WAGNER: Tristan und Isolde – Wem nie aus Liebe Leid geschah

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Informationen zum Capriccio-Verein als Betreiber des Forums finden sich hier.
    • WAGNER: Tristan und Isolde – Wem nie aus Liebe Leid geschah

      Liebe Wagner-Missionare und noch zu Missionierende,

      euch zu Ehren öffene ich diesen Thread zu wagners Tristan und hier kann erstmal Alles gepostet werden, was zu dieser Oper gehört- evtl spalten wir nachher noch ab, wenn es zu serh Villa Kunterbunt wird.

      Mich interessiert insbesondere, wie ihr diese Oper erlebt(habt) und wie ihr dazu gekommen seid.

      Dann auch ganz besonders der Vergleich mit dem Epos des Gottfried von Strassburg, das bei mir den Ausschlag gab, mich dieser Oper anzunähern(zu Gottfrieds Tristan gibt es einen Thread im Literaturforum!) und Wagners Sicht auf die beiden Liebenden, die sich doch erheblich davon unterscheidet.

      Wieviel Biographisches steckt in diesem Tristan?

      Wenn man einigen Biographen Glauben schenkt, hat Wagner sich und Mathilde Wesendonck damit u.A. auch ein illusionäres Denkmal gesetzt.

      Also wem irgendetwas zum Tristan in den Sinn kommt Inhalt, Musik, Hintergründe, Aufnahmen, eigenes Rezeptioinsverhalten- hier ist erstmal der richtige Ort- trennen können wir spâter immer noch.









      Ergebnis jahrelanger militanter Missionierung!

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Ergebnis jahrelanger militanter Missionierung!
      Nachdem Du das als "feuilleton" in vielen Folgen angesehen hast, würde uns Deine Meinung jetzt natürlich brennend interessieren 8+)

      Bonne nuit
      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Liebe Amsel, wo gehts hier zum Tristan -Thread?
      Dieses elementarte Ereignis, auf das ich 40 Jahre warten musste, ist mir dann doch zu Schade , um hier unterzugehen.
      Ich bin ausserdem erst beim Vorspiel zum dritten Akt- arbeite mich aber jedenTag brav weiter vor.
      Wenn hier nochmal jemand etwas gegen Missionierungskampagen in Klassikforen sagt, möge er sich bitte an mich wenden- ich fungiere als lebendiges Beispiel!

      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Der Tristan ist die einzige Oper, wegen der ich mir einmal ein "Suche Karte"-Schild gemalt habe. Außerdem musste ich erst drei Stunden anreisen, ohne zu wissen, ob es sich lohnt... und das bei weit über 30 Grad... Beim Tristan gehört es zum Gesamtkunstwerk, dass man für ihn leidet! Liebe Fairy, vielleicht fehlt Dir die Bereitschaft zum Leiden ... kein Wunder, dass Du den Tristan dann dröge findest... Den dritten Akt Tristan kann man doch nicht stückweise genießen... DAS ist wirklich dröge... Hirtenweise in Endlosschleife? Pfff...

      Falstaff
    • Lieber Falstaff, spätestens ab 35 sollte sich jede Frau, die etwas auf sich hält, weigern, für Männer zu leiden, ob sie nun Richard oder Tristan heissen!

      Allerdings sind "drei Stunden Anreise ohne zu wissen ob es sich lohnt" noch nicht mit Leiden gleichzusetzen-da gibt's aber gazn andere Kaliber. Solche z.B. die vor dem Kartenbüro in Bayreuth zelten ohne zu wissen, ob es sich lohnt, 12 Stunden anreisen und dafür ihren letzten Sou ausgeben ;+)

      Um Dich zu beruhigen: dröge fand ich nur den ersten Akt; da wo Brangäne und Isolde sich ewig lange ansingen(wobei Brangäne leider viel mehr kreischte als sang) und ich kein Wort verstand.

      Das Vorspiel und überhaupt Alles, wo niemand singt, ist wirklich berückend- wenn die Sänger bei Wagner öfter ihre Klappe halten dürften ,wäre es mindestens doppelt so schön!



