Oper übersetzt: prima la Verständlichkeit?

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    • Rosamunde schrieb:

      Du kannst mir nicht absprechen, dass ich die Originalsprache geniesse und auskoste, ohne sie zu verstehen. Das ist keine Behauptung, das ist meine eigene Erfahrung.
      Deine Behauptung war, man könne Rhythmus, Klang usw. einer Sprache nicht übersetzen. Das ist so pauschal gesagt offensichtlich falsch. Aber darum geht es eigentlich gar nicht: Es mag ja sein, dass "Eugen Onegin" im russischen Original Feinheiten enthält, die bei einer noch so guten Übersetzung verloren gehen (von der umgekehrten Möglichkeit, die es natürlich auch geben kann, sehe ich jetzt einmal ab), aber was nützt das, wenn man kein Wort Russisch spricht oder versteht? Und wenn dann vielleicht noch die Sänger in einer unverständlichen Lautsprache singen, die keiner bekannten Sprache ähnlich ist, aber als "Russisch" verkauft wird?

      Rosamunde schrieb:

      Der Rest Deiner Kommentare, dass es mir egal sei usw ist so verdreht und desinteressiert an einer sachlichen Unterhaltung, dass ich gar nicht darauf eingehen werde.
      Das ist Dir natürlich unbenommen, aber verdreht habe ich nichts: Du hast mehrfach geschrieben, dass es Dir nicht wichtig ist, die Sprache zu verstehen. Operntexte seien angeblich sowieso "oft eher peinlich". Wenn ich so geringschätzig über Opern denken würde, hätte ich mir längst ein anderes Hobby gesucht :D .
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Gurnemanz schrieb:

      Was mich in dieser ganzen Diskussion über Librettoübersetzungen doch mal interessieren würde: Wie denken denn die Librettisten und Komponisten selbst darüber? Gibt es Äußerungen etwa von Wagner, Verdi, Tschaikowski, Debussy, Strauss und Janáček, die sich dagegen gewehrt hätten, daß ihre Opern auch in anderen Sprachen aufgeführt würden als im Original? Würde mich übrigens wundern, da solche Übersetzungen seinerzeit allgemein üblich waren. Vermutlich gibt es höchstens Beschwerden über möglicherweise mißlungene Übersetzungen - aber auch gegen Übersetzungen generell?
      Oper "in der Originalsprache" ist ein ziemlich neues Phänomen (ab den 1960er ugf).
      Deshalb waren Übersetzungen eher die Regel als die Ausnahme.
      Wagner hat sein Tannhäuser 1861 für Paris bearbeitet, in einer Fassung, die auf Französisch gesungen wurde. Dasselbe gilt für die 1865er Fassung von Verdis Macbeth. Für Paris hat auch 1894 Verdi ein Ballett für Otello komponiert - für eine Aufführung auf Französisch. Er kannte seine französische Übersetzer gut und arbeitete mit denen zusammen für La Forza del destino und Aida auf Französisch.

      Massenets Werther wurde in Wien uraufgeführt - in einer deutschen Version von Max Kalbeck. Poulencs Dialogues des Carmélites wurde in der Scala auf Italienisch uraufgeführt.
      Beschwerden über schlechte Übersetzungen gab es aber auch solche haben sich durchgesetzt, wie La Favorita, die aus Donizettis Favorite etwas Hinrissiges macht (zensurbedingt wurde auch in die Intrige eingegriffen).

      De Lauzières italienische Übersetzung von Don Carlos ist auch disastrosa - und für die späteren Überarbeitungen hat Verdi für die neuen Textvorlagen andere Übersetzer bemüht, Ghislanzoni und Zanardini - aber sie wird noch heutzutage augeführt.

      Ich glaube mich daran zu erinnern, dass Debussy mit Toscanini über die italienische Version von Pelléas et Mélisande gesprochen hat.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Rosamunde schrieb:

      1. Der Unterschied ist im KLANG und RHYTHMUS der Sprache. Dieses ist Teil der Komposition und man kann es nicht ohne Konsequenzen ändern. Ich möchte das gerade an dieser Bacio Stelle nicht, aber jemand anderes kann es gerne mögen.

      Dass der Klang wichtiger ist als die Bedeutung, ist sicherlich unzutreffend. Wenigstens für Muttersprachler, für die das ja gedacht ist. Die nehmen nämlich den Klang viel weniger stark wahr als jene Zuhörer, für die es eine Fremdsprache ist. Das kann jeder selbst überprüfen. Welcher Deutsche empfindet ständig, dass seine Sprache einen harten Klang hat? Viel stärker dürfte, wer überhaupt einen Sinn für die Qualitäten einer Sprache hat, den Wortreichtum genießen, des möglich macht, den Sinn äußerst fein zu nuancieren und mit höchster Präzision auszudrücken, was man meint. Hinzu kommt die hohe Flexibilität in der Wortreichtum, die eine weitere sehr geringe Nuancierung ermöglicht. Der Klang dürfte hingegen kaum bemerkt werden.

      Rosamunde schrieb:

      2. Wie willst Du Kuss auf dieselbe Musik singen wie Bacio?

      Eine seltsame Frage! Zum einen will ich das überhaupt nicht singen, zum anderen sagt ja niemand, dass am dieser Stelle das Wort »Kuss« stehen muss. Das wird nicht funktionieren, aber was ist damit gesagt? Dann ist es eben etwas anderes, was zur Musik und zum Sinn passt.

      Rosamunde schrieb:

      Dass der Komponist für Muttersprachler geschrieben hat, nicht für Leute, die im Flugzeug anreisen mussten, ist ein Argument für meinen Standpunkt, dass man es nicht ohne Kosequenzen ändern kann.

      Verstehe ich auch nicht. Es hat ja niemand behauptet, dass es keine Konsequenzen hat, wenn man einen Text übersetzt. Eine Konsequenz ist zum Beispiel, dass der Text dann übersetzt ist. Andererseits wird ja nichts geändert, sondern es wird ein Text übersetzt. Was in Folge dieser Übersetzungsarbeit entsteht, ist nicht der geänderte originales, sondern die Übersetzung.

      Wenn der Wille des Komponisten entscheidend sein soll (es ist nicht klar, warum das so sein soll), wäre wohl zu sagen, dass Verdi selbstverständlich schon ausgegangen ist, dass sein Stick übersetzt wird, wenn es in einem anderen Land gespielt wird. Er hat »Don Carlos« in Italien nicht in französischer Sprache spielen lassen. Darauf wäre er im Traum nicht gekommen.

      Rosamunde schrieb:

      4. Was für wen mitschwingt und was das für Auswirkungen auf die individuelle Rezeption hat, kannst Du nicht wissen.

      Man kann sehr viel intuitiv erfassen, besonders wenn ein Text mit Musik gekoppelt ist, auch wenn man den genau übersetzten Sinn der Worte nicht kennt. Die Musik hat allein auch eine Aussage.

      Ja,das kann man provisorisch so sagen. Wichtig ist ändert, dass die »Aussage« der Musik im Zusammenwirken mit dem Text entsteht und also kaum verstanden werden kann, wenn eine Ebene nicht verstanden wird. Dieses Zusammenwirken ist ein durchaus komplexes, wo die Musik durch ihren gratis zum Beispiel das Gegenteil des texting ausdrücken kann, oder aber zum Beispiel dadurch, dass sie metrisch oder melodisch gegen die Standard-Intonation vdrstößt, den Textinhalt ganz entscheidend verändern. All das kann man nicht wahrnehmen, wenn man den Text ich versteht (der Komponist dürfte aber daran interessiert gewesen sein, das man es wahrnimmt, sonst hätte er sich die Mühe ja sparen können), wahrend eine gute Übersetzung den gewünschten Effekt in der Zielsprache reproduzieren kann.

      Rosamunde schrieb:

      Ich kann kein Wort Russisch und finde den Klang der Sprache sehr schön. Bin ich deshalb seicht?

      Wenn Du noch hinzufügst, Du Texte von Puschkin oder Tolstoi am liebsten auf Russisch hörst und Dir dann nichts fehlt, und das ist es ja wohl, was Du meinst, ja.
    • ChKöhn schrieb:

      Deine Behauptung war, man könne Rhythmus, Klang usw. einer Sprache nicht übersetzen. Das ist so pauschal gesagt offensichtlich falsch.
      Ja, das ist falsch, sehr richtig. Habe ich auch nicht gesagt. Du reduzierst meine Aussage.

      Ich sagte mehrfach, dass man, falls man es tut, etwas verlieren könnte, oder sogar die Bedeutung verändern. Das habe ich und auch andere an Beispielen dargestellt. Schau auch mal in den Dichterliebe Thread, wie da eine russische Übersetzung Dinge verändert.

      ChKöhn schrieb:

      verdreht habe ich nichts: Du hast mehrfach geschrieben, dass es Dir nicht wichtig ist, die Sprache zu verstehen. Operntexte seien angeblich sowieso "oft eher peinlich". Wenn ich so geringschätzig über Opern denken würde, hätte ich mir längst ein anderes Hobby gesucht .
      Genau das Gegenteil habe ich gesagt. Ich möchte die Sprache im Original, weil mir sonst etwas verloren geht. Den Inhalt kann ich mir nachlesen.
      Das ist das Gegenteil von geringschätzig, ich lege großen Wert auf und habe Respekt für das Sprachgefühl des Komponisten. Man könnte sich fragen, ob nicht sogar mehr als Du, der meint es wäre egal , ob man die Originalsprache der Musik entreisst.

      Peinlich finde ich manche Texte, zB mancher Wagner und manche fehlende Poesie in der Übersetzung.

      So, ich glaube es wird langsam Zeitverschwendung. Wenn Du es immer noch reduziert oder verdreht verstehen willst, dann lass mich bitte raus. Ich finde mich in Deinen Kommentaren über meine nicht im geringsten wieder.
      Danke.
    • Argonaut schrieb:

      Dass der Klang wichtiger ist als die Bedeutung, ist sicherlich unzutreffend. Wenigstens für Muttersprachler, für die das ja gedacht ist.
      Glaubst Du Figaro und Don Govanni wurden für Muttersprachler getextet und komponiert?
      Warum wurde nicht in Deutsch gesungen, und in Prag vielleicht sogar tschechisch?
      Konnten die Wiener und Prager alle so hervorragend Italienisch? Oder war es als Opernliebhaber einfach selbstverständlich, dass man es lernte?
      Scheinbar war man sehr polyglott.
      Die Frage wäre dann, warum das verloren gegangen ist?

      Ich bin nur froh, dass man heute nicht alles auf englisch singt. Das wäre ja der kleinsten gemeinsamen Nenner.
      Am leichtesten für die Sänger und für uns Zuhörer in aller Welt.

      Ich begrüsse es, dass Opern heute in der Regel im Original gebracht werden. Zum Glück hilft beim Verständnis die Übertitelung. (In Zürich auf Deutsch und Englisch)
    • Rosamunde schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      Deine Behauptung war, man könne Rhythmus, Klang usw. einer Sprache nicht übersetzen. Das ist so pauschal gesagt offensichtlich falsch.
      Ja, das ist falsch, sehr richtig. Habe ich auch nicht gesagt.
      Doch, das hast Du:

      Rosamunde schrieb:

      Sprache hat einen Charakter, beherbergt (...) einen eigenen Rhythmus und Klang. Alles Dinge, die man nicht übersetzen kann.
      Wenn ich mich nicht irre, steht da, dass man Rhythmus und Klang einer Sprache nicht übersetzen kann. Korrigiere mich bitte, wenn ich mich verlesen haben sollte.

      Rosamunde schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      verdreht habe ich nichts: Du hast mehrfach geschrieben, dass es Dir nicht wichtig ist, die Sprache zu verstehen. Operntexte seien angeblich sowieso "oft eher peinlich". Wenn ich so geringschätzig über Opern denken würde, hätte ich mir längst ein anderes Hobby gesucht .
      Genau das Gegenteil habe ich gesagt.
      Nein, Du hast genau das geschrieben:

      Rosamunde schrieb:

      Ich kann auch kein Italienisch, aber Sprache (Rhythmus, Klang) ist ja komplett mit Musik verwoben. Auch bei Französisch ganz extrem. Mir ist dann wichtiger das nicht zu verlieren, als die Worte zu verstehen, denn die sind ja oft gerade bei Oper eher peinlich.

      Rosamunde schrieb:

      Ich will die Originalsprache geniessen und auskosten, selbst wenn ich sie komplett nicht verstehe
      Auch hier bin ich mir ziemlich sicher, dass da steht, Du fändest Klang und Rhythmus der Originalsprache so wichtig, dass es Dir nichts ausmacht, wenn Du die Sprache "komplett nicht verstehst". Sollte da tatsächlich das Gegenteil stehen?
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Hudebux schrieb:

      Glaubst Du Figaro und Don Govanni wurden für Muttersprachler getextet und komponiert?
      Warum wurde nicht in Deutsch gesungen, und in Prag vielleicht sogar tschechisch?
      Konnten die Wiener und Prager alle so hervorragend Italienisch? Oder war es als Opernliebhaber einfach selbstverständlich, dass man es lernte?
      Wenn ich richtig informiert bin, zogen im 18. Jahrhundert viele italienische Sängerensembles durch ganz Europa und waren auch in Wien und Prag tätig. Auch Händels Opern haben m. W. meist italienische Libretti. Doch es gibt hier sicher einige Kenner (Philbert? ;) mit Dank für die Erläuterung in # 302!) , die das genauer wissen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Das war üblich. Man ging davon aus, dass die Openbesucher des Italienischen ausreichend mächtig waren. Außerdem gab es immer Textbücher in der jeweiligen Landessprache. Und außerdem wurden diese Stücke oft auch übersetzt gespielt. Da sie ja ohnehin bei Wiederaufführungen (meist erheblich) bearbeitet wurden, woran sich keiner störte, weil es ganz normal war, hat da niemand ein Problem gesehen. Diese Situation ist mir der heutigen ganz und gar nicht zu vergleichen.
    • Ich würde sagen, im Wien des 18. Jahrhunderts wurde erwartet, dass kultivierte Menschen (damit waren weniger Bürger als Hochadelige gemeint) Italienisch beherrschen. Seit Leopold I. war der Kaiserhof ausgesprochen italianophil, was auch die zahlreichen in Wien wirkenden Komponisten (z.B. Caldara und Porpora) belegen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Hudebux schrieb:

      Glaubst Du Figaro und Don Govanni wurden für Muttersprachler getextet und komponiert?
      Du kannst getrost davon ausgehen, dass ich weiß, wo Figaro und Giovanni uraufgrführt wurden. Übrigens wurden beide Stücke unison's nach der Uraufführung schon im deutschen Übersetzungen gespielt. Und zwar da, wo die besonderen Voraussetzungen nicht gegeben waren, die für die Uraufführung vorlagen.
    • ChKöhn schrieb:

      Rosamunde schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      Deine Behauptung war, man könne Rhythmus, Klang usw. einer Sprache nicht übersetzen. Das ist so pauschal gesagt offensichtlich falsch.
      Ja, das ist falsch, sehr richtig. Habe ich auch nicht gesagt.
      Doch, das hast Du:

      Rosamunde schrieb:

      Sprache hat einen Charakter, beherbergt (...) einen eigenen Rhythmus und Klang. Alles Dinge, die man nicht übersetzen kann.
      Wenn ich mich nicht irre, steht da, dass man Rhythmus und Klang einer Sprache nicht übersetzen kann. Korrigiere mich bitte, wenn ich mich verlesen haben sollte.

      Rosamunde schrieb:

      ChKöhn schrieb:

      verdreht habe ich nichts: Du hast mehrfach geschrieben, dass es Dir nicht wichtig ist, die Sprache zu verstehen. Operntexte seien angeblich sowieso "oft eher peinlich". Wenn ich so geringschätzig über Opern denken würde, hätte ich mir längst ein anderes Hobby gesucht .
      Genau das Gegenteil habe ich gesagt.
      Nein, Du hast genau das geschrieben:

      Rosamunde schrieb:

      Ich kann auch kein Italienisch, aber Sprache (Rhythmus, Klang) ist ja komplett mit Musik verwoben. Auch bei Französisch ganz extrem. Mir ist dann wichtiger das nicht zu verlieren, als die Worte zu verstehen, denn die sind ja oft gerade bei Oper eher peinlich.

      Rosamunde schrieb:

      Ich will die Originalsprache geniessen und auskosten, selbst wenn ich sie komplett nicht verstehe
      Auch hier bin ich mir ziemlich sicher, dass da steht, Du fändest Klang und Rhythmus der Originalsprache so wichtig, dass es Dir nichts ausmacht, wenn Du die Sprache "komplett nicht verstehst". Sollte da tatsächlich das Gegenteil stehen?
      Du reisst weiterhin Zitate aus dem Zusammenhang und hängst ihnen einen kindischen Geschmack an.

      Ich verstehe langsam nicht mehr, was das für einen Zweck haben soll, denn ich habe mehrmals schon, seit ich diese Aussagen getätigt habe, nochmals erklärt wie sie gemeint waren, für alle, die sie eventuell missverstanden haben.

      Kannst Du mir bitte sagen, was Du damit erreichen willst?

      Man kann natürlich übersetzten was man will, aber man geht die Gefahr ein, dass man 1. den Inhalt und 2. den Charakter des Originalwerkes ändert. So waren meine Kommentare gemeint.
      Meine Beispiele erläutern das.


      Argonaut schrieb:

      Du meinst also, um ein Gedicht von Heine oder Puschkin zu verstehen, genügt es den Inhalt nachzulesen? Dann hast Du noch kein Gedicht von Heine oder Puschkin gelesen.
      Falls Du mich gemeint hast, nein, ich sprach von Musik + Text bei Opern und Liedern. Und dass die Sprache bei der Komposition mit beachtet wird.
      Und einiges von Heine kenne ich schon gezwungenermassen.
    • zabki schrieb:


      Aus einem Brief R. Wagners an Nietzsche, 12.6.1872:

      Dem Studium Jacob Grimms entnahm ich einmal ein altdeutschen "Heilawac", formte es mir, um es für meinen Zweck noch geschmeidiger zu machen, in ein "Weiawaga", (welches wir noch heute in "Weihwasser" wiedererkennen), leitete hiervon in die verwandten Sprachwurzeln "wogen" und "wiegen", endlich "wellen" und "wallen" über, und bildetet mir so, nach der Analogie des "Eiapopeia" unserer Kinderstubenlieder, eine wurzelhaft syllabische Melodie für meine Wassermädchen.
      zit. nach:
      Eckhard Roch: Das Undine-Motiv in Richard Wagners Dramenkonzeption, in:
      Die Musikforschung, 51. Jahrg., H. 3 (Juli–September 1998), pp. 302-315
      "http://www.jstor.org/stable/41123123"

      E. Roch fährt fort:

      "Woge, du Welle! walle zur Wiege! Wagalaweia!" will folglich nichts geringeres bedeuten als das Wiegenlied, mit dem die Rheintöchter das im geweihten Wasser des Rheins schlummernde Gold in den Schlaf wiegen. Die Wellenbewegung im Rheingold sei gleichsam das Wiegenlied der Welt, notiert Cosima im Tagebuch.
      Vielen Dank, zabki, das ist wirklich interessant !

      "Das Wiegenlied der Welt." Wieviel ginge hier verloren, wenn man es aus dem Deutschen weg übersetzen würde und wie wichtig doch Sprache ist für den Inhalt.

      Man wünscht sich, besonders hier im Thread, dass mehr auf diese Art konstruktiv zum Thema beigetragen wird.
      :wink:
    • Rosamunde schrieb:

      Du reisst weiterhin Zitate aus dem Zusammenhang und hängst ihnen einen kindischen Geschmack an.
      Ausnahmslos jedes Zitat stammt aus irgendeinem Zusammenhang. An Deinen Aussagen ändert das nichts. Ich kann auch nicht erkennen, dass Du sie irgendwo korrigiert hättest. Das Wort "kindisch" habe ich nicht verwendet.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • Rosamunde schrieb:

      wie wichtig doch Sprache ist für den Inhalt.
      Das ist sie sicherlich. Besonders hilfreich ist es deshalb, wenn man sie auch versteht.

      Der Beitrag, der sich hier im Anschluss fand, wurde wegen Verstoßes gegen die Forenregeln 9 und 10 in die Splitter verschoben (siehe dort Nr. 1.439). Bitte den gegenseitigen Respekt in der Kommunikation zu wahren und ausschließlich argumentativ zu diskutieren.
      AlexanderK, Moderation
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      (Theodor W. Adorno)
    • Argonaut schrieb:

      Dass der Klang wichtiger ist als die Bedeutung, ist sicherlich unzutreffend. Wenigstens für Muttersprachler, für die das ja gedacht ist. Die nehmen nämlich den Klang viel weniger stark wahr als jene Zuhörer, für die es eine Fremdsprache ist.
      Du verrennst dich da in etwas. Ich spreche fließend Italienisch. Und auch ein bisschen Deutsch. Die Unterschiede sind enorm. Gerade auch im Klang.

      Zum Beweis eine Anekdote. Aber eine, die alles erschlägt:

      Ich sitze im Zug von Mailand nach Basel, in einem Abteil mit einer italienischen Mutter mit Sohn. Beide eher schlicht. Sohn ca. 11 Jahre alt. Irgendwann kommt eine Durchsage auf Deutsch. Ganz normales Deutsch. Der Junge war total aus dem Häuschen. So etwas hatte er noch nie gehört. Die vielen harten Konsonanten. Er ahmte das nach. Natürlich auf übertriebene Art. Aus seiner Sicht: Wie kann man nur so reden??? Eigentlich hätte ich beleidigt sein müssen, wie der sich über meine schöne Muttersprache lustig macht. Aber er meinte das nicht abwertend. Er fand es einfach krass. Die Unterschiede im Klang zwischen Deutsch und Italienisch sind krass.

      Unterschiedliche Sprachen klingen unterschiedlich. Und das hört man. Das hört JEDER.

      Am Ende läuft es darauf hinaus: Was möchten die Autoren des Kunstwerks "Musiktheater" rüberbringen? Je nach Intention kann es besser sein, die Originalsprache zu nehmen, oder eine Übersetzung.

      Zur Erinnerung:
      Ein Kunstwerk (also auch eine Opernaufführung) bezieht seine Relevanz daraus, dass es beim Publikum einen gewisse Wirkung erzielt. Kunst ohne Wirkung ist bedeutungslos, also irrelevant. Kein Künstler möchte irrelevante Werke verfassen. Ein Opernregisseur erst recht nicht. Also muss er sein Werk (die Aufführung) so anlegen, dass sich die beabsichtigte Wirkung einstellt. Da kann je nach dem eine Übersetzung hilfreich oder hinderlich sein. Es kommt auf das künstlerische Konzept an.


      Thomas
    • ChKöhn schrieb:

      Symbol schrieb:

      Die Aufführung in Originalsprache hat natürlich auch den profan praktischen Vorteil, dass es viele Sänger/-innen weltweit gibt, die entsprechende Partien in Originalsprache im Repertoire haben, so dass man sie problemlos besetzen kann. Sänger/-innen, die z. B. Mozart- oder Verdi-Opern in deutscher Übersetzung im Repertoire haben, sind zahlenmäßig deutlich seltener verfügbar.
      Ja, das könnte ein Argument sein. Allerdings könnte man es auch umdrehen und das Star-Theater mit weltweit von einem zum nächsten Haus reisenden Solisten in Frage stellen. In Deutschland war ja (bis zur Intendanz von Barrie Kosky) viele Jahre die KOB das Opernhaus, in dem konsequent auf deutsch gesungen wurde. Ich habe da etliche großartige Aufführungen in wunderbaren Übersetzungen gesehen. Die Freiheit, die im Vorgang des Übersetzens naturgemäß liegt, sehe ich persönlich als künstlerischen Vorteil. Und frag mal einen Muttersprachler, wie "original" denn die angebliche "Originalsprache" auf Opernbühnen eigentlich ist... Ich habe vor ein paar Jahren in Hannover bei einem "Eugen Onegin" in angeblichem russisch zufällig neben zwei Russinnen gesessen, die vor Empörung über die Entstellung ihrer Sprache kaum stillsitzen konnten. Ich vermute, dass das kein Einzelfall ist.

      Ich hab schon eine Aufführung von Szymanowskis "Król Roger" erlebt, bei der es sich sogar für mich - des Polnischen praktisch Unkundigen - so angehört hat, als ob der muttersprachige Tenor in einer anderen Sprache gesungen hätte als die phonetisch den Text gelernt habenden nichtpolnischen Mitwirkenden. :pfeif:

      Ansonsten gibt es gute und schlechte Übersetzungen, wobei meiner persönlichen Erfahrung nach die schlechten überwiegen (allgemein, d.h. inkl. Belletristik und Lyrik, gesprochen). Ich gebe zu, dass ich gerne den Klang von Fremdsprachen höre, und ich verstehe grundsätzlich von den meisten romanischen Sprachen genug, um dem Libretto folgen zu können, in Opernhäusern aber oft von der Artikulation der Sängerinnen zu wenig, selbst wenn sie deutsch singen. Aber eigentlich bin ich undogmatisch; wenn die Aufführung gut ("wirkungsvoll") ist, ist mir die Sprache egal. Und ja, ich habe im Ausland auch schon Theaterstücke in Sprachen, die ich überhaupt nicht beherrsche, besucht und es war trotzdem interessant. ;)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Neu

      habe mal die "alten" Teile (ab 2009 ...) dieses Fadens überflogen. Es ist schon sehr respektabel, wie ausführlich und intensiv damals diskuriert wurde. Aber in einem Punkt wirkt die damalige Diskussion heute auf mich doch etwas veraltet:

      es fehlt das Bewußtsein davon, welche weltweite Verbreitung das Originalsprachenprinzip zwischenzeitig gefunden hat. Das Publikum akzeptiert anscheinend gern die "Notlösung" Orig.-Sprache + Übertitel, ich glaube nicht, daß man von "gezwungenermaßen" sprechen kann. In der alten Diskussion wird das Originalsprachenprinzip teilweise fast als "deutscher Sonderweg" mit etwas zweifelhaftem Ursprung angesehen. Und daß Sänger aus fernen Ländern als Beispiele für besonders katastrophale Aussprache europäischer Sprachen herhalten müssen, dürfte auch obsolet sein.

      Ich möchte auch daran erinnern, daß das Sprachenproblem ja nicht nur die Oper betrifft. Warum es bei geistlichen Werken kaum Übersetzungen in die Landessprache gibt, wurde damit begründet, daß die Texte bekannt seien. Davon kann wohl auch hierzulande inzwischen weniger ausgegangen werden, geschweige denn in kaum christlich geprägten Kulturen. Auch dort wird aber eifrig lateinisch gesungen.

      Und Mahler II ist inzwischen zur Konkurrentin von Beethoven IX geworden, und wird größtenteils wohl in dt. gesungen.

      ich möchte mit diesen auf youtube gewonnenen Beobachtungen gar keine Bewertung verbinden.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Neu

      zabki schrieb:

      Ich möchte auch daran erinnern, daß das Sprachenproblem ja nicht nur die Oper betrifft. Warum es bei geistlichen Werken kaum Übersetzungen in die Landessprache gibt, wurde damit begründet, daß die Texte bekannt seien. Davon kann wohl auch hierzulande inzwischen weniger ausgegangen werden, geschweige denn in kaum christlich geprägten Kulturen. Auch dort wird aber eifrig lateinisch gesungen.

      Und Mahler II ist inzwischen zur Konkurrentin von Beethoven IX geworden, und wird größtenteils wohl in dt. gesungen.
      Da besteht meines Erachtens ein wichtiger Unterschied: Eine Opernaufführung ist kein "kostümiertes Konzert" (Walter Felsenstein) sondern eine Theateraufführung, in der Text, Musik, Szene und Darsteller prinzipiell gleichberechtigt zusammenwirken.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)