Jacques Brel

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    • Lieber Maldoror, eine Brel Cd ohne "Ne me quitte pas" und "Le plat pays" geht leider überhaupt nicht, so grossartig das Olympia Live-Erlebnis auch sein mag.

      Ne me quitte pas ist eines der schönsten Chansons aller Zeiten- wer da nciht mit den Tränen kämpft, weiss entweder nciht, was es heisst, von einem geliebten Menschen verlassen zu werden oder ist ein Stein.

      Kein Wunder dass dieses Lied so oft gecovert wurde, ( z.B. als "Bitte geh nicht fort" in deutsch) und Brels grösster Erfolg ist.

      Das muss man hören, sonst kennt man ihn nicht.

      Le plat pays- das ist seine Heimat und damit seine Carte d'identitie. Unnachahmlich, wie er darin in flämischer Sprache singt und sein plattes Land , sein Flandernland vor unseren Ohren Form gewinnt. Ich bin sehr oft dort an der Zee, und der Wind weht dort genauso wie in Brels Chanson.

      Bitte unbedingt aufpassen, dass für einen Einstieg diese beiden Lieder dabei sind.

      Hier ist ein leider noch serh hochpreisiges Porträt:





      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Bei Brel würde ich als Einstieg zu dieser hier greifen: Sowohl die Repertoireauswahl als auch die klangliche Aufbereitung sehr gelungen. Doppel-CD im mittleren Preisbereich.




      Gruß
      Henning
      Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
      GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
      Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
      GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.
    • Maldoror schrieb:

      [...] wenn Du Brel nicht nur singen hörst, sondern Musik leben siehst, bist Du entweder verliebt und begeistert, oder alle Zeit für ihn verloren
      ... darüber muß ich nachdenken. ;+) Das Visuelle hat schon etwas, gebe ich zu - nur könnte ich es dann bei mir nur am PC genießen.

      FairyQueen schrieb:

      [...] eine Brel Cd ohne "Ne me quitte pas" und "Le plat pays" geht leider überhaupt nicht, so grossartig das Olympia Live-Erlebnis auch sein mag.
      Da scheint jeder Widerspruch aussichtslos. :)

      Habt alle drei herzlichen Dank; beim Stöbern bei den Amazonen habe ich gerade ebenfalls festgestellt, daß es auch etwas weniger hochpreisig gehen könnte - werd's bedenken. (Für mich übrigens nicht ganz unwichtig: Liegen die Texte bei, evt. mit deutscher, wenigstens englischer Übersetzung?)

      Eine Frage zum französischen Chanson generell bzw. zu dessen Geschichte: Hat das eine ganz eigene Tradition, also unabhängig von z. B. Chausson - Duparc - Fauré - Debussy - Ravel - Caplet --- Messiaen... (chanson einerseits, mélodie andererseits?) oder gibt es da Verbindungen mit evt. gegenseitiger Beeinflussung? Letzteres könnte ich mir bei z. B. Chabrier, Satie, Poulenc und Hahn durchaus vorstellen, weil hier, wie's scheint, mehr Anklänge an Populäres zu hören sind als bei den Erstgenannten.
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Lieber Gurnemanz, nimm die von Henning Vorgeschlagene, damit bist Du absolut richtig und da ist Alles drauf, was das Herz, der Kopf und der Bauch brauchen!Hast du denn mal bei Youtube reingehört in "Ne me quitte pas" und "Le plat pays"? Wenn ja weisst du wenigstens, warum Widerspruch zweckslos ist :angel:

      Was die Texte angeht, kannst du dich vertrauensvoll an eine Fee Deiner Wahl wenden, wenn Du sie nciht im Net findest, denn bei den Platten sind die leider nciht dabei. Die Franzosen gehen davon aus, dass jeder ihre Sprache kann- so sind sie halt...

      Die entwicklungsgeschichte des Chanson française interessiert mich auch, ic hweiss dazu aber noch ncihts.

      Was sie(LA chanson, deshalb sie) mit der Melodie gemeinsam hat, ist der grosse Wert, der auf den Text gelegt wird. Wo Mallarmé, Baudelaire, Verlaine im Kunstlied ist im Chanson z.B. Aragon. Die Texte von Brel und Brassens oder Barbara können sich jederzeit auch sehen lassen und die Diktion ist immer ausgesprochen wichtig.

