Joseph Joachim Raff: Die Violinkonzerte

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    • Joseph Joachim Raff: Die Violinkonzerte

      Zur Einführung in diesen Threat empfehle ich ein Violin-Konzertstück, das ich gerne einmal live in einem Konzertsaal hören möchte. Meines Wissens gibt es nur eine Aufnahme,




      aber es lohnt sich, diese Komposition von Raff etwas genauer anzuhören, deshalb hier ein Versuch eines Hör-Begleiters:



      Joseph Joachim Raff (1822 – 1882): La fée d'amour (Die Liebesfee) , Morceau caractéristique de concert pour un Violon principal et Orchestre ou Piano, dédié à son ami Edmond Singer, op. 67 (1854)

      Das Konzertstück, das der Geigenvirtuose Pablo de Sarasate zu seinen Lebzeiten am meisten gespielt und geliebt hatte, sei La fée d’amour von Joseph Joachim Raff gewesen. Er spielte es sowohl mit Klavierbegleitung wie auch mit Orchester. So unbekannt dieses damals erfolgreiche Konzertstück unterdessen geworden ist, so unbekannt ist auch dessen Komponist bei vielen Konzertbesuchern geworden. Gemäss einer zeitgenössischen englischen Musikkritik gehörte er aber damals zu den drei berühmtesten deutschen Komponisten seiner Zeit: Joachim Raff war – für uns erstaunlich - der Dritterwähnte neben Wagner und Brahms! Heute wird seine Musik kaum mehr gespielt, obwohl er ein gewaltiges Werk hinterlassen hat. Neben Brahms vier Sinfonien beeindruckt Raff mit der grossen Zahl von 11 romantischen Sinfonien. Zudem hat er noch zwei weitere Violinkonzerte geschrieben. In Liszt-Biografien taucht Raff, geboren und aufgewachsen in Lachen in der Schweiz, noch als dessen zeitweiliger Sekretär in Weimar auf. Gerade das hier empfohlene Konzertstück La fée d’amour erhielt von Liszt viel Lob. Liszt meinte, Raff könne sich nach einem solchen Werk lange auf seinen Lorbeeren ausruhen. Das Werk wurde denn auch von seinem Widmungsträger Edmond Singer, dem Konzertmeister von Liszts Weimarer Orchesters, immer wieder aufgeführt. Und – wie erwähnt – spielte auch Pablo de Sarasate es sehr gerne. Klar, das Thema ist unsterblich, es geht um die Liebe, die alle Liebenden und Konzertstücke überlebt. Raff schrieb das Stück zu seiner Verlobung mit Doris Genast. Es sei bei dieser Komposition um «das innere Erleben seiner Verlobung" gegangen, meinte später seine Tochter.
      Ich kann dieses bezaubernde, aus innerem Liebeserleben stammende, formal originelle Violinkonzert dieses damals 32jährigen, am Anfang seiner Laufbahn stehenden Musikers nur empfehlen. Gerne würde ich es in einem Konzert einmal live erleben.
      Hier zu hören!
      Hör-Begleiter:

      ERSTER ABSCHNITT (ALLEGRO E DELICATAMENTE)

      Über einem dunklen Basston tauchen hüpfende, lockere Holzbläsermotive auf, wiederholen sich und bereiten den Einsatz der Geige und deren A-moll-Melodie vor, lassen aber mit dem insistierenden Bläsermotiv nicht locker, sodass die Geige ihre werbende Melodie behaupten muss. Ein Orchesterzwischenspiel unterbricht die feenhafte Stimmung und bringt ein rhythmisch kontrastierendes Thema, das die Geige in einer grossen Bogenmelodie beantwortet. Die Geige behauptet ihre melodische Führung und übernimmt den Kontrast-Rhythmus, bis sich die insistierenden feenhaften Bläsermotive des Anfangs langsam wieder einmischen und die Geige zur Reprise ihrer A-moll-Melodie nötigen, die in einen virtuosen Schlusslauf der Geige mündet. Dieser leitet zu einem neuen Unterabschnitt über, der von 16tel-Passagen der Geige geprägt ist, während das Orchester vorerst mit einem seltsam unterlegten Schleifmotiv abwärts präsent ist, dann aber langsam an das Bläsermotiv zurück erinnert. Eine kurze Schlusskadenz der Geige verabschiedet sich aus dieser feinen Liebes- und Feenwelt.

      MITTELTEIL (LARGAMENTE, MA DOLCE CANTANDO)

      Es folgt attacca ein schwärmerischer Mittelteil; aus dem flirtenden Liebeszauber des ersten Satzes wird jetzt ernst. Die Geige stimmt einen weit ausholenden, von einer ruhigen Begleitung des Orchesters untermalten romantischen Liebesgesang an, den das Orchester - sich anschliessend - übernimmt. Ununterbrochen und zunehmend schwärmerischer singt die Geige, solange bis sich in den Bläsern wieder ein seltsam pochendes Motiv (man erinnert sich an den ersten Satz!) meldet, das von der Geige aber mit ihrer Melodie, jetzt in vollen Oktaven gesungen, wieder zurückgedrängt werden kann. Sanft klingt die romantische Stimmung aus.

