Münchner Stadtarchiv diskutiert Straßen-Umbenennungen

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    • Münchner Stadtarchiv diskutiert Straßen-Umbenennungen

      Das Stadtarchiv München bekam bereits 2016 vom Stadtrat den Auftrag, die Münchner Straßen auf belastete Namensgeber zu überprüfen und Maßnahmen vorzuschlagen. Vor ein paar Tagen wurde die aktualisierte Ergebnisliste veröffentlicht: Bei 327 Straßen sehen die Experten einen "Kontextualisierungsbedarf", bei 45 Straßen "könnte sich aus Sicht des Stadtarchivs akuter Handlungsbedarf ergeben, infolgedessen besteht hier erhöhter Diskussionsbedarf", sprich: Es wird über eine Umbenennung nachgedacht. Zu diesen 45 Straßen gehören der Elly-Ney-Weg, die Mottl-Str., die Pfitzner-Str., die Richard-Wagner-Str., die Richard-Strauss-Str. und der Werner-Egk-Bogen. Die vollständige Liste gibt es hier.
      (Hoffentlich kriegt diese Liste kein Verantwortlicher aus meinem Wohnort in die Finger, sonst muss ich demnächst auch meine Adresse ändern:)
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Nu ja, da kann man sicher streiten. Aber einiges sollte unstrittig sein, oder? Nach Julius Langbehn, Theodor Leutwein oder Alfred Lüderitz müssen/sollten heutzutage wirklich keine Straßen mehr unkommentiert benannt sein. Finde ich. Dass es heute noch Langbehn-Strassen gibt z.B., finde ich nachgerade grotesk. Aber wer bin ich schon? Ein blöder Historiker nur …

      Adieu
      Algabal

      ps: und E. Ney? Och je… ist die soooooo wichtig? Irgendwie schon: Immerhin fand sie, dass Hitler ein echt gutes Kunstempfinden hatte …
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Algabal schrieb:

      Nu ja, da kann man sicher streiten. Aber einiges sollte unstrittig sein, oder? Nach Julius Langbehn, Theodor Leutwein oder Alfred Lüderitz müssen/sollten heutzutage wirklich keine Straßen mehr unkommentiert benannt sein.
      Um "Kommentare" geht es bei den 327 Straßen mit "Kontextualisierungsbedarf". Bei dieser Liste mit 45 Straßen ist das Expertengremium hingegen der Meinung, dass Kommentare (z.B. in Form von Infotafeln) nicht reichen sondern "möglicherweise akuter Handlungsbedarf" bestehe, womit nur die Umbenennung gemeint sein kann. Über die kann man natürlich diskutieren. Wenn man z.B. den "Elly-Ney-Weg" in "Karlrobert-Kreiten-Weg" umbenennt, ersetzt man nicht nur das Gedenken an die Nationalsozialistin und lebenslange Antisemitin durch das an ein politisches Mordopfer, sondern man löscht gleichzeitig die Erinnerung daran, dass Neys Gesinnung auch nach dem Krieg jahrzehntelang fast niemanden gestört hat (den "Elly-Ney-Weg" gibt es erst seit 1994!). Mir gefällt das nicht, aber wer bin ich schon? Nicht einmal Historiker :) .
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    • Wenn die Rechten an der Macht sind, wird alles ausgemerzt, was an Linke erinnern könnte. Wenn die Linken an der Macht sind, wird alles ausgemerzt, was an Rechte erinnern könnte. Wobei die Linken das Ganze auch noch als "demokratisch legitimiert" bezeichnen.