      Jetzt höre ich nochmal "Ai Marieke Marieke je t'aimait tant ,entre les tours de Bruges et Gand" (ei Marieke Marieke ich liebte dich so sehr, zwischen den Türmen von Brügge und Gent) von meiner persönlichen Brel Hitliste und dann geh ich ins Bett.

      Bonne nuit :fee:



      Ein ganz tolles Lied ist auch "Mathilde"- sowas können sich nur Franzosen ausdenken- amour fou.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • @Gurnemanz

      Was die Texte betrifft, wirst Du, wie die Queen schon schrieb, bei den CDs keine Übersetzungen finden. Einiges findet man im Netz, auch unter "Klaus Hoffmann", der zahlreiche Brel-Chansons auf Deutsch interpretiert hat (Deutsch gesungen klingt das manchmal ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber die Übersetzungen als solche scheinen mir ziemlich gelungen); Mit den Stichworten "Hoffmann" und "lyrics" kann man manches ergoogeln.

      Ich würde ja hier durchaus die eine oder andere Übersetzung einstellen, befürchte aber dass es insoweit urheberrechtlichen Ärger geben könnte, die Übersetzungen sind halt nicht von mir selbst....

      Gruß
      Henning

      PS: Als Appetithäppchen ein link zur Übersetzung eines Brel - Chansons, welches in meiner persönlichen Lieblingsliste neben den von Fairy bereits genannten ganz weit oben steht

      "http://www.lyrix.at/de/text_show/a7c4560d56e9a83215371ee97f2292b7-_-_Adieu+Emile"
      Stattdessen sind Sie Knall und Fall mitten im Unterricht vom Gymnasium abgegangen.
      GULDA: Ja, ich hab' gesagt, Herr Professor, darf ich aufs Klo, und bin nicht wiedergekommen. Ich glaub', es war in der Mathematikstunde .
      Warum sind Sie nicht in der Pause gegangen?
      GULDA: Das wär' ja fad gewesen. Keiner lacht. Die Tür ist eh offen. Ich wollte schon, daß es prickelt.
    • Gurnemanz schrieb:

      Liebe Brel-Fans, da ich eher bei den mélodies françaises als bei den chansons françaises zuhause bin, eine Frage: Könnt Ihr - als Einstieg für jemand noch ganz Unvertrauten - eine CD-Empfehlung für Jacques Brel geben, evt. mit Bildchen? ;+)

      Lieber Gurnemanz und alle anderen Interessierten, am günstigen ist sicher die 2001-Jaques-Brel-Box, die vier LPs auf 3 CDs zu einem unschlagbaren Preis von 14,99 EUR vereint, siehe "http://www.zweitausendeins.de/suche/?ArticleFocus=2&ord=-1&alpha=1&cat=all&q=brel". 56 Titel, da ist wirklich (fast) alles dabei.

      Wenn ich eine einzige CD empfehlen sollte, dann wäre das "Les marquises", die letzte LP von Jaques Brel, die er 1977 ein Jahr vor seinem Tod fertig stellte.



      Übrigens hat die 2001-Box das gleiche Cover, dort sind die Chansons dieser CD auch voll enthalten.

      Grüße,
      Jürgen
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Nochmals herzlichen Dank, liebe Brel-Missionar/innen! Nachdem ich mich eben durch ein paar Youtube-Titel durchgehört habe, ist soeben eine Bestellung gen 2001 gewandert. Der Mann hat schon eine tolle Ausstrahlung, gefällt mir!
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Jacques Brel gehört zu den wenigen Sängern, bei denen ich mich noch genau an das erste Mal Hören erinnern kann. Es war Mitte der 70er und unsere Französischlehrerin kam mit einem Chanson an, das sie uns vorspielte und über das wir reden sollten – natürlich brav auf Französisch.

      Es war das tragikomische „Madeleine“, das auch heute noch zu meinen Lieblings-Brel-Chansons gehört:

      Eine fröhliche, fast revue- oder zirkusartige Melodie, ein junger Mann, der auf seine geliebte Madekleine wartet, Veilchen gekauft hat, weil er weiß, dass sie diese Blumen liebt, sie, die sein Weihnachten, sein Amerika ist, obwohl ihre Cousins sagen, dass er nicht gut genug für sie sei … Natürlich wartet er vergebens, wird immer leiser, der zuerst emphatische Refrain
      „Elle est tellement jolie …“ fast tonlos, bis er sich aufrappelt und mit fast erstickter Stimme erzählt, dass er natürlich morgen wieder auf sie warten wird – und zum Schluss wird´s dann wieder ganz emphatisch-überdreht.

