Thomas Bernhard - und immer feste druff

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    • Doc Stänker schrieb:

      Peymann als 68iger hat in Bernhards Texten wohl die vergebliche Aufarbeitung der Nazi*innenzeit bzw. deren Verdrängung gefunden und deshalb Bernhard jede Menge Kränze gewunden.
      Ich glaube, da verkürzt man Peymann und letztlich auch Bernhard, Natürlich war die Aufarbeitung der Nazizeit in den damaligen Jahrzehnten ein noch viel drängenderes Thema, aber ich würde Bernhard überhaupt nicht unterstellen, dass er das durchgehend in differenzierter Weise behandeln würde. Seine Haltung hinsichtlich der Suaden und Tiraden ist eher die des Rumpelstilzchen, dass sich in unbeherrschte Rage redet. Übrigens ein Wesenszug von vielen Menschen, der auch heute noch aktuell ist. ;)

      Doc Stänker schrieb:

      Für mich schrieb sich Bernhard sein Leiden an der Welt ob seiner Krankheit und seiner Biografie, insbesondere seiner langen Nichtbeachtung von der Seele.
      'Der Schriftsteller erfindet nicht, er findet.' - dieses Wort von Thomas Mann trifft auf Bernhard sicherlich in besonderem Maße zu, wobei er v.a. bei sich selber gefunden hat. Wie so viele andere Schriftsteller auch. Wäre es nun aber ein rein biographisches Werk, fände ich es auch ziemlich uninteressant. Aber ich lese ihn anders. Für mich zeichnet er immer wieder auch erschütternde Porträts von Menschen in ihrer Einsamkeit, mit den von ihnen herausgebildeten 'Macken', mit ihrer Verzweiflung am Leben und auch ihren Zwiespältigkeiten. Natürlich sind das alles Selbstporträts, aber eben nicht nur.

      Doc Stänker schrieb:

      Kafka war sehr gesellig, aber sein Nachlassverwalter Max Brod wollte wohl den Leidensmann in Kafka sehen und hat die Rezeption verstellt.
      Wenn Kafka in kleiner Runde aus seinen Werken vorlas, haben sie alle immer wieder schallend gelacht.

      Btw, mit Kracht rennst du bei mir nur offene Türen ein, wobei ich 'Eurotrash' auch noch nicht kenne.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Ich glaube, da verkürzt man Peymann und letztlich auch Bernhard
      Das mag sein, so gut kenne ich mich da nicht aus. Ich weiß eben nur, dass unsere Nachbarn in Österreich sich deutlich schwerer als BRD und DDR damit taten, die Nazizeit aufzuarbeiten, schließlich wurden sie ja eingemeindet, ohne es zu wollen, wie sie es im nachhinein darstellten. Sie waren also unschuldig genauso wie Hitler Deutscher (in Braunschweig bekam er die Deutsche Staatsangehörigkeit verliehen) und Beethoven ein Wiener war, wie auch Brahms.
      In dieser "Geschichtsverdrängung und -Vergessenheit" konnte sich Bernhard prima austoben.
      Auch seltsam, dass die Vertriebenen aus dem Sudentenland und anderen Gebieten, die bis 1918 zum KuK gehörten, sich in der BRD und nicht in Österreich nieder ließen.
      Da muss ein gehöriges Mistrauen im Spiel gewesen sein.
      Sollen das unsere Historiker im Forum erklären.
      Ich wünsche schöne Ostern.
      Gruß aus Kiel

      PS. Eurotrash habe ich beschrieben, aber das Feuilleton ist auch voll davon.
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Völlig d'accord, lieber Doc, mit dem, was du geschrieben hast. Die armen Österreicher, die doch das erste Opfer waren und sich so sehr bemüht hatten, alles vergessen zu machen und dann taucht da einer auf und schreit: Alles Nazis. Klar, dass da alle Kuhglocken Sturm läuteten. Völlig überlesen wurde dabei schon damals, dass neben 'ich hasse Österreich, ich hasse die Wiener' auch immer wieder 'ich liebe die Österreicher, ich liebe die Wiener' steht. Und ich glaube, dass z.B. diese Zerrissenheit, nicht nur in Bezug auf Heimat, etwas weiterhin Gültiges in seinen Texten ist.

      Dir auch schöne Ostern.

