi alles. Die Ausleuchtung v.a. von Lana Turner ist stets MGM-mäßig glamourös. Licht und Schatten und das Wechselspiel finden eigentlich überhaupt nicht statt. Erst wenn John Garfield schon in den Fängen der Justiz ist, gibt es die FN-typischen Schatten, durch Jalousien hervorgerufen und Gefängniszellen symbolisierend. Die Verrohung der Städte fehlt, die negative Weltsicht fehlt, Korruption, Betrug, Misstrauen - alles Fehlanzeige. Ein FN ist dieser Film überhaupt nicht.

      Trotzdem ist er natürlich gut gemacht und war für die damalige Zeit, gerade auch für MGM, mit der relativ deutlichen Darstellung von sexuellem Verfallensein etwas ganz Besonderes. Und er war ein riesiger Box-Office-Erfolg. Ob er diese Wucht heute noch hat, ich bezweifle das. Die Zeit geht nicht immer gnädig mit Filmen um. Aber Lana Turner und John Garfield und ihr Spiel sind schon noch Pluspunkte. Insgesamt würde ich aber, Viscontis 'Ossessione' kenne ich nicht, immer eher zu einer der anderen Verfilmungen greifen, zu der mit Nicholsen und Lange.

      :wink: Wolfram
    • Viscontis Besessenheit steht eher in der Tradition des neorealistischen Films - da wird die Umgebung deutlich eingebunden, aus der sich das Verbrechen des Paares entwickelt. Auf jeden Fall ist der Film sehenswert genug, um allein die Variationen der FN-Motive darin zu verfolgen.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Wolfram schrieb:

      Und was speziell den 'Postboten' angeht natürlich auch die spätere Verfilmung mit Nicholson.
      Ui, da solltest du mal schnell schauen - im Augenblick sind die Warner-DVDs & -BDs generell etwas schwer zu bekommen, weil vor Kurzem ein Vertriebswechsel stattgefunden hat.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Und was speziell den 'Postboten' angeht natürlich auch die spätere Verfilmung mit Nicholson.
      Ui, da solltest du mal schnell schauen - im Augenblick sind die Warner-DVDs & -BDs generell etwas schwer zu bekommen, weil vor Kurzem ein Vertriebswechsel stattgefunden hat.
      Danke für den Hinweis. In der Tat sieht es beim Urwaldfluss nicht sonderlich gut aus. Und roundabout 20,-€ für eine DVD mit Versand finde ich ganz schön happig. Da warte wohl doch noch 'n bisschen, bis die Antiquariate in HH wieder öffnen. ^^

      :wink: Wolfram
    • (USA 1942)

      Wie sich die Zeiten ändern. Im Vorspann heißt es noch: Veronica Lake / Robert Preston, dann kommen diverse andere Schauspieler und ganz unten dann: ...and introducing Alan Ladd. Heute fungiert er natürlich als ein Vehikel für Lake und Ladd gemeinsam, markiert er doch den Beginn ihrer kurzen, aber doch recht legendären Zusammenarbeit.

      Laut Wikipedia wird er allgemein dem Film Noir zugerechnet und genau deshalb habe ich ihn auch erstanden. Ach, bitteres Erwachen. ^^ Offensichtlich wird mit Vorliebe jeder US-amerikanische Film der 40iger und 50iger Jahre, bei denen ein Killer drei bis fünf Kandidaten ins Jenseits befördert sofort diesem Genre zugeordnet. Aber sie gehören so oft nicht dahin. Und auch 'This Gun for Hire' ist 'nur' ein klassischer Gangsterfilm, allerdings mit interessanten FN-Aspekten, weshalb ich ihn hier vorstelle.

      Veronica Lake ist nun wirklich eine klassische 'Femme fatale', bekanntlich ja eine der Voraussetzungen für einen klassischen FN. Aber leider ist sie es erst in späteren Filmen geworden. Hier spielt sie ein reizendes mitfühlendes Mädel, die eigentlich von Heim und Herd und einer reichhaltigen Kinderschar träumt. Ein wenig verrucht ist sie dann doch, tritt sie doch in Night-Clubs auf, singt dezent anrüchige Songs und zaubert (!) dazu. Seltsamer Einfall, der aber im Verlauf des Films leider nur am Rande noch einmal aufgegriffen wird. Aber um diese Scharte (des Verruchten) sofort auszugleichen, steht sie kurz vor der Heirat und das mit einem Polizisten (Robert Preston). Nun erwartet der FN-trainierte Zuschauer natürlich wenigstens einen fiesen Cop als Bräutigam in spe oder zumindest einen korrupten Polizeichef im Hintergrund. Aber leider weit gefehlt. Alle Uniformträger sind reizende Menschen und selbst der kurz auftretende Senator als Vertreter der Politik hat nur das Beste für sein Land und seine Landsleute im Blick.

      Gut, bleiben das städtische Milieu oder die fatalistische Weltsicht. Letzteres Fehlanzeige. Der böse, mit den Japanern insgeheim verbündete Industrielle stirbt seinen wohlverdienten Tod, ebenso wie der fiese Killer, Lake und Preston können heiraten und die USA ist erst einmal wieder gerettet. Die Dreharbeiten begannen übrigens schon im Oktober 1941, als Pearl Harbour noch kein Ereignis war. Die sich zum Ende des Films häufenden Verweise auf die nationale Sicherheitslage müssen also dann ganz aktuell ins Drehbuch aufgenommen worden sein.

      Die Stadt. Die gibt es immerhin, man pendelt zwischen San Francisco und Los Angeles, wenn auch größtenteils nur aus Pappmaché. Aber sie spielt schon eine Rolle. Züge, Barracken, Industrieanlagen, Absteigen - da gewinnt der Film an Interesse und an Kolorit. Gerade wenn Lake und Ladd sich auf ihrer Flucht durch die städtische Unterwelt mühen, um dann eine kurzfristige Wiedergeburt feiern zu können, gerade wenn sie sich in einer lausigen Arbeiterbarracke verstecken, gerade da fängt der Film an zu leben und rückt dann doch stärker in eine FN-Nähe.

      Was ihn aber IMO wirklich sehenswert macht und wo er wirklich FN ist, ist die Figur des Killer, gespielt von Alan Ladd. Zunächst eiskalt und unberechenbar, gewinnt die Figur (und Ladd spielt sie wirklich sehr gut und eindringlich) im Verlauf der Geschichte eine interessante Tiefe, so dass man als Zuschauer plötzlich Mitleid mit ihm empfindet. Dreh- und Angelpunkt diesbezüglich ist seine Traumerzählung in der bewussten Barracke, durch die deutlich wird, warum er so wurde, wie er uns nun gegenübertritt. Raven, so heißt der Killer, wird nun plötzlich zu einem gebrochenen Helden. Noch kann sich der Zuschauer nicht völlig auf seine Seite schlagen, dafür sind seine Verfehlungen zu heftig und zu eindeutig, aber er gehört damit zweifellos in die Reihe der psychologisch und moralisch ambivalenten Charaktere, die der FN als Held so gerne präsentierte. Wenigsten steht er am Anfang dieser 'Tradition', als Figur noch unausgereift, wahrlich verbesserungswürdig, aber Einreihen darf er sich schon.

      Von daher kein wirklicher FN, noch nicht einmal ein wirklich überzeugender Gangsterfilm, aber mit interessanten Ansätzen und mit der Geburtsstunde eines klassischen FN-Paares, mit Veronica Lake und Alan Ladd.

      :wink: Wolfram