      Das Volk wird allerdings in keinem der beiden Fälle befragt. Wäre viel zu riskant.
    • Tja man lernt nie aus.
      Bisher habe ich Langbehn immer nur mit Suppenpaste assoziiert.
      Dass ein rassistischer Spinner im Nietzsche Umfeld auch so hieß, durfte ich erst diesen Beiträgen entnehmen, vielen Dank. :rolleyes:
      Gruß aus Kiel
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Ich stimme Algabal zu, dass es in der Liste Namen gibt, nach denen heute keine Straßen mehr benannt sein sollten. Allerdings finde ich das bloße Auslöschen von Namen vor allem dann problematisch, wenn damit auch die Erinnerung daran beseitigt wird, dass man die zugehörigen Personen lange Zeit durchaus und trotz ihrer Gesinnung für gedenkwürdig hielt. So gesehen scheint mir, dass so manche Maßnahme auch der Entfernung dunkler Flecken in der eigenen Vergangenheit dient. Wenn man dann z.B. noch den Namen einer Nazi-Pianistin gegen den eines Widerständlers austauscht, macht man sich moralisch quasi selbst zum Widerständler. Das ist mir zu billig. Was also tun mit einem "Elly-Ney-Weg"? Eine Möglichkeit wäre vielleicht, auch Umbenennungen zu "kontextualisieren", indem man z.B. sichtbar darüber informiert, wie der frühere Name war (statt ihn einfach schamhaft zu entfernen), und warum man sich zu einer Umbenennung entschlossen hat. Grundsätzlich finde ich bei der Liste irritierend, dass nicht unterschieden wird, ob jemand sich in der Tätigkeit, wegen der man sich an ihn erinnert, zweifelhaft verhalten hat oder an anderer Stelle. Richard Strauss ist nicht berühmt und wird nicht gerühmt, weil er zwei Jahre Präsident der Reichsmusikkammer war, aber Friedrich Hilble bekam die Ehre einer Straßenbenennung (1956) eben wegen seiner Verwaltungstätigkeit. bei der er sich u.a. dadurch hervortat, dass er Fürsorgeempfänger in das KZ Dachau bringen ließ. Die Hilble-Str. ist konsequenterweise eine Querstraße zur Dachauer Str...
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    • Ich stimme Dir grundsätzlich sehr zu, Christian. In allen Punkten. Klar löst das einfache Löschen resp. Austauschen von Namen auf Straßenschildern das der ganzen Sache zu Grunde liegende Problem überhaupt nicht. Daher wäre IMO der bessere Weg die kontextualisierende Kommentierung, die auch die Bennenung selbst historisiert. Das trifft etwa auf die von mir herausgegriffenen Beispiele Lüderitz und Leutwein zu. Da könnte man das gut machen. Bei Langbehn ist das was anderes. Finde es schon sehr schwierig, einen der wichtigsten Protagonisten den Niederdeutschen Bewegung und damit einer bestimmten Strömung des völkischen Antisemitismus damit geehrt zu wissen, dass eine Straße nach ihm benannt ist (denn nix anderes ist es ja: die öffentliche Ehrung der Person, nach der eine Straße, ein Ort, ein Platz benannt wird/ist). Andererseits: wer denkt bei “Langbehn-Straße” an Julius Langbehn, den Autor von “Rembrandt als Erzieher” und Gründer des völkischen Rembrandt-Bundes? Heute - wie der Beitrag vom Doc zeigt - wohl nur noch wenige Leute; oder eben irre Historiker (deswegen mein “Wer bin ich schon?” weiter oben).

      Ich war vor einigen Jahren in einer Kommission in Gelsenkirchen, bei der es um Straßennamen mit kolonialem Hintergrund ging - um genau drei: “Windhukstraße”, “Tangerstraße” und “Waterbergstraße”. Einfach so lassen? Umbenennen? Kommentieren? Vermutlich denkt kaum jemand in GE beim Lesen dieser Straßennamen unmittelbar oder gar zwingend an den deutschen Kolonialismus und deutsche Kolonialverbrechen. Jemand aus dem Institut für Stadtgeschichte GE meinte, der normale Gelsenkirchener denkt, wenn er “Tanger” hört, an ein knappes Hösschen… Kann schon sein (auch wenn ich den Menschen aus GE doch etwas mehr zutraue). Bei “Waterbergstraße” assoziieren die meisten vermutlich gar nichts, aber der Name (die Straße gibts seit den späten 1930ern dort) erinnert eben an die Schlacht am Waterberg in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, die 1904 den Übergang des Kolonialkriegs zu einer Strategie der Vernichtung bezeichnet, der ca. 80% der Ovaherero zum Opfer gefallen sind und die heute in der Forschung gemeinhin als Genozid begriffen wird.

      Die Kommission hat sich für die Errichtung einer Informations- und Gedenktafel entschieden. Finde ich hier auch richtig. Aber es gibt auch Fälle, in denen es mit der Kontextualisierung schwierig ist. Hätte die “Waterbergstraße” etwa “von-Trotha-Straße” geheißen (was auf denselben Kontext verwiesen hätte), wäre ich für eine Umbenennung gewesen. Glaube ich jedenfalls.

      Schwierige Sache.