      :wink: Wolfram
    • Mir geht es in der Diskussion zu sehr darum, was sich Bernhard angeblich oder tatsächlich von der Seele geschrieben hat und wie er sich an österreichischen Zuständen abgearbeitet hat. Ersteres führt leicht auf dünnes Eis, weil man in Gefahr ist, den Erzähler mit dem Autor zu verwechseln. Und Letzteres scheint mir doch nur ein Nebenaspekt zu sein, der mit zeitlichem Abstand immer weniger Grund zur Aufregung bietet und der mich schon zu Bernhards Lebzeiten nicht sonderlich interessiert hat. Die eigentliche Qualität von Bernhards Werk liegt für mich in seiner Sprache. Welche Strukturen gibt es da, was hat das mit Musik zu tun? Als Laie kann ich mich dazu nicht kompetent äußern, aber ich fände es, gerade hier bei Capriccio, doch viel interessanter, darüber mehr zu erfahren.
      Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
      (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)
    • Guter Punkt. Ein wenig versucht zu erklären, habe ich das ja schon in meinem Eingangstext.

      Wolfram schrieb:

      Und er war ein Meister des Stils. Endlose Wiederholungen prägen oftmals seine Texte, geradezu absurde Wiederholungen, die aber dann immer wieder eine kleine, wenn auch wichtige Variation aufweisen, mit der das Thema dann voranschreitet. Und es gibt diese Wellenbewegungen. Es baut sich auf zum nächsten 'Furiosum', mal ein langsames Crescendo, mal halt schneller. Dann kommt der Ausbruch, um dann erst einmal wieder zusammenzubrechen in Form eines langen oder kurzen Decrescendo. Und so weiter. Ich kenne kaum einen Schriftsteller, der so musikalisch geschrieben hat wie Bernhard.
      Der erste Text, den ich damals atemlos in einem Rutsch gelesen habe, war 'Der Untergeher'. Atemlos-begeistert einerseits und gleichzeitig fragte ich mich immer, was diese endlosen Wiederholungen eigentlich sollten. Und urplötzlich, das mag völlig falsch gewesen sein, aber so habe ich es damals erlebt, erinnerte der Stil mich an Bach. Die scheinbar endlosen Wiederholungen entpuppten sich plötzlich als etwas ganz anderes. Scheinbar eben nur, aber immer mit feinen Modulationen, die dann zu einer anderen Ebene führten. Bach habe ich damals auch so verstanden. Wiederholungen und leichte Veränderungen, die dann einen neuen Sinnzusammenhang ergeben. Sorry, für die amateurhafte Beschreibung, aber das war die Empfindung damals.

      Aber auch heute empfinde ich das Musikalische in seinen Texten weiterhin. Sein Stil hat oftmals etwas Gesangliches, wie eine endlose Melodie (deshalb wohl auch das 'Lesen in einem Rutsch') mit ihren Aufschwüngen, Höhepunkten, ihren Zusammenbrüchen, dem anschließenden Suchen, Sammeln, einen neuen Anlauf nehmen. Natürlich ist Bernhard auch immer große Oper und nicht nur sein geliebter Mozart, aber das wäre eher eine inhaltliche denn eine stilistische Frage.

      Aber man müsste wohl direkt am Text arbeiten, um das genau zu belegen. Das hier ist nur ein erster Eindruck.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Atemlos-begeistert einerseits und gleichzeitig fragte ich mich immer, was diese endlosen Wiederholungen eigentlich sollten. Und urplötzlich, das mag völlig falsch gewesen sein, aber so habe ich es damals erlebt, erinnerte der Stil mich an Bach. Die scheinbar endlosen Wiederholungen entpuppten sich plötzlich als etwas ganz anderes. Scheinbar eben nur, aber immer mit feinen Modulationen, die dann zu einer anderen Ebene führten. Bach habe ich damals auch so verstanden.
      In der Wikipedia wird Bernhards Technik mit Kompositionsmethoden der Barockzeit und der seriellen Musik verglichen. Warum nicht gleich mit Minimal Musik?
      Dieses sich Hineinsteigern lässt mich, abgesehen vom Inhalt, jedenfalls eher an "Bolero" oder den ersten Satz der "Leningrader Sinfonie" denken.