      Was den zweiten Akt angeht: das Duett Tristan/Isolde ist umwerfend- dafür lohnt sich sogar das Leiden vorher- zumal wenn es so gut dargebracht wird wie auf meiner Aufnahme von Waltraut Meier und Ian Storey.

      In diesem Akt habe ich endlich auch ganz hautnah verstanden und erlebt, was ein Leitmotiv in höchster Vollendung ist.

      Und dass Isoldes Liebestraum hier quasi schon einmal von Trsitan vorweggesungen wird, fand ich auch grandios.



      Dass mir bei solcher Intensität mehr als eine Stunde am Stück zuviel ist, empfinde ich nicht als "Sünde." Im Gegenteil!

      Alles was zuviel wird, führt bei mir zu Übersättigung und Nachlassen des Genusses,um nicht zu sagen, Übelkeit und Erbrechen.

      Ich gehöre zu denen, die lieber langsam und etappenweise an solche Rauschmittel gehen und aufhören,bevor es nciht mehr schöner werden kann.

      Das lässt die Illusion, es könne doch noch schöner werden und man fängt beim nächsten Mal wieder mit den richtigen Hochgefühlen an.

      Aus meinem Jugend- Überschwang Wagnerismus vor 20 Jahren, der dann ins krasse Ggenteil umschlug, habe ich immerhin Einiges gelernt.

      Warum mir übrigens da der Tristan entgangen ist, weiss ich heute auch nciht mehr- wahrscheinlcih aus unbewusster Panik und Selbst-Schutz vor zuviel Identifikation und totalem Darinuntergehen.

      Aber vielleicht war gerade das nun ein Glück fûr die Missionare 20 Jahre spâter?

      Als neuer Zugang zu Wagner ist Tristan für mich jedenfalls 1000mal bessser als der Parsifal.

      Bin jedenfalls serh auf Akt 3 gespannt- das Vorspiel ist schon ausgesprochen vielversprechend.

      Ich kopiere das aber nun wirklich in einen Tristan - Thread.



      F.Q., die alle Wagner-Missionare grüsst :fee:



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Dass ich so was noch mal erlebe...

      Booooaaaahhhh !!!!! Mein Weltbild schlägt gerade Purzelbäume, weil ausgerechnet Fairy Queen für Wagners Tristan missioniert. Dass ich das noch 1-mal erleben darf.
      Wieviel Biographisches steckt in diesem Tristan?
      Ich würde sagen, das Biographische war Ansporn und notwendiger „Brennstoff“ für den Tristan („der Liebe ein Denkmal setzten“) . Aber mehr vermutlich nicht. Vielleicht lässt sich Wagners Leben sogar eher aus seinen Werk ableiten, als umgekehrt, wäre mal interessant darüber zu spekulieren...

      Mich interessiert insbesondere, wie ihr diese Oper erlebt(habt) und wie ihr dazu gekommen seid.
      Ich war auch erst ein Wagner-Skeptiker. Auch aus außermusikalischen Gründen.
      Zum Tristan bin ich auch erst spät gekommen und zwar durch einen Radiomitschnitt unter Eve Queller (09.02.1997, NYC, aber nicht MET) weil mir da das Orchester besonders gefällt. Inzwischen gibt es noch ein paar andere Live-Mitschnitte der letzten 3 Jahre aus NYC , die mich ähnlich beeindrucken(Barenboim + Levine, weil mir da das Orchester näher ist, als bei den offiziellen Tonträgern). Tristan ist zwar nicht meiner allerliebste Oper (bzw. Wagner: nannte sie Handlung): Lieblingsoper ist keine Oper von Wagner, aber ich mag sehr die Tristan-Musik
      Allerdings sind "drei Stunden Anreise ohne zu wissen ob es sich lohnt" noch nicht mit Leiden gleichzusetzen-da gibt's aber gazn andere Kaliber. Solche z.B. die vor dem Kartenbüro in Bayreuth zelten ohne zu wissen, ob es sich lohnt, 12 Stunden anreisen und dafür ihren letzten Sou ausgeben

      Nicht mal geschenkt würde ich nach Bayreuth fahren, um mir dort den Tristan reinzuziehen, bei diesem – momentan - breiigen, schleppenden und drögen Orchester.