      Es schwankt irgendwo zwischen Trostlosigkeit, Komik und Melodramatik; die Hartgesottenen unter uns begrinsten das Ich als „Armen Trottel“, aber die meisten gingen mit, und wer den Sänger noch nicht kannte, fragte weiter, wer das denn sei, der alle Gefühle von „Himmelhoch“ bis „Ganz trostlos“ so schön überdreht in einem Lied unterbringen könne.

      Es gibt eine große Zahl seiner Chansons, die ich sehr gern höre, dann „Le plat pays“, das ich wunderschön finde, und ziemlich zum Schluss eines, das mich von allen seinen Chansons am stärksten erwischt hat: "Pourquoi ont-ils tué Jaurès?", das auch von Nocturnus oben schon genannt wurde.

      Liebe Grüße
      Petra

      edit: Ich würde, wenn es euch Recht ist, gern die Brel-Beiträge kopieren und einen Thread für ihn aufmachen, mir fällt nur im Moment kein passender Titel ein ("Jacques Brel - Poet des französischen Chansons" ist schon fast zu pathetisch, oder ;+) ? ) ...Vorschläge werden gern entgegen genommen :wink:
    • Liebe Petra, das ist eine serh gute Idee und ich erkläre mich bereit, auf einzelne Bestellung/Wunsch Übersetzungen der Texte einzustelen, die dann copyrightfrei, weil von mir sind! Ixh möchte serh gerne dabei helfen, diesen Ausnahme Künstler in der Capriccio Welt bekannter zu machen.

      Gut, dass Klaus Hoffmann genannt wurde-er hat sich um Brels Lieder im deutschsprachigen Raum serh verdient gemacht

      Gerade höre ich Madeleine beim Schreiben- das ist einfach herrlich, weil es alle Zustände eines hoffnungslos verliebten überschwänglichen Jünglings zeigt und Brel all das in seine Stimme legt. Hâtten wir bloss auch mehr Opernsänger dieses Schlages in der Welt!



      Eine serh interessante Version von "Ne me quitte pas" singt Nina Simone. Ist auf youtube zu hören.

      Was den Titel angeh, mussen wir uns noch inspirieren lassen. Vielleicht einfach mal vorläufig nur sein Name, den man ja dann ergänzen kann, wenn jemandem etwas Zündendes einfällt?



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • La chanson des vieux amants

      FairyQueen schrieb:

      Nachdem ich den deutschen text nun gelesen habe: die Grundaussage bei Heltau ist eine ganz Andere als bei Brel.
      Vielleicht gefällt Dir Herman van Veens deutsche Version besser: "http://www.youtube.com/watch?v=gn8V-DlanCQ". Auf Deine Übersetzung wäre ich aber sehr gespannt.

      La chanson des vieux amants sit übrigens auch einer meiner erklärten Brel-Favoriten.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Lieber Quasimodo, ja, Hermannvan Veen macht das serh schön und gefällt mir besser als Heltau.

      Ich wusste gar nicht, dass niederländisch so klangvoll sein kann..... ;+)

      Danke für den Tipp. Hôre schon den ganzen Morgen nur Brel :angel:

      Gestern hab ich mich übrigens vertan und zwei Lieder verwechselt: Brel singt in" Le plat pays" NICHT flämisch auch wenn er vom flandrischen Meer und Wind singt. Flämisch singt er in "Marieke" zonder liefde, warme liefde usw.... " und diese Sprache klingt bei ihm einfach ganz ganz anders, als ich sie sosnt hier um mich herum höre.



      F.Q.

      übersetzungen wie gesagt nach Bedarf, Die "vieux amants" kommen dann als Erstes.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Auch ich möchte mich als Brel-Fan outen. Leider habe ich in der Schulde nicht französisch gelernt, aber ich helfe mir mit den Übersetzungen, die ich auf Google finde. Mein absolutes Lieblingslied ist "Amsterdam" - und da besonders die Live-Fassung, die man auf Youtube findet. Das geht derartig unter die Haut...