      SCHLUSSTEIL (VIVACE)

      Plötzlich übernehmen wieder die Motive aus dem ersten Teil die Regie, die feenhafte Stimmung ist sofort wieder präsent. Die Geige bietet vorerst noch Einhalt, aber das Orchester übernimmt, man erinnert sich an Mendelssohns Sommernachtstraum, die Geige setzt wieder, aber etwas verzögerter als im ersten Teil, mit ihrer werbenden A-moll-Melodie ein. Zauberhaft und zunehmend auch etwas gespenstischer wirbeln die bekannten Motive des ersten Teils durcheinander. Schliesslich endet dieser Abschnitt in einen Schlusslauf der Geige. Ein kurzes Innehalten, aber dann wirbeln Geige und Orchester ihre Themen fantasievoll, schwungvoll und teilweise etwas unheimlich erneut durcheinander. Erst eine lange Kadenz der Geige führt aus diesem Zauberwald heraus. Das bedeutet virtuose Arbeit für das Geigenspiel, das sein ganzes Können aufbieten muss und schliesslich melodiös überleitet in einen schwungvollen Schlusszauber, bis die Liebesfee zart im hellen Licht entschwindet.

      Schönes Hören!
      Toni
    • Ich bin zwar ein relativ großer Joachim-Raff-Fan, seine Violinkonzerte erinnere ich aber eher als enttäuschend. "La fee d'amour" kenne ich allerdings nicht. Mal sehen, ob mein Streamer das im Angebot hat.

      Die Violinkonzerte habe ich in dieser Inkarnation:

    • Vielleicht ganz kurz was zum Violin-Konzert Nr.1 :

      Ich habe beide hier vorgestellte CDs, daher kann ich auch aus dem Booklet der Sterming-CD heraus erkennen, dass Tobias Ringborg die Originalfassung eingespielt hat. Erst 1930 konnte die Sibley-Bibliothek der berühmten Eatsman School of Music im Antiquariat eine Kopie von Raffs Orchesterpartitur erwerben. Die andere Fassung ist eine Bearbeitung von August Wilhelmj, einem Violin-Virtuosen der damaligen Zeit. Dieser hatte allerdings beträchtliche Änderungen vorgenommen. Das ist jetzt die Kurzfassung des Booklets der Sterming-CD.

      Die Tudor-CD enthält dann eben die Wilhelmj-Fassung, was auch erwähnt wird auf der Rückseite des Covers. Den Text dazu habe ich jetzt nicht gelesen, aber der Unterschied zu diesen beiden Einspielungen sollte damit grundsätzlich geklärt sein.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich bin unter Youtube beim Stöbern mal auf Raff´s Sinfonietta Op. 188 für 10 Bläser gestoßen - ganz nett aber unspektakulär, habe ich mir gedacht.
      Aber das von Dir erwähnte Violinkonzert "La fee d'amour" lieber Toni Bernet, gefällt mir sogar sehr. Ich denke, die CD werde ich mir auch holen. Danke für den Tipp !

      VG

      Palisander
    • Übrigens habe ich heute die Aufnahme von La fée d'amour mit der fantastischen Geigerin Tianwa Yang gehört. Sie spielt, wie das Sarasate öfters tat, die Version mit Klavierbegleitung. Es ist zwar sehr interessant, die beiden Versionen vergleichen zu können, aber die Orchesterversion ist doch viel farbiger und attraktiver.

    • Toni Bernet schrieb:

      Sie spielt, wie das Sarasate öfters tat, die Version mit Klavierbegleitung. Es ist zwar sehr interessant, die beiden Versionen vergleichen zu können, aber die Orchesterversion ist doch viel farbiger und attraktiver.
      Sorry, aber was hat das jetzt mit Raff zu tun?
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Cherubino schrieb:

      Der ist der Komponist des Stückes.
      Lach........Ich kann Raff nicht lesen, das ist zu klein geschrieben. Sorry. Sarasate ist ja groß genug, aber die klein auf dem Cover stehenden Namen nicht. Danke für die Aufklärung. Ich dachte schon, er hat sich im Thread geirrt. Tut mir leid.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Das Violinstück La fée d'amour stammt vom Komponisten Joachim Raff. Für Sarasate war es ein Lieblingsstück, das er sowohl in der Orchester wie auch in der Klavierbegleitungs-Version öfters aufführte. Für mich ist dieses Werk von Raff eines der unbekannten Violinkonzerte, die leider heute kaum mehr im Konzertsaal aufgeführt werden. Die Zeiten von Sarasate sind vorbei.
      Weitere Informationen findet man auf meiner Homepage: Joseph Joachim Raff (1822–1882): La fée d'amour (Die Liebesfee), a-moll, op. 67 (1854) - unbekannte-violinkonzerte Webseite! (jimdofree.com)