Jacques Brel

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    • Newbie69 schrieb:

      Fast hätte ich den wunderbaren Dominique Horwitz vergessen, den ich schon 2 x mit diesem Programm live erleben durfte: "Ne me quitte pas" aus seinem Album "Dominique Horwitz singt Jacques Brel":
      Zum Glück habe ich das Programm auch noch live erleben dürfen. Es war wirklich unvergesslich. Und sein 'Ne me quitte pas' war wirklich ein Höhepunkt, weil auch er in der Lage war, die Schmerzen und das Bitten deutlich zu machen.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Newbie69 schrieb:

      Fast hätte ich den wunderbaren Dominique Horwitz vergessen, den ich schon 2 x mit diesem Programm live erleben durfte: "Ne me quitte pas" aus seinem Album "Dominique Horwitz singt Jacques Brel":
      Zum Glück habe ich das Programm auch noch live erleben dürfen. Es war wirklich unvergesslich. Und sein 'Ne me quitte pas' war wirklich ein Höhepunkt, weil auch er in der Lage war, die Schmerzen und das Bitten deutlich zu machen.

      :wink: Wolfram

      Ja, das war wirklich großartig. Er war ganz in seinem Element. :verbeugung1: Hin und wieder hört man aber schon auch raus, dass er mit seinem korrekten Französisch auf satirische Art und Weise ein klein wenig gegen Brels belgische Aussprache stichelt. Das macht er aber dennoch sehr charmant, sodass man es ihm kaum übelnehmen kann. ^^
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Newbie69 schrieb:

      Hin und wieder hört man aber schon auch raus, dass er mit seinem korrekten Französisch auf satirische Art und Weise ein klein wenig gegen Brels belgische Aussprache stichelt. Das macht er aber dennoch sehr charmant, sodass man es ihm kaum übelnehmen kann
      Ehrlich gesagt, habe ich das als 'Nicht-Franzose' nicht bemerkt. Aber wenn es so war, (und das kannst du sicherlich besser beurteilen) hat es mich überhaupt nicht gestört. Es war wirklich v.a. der Charme, neben seinem Gesang, der überwältigte.

      :wink: Wolfram
    • Es sind u. a. einige Endungen, wie z. B. bei den Wörtern "parlerai", "raconterai" oder "inventerai". Brel spricht es mit belgischem Französisch als "eee" aus, während Horwitz es in korrektem Französisch, also "äää" auspricht. Da fällt es am deutlichsten auf ...
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Es ist eben umgekehrt.
      Im Futur: je parlerai, je raconterai, j'inventerai wird die Endung geschlossen ausgesprochen, eben eee
      Im Conditional: je parlerais, je raconterais, j'inventerais wird sie offen ausgeprochen, eben äää


      Brels Aussprache ist in dieser Hinsicht völlig korrekt. Nix belgisch Französisch sondern Hochsprache.

      Der Pariser Slang zeigt seine Häßlichkeit eben dadurch, daß dort viel öfter offen ausgesprochen wird.

      Alles, wie immer, IMHO.
    • @Philbert:
      Danke für deine Rückmeldung! Dann habe ich' s in diesem Fall mit dem "Conditionnel" verwechselt, ja. :thumbup: Alles gut. Beides klingt jedenfalls gut. ^^
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Brel über sein Chanson: "C'est un hymne à la lâcheté des hommes" ... "C'est l'histoire d'un con et d'un raté, ça n'a rien à voir avec une femme"

      Das ist eine Hymne auf die Feigheit der Männer ... Es ist die Geschichte eines Deppen und eines Gescheiterten, das hat nichts mit einer Frau zu tun (Philbert, bitte ggf. korrigieren!)

      Seit ich das so sehen kann, finde ich das Chanson nicht mehr ganz so unerträglich - als übrigens so ziemlich einziges von Brel, den ich für einen der größten Lieder-Macher aller Zeiten halte (nur Schubert steht noch drüber :D ).
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Der "homme lâche" kommt bei Brel übrigens häufiger vor, der Protagonist aus "Madeleine" z. B., oder der aus "Ces gens là". Der eine ist irgendwo zwischen lächerilch und bemitleidenswert, der andere womöglich eher abstoßend. Auch der aus "Les bonbons" könnte in die Ecke passen.

      À propos les bonbons:

      Newbie69 schrieb:

      mit belgischem Französisch
      Kennst Du "Les bonbons '67"? J'ai perdu cet accent bruc-sellois". Hier spielt Brel mit dem flämischen Akzent und macht sich mE über jene "dummen" Franzosen lustig, die nicht wissen, wie der Name der belgischen Hauptstadt ausgesprochen wird .
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Ne me quitte pas

      Von Brel selber gibt es 2 Studio-Einspielungen, die von 1959 mit Ondes Martenot
      youtube.com/watch?v=JniKV4vp4iY
      und die Neuaufnahme von 1972
      youtube.com/watch?v=i2wmKcBm4Ik
      und mehrere lives.
      Seine französische Diktion ist absolut tadellos (inkl der geschlossenenen Endungen im Futur).