      Abgesehen vom Variationscharakter würde ich ähnliche, zumindest leicht provozierende Redeschwälle etwa in Wolf Haas' Brenner-Romanen wiedererkennen. Dort sind es die wuchernden Abschweifungen des Erzählers, die eine Lesereibung bewirken. Wie es bei der Pausenlos-Erzählerin in Vanderbekes "Muschelessen" mit Wiederholungen ist, weiß ich nicht mehr.
      Enervierend repetitive Elemente in der Literatur vor Bernhard würde ich etwa bei Reuters "Schelmuffsky" sehen.
      Im Unterschied zu den Texten des Kriegskinds sind aber in allen Fällen naive bis unterbelichtete Charaktere als Erzählstimmen zu hören.
      Man könnte weiter bis Cervantes zurückgehen. Wiederholungsgesättigte Passagen finden sich ja auch in den hebräischen Schriften und einige wirken auf mich schon fast provokativ. Etwa in Genesis 18:22-33 bekomme ich ein wenig Angst, dass dem JHWH(-Vertreter) auf Abrahams beharrliches Nachfragen hin irgendwann der Kragen platzt. :)

      Viele Grüße

      "Unter den bekannten Malern in Deutschland bin ich der ärmste, der schlecht bezahlteste."
      Markus Lüpertz (www.focus.de, 17.4.2015)
    • Heute erschien bei Facebook ein Foto mit mir und einem anderen Forenmitglied, ohne meine Billigung übrigens, aber ich konnte es nicht verhindern.
      Ich saß in der Sonne, was normalerweise nicht meiner Passion entspricht und laß in einen Buch.
      Genauer, es waren 2 Bücher von Henscheid, eines über Literatur, eines gefüllt mit Henscheids Suaden. Dort fand ich was über Bernhard.

      Und zwar folgendes, nämlich das Henscheid Bernhard für einen Großkomiker hält.
      In der Tat: So ließe sich der gute Thomas aushalten.
      Rummeckern, Übertreibungen als Treibmittel um Komik zu erzeugen.
      Leider wurde er in der BRD für einen ernsthaften Dichter gehalten und der schreckliche, fürchterliche, gar nicht auszuhaltende Nuschelkopp Bernard (das H fehlt!) Minetti war sein Staatsschauspieler und in seiner Art genauso unerträglich wie komisch. Nur, das der das in seiner Bräsigkeit und Bedeutungshuberei nicht merkte und einfach weiter quasselte.
      In Kiel hamm se nen Platz nach ihm benannt, die Deppen.

      Durch den Blick Henscheids gibt es alles plötzlich Sinn.
      Gruß aus Kiel

      PS. Dieser Bewertung hätte TB sicherlich zugestimmt.
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Nachdem der Schnee endlich getaut war, konnten wir noch einen kurzen Ausritt machen, aber ansonsten bot das Mistwetter, das uns gerade im Norden befällt, Gelegenheit, sich zwei Werke von Thomas Bernhard einzuverleiben. Zunächst:



      'Der Kulterer' - eine frühe Erzählung von 1962.

      'Früh' ist in diesem Zusammenhang wichtig, weil der 'Kulterer' erst in Ansätzen die typischen Kennzeichen des späteren Bernhard aufweist. Es ist die Geschichte eines Mannes, der kurz vor der Haftentlassung steht. In erzählenden und reflektierenden Passagen erfährt man von ihm v.a., was das Schreiben von kurzen Geschichten für ihn bedeutet und dann, was das Gefängnis, bzw. seine spezielle Situation dort für ihn bedeutet. Wirkliche Freiheit, weil er sich ganz seiner Selbst und seiner Verwirklichung hingeben kann, so dass das Hineinwerfen in's Leben, die Freilassung für ihn die eigentliche Tragödie ist. Das alles wird geradezu skizzenhaft beschrieben, dabei aber in klarer und auch einfühlsamer Prosa. Größeren Raum nimmt die Reflektion ein, aber gleichzeitig gelingt es Bernhard immer wieder den Gefängnisalltag, die geradezu beiläufige Gewalt dort genauestens einzufangen. Was man allerdings nicht finden wird, sind die permanenten Wiederholungen oder die Hasstiraden, also den typischen Bernhard.