      Und es gibt meiner Meinung nach kaum einen Sänger, der so viele Emotionen ausdrücken kann wie er..
      Nunc est bibendum !!!
    • Mein Lieblingschanson ist "La Ville S'Endormait", auch von 1977. :angel:

      Brel kann imho nur von Brel gesungen werden. Interpretationen durch andere Sänger kann ich überhaupt nicht goutieren - allenfalls Kuriosa wie die Salsa_Version von "Ne Me Quitte Pas" :sev:

      Brel war ein Bruxellois. Freunde von mir aus nördlichen, also flämischen Brüsseler Vororten beanspruchen ihn rigoros für sich - als flämischen Poeten. Sie hören nur die flämischen Versionen seiner Chansons. Dass Brel z.T. bitteren Spott über die Flamen ergoß, ficht sie nicht an.

      Um sich einen wirklich treffenden Eindruck über diesen Künstler zu verschaffen, sollte man unbedingt auch sein Flamentum würdigen und einige seiner flämischsprachigen Chansons kennen - der Vergleich etwa von "Le plat pays" und "Mijn vlakke Land" ist (auch für Schontösen im frz. Teil Flanderns) :fee: sehr aufschlußreich.

      Eine Sonderstellung hat das wunderschöne "Marieke" - der Text ist teilweise französisch und teilweise flämisch. Ay Marieke, Marieke, je t'aimais tant - entre les tours de Bruges et Gand... und dann "Zonder liefde warme liefde - Sterft de zomer de droeve zomer - En schuurt het zand over mijn land - Mijn platte land mijn Vlaanderland« (»Ohne Liebe warme Liebe - stirbt der Sommer, der traurige Sommer - und scheuert der Sand über mein Land - Mein flaches Land mein Flandernland").

      Ein wunderschöner Platz am Rande der Brüsseler Altstadt (mit seeeehr einladenden Restaurants) ist der Oude Koornmarkt/Place de la Vieille Halle aux Blés. Sehr zu empfehlen - ob vor oder nach dem Essen - ist der Besuch der dort ansässigen Jacques Brel Foundation mit ihrer Ausstellung und Literatursammlung: http://www.jacquesbrel.be/index2.cfm?lg=FR&pg=expo. Von dort ist es auch nicht weit in die seeeehr bruxelloise Brasserie "Mort Subite". Der Platz, auf dem Brel dort einst zu sitzen pflegte, ist mit Devotionalien markiert. http://www.alamortsubite.com/

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Übersetzung "La chanson des vieux amants"

      Hier meine Übersetzung von "La chanson de vieux amants"; sie ist nicht wortwörtlich, aber serh nah am Text.

      Das Lied von den alten Liebenden


      Ja natürlich gab es Stürme,
      Zwanzig Jahre Liebe, das ist ein Wahnsinn.
      Tausend Mal packtest du deine Koffer
      Tausend Mal ergriff ich die Flucht.
      Und jedes Möbelstück i ndiesem Zimmer ohne Wiege erinnert sich
      an die Ausbrüche alter Unwetter.
      Kein ding glich mehr dem Anderen
      Du hattest den Geschmack an der Sache verloren
      und ich den an der Eroberung.


      Refrain:
      Aber meine Liebste, meine süsse, meine zärtliche, meine wunderbare Liebste
      vom ersten Morgengrauen bis zum Ende des Tages
      ich liebe dich noch immer, du weisst, ich liebe dich.


      Ich kenne alle Deine Zauberkünste
      und du kennst all meine Magie.
      du hast mich in deinen Fallen gefangen,
      ich habe dich von Zeit zu Zeit verloren.
      Natürlich hattest du einige Liebhaber,
      man muss sich ja die Zeit vertreiben
      und der Körper muss seine Lust haben.
      Letztlich brauchten wir sehr viel Talent
      um alt zu werden, ohne erwachsen zu werden.

      Aber meine Liebste

      Und die Zeit macht uns immer mehr den Hof
      und die Zeit macht uns immer mehr Kummer
      Aber ist es nciht die schlimmste Falle für Liebende, in Frieden zu leben?

