Tschaikowski: Pique Dame, WSO, 26. September 2009

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    • Tschaikowski: Pique Dame, WSO, 26. September 2009

      Zwei Jahre nach der PR steht nun Tschaikovskis "Pique Dame" in einer überwiegend neuen Besetzung wieder auf dem Spielplan der WSO. Das empfand ich als klare Verbesserung, während ich mit der Inszenierung von Vera Nemirova auch im zweiten Anlauf nicht wirklich glücklich wurde. Sie muss noch viel lernen, um ihrem Lehrmeister Peter Konwitschny das Wasser reichen zu können!

      Die Nemirova verlegt die Handlung nach 1989, in die Zeit der Restitutionen, als die von den kommunistischen Machthabern vertriebene einstige Führungsschicht wieder Anspruch auf ihre verstaatlichten Besitztümer erhebt. Ein an sich interessanter Ansatz, der aber im Ansatz stecken bleibt.
      Johannes Leiacker hat ein praktikables Einheitsbühnenbild gebaut, das offen lässt, ob es ein großes Foyer oder einen Platz zwischen Gebäuden im Freien darstellt. Beide Lesarten sind möglich und erlauben einen raschen Szenenwechsel ohne Umbauarbeiten. (Warum sich trotzdem immer wieder störend der Vorhang senkt, bleibt ein Rätsel...)
      Ein prunkvoller Treppenaufgang beherrscht den rechten Teil der Bühne, er mündet oben in eine Art Wintergarten, der wie eine gläserne Kanzel in den Raum ragt und später als Büro, Garderobe und Schlafgemach der Gräfin dienen wird. Durch die halb blinden Scheiben kann man aber nicht viel mehr als die Konturen der Personen erkennen. Ein großes steinernes Wappen prangt über dem Aufgang und weist das Gebäude als Adelspalast aus.
      Links verläuft eine Fensterfront schräg nach hinten, unterbrochen von einer Türe, die ins Freie führt, oder, wenn man diese Begrenzung als Außenfassade betrachtet, ins Innere eines Gebäudes. (Durch die offenen Fenster kann man fallweise Regen oder auch brennende Kerzenleuchter erkennen.) Die Jahre der kommunistischen Herrschaft haben dem einst prächtigen Palast sichtbar zugesetzt, er präsentiert sich in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand und beherbergt augenblicklich ein Waisenhaus. Eine Reihe einfacher Eisenbetten steht vor der Fensterfront, und zu Beginn der Handlung wecken die Erzieherinnen die Kinder auf und trösten sie mit der Aussicht auf Spiele im Freien. Zuvor aber müssen sie zum Appell antreten und soldatische Tugenden besingen. Das alles passt erstaunlich gut zum Libretto.
      Aber die Tage des Waisenhauses sind gezählt, denn während die Kinder in den Waschraum geführt werden, erscheinen als Vorhut Surin, Tschekalinski, Tomski und später Hermann, die aber hier keine Offiziere, sondern Architekten samt Tross sind und unverzüglich beginnen, das abgewohnte Gebäude zu inspizieren. Fotos werden angefertigt, Baupläne entrollt und offensichtlich eine Generalsanierung ins Auge gefasst. Wenig später trifft auch die Gräfin ein, wohl direkt aus dem Pariser Exil, wie der Berg an Gepäck suggeriert. Es ist ein großer Auftritt im wahrsten Sinn des Wortes, die mondäne Dame wird von den armen Leuten von der Straße ebenso angestaunt wie von den Waisenkindern, die vergebens ein Schild mit "Welcome" hoch halten. Vergebens, denn am Ende dieses Aktes müssen sie traurig mit ihren wenigen Habseligkeiten abziehen.
      Bis hierher lässt sich alles sehr gut an. Leider versandet die Inszenierung nach diesem hoffnungsvollen Beginn sehr rasch, werden die gesetzten Akzente nicht weiter verfolgt oder gar vertieft. Dass der Maskenball im zweiten Akt zunächst als Modenschau für die Neureichen beginnt und später in einer Travestieshow endet, ist ein netter Einfall, bringt aber die Handlung nicht weiter. Altmeister Konwitschny lässt grüßen, als die Gräfin im Kostüm der Zarin mit Gefolge durch den Zuschauerraum Einzug hält. OK, aber wie gesagt....
      Was die Nemirova nämlich weitgehend schuldig bleibt, ist ein überzeugendes psychologisches Konzept. "Pique Dame" ist kein politisches Drama, auch die soziale Kluft zwischen Arm und Reich ist nicht das zentrale Thema, sondern dient nur dazu, Hermanns Besessenheit zu legitimieren, mit der er das Geheimnis der "tri carti" lüften will, um zu Reichtum und in weiterer Folge zur Hand seiner Lisa zu gelangen. Besonders die zentrale Szene, als Hermann von Wahnvorstellungen heimgesucht wird und sich immer mehr in seiner Paranoia verirrt, verpufft hier ziemlich wirkungslos, rufe ich mir die wirklich gespenstische Szenerie unserer alten "Pique Dame" in Erinnerung. (Damit meine ich jetzt nicht ein realistisches Bühnenbild - ein solches vermisse ich nie! - sondern die unheimliche Atmosphäre, die ungeheure Dramatik, mit der diese Episode aufgeladen war.) Vera Nemirova bahrt die tote Gräfin im Foyer auf, lässt Hermann ein bisschen herumwüten und mit Blumengebinden werfen, bevor er auf den Katafalk klettert, die Tote aufrichtet und sodann aus deren Mund die "tri carti" erfährt. Das alles spielt sich im hellsten Scheinwerferlicht ab und wirkt bestenfalls pietätlos, das ist aber auch schon alles. Dem düsteren Charakter der Musik wird diese Szene überhaupt nicht gerecht, aber das ist generell ein Manko dieser Inszenierung: Frau Nemirova scheint sich mehr mit dem Libretto als mit der Partitur befasst zu haben! Die Gräfin stirbt hier übrigens nicht am Schock, weil sie Hermann mit der Pistole bedroht, sondern den Liebestod, wobei nicht ganz klar wird, ob sie nun wirklich vergewaltigt wird oder das Ganze als "Traum" wahrnimmt (Sie schwelgt ja kurz davon in ihren Erinnerungen, als ihr die gesamte Männerwelt von Paris zu Füßen gelegen ist!) Lisa kommt jedenfalls dazu, als Hermann eben seine Garderobe ordnet, und es erscheint mir völlig absurd, dass sie diese Szene nicht richtig deutet und ihm trotzdem verzeiht.
      Im letzten Akt stehen Spielautomaten zwischen den Fenstern, die mit blinkenden Lichtgirlanden umrahmt sind - der Palast wurde offensichtlich in ein Kasino umgewandelt. Die verhängnisvolle Kartenpartie läuft wie gewohnt ab, nur dass Hermann nicht die tote Gräfin erscheint, sondern es Lisas Leiche ist, die von Männern hereingebracht und am Spieltisch abgelegt wird. Jäh erwacht Hermann aus seinem Wahn, erkennt, was er angerichtet hat, und erschießt sich. Diesen Einfall fand ich sehr gelungen.