      Aber natürlich kann man die Erzählung auch anders lesen. Bernhard zeichnet hier nicht nur das Porträt eines Gefangenen in einer für ihn entscheidenden Situation, sondern v.a. das eines Künstlers an einer Wegscheide. Abkehr von der Welt, sich vergraben, in der fast alleinigen Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Schaffen vollkommene Freiheit zu erfahren, zu erleben und alle Quälereien in Kauf zu nehmen oder sich in die Welt zu begeben mit all den kleinen Vor- und den vielen großen Nachteilen. Das ist vielleicht eine sehr romantische Sicht auf den Künstler, entsprach aber wohl schon damals der Weltsicht Bernhards.

      Insgesamt ein berührender Text, weil er es schafft, die Figur des 'Kulterers', von dem man eigentlich kaum etwas erfährt, dem Leser in seiner Qual wirklich nahezubringen, ohne dass das sentimental werden würde und gleichzeitig eine interessante Abhandlung über das Künstlertum im Allgemeinem und über den Künstler Thomas Bernhard im Besonderen.

      :wink: Wolfram
    • Danach kam bei mir dann noch folgendes Schauspiel dran:



      'Elisabeth II.' ist das vorletzte Schauspiel von Thomas Bernhard (dann kam nur noch 'Heldenplatz'), wurde aber erst nach dem Tod des Autors in Berlin uraufgeführt.

      Der Großindustrielle Herrenstein erwartet als Gast in seinem Haus die englische Königin, die zum Staatsbesuch in Wien weilt. Obwohl er das nur seinem Neffen mitgeteilt hat, sickert die Nachricht -naturgemäß- durch und die Wiener Haute Volée gibt sich ein Stelldichein bei ihm. Als die Queen herannaht, gehen alle Gäste auf den Balkon, um ihre Ankunft zu sehen. Dieser bricht unter ihnen zusammen und reißt alle mit in die Tiefe. Nur Herrenstein und sein Diener überleben.

      Das Stück weist viele Ähnlichkeiten mit 'Heldenplatz' auf, inhaltlich, aber auch was die formale Struktur aufweist. Eigentlich ist es ein einziger Monolog Herrensteins, nur kurz unterbrochen von Einwürfen der Bediensteten oder der Gäste. Und natürlich kommt in diesem Endlosmonolog der gesamte, typische Bernhard zum Tragen. Es wird lamentiert, gemeckert, geschimpft, wiederholt....

      Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass 'Elisabeth II.' eines guten Regisseurs und v.a. überzeugender Schauspieler bedarf, damit es überhaupt wirkt. Und es beschlich mich auch der Gedanke, dass Bernhard möglicherweise auch an einen Endpunkt seiner Kunst angelangt war. Egal welches Stück man zuerst liest oder sieht, 'Heldenplatz' oder 'Elisabeth II.', sie sind sich einfach zu ähnlich. Die Tiraden auf Österreich - sie nutzen sich ab, die ewigen und endlosen Monologe - sie nutzen sich ab, ein Stück mit permanenten Wiederholungen zu füllen - es nutzt sich ab. Was in den Schauspielen und Romanen, die er davor geschrieben hatte, noch grandios funktionierte, hier wurde es wohl langsam zur Masche. Natürlich gibt es auch in 'Elisabeth II.' die grandiosen Momente, wenn z.B. die Figur 'Herrenstein' sich langsam immer mehr im Reden offenbart, sich entblättert und auch die Schlusssequenz, wenn der Balkon runterrauscht ist als Idee sensationell. Aber das reicht nicht aus für ein ganzes Stück. Es ist natürlich auch immer, was man nicht vergessen darf, der Versuch der Kombination von absurdem Theater und eigener 'realistischer' Lebenssicht oder, anders ausgedrückt, der Versuch, das absurde Theater wieder stärker in das Leben einzubinden. Was das angeht bin ich mir noch nicht sicher, ob das nicht ein lohnender Versuch ist oder man damit nicht das absurde Theater 'kleinmacht', seine Aussagen 'verspießert'. Aber die Frage muss wohl wirklich auf dem Theater entschieden werden.

      Ich kenne Ausschnitte aus der Inszenierung mit Gert Voss als 'Herrenstein' und da gewinnt es schon ungemein. Es ist vielleicht wirklich ein Text, der erst durch das Spiel an Leben und Sinn (oder Unsinn) gewinnt, denn 'Elisabeth II. - Keine Komödie', wie der eigentliche Titel lautet, ist natürlich vollkommener Quatsch. Die Frage ist nur, wie weit die Komödie geht.