      Horwitz, den ich früher nicht kannte, fehlt die Eleganz, die Brel noch im tiefsten Schmerz zeigen kann. Die Eleganz, die auch den Text kennzeichnet. In anderen Worten ist Horwitz prosaisch (seine Aussprache würde ich als "bäuerlich" beschreiben).

      Wenn schon, dann lieber Sylvie Vartan
      youtube.com/watch?v=AhjnzBT9yY8 (1972) oder sogar 20 Jahre später youtube.com/watch?v=PJc1y3-FeU8 (trotz der offenen "ai" ;) )

      Céline Dion hingegen überzeugt mich nicht,

      Patty Pravo hat "Ne me quitte pas" auf Italienisch gesungen (Non andare via) und ist von Brel selber hochgelobt worden:
      youtube.com/watch?v=nTIG7RM70d0

      Dalida hat eine in bezug auf die Prosodie wohl bessere Übersetzung (von Gino Paoli) gesungen, in einem ganz anderen Stil aber auch sehr bewegend
      youtube.com/watch?v=Mu6AcGb-XUw

      Dieselbe Übersetzung singt Gigliola Cinquetti - und da merkt man, welche Intensität Dalida geben konnte. Interessant mit Cinquetti die Begleitung, die viel näher am Original ist:
      youtube.com/watch?v=EyuFuHavkOg

      Gino Paoli hat es selber gesungen, aber mit einer viel zu dünnen Stimme.

      Die englische Übersetzung, if you go away, ist in den Worten viel zu versüßt, als daß ich sie mit der gleichen Ergriffenheit hören kann.

      Eine besondere Neuinterpretation liefert Wyclef Jean
      youtube.com/watch?v=7HHBFkdHyRU
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Wolfram schrieb:

      Und dann Piaf. Vokal, vom Tempo her, von der geradezu stotternden Bitte bei gleichzeitiger Emotionalität, von der unsentimentalen Intensität her würde ich sie im Moment als die Interpretin ansehen.
      Das Problem ist, daß Piaf Ne me quitte pas nie gesungen hat.
      Die Stimme, die man hier hört
      youtube.com/watch?v=2ScogMfdh4Y
      ist die von Mireille Mathieu, die zugegebenerweise stark in die Richtung der Piaf-Nachahmung geht (die "r"). Eigentlich ist in Mathieus Stimme das Material besser als bei Piaf; interpretatorisch ist sie ihrer Vorgängerin meilenweit entfernt.

      Das hier
      youtube.com/watch?v=slHjkszSAKs
      ist die brasilianische Sängerin Maysa. Wie man beide verwechseln könnte, ist ziemlich rätselhaft (Maysas Französisch ist für eine Brasilianerin einigermaßen OK, sie kann aber keineswegs für einen native speaker gehalten werden).

      Die slowakisch geborene tschechische Sängerin Hana Hegerová hat viele französische Standards auf Tschechisch gesungen.
      Hier sagt sie in der Einführung, daß einige Chansons im Original am besten sind - und dann singt sie Ne me quitte pas auf Französisch. Stellenweise mit einem winzigen Touch Akzent, aber mit einem tiefen Verständnis des Textes und der Sprache selber (so etwas konnte Mireille Mathieu nie erreichen!). Für mich fabelhaft.
      youtube.com/watch?v=NztuZaC0vFA

      Barbara singt Barbara, Sie eignet sich das Chanson an, schreibt es teilweise um (textlich und musikalisch), und macht etwas Neues daraus. Ihre Brel-Interpretationen kamen ziemlich früh in ihrer Karriere, später hätte sie wohl meht interpretatorische Tiefe gehabt, hier ist sie schon ganz vereinnahmend.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die deutsche Adaptation (man kann nicht von einer Übersetzung sprechen), die Marlene Dietrich singt, ist unsäglich banal, eine Anhäufung von Allgemeinplätzen. Es braucht das Talent der Dietrich, um daraus etwas Hörbares zu machen, sonst wäre man irgendwie zwischen Julianne Werding und Helene Fischer.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Das Problem ist, daß Piaf Ne me quitte pas nie gesungen hat.
      Die Stimme, die man hier hört
      youtube.com/watch?v=2ScogMfdh4Y
      ist die von Mireille Mathieu, die zugegebenerweise stark in die Richtung der Piaf-Nachahmung geht (die "r"). Eigentlich ist in Mathieus Stimme das Material besser als bei Piaf; interpretatorisch ist sie ihrer Vorgängerin meilenweit entfernt.
      Ups, wie peinlich. :versteck1: :herrje1:

      Jetzt, wo du es geschrieben hast, sehe ich die Mathieu beim Hören auch direkt vor mir. Wobei ich die Interpretation trotzdem gar nicht schlecht finde. Aber im Vergleich sind da wirklich Welten.