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Lieber Algabal,

      in dein von Dir genannten Fällen bin ich nicht für Umbenennung, sondern für einen aufklärenden Kommentar direkt unter dem Namensschild. Die Ortsnamen an sich können ja nichts für die begangenen Verbrechen. Und eine Aufklärung wäre m. E. besser als die Umbenennung und das Vergessen (sehe ich ähnlich wie Christian).


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • maticus schrieb:

      Lieber Algabal,

      in dein von Dir genannten Fällen bin ich nicht für Umbenennung, sondern für einen aufklärenden Kommentar direkt unter dem Namensschild. Die Ortsnamen an sich können ja nichts für die begangenen Verbrechen. Und eine Aufklärung wäre m. E. besser als die Umbenennung und das Vergessen (sehe ich ähnlich wie Christian).


      maticus
      Ich auch. Deshalb habe ich mich in der Kommission auch für Kommentierung und gegen Umbenennung ausgesprochen, und so ist es auch gemacht worden (nicht wegen meines Votums, sondern weil die Kommission das konsensuell so empfohlen hat).

      Adieu
      Algabal
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    • Eine besonders hübsche "Kontextualisierung" gibt es hier in Detmold in der mitten in der Stadt gelegenen "Adolfstr.": Dort erklärt ein Zusatzschild, dass diese Straße nach dem Buchbinder Adolf Schuhmacher benannt ist, der 1851 in diese Straße zog. Als ob irgendjemand etwas anderes vermutet hätte :D .In meiner Geburtsstadt Bochum stand im Stadtpark ein martialisches Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1935. welches zwei Soldaten in Uniformen des Kaiserlichen Heeres und der Wehrmacht zeigte, die gemeinsam eine Standarte hielten. 1983 sägten Unbekannte sie oberhalb der Stiefel ab. Die Stadt entschied sich damals gegen eine Wiederherstellung und brachte statt dessen eine Informationstafel an, während die Soldaten ins Stadtarchiv verbannt wurden. Die Seite "Bochumschau" hat dazu einen kleinen Film veröffentlicht. Der Richtung Frankreich brüllende Löwe an der Königsallee steht bis heute.
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    • Mit der Erwähnung einer Person als Namensträger:in einer Straße wird diese in unserem Kulturkreis positiv hervorgehoben. Daher ist es aus meiner Sicht problematisch, wenn Menschen hierdurch positiv hervorgehoben werden, die aus heutiger Perspektive nicht (mehr) als Vorbilder taugen. Ich persönlich würde dazu tendieren, dabei eher „großzügig“ vorzugehen: Einen Abschied von Richard Wagner und Richard Strauss als Namensgeber fände ich unangemessen; von Agnes Miegel, Hermann Löns oder auch Paul von Hindenburg würde ich mich wohl sehr gerne verabschieden. Kriterium dürfte meines Erachtens nicht „problematische (d.h. Rassistische, sexistische o.ä.) Gesinnung“ sein, sondern eine konkrete, mit dem persönlichen Werk verbundene Verstrickung in ethisch nicht vertretbare Kontexte (d.h. Insbesondere die nationalsozialistische Gewaltherrschaft oder der Deutsche Kolonialismus/Expansivimperialismus).
      Eine Namensträgerschaft für eine Straße ist nun mal eine Ehrbezeugung, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und diese Ehre sollte nur denen zuteil werden, hinter deren Werk sich eine freiheitlich-Demokratische Gesellschaft auch in einem „überparteilichen“ Sinne versammeln kann. Es hilft auch m.E. nichts, wenn man da eine Tafel nebenhängt (XY wird auch kritisch gesehen und hat auch Unheil angerichtet). Ehrbezeugung bleibt Ehrbezeugung.
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • @ diskursprodukt: Wohl völlig richtig, was Du schreibst.

      Nur NB ein paar konkrete, aber vielleicht eher wirre Gedankengänge:

      Ich kenne einen promovierten Naturwissenschaftler, der die literarische Produktion von Löns ganz besonders schätzt. Der ist keineswegs rechtsradikal, ein Literaturkenner ist er wohl nicht. Und verstehen tue ich ihn auch nicht.

      Aber er ist gewiss ein großer Naturliebhaber und -forscher.

      Goethe war für mich menschlich eine Katastrophe - ob man das immer alles so scharf trennen kann von seiner außerliterarischen Wirkung? Von mir aus von seiner rein literarischen Wirkung ...