      Musikalisch konnte man mit dieser Aufführung wirklich sehr zufrieden sein. Seiji Ozawa bewies einmal mehr, dass er ein Händchen für Tschaikowski hat, ließ manchmal beinahe kammermusikalisch fein musizieren und bot genau die Stimmungsmalerei, die Vera Nemiravoas Inszenierung schuldig blieb. Wie die Musik beim Gewitter unheimlich-düster aufrauschte, ging unter die Haut!
      Die Sänger gefielen mit viel besser als die PR-Besetzung: Aleksandr Antonenkos Tenor mag nicht der schönste sein, passte aber von der Stimmfarbe vorzüglich zu diesem leidenschaftlichen Charakter, und auch dass er dazu neigt, etwas zu sehr aufzudrehen, konnte man ihm diesmal als rollenkonform durchgehen lassen. In der Liebesszene mit Lisa zeige er sich aber auch zu leiseren Tönen fähig und überzeugte mit schönem Legato. Antoneko legte sich auch darstellerisch ins Zeug und mimte sehr eindrucksvoll den verzweifelten Verliebten, der sich immer mehr in die Idee mit dem Kartenspiel verrennt und in seinem Wahn nicht erkennt, dass er damit nicht nur sich, sondern auch Lisa zugrunde richtet.
      Natalia Ushakova war ihm eine ebenbürtige Partnerin, überzeugte mit ihrer schön timbrierten, technisch sauber geführten Stimme ebenso wie als Schauspielerin, wo sie ihre anfängliche Verwirrung und später die Unbedingtheit ihrer Liebe zu Hermann ebenso glaubhaft vermittelte wie ihr schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Verlobten Jeletzki.
      Diesem lieh, als Einspringer für den erkrankten Markus Eiche, Boaz Daniel seine Stimme. Er und insbesondere seine Stimme sind an der WSO "groß geworden", und es ist erfreulich, dass er sich nach einem kleineren Tief in der letzten Saison offensichtlich wieder gefangen hat und nun seine Qualitäten wieder unter Beweis stellen kann. Er sang seine Arie wirklich schön und stilsicher, Timbre ist bekanntlich Geschmacksache, ich mag das seine sehr.
      Anja Siljas Gräfin besticht durch ihre Bühnenpäsenz, stimmlich muss man bei der 67jährigen, die heute, am 29. September, übrigens für ihr 50jähriges Bühnenjubiläum an der WSO geehrt wird, natürlich gewaltige Abstriche machen. Trotzdem gelingen ihr immer noch sehr schöne Phrasen in der Mittellage.
      In der kleinen Rolle der Polina brillierte Elisabeth Kulman, eine wirkliche Luxusbesetzung.