      Ja, du weinst nciht mehr so schnell
      und ich zerfleische mich etwas spâter,
      wir hüten unsere Geheimnisse weniger
      wir ûberlassen Weniger dem Zufall.
      Wir misstrauen dem klaren Wasser, aber immer ist es ein zärtlciher Krieg.

      Aber meine Liebste......


      F.Q.

      Cher General, ich habe noch nie jemanden so erotisch in flämisch singen hören wie Brel.
      Was er allerdings über die Flamen in seinen Chanson sagt, ist keinesfalls schmeichehaft. Man sieht sie z.B. in dem Lied "Les flamands" geradezu den Breughel-Gemâlden entsteigen und freudlos klappernd tanzen , auch wenn sie heute eher Fritten essen und Bier trinken.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      in dem Lied "Les flamands"
      Es heißt "Les flamandes", und das macht es nicht netter :evil:

      Général Lavine schrieb:

      Mein Lieblingschanson ist "La Ville S'Endormait"
      Ein großartiges Chanson, bei dem ich leider bis heute nicht so richtig weiß, wovon es handelt. Wenn Du, Fairy, also noch Zeit und Lust zum übersetzen hast...

      ***

      Ein besonderer Favorit von mir ist "Mon enfance", und zwar vor allem wegen des großartigen dramaturgischen Aufbaus des Chansons. Das plätschert erstmal nur so dahin, nur ganz langsam kommt das Stück in den ersten drei Strophen in Fahrt. In der vierten geht's dann richtig los, wenn er vom Ende der Kindheit mit der ersten Liebe erzählt, die Stimme sich dabei immer höher schwingt, das Arrangement (von Francois Rauber, ziemlich opulent, hier aber einmal passend) immer dichter wird - und dann nach dem Wort "Barbar" abbricht, um dann mit den letzten beiden Zeilen mitzuteilen, wie der Krieg diese seine Generation erwischt hat: sie redeten nicht drüber. Die letzten Zeilen zitiere ich hier mal:

      Je volais, je le jure
      Je jure que je volais
      Mon coeur ouvrait les bras
      Je n'étais plus barbare
      Et la guerre arriva
      Et nous voilà ce soir.

      Ich meine hier immer, das Schweigen seiner Generation (der Generation auch meiner Eltern) besser verstehen zu können.

      Und dann natürlich die Akkordeon- und Sprachakrobatik von "Vesoul", die Selbstironie im "Chanson de Jacky" oder in "Les bourgeois", die pathetische Einsamkeit von "Seul", die böse Ironie von "Les singes"... Auch ein kleiner Favorit von mir ist einer seiner frühen Schlager, "Les blés" ("Les garçons sont pour les filles et les filles pour les garçons"). Nur mit "Ne me quitte pas" bin ich nie warm geworden, ich finde es bis heute eher unangenehm, fast ein wenig abstoßend; die "singende Säge" (es ist vermutlich ein Theremin) macht es nicht besser.
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Lieber Quasimodo, ich kannte das Lied "La ville s'endormait" bis eben nicht- es gibt bei youtube eine Fassung mit englischen Untertiteln.

      Wovon das Chanson handelt? Ich hab nur mitgehört und keinen text vorliegen, gut dass Brel so eine deutlich artikulierte Aussprache hat.

      Melancholisch-philosophisch-brel'sche Betrachtungen am Abend, wenn eine namenlose Stadt (deren Namen er vergessen hat) schlafen geht.



      Das jemandem "Ne me quitte pas" nciht gefallen kann, fällt mir etwas schwer zu verstehen, aber so isses eben.

      Hast du mal die Version von Nina Simone gehört?



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • La chanson des vieux amants

      Vielen Dank für die schöne Übersetzung, Fairy! Ich habe das Chanson vor ca. 30 Jahren in einem Konzert von Herman van Veen kennengelernt (in einem Brel-näheren Arrangement als bei youtube) und habe danach erst begonnen, mich für Brel zu interessieren. Ein Freund hat mir damals eine LP geliehen, auf der mich vor allem "Ces gens là" fasziniert hat (übrigens auch ein Chansons, dessen Inhalt ich nur vage verstehe; aber das liegt vielleicht gar nicht so sehr an meinen Französisch-Lücken). Brels LP-Fassung ist allerdings nur durch seine eigenen Live-Aufnahmen zu toppen. Der letzte Refrain treibt mir tatsächlich jedesmal die Tränen in die Augen, schon damals, als ich selbst noch kein "vieux amant" war.