      Verdammt schwierig das Ganze.

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • diskursprodukt schrieb:

      Ehrbezeugung bleibt Ehrbezeugung.

      Jein. Zum Zeitpunkt der Benennung einer Straße ist das sicherlich so, doch mit wachsendem zeitlichem Abstand dazu geht der Straßenname immer mehr in den allgemeinen Sprachgebrauch über, ohne dass man damit noch wesentlich die Ehrung der Person verbinden würde. Ich bin in Hamburg zig-mal die Sievekingsallee langgefahren, ohne mir über die Person Sieveking allzu viele Gedanken zu machen - ich fand die Frage weitaus entscheidender, ob dort Stau war oder nicht...

      Umgekehrt kann man den Umstand, dass die Benennung in ihrem zeitlichen Umfeld eine deutliche Ehrbezeugung bedeutet hat, nicht durch eine weitaus später erfolgende Umbenennung tilgen. Man löscht damit lediglich den expliziten Hinweis darauf, dass man mal jemandem eine Ehre erwiesen hat, die dieser Person in unserem heutigen Wertesystem nicht mehr zukommen würde.

      Daher halte ich (von Extrembeispielen abgesehen) die Strategie der Beibehaltung mit Kontextualisierung für besser als die Tilgung. Durch die Kontextualisierung wird man an den (unangenehmen) Umstand erinnert, dass diese Person einst unreflektierte Verehrung gefunden hat, mit der Umbenennung entledigt man sich (wenn vielleicht auch ungewollt) dieses Umstands. Ich finde das Erinnern besser.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Ecclitico schrieb:

      Wenn die Rechten an der Macht sind, wird alles ausgemerzt, was an Linke erinnern könnte. Wenn die Linken an der Macht sind, wird alles ausgemerzt, was an Rechte erinnern könnte. Wobei die Linken das Ganze auch noch als "demokratisch legitimiert" bezeichnen.

      Das Volk wird allerdings in keinem der beiden Fälle befragt. Wäre viel zu riskant.
      Bei den Römern hieß das übrigens "Damnatio memoriae", bzw., wie ich gerade lese, nannten sie es "abolitio nominis".

      Im übrigen sollte man historische Personen nach ihrer Hauptbeschäftigung beurteilen. Hermann Löns wurde z.B. nicht als Antisemit oder Frauenfeind bekannt, sondern als "Heidedichter". Und ich behaupte: Sich damals für Heimat und Natur einzusetzen, war wesentlich unbequemer, als es das heute ist.

      Zumal die heutigen "Naturschützer" die Natur auch nur deswegen "schützen", um sie nach ihren Bedürfnissen ausbeuten zu können, nämlich in Form von touristischer Vewertung.
    • Wenn man Straßen, Plätze oder was weiß ich nach Personen benennt oder solchen Denkmäler setzt, dann wird man nur in den seltensten Fällen keine Probleme damit haben (die Frage ist nur, wann?). Menschen sind nun einmal keine Engel. Auch bedeutende Gestalten der Geschichte haben ihre Schattenseiten, die freilich in den meisten Fällen mit immer größerem zeitlichen Abstand auch an Relevanz verlieren. Die Überhöhung des Individuums, sei es aus politischen oder sonstigen Gründen, ist aber ein wohl unausrottbares Phänomen. Sicher hat die romantische Heldenverehrung mit ihren massiven Auswüchsen uns glücklicherweise etwas kritischer werden lassen, aber sie in Bausch und Bogen ganz zu verwerfen, wäre vermutlich auch nicht richtig. Sehen wir von den Fällen ab, wo unter anständigen Leuten totaler Konsens herrscht, also Hitler oder Heydrich o. dgl.. Da bedarf es keiner langen Worte. Die Diskussion wird sich ewig um diejenigen historischen Persönlichkeiten entwickeln, bei denen es auf die subjektive Sicht ankommt, ob man mehr ihre Untaten oder mehr ihre Meriten in die Waagschale legt. Ein Hermann Löns, weil er nun schon einmal angesprochen wurde, hat sehr üble Sachen von sich gegeben, aber auch ganz großartige, die nicht nur literarisch Bestand haben.
      in vielen Fällen kann ein Kommentar, eine Kontextualisierung, zum Verständnis des Zwiespalts helfen. Man trägt damit dem - intendierten, beginnenden oder etablierten - Mythos Rechnung, entzaubert ihn jedoch zugleich und hinterfragt ihn. Das vollständige Ignorieren von Mythen kann gefährlich sein, denn es kann deren Anziehungskräfte ungewollt verstärken.
      Letztlich wird man von Fall zu Fall entscheiden müssen. Grauzonen werden sich trotzdem nicht vermeiden lassen. Aber glaubt wirklich jemand, daß wir mit neutralen Dahlienwegen, Kuckucksstraßen, Tannensteigen oder Paukenplätzen und Palettenpromenaden das Auslangen finden? ?(
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Aber glaubt wirklich jemand, daß wir mit neutralen Dahlienwegen, Kuckucksstraßen, Tannensteigen oder Paukenplätzen und Palettenpromenaden das Auslangen finden?
      Weg mit dem alten Mist! Neue Zeiten, neue Berühmtheiten, Künstler * innen und Götze * innen, neue Straßennamen: Bushido-Weg, Capital-Bra-Straße, Hapftbefehl-Platz, Helene-Fischer-Allee... :)
    • Josquin schrieb:

      Waldi schrieb:

      Aber glaubt wirklich jemand, daß wir mit neutralen Dahlienwegen, Kuckucksstraßen, Tannensteigen oder Paukenplätzen und Palettenpromenaden das Auslangen finden?
      Weg mit dem alten Mist! Neue Zeiten, neue Berühmtheiten, Künstler * innen und Götze * innen, neue Straßennamen: Bushido-Weg, Capital-Bra-Straße, Hapftbefehl-Platz, Helene-Fischer-Allee... :)
      So geistlos oben stehende Polemik ist, so zeigt sie doch auf, was ich viel häufiger als Problem empfinde als Ehrungen von zwiespältigen Charakteren. In Wien sind zahllose Plätze, Straßen etc.. nach Menschen benannt, die für die heutige Öffentlichkeit keine Relevanz mehr haben, da so gut wie unbekannt (etwa Schauspieler aus der Monarchiezeit, etc..). Für rezente Figuren sind dann Fabriksstraßen in den Vorstädten oder lächerliche Sackgassen reserviert. Ich finde die Idee, verdienstreiche Personen mit Straßennamen zu ehren, gut. Man sollte sich dann aber nicht vor häufigeren Umbenennungen scheuen. Städte sind lebendige Gebilde.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Eine kleine Anekdote.
      Wir hatten 1994 mit unserer Firma einen großen Kundentreff in Leipzig vorgesehen. Nach dem Einchecken im Hotel sollten mein Kollege Armin und ich schon mal vorfahren, den Versammlungsort prüfen und frühe Gäste empfangen.
      Ich setzte mich ans Steuer, Armin, unser Schwabe, entfaltete auf dem Beifahrersitz eine große Strassenkarte von Leipzig, auf der er mit Filzer bereits unser Ziel markiert hatte.
      "Die habe ich noch, als ich mal zur Leipziger Messe war."
      Na, denn, ich fahre los.
      "Nun biegst Du (Namen können nach so vielen Jahren nicht mehr genau erinnerlich sein) in die Karl Marx Allee ein."
      Ich. "Hier ist keine Karl Marx Allee"
      Armin unbeirrt: "Dann vorne in die "Karl Liebknecht Strasse"
      Ich "Die gibt es hier auch nicht"
      "Das kann doch nicht sein"
      "Von wann ist die Karte?"
      "Von 1983!"
      "Was machen wir nun?"
      "Ja, was denn?"
      "Da ist ein Taxistand, ich kaufe mir ein Taxi, das fährt voraus."

      So war es.

      Jahre später ist mir das Gleiche mit Kollege Benno in Schwerin passiert. Da hatte sein Auto schon ein Navi, dessen CDs im Kofferraum (erinnert sich jemand) regelmäßig ausgetauscht werden mussten. Dazu war Benno aber zu faul. In seiner Schreibtischschublade lag ein ganzer Stapel Update CDs.
      Den Rest könnt ihr euch denken.
      Gruß aus Kiel

      PS. Bei uns wollten Aktivisten den "Adolf-Platz" umbenennen.. Dann machte man ihnen klar, dass es sich um Kiels Stadtgründer Graf Adolf IV. von 1233!! handelt. Das steht jetzt unter dem Schild, damit auch HONKS lernen, dass es schon früher Menschen mit Namen Adolf gab.
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