      :wink: Wolfram
    • Doc Stänker schrieb:

      Sehr schön das Dramolette "Claus Peymann kauft sich KEINE Hose und geht mir mir essen" von Stuckrad Barre mit Harald Schmidt als Peymann als Persiflage auf das fast gleichnamige Bernhard Stück .
      Heute habe ich mir den Ausschnitt aus der Harald Schmidt Show noch einmal angesehen,

      youtube.com/watch?v=zLk-zRcmdy8 (ab 4 Minuten)

      weil ich die drei Dramolette gerade erneut gelesen habe.



      Natürlich ist das kurze Stück von Stuckrad-Barre gekonnt, aber mir entschließt sich nicht, warum man nun gerade eine Parodie auf eine Parodie machen muss. Die drei Dramolette von Bernhard sind eine köstliche Selbstverscheißerung, wenn ich das mal so sagen darf. Bernhard bringt alle seine literarischen 'Macken' in die Texte ein, er macht sich über sich selber lustig, wie auch über Peymann, wie auch über seine ganze Haltung zum Theater. Auf solch einen Text als Parodie noch einen draufzusetzen, ist irgendwie eine Doppelung. Stuckrad-Barre hätte sich lieber einen ernsten Text von Bernhard vornehmen sollen. Da gibt es, weiß Gott, genug Möglichkeiten zur Parodie.

      Toll ist allerdings, dass es sogar im Privat-TV vor 20 Jahren noch die Möglichkeit in einer reinen Unterhaltungssendung gab, diesen Autor so zu behandeln. Harald Schmidt wagte ja sogar noch eine Art Samuel Beckett Inszenierung in einer anderen Folge. An der Reaktion des Publikums merkt man allerdings schon, dass die jeweiligen Feinheiten damals schon an ihm vorbeiging. Aber er wagte es halt noch.

      :wink: Wolfram
    • Ja, damals konnte man sowas noch machen.
      Und heute?......
      Manchmal gibt es noch Perlen.
      Aber das bei Frau Will irgendwann Herr Söder den Eröffnungsmonolog von Richard III spricht, neee, oder?
      Gruß aus Kiel
      Manchmal tue ich so, als wäre ich normal. Doch dann wird mir langweilig und ich bin wieder ich selbst.
    • Doc Stänker schrieb:

      Aber das bei Frau Will irgendwann Herr Söder den Eröffnungsmonolog von Richard III spricht, neee, oder?
      Das wäre aber bestimmt unterhaltsamer als von Laschet gesprochen. :versteck1: :D

      Hier übrigens der Beckett aus der Harald Schmidt Show.

      youtube.com/watch?v=U_uXbuVb8-U

      Die von Schmidt erwähnten Beckett-Inszenierungen aus den 80igern im deutschen Fernsehen muss man sich übrigens mal anschauen, um zu ermessen, wie rapide es mit dem TV runtergegangen ist.

      youtube.com/watch?v=4ZDRfnICq9M

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Doc Stänker schrieb:

      Aber das bei Frau Will irgendwann Herr Söder den Eröffnungsmonolog von Richard III spricht, neee, oder?
      Das wäre aber bestimmt unterhaltsamer als von Laschet gesprochen. :versteck1: :D
      Ich dachte, Herr Laschet hätte sich schon Fontane reserviert ("Die Brück’ am Tay"). :|

      Aber bleiben wir besser bei Herrn Bernhard... ;)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • 'Sam' Beckett streifend sollten wir den thread allerdings in immer schön crazy umbenennen -
      denn er selbst hat seine TV-Arbeiten crazy inventions genannt!

      seine Arbeiten fürs den SDR in Stuttgart (''He, Joe'' >engl.< - Ursendung am 13.04.66 / ''Geister-Trio'' u. ''nur noch Gewölk'' - 01.11.77 / ''He, Joe'' >dt.< - 13.09.79 / ''Quadrat I. und II.'' - 08.10.81** / ''Nacht und Träume'' - 19.05.83 / ''Was Wo'' - 13.04.86) sind auch als DVD erhältlich, you know it? >>**worauf oben ja verlinkt ist!<<



      (mit der Darstellung von Deryk Mendel in der Erstversion von He, Joe sei Beckett übr. - lt. Begleittext im booklet - 'äußerst zufrieden' gewesen, mit der von Heinz Bennent 1979 dann sehr viel weniger: letztere sei ihm zu 'psychologisierend' gewesen!)