      Das Publikum belohnte diese musikalisch hochwertige Aufführung mit starkem, aber realativ kurzen Applaus, es gab auch viele Bravos für Ushakova, Antoneko und natürlich die Grande Dame Anja Silja.

      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Severina,

      bin auch total glücklich, wieder einen Deiner spannenden Berichte zu lesen, denn man hat dabei wirklich die beschriebenen Bilder und Situationen, wie so oft, direkt vor Augen. Der erste Teil könnte tatsächlich gut passen, aber es ist wohl wirklich schwer, den roten Faden in so einem Drama nicht aus den Augen zu verlieren, ihn auch gut genug heraus zu arbeiten, die Spannung zu halten und vor allem die musikalischen Botschaften, die Du wohl sehr stark verspürt hast, in der Inszenierung zu berücksichtigen.

      Da wird klar, dass an einer wirklich guten Inszenierung lange gearbeitet werden muss. Wie Polonius schrieb, sind es zwei Jahre. Das war mir vorher nie so bewusst. Vielleicht können sich auch manche Regisseure nicht so viel Zeit nehmen, da sie zu viele Angebote bekommen und dann mehr oder weniger wie am Fließband arbeiten müssen. Meist merkt man das dann auch, vor allem wenn sich die Einfälle zu stark wiederholen und nicht nur ein besonderes Markenzeichen darstellen.
      Bei meinem Mann gehörte z.B. zu einem typischen "Alden" immer ein Kühlschrank und wenn der fehlte, war er richtig enttäuscht :D

      Nochmals vielen Dank
      und herzliche Grüße
      Ingrid
    • Liebe Severina,
      vielen vielen Dank für den Bericht, Vor Jahren hörte (Seitenplatz) ich die "alte" Pique Dame an der SOP mit Domingo und Hvorostowsky, Ozawa hat dirigiert. Den Klang, die düstere unheimliche Stimmung kann ich mir immer noch ins Ohr rufen. Seitdem habe ich keine "Pique Dame" mehr gehört. Deine Beschreibung macht richtig Lust auf einen Wien-Urlaub.
      Viele Grüße
      Alexa
      "Im Augenblick sehe ich gerade wie Scarpia / Ruggero Raimondi umgemurxt wird, und überlege ob ich einen Schokoladenkuchen essen soll?" oper337
    • Liebe Sevi, ich freu mich auch sehr,dich wiederzulesen, obschon ich Pique Dame bisher nicht kenne.
      Ist Dir da ein angeblich bukolisches Duett Polina-Lisa aufgefallen und wenn ja, wie klingt das?
      Weiss jemand evtl den Titel , damit ich das mal probehören kann.

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Mozart, Grétry...

      FairyQueen schrieb:


      Ist Dir da ein angeblich bukolisches Duett Polina-Lisa aufgefallen und wenn ja, wie klingt das?
      Weiss jemand evtl den Titel , damit ich das mal probehören kann.