      Ich gehöre zu denen, die lieber langsam und etappenweise an solche Rauschmittel gehen und aufhören, bevor es nicht mehr schöner werden kann.
      Ja, wobei ich die bewegende + faszinierende Musik des Tristan eigentlich nicht als Rauschmittel erlebe, gilt für den ganzen Wagner
      Als neuer Zugang zu Wagner ist Tristan für mich jedenfalls 1000mal besser als der Parsifal. Bin jedenfalls sehr auf Akt 3 gespannt- das Vorspiel ist schon ausgesprochen vielversprechend.
      Das liegt vor allem an dem Drehbuch des Parsifals, kaum an der Musik, obwohl mir Tristan , Meistersinger, Siegfried und Walküre näher sind als Parsifal. Beim dritten Tristan -Akt habe ich noch etwas Schwierigkeiten, was die Dramaturgie angeht, die ist mir in den ersten beiden Akten näher....
      Wenn hier nochmal jemand etwas gegen Missionierungskampagen in Klassikforen sagt, möge er sich bitte an mich wenden- ich fungiere als lebendiges Beispiel!
      Ich bin für „militante“ (Zitat Fairy) Mission. Aber aus mir wird nie ein Wagner-Missionar, wenn höchstens ohne Absicht bzw. ganz unfreiwillig ...

      obwohl, wenn Falstaff schreibt:
      Hirtenweise in Endlosschleife? Pfff...
      ich mir in diesem Punkt nicht mehr ganz sicher bin ;+)


      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Meine lieb Fairy! :fee: :fee: :fee:

      Dass Du für den Tristan schwärmst - na da bin ich sprachlos. :stumm: :sparkle: :stumm:

      Doch ich hab da keine Schuld dran, Siehe 1. Akt und meineInterpretation.Viel Vergnügen noch beim Richardl Nr.1

      wünscht Dir, mit den obligeten Handküssen, Dein Peter aus den sonntäglichen Wien. :wink: :wink:
    • Mich interessiert insbesondere, wie ihr diese Oper erlebt(habt) und wie ihr dazu gekommen seid.


      Als ich 17 war, wurde der Tristan zu meinem großen Glück am hiesigen Stadttheater aufgeführt. Gegen Ende der Premiere schwebte ich mindestens 10 Zentimeter über dem Theatersitz. 9 Vorstellungen waren anberaumt, eine fiel aus, die anderen 8 habe ich dann alle besucht, und das Erlebnis war jedesmal gewaltig. Die Inszenierung war ausgesprochen sparsam gehalten, es gab keinerlei Mätzchen und kaum ein Bühnenbild, nur einige sehr eindrucksvolle Lichteffekte. So war der Musik besonders viel Raum gegeben.
      Damals wohnte ich 15 Kilometer vom Theater entfernt. Sehr gut erinnere ich mich auch noch an die weltentrückte Stimmung auf den nächtlichen Rückfahrten per Rad...schlimm war nur, daß man am nächsten Morgen wieder in die gräßlich öde Schule mußte....

      Später habe ich den Tristan dann in München gesehen, sicherlich mit besseren Sängern und einem besseren Orchester, aber trotzdem war der Eindruck nicht mehr ganz so intensiv. Vielleicht hat das auch an dem vergleichsweise riesigen Raum und der damit verbundenen größeren Distanz zur Bühne gelegen.

      Meinen nächsten und letzten Live-Tristan gab es dann vor 2 Jahren in Essen. Szenisch war das für mich eine Katastrophe, aber sobald ich die Augen schloß, gewann die Musik sofort ihre ungeheure Macht zurück,

      Der Tristan ist und bleibt für mich in jeder Hinsicht eine Wahnsinnsoper, die ich allerdings aus der Konserve nur selten genießen mag.