      BUT YEAH zurück zu Bernhard...Reich-Ranicki hatte ihm ja mal im TV (im Gespr. mit Peter Voß) Besessenheit diagnostiziert - wird wohl so sein; also mag aufgrund dessen Bernhards Schreibe in der Tat ab und an zu so etwas wie Großkomik gerinnen... TB für den 'Großkomiker' zu halten scheint mir freilich überzogen, dazu formuliert er mitunter gar zu punktgenau: wie soll man (SRY wenn ich mich jetzt mit 2, 3 Zeilen wiederhole!) einige Tausend Anti-Corona-Demonstranten (mehrheitlich) ohne jede Achtung von Sicherheitsbestimmungen anders nennen denn stumpfsinniges Menschengerümpel... Und Hohe-C-Stimmchen, die geradezu in einen hineinstechen kenne ich auch zur Genüge: in diversen kleinstädtischen Kneipen kann man FR/SA- Abd. nahezu die Uhr danach stellen - ab 21.30h die ersten 'Stimmübungen' :S :S

      U N D Das Stück Die Macht der Gewohnheit ist für mich nixxx anderes als eine mikro-soziologische Studie - und dessen gruseliges Personal quasi das Epizentrum eines faschistischen Kleinstaates: neben dem Gröfaz hätten wir die von diesem auf das schäbigste unter der Fuchtel gehaltene Enkelin (quasi eine später Marie Le Pen u.ä.), dazu den - wer weiß mit welchen Privilegien ruhig gestellte - Spaßmacher (Heinz Rühmann etc.), ferner den Dompteur als vulgären Kraftmeier, der die anfallenden Drecksarbeiten erledigt sowie den Jongleur, der mit manch perfider Raffinesse manches Fußvolk bei der Stange zu halten vermag. (Bei letzteren fällt mir spontan Gustav Ucicky mit seinem Machwerk 'Heimkehr' ein: dieser berühmt-berüchtigte Monolog der Paula Wessely ist halt einfach auch phänomenal gespielt - ich jedenfalls muss da heftigst in mir 'gegenarbeiten', um nicht doch wirklich berührt davon zu sein!!)

      < = heraus kommt die denkbar rabenschwärzeste aller Komödien - und als ''Großkomik'' m. E. nicht (mehr) definierbar!

      8)
      Fleiß ist gefährlich Henning Venske ''Inventur'' Majo ist ätzend Gus Van Sant ''Paranoid Park''
    • wes.walldorff schrieb:

      < = heraus kommt die denkbar rabenschwärzeste aller Komödien - und als ''Großkomik'' m. E. nicht (mehr) definierbar!
      'Die Macht der Gewohnheit' ist als DVD bestellt und ich warte sehnsüchtigst, dass sie endlich eintrudelt.

      Nein, als 'Großkomiker' würde ich ihn wahrlich auch nicht bezeichnen, aber er hatte die Fähigkeit, in der Kömödie das Tragische und in der Tragödie das Komische zu entdecken und herauszuarbeiten, was mehr ist, als nur komische Sequenzen in ein Drama einzubauen.

      :wink: Wolfram

      PS: Mit der Beckett-Suhrkamp-DVD liebäugle ich schon länger. Sehr verdienstvoll, was der Suhrkamp-Verlag in dieser Reihe alles herausbringt. Vom öffentlich-rechtlichen Produzenten wird man das wohl nicht erwarten können.
    • was ich vorgestern Mittag noch anzufügen vergessen hatte: die weiter oben vertretene These, dass TBs Schreibe Jahrzehnte später kaum noch recht zünde, mag etliches für sich haben - von einem sehr ''großstädtischen'' Standpunkt aus betrachtet!! G a n z woanders :S :S

      Hat eigentl. noch nie jemand ein Buch (oder wenigstens Diplomarbeit o. ä.) verfasst wie ('Arbeitstitel') Kultur- und Geistesgeschichte des ländlichen Raums? Ich hoffe ja doch!! Hier kommt so manches Jahrzehnte später (oder auch mal überhaupt nicht!) an - - - - - -