      Als ich Brel Jahre später dann in einer Fernsehsendung (könnte zu seinem 60. gewesen sein) zum ersten Mal live mit seinen Chansons gesehen habe, traf mich fast der Schlag, weil er ja wirklich sehr viel mehr tut, als nur Chansons singend zu interpretieren. Seitdem kann ich ihn kaum hören, ohne ihn vor mir zu sehen. Besonders beeindruckend: "La Statue", "Le Cheval", "Les vieux".

      Seine Chansons sind wirklich oft regelrechte Mini-Dramen; das kenne ich sonst nur aus dem Kunstlied (Schubert vor allem).
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • FairyQueen schrieb:

      ich kannte das Lied "La ville s'endormait" bis eben nicht- es gibt bei youtube eine Fassung mit englischen Untertiteln.
      Werd' ich mir mal ansehen. Ich habe den Eindruck, es gibt bei Brel gelegentlich einen frauenfeindlichen Unterton, den ich nicht recht einzuschätzen weiß.

      Mais les femmes toujours
      Ne ressemblent qu'aux femmes
      Et d'entre elles les connes
      Ne ressemblent qu'aux connes
      Et je ne suis pas bien sûr
      Comme chante un certain
      Qu'elles soient l'avenir de l'homme

      (aus "La ville s'endormait")

      Ich habe den Eindruck, daß es da um mehr geht, als um melancholisch-philosophische Betrachtungen, abgesehen davon, daß er bei der Aufnahme des Albums bereits todkrank war. Unangenehm gezeichnete Frauen gibt es in seinen Chansons öfters; Madeleine, Le Cheval, Vesoul fallen mir gerade ein, die Fläminnen hatten wir ja bereits (laufen passenderweise soeben im Hintergrund). "L'ivrogne" kommt gerade hinterher; da wird er gleich auf seine Verflossene als "putin, qui m'a tordu le coeur" bezeichnen. Das Gegenteil ist allerdings auch oft anzutreffen, wie etwa das lyrische Gegenüber im "Chanson des vieux amants".
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • Lieber Quasimodo, Brels Frauenbild wäre tatsächlich ein serh interessantes Thema. Ich habe "la ville s"endormait" gestern nur einmal flüchtig mitgehört und darauf nciht geachtet, aber andere Texte kenne ich besser und mache mir gerade meine Gedanken, ob man das wirklich "frauenfeindlich" nennen kann.



      Ich habe eher das Gefühl, dass Brel die Frau als ein grosses Mysterium sieht ( "la femme est un ëtre mysterieux et incomprehensible" pflegt auch mein Mann zu sagen- ob das nun typisch französisch ist?), dass das Gleichgewicht der Welt sehr empfindlich ins Wanken bringt, ob im positiven oder negativen Sinne.

      Brel geht m.E. von einem Krieg der Geschlechter aus, so zärtlich oder lustvoll der auch sein mag- es bleibt ein Krieg mit all seinen schmerzhaften Folgen.

      Wenn man z.B. "Mathilde" oder "Madeleine" nimmt: das männliche lyrische Ich versteht nicht wirklich,was da mit ihm passiert, ist dem aber hilflos ausgeliefert.

      Was in Madeleine noch die liebenswerte Verwirrung eines Jünglings ist, wird in Mathilde zur Amour fou eines erwachsenen Mannes der vollkommen unter dem Bann einer Frau steht. Beinhahe eine krankhafte Obsession.

      Die Liebe hat bei Brel oft den Beingeschmack des "Wahnsinns". Eben das unübersetzbare "l'amour fou"

      Auch in "Ne me quitte pas" oder "Les vieux amants" ist nie von gleichberechtigten Beziehungen die Rede, es geht immer um Magie, Zauberei, Abhängigkeit, Unterwerfung, Selbstverleugung . Der Liebhaber wird zum " ombre de ton chien" (Schatten deines Hundes) und bereist die ganze Welt, um der Geliebten ein Königreich zu Füssen zu legen.

      Der Begriff des "amour fou" ist kaum in eine andere Sprache zu übersetzen, aber im frz. Denken fest verankert.

      Liebe und Freundschaft (also eine gleichberechtigte Beziehung zweier Partner) schliessen sich in diesem Liebesbegriff aus. Die Liebe nähert sich einer Krankheit an- gegen die aber leider kein Kraut gewachsen ist als die Zeit.

      Das findet man nicht nur in der Dichtung, im Kino in der Literatur, es ist auch weiterhin im Alltag verankert. Jemand, der im Sinne des "amour fou" verliebt ist, ist in einem quasi beneidenswerten Ausnahmezustand und das wird anerkannt und gewürdigt.

      Die relativ grosse Toleranz und Libertinage im Hinblick auf Konkubinate versus funktionierende Vernunftehen hat damit auch direkt und indirekt zu tun und natürlich auch ihre historischen Wurzeln und Dimensionen.

      Nicht leicht zu erklâren, dazu muss man wohl viele Jahre im Land selbst leben- ich blicke da immer noch nciht so ganz durch.

      Mit Psychologie kommt man dem jedenfalls nciht bei- das ist dann ûbelste "Spielverderberei" und total "unpoetisch".

      Jedenfalls sehe ich Brel vom rein ästhetischen Standpunkt eher in dieser Tradition denn als Frauenfeind.

      Man mûsste sich aber auch biographisch schlau machen, um dazu Genaues sagen zu können.



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Zu diesem Thema hier meine übersetzung von "Mathilde" (bitte Original auf youtube hören, wer's nicht kennt) einem Text dem man tatsächlich frauenfeindliche Tendenzen unterstellen kann, wenn man nciht von einer Tradition ausgeht, in der z.B. auch die Frauen Baudelaires stehen. Diese Mathilde kônnte jedenfalls sehr gut einem seiner Gedichte entsprungen sein.







      Mutter, nun ist die Zeit gekommen für mein Seelenheil zu beten:

      Mathilde ist zurückgekommen

      Bougnat, du kannst deinen Wein behalten,

      ich trinke heute meinen Kummer:

      Mathilde ist zurückgekommen.

      Du, Maria, Dienstmâdchen, es wäre bessere unsere Laken zu wechseln:

      Mathilde ist zurückgekommen.

      Meine Freunde, lasst mich nciht im Stich,

      heute abend ziehe ich wieder in die Schlacht:

      die verdammte Mathilde, da ist sie!



      Mein Herz, mein Herz, lass dich nciht betören,

      tu so, als wissest du nciht, dass Mathilde zurückgekommen ist.

      Mein Herz , hör auf zu wiederholen, dass sie noch schöner ist als vor dem Sommer,

      diese Mathilde, die zurückgekommen ist.

      Mein Hezrz hör auf dich zu überschlagen-

      erinnere dich , wie sie dich zerrissen hat!

      diese Mathilde, die zurückgekommen ist.

      Meine Freunde, lasst mich nicht allein,

      sagt mir, bitte sagt mir, dass es nciht sein darf

      Die verdammte Mathilde ist zurückgekommen.



      Und ihr meine Hände bleibt ruhig,

      das ist nur ien hund der aus der Stadt zu uns kommt.

      Mathilde ist zurückgekommen.

      Und ihr meine Hände, schlagt nicht, all das geht euch nichts an.

      Mathilde ist zurückgekommen.

      Und ihr meine Hände zittert nicht,

      erinnert euch, wie oft ich in euch geweint habe.

      Mathilde ist zurückgekommen.

      Ihr meine Hände öffnet euch nicht.

      Ihr meine Arme, breitet euch nicht aus.

      Die gottverdammte Mathilde , da ist sie!



      Mutter, hör auf zu beten, dein Jacques kehrt in die Hölle zurück.

      Mathilde ist zu mir zurückgekommen.

      Bougnat, bring uns Wein, den für die Hochzeiten und grossen Feste.

      Mathilde ist zu mir zurückgekommen.

      Und du, Maria, Dienstmädchen,zieh frische Laken auf mein grosses Bett.

      Mathilde ist zu mir zurückgekommen.

      Freund, zählt nciht mehr auf mich

      ich spucke noch einmal auf den Himmel

      Meine schöne Mathilde, da ist sie!





      Beim Übersetzen kamen mir u.A. Assoziationen an Schubert Winterreise: Mein Herz, mein Herz....



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)