      Viele Grüße

      Bernd
    • FairyQueen schrieb:

      Lieber Falstaff, spätestens ab 35 sollte sich jede Frau, die etwas auf sich hält, weigern, für Männer zu leiden, ob sie nun Richard oder Tristan heissen!
      ...
      Das ist - für mich - der "Anti-Tristan" in Reinkultur.
      Der "Tristan", wie ich ihn sehe, handelt davon, dass die Liebe das höchste Gut, der höchste Wert ist. Alles andere, wie gesellschaftliche Verhaltensmaßregeln, hergebrachte Grundsätze (von mir aus auch "Gender"-Überlegungen) sind im Vergleich damit wertlos. Das ist auch keine sinnesraubende (oder -übersteigernde) "amour fou", das geht darüber hinaus.

      Den "Tristan" höre ich, wenn es denn nicht ohnehin live ist, am liebsten am Stück. Diese Wucht lässt sich zwar nicht immer verkraften, aber schon aufgrund der Dauer, die ja auch eine gewisse Planung erfordert, ist das nichts, das wöchentlich im CD-Player landet.
    • Lieber Ekkehard, biite nimm salonhafte Repliken und Wilde'sche Aphorismen, die für Mister falstaff bestimmt sind, nicht für letzte Schlüsse meiner Lebensweisheit- :rolleyes:
      Natürlcih gibt es keine Liebe ohne Leiden und ich halte es da viel mehr mit dem Tristan des Gottfried von Strassburg 'siehe Threadtitel:" Wem nie durch Liebe Leid geschah, der hat niemas die Liebe gekannt ." Oder mit jemandem, der gesagt hat Liebe ist Schmerz, ohne Liebe ist Tod.
      Für Wagner scheint mir Liebe allerdings gleichbedeutend mit Tod- denn der Tod ist hier von Beginn an Urgrund und Konsequenz der Liebe und das geht mir persönlich viel zu weit.

      Lieber Amfortas und lieber Streifen-Peter- freut mcih , dass ich euh noch erstaunen kann! :juhuu:
      Allerdings ist das wirklich die hartnäckige Missionierung durch meine Klassikforums-Freunde,nichts Anderes- ich hätte mir wahrscheinlich ohne das nie mehr eine Wagner Oper angesehen. Nachdem der Parsifal vor kurzer Zeit ein ziemlicher Reinfall war(bis auf das Vorspiel versteht sich udn einige wneige Szenen) erst recht .
      Schade, dass Edwin nciht da ist, der würde sich sicher auch freuen, dass ich die (Scheu)-Klappe nochmal aufgemacht habe.

      Lieber Arundo Donax, das was Du beschriebst, kann ich nur zu gut nachempfinden- ich war ja um die 20 rum auch leidenschaftlcihe Wagnerianerin und bin der Welt abhanden gekommen- bis mir dann Dame Cosima und gewisse andere Schriften in die Hände fielen... mit 20 ist man wohl in jeder Hinsciht radikal. ;(

      Eine Zelebrierung des Tristan zu Hause mit vorgeplantem Zeitfenster würde ich ungern alleine machen. In den für mich notwnedigen Pausen zusammen sehr gute Spirituosen zu trinken und die Rauschzustände auf andere Sinne als nur die Ohren auszuweiten fände ich dem Gegenstand schon angemessen.
      Man kann ja mal ein Tristan-Meeting machen- für Missionare und zu Missionierende.
      Was wäre dann wohl die "richtige" Inszenierung, auf die sich Alle einigen könnten?

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Fairy Queen!

      FairyQueen schrieb:

      Lieber Falstaff, spätestens ab 35 sollte sich jede Frau, die etwas auf sich hält, weigern, für Männer zu leiden, ob sie nun Richard oder Tristan heissen!
      Den Tristan erleidet man nicht für Andere, sondern nur für sich selbst. Es wird dir niemand beistehen, und das ist auch gut so. Denn solches Leiden will man gar nicht teilen ;+) .


      FairyQueen schrieb:

      Das Vorspiel und überhaupt Alles, wo niemand singt, ist wirklich berückend- wenn die Sänger bei Wagner öfter ihre Klappe halten dürften ,wäre es mindestens doppelt so schön!
      Das ist eine typische Aussage von Klassik-Newbies... :o:


      FairyQueen schrieb:

      Und dass Isoldes Liebestraum hier quasi schon einmal von Trsitan vorweggesungen wird, fand ich auch grandios.
      Entscheidende ist dass der Liebestraum abgebrochen wird. So trägt sich das Sehnen und Sehren in den dritten Akt hinüber...


      FairyQueen schrieb:

      Ich gehöre zu denen, die lieber langsam und etappenweise an solche Rauschmittel gehen und aufhören,bevor es nciht mehr schöner werden kann.
      Ich doch auch... gerade beim Tristan habe ich lange gebraucht. Der dritte Akt hat sich mir erst live wirklich erschlossen. Die Konwitschny-Inszenierung in München finde ich übrigens fabelhaft :hide: .


      FairyQueen schrieb:

      Warum mir übrigens da der Tristan entgangen ist, weiss ich heute auch nciht mehr- wahrscheinlcih aus unbewusster Panik und Selbst-Schutz vor zuviel Identifikation und totalem Darinuntergehen.
      Hier lohnt es sich zur Abwechslung einmal, Thielemann zu zitieren. Er kündigte einmal an, den Tristan nicht mehr dirigieren zu wollen. Denn da stirbt man ja dabei...

      Falstaff
    • Man kann ja mal ein Tristan-Meeting machen- für Missionare und zu Missionierende. Was wäre dann wohl die "richtige" Inszenierung, auf die sich Alle einigen könnten?
      im Sinne unserer gemeinsamen Capriccio-Tristan-Mission dann doch die, die möglichst viele Tristan-Hörer gewönne und Tristan-Skeptiker überzeugte :thumbsup:
      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Um Dich zu beruhigen: dröge fand ich nur den ersten Akt; da wo Brangäne und Isolde sich ewig lange ansingen(wobei Brangäne leider viel mehr kreischte als sang) und ich kein Wort verstand.


      Der erste Akt erschließt sich musikalisch nicht so schnell wie der zweite, aber nach wiederholtem Hören wirkte er auf mich eher stärker.

      Bei Thomas Mann hieß es übrigens 1945 in "Wagner und kein Ende":
      Der zweite Akt Tristan, finde ich jetzt, mit seinem metaphysischen Wonneweben, ist mehr etwas für junge Leute, die mit ihrer Sexualität nicht wo ein und aus wissen. Aber als ich mir neulich den ersten in seiner realistischen Dramatik wieder einmal vorführte, war ich vollständig begeistert. Der Gesang der Isolde von dem *Kahn, der klein und schwach* -, die gespannte Szene zwischen den beiden, beginnend mit *Begehrt, Herrin, was ihr wünscht* und beherrscht von dem einleitenden Thema *Wüßtest - du nicht, was ich - begehre* - es schlägt an Ausdruckskraft schlechthin alles


      Ich neige dazu, das so ähnlich wie Thomas Mann zu sehen.

      Viele Grüße

      Bernd
    • Ich auch ! Allerdings muss ich anmerken, dass mich der " Ring " noch mehr berührt : 11 herrliche Stunden länger, dazu außer der Liebe noch Leid und Welt und Traum, sowie die erschüttendste Vaterfigur der Operngeschichte. Nein, Alberich meine ich nicht, obwohl der auch Vater ist.....



      Ciao. Gioachino
      miniminiDIFIDI
    • gioachino schrieb:

      [...] die erschüttendste Vaterfigur der Operngeschichte.
      Eine solche gibt's ja auch im Tristan - nun gut, Adoptivvater, soviel ich weiß. Kennengelernt habe ich die Oper einst durch die Aufnahme mit Karl Böhm, den ich als Wagner-Dirigent übrigens durchaus schätze. Das Liebesdrama hat mich zunächst gar nicht so sehr berührt, erschütternd fand ich dagegen König Marke, den Martti Talvela so eindrucksvoll gestaltet, daß ich heute noch erschüttert bin, wenn ich das höre ("Dies, Tristan, mir?" usw.).

      Vor wenigen Jahren habe ich den Tristan in Frankfurt und in Stuttgart erlebt, den 2. Akt letztes Jahr in Heidelberg (konzertant), bekenne allerdings offen, daß mir Wagner momentan recht fern liegt (Missionieren zwecklos!), so daß ich vorerst nichts Ausführlicheres beitragen mag. Doch ich lese natürlich weiter interessiert mit.

      Und vielleicht nehme ich mir irgendwann einmal wieder die legendäre Furtwängler-Einspielung vor... (oder Runnicles, oder Böhm, das sind nämlich die Aufnahmen, die ich habe).
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • FairyQueen schrieb:

      Lieber Ekkehard, biite nimm salonhafte Repliken und Wilde'sche Aphorismen, die für Mister falstaff bestimmt sind, nicht für letzte Schlüsse meiner Lebensweisheit- :rolleyes:
      Natürlcih gibt es keine Liebe ohne Leiden und ich halte es da viel mehr mit dem Tristan des Gottfried von Strassburg 'siehe Threadtitel:" Wem nie durch Liebe Leid geschah, der hat niemas die Liebe gekannt ." Oder mit jemandem, der gesagt hat Liebe ist Schmerz, ohne Liebe ist Tod.
      Für Wagner scheint mir Liebe allerdings gleichbedeutend mit Tod- denn der Tod ist hier von Beginn an Urgrund und Konsequenz der Liebe und das geht mir persönlich viel zu weit.
      ...
      Liebe Fairy,
      ich hatte Dich nur ernst genommen; das ist doch kein Grund, die Augen zu verdrehen.

      Ob Liebe im Tristan gleichbedeutend ist mit dem Tod? Ich glaube nicht. Auch deren Urgrund sehe ich nicht darin. Sie steht über allem, und der Tod ist nicht ihre Grenze.
    • Lieber Arundo Donax, sehr interessant was Thomas Mann da sagt....... die jungen Leute, die mit ihrer Sexualität nicht wo ein und aus wissen... tja, wenn der Zauberer meint, wirds wohl so sein!
      Wo auch immer ich nicht ein oder aus wissen sollte - mein erster Eindruck von Akt 1 und 2 war jedenfalls genau so.

      Was den König Marke angeht, so finde ich diese Figur im Epos des Gottfried von Strassburg noch viel erschütternder.
      Dort wird ja ganz genau erzählt, wie er Tristan an seinem Hof aufnimmt, wie er ihn an Sohnes statt annimmt, wie sehr er ihn liebt und ihm vertraut.
      Und dort vergeht viel Zeit und mehrere vergebliche Intrigen der Höflinge, bis er endlich den Verrat in ganzer Konsequenz erkennt- weil er ihn in flagranti und mit eigenen Augen sieht.
      Er wil llange Zeit nciht glauben, dass ihm Solches geschehen könnte und selbst, als er fast sicher ist, verzeiht er Tristan und Isolde immer wieder und nimmt sie in Schutz.
      Ich glaube fast, dass, wenn die Höflinge und seine Reputation als König nciht gewesen wären , Marke sich auf eine menage à trois hâtte einlassen können, denn er liebt die Beiden von Herzen.

      Die beiden Liebenden sind bei Gottfried sehr unsympathisch im Umgang mit Marke- sie scheinen wie mit allen Wassern gewaschen und gerade Isolde regelrecht ausgefuchst/raffiniert im Finden von Schlichen und Kniffen zum Betrügen ihres Mannes
      Bei Gottfried ist auch ganz offensichtlich , dass sie mit beiden Männern gleichermassen eine sexuelle Beziehung hat.
      Da ich bei Wagner den Text nur in geringem Masse verstehe und ja Akt drei noch nciht kenne, weiss ich nicht, inwieweit das dort auch thematisiert wird.
      Für mich ist Marke ebenfalls die tragischste Gestalt, wobei ich mit Brangäne wahrlich auch nciht tauschen möchte.

      F.Q.

      Lieber Ekkehard, nciht böse sein- das war ein eher schelmisches Augenverdrehn, kein Spöttisches!
      Du darfst mich auch weiter ernstnehmen, nur bitte nicht bei Oscar Wilde Sprüchen. :wink:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Die beiden Liebenden sind bei Gottfried sehr unsympathisch im Umgang mit Marke- sie scheinen wie mit allen Wassern gewaschen und gerade Isolde regelrecht ausgefuchst/raffiniert im Finden von Schlichen und Kniffen zum Betrügen ihres Mannes
      das ist auch in Wagners Tristan so, vor allem Isolde ist ja die Antreibende.

      Ob Liebe im Tristan gleichbedeutend ist mit dem Tod? Ich glaube nicht. Auch deren Urgrund sehe ich nicht darin. Sie steht über allem, und der Tod ist nicht ihre Grenze.
      für mich spannende Frage. Darüber wird noch zu reden sein. Für mich bleibt das während des ganzen Tristan in eigentümlicher Schwebe...
      willst du, Isold', ihm folgen?
      Dem Land, das Tristan meint,
      der Sonne Licht nicht scheint:
      es ist das dunkel
      nächt'ge Land,
      daraus die Mutter
      mich entsandt,

      Ist damit wirklich eine Identität zwischen Nichtsein und Liebe ausgedrückt ?

      Zum Schluss ist aber der Tod, also das Nichtsein ohne Substat, also folglich ohne Liebe: "Unbewußt, höchste Lust". Andererseit singt Tristan (im 3. Akt): "wie schwand mir seine Ahnung .." hier wird im Text - + in der Musik, die seltsam fahl klingt, also gar nichts Rauschhaftes hat - etwas Fragiles/Entschwindendes/sich Entziehendes versucht irgendwie festzuhalten bzw. zu bannen...

      ...irgendein User hat mal hier oder in Tamino eine interessante Beobachtung hinsichtlich des Englisch Horns im Schlussakord beschrieben...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Eure Gedanken zum Tristan sind schon spannend - aber ich mit meiner Tendenz zum Antirationalismus nehme diese Oper mit ihren vielen Schichten erst einmal eher unanalysiert hin.

      Im Text und in der Musik finde ich jedoch fraglos jene "Sympathie mit dem Tode", die Thomas Mann in seinem Palestrina-Kapitel der *Betrachtungen eines Unpolitischen* so verführerisch mit dem inneren Kern der Romantik und am Ende auch der Musik gleichgesetzt hat. Daß dieser Perspektive auch etwas sehr Gefährliches innewohnt, ist mir durchaus bewußt. Trotzdem ist es mit gewissen Einschränkungen meine Perspektive. Ich müßte mich innerlich völlig verbiegen, wenn ich das verleugnen wollen würde. Ich denke auch nicht, daß aus einer solchen Sicht heraus auf der "weltlichen" Ebene zwangsläufig faschistische Barbarei resultieren muß. Thomas Manns eigener Weg ist ja das beste Beispiel für die mögliche Mündung in einen politischen Humanismus. Aber ich schweife ab.... -

      Interessanterweise konnte ich an der Figur des Marke von Anfang an noch nie so viel finden. Wenn der Tristan eine "Länge* aufweist, dann besteht diese für meine Ohren seit jeher im Marke-Monolog des zweiten Akts. Den könnte man meinetwegen auf ein Viertel zusammenstreichen, ohne daß mir viel fehlen würde.

      ...irgendein User hat mal hier oder in Tamino eine interessante Beobachtung hinsichtlich des Englisch Horns im Schlussakord beschrieben...


      Als jemand, der selber immer wieder gerne eine traurige Weise auf dem britischen Horn (das ist einfach ein unglaublich elegisch klingendes, aber leider auch ebenso unglaublich intonationsdebiles ;( Instrument!) bläst, wäre ich sehr an dem genauen Wortlaut dieser Beobachtung interessiert.

      Viele Grüße

      Bernd
    • Amfortas09 schrieb:

      ...irgendein User hat mal hier oder in Tamino eine interessante Beobachtung hinsichtlich des Englisch Horns im Schlussakord beschrieben...


      Das Englischhorn ist das einzige Instrument, das im Schlussakkord pausiert! Seine letzten Worte sind das Sehnsuchtsmotiv 3 Takte vorher, im decrescendo verklingend, allerdings mit den Oboen zusammen.