      Liebe Fairy,

      das Schäferspiel ist eine Einlage im 2. Akt, das auf einem Fest spielt - die Musik klingt (beabsichtigt) nach Mozart. Der Titel des Duetts lautet: "Moi milenki druzhok" und wird von Polina in der Rolle von Chloe und Liza in der Rolle von Dafnis gesungen.

      Noch ein anderes Werk aus einer anderen Zeit als der von Tchaikovski wird in der "Pique Dame" zitiert: die Gräfin erinnert sich an eine in ihrer Jugend moderne Oper von André-Modeste Grétry: "Richard, Coeur de lion" und singt ein Stück aus dieser Oper: "Je crain de lui parler la nuit" und zwar im französischen Original. Es ist sehr reizvoll, einmal diese Ariette, die ich jahrelang nur als Zitat aus der "Pique Dame" kannte in ihrem ursrpünglichen Zusammenhang in der Grértry-Oper hören zu können.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Ingrid schrieb:

      Bei meinem Mann gehörte z.B. zu einem typischen "Alden" immer ein Kühlschrank und wenn der fehlte, war er richtig enttäuscht :D
      Hier OT, aber trotzdem: Ich dachte, zu einem typischen "Alden" gehört ein Auto auf der Bühne? :D
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • RE: Mozart, Grétry...

      Alviano schrieb:

      FairyQueen schrieb:


      Ist Dir da ein angeblich bukolisches Duett Polina-Lisa aufgefallen und wenn ja, wie klingt das?
      Weiss jemand evtl den Titel , damit ich das mal probehören kann.


      das Schäferspiel ist eine Einlage im 2. Akt, das auf einem Fest spielt - die Musik klingt (beabsichtigt) nach Mozart. Der Titel des Duetts lautet: "Moi milenki druzhok" und wird von Polina in der Rolle von Chloe und Liza in der Rolle von Dafnis gesungen.


      Ob nicht vielleicht eher das schöne Duett Lisa-Polina "Schon wird es Abend" (wie auch immer das auf Russisch heißt!) aus dem ersten Akt gemeint ist? Das klingt allerdings nach russischer Folklore. Auf Youtube gibt es eine sehr hübsche Klavierfassung davon mit Edita Gruberová und Vesselina Kasarova anzuhören.
      Im Schäferspiel sind die Partien Daphnis und Chloe meines Wissens keinen Partien der "richtigen" Oper zugeordnet, sondern eigentlich unabhängige Partien, werden aber immer wieder auch als Doppelrolle besetzt - dann aber Polina/Daphnis!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe Severina,

      zunächst einmal - SCHÖN, dass es dich hier wieder gibt und die Österreich-Fraktion wieder stärker auftritt.
      Ich konnte die Aufführung leider nicht sehen (war in der VOP in einer nicht wirklich sesselreißenden "Zauberflöte" um die Pamina zu hören), es freut mich aber, dass dir Elisabeth Kulman so gefallen hat. Sie singt übrigens zum Wochenene im Philharmonischen (Übertragung am Sonntag um 11.00 Uhr in Ö1).

      herzliche Grüße
      Michael
    • Meine Lieben,
      vielen Dank, bin ja fast ein wenig gerührt, weil ich ehrlich nicht dachte, dass mein Geschreibsel groß abgehen wird. Fairys Frage habt Ihr ja bereits profund beantwortet.
      Alexa, genau diese Aufführung mit Domingo meine ich und genau diese unheimliche Stimmung (und Spannung) fehlt der Nemirova-Inszenierung völlig.
      So, und jetzt zurück zur "La Bohème" im Hochhaus!
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • ='Le Merle Bleu' Hier OT, aber trotzdem: Ich dachte, zu einem typischen "Alden" gehört ein Auto auf der Bühne? :D


      Lieber Michel,

      das wäre doch vielleich einen Thread wert: Lustige/typische/verrückte/tolle/besondere Regieeinfälle verschiedener Regisseure, oder gibt es den schon?

      :wink: Ingrid
    • Nun weiss ich aber immer noch nciht, welches Duett das nun ist. Wenn es zwei gibt, umso besser .
      Auf jeden Fall soll das angeblich was für mich und Rosenkavalier sein , denn zu diesem Zwecke wollte mir das jemand, der uns gut kennt, schmackhaft machen.
      Gruberova und Kasarova klingt da recht wahrscheinlich- werde es mir auf youtube mal anhören.
      Nach der serh plastischen und drastischen Beschreibung von Peter, dem Grossen Gestreiften schient das ja eine ziemlich tragische Story zu sein, die einem so ziemllich alles zumutet was man sich unter einer russsichen Tragödie vorstellt. Ertrinken in der eiskalten Newa wegen eines nichtsnutzigen Spielers ist ja fast noch schlimmer als Gilda im Kartoffelsack. :o:
      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Lieber Areios,

      da Fairy ausdrücklich nach einem "bukolischen" Duett fragte, kommt wohl nur das Duett im 2. Akt in Frage - und, bei aller Vorsicht, ich habe Fairy nie singen gehört, nehme ich mal an, dass es sich wegen des Charakters der Stimmen um eben jenes Duett handelt. Und da sind wir schon bei einem entscheidenden Punkt: die Rollen des Schäferspiels sind tatsächlich für die Personen Liza - Polina - Tomsky gedacht. Die Stimmlagen habe ich allerdings durcheinandergeworfen, Dafnis ist der Mezzosopran. Aber gerade bei der Liza werden oft (und zurecht) etwas schwerere Stimmen eingesetzt, für die Sopranpartie im Schäferspiel eigent sich aber eine leichtere Stimme besser (was nicht bedeutet, dass das nicht auch von einer jugendlichen (Fach!) Sopranistin gesungen werden kann) daher erlebt man hier oft zwei verschiedene Sängerinnen. Wenn man dieses Zwischenspiel über die untreue Hirtin aus der Sicht von Hermann betrachtet, wird auch klar, wieso aus der Zuordnung der Figuren dessen Gefühlslage mächtig ins Kippen gerät.

      Mein Hinweis auf den Grétry sollte den Blick von Fairy auf dieses Werk lenken - während in der Oper des Russen die Liedzeile von einer Sängerin des Charakterfaches interpretiert wird, singt eine leichte Sopranistin, ein junges Mädchen, diese Ariette beim franzöischen Komponisten.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Ich habe mir das Duett mit Gruberova/Kasarova angehört - klingt sehr schön! :angel:

      Welches der Beiden von euch anvisierten nun gemeint ist, weiss ich nicht, werde mich aber bei betreffendem Pianisten noch genau erkundigen. Er wollte mir auch die Noten geben und dann wird die Sache klar sein.

      Einzelne Duette konzertant und mit Klavier kann man auch singen, wenn eine ganze Rolle dieses Fachs unmöglich wäre. Siehe z.B. Dorabella/Fiordiligi. aber das gehört jetzt ins Sängerforum, daher :stumm:



      Wie auch immer, ich bin jetzt ganz neugieirg auf diese Oper geworden! Wenn die nur annähernd so schön ist wie der Eunegin- das war nämlich letztes Jahr Liebe auf den ersten Ton! :sev:



      Nach dem Tristan zur Pique Dame?



      F.Q.
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    • FairyQueen schrieb:



      Wie auch immer, ich bin jetzt ganz neugieirg auf diese Oper geworden! Wenn die nur annähernd so schön ist wie der Eunegin- das war nämlich letztes Jahr Liebe auf den ersten Ton! :sev:


      Liebe Fairy Queen!

      Also an den genialen "Eunegin" :juhu: kommen meiner Meinung nach nur wenige Opern heran, aber die "Pique Dame" ist auch sehr schön!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Leider wurde es am 29.9. nichts mit der Ehrung für Anja Silja, da sie krankheitsbedingt absagen musste. Für sie sprang die junge Slowakin Marta Benackova ein, die damit zu einem erfolgreichen Debut an der Staatsoper kam. Sie muss den Vergleich mit der Silja nicht wirklich scheuen: Was die eine auf Grund ihrer Persönlichkeit bietet, kann sie mit einer unverbrauchten Stimme ausgleichen.
      Auch in zwei anderen Punkten unterschied sich die gestrige Aufführung von der ersten der Serie: Markus Eiche ist wieder gesundet und sang einen sehr schönen Jeletztki und statt Elisabeth Kulman sang wieder die Premierenbesetzung Natalia Krasteva.