      <= mal angenommen, einige von uns würden sich auf ein Wochenende für einen Kreativ - Schreib - Workshop treffen... Ich geh' mal davon aus, dass - nachdem wir uns ein bisserl warmgeredet haben - mich jemand von Euch dann doch mal fragen würde, ob ich nichts originelleres beizutragen hätte als so ein Eigenes von allen für alle - Jeder herzlich eingeladen!!! - Seite 15 - Literatur: Schreiben - Capriccio Kulturforum (capriccio-kulturforum.de) dreifach aufgewärmtes Bernhard-Imitat! Fernab der Großstädte (resp. so aufgeklärter Typen wie uns Caprizzisten!) kannst Du mit solchen Textversuchen nach wie vor noch ganz anderes auslösen < < = = da bin ich nun wirklich sehr überzeugt von - schon ein so (vergleichsweise doch reichlich harmloser) Zweizeiler wie Im unteren Franken in einer festlichen Nacht / Haben drei schwule Gesellen sich umgebracht (der Schluss einer 'Belsazar (H.Heine) - Paraphrase', die ich mir mal habe einfallen lassen) hat mal in der Vhs-Zentrale der nächstliegenden 50Tsd.-Einwohner Stadt für nicht wenig Verstörung gesorgt!
      Fleiß ist gefährlich Henning Venske ''Inventur'' Majo ist ätzend Gus Van Sant ''Paranoid Park''
    • Das immer noch gruselige Aprilwetter hat mich am Nachmittag verführt, nach langer Zeit noch einmal die Fernsehaufzeichnung der Salzburger Uraufführung von Der Ignorant und der Wahnsinnige anzuschauen. Das ist schon schwere Kost. Wenn da nicht der junge und brillante Bruno Ganz dabei gewesen wäre, hätte ich es wahrscheinlich nicht durchgestanden. Und zum Glück hat danach trotz all der verbalen Leichenschnipfelei auch noch das Abendessen geschmeckt (aber erst nach einem kräftigen Single Malt :clap: ). Ich denke auch, dass es nicht unbedingt das stärkste Stück von Bernhard ist.
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      Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)
    • leverkuehn schrieb:

      Ich denke auch, dass es nicht unbedingt das stärkste Stück von Bernhard ist.
      So weit ich das beurteilen kann, würde ich das unterstreichen. :D Ich bin mit dem Stück überhaupt nicht klargekommen, bzw. habe Sinn und Zweck nicht verstanden. Bruno Ganz zu sehen ist natürlich ein Plus, aber auch den von mir sehr verehrte Ulrich Wildgruber, der so ein schauspielerisches 'Spezialwesen' war. :)

      Genervt hat mich übrigens auch die Kameraführung, die, so habe ich es verstanden, auch von Claus Peymann stammt. Die Schwarzkopf beklagte einmal die Großaufnahmen bei Opernübertragungen. Man könne geradezu das Zäpfchen im Halse sehen, wenn gesungen wird und sie würde eine gewisse Distanz bevorzugen. Kann ich jetzt verstehen. ^^

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      aber auch den von mir sehr verehrte Ulrich Wildgruber, der so ein schauspielerisches 'Spezialwesen' war. :)
      Ja, natürlich ist Wldgruber da auch toll, obwohl er wenig sagt. Was mich wundert, ist, wie er das schafft so unwahrscheinlich zu schwitzen, wo er doch die ganze Zeit nur in seinem Sessel sitzt. Aber vielleicht hatte man ihm unter dem Hut ein Wasser-Reservoir montiert, was immer wieder für Nachschub sorgte.

      Wolfram schrieb:

      Genervt hat mich übrigens auch die Kameraführung, die, so habe ich es verstanden, auch von Claus Peymann stammt. Die Schwarzkopf beklagte einmal die Großaufnahmen bei Opernübertragungen. Man könne geradezu das Zäpfchen im Halse sehen, wenn gesungen wird und sie würde eine gewisse Distanz bevorzugen. Kann ich jetzt verstehen
      An anderem Ort habe ich das auch schon für Konzertübertragungen bemängelt, vor allem, wenn Holzbläser mit hochrotem Gesicht und aufgeblasenen Backen zu sehen sind und man um deren Gesundheit fürchten muss.
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      Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)