      :wink: Wolfram
    • Philbert schrieb:

      Die deutsche Adaptation (man kann nicht von einer Übersetzung sprechen), die Marlene Dietrich singt, ist unsäglich banal, eine Anhäufung von Allgemeinplätzen. Es braucht das Talent der Dietrich, um daraus etwas Hörbares zu machen, sonst wäre man irgendwie zwischen Julianne Werding und Helene Fischer.
      Das aber genau zeichnet ja große Künstler aus, dass sie selbst aus Mist noch was machen können. ^^

      Es gibt ja im Schell-Porträt der Dietrich die wunderbare Stelle, in der sie behauptet völlig unsentimental zu sein und er ihr nachher das Gegenteil beweist und sie ihm Recht gibt. Sie hatte immer einen starken Sinn für das Sentimentale, aber sie konnte das eben auch verwandeln.

      :wink: Wolfram
    • Quasimodo schrieb:

      Kennst Du "Les bonbons '67"? J'ai perdu cet accent bruc-sellois". Hier spielt Brel mit dem flämischen Akzent und macht sich mE über jene "dummen" Franzosen lustig, die nicht wissen, wie der Name der belgischen Hauptstadt ausgesprochen wird .
      :wink: Glaube nicht. Ich muss später aber mal meine Brel-CDs durchforsten. Habe auch eine Live-DVD von ihm und gestern Abend bzw. Nacht mal kurz nachgeschaut. Dort ist es jedenfalls nicht enthalten. Ich habe ansonsten noch viele Studioalben von ihm. Wo du den flämischen Akzent erwähnst: ich meine, in seiner Biographie, die ich vor langer Zeit mal gelesen habe, stand, dass sich die Franzosen mal zu Beginn seiner Karriere über seinen Akzent und seine Wortwahl lustig gemacht haben. Das müsste ich aber mal nachlesen. Irgendetwas war da aber, meine ich ...

      @Philbert:
      Geschmäcker sind halt unterschiedlich.

      Mehr später mal, da ich gestern unterwegs war und erst nachts nach Hause kam. :tee1:
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Hana Hegerová, die Je ne me quitte pas meisterhaft im französischen Original interpretierte (s.o.) hat auch eine tschechische Version gesungen : Lásko prokletá (verfluchte Liebe). Text von Pavel Kopta
      Es ist keine Übersetzung, auch annähernd nicht, aber ein neuer Text, ein sehr schöner (in jedem Fall eine bessere Option als die englische oder deutsche Version).
      Hier zeigt sich auch die Größe der Hegerová als Interpretin:
      youtube.com/watch?v=nOpaIliqMKE
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Es gibt ja einen separaten "Jacques Brel"-Thread:

      capriccio-kulturforum.de/index…Jacques%2BBrel#post341923

      Sollte man die Posts aus diesem Thread, die weiter in die Tiefe gehen, nicht besser dorthin verschieben? Dort könnte man sich ja noch ein wenig intensiver über Brel austauschen. :)

      /Erledigt.
      Amaryllis, für die Moderation
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Wieder eine ausländische Version, diesmal eine schöne portugiesische Übersetzung von David Mourão-Ferreira, gesungen von Simone de Oliveira
      Não me vas deixar
      youtube.com/watch?v=tUb8pg-vpYU
      Eine introvertierte Version mit schöner Stimme, die wieder mal die Sprache in den Vordergrund bringt. Und die Kombination der melodiösen portugiesischen Sprache mit dem schönen Timbre der Stimme funktioniert gut.

      Einen Brel mehr alla Fado findet man mit demselben Text von Joana Amendoeira
      youtube.com/watch?v=4cU9H9fN1WE

      Ich träume von einer brasilianisch-portugiesischen Version mit Maria Bethânia oder Chico Buarque ...es wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

      Immerhin, ob europäisch oder brasilianisch, die portugiesische Sprache gibt der Elegie die schönsten Farben.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Philbert schrieb:

      Wieder eine ausländische Version, diesmal eine schöne portugiesische Übersetzung von David Mourão-Ferreira, gesungen von Simone de Oliveira
      Não me vas deixar
      youtube.com/watch?v=tUb8pg-vpYU
      Eine introvertierte Version mit schöner Stimme, die wieder mal die Sprache in den Vordergrund bringt. Und die Kombination der melodiösen portugiesischen Sprache mit dem schönen Timbre der Stimme funktioniert gut.
      Ich verstehe zwar kein Wort, aber es klingt wirklich sehr gut! :thumbup:
      "Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen." (Albert Schweitzer)
    • Quasimodo schrieb:

      Der "homme lâche" kommt bei Brel übrigens häufiger vor, der Protagonist aus "Madeleine" z. B., oder der aus "Ces gens là". Der eine ist irgendwo zwischen lächerilch und bemitleidenswert, der andere womöglich eher abstoßend. Auch der aus "Les bonbons" könnte in die Ecke passen.
      Bist du sicher, dass das gegen "die Männer" geht?

      Bei "Ces gens-là" geht es jedenfalls gegen eine ganze Familie, da kommen die Frauen keineswegs besser weg. Bei "Les Bigotes" und "Les Bourgeois" geht es gegen eine Geisteshaltung. "Les Flamandes" würde man heutzutage als volksverhetzend anprangern.

      Brel hadert mit sich und der Welt, siehe auch "Le Diable".

      Aber wie er das in Worte fasst, wie er das interpretiert, das ist einfach genial...